Auch wenn sie nicht im Dienst zu sehen war, so streifte sie durch die Wälder und das schon seit Tagen.
Sie war auf der Suche, doch keiner konnte genau sagen was sie suchte.
Ihre Suche führte sie auch zu den Banditenlagern. Das Lager im Norden vor Wulfgard hatte sie vor einigen Tagesläufen in der Nacht gesäubert. Es waren keine zielgenauen guten Schüsse, aber es reichte, um einige zu verwunden, dass die Banditen von sich aus ihr Lager aufgaben.
Vor zwei Tagesläufen mussten die Banditen zwischen Adoran und dem Rittersee dran glauben. Sie schlich zu ihrer Feuerstelle, setzte sich dort zum Aufwärmen hin und jedes Mal, wenn einer der Banditen die gleiche Idee hatte und zu dicht kam, bekam er einen Pfeil ab. Mal war dieser Pfeil sofort tödlich, mal zeitverzögert. Doch die Banditen sollte es über eine Weile dezimiert gehalten haben.
Aufgeschreckt von Hufen trieb ihre Suche sie irgendwann weiter. Zurück ins Landinnere durch die Wälder. Ein einzelner Strolch am See vor Kronwalden kam mit dem Schrecken davon, als er beinahe aus dem Nichts vor ihr auftauchte. Der Bogen knackte leise, aber gut hörbar, als sie die kalte Sehne anspannte. Der Pfeil lag auf den zitternden Fingern und zielte aus kurzer Distanz auf den Kopf des jungen Burschen. Es war das Glück des Jungen, dass ihre Reaktionszeit unter der bitteren Kälte deutlich gelitten hat. Der bebende Bogen unter den durchgefrorenen Händen sank runter, die Spannung der Sehne ließ nach. Das war das Zeichen für den Burschen und er rannte so schnell ihn seine Füße trugen durch das Unterholz davon.
Cecilia ging weiter, getrieben von der andauernden Suche. Die Banditenzuflucht im Osten des Reiches kurz vor der Küste kam immer näher. Eine Weile beobachtete sie aus der Deckung des Waldes die Banditen, wie sie dort lebten, als wäre es eine Siedlung. Unverständnis kroch in ihr hoch. Dagegen musste etwas getan werden. Sie ließ einen Pfeil auf den Banditen am Feuer sitzend los. Er verfehlte knapp. Diese verfluchte Kälte. Ihr zitternder Körper gab nicht genug Ruhe für präzise Schüsse. Ein weiterer Pfeil suchte sein Ziel. Doch der Bandit war bereits alarmiert aufgesprungen und rief seine Kameraden zur Hilfe. Cecilias Instinkt setzte ein und ließ sie flüchten. Richtung Norden verzog sie sich durch das Untergehölz des Waldes. Nur um einige Zeit später zurück zu kehren und von der anderen Seite erneut die Banditen in ihrer siedlungsähnlichen Zuflucht dezimieren zu wollen.
Immer wieder musste sie sich zurückziehen, ohne dass sie nennenswerten Schaden angerichtet hatte.
Was blieb, war eine Spur an Pfeilen mit dem Zeichen des Regiments. Sowohl im nördlichen Banditenlager vor Wulfgard, als auch bei den Wegelagerern vor Adoran und schlussendlich bei der Banditenzuflucht an der Ostküste. Mal steckten sie in Leichen, mal in Hauswänden, mal an Baumstämmen.
[MMT]Unter Kameraden
-
Marius Marlon
- Beiträge: 55
- Registriert: Mittwoch 20. September 2023, 10:07
Re: [MMT]Unter Kameraden
In den ersten Stunden hatte Marius die Unordnung noch als Zeichen von Hast abgetan. Cecilia war manchmal unberechenbar, und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass sie spontan aufgebrochen war weil ihr ein Verletzter in die Hände gefallen war um den sie sich kümmerte. Doch je länger er im Haus stand, desto lauter wurden die kleinen, nagenden Details: der kalte Herd, der leere Wasserkessel, der Korb mit ungewaschener Wäsche, der sonst nie länger als einen Tag unbeachtet blieb. Es roch nicht nach Leben, sondern nach Stillstand.
Schließlich schnallte er sich den Mantel um und machte sich auf den Weg nach Adoran. In den Kasernenhöfen und Schenken fragte er beiläufig, erst fast scherzhaft, ob jemand Cecilia gesehen habe. Bei seinen Kameraden stieß er zunächst auf Achselzucken. Einer meinte, sie vor Tagen auf dem Marktplatz gesehen zu haben, ein anderer war sich nicht einmal sicher, ob sie es wirklich gewesen war. Niemand konnte sagen, wohin sie gegangen war oder mit wem.
Mit jeder ausweichenden Antwort zog sich Marius’ Magen ein Stück fester zusammen. Die Stimmen um ihn herum wurden dumpfer, das Lachen fremd. Als er den letzten Kameraden verließ und wieder auf die Straße trat, wusste er, dass es kein bloßes Verschwinden mehr war. Etwas stimmte nicht – und er würde nicht ruhen, bis er herausgefunden hatte, was mit Cecilia geschehen war.
Schließlich schnallte er sich den Mantel um und machte sich auf den Weg nach Adoran. In den Kasernenhöfen und Schenken fragte er beiläufig, erst fast scherzhaft, ob jemand Cecilia gesehen habe. Bei seinen Kameraden stieß er zunächst auf Achselzucken. Einer meinte, sie vor Tagen auf dem Marktplatz gesehen zu haben, ein anderer war sich nicht einmal sicher, ob sie es wirklich gewesen war. Niemand konnte sagen, wohin sie gegangen war oder mit wem.
Mit jeder ausweichenden Antwort zog sich Marius’ Magen ein Stück fester zusammen. Die Stimmen um ihn herum wurden dumpfer, das Lachen fremd. Als er den letzten Kameraden verließ und wieder auf die Straße trat, wusste er, dass es kein bloßes Verschwinden mehr war. Etwas stimmte nicht – und er würde nicht ruhen, bis er herausgefunden hatte, was mit Cecilia geschehen war.
- Keylon von Salberg
- Beiträge: 1800
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Re: [MMT]Unter Kameraden
Sie wurde das letzten Mal vor drei Tagen gesehen.
Cecilia
Sein Schwert steht schützend dir bereit... Ein Satz den Linus so treffend über seine Besziehung zu der Heilerin komponiert hatte.
Sie hatte nicht nur ihm das Leben gerettet, damals in Berchgard wo sein Leben nur noch am seidenem Faden gehangen hatte, sondern so vielen Anderen auch.
Sie stellte stets ihre Gesundheit hinten an, Arbeitete bis zum Umfallen um Andere zu versorgen.
Er machte sich Sorgen. Große Sorgen.
Niemand durfte ihr etwas tun, nur wo war sie?
Sie war keine Person die sich alleine in Gefahr brachte.
Man musste sie finden.
Keylon war klar das sich sicher schon andere auf die Suche gemacht hatten aber er wäre nicht Keylon wenn er sich nicht selber einmischen würde.
Von Kathrina hatte er erst jetzt erfahren das Cecilia vermisst wurde, und ihm war es egal das es schon zu später Stunde war.
Er machte sich direkt auf um die Suche zu beginnen.
Malachai kam ihm dabei gerade Recht.
Sein Schwiegervater konnte sich im Westen bewegen und würde sich dort umsehen und umhören.
Keylon machte sich direkt auf zum Regimentsgebäude um dort zu versuchen die Spur auf zu nehmen.
Der Rekrut der Dienst hatte, zuckte nur die Schultern ob seiner Frage nach Cecilia, und Keylon fuhr ihn fast unfanft an das er jemanden Fragen solle der ihm Antworten könne und so bekam er dann die Antwort, das sie seit drei Tagen niemand mehr gesehen hätte.
Keylon hatte seine Ohre überall.
Fragte Wachen, Passanten nur um zu folgendem Bericht zu kommen.
Einige Kameraden von ihr haben sie am 18ten Nachmittags noch im Heilerhaus arbeiten sehen.
Dann war sie das letzte mal vor drei Tagen gesehen worden, als sie in Ausgehuniform auf ihrem Pferd Adoran, durch das Haupttor verlassen hatte.
Sie war nicht wieder gekommen und auch in Berchgard nicht wieder hinein gekommen.
Sie war also irgendwo da draußen.
Als nächstes würde er in Bajard dann in Kawi nachsehen .Vielleicht hatte sie dort jemand gesehen gehabt.
Obwohl es schon Nacht war, ritt er hinaus nach Bajard, aber wie befürchtet, war dort bereits Jedermann zu Bett gegangen.
Auf Kawi würde es genauso aussehen, also musste er die Suche auf den nächsten Tag verschieben.
„Cecilia wo bist du nur?"
murmelte er vor sich hin, dann ritt er nach Hause.
In dieser Nacht würde er wohl nicht mehr das Glück haben auf ihre Spur zu stoßen.
Möge Temora ihre Hand über sie halten.
Cecilia
Sein Schwert steht schützend dir bereit... Ein Satz den Linus so treffend über seine Besziehung zu der Heilerin komponiert hatte.
Sie hatte nicht nur ihm das Leben gerettet, damals in Berchgard wo sein Leben nur noch am seidenem Faden gehangen hatte, sondern so vielen Anderen auch.
Sie stellte stets ihre Gesundheit hinten an, Arbeitete bis zum Umfallen um Andere zu versorgen.
Er machte sich Sorgen. Große Sorgen.
Niemand durfte ihr etwas tun, nur wo war sie?
Sie war keine Person die sich alleine in Gefahr brachte.
Man musste sie finden.
Keylon war klar das sich sicher schon andere auf die Suche gemacht hatten aber er wäre nicht Keylon wenn er sich nicht selber einmischen würde.
Von Kathrina hatte er erst jetzt erfahren das Cecilia vermisst wurde, und ihm war es egal das es schon zu später Stunde war.
Er machte sich direkt auf um die Suche zu beginnen.
Malachai kam ihm dabei gerade Recht.
Sein Schwiegervater konnte sich im Westen bewegen und würde sich dort umsehen und umhören.
Keylon machte sich direkt auf zum Regimentsgebäude um dort zu versuchen die Spur auf zu nehmen.
Der Rekrut der Dienst hatte, zuckte nur die Schultern ob seiner Frage nach Cecilia, und Keylon fuhr ihn fast unfanft an das er jemanden Fragen solle der ihm Antworten könne und so bekam er dann die Antwort, das sie seit drei Tagen niemand mehr gesehen hätte.
Keylon hatte seine Ohre überall.
Fragte Wachen, Passanten nur um zu folgendem Bericht zu kommen.
Einige Kameraden von ihr haben sie am 18ten Nachmittags noch im Heilerhaus arbeiten sehen.
Dann war sie das letzte mal vor drei Tagen gesehen worden, als sie in Ausgehuniform auf ihrem Pferd Adoran, durch das Haupttor verlassen hatte.
Sie war nicht wieder gekommen und auch in Berchgard nicht wieder hinein gekommen.
Sie war also irgendwo da draußen.
Als nächstes würde er in Bajard dann in Kawi nachsehen .Vielleicht hatte sie dort jemand gesehen gehabt.
Obwohl es schon Nacht war, ritt er hinaus nach Bajard, aber wie befürchtet, war dort bereits Jedermann zu Bett gegangen.
Auf Kawi würde es genauso aussehen, also musste er die Suche auf den nächsten Tag verschieben.
„Cecilia wo bist du nur?"
murmelte er vor sich hin, dann ritt er nach Hause.
In dieser Nacht würde er wohl nicht mehr das Glück haben auf ihre Spur zu stoßen.
Möge Temora ihre Hand über sie halten.
- Fainche Orlaith
- Beiträge: 91
- Registriert: Sonntag 4. Juni 2023, 16:07
Re: [MMT]Unter Kameraden
Winter. Die Kerze stinkt nach Talg.
Die Rippe fühlt sich an wie Brei, die Fresse ist dick. Mal wieder. Verdient. Schmerz ist das Einzige, was ehrlich ist.
Cecilia. Verdammt, das dämliche Huhn. Rennt da draußen rum und wir dürfen hinterherstolpern. Als wir sie finden, ist da nichts mehr von der Heilerin. Nur noch Panik. Kratzt, tritt, pfeift wie ein kaputter Kessel. Marlan, dieser verdammte, passive Stein, lässt sich das Gesicht zerkratzen. Er blutet, aber er hält sie fest wie etwas Kostbares. Er bleibt ruhig. Regungslos. Als wolle er den Sturm einfach nur aushalten.
Und ich? In mir ist das Schlechteste wieder hochgekommen. Die Sorge war weggefault, da war nur noch blinde, dreckige Wut. Ich wollte, dass der Lärm aufhört. Dass sie aufhört, mich an meine eigene Hilflosigkeit zu erinnern. Ich hab die Faust geballt. Da war nichts Gezieltes. Ich hab ausgeholt zu einem rohen Schwinger, der ihr den Kiefer zertrümmert hätte. Oder hätte sollen. Nicht um sie zu retten. Sondern weil ich meinen Stress an ihr auslassen wollte. Wie früher. Wenn was kaputt ist, hau drauf, bis es still ist.
Mitten in der Bewegung bin ich eingefroren. Weil ich ihr ins Gesicht gesehen habe. Das ist kein besoffener Schläger. Das ist Cecilia. Wir tragen dieselben Farben. Meistens. Wir sind Kameraden. Manchmal. Und ich war drauf und dran, eine von denen, die immer nur helfen wollen, zu Brei zu schlagen, nur weil ich zu schwach war, ihre Panik zu ertragen. Ich hab den Arm sinken lassen. Nicht aus Güte. Sondern vor purem Entsetzen, dass dieser Straßenköter in mir immer noch so nah an der Oberfläche lauert. Egal wie sehr ich versuche, ihn an die Kette zu legen.
Dann hat Marlan es beendet. Ein kurzer Schlag. Licht aus. Dosiert. Kontrolliert. Er hat die Härte aufgebracht, um sie zu schützen. Ich hätte sie kaputtgemacht. Das ist der Unterschied zwischen einem alten Soldaten und einem Flohfänger.
Als wir sie abgeladen haben und er mir gedankt hat – mir, die ich fast zur Katastrophe geworden wäre –, hätte ich ihm am liebsten vor die Stiefel gekotzt. Er denkt, ich wäre wie er. Er hat keine Ahnung.
„Am Arsch.“ Mehr hab ich nicht rausgekriegt. Bin abgehauen. Bevor jemand merkt, dass ich nur verkleidet bin.
-F.
- Keylon von Salberg
- Beiträge: 1800
- Registriert: Mittwoch 23. April 2014, 21:20
Re: [MMT]Unter Kameraden
Seine Erleichterung war grenzenlos als Adelena ihm erzählte das man Cecilia gefunden hatte.
Sie war unter einer Schneelawine verschüttet gewesen.
Was ihm jeoch kopfzerbrechen machte das sie drei Tage lang da draußen gewesen war.
3 Tage !!!
Sie hatte doch sicher nicht drei Tage unter dem Schnee gelegen.
Natürlich besuchte er sie sofort.
Dadurch das man sie in der Nähe von Kronwalden gefunden hatte, war sie bei Serina untergebracht worden und so begab sich Keylon sofort zu ihr, und ihre Verfassung war besorgniserregend.
Nicht Körperlich aber sie starrte vor sich hin, antwortete kaum bis gar nicht.
Er kam mit seinen Worten nicht richtig an sie heran, und so kam ihm eine spontane Idee.
Mit dem Versprechen gleich wieder zu kommen ritt er los.
Lange brauchte er nicht bis er fand was er suchte. Ein Bauernhof hatte doch meistens junge Hunde.
Hier fand er einen sehr kuschelbedürfigen Welpen, den er für mehr als er Wert war bezahlte und mit diesem zurück gen Serina kehrte.
Celecia wollte den Welpen erst nicht annehmen aber Keylon flunkerte ein wenig das er ihn gerade gerettet hatte da er als einzigstes übrig war und der Bauer ihn hätte ertränken wollen.
Das der Welpe sie nun genauso brauchte wie sie ihn.
Schlussendlich nahm die Heilerin den Welpen und Keylon betrachtete zufrieden wie sie sich an ihn kuschelte, so wie er sich an sie.
Keylon war sich sicher das diese kleine Knautschkugel eine sichere Medizin für ihre Psyche sein würde.
Jetzt konnte er erst einmal wieder gehen.
Die Frage ... wo sie die drei Tage gewesen war... war jedoch nicht vergessen.
Sie war unter einer Schneelawine verschüttet gewesen.
Was ihm jeoch kopfzerbrechen machte das sie drei Tage lang da draußen gewesen war.
3 Tage !!!
Sie hatte doch sicher nicht drei Tage unter dem Schnee gelegen.
Natürlich besuchte er sie sofort.
Dadurch das man sie in der Nähe von Kronwalden gefunden hatte, war sie bei Serina untergebracht worden und so begab sich Keylon sofort zu ihr, und ihre Verfassung war besorgniserregend.
Nicht Körperlich aber sie starrte vor sich hin, antwortete kaum bis gar nicht.
Er kam mit seinen Worten nicht richtig an sie heran, und so kam ihm eine spontane Idee.
Mit dem Versprechen gleich wieder zu kommen ritt er los.
Lange brauchte er nicht bis er fand was er suchte. Ein Bauernhof hatte doch meistens junge Hunde.
Hier fand er einen sehr kuschelbedürfigen Welpen, den er für mehr als er Wert war bezahlte und mit diesem zurück gen Serina kehrte.
Celecia wollte den Welpen erst nicht annehmen aber Keylon flunkerte ein wenig das er ihn gerade gerettet hatte da er als einzigstes übrig war und der Bauer ihn hätte ertränken wollen.
Das der Welpe sie nun genauso brauchte wie sie ihn.
Schlussendlich nahm die Heilerin den Welpen und Keylon betrachtete zufrieden wie sie sich an ihn kuschelte, so wie er sich an sie.
Keylon war sich sicher das diese kleine Knautschkugel eine sichere Medizin für ihre Psyche sein würde.
Jetzt konnte er erst einmal wieder gehen.
Die Frage ... wo sie die drei Tage gewesen war... war jedoch nicht vergessen.
- Fainche Orlaith
- Beiträge: 91
- Registriert: Sonntag 4. Juni 2023, 16:07
Re: [MMT]Unter Kameraden
Der Text entspricht meinem letzten RP mit Marius. Die Wortwahl von Marius ist unverändert. Der Rest ein wenig ausgeschmückt
Perspektivwechsel
Regiments-Kastell, am 04. Eisbruch 269
Der hölzerne Dolch lag leicht und vertraut in Marius’ Hand. Er musste nicht hinsehen; das Gewicht, die Balance, die Maserung – all das kannte er auswendig. Seine Ohren waren jedoch auf etwas anderes gerichtet. Schritte näherten sich. Ein Rhythmus, den er kannte, aber heute wirkte er hastiger, vielleicht frustrierter als sonst.
Als die Gestalt aus dem Durchgang kam, handelte Marius instinktiv. Kein Zögern, keine Warnung. Er warf das Holzgeschoss. Das Ziel – Fainche – huschte zur Seite. Eine flüssige Bewegung, geboren aus Reflexen, nicht aus Drill. Der Dolch klapperte harmlos in einen Blumentopf. Marius lehnte sich zurück, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. „Ja, das muss so. Aber gut reagiert“, kommentierte er trocken, während er sich erhob.
Die kurze Interaktion mit Feldwebel Kabo, der wie ein Geist der Vorschrift im Raum stand, hakte Marius routiniert ab. Ein Salut hier, ein „Wir haben gerade die erste Lektion geübt, Feldwebel“ dort. Sobald Marlan ihnen den Rücken kehrte und sie auf den Übungsplatz entließ, fiel die Maske des strammen Soldaten wieder etwas ab. Hier draußen, in der Kälte und dem Dreck, zählte etwas anderes.
„So, hier kann wenigstens nichts kaputt gehen“, stellte er fest und grinste Fainche kurz, beinahe diabolisch an. Er wollte sehen, was in ihr steckte. Nicht, wie gut sie marschieren konnte, sondern ob sie den Willen hatte, zu überleben.
Er zog seine eigenen Klingen. Den schwarzen Dolch der Rashar und den Parierdolch. Fainches Blick blieb an dem dunklen Stahl hängen. „Bei den Rashar. Den habe ich aus meiner alten Heimat besorgt“, erklärte er auf ihre Frage hin, während er die Waffen in einer lockeren, kreisenden Bewegung führte. Das Vorgeplänkel war kurz. Fainche war keine Anfängerin, was die Theorie betraf, aber Marius spürte ihre Unruhe. Als sie ihren Phantomdolch zog, hob er eine Augenbraue. Und dann warf sie ihn.
Marius wehrte das Geschoss mit dem Parierdolch ab, routiniert, aber wachsam. „Irgendwann gehen dir die Dolche so aus“, neckte er sie. Ihre Antwort war pures Gift: „Fragt sich, was schneller ist. Die Löcher in dir oder meine Dolchvorräte.“ Gut, dachte Marius. Wut ist Treibstoff.
Der Nahkampf begann. Sie kam auf ihn zu, stieß zu. Marius parierte, leitete die Kraft ab. Doch dann geschah etwas, das ihm ein echtes, inneres Nicken abverlangte. Statt zurückzuweichen oder in eine akademische Fechtposition zu gehen, trat sie ihm auf den Fuß. Er saß fest. Er konnte nicht ausweichen. Er riss die Klingen überkreuz vor sich, um ihren nächsten Schlag abzufangen, aber ihr Ellbogen fand den Weg unter sein Kinn. Der Schmerz blitzte auf, scharf und unmittelbar.
Marius reagierte nicht mit Zorn, sondern mit Effizienz. Er nutzte ihre Vorwärtsbewegung, brachte den Oberkörper nach vorn und rammte ihr das Knie in die Magengrube. Es war kein schöner Treffer, aber er verschaffte ihm Luft. Er löste sich, trat zwei Schritte zurück und ließ die Klingen klingen.
„Der Kampf mit Kurzwaffen hat Vor- und Nachteile. Was ist der Nachteil?", fragte er, als wäre nichts geschehen, während er seinen Atem regulierte. Sie verstand. „Man muss nah an den Gegner ran.“ „Richtig“, bestätigte Marius und fixierte sie mit einem Blick, der keine Widerrede duldete. „Denn wir kämpfen nicht ehrenhaft. Wir wollen gewinnen und überleben. Das wird auch der Gegner tun.“
Er steckte die Dolche weg und hob den Speer auf. Zeit für Lektion zwei: Reichweite. „Wie verteidigst du dich gegen so was?“ Wieder war ihre Antwort pragmatisch: Nah ran. Er griff an. Ein kurzer Stoß an ihrer Seite vorbei. Fainche drehte sich ein, nutzte den Schwung und war plötzlich viel zu nah. Ihre flache Hand klatschte auf seine Nase. Marius’ Augen tränten augenblicklich. Verdammt. Er grunzte, riss das hintere Ende des Speers herum und traf sie in der Seite. Sie keuchte, ließ aber nicht locker, griff nach dem Speerschaft, wollte ihn drehen. Marius erkannte das Patt. Er ließ den Speer einfach los – eine Bewegung, mit der sie nicht gerechnet hatte – und trat sie hart von sich weg.
Sie landete auf dem Hosenboden. Marius nutzte den Moment für ein wenig technische Akrobatik. Er rollte den Speer mit dem Fuß auf den Spann und kickte ihn hoch in seine Hand. „Sehr gut. Interessante Technik“, kommentierte er, während er sich über die Nase rieb. Sie war definitiv geschwollen.
Fainche rappelte sich auf, hielt sich den Bauch, grinste aber bissig. „Komm nur ran, dann geht es weiter.“ Marius hob beschwichtigend die Hand. „Ruhig Rekrut, wir üben nur.“ Er musterte sie. Da war keine Angst mehr. Nur der Wille, nicht noch einmal im Dreck zu landen. Ob sie denn gewonnen habe? „Nein, natürlich nicht“, sagte er und sah sich kurz um, ob Marlan in der Nähe war. Dann senkte er die Stimme zu einem verschwörerischen Tonfall. „Und ich möchte ..., dass du diesen dreckigen Kampf beibehältst." Er trat näher. „Scheiß auf Ehre. Davon bleibst du nicht am Leben.“
Ihr Grinsen wurde breiter. „Ich habe gelernt: Prügeleien sind nur dann beschissen, wenn man verliert.“ „Gefällt mir, die Einstellung“, sagte er ehrlich. Er beendete das Training, zufrieden mit dem Ergebnis. Seine Nase pochte, aber die Rekrutin hatte etwas gelernt, das ihr Leben retten könnte.
Sie war zäh. Vielleicht zu zäh für ihr eigenes Wohl, aber das war nicht sein Problem. Er rieb sich erneut die Nase und seine Gedanken gingen zu jemandem ganz anderen. „Lasse ich gleich gesund küssen“, murmelte er grinsend in die Kälte hinein.

Perspektivwechsel
Regiments-Kastell, am 04. Eisbruch 269
Der hölzerne Dolch lag leicht und vertraut in Marius’ Hand. Er musste nicht hinsehen; das Gewicht, die Balance, die Maserung – all das kannte er auswendig. Seine Ohren waren jedoch auf etwas anderes gerichtet. Schritte näherten sich. Ein Rhythmus, den er kannte, aber heute wirkte er hastiger, vielleicht frustrierter als sonst.
Als die Gestalt aus dem Durchgang kam, handelte Marius instinktiv. Kein Zögern, keine Warnung. Er warf das Holzgeschoss. Das Ziel – Fainche – huschte zur Seite. Eine flüssige Bewegung, geboren aus Reflexen, nicht aus Drill. Der Dolch klapperte harmlos in einen Blumentopf. Marius lehnte sich zurück, ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen. „Ja, das muss so. Aber gut reagiert“, kommentierte er trocken, während er sich erhob.
Die kurze Interaktion mit Feldwebel Kabo, der wie ein Geist der Vorschrift im Raum stand, hakte Marius routiniert ab. Ein Salut hier, ein „Wir haben gerade die erste Lektion geübt, Feldwebel“ dort. Sobald Marlan ihnen den Rücken kehrte und sie auf den Übungsplatz entließ, fiel die Maske des strammen Soldaten wieder etwas ab. Hier draußen, in der Kälte und dem Dreck, zählte etwas anderes.
„So, hier kann wenigstens nichts kaputt gehen“, stellte er fest und grinste Fainche kurz, beinahe diabolisch an. Er wollte sehen, was in ihr steckte. Nicht, wie gut sie marschieren konnte, sondern ob sie den Willen hatte, zu überleben.
Er zog seine eigenen Klingen. Den schwarzen Dolch der Rashar und den Parierdolch. Fainches Blick blieb an dem dunklen Stahl hängen. „Bei den Rashar. Den habe ich aus meiner alten Heimat besorgt“, erklärte er auf ihre Frage hin, während er die Waffen in einer lockeren, kreisenden Bewegung führte. Das Vorgeplänkel war kurz. Fainche war keine Anfängerin, was die Theorie betraf, aber Marius spürte ihre Unruhe. Als sie ihren Phantomdolch zog, hob er eine Augenbraue. Und dann warf sie ihn.
Marius wehrte das Geschoss mit dem Parierdolch ab, routiniert, aber wachsam. „Irgendwann gehen dir die Dolche so aus“, neckte er sie. Ihre Antwort war pures Gift: „Fragt sich, was schneller ist. Die Löcher in dir oder meine Dolchvorräte.“ Gut, dachte Marius. Wut ist Treibstoff.
Der Nahkampf begann. Sie kam auf ihn zu, stieß zu. Marius parierte, leitete die Kraft ab. Doch dann geschah etwas, das ihm ein echtes, inneres Nicken abverlangte. Statt zurückzuweichen oder in eine akademische Fechtposition zu gehen, trat sie ihm auf den Fuß. Er saß fest. Er konnte nicht ausweichen. Er riss die Klingen überkreuz vor sich, um ihren nächsten Schlag abzufangen, aber ihr Ellbogen fand den Weg unter sein Kinn. Der Schmerz blitzte auf, scharf und unmittelbar.
Marius reagierte nicht mit Zorn, sondern mit Effizienz. Er nutzte ihre Vorwärtsbewegung, brachte den Oberkörper nach vorn und rammte ihr das Knie in die Magengrube. Es war kein schöner Treffer, aber er verschaffte ihm Luft. Er löste sich, trat zwei Schritte zurück und ließ die Klingen klingen.
„Der Kampf mit Kurzwaffen hat Vor- und Nachteile. Was ist der Nachteil?", fragte er, als wäre nichts geschehen, während er seinen Atem regulierte. Sie verstand. „Man muss nah an den Gegner ran.“ „Richtig“, bestätigte Marius und fixierte sie mit einem Blick, der keine Widerrede duldete. „Denn wir kämpfen nicht ehrenhaft. Wir wollen gewinnen und überleben. Das wird auch der Gegner tun.“
Er steckte die Dolche weg und hob den Speer auf. Zeit für Lektion zwei: Reichweite. „Wie verteidigst du dich gegen so was?“ Wieder war ihre Antwort pragmatisch: Nah ran. Er griff an. Ein kurzer Stoß an ihrer Seite vorbei. Fainche drehte sich ein, nutzte den Schwung und war plötzlich viel zu nah. Ihre flache Hand klatschte auf seine Nase. Marius’ Augen tränten augenblicklich. Verdammt. Er grunzte, riss das hintere Ende des Speers herum und traf sie in der Seite. Sie keuchte, ließ aber nicht locker, griff nach dem Speerschaft, wollte ihn drehen. Marius erkannte das Patt. Er ließ den Speer einfach los – eine Bewegung, mit der sie nicht gerechnet hatte – und trat sie hart von sich weg.
Sie landete auf dem Hosenboden. Marius nutzte den Moment für ein wenig technische Akrobatik. Er rollte den Speer mit dem Fuß auf den Spann und kickte ihn hoch in seine Hand. „Sehr gut. Interessante Technik“, kommentierte er, während er sich über die Nase rieb. Sie war definitiv geschwollen.
Fainche rappelte sich auf, hielt sich den Bauch, grinste aber bissig. „Komm nur ran, dann geht es weiter.“ Marius hob beschwichtigend die Hand. „Ruhig Rekrut, wir üben nur.“ Er musterte sie. Da war keine Angst mehr. Nur der Wille, nicht noch einmal im Dreck zu landen. Ob sie denn gewonnen habe? „Nein, natürlich nicht“, sagte er und sah sich kurz um, ob Marlan in der Nähe war. Dann senkte er die Stimme zu einem verschwörerischen Tonfall. „Und ich möchte ..., dass du diesen dreckigen Kampf beibehältst." Er trat näher. „Scheiß auf Ehre. Davon bleibst du nicht am Leben.“
Ihr Grinsen wurde breiter. „Ich habe gelernt: Prügeleien sind nur dann beschissen, wenn man verliert.“ „Gefällt mir, die Einstellung“, sagte er ehrlich. Er beendete das Training, zufrieden mit dem Ergebnis. Seine Nase pochte, aber die Rekrutin hatte etwas gelernt, das ihr Leben retten könnte.
Sie war zäh. Vielleicht zu zäh für ihr eigenes Wohl, aber das war nicht sein Problem. Er rieb sich erneut die Nase und seine Gedanken gingen zu jemandem ganz anderen. „Lasse ich gleich gesund küssen“, murmelte er grinsend in die Kälte hinein.

- Marlan Kabo
- Beiträge: 168
- Registriert: Samstag 19. April 2025, 01:12
Re: [MMT]Unter Kameraden
Kastell zu Adoran – Ein zweiter Anfang
Es war kein lauter Tag gewesen.
Keine Feier, keine langen Reden.
Nur wenige Worte im Saal.
Marlan Kabo war wieder Oberst.
Er hatte den Rang schon einmal getragen. Damals jünger, voller Kraft, überzeugt, die Welt mit Disziplin ordnen zu können. Damals war der Titel wie ein Gipfel gewesen.
Heute war er eher ein Gewicht.
Er nahm das Büro ohne Zeremonie in Besitz.
Die Tür öffnete sich mit einem dumpfen Laut, als hätte auch sie vergessen, wie man Kommandanten empfängt. Staub lag auf dem Fensterbrett, alte Einsatzpläne waren unsauber gestapelt, der Tisch stand schief.
Er stellte ihn gerade.
Kein Banner kam an die Wand, kein übergroßes Wappen. Nur Ordnung. Klare Linien. Ein freies Fenster, durch das Licht fiel. Er wollte sehen, was draußen geschah. Nicht hinter Akten verschwinden.
Sein Blick blieb einen Moment auf dem leeren Raum gegenüber der Tür ruhen.
Hier würden künftig Entscheidungen fallen.
Hier würde er Männer und Frauen anhören, tadeln, befördern.
Hier würde er Fehler machen – und Verantwortung tragen.
Er setzte sich nicht sofort.
Er stand lange am Fenster.
Am nächsten Morgen gab es kein Zögern.
Der neue Oberst setzte Kampftraining an.
Nicht als Geste. Nicht als Demonstration.
Sondern als Notwendigkeit.
Der Hof füllte sich früh. Rüstungen klangen, Klingen wurden geprüft, Befehle kurz und sachlich gegeben.
Und Marlan stand nicht abseits.
Er nahm selbstverständlich teil.
Schild hoch.
Schritt vor.
Konter.
Er spürte das Gewicht der Klinge, den Widerstand eines Gegners, den Druck eines Schildstoßes. Kein Privileg des Ranges nahm ihm die Pflicht des Soldaten.
Die Truppe rüstete sich. Nicht nur mit Stahl – mit Haltung.
Die letzten Monate hatten sie zusammengeschweißt. Verlust, Rückschläge, gemeinsame Märsche. Jetzt lag eine Spannung in der Luft, als würde sich etwas ankündigen.
Nach dem Training blieb Marlan noch im Hof stehen, der Atem ruhig, die Hände verschränkt hinter dem Rücken.
Ein Oberst erteilt Befehle.
Ein Kommandant setzt Prioritäten.
Sein erster Auftrag würde kein glanzvoller Vorstoß sein. Kein unüberlegter Schlag gegen den Feind, nur um Stärke zu demonstrieren.
Er würde die Grenzen sichern.
Aufklärung vertiefen.
Versorgungslinien prüfen.
Stärke beginnt nicht im Angriff.
Sondern in Stabilität.
Und während das Regiment seine Rüstungen pflegte und Pferde sattelte, stellte sich nur eine Frage leise in den Raum:
Welcher Auftrag wird der erste sein, den dieser Oberst verantwortet?
Marlan wusste die Antwort noch nicht vollständig.
Aber er wusste eines:
Diesmal würde er nichts überstürzen.
Und nichts dem Zufall überlassen.
Es war kein lauter Tag gewesen.
Keine Feier, keine langen Reden.
Nur wenige Worte im Saal.
Marlan Kabo war wieder Oberst.
Er hatte den Rang schon einmal getragen. Damals jünger, voller Kraft, überzeugt, die Welt mit Disziplin ordnen zu können. Damals war der Titel wie ein Gipfel gewesen.
Heute war er eher ein Gewicht.
Er nahm das Büro ohne Zeremonie in Besitz.
Die Tür öffnete sich mit einem dumpfen Laut, als hätte auch sie vergessen, wie man Kommandanten empfängt. Staub lag auf dem Fensterbrett, alte Einsatzpläne waren unsauber gestapelt, der Tisch stand schief.
Er stellte ihn gerade.
Kein Banner kam an die Wand, kein übergroßes Wappen. Nur Ordnung. Klare Linien. Ein freies Fenster, durch das Licht fiel. Er wollte sehen, was draußen geschah. Nicht hinter Akten verschwinden.
Sein Blick blieb einen Moment auf dem leeren Raum gegenüber der Tür ruhen.
Hier würden künftig Entscheidungen fallen.
Hier würde er Männer und Frauen anhören, tadeln, befördern.
Hier würde er Fehler machen – und Verantwortung tragen.
Er setzte sich nicht sofort.
Er stand lange am Fenster.
Am nächsten Morgen gab es kein Zögern.
Der neue Oberst setzte Kampftraining an.
Nicht als Geste. Nicht als Demonstration.
Sondern als Notwendigkeit.
Der Hof füllte sich früh. Rüstungen klangen, Klingen wurden geprüft, Befehle kurz und sachlich gegeben.
Und Marlan stand nicht abseits.
Er nahm selbstverständlich teil.
Schild hoch.
Schritt vor.
Konter.
Er spürte das Gewicht der Klinge, den Widerstand eines Gegners, den Druck eines Schildstoßes. Kein Privileg des Ranges nahm ihm die Pflicht des Soldaten.
Die Truppe rüstete sich. Nicht nur mit Stahl – mit Haltung.
Die letzten Monate hatten sie zusammengeschweißt. Verlust, Rückschläge, gemeinsame Märsche. Jetzt lag eine Spannung in der Luft, als würde sich etwas ankündigen.
Nach dem Training blieb Marlan noch im Hof stehen, der Atem ruhig, die Hände verschränkt hinter dem Rücken.
Ein Oberst erteilt Befehle.
Ein Kommandant setzt Prioritäten.
Sein erster Auftrag würde kein glanzvoller Vorstoß sein. Kein unüberlegter Schlag gegen den Feind, nur um Stärke zu demonstrieren.
Er würde die Grenzen sichern.
Aufklärung vertiefen.
Versorgungslinien prüfen.
Stärke beginnt nicht im Angriff.
Sondern in Stabilität.
Und während das Regiment seine Rüstungen pflegte und Pferde sattelte, stellte sich nur eine Frage leise in den Raum:
Welcher Auftrag wird der erste sein, den dieser Oberst verantwortet?
Marlan wusste die Antwort noch nicht vollständig.
Aber er wusste eines:
Diesmal würde er nichts überstürzen.
Und nichts dem Zufall überlassen.
- Fainche Orlaith
- Beiträge: 91
- Registriert: Sonntag 4. Juni 2023, 16:07
Wenn Latrinendienst scheisse läuft
Der Gestank brannte wie verdünnte Säure in der Nase, ein stechendes Gemisch aus feuchtem Holz und der kollektiven Verdauung ihrer geschätzten Kameraden.
Fainche lehnte schwer auf dem Stiel des schmutzigen Schrubbers und wischte sich mit dem Handrücken eine schweißnasse Haarsträhne aus der Stirn. Sie starrte auf die blitzblank gescheuerten Dielen vor der Latrine und dem gereinigten Abort. Eine verdammte Stunde hatte sie gebraucht. Eine Stunde, in der sie jeden Gedanken an ihre eigene Würde in eine eiserne Kiste sperren und tief in ihrem Verstand vergraben musste.
Der Wunsch, dem nächsten Kameraden, der diesen Raum betrat, den Schrubber quer in den Rachen zu rammen, wuchs mit jedem geleerten Eimer ins Unermessliche. Als sie an diesem Tag endlich fertig war, zog sie die schwere, eisenbeschlagene Tür der Latrine einen Spalt weit zu und beobachtete, wie sie schwerfällig in den Angeln schwang.
In ihrem Kopf begann etwas zu rattern. Das Problem war simpel: Solange die Tür offen war, würden Leute hineingehen. Wenn Leute hineingingen, würden sie ihre "Bedürfnisse verrichten". Und wenn sie das taten, müsste Fainche morgen früh wieder hier stehen. Das war eine taktische Schwachstelle im System. Und Fainche war hervorragend darin, Schwachstellen zu finden und ein wenig darin herumzupuhlen.
Sie warf den Schrubber achtlos in den Eimer, drehte sich um und zog die Tür von außen komplett ins Schloss. Das schwere Eisen rastete mit einem satten Klicken ein. Fainche ließ den Blick den Gang hinuntergleiten. Leer. Die meisten hatten schon Dienstschluss oder waren für ihre Wachen eingeteilt. Mit einer routinierten Bewegung glitt ihre Hand in die tiefe Tasche ihrer Hose. Ihre Finger schlossen sich um drei kleine, perfekte Holzstücke. Es war eigentlich Abfallholz, das für Bolzen nicht gut genug war, aber für den Mechanismus von Bolzengranaten perfekt gepasst hätte. Aber das hier war zweifellos ein taktischer Notfall von höchster Priorität. Und mit wenigen Handgriffen hatte sie daraus ein paar perfekte Keile geschnitzt.
Fainche kniete sich auf den kühlen, feuchten Dielenboden. Ein normales Schloss konnte jeder Idiot knacken – sie selbst in wenigen Momenten. Aber eine Tür, die unter massiver, mechanischer Zugspannung stand, war der absolute Albtraum für jeden, der sie öffnen wollte. Sie schob den ersten Keil in den winzigen Spalt zwischen der massiven Eisentür und dem unebenen Holzboden. Sie zog ihren Dolch, drehte ihn um und nutzte den schweren, flachen Knauf als Hammer. Mit kurzen, kontrollierten schlägen trieb sie das Holz tief unter das Metall. Tock. Tock. Knirsch.
Die Tür stöhnte leise auf, als das Holz sie aus den Angeln nach oben drückte. Fainche grinste freudlos.
Den zweiten Keil rammte sie direkt auf Kniehöhe in den Falz der Tür, genau dort, wo sich das Scharnier befand. Sie schlug ihn so tief hinein, dass das Holz gefährlich knackte. Mit einer schnellen, harten Bewegung ihres Handballens brach sie das überstehende Ende des Keils bündig ab. Wer auch immer das Ding jetzt herausbekommen wollte, bräuchte eine verdammte Zange, viel Licht und noch mehr Geduld. Nichts davon hatten Soldaten mit akutem Stuhldrang für gewöhnlich. Sie steckte den Dolch zurück in die Scheide, erhob sich und wischte sich ein paar Holzspäne von den Händen. Sie legte testweise eine Hand an den Knauf der Eisentür und zerrte mit ihrem ganzen Körpergewicht daran. Nichts. Die Tür war so fest mit dem Boden verkeilt, als wäre sie festgemauert. Sie würde sich keinen Millimeter mehr rühren, selbst wenn zwei Leute gleichzeitig versuchen sollten, die Tür aufzurupfen.
Ein schiefes, höchst zufriedenes Grinsen stahl sich auf Fainches Lippen.
Wenn das Regiment von Lichtenthal heute Nacht scheißen wollte, mussten sie wohl in den Wald gehen. Oder sich in die Rüstung machen. Fainche jedenfalls würde eine tadellos saubere Latrine vorweisen können.
Man hatte ihr mal gesagt, sie solle lernen, ihre Feinde klug zu wählen, anstatt blind auf alles einzuschlagen. Fainche klopfte liebevoll gegen das kalte Eisen der Tür. Mission erfüllt, dachte sie amüsiert, griff nach ihrem Eimer und verschwand pfeifend im schummrigen Licht des Korridors.
Fainche lehnte schwer auf dem Stiel des schmutzigen Schrubbers und wischte sich mit dem Handrücken eine schweißnasse Haarsträhne aus der Stirn. Sie starrte auf die blitzblank gescheuerten Dielen vor der Latrine und dem gereinigten Abort. Eine verdammte Stunde hatte sie gebraucht. Eine Stunde, in der sie jeden Gedanken an ihre eigene Würde in eine eiserne Kiste sperren und tief in ihrem Verstand vergraben musste.
Der Wunsch, dem nächsten Kameraden, der diesen Raum betrat, den Schrubber quer in den Rachen zu rammen, wuchs mit jedem geleerten Eimer ins Unermessliche. Als sie an diesem Tag endlich fertig war, zog sie die schwere, eisenbeschlagene Tür der Latrine einen Spalt weit zu und beobachtete, wie sie schwerfällig in den Angeln schwang.
In ihrem Kopf begann etwas zu rattern. Das Problem war simpel: Solange die Tür offen war, würden Leute hineingehen. Wenn Leute hineingingen, würden sie ihre "Bedürfnisse verrichten". Und wenn sie das taten, müsste Fainche morgen früh wieder hier stehen. Das war eine taktische Schwachstelle im System. Und Fainche war hervorragend darin, Schwachstellen zu finden und ein wenig darin herumzupuhlen.
Sie warf den Schrubber achtlos in den Eimer, drehte sich um und zog die Tür von außen komplett ins Schloss. Das schwere Eisen rastete mit einem satten Klicken ein. Fainche ließ den Blick den Gang hinuntergleiten. Leer. Die meisten hatten schon Dienstschluss oder waren für ihre Wachen eingeteilt. Mit einer routinierten Bewegung glitt ihre Hand in die tiefe Tasche ihrer Hose. Ihre Finger schlossen sich um drei kleine, perfekte Holzstücke. Es war eigentlich Abfallholz, das für Bolzen nicht gut genug war, aber für den Mechanismus von Bolzengranaten perfekt gepasst hätte. Aber das hier war zweifellos ein taktischer Notfall von höchster Priorität. Und mit wenigen Handgriffen hatte sie daraus ein paar perfekte Keile geschnitzt.
Fainche kniete sich auf den kühlen, feuchten Dielenboden. Ein normales Schloss konnte jeder Idiot knacken – sie selbst in wenigen Momenten. Aber eine Tür, die unter massiver, mechanischer Zugspannung stand, war der absolute Albtraum für jeden, der sie öffnen wollte. Sie schob den ersten Keil in den winzigen Spalt zwischen der massiven Eisentür und dem unebenen Holzboden. Sie zog ihren Dolch, drehte ihn um und nutzte den schweren, flachen Knauf als Hammer. Mit kurzen, kontrollierten schlägen trieb sie das Holz tief unter das Metall. Tock. Tock. Knirsch.
Die Tür stöhnte leise auf, als das Holz sie aus den Angeln nach oben drückte. Fainche grinste freudlos.
Den zweiten Keil rammte sie direkt auf Kniehöhe in den Falz der Tür, genau dort, wo sich das Scharnier befand. Sie schlug ihn so tief hinein, dass das Holz gefährlich knackte. Mit einer schnellen, harten Bewegung ihres Handballens brach sie das überstehende Ende des Keils bündig ab. Wer auch immer das Ding jetzt herausbekommen wollte, bräuchte eine verdammte Zange, viel Licht und noch mehr Geduld. Nichts davon hatten Soldaten mit akutem Stuhldrang für gewöhnlich. Sie steckte den Dolch zurück in die Scheide, erhob sich und wischte sich ein paar Holzspäne von den Händen. Sie legte testweise eine Hand an den Knauf der Eisentür und zerrte mit ihrem ganzen Körpergewicht daran. Nichts. Die Tür war so fest mit dem Boden verkeilt, als wäre sie festgemauert. Sie würde sich keinen Millimeter mehr rühren, selbst wenn zwei Leute gleichzeitig versuchen sollten, die Tür aufzurupfen.
Ein schiefes, höchst zufriedenes Grinsen stahl sich auf Fainches Lippen.
Wenn das Regiment von Lichtenthal heute Nacht scheißen wollte, mussten sie wohl in den Wald gehen. Oder sich in die Rüstung machen. Fainche jedenfalls würde eine tadellos saubere Latrine vorweisen können.
Man hatte ihr mal gesagt, sie solle lernen, ihre Feinde klug zu wählen, anstatt blind auf alles einzuschlagen. Fainche klopfte liebevoll gegen das kalte Eisen der Tür. Mission erfüllt, dachte sie amüsiert, griff nach ihrem Eimer und verschwand pfeifend im schummrigen Licht des Korridors.