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Verfasst: Freitag 3. Oktober 2025, 17:37
von Helisande von Alsted
Gegner bedürfen einander oft mehr als Freunde, denn ohne Wind gehen keine Mühlen.
Hermann Hesse


Da brach er an der 03. Goldblatt 268. Unspektakulär wie Herbsttage oft anbrechen. Der erste Bodenfrost gefolgt von Nebel und danach kurzen Sonnenfeldern. Vor der Burg in den Wäldern segelten die ersten bunten Blätter noch sehr spärlich zu Boden. Dennoch war die Freude der Kinder darüber unbezwungen. Helle Stimmen rühmten sich das schönste Blatt, die schönste Eichel oder den bestn Stock gefunden zu haben. Aleva mit ihren noch sehr kurzen Beinen hielt tapfer mit ihren langbeinigen Brüdern mit.

"Wie lange werdet ihr weg sein?" Unvermittelt kam die Frage des Ältesten. Conrad schaute mit seinem stillen gewittergrauen Blick zu seiner Mutter auf, fragend und abschätzend.
"Tage, vielleicht ein oder zwei Wochen."
"Wir sind's ja gewohnt, Mama. Wenn's länger wird bringt Helleth uns wieder zu Oma und Opa, aye?"
"Aye, Conrad. Aye." Sie musste sich leise räuspern und erlaubte sich erst ein tiefes Durchatmen und Schlucken als er wieder auf herbstliche Schatzsuche aufbrach. Hier im Wald, wo alles still war, wo es das Konzept von Krieg und Schlacht und Heeren nicht zu geben schien. Verabschieden von den Kindern und diesmal konnte sie es und sie wurden nicht Hals über Kopf von der Amme in Sicherheit gebracht. Diesmal hatte sie eine letzte Nacht mit ihnen, einen letzten Tag und ein letztes buntes Blatt im Wind.

Still arbeiteten beide Kronritter Seite an Seite. Die eigenen Pferde gesattelt und die Satteltaschen gepackt. Waffen überprüft und in den Gurten und Haltern gesichert. Die Rüstung bequem zum Reiten geschnallt und dann gemeinsam das letzte Gebet gesprochen.
Nicht laut. Sie beteten beide nicht laut. Es war eine stille Andacht, die beide gemeinsam begingen an dem Ort, der ihnen beiden wichtig war und der nur ihnen beiden gehörte. Heiniks Gesicht war in der für ihn üblichen fast väterlichen Strenge gefasst mit einem Schuss militärischer Haltung darin, die so sehr er war, dass es nicht von ihm zu trennen war. Ihre Gedanken selbst rasten von Punkt zu Punkt. Sie hatte alle wichtigen Notizen in ihrem Dienstbuch dabei. Die Feinplanungen, die man nicht in Kriegsräten bespricht, sondern vor Ort mit denen festigt, die am Ende auch bereit waren notfalls ihr eigenes Blut auf fremdem Boden zu vergießen.
Heinrik würde mit einem Trupp und Material vorreiten und sich zum ausgewählten Lagerplatz vorarbeiten. Ihre Aufgabe war es dann mit möglichst viel TamTam und Prozedere, Auffäligkeit und Stolz die Heerschau zu leiten. Das Heer würde dem Trupp folgen. Welche Route das Heer schlussendlich nehmen würde, würde am heutigen Abend entschieden werden. Bis dahin hieß es weiter ausrüsten und die Nervostät loswerden. Sie hatte schon derartig viel Mocca heute getrunken, dass sie beinahe zur Hälfte aus dem Gebräu zu bestehen schien. Und trotzdem glitten die Gedanken immer wieder ab.

Das Regiment - voller Tatendrang bereiteten sich die Soldaten vor. Ruhige und routinierte Abläufe und trotzdem spürte man seit Tagen in jedem Soldaten diese Anspannung. Wie ein Seil sich spannt, sobald Gewicht daran hängt.
Emsig und unverdrossen werkelten die Sappeure an allem, was benötigt wurde. Arne hatte es sich wohl auf die Fahne geschrieben, dass das Lager so effizient und störungsfrei wie nur möglich aufgebaut werden konnte.
Die Akademie bereitete im Stillen alles vor, an das alle anderen nicht dachten und würden vermutlich jede Versorgungslücke dreimal schließen können. Die Lichtwacht - still war es um jene Gemeinschaft, doch sie spürte dass deren Vorbereitungen auf den Kampf hin bis ins letzte durchstrukturiert war.
Die Gedanken glitten auch zu den Verbündeten, hoffend dass sie ihre Vorbereitungen rechtzeitig beenden würden und zum Heer stoßen konnten. Womöglich würden auch einige nachkommen, sobald sie ihre Siedlungen gesichert hatten.

Stein um Stein - Mauer um Mauer.

Nochmal der kurze Weg an den Schreibtisch um Boten zu den Vogten zu schicken. Auch das Herzogtum musste sich absichern. Man lässt die Tür nicht offen, wenn man Panther jagen geht.

Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 05:15
von Serina Marcel
Die Stunde des Aufbruchs rückte näher. Und ihre Unruhe nahm zu.
Das arme Packpferd aus dem Sappeur-Stall hatte von ihr inzwischen sicherlich genug. Ein ständiges Überprüfen der mitzunehmenden Materialien, noch dazu durchgeführt durch eine nicht eben Ruhe ausstrahlende Person, konnte das ruhigste Pferd nervös machen. Am Ende liess sie es bleiben, zum zehnten Mal durchzusehen, ob sie auch wirklich Holz, Werkzeug und was ihr sonst noch so eingefallen war, aufgeladen hatte. Selbst Pfeile, Bögen und sogar Fässer würde sie noch vor Ort bauen können. Nicht, dsss davon eigentlich schon genug vorrätig sein müsste.

Ihre eigene Ausrüstung lag bereits seit über einem Tag fertig gepackt neben der Küchenzeile. Mehrfach musste sie eine viel zu neugierige Katze wieder von dort weglocken. Am Ende würde sie noch mit einer maunzenden Tasche aufbrechen. Die Tiere.. wie hatte sie das überhaupt vergessen können. Offenbar auch der Nervosität geschuldet. Es wäre ja niemand da, der sie füttern würde. Charlotta und Kiara dürften mit den hofeigenen Tieren genug zu tun haben.
Da blieb wohl nur die Stallunterbringung. Es stellte sich bei den meisten der Tiere als problemlos heraus. Nur die Katze war eindeutig alles andere als begeistert. Wer tauschte auch schon gern einen gemütlichen Platz vor dem Ofen gegen einen Platz im Stall ein?

Schließlich machte sie sich auf den Weg gen Adoran. Die Stunde war gekommen. Der Aufbruch, ein letzter Blick in die Gesichter der Anwesenden. Unruhe, gespannte Nervosität, konnte sie nirgends entdecken. Stoische Mienen, offenbar waren die meisten das Kommende gewohnt oder waren geschult es nicht zu zeigen, sollte es anders sein. Ein wenig Ruhe fand auch sie darin. Wissend, dass am Zielort ohnehin genug Arbeit warten würde, um keine Zeit zu lassen, für unruhige Gedanken.

Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 08:42
von Aaryon von Hohenfels
Skepsis
Mit leerem, unfixierten Blick, der irgendwo auf einen Punkt Meter hinter der Zimmerwand hing, hatte er zuletzt vor dem Klavichord, diesem Unikat aus Serinas Händen, gesessen und ohne jeden Sinn und Rhythmus einzelne Tasten angeschlagen.
Denn was tat man noch, wenn alles vorbereitet war?
Gut... irgend etwas würde er vergessen haben. Wie zum Beispiel die Salben für die Pflege bis hin zur Schmerzstillung seines Beins. Nebensächlichkeiten. Gehörte ja nur zum Grundstock üblicher Abläufe, wer dachte schon an sowas?

"Wieso haben wir eigentlich keine Voraufklärung geschickt und mit einzelnen Spähern das Aufmarschgebiet abgesichert?", dachte er, als er die Gestalt aus dem Wald Richtung Grenzwarth laufen sah. Als Frettchen durch den Ort huschend, in der Hoffnung, die Gestalt noch einzuholen, sah er drei Gestalten auf einer Kreuzung. Eine Blauhaut auf einer dieser fetten Reitechsen und zwei andere. Er hatte sich kaum eine Deckung hinter einem Fass gesucht, als sie auch schon auseinander strebten. "Verdammt!" Kurz darauf läuteten im Ort bereits Alarmglocken wie ein Chor, der uneingespielt um Hilfe schrie. Na toll. Das ist ein bisschen sehr früh!", grummelte er im Stillen vor sich hin.
"Wart Ihr das?", fragte ihn Sir von Alsted ungerührt, als er zurück kehrte und berichtete, während die Alarmglocken noch zu hören waren. "Nein, Sir." Er war in dem Moment zum Glück zu sehr im reinen "Ich funktioniere"-Modus, um sich von der Frage beleidigt zu fühlen. Das kam erst, als er früher als die meisten auf seiner Bettrolle im Mannschaftszelt lag, das seiner Befürchtung nach noch voll werden würde... sehr voll...
"Er hat das ernsthaft in Betracht gezogen? Dass diese halbe Kompanie mit Tross, die hier ungesichert einfach rein spaziert, nicht entdeckt wird, aber dass ich den Alarm auslöse?!"
Er schüttelte den Kopf und versuchte, einfach nicht weiter darüber nachzudenken. Genauso wie er nicht weiter über die Holzverschwendung nachdenken wollte, die die östliche Palisade in seinen Augen darstellte - keine zwanzig Schritt dahinter erhob sich die Bergflanke.

Nein... er durfte nicht zu sehr über dieses und jenes Detail nachdenken, sonst würde er nicht mehr schlafen können. Denn wenn er jetzt frühzeitig schlief, würde er zu den unangenehmen Zeiten besser die Wachen unterstützen können. Nicht, dass ihm selber nicht gewisse Denkfehler unterliefen...
"Wie wollt Ihr als Schleiereule die Wachen unterstützen, wenn Ihr noch nicht fliegen könnt, Studiosus? Nur in einem Baum sitzend?", hatte Magistra von Salberg gefragt, während ihm dieses kleine Hindernis auch erst wieder aufgefallen war, noch während er den Vorschlag aussprach. Und Valentin kam nicht umhin, darauf zu beharren, dass er stur weiterhin alles fliegende abschießen würde, statt zu lernen, eine weiße Eule von einem Raben zu unterscheiden. Er sah seinen Leibwächter aus schmalen Augen an, als dieser demonstrativ auf eine Amsel zielte. "Du hast da Spaß dran, oder?!"
Erst später begriff er: "Nein. Hunger." Kopfschüttelnd wandte er sich ab, während Valentin genüßlich den erlegten Fasan auf einen Spieß steckte und übers Feuer hielt.

Noch während er weg dämmerte, dachte er über diesen Engpass nach, den Valentin und er während des Lagerbaus bewacht hatten. Schmal, aber frei und offen wie ein Scheunentor. Und das Richtung Ra'Kun... Das war doch Mist!
"Wie sichern wir das??", fragte er sich genauso, wie er sich fragte, ob sich diese Frage denn nicht zuvor schon jemand von der Militärführung gestellt hatte. Gab es dafür wirklich! keinen! Plan?! Oh, wie er sich jetzt seine Mutter her wünschte. Diese ganze Aktion hier kam ihm so suspekt und halbgar durchdacht vor, wie ihr damals wohl der "Plan" vorgekommen sein musste, mit dem Adrian und Rafael mit den Thyren die Burg Eisenwart auf Lameriast hatten angreifen wollen. "Macht mal", hatte sie grob gesprochen gesagt und sich fern gehalten - um hinterher die Meldung entgegen zu nehmen, dass ihre Seite von der Eisenwart gnadenlos ausgekontert worden waren und Adrian - der Truchsess - gefangen genommen in Rahal saß.
"Götter!" Gleich würde er doch nicht mehr schlafen können! Wo war Valentin?! Allein lag er in diesem riesig wirkenden, noch leeren Zelt. Valentin saß mit Innes bei einem gebratenen Fasan am Feuer und feierte mit den anderen Helisandes Sieg über Ahad Shasul.

"Bin ich der Einzige, der sich hier nur gerade alles schwarz malt?", versuchte er sich selbstkritisch zu beruhigen. Sie hatten das Lager in Rekordzeit aufgebaut, selbst die eigenen Leute beeindruckt. Die Sappeure, unter ihnen sein tapferes Eichhörnchen, hatten gearbeitet wie die Ameisen. Ja, er hatte noch untätig daneben gestanden.
Das würde sich ändern.
Er wusste es, diese Rollen würden sich tauschen... Serina sich nutzlos fühlen, während er alle Hände voll zu tun hätte.
Nur, wie sicherten sie diesen Engpass im Norden? Und am besten auch die nähere Umgebung vom Lager?

...

Andra!

Mit einem Grinsen schlief er beruhigt ein.

Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 11:11
von Ulfur Wikrah
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Von Beginn an war der blonde Schamane aus Sturmouve recht skeptisch gewesen, was den Angriff auf Grenzwarth anging. Er konnte die Beweggründe nachvollziehen, den Zorn, welchen Helisande verspürte...und im Gegensatz zu Anderen sah er darin nicht den Willen Alatars. Einen Feind ungeschoren davon kommen zu lassen, darin lag keine Ehre. Doch für ihn, selbst wenn er nicht dem Weg des Schwertes folgte, wies der Plan recht grobe Lücken auf. Lücken, die es zu füllen galt.

Zuerst waren da die...Zivilisten. Der blonde Hüne war sich recht sicher, dass nicht alle Menschen des Westens mit vollem Herzen dem Panther folgten. Manche von ihnen mussten schlicht irgendwo ihre Lager aufschlagen, ihre Felder bestellen, ihre Welpen erziehen. Nicht jeder war bereit, für den schwarzen Gott zu sterben, und in ihrem Versuch sich zumindest irgendwo ein kleines Fleckchen Land zu sichern, sich ein Leben aufzubauen, sah er keine Schuld. Tatsächlich war der Wikrah aus diesem Grund sogar erleichtert, dass jemand die Bewohner Grenzwarths scheinbar rechtzeitig gewarnt hatte, um eine Evakuierung möglich zu machen.

Dann war da die doch recht offene Position des kleinen Städtchens. Das Lager würde Palisaden benötigen, unzählige wachsame Augen - und selbst dann fand er wenig Sinn in einer längeren Belagerung. Der Vulkan der Rashar war zu nah im Nordwesten, neutrales Land lag ihnen im Rücken. Ein Rückzug für solch einen riesigen Kriegstrosses durch einen engen Bergpass in die Wüste? Er...konnte sich schönere Dinge vorstellen. Sollte dieser Moment kommen, würde er vor allem zum Wohle der Sturmheuler handeln, seines Volkes. Sie hatten bereits genug Leid ertragen müssen.

Und genau dies war auch die finale "Lücke". Die Pantherfratzen, die Blauhäute und ihre elendige Festung in den Ausläufern des Waldes. Er verstand langsam, wieso die Krieger der Thyren so sehr übten, um die eigene Berserkr-Wut ihres Blutes zu kontrollieren. Auch er spürte den Berserkr tief in sich, so wie wohl jeder Thyre, jede Thyrin. Das stille Zittern, welches in ihm hoch stieg, wann immer er einen Letharen erblickte, oder die Diener des falschen Raben. Die Götter seiner Feinde hatten die Gestalten der Waldtotems geraubt, hatten sie sich einverleibt und darin gekleidet, bis selbst die verbündeten Völker vergessen hatten, wofür das Blut des Thrail stand. Das der Panther einst ein stolzer Jäger gewesen war, bis sein eigener Neid und die Einflüsterungen eines eifersüchtigen Gottes ihn von innen heraus zerfressen hatten. Das der Rabe alte Geheimnisse hütete und die Seelen der Thyren vor dem Seelenfresser bewahrte - jenem Seelenfresser, der sich nun aus Hohn in Federn hüllte. Zu oft schon hatte sein Volk gelitten unter den Letharen. Seine Vorfahren waren unter ihren Klingen gestorben. Er selbst hatte geholfen, den Geist des Jarls der Sturmheuler wieder zu flicken, nachdem dieser der Folter der Pantherfratzen entkommen war. Die Braut des letzten Jarls war einem Giftanschlag der Blauhäute nur knapp mit ihrem Leben entkommen. Es war genug.

Auch wenn die Magier der Elfen nicht helfen wollten und lieber zusahen, wie ihre vergangenen Verfehlungen die Welt um sie herum zerstörten - er würde nicht tatenlos herumstehen. Der Wald war der Freund seines Volkes, die Totems ihre Wächter, ihre Führer, ihr Versprechen. Es war Zeit, dass die Natur diesen Ort zurück eroberte, um Platz zu machen für einen Neubeginn...einen Neubeginn ohne verdrehtes Blut, ohne Letharen, die das Land mit jedem ihrer Schritte schändeten. So sandte er seinen Ruf ins Lied der Welt, stets eine respektvolle Bitte, so wie es jedem Schamanen bereits mit dem ersten Erwachen beigebracht wurde. Gefühle von Hoffnung, von einem neuen Morgen, von sich öffnenden Knospen und stolzen Wipfeln. Von kräftigem Holz und dichtem Gebüsch, von Vogelgezwitscher und Laubgeruch. Ein leises Flüstern hallte durchs Lied, sanfte Fragen an geschundene Geister der Natur.
Und der Wald antwortete.

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Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 11:49
von Tehlar Origon

Tage zuvor hatte er dem Aushang zur Heerschau erfahren und ihm wurde mulmig. Tehlar saß in der Schreibstube des Hafenkontors und tippte gedankenverloren auf den Schreibtisch. Unbearbeitete Schriftrollen die auf eine Antwort warteten lagen vor ihm und warteten darauf beantwortet zu werden von ihm. Die Licht spendene Kerze erhellte den Raum grade eben so den Schreibtisch und ließ den Raum ansonsten im dunkeln. Es war spät und das Licht des Mondes schien gab an den Fenstern noch ein ganz anderes Licht. Seine Gedanken kreisten um den Aushang. Als der Westen seine letzte Heerschau gemacht hatte, wurde der Osten angegriffen. Machen der Osten das gleiche? Jedes mal, wenn er mit den Rittern oder Priestern beider Reichen zu tun hatte, wurde Bajard als strategisches Ziel betitelt auch wenn sie scheinbar alle den Hafen missbilligten. Seit er im Amt ist, war ehr sehr bemüht darum Bajard als den neutralen Hafen, der er sein wollte, weiter zu festigen, aber mit jedem Gespräch stieß er immer wieder auf festgefahrene Meinung. Was wenn auch der Osten Bajard als strategischen Hafen sieht? Dem Heer könnte er eh nichts entgegen stellen. Er seufzte und die kleinen Wellen der nächtlichen Flut klatschten beruhigend gegen die Hafenmauer und den Steg. "Bei Horteras, ich kann nur versuchen sie aufzuhalten am Tor um Zeit zu schinden um den Hafen zu evakuieren. Hausboote los und... Ich hoffe, dass Sie wenn sie Bajard angreifen wollen vorher redebereit sind oder einsehen, dass es Zeitverschwendung wäre, wenn die Tore dicht sind."

Der Abend des 03. Goldblatt brach an. Die 20. Stund hat geschlagen und Tehlar stand auf den Palisaden und gab Riversen, einen der letzten verbliebenen Wachen von Bajard, ein paar letzte Anweisungen das er Meldung machen sollte, sobald mehrere Soldaten und Ritter angeritten kommen. Riversen nickt ihm zu. Tehlar musterte ihn ein letzte mal und war sich unsicher ob er bereits betrunken war oder noch ausnüchterte von Tag davor. Er konnte sich nicht beschweren. Es gab ja kaum noch Wachen in Bajard und er musste mit dennen auskommen die er hatte. "Ich mein das ernst! Halt. die. Augen. auf!" meinte Tehlar im befehlsartiger manier. Für einen kurzen Moment wirkte er wacher als er die Art des Tones bemerkte und Tehlar stieg von den Palisade herab. Er warf einen Blick in die Palisadenmauer und zog zwei schwere Holzbalken aus der Stube die in der Palisadenmauer war. Eine Seite des Tor verriegelte er damit komplett, die andere Seite so, dass er zumindet noch eine Tür aufmachen konnte und auch diese schnell von innen verriegeln konnte und dann wartete er. Die Möwen über Bajard kreischten, die Ebene hatte eingesetzt und ein stetiges Wellenbrechen gegen die steinige Küste war zu vernehmen. Die Bäume ließen die Blätter im Wind rauschen und die Sonne ging langsam im Westen unter. Sein Magen knurrte. Er wäre jetzt eigentlich beim Abendessen bei sich gemütlich Zuhause, doch...

Hufgetrappel und der Klang von maschierenden Soldaten unterbrachen seine Gedanken. Man hörte sie sogar schon vorab, ehe sie zu sehen waren. Riversen stammelte ungläubig: "T- T- Teh- Tehlar! Sie kommen!". "Das hör ich selbst!", blaffte Tehlar zurück und zog den schweren Balken auch vor die letzte Tür und verbarikadierte damit den Freihafen Bajard. Er schaute durch die Gittertür zu den Reitern mit stoischer Gelassenheit. Innerlich betete er, dass sie einfach nur vorbei zogen. Keine mobiles schweres Gerät zum öffnen der Palisade dabei. Sie müssen also was aufbauen. Gut, dachte er sich als der halbe Zug vorbei zog. Dann runzelte er etwas die Stirn. Das war eine Menge Holz. Das sah fast so aus, als wären sie gekommen um zu bleiben. "Tehlar?" Riversens Gesicht schaute über die Palisade. Offenbar hatte er jetzt begriffen wie Ernst die Lage war. Solch nüchternden Blick hatte er noch nie bei ihm gesehen "Muss ich jetzt die Alarmglocke schlagen?" fragte er selbstzweifelnd. Tehlar schaut zu ihm hoch und schüttelte den Kopf. "Halt einfach die Füße still und fordere nicht ihre Aufmerksamkeit! Verstanden?!". Ein zackiges "Jawohl!" kam noch zurück. Welch seltene Wortwahl von ihm...

Nachdem beide Züge an Bajard vorbeizogen öffnete Tehlar wieder eine Tür. Der Abend verging fast Ereignis los. Einige die sich wunderten warum die Tore kontrolliert werden, aber allgemein war es ruhig. Seine Augen und Ohren waren los gezogen und kamen später am Abend wieder und bestätigten was was er schon befürchtet hatte. Sie waren gekommen um zu bleiben, fürs erste. Es würde unweigerlich eine Versorgungslinie direkt vor Bajard entlang gehen. Er wies die restlichen Wachen an, dass das Tor rund um die Uhr zu bewachenm, dass das Tor jederzeit geschlossen werden kann, wenn wieder teile des Heers vorbei ziehen. Schnell organisierte er noch den Wachplan bevor er zu Bett ging.

Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 16:11
von Cecilia Zola
Derweil in Adoran:
Früh am Morgen laufen Botenjungen durch Adoran und bringen an jeder möglichen Stelle Aushänge an. Zusätzlich wird in jedem Postkasten eine Abschrift hinterlegt. Das Regiment erhält neben einem Aushang ein Schreiben der Vogtin mit der genauen Anordnung und Begründung, Dauer der Aufrechthaltung und weiteren relevanten Informationen.

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Grafschaft Meerswacht, Adoran 04. Goldblatt 268

Verkündung der Verwaltung Alumenprachts


Hiermit sei angeordnet, dass die Tore Adorans während der Dauer des Feldzugs in den Westen Gerimors geschlossen zu sein haben.

Die Soldaten des Regiments sind angewiesen jeden Eintretenden zu überprüfen und Personen ohne Bürgerbrief nur mit triftigen Grund einzulassen.


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Gesetzt und gesiegelt durch die Vogtei Alumenprachts.



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Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 17:27
von Viktoria Hamberg
  • Der frühe Abend im Hof war wie in Stein gemeißelt: still, diszipliniert, von der kühlen Strenge des Regiments durchzogen. Kein Wort zu viel, kein Schritt fehl am Platz. Das metallene Klirren der Rüstungen und das gedämpfte Stampfen der Stiefel hallten zwischen den Mauern wider, als die Soldaten sich in Bewegung setzten. Jeder kannte seinen Platz. Jeder wusste, was zu tun war.

    Viktoria trat gemeinsam mit Arjen auf den Hof. Noch im fahlen Schein der Dämmerung hatte sie ihm zuvor die Tasche gefüllt - Tränke, Verbände, Tinkturen gegen Schmerz und Fieber. Sie kannte seine Art, im Kampf zu vergessen, dass auch er verwundbar war.

    Renolds Stimme durchschnitt die schwere Stille wie ein Schwert:
    „Aufsitzen!“

    Ein einziger Befehl und aus Menschen wurde eine Einheit. Leder knarrte, Metall klirrte, Pferde schnaubten. Bewegungen liefen ab wie Zahnräder in einer gut geölten Maschine: präzise, routiniert, ohne Hast und doch voller Anspannung.

    Ein Moment der Ruhe - dann war alles bereit. Viktoria lenkte ihr Pferd neben Renolds Rappen, ein kurzer Seitenblick, ein Schatten von Mimik in seinem kantigen Gesicht. Als er den Kopf wendete, begegneten sich ihre Blicke. Kein Wort, nur ein knappes Nicken. Genug.

    Kabo brüllte Befehle, Cecilia wiederholte sie, der Kronritter von Alsted ergänzte sie mit der Gelassenheit eines Mannes, der zu viele Schlachten gesehen hatte. Dann setzte sich die Karawane in Bewegung, eine lange, schwerfällige Schlange aus Stahl, Leder und Atem.

    Viktoria ritt fast am Ende der Kolonne. Hinter ihr Kabo, dessen schweres Schnauben selbst im Hufgetrappel zu hören war. Vor ihr die Priester, die immer wieder halten mussten, wenn ein Packpferd scheute oder ein Wagen im morastigen Boden festsaß. Jeder war still. Nur das Knacken der Äste und das ferne Heulen des Windes begleiteten sie.

    Sie spürte die Anspannung der Männer um sich herum, ein unsichtbares Band aus Erwartung und Furcht. Und doch war da dieses Gefühl der Sicherheit. Kabo war da. Hinter ihr. Wachsam. Schwer wie eine Burg.

    Trotzdem glitten ihre graublauen Augen immer wieder zum Waldrand, über die Felsen, die Schatten unter den Büschen. Jeder Laut, jeder Windstoß ließ sie unmerklich die Schultern spannen. Der Schild an ihrer Seite war fest verschnallt, die Zügel in ihrer Hand rau von Staub und Schweiß.

    Stunden vergingen. Der Weg wurde schmaler, das Licht schwächer. Als endlich die Dunkelheit zwischen den Baumkronen hinabsank, erreichten sie den vorgesehenen Ort.

    Renold erhob die Stimme:
    „Absatteln!“

    Kein Zögern. Während er mit gezogenem Schwert Wache hielt, sprangen die Soldaten ab. Die Sappeure begannen, das Lager zu errichten. Jeder Handgriff saß. In weniger als einer Stunde standen drei Zelte, als wären sie aus dem Boden gewachsen: das Mannschaftszelt, das Lazarett, das Kommandozelt - ordentlich ausgerichtet, sehnig, präzise.

    Dann kam der Ruf.
    Feindkontakt.

    Das Vorheer hatte sich gestellt, um Zeit zu gewinnen. Weit draußen, hinter den grauen Hügeln, flackerte der Himmel in unregelmäßigen Pulsen auf, wie das Zucken einer gewaltigen, sterbenden Flamme. Das dumpfe Grollen der Geschütze rollte durch das Tal, tief und kehlig wie das Grollen eines uralten Tieres. Zwischen den Schlägen der Stille ertönte das Wimmern der Hörner, fern und dennoch eindringlich, ein Klang, der sich in die Brust fraß und das Herz enger schlug.

    Während das Regiment das Lager sicherte, begannen die Schatten der Nacht zu wandern. Männer und Frauen eilten zwischen den Zelten hin und her, ihre Stimmen gedämpft, ihr Tun geübt und ernst. Schon kamen die Ersten zurück, humpelnd, gestützt, gezogen von Kameraden. Blut klebte an den Umhängen, vermischte sich mit Schmutz, und der schwere Atem der Verwundeten dampfte in der kalten Abendluft. Ein Pferd stürzte, das Tier schnaubte heiser, während zwei Sappeure versuchten, es wieder auf die Beine zu bringen. Über allem lag der metallische Geruch von Eisen, Schweiß und Rauch.

    Viktoria stand an der Palisade, Seite an Seite mit Gardist Elsinga. Der Nebel hatte sich gesenkt wie ein grauer Schleier, der jedes Geräusch verschluckte. In der Ferne knackten Äste, irgendwo rief ein Vogel sein letztes, heiseres Lied. Die Luft schmeckte nach Asche und kaltem Stahl. Viktoria schloss kurz die Augen, lauschte in die Nacht. Dann das Rascheln - plötzlich, nah. Aus dem dunklen Unterholz brachen Gestalten hervor. Zivilisten, abgerissen, gehetzt, manche barfuß, mit aufgerissenen Händen. Einer stolperte, fiel in den Schlamm, raffte sich wieder auf. Ihre Rufe nach Heilern zerschnitten die Stille, schrill, verzweifelt, menschlich. Hinter ihnen waberte der Rauch der Schlacht wie ein lebendiges Wesen.

    Viktoria gab ein kurzes Zeichen, und sofort eilten zwei Gardisten herbei, führten die Flüchtenden ins Lager. Sie sah ihnen nach, bis sie in der Dämmerung verschwanden. Dann atmete sie tief ein, der Geruch von Blut und kaltem Eisen lag wie eine Decke über allem. Die Schlacht um Grenzwarth war für heute geschlagen. Kein Toter in ihren Reihen. Die Männer atmeten schwer, viele stumm, ihre Gesichter grau vor Erschöpfung, doch in ihren Augen glomm etwas, das kleine, trotzige Licht des Überlebens.

    Viktoria legte die Hand an den Schildriemen, sah zu Elsinga hinüber, der schweigend den Blick über den Wall wandern ließ. Ein kurzes Nicken - dann übergab sie ihm das Kommando an der Wacht. Mit ruhigen, aber müden Schritten wandte sie sich ab und ging hinüber zum Lazarett. Zwischen schwachem Licht und flatternden Leinwänden herrschte gedämpftes Chaos: Heiler knieten über Verwundete, Wasser wurde in Kesseln erhitzt, der Geruch von Kräutern vermischte sich mit dem metallischen Hauch frischen Blutes.

    Viktoria kniete sich nieder, griff nach Verbänden, nach Nadeln, nach dem, was gebraucht wurde. Ihre Hände zitterten nicht. Draußen wehte der Wind, trug den Rauch der fernen Feuer über das Lager.

    Keine Toten.
    Es war ein guter Tag - In einer Welt, die längst vergessen hatte, was das bedeutete.
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Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 18:56
von Gwenna von Nordlicht
03. Goldblatt 268 — Eine gedankenreiche Nacht im Lager vor Grenzwarth


Das Heer lagerte in der herbstlichen Ebene südlich von Grenzwarth, erfüllt von einer beständigen, leisen Unruhe. Es gab kein gemeinsames Innehalten, keine Stunde der vollkommenen Ruhe. Die Wachen hielten ihre Posten, während an anderen Stellen noch immer gebaut, getragen, gehämmert wurde. So wie sich der Ruf eines Nachtvogels vereinzelt, aber stetig durch die dunklen Wälder ringsum zog, riefen sich auch die Soldaten des Lichtenthaler Regiments Worte und halbe Sätze zu. Zwischen diese Stimmen mischten sich Klagen aus dem Lazarettzelt, manchmal unterbrochen von einem Lachen oder dem hellen Klirren von Bechern – ein Anstoßen auf die ersten Siege gegen die alatarischen Streitkräfte. All dies ergab das gleichmäßige, vertraute Geräusch des Nachtlagers.

Der Mond kämpfte sich durch vorbeiziehende graue Wolkenfetzen und warf sein fahles Licht auf das Lager. Zelte, Lanzen und Palisadenschatten traten scharf und wechselhaft hervor, als würde jemand in unregelmäßigen Abständen einen Schleier auf- und wieder zuziehen.

Gwenna lag in diesem unsteten Lichtspiel auf ihrer dürftigen Schlafstätte im Schlafzelt, die Decke fest bis zum Kinn gezogen. Unter dem Stoff umklammerte ihre Hand den Griff eines Dolches, verborgen, aber sicher. Die Kälte der Nacht kroch durch jede Ritze der Plane, biss sich in Finger und Nacken – vertraut wie ein alter, unerwünschter Begleiter. Die Nächte auf ihrer Flucht aus Siebenwacht, fort von Schwarzwasser und hinein in ein unbekanntes Land, waren härter gewesen: ohne Zelt, ohne Feuer, ohne Schutz. Damals hatte sie gelernt, dass Schlaf kein Recht war, sondern ein Risiko. Besonders für eine Frau.

Der Dolch glitt in ihrer Hand, der Griff wärmte sich, während die kalte Klinge sich an ihren Unterarm schmiegte. Die Haltung war alt und vertraut – so selbstverständlich wie das Atmen.

Tagsüber bewegte sich Gwenna durch das Lager wie ein Schatten im Gewand einer Hochedlen. Ihr weiter, kostbarer Fellmantel verbarg die eng anliegende Rüstung darunter und ließ sie in den Augen der Soldaten wie eine Dame im Gefolge der Heerführerin erscheinen – ein schmückendes Beiwerk, die Feder der Tiefenberger Kunde in der Hand, keine Kämpferin. Am Feuer hatte eine Priesterin lachend gefragt, ob sie noch mehr warme Mäntel bei sich habe. Gwenna hatte das Lachen elegant und kokett erwidert, ohne das Spiel zu stören. In Wahrheit war der Mantel vorausschauender Schutz – gegen Kälte, gegen neugierige Blicke.

Niemand achtete darauf, wie sie sich tagsüber unbehelligt zwischen den Reihen bewegte, Helisandes Befehle leise übermittelte und Nachrichten zwischen Heerspitze und Lager weitergab. Sie glitt durch das Lager, als sei sie unsichtbar.

Ihre Gedanken wanderten zu Helisande von Alsted. Deren bloßes Wissen um Gwennas Anwesenheit auf dem Feld schien ihr zu genügen. Zwischen den beiden Frauen bestand ein stilles, unausgesprochenes Vertrauen – wie ein unsichtbarer Faden, der über das Schlachtfeld gespannt war. Es war kein Vertrauen, das Gwenna leichtfertig verschenkte. Und doch war es da. Mit einer ungebrochenen und bisweilen uneingeschränkten Loyalität.

Ein Windstoß hob die Zeltplane leicht an, und kalte Luft strich über ihre Wange. Ihre Finger spannten sich, der Dolch lag plötzlich kampfbereit in der Hand. Doch da war nichts – nur ein Schatten, der weiterzog. Langsam atmete sie aus, aber der Schlaf wollte nicht kommen. Nicht an einem Ort, an dem ein einziger lautloser Schnitt durch Stoff genügen konnte, um den Tod hereinzulassen.

Draußen trat der Mond wieder hervor und warf ein schmales, silbernes Band durch die Plane. Gwenna blickte an die Decke, während Erinnerungen leise aufstiegen: die Belagerung von Berchgard, brennende Dächer, Schreie in der Unterstadt… und schließlich das Gesicht ihres ehemaligen Meisters, das unvermittelt aus der Dunkelheit ihrer Gedanken auftauchte. Es hinterließ eine unausgesprochene Drohung: Die Maske zu bewahren.

Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 19:06
von Helisande von Alsted
Diese Palisade hätte auch ein Katapult sein können.

Dame von Alsted



Der Marsch des Heeres gen Grenzwarth folge den Pfaden der Lagervorhut. Sie hatten entschieden nicht per Schiff nach Menek'ur überzusetzen und dann durch die Wüste zu reiten, sondern den Landweg zu nehmen. Aus den Augenwinkeln konnte sie wahrnehmen, dass offenbar die Wachmannschaft Bajards in der Panik einer befürchteten Nahtoderfahrung war, während sie vorbeiritten. Doch diesmal interessierte sie Bajard nicht. Diesmal. Aber da war noch eine Rechnung offen.
Der gefasste Plan hatte natürlich den ersten Kontakt mit der Realität nur um Atemzüge überlebt und sie wurden von den Alarmglocken Grenzwarths begrüßt. Zügig saß das Heer ab, sammelte die Pferde vor dem wachsenden Lager mit halbfertiger Palisade und kampfbereiten Soldaten. Dann stießen sie vor nach Grenzwarth um erstmal die Wachmannschaft dort zu eleminieren und den Feind möglichst früh abzufangen. Der angepasste Plan gelang durch die schnelle Reaktion der Thyren.
Shasul. Der Ahad.
Wieder.
Hinter ihm aufgebauscht und aufgerüscht ein buntes Sammelsurium an Rabendienern, Templern und Letharen, die bereits die Messer zwischen den Zähnen klemmen hatten. Direkt zog ein unheiliger Nebel auf, der das Feld der Konfrontation einhüllte und die Sicht zu nehmen drohte. Doch die Geweihten der Herrin reagierten ohne zu Zögern und warfen einen Schutz auf das Heer der Völker. Das Sirren von gezogenen Klingen. Hinter ihr wurden Bögen gespannt. Ahad Shasul hatte nichts Besseres mit seinem Leben an dem Tag vor als sie "Herzblatt" zu nennen, ihre Ehe zu ignorieren und dann noch dreist die Entscheidungen des Königs in Frage zu stellen. Davon abgesehen war der Austausch wie gewohnt von eisiger Höflichkeit und distanzierten gegenseitigen Todesdrohungen gespickt.
Sie griff an. Der Zorn der in ihr aufwallte, hatte eine sehr alte Quelle. Eine die kaum versiegen konnte und vom Feind nie verstanden würde. Zorn ohne Hass. Denn man hasst nur, was man einst geliebt hat oder lieben wollte. Der Ahad war ein großer, kräftiger Mann. Ihr erster rammbockartiger Vorstoß prallte an ihm ab wie ein Lederball an einer Hauswand. Diesmal würde sie ihm nicht den Reichweitenvorteil lassen. Sie ging direkt in den Nahkampf, unterschritt seine Distanz schob, stieß vor und zwang ihn tatsächlich in die Defensive. Die einzige Blöße wurde genutzt. Er blutete. Taumelte zurück.
Um sie herum war direkt mit ihrem eigenen Angriff das Chaos ausgebrochen. Pfeile und Gebete folgen, die Thyrenkerle schwangen ihre Waffen und irgendwo drängte Bork einen Feind zurück. Esther ging zu Boden. Ulfur... wo kam eigentlich der Wald plötzlich her? Und wo war Gwenna?

Zurück im halbfertigen Lager blickte sie in erschöpfte Gesichter, darunter auch das ihrer Vogtin und des Hohenfels-Burschen. Den ersten Kontakt hatten sie gewonnen. Minimale Verluste. Anspannung überall und irgendwo kochte jemand Kaffee. Einige Pferde trabten durchs Lager, bis sie sicher untergebracht wurden und sich unter den gewohnten Händen beruhigten. Kritisch beäugte sie die östliche Palisande. Das Holz hätte in Anbetracht des Berges in Spuckweite auch ein Katapult werden können. Morgen würde man das bereinigen. Ebenso würde der vorgelagerte Bereich der Lagerseiten noch gesichert werden müssen. Doch erstmal ruhen und vor allem dem noch mit letzten Arbeiten beschäftigtem Heinrik nicht in die Quere gelangen.

Verfasst: Samstag 4. Oktober 2025, 23:22
von Keylon von Salberg
Tagebuch Angriffsoffenive Goldblatt unter dem Grafen und Kronritterpaar Alsted

03. Goldblatt 268


Endlich ging es los. Lang genug hatte Keylon darauf hin gefiebert.
Der Schale geschmack jedoch blieb als er an das Letzte mal dachte als man ebenso eine Ablenkung mit einem Lager startete, um dann in die Angurenfestung ein zu dringen.
Damals so waren sich einige sicher war ihr Plan verraten worden und der Feind empfing die Ausfallmannschaft an der Burg und sperrte sie darin ein.
Fast 2 Wochen hielten sie aus. Ohne Wasser und Brot und bei den Kaluren wuchs die irre Überlegung die Tote zu braten. Zum Glück blieb es nur bei dieser Überlegung aus der Amelies Abneigung Fleisch zu essen herrührte.
Damals war es den Kaluren zu verdanken das sie hinaus kamen. Sie fanden den geeigneten Platz und gmeinsam gruben sie sich hinaus.
Keylon hoffte nur das es diesmal nicht so weit kommen würde.

Die Vorhut war schon los gezogen um den ausgespähten Lagerplatz zu bebauen.
Dann folgte das Herr.
Thyren,. Elfen und Kaluren hatten sich dem Troß der sich um Helisande gebildet hatte angeschlossen.
Doch wohl im Gegensatz zu der Vorhut kamen sie nicht ohne Aufmerksamkeit zu erregen am Lager an.
Schon standen sie einer Gruppe Letharen gegenüber und man tausche wie so oft Nettigkeiten aus, dann jedoch kam es wie es kommen musste. Es kam zum Kampf.

Keylon selber stand einem Letharen namens Q‘in Gegenüber, und so irre er auch aus sah so unkonventionell war auch dessen Kampfstil.
Keylon hatte anfangs Mühe sich darauf ein zu stellen doch dann lieferte er sich mit ihm einen ziemlich ausgewogenen Kampf, der solange hin und her wogte, bis Keylon bemerkte das sich der Feind zurück zog.
So ging auch er zurück und ließ dem Alten die Wahl ... Gefangennahme oder Flucht und mit viel Gezeter und Warnungen zog dieser sich dann doch zurück und verschwand mit den Seinen.

So konnten sie ohne Verluste ihren Weg fortsetzen und kamen in dem aufgebautem Lager an.
Die Offensive hatte begonnen.

Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2025, 00:14
von Viktoria Hamberg
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  • Die Nacht lag schwer über dem Lager, dunkel und dicht wie eine Decke aus Ruß. Über den Palisaden kroch der Nebel, langsam, tastend, als wollte er prüfen, ob hier noch Leben atmete. Viktoria stand auf dem Wall, den Bogen geschultert, den Blick fest in das bodenlose Schwarz der Wälder gerichtet. Der Wind zerrte an ihrem Mantel, spielte mit den Strähnen ihres Zopfes und brachte den fernen Geruch von feuchter Erde, altem Blut und verbranntem Holz mit sich.

    Wache halten. Stundenlang in die Dunkelheit spähen. Lauschen auf das, was vielleicht nicht kommt, und dennoch da ist. Es war ihr vertraut, beinahe schon zu vertraut. Sie hatte viele Nächte wie diese erlebt, auf den Mauern von Adoran, wo die Stadt im Schlaf lag und nur die Gardisten pflichtbewusst über sie wachten. Auch dort war die Nacht oft still gewesen, doch diese hier war anders. Hier war die Stille schwer, gespannt, voller unsichtbarer Bewegung. Zu ruhig, dachte sie, und der Gedanke brannte wie kalter Stahl in ihrem Innern.

    Zuweilen kamen Zivilisten an den Wall, flüsternde Schatten, die nach Hoffnung suchten, nach Gewissheit. „Wie sieht es aus, Gardistin?“ fragten sie, und Viktoria antwortete ruhig: „Keine Meldungen. Alles ruhig.“ Doch die Worte fühlten sich leer an, als spräche sie in ein Grab hinein.

    Ihr Geist begann, die letzten Stunden Revue passieren zu lassen, und das dumpfe Schlagen ihres Herzens begleitete die Bilder, die nun wieder in ihr aufstiegen. Der Nachmittag hatte auf dem Wachturm begonnen, gemeinsam mit Elsinga und Seydenhain. Der Dienst war erträglich gewesen, man hatte sich leise unterhalten, über Kleinigkeiten, über das Wetter, über den Lärm der Schmiede unten im Hof. Das Lagerfeuer hatte geknistert, und für einen kurzen Moment war es beinahe friedlich gewesen.

    Bis der Reiter kam.

    Er war aus dem Nebel gebrochen, ein dunkler Schatten auf einem staubigen Pferd, das Schnauben des Tieres schwer und rau. Der Ruf des Postens ließ Viktoria herumfahren, ihre Hände handelten, bevor ihr Kopf nachdachte. „Elsinga - schussbereit!“ hatte sie gerufen, und ohne zu zögern sprang sie über die Holzstufen hinab. Der Aufprall war hart, dumpf, schmerzend, doch sie fing sich, riss den Bogen von der Schulter, spannte die Sehne, während sie das Tor mit einem kräftigen Stoß aufdrückte.

    Der Pfeil lag auf, die Spitze deutete direkt auf den unbedeckten Hals des Reiters. Einen Atemzug lang war nur das Geräusch des Windes zu hören, der zwischen den Pfeilspitzen sang. Dann trat Bewegung hinter ihm auf: Innes, Valentin. Der Fremde hob langsam die Hände, und erst Heinriks Stimme, schneidend und hart, riss Viktoria aus dem Gedanken, diesen Mann einfach niederzustrecken.

    „Wer ist das?“

    Sie blinzelte, fokussierte den Blick, und begriff, dass es keiner von jenen war, gegen die sie sich wappnen sollte. Der Reiter bat um Festnahme, freiwillig. Ein eigenartiger Anblick, einer, der in dieser Zeit Misstrauen weckte, nicht Vertrauen. Doch der Kronritter befahl, und Viktoria gehorchte.

    Augenbinde.
    Fesseln.
    Kalte Routine.

    Alles geschah in Bewegung, mechanisch, sauber, wie sie es gelernt hatte. Innes und Valentin flankierten, während sie den Gefangenen durch das Lager führte, und Viktoria spürte das Gewicht von Arjens Blick im Rücken, der mit einer ruhigen, tödlichen Gelassenheit den Lauf seiner Muskete auf den Fremden gerichtet hielt. Sollte der Gefangene sich widersetzen, würde ein einziger Schuss genügen.

    Doch es war nichts als Zeitverschwendung. Einer der Ihren. Ein Späher, fehlgeleitet, erschöpft, kein Feind. Eine Verschwendung von Kraft und Vorrat. Viktoria hatte darum gebeten, dass sie Marius eine langen durfte. Kabo hatte nur den Kopf geschüttelt, sein „Nein“ war endgültig gewesen. Sie hatte nicht widersprochen.

    Sie widersprach nie.

    So kehrte sie auf den Turm zurück, nahm wieder Wacht auf, die Hände kalt, das Herz ruhig, und doch war in ihr etwas, das vibrierte, wie eine gespannte Sehne, die nie ganz losgelassen wird.

    Wenige Stunden später riefen die Priester zum Ritual. Das Licht der Laternen erhellte die Dunkelheit, blau, weich, fast heilig. Es schien Wärme zu spenden, doch es war eine falsche Wärme, ein Schauspiel, eine List. Das Licht Temoras sollte hinausgetragen werden - in die Stadt, in das verfluchte Grenzwarth. Eine Ablenkung, um eine andere Ablenkung zu decken, die wiederum nur Tarnung für etwas Größeres war.

    Der Feind kam, wie sie es erwartet hatte.

    Die Nachricht traf wie ein Peitschenhieb: Thorlav und ein Kalure seien noch im Turm, den man eigentlich hatte einreißen sollen. Umstellt. Kein Weg hinaus. Kabo trat aus dem Schatten, die Stimme ruhig, fast flüsternd, und doch so unmissverständlich wie ein Befehl aus Eisen:

    „Holt sie da raus.“

    Viktoria nickte, drehte sich zu Elsinga. „Schieß die Ketten. Ich deck dich.“
    Er lud die Muskete, das metallene Klicken hallte wie ein Versprechen in der Luft.

    Sie griff nach Schild und Schlägel. Das Metall fühlte sich vertraut an, kalt, schwer, ehrlich. Kabo stand an ihrer Seite, wortlos, der Atem neblig in der Luft. Hinter ihnen Kerner, im Schatten Elsinga. Kein Zögern, kein Flüstern, keine Gebete. Nur Pflicht.

    Sie atmete tief durch.
    Für Krone, Reich und Glauben.
    Für die Kameraden.
    Für die, die ihr vertrauten.

    Dann setzte sie sich in Bewegung. Schritt um Schritt, den Blick nach vorne gerichtet, hinein in die Schwärze, wo die Silhouetten der Reiter warteten. Der Boden bebte unter den Hufen, das Knirschen von Eisen auf Stein füllte die Luft, und die Dunkelheit schien zu pulsieren. Dann sah sie ihn, den Rabendiener. Die Augen wie kalte Kohlen, der Blick fordernd, wissend.

    Er wollte sie brechen.
    Sie würde ihn zu Boden reißen.

    Kein Rückzug, kein Zweifel.
    Kein Zweifel soll uns trennen, kein Schrecken uns beugen.

    Etwas unter dem Kettenhemd drückte ihr schwer ins Fleisch. Sie wusste wofür sie kämpfte. Der Schlägel hob sich, die Kette spannte sich, und mit einem donnernden Schlag traf Metall auf Metall. Der Klang hallte zwischen den Ruinen wider, Funken stoben, Rauch und Staub verschmolzen. Viktoria keuchte, wankte einen Schritt zurück, doch blieb standhaft, spürte, wie das Blut in ihren Adern rauschte, heiß und klar. Aus der linken Flanke brach Rago hervor, seine Waffe erhoben, der Kampfschrei in der Kehle ein grollendes Echo. Der Feind zögerte. Dann wankte die Linie, und die Dunkelheit begann zu fliehen. Rückzug erfolgte beim Feind.

    „Feigling!“ schrie Viktoria ihm nach, ihre Stimme rau, gebrochen, und dennoch voller Trotz.

    Hinter ihr kämpfte Sir Keylon, ein Tanz aus Stahl und Bewegung, gegen eine Frau mit katzenhafter Anmut, ihre Schritte schnell, ihr Griff tödlich. Viktoria eilte zu ihm, das Adrenalin ließ die Welt um sie herum verschwimmen. Gemeinsam schlugen sie zu, im gleichen Atemzug, und die Frau fiel, lautlos, schwer, als hätte jemand das Licht in ihr ausgelöscht. Sie schleppten die Bewusstlose in den Turm, denselben, in dem der Jarl der Sturmheuler gefangen gehalten worden war. Elsinga kam hinzu, half beim Fesseln, doch die Frau bäumte sich plötzlich auf, fauchte, schlug um sich.

    Viktoria packte zu, hart, entschlossen, und traf sie mit der Faust an der Schläfe. Ein dumpfer Schlag, dann ein zweiter, Elsinga schlug mit dem Kolben nach. Der Körper der Frau erschlaffte, sank zu Boden. Stille.

    Gefesselt.
    Gesichert.
    Zurückgelassen.

    Keine Toten.
    Nicht heute.

    Viktoria führte das Regiment zurück ins Lager. Kabo blieb draußen, im Nebel, wie ein Schatten, der seine Pflicht allein vollenden wollte. Im Lager selbst wurden die Männer rasch eingeteilt, zwei pro Torseite, drei an der Mauer, einer bei den Pferden.

    Die Nachtwache begann.

    Und so stand Viktoria wieder dort, auf dem Wall, über ihr die grauen Wolken, unter ihr das dunkle Land, das keine Ruhe kannte. Der Wind wehte, brachte den Geruch von Blut und kaltem Eisen mit sich, und irgendwo in der Ferne klang ein leises, langgezogenes Horn.

    Alles war ruhig.
    Zu ruhig.

Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2025, 03:34
von Zyn'tuin
Die Nacht lag still über dem Feld. Kein Wind, kein Laut – nur das leise Summen der Insekten und das ferne Knacken eines verglimmenden Feuers.
Zyn’tuin hatte das Axorn hinter sich gelassen und glitt lautlos zwischen den Bäumen hindurch. Für andere wäre die Finsternis ein Hindernis gewesen, doch für ihn war sie wie Tageslicht – weich, vertraut, voller Konturen. Im grellen Licht des Tages verschwammen Dinge, aber hier, unter dem Mantel der Dunkelheit, war jede Bewegung klar, jedes Geräusch bedeutungsvoll.

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Zwischen den letzten Baumreihen erhob sich die Palisade des ketzerischen Lagers. Grob gezimmert, doch standhaft genug, um Fremde fernzuhalten. Zyn’tuin verharrte im Schatten, beobachtete. Kein Alarm, kein Wachruf – nur das matte Flackern einer einzelnen Fackel im Wind.

Er bewegte sich weiter, Schritt um Schritt, lautlos wie der Schatten selbst. Immer wieder prüfte er das Holz, lauschte. Hinter der Palisade Stimmen, gedämpft und müde, ein kurzes Lachen – sorglos. Sie ahnten nichts. Zyn’tuin spürte das Gewicht ihrer Selbstsicherheit und ließ es an sich vorbeiziehen wie Nebel.

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Hinter der Palisade erhob sich der Wachturm, seine hölzerne Silhouette zeichnete sich deutlich gegen den Nachthimmel ab. Die Fackel dort oben brannte weiter, ihr Licht flackerte träge und warf zuckende Schatten über das Holz. Doch keine Bewegung, kein Schritt, kein Laut kam von dort. Die Wache war da – irgendwo – doch still, vielleicht halb schlafend, vielleicht gedankenlos im Schein des Feuers gefangen.

Zyn’tuin blickte noch einmal zurück. Die Falle, die er zuvor entschärft hatte, lag offen auf dem Boden – so, dass sie beim ersten Licht des Morgens ins Auge fallen würde.
Ein leises, kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen. Sie werden glauben, sie hätten sie selbst falsch gespannt, dachte er. Oder dass der Wind sie gelöst hat. Vielleicht suchen sie nach einem Schuldigen unter sich, während ich längst fort bin.

Er wandte sich ab, glitt in den Schatten der Bäume zurück. Die Fackel flackerte weiter, einsam über dem Lager, als wüsste sie nichts von der Stille unter ihr.
Und in dieser Stille blieb nur das Wissen zurück, dass jemand nahe gewesen war – so nah, dass er hätte zuschlagen können. Aber nicht tat. Das waren seine Gedanken aufdem Weg durch die Schatten zurück zum Axorn.


ooc: er hat niemanden gesehen aber kann durchaus gesehen worden sein

Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2025, 11:27
von Jynela Dhara
Der Wind roch nach Herbst, vermischt mit dem Rauch der Lagerfeuer, getränkt durch die fernen Geräusche und Stimmen aus dem Lager und….einer Ahnung von Blut.


Sie lag flach auf einem Felsen, halb verborgen hinter einem Vorsprung und noch immer klopfte ein leiser Schmerz in ihrem Knie, denn der Aufstieg war alles andere als leicht gewesen. Das Gesicht, verdeckt durch Maske und Kapuze, verblieb ihr Blick starr auf dem Lager in der Ferne. In der einen Hand das kleine Fernrohr, der Bogen ruhte vor ihr, der dunkel polierte Schaft glitt sanft in die Mulde ihrer Hand, als wäre er ein Teil von ihr.

Unten, in der Senke, lag das feindliche Lager. Palisaden, roh gezimmert, aber dicht gesetzt. Zwischen den Spalten glomm das Licht von Feuerstellen, das die Umrisse von Männern und Zelten tanzen ließ. Es war kein hastig aufgeschlagenes Feldlager mehr.

Das war eine Stellung – geplant, gesichert, gefährlich.

Ihre Finger glitten wie in Gedanken und in einer Geste, die man kannte, wenn man nur ein wenig Zeit an ihrer Seite verbracht hatte, über den Köcher an ihrer Hüfte. Die fingerlosen Handschuhe ließen es zu, dass ihre Haut die Federn spürte. Sie musste nicht hinsehen, um zu wissen, in welcher Kammer welcher Pfeil wartete. Und sie wusste auch genau, welchen Pfeil sie nun am liebsten ziehen würde. Der leise Tod auf Distanz. Doch sie schoss nicht. Noch nicht. Zu weit weg, die Rückzugsbedingungen zu schwierig.
Nur der Blick, der zählte.
Das Beobachten, das geduldige Sammeln jener kleinen Fehler, die über Sieg oder Untergang entschieden.


„Zu viele für einen Spähtrupp,“ murmelte sie leise, kaum hörbar. „Zu organisiert. Und vermutlich einmal mehr: zu arrogant.“
Ihr Mundwinkel zuckte zu einem eher sarkastischen Ausdruck nach oben. Das roch verflucht nach einer bevorstehenden Katastrophe.
Sie ließ sich zurückrollen, kroch die Anhöhe hinab, das leise Rascheln ihres Mantels das einzige Geräusch.




Der Abend brach grau und schweigend über Düstersee herein. Der Bericht über das feindliche Lager war abgegeben, nun hieß es auf weitere Befehle warten, obwohl es ihr so sehr in den Fingern juckte. Dieses stete Gefühl im Nacken ließ sie nicht los, dieses Gefühl, dass die Zeit davon lief und sie handeln sollte.
Während andere sich auf ihre Art auf den Abend vorbereiteten, stand sie im Schatten der Mauer von Düstersee und zog in schweigendem Rhythmus die Sehne ihres Bogens über die Handfläche. Das leise Sirren war beinahe beruhigend.

Ein vertrauter Klang in einer Welt, die sich auflöste.

Sie prüfte jeden Pfeil, wog das Gewicht, kontrollierte die Spitzen.
Jagdspitzen, Glaspfeile, eine Menge Brandpfeile – mehr als genug.
„Wenn das nicht reicht, dann war’s das,“ murmelte sie.
Ihr Blick glitt nochmal über die leere Ebene. Irgendwas machte keinen Sinn. Sie wusste nur noch nicht genau was.




Auf dem Hof herrschte rege Bewegung. Boten liefen zwischen den Gebäuden hin und her, Rüstungen klirrten, Pferde wurden gesattelt. Die Wachen übten den Nahkampf – mit mäßigem Erfolg. Der Geruch von Öl, Schweiß und Pech lag in der Luft.
Die Sonne war bereits träge hinter den Hügeln untergegangen, als wollte sie selbst nicht mit ansehen, wer dumm genug war, heute zu kämpfen.

Irgendwann kam die Meldung: das Heer des Reiches setzte sich in Marsch – Richtung Grenzwarth.
Ein Teil von ihr war erleichtert. Der andere wusste, was das bedeutete: Düstersee war geschwächt. Kaum Männer blieben zurück.
Sie fühlte es im Magen, als hätte sich der Wind selbst verändert.
Zu still.
Zu schwer.
Der Osten rührte sich.

Und als die Dunkelheit kam, war die Ruhe keine mehr – sie war nur die letzte Einatmung vor dem Sturm.




Zeit aufzubrechen.
Jenseits der dunklen Baumkronen hatte man einen guten Blick auf Düstersee – dahinter die alte Feste der Bruderschaft, deren graue Mauern sich wie ein Bollwerk gegen die Nacht stemmten.
Dort war ihr Pferd sicher. Sie konnte es beim kommenden Angriff nicht gebrauchen.
Doch kaum hatte sie es im Stall untergebracht, unten in der großen Halle noch einen tiefen Schluck Wasser genommen, als es unruhig wurde. Direkt über ihrem Kopf.
Ein Schrei.
Dann ein zweiter.
Mit einem leisen Fluch griff sie nach dem Bogen und rannte die Treppe hinauf. Vermutlich war es einfach Glück, vielleicht Alatars Wille, aber sie stand näher zum Südaufgang und so rannte sie nicht direkt dem Feind in die Arme.

Denn der Feind war nicht irgendwo bei Grenzwarth.
Er war hier.
Mitten in der Festung.

Von den Mauern her hallten Rufe. „Sturmleitern! Sie sind an der Nordseite!“
Sie nahm zwei Stufen auf einmal und hielt eben noch inne, bevor sie eigentlich abgebogen wäre gen Nordmauer, aber dumpfe Schläge ließen sie stoppen.

Sie hörte die Stimme und sie wollte sie so dringend ignorieren.

Denn es war nicht irgendein Ruf im Durcheinander — sie erkannte die Stimme von Heinrik.
Sie kannte diesen Klang, so vertraut wie ein übler Geruch, der sich heimlich in die Nase schleicht und einen den ganzen Tag begleitet.
Widerlich.
Und gleichzeitig… verdammt, hatte sie den Kerl damals im Kerker der Ketzer beinahe gemocht. Beinahe sympathisch gefunden, trotz allem.
Sie hatte seine Art geschätzt, seine Offenheit, den unverschämten Mut, seine ehrliche Sicht auf die Dinge. Nicht so sehr wie sein Weib, aber dennoch.

Zumindest, bis er ihr in der letzten Schlacht die Nase beinahe zertrümmert und sie liegen gelassen hatte, als wäre sie nur ein unbedeutendes Hindernis.

Ein bitterer, scharfer Funke Zorn schoss durch sie.

Für einen Moment wollte sie aufspringen, die Faust heben und ihm die geballte Rache ins Gesicht treiben. Zuhören wie Knochen splitterten und in seine Augen sehen, wenn ihm klar wurde, dass er einen Fehler gemacht hatte.

Jemand sollte ihm erklären, dass „sympathisch“ und „unsterblich“ zwei völlig unterschiedliche Dinge waren. Und dieser Jemand, wollte sie sein.

Aber das andere, kältere Ich – das, das überlebt hatte, das, das noch viele Nächte voller Blut und Pfeile sehen wollte – legte ihr die Hand an den Mund. Nicht jetzt, flüsterte es. Nicht hier. Du willst nicht, dass man dich auf dem Mauerkranz aufspießt, nur um deinen persönlichen Groll zu befriedigen.

Sie atmete tief durch, presste die Zähne zusammen, spürte, wie ihr Herz hämmert und die Wut in ihr brannte, aber auch, wie klug sie war, sie zu zügeln.

Ein falsches Lächeln huschte über ihre Lippen. „Du hast Glück gehabt, du Mistkerl“, murmelte sie trocken. „Heute.“

Und mit jedem Schritt, den sie weiter in Deckung ging, spürte sie die Mischung aus Verachtung, Zorn und… unerklärlicher Frustration. Es war, als hätte das Universum beschlossen, ihr Herz und ihre Vernunft gleichzeitig zu verhöhnen.

Heinrik rief etwas.

Sie spürte, wie ihre Finger sich um die Sehne krampften, wie das Blut in ihren Ohren lauter wurde und ließ den Atem langsam ausströmen, als wäre das Atmen selbst eine Übung in Beherrschung. Und wieder zuckte der Zorn, heiß und präzise. Aber Jynela blieb hinter der Mauer, blieb schmal und verborgen wie ein Schatten, der seine Klinge zieht, statt sie zu werfen.
Wütend.
Hungrig nach Rache.
Doch klug genug, sie für den richtigen Schlag aufzusparen — nicht für ein Schauspiel, das ihr Leben kosten würde.

Stattdessen sah sie nach oben – dorthin, wo das Leuchtfeuer auf dem Dach der Feste stand.
Wenn niemand es entzündete, würde niemand kommen.
Wenn niemand kam, war die Feste verloren und wenn sie Pech hatte, sie selbst ebenso.

Also lief sie.
Nicht überlegt.
Nur instinktiv.

Die Treppen waren eng. Irgendwo krachte es laut.
Sie erreichte die letzte Tür. Der Wind fuhr ihr entgegen, biss in die Wangen, und für einen Moment stand sie still, das Herz hämmernd. Vor ihr das Leuchtfeuer: ein Haufen getrocknetes Holz, in Öl getränkt, bereit. Doch niemand da, der es entzünden konnte.

„Natürlich nicht,“ murmelte sie. „Warum auch?“

Sie zerrte ungeduldig die Fackel aus der Wand und hielt sie gegen das Pech.
Der Geruch war beißend, der Rauch brannte ihr in der Kehle. Einen Herzschlag lang tat sich nichts – dann fraßen sich kleine Feuerzungen durch die Ritzen, wuchsen, züngelten empor, bis das ganze Holz in gleißender Glut stand.
Und zeitgleich ertönten die Alarmglocken von Düstersee.
Sie trat zurück, den Bogen noch in der Hand, und sah, wie der Rauch gen Himmel stieg.

Aber noch war der Feind dort unten, wenn sie auch nur annähernd vernünftig waren, würden sie nun die Flucht ergreifen. Ihre letzte Chance.
„Du hättest in Berchgard bleiben sollen, du mieser Bastard“, zischte sie und rannte los. Doch das Feuer fraß sich quer durch den Hof, schnitt ihr den Weg ab und zwang sie zu einem weiten Umweg. Als sie endlich die Mauer erreichte, blieb ihr nur zuzusehen, wie die Schatten des Feindes in der Ferne verschwanden – und mit ihnen ihre Chance auf Rache.




Als die Verstärkung eintraf – Teile des Heeres aus Grenzwarth, zu spät, um den Angriff zu verhindern, aber rechtzeitig, um den Feinden hinterherzujagen, war der Hof schwarz vom Ruß, das Leuchtfeuer ausgebrannt.
Jynela stand vor dem Ahad und meldete knapp das Wichtigste. FÜr mehr war keine Zeit. Sie hörte noch Lennarts vertraute Stimme aus dem Hintergrund, die Frage an den Ahad, wie sie nun weiter vorgehen würden.
Und die Antwort kam ohne Zögern: Aufbrechen und den Feind niederschlagen.

Ein Atemzug, ein Nicken, aber dann doch die knappe Frage, die ihr auf der Zunge brannte, weil die Taktikerin in ihr den Mund nicht halten konnte. “Das Lager zerstören?”
Und die Antwort war ebenso knapp: “Nein, sie zerstören.”

Dann ritt der Trupp bereits los und sie schloss für zwei Atemzüge die Augen.
Natürlich wollte er das. Sie alle wollten das. Aber ihre Gedanken gingen weiter. Solange ein Lager stand, hatte der Feind einen Rückzugsort. Würde man ihn niederschlagen und das Lager zerstören, umso besser. Würde es aber nicht gelingen, hätten die Ketzer weiter ihren Rückzugsort, würden weiter zu Kräften kommen und….erneut angreifen.

Jynela schwieg.
Der Wind hatte sich gelegt, aber der Himmel blieb dunkel, schwer.
Sie spürte den Hass in sich – scharf, kalt, präzise. Aber der Hass war kein Fieber, sondern er war immer eine Klinge gewesen. .
Er blendete sie nicht. Er trieb nur an.
Gezielt.
Also ging sie.
Und mit jedem Schritt, den sie die Feste hinter sich ließ, fühlte sie, wie der Nebel sich um sie schloss – kühl, still, wie der Atem des Krieges selbst.




Wenig später schloss sie auf. Sie fragte nicht um Erlaubnis, sie informierte nur. Ihr Weg würde ein anderer sein. Sie war keine Kriegerin und auch wenn sie durchaus im Nahkampf bestehen konnte, wenn sie wollte, war ihre Stärke eine andere.
Das Mondlicht war gedämpft, kaum mehr als ein blasser Schimmer auf nassem Stein. Ihre Stiefel versanken im Gras, leise, bedächtig. Jeder Schritt war berechnet. Jynela kannte dieses Land, jeden Pfad, jeden Busch, der unter den Bögen der alten Bäume hing.
Über ihr kreischte eine Krähe.
„Ja, ja,“ murmelte sie leise, „ich bin ja schon auf dem Weg.“
Ein Kratzer auf ihrer Wange brannte, das Knie pochte nur noch leise. Beides genügte nicht um sie zu stoppen, aber um sie daran zu erinnern, dass sie sterblich war.
Wie immer.

Der Wald vor ihr schloss sich zu einem dunklen Tunnel. Hier lag das Herz der Nacht. Keine Laterne, kein Mondlicht, nur das Rascheln der Blätter, das Knacken von Ästen unter ihren Füßen.
Irgendwo tropfte Wasser von den Felsen. Irgendwo heulte der Wind.
Zeit war in dieser Dunkelheit bedeutungslos und schneller als erwartet, tauchte zwischen den Bäumen ein schwaches Glimmen auf. Erst rötlich, dann orange, dann klarer.
Fackeln.

Sie bewegte sich tiefer in den Wald, Schritt um Schritt, bis sie die Palisaden sah.
Dieselbe Linie aus Holz, die sie schon vom Hügel aus beobachtet hatte. Nur diesmal war sie näher. Zu nah, um sich noch sicher zu fühlen.

Zwischen den Spalten erkannte sie Bewegungen. Männer und Frauen, Lagerfeuer. Und es waren zu viele.
Zu viele, wenn man bedachte, dass der Feind hinter dem Engpass stand. Entweder sie waren schlicht in einer absoluten Übermacht, um sich leisten zu können, in der Anzahl das Lager zu schützen, oder es war die pure Arroganz des Ostens.

Sie fühlten sich auf jeden Fall sicher – und das war ihr Fehler.

Sie brauchte einen besseren Blick. Mit nur einem Arm zog sie sich an einem breiten Ast hinauf in die Krone eines Baumes, verschwand im noch einigermaßen dichten Blätterwerk des Herbstes und ließ den Blick suchend über das Lager gleiten.
Das Ziel war schnell gewählt.
Jynela atmete flach, zog einen Pfeil aus dem Köcher, prüfte die Sehne. Diesmal kein stiller Tod.
Nein, ein Brandpfeil.

Anlegen, ein leises Klicken in der Stille des Waldes, das aber durch die Geräusche im Lager verschluckt wurde, dann eine Flamme, kaum größer als Jene einer Kerze.
Perfekt.

Ein Atemzug.
Dann schoss sie.

Der Pfeil flog über den Wall, schlug in das Dach eines Zeltes ein – einen Herzschlag später brannte das Leinen so begeistert, als hätte es sein ganzes Leben lang genau auf diesen Moment gewartet.
Rufe ertönten.
Eine Wache erschien auf der Mauer und noch bevor er die Muskete auf sie richten konnte, ließ sie sich am sicheren Schutz des Stammes entlang zu Boden sinken. Die Rinde des Baums so dicht an ihrer Haut, dass sie später vermutlich Splitter zählen konnte.
Sie landete, rannte und beschloss sehr bewusst, dass sie keinerlei Interesse daran hatte, heute noch irgendwo eine Musketenkugel chirurgisch entfernen zu lassen. Und auch wenn Teira, die Heilerin die in Düstersee bereits auf die Verwundeten wartete das sicher mit der ihr typischen Präzision erledigen würde, hatte sie wenig Lust auf den Vortrag von Lingor, der sich sicherlich ausführlich über ihren „leichtsinnigen Lebensstil“ auslassen würde, sobald sich das Fieber bei ihm gelegt hatte.

Ein zweiter Musketenschuss krachte. Der flog in einem so eleganten Bogen, dass man fast applaudieren wollte. Wäre er nicht ungefähr in ihre Richtung unterwegs gewesen.

Sie duckte sich, rannte tiefer in den Wald, bog ab, duckte sich erneut hinter einen Felsvorsprung.

Der Boden war rutschig, sie stürzte, fing sich mit der Hand ab – ein scharfer Schmerz zog durch den Arm. Nichts gebrochen. Nur blutig.

Der Wald verschluckte sie wieder.




Nach einer gefühlten Ewigkeit schloss sie zum Heer auf, bewegte sich lautlos durch die komplett leeren Gassen von Grenzwarth und fand sich am Ende in einem Schuppen wieder. Direkt neben dem Feind. Mit einem perfekten Blick und einer perfekten Schusslinie.
Den Pfeil schon auf der Sehne stöhnte sie gefrustet auf, als der Angriffsbefehl durch die Stille hallte.

Dann begann der Tumult des Krieges.

Ein lautes, schmerzhaft chaotisches Missverständnis, bei dem alle glaubten, sie wären die Angreifer – und niemand merkte, dass längst keiner mehr wusste, wo die Front überhaupt war.
Ein seltsames Wort, Tumult – als würde jemand glauben, darin stecke irgendeine Ordnung.

Tatsächlich war es mehr ein gemeinschaftliches Missverständnis darüber, wer gerade wen umbringen sollte.

Irgendwann traf sie eine Klinge, sie ging zu Boden, konnte sich gerade noch so hinter eine Mauer schleppen. Ihre Hand presste sich auf die Wunde, angenehme Wärme kam ihr entgegen und sie biss die Zähne zusammen.
„Ich hab schon schlimmere Nächte gehabt,“ knurrte sie und das war nicht einmal gelogen.

Mit letzter Kraft schleppte sie sich weiter, Schritt für Schritt, bis sie endlich die Linien von Düstersee erreichte.
Sie stoppte die Blutung und schon war sie wieder draußen.
Sie dachte an Heinrik, die verpasste Chance. .
An das brennende Lager, das vermutlich aufgrund der Menge an Leuten schnell gelöscht war, aber jetzt mit der Angst leben musste, was vielleicht noch im Dunklen Wald wartete.
An die Männer, die jetzt glaubten, sie hätten gewonnen.
Ein schwaches, raues Lächeln glitt über ihre Lippen.

„Sollen sie ruhig glauben, sie hätten gesiegt,“ murmelte sie. „Dann fällt’s umso leichter, sie mit dem Gegenteil zu überraschen.“

Draußen, jenseits der Mauern, würde sich in einigen Stunden das erste Licht über den Hügeln erheben.

Ein neuer Tag.

Ein neuer Kampf?

Und Jynela wusste, dass diese Nacht nicht umsonst gewesen war – für sie war es dieser eine Pfeil, der das Feuer entzündet hatte, das den Osten in Brand setzen würde. Ein kleiner Pfeil, ja, aber manchmal reicht ein Funke, um ein ganzes Reich zum Rauchen zu bringen.


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Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2025, 13:33
von XhuRyna
Der Staub legte sich nur zögerlich über das zerfurchte Schlachtfeld, als XhuRyna schwer atmend auf die Knie sank. Ihr Atem ging stoßweise, die Welt um sie herum verschwamm kurz nicht vor Schmerz, sondern vor Wut. Das Rot in Rot pochte wie ein zweites Herz in ihr, dumpf, drängend, verführerisch. Tief in der Dunkelheit ihres Inneren raste eine Sturmfront, die sie mit mühsamer Disziplin hinter Kontrolle und Gedankenzügeln gefangen hielt, Ihre eigenen imaginären Glutfesseln.

Sie presste die Hand auf den Boden, spürte das nasse, kalte Gras, als könne der Kontakt zur Erde sie erden. Ihr Blut aber brannte, als ströme flüssiges Feuer durch ihre Adern.

Der Kalure, klein, doch mit einem Panzer aus blauem Mithril und uralter Verachtung hob die Dornenaufsätze an seinen Fäusten. Sein Schlag hatte sie vom Rücken ihrer ShriRak-Reitechse gerissen. Er hatte sie mehr als überrascht. Er war zwar viel kleiner als sie, doch das wog er mit seinen Muskeln und seiner kompakten Breite wieder auf. Bei Ahamani! Er war verdammt stark und schnell!

Der Gedanke, dass ein Krieger ihrer Stärke fallen konnte, erschütterte das Selbstbild der KaRaSho.

„Kontrolle“, flüsterte sie sich selbst zu. „Kontrolle, XhuRyna.“ Während sie mit dem Obsidianspeer zustieß, flogen Funken, als das Obsidian auf den Mithrilhelm des Kaluren traf. Ihr Schlag war heftig und für einen Moment schien es, als gewinne sie die Oberhand, doch dann kam der Gegenschlag des Kaluren. Er war präzise und heftig und sie spürte, wie ihre schwere Rüstung den Großteil der Wucht aufnahm. Ihre Brust schmerzte dennoch.

Das Rot in Rot lachte in ihr. Ein Echo aus Feuer und Blut. Es verhöhnte sie, beschimpfte sie, wie schwach sie war und langsam. Stimmen flüsterten aus der Tiefe, Stimmen jener, die sie einst besiegt hatte, jener, die sie in ihrem eigenen Geist eingekerkert hielt. Teilweise RaSho aus dem einstigen Hort, teilweise auch Bilder, die sie in diesem Moment tief aus ihrer Erinnerung hervorholte.

Es war der Pfad. Es war sie selbst.

Mit geschlossenen Augen stellte sie sich vor, wie die Disziplin eine Gestalt annimmt, eine starke Kette aus Obsidian, die das Chaos und die Wut bändigen sollte. Doch die Kette begann zu glühen, drohte zu reißen und zu schmelzen. In der Schwärze hinter ihren Lidern loderten Flammen auf.

Bilder zuckten auf, das erste Mal, als sie das Rot in Rot in ihren Träumen entfesselte, Berge brannten, Himmel wurden von Feuerströmen zerschnitten, ihr eigener Schrei hallte wie Donner durch die Lüfte, das Auge in dem brennenden Feuerball am Himmel. Die brennende Sonne.

Ihr Unterbewusstsein schrie nach Entfesselung. Nach Sein.

Sie öffnete die Augen.

Der Kalure stürmte heran, die Dornenaufsätze mit glühenden blauen Mithrilrunen durchzogen. XhuRyna hob die Hand und tastete nach Zügeln. Nach Zügeln? Einer ihrer Verbündeten hatte ihr ein Knochenpferd bereitgestellt, etwas Unechtes aus ihrer Perspektive. Sie stieg schnell auf, um dem Schlag des Kaluren zu entgehen. Die eigene Armee zog sich zurück.

Noch immer spürte sie, wie ihr Körper, zitternd und von Muskelzuckungen durchzogen, sich gegen das Aufbegehren des Innere, des Rot in Rot, wehrte. Ihre Disziplin war ein Wall, doch jeder Treffer des Kaluren ließ Risse entstehen.

"Ein Funke...," flüsterte etwas in ihr.

XhuRyna sah ihrem Feind ein letztes Mal nach, und ihre Pupillen begannen, das Licht eines imaginären brennenden Horizonts zu spiegeln. Das Rot in Rot zog an ihren Fesseln, ihren Glutfesseln.

„Nirr... noch nirr und nirr jetzt, am besten gar nirr...“, hauchte sie, während sie die Wut einsperrte und der Armee hinterherritt.

Die Disziplin würde sie retten, aber auch bremsen. Wie lange noch?

Denn tief in ihrem Inneren, wo das Feuer und die Flamme der Selbstbeherrschung kaum mehr glomm, loderte jener Funke bereits und wartete darauf, sich eines Tages in einen tosenden Feuersturm zu verwandeln. Ihre Tage waren somit gezählt. Sie konnte dem Rot in Rot also nicht mehr entkommen. Wie viel Zeit blieb ihr noch?

Verfasst: Sonntag 5. Oktober 2025, 13:54
von Keylon von Salberg
Tagebuch Angriffsoffenive Goldblatt unter dem Grafen und Kronritterpaar Alsted

04. Goldblatt 268

Der Morgen begann schön. Die Morgensonne schien als könnte den Tag kein Wässerchen trüben, aber Keylon wusste das das täuschte.
Es war noch ruhig im Lager.
Hier und da regten sich die ersten Soldaten.
Er wusch sich kurz, nahm ich Brot und einen Tee und stiefelt zum Wachtum um die Wache dort ab zu lösen und beobachtete die Umgebung während er frühstückte.

Es blieb auch ruhig... doch nur für knapp 2 Stunden dann tauchten die ersten Feinde auf.
Letharen.
Ein Magier, zwei Lethrixoren und eine Schützin.
Unter ihnen auch sein „alter Freund vom Vortag“ Q‘in
Es wurden „Nettigkeiten“ ausgetauscht so wie immer und bald schon versuchte Q‘in ihn dazu zu bewegen das Lager zu verlassen um sich ihm in einem Duell zu messen.
Auch eine der ihren mit Namen Je‘yuxalae forderte ihn immer wieder auf, aber Keylon lehnte ab.
Hätte er sich früher noch nur zu gerne in diesen Kampf gestürzt blieb er jetzt ruhig gelassen.
Er würde das Tor keinesfalls aufmachen noch das Lager verlassen.
Helisande würde ihm den Kopf abreißen.

Q‘in ... dieser alte Irre Lethar war so gefrustet über seine Ablehnung das er direkt zum Tor lief und mit einer Waffe wie wild darauf einhackte.
Keylon beobachtete das Fassungslos doch konnter wohl kaum etwas dagegen tun.
Erst jetzt kam die angeforderte Verstärkung aus dem Lager.
Lester und ein Bogenschütze schafften es den Alten vom Tor weg zu jagen und so zog der Feind sich erste einmal zurück.

Bis zum Abend verlief es weiterhin ruhig, dann zog man aus.
Fast ein wenig neidisch schaute er Heinrik nach der die um sich sammelte die zur Burg aufbrechen sollten als dann Helisande zu ihm kam und ihm befahl mit den Klerus zu gehen und auf jene zu achten atmete er fast auf.
Er hasste es untätig herum zu sitzen. Er wünschte Heinriks Gruppe viel Glück und schloss sich dann den Trupp um Antorius und Leandra an.

Man bewegte sich durch das Dorf und verteilte Geschenke und Flugblätter während die Geweihten laut ihre Lobreden über das Licht hielten.
Klar blieb das nicht lange ohne folgen und man vermochte immer wieder Gestalten zu sehen die sich wohl irgendwohin aufmachten um sich zu sammeln.
Langsam wurde die Lage Explosiv.
Als dann die Meldung kam das ein Kalure und ein Thyre in einem Turm festsaßen brauchten sie nicht lange zu überlegen und zogen dorthin.

Natürlich war der Turm von den Feinden umzingelt und natürlich wollte man die beiden Geiseln nicht einfach gehen lassen.
Man merkte Kava Shasul, der den Trupp anleitete, recht schnell an das er unerbittlich sein würde, und so kam es wie es kommen musste ...
Man stürzte auf einander los.
Eines musste man dieser Schlacht lassen ... Es ging geordnet zu.
Kämnpfe gegen Kämpfer Niemand mische sich wo anders ein und so stand er bald einer Frau gegenüber die sich selbst Christine Lorene nannte.
Sie war flink, schnell und darauf aus ihn zu töten, aber Keylon ließ sich nicht so schnell aus der Reserve locken.
Sie stritten beide mit einer Intensität die aufzeigte wie Ernst es beiden war.
Am Ende schaffte Keylon es ihr den Knauf seines Schwertes gegen die Schläfe zu schlagen und im Fallen noch zerbrach sie eine Flasche die eine Giftwolke frei setzte.
Noch bevor er wusste was es war hatter sich schon mit einem Hechtsprung gerettet gehabt... was gar nicht einfach war in der Rüstung, aber als er sich wieder erhob war seine Gegnerin Kampfunfähig.
Sie war noch die Einzigste, der Gegner die noch da war und so befahl er sie in den Turm zu sperren.
Sollten ihre Freunde sie doch später abholen.

Nachdem er sich vergewissert hatte das es kaum schwer Verletzte gab, gab er den Befehl zum geordneten Rückzug doch die Geweihten wünschten noch zu verweilen und da er den Befehl hatte sie zu schützen bleib er während ein Teil der Truppe abzog zurück zum Lager.
Einige Freiwillige blieben noch bei ihm und den Geweihten und als sie sich gerade auf den Weg machten weiter zu ziehen, kam der Feind zurück.

Sie waren ihnen nicht nur Zahlenmäßig überlegen sondenr bestanden auch aus vielen Magiern und Priestern
„Wir stehen zusammen“ brüllte Keylon dessen Ruf von einigen der Seinen aufgenommen und erwiedert wurd.
Dann Befahl Kva den Angriff. .
Diesmal wurde nicht mehr viel geredet. Es ging nur noch ums überleben als sie aufeinander zu stürmten. Diesmal gab es kein Eins gegen Eins ein jeder griff ein und halt dem Anderen.

Diesmal kam Keylon nicht so gut weg, wenn auch Besser als sonst.
Ein Fluch traf ihn und er hatte das Gefühl zu ersticken, als er dann noch irgendwoher einen Schlag gegen seinen Kopf erhielt brach er zusammen.

Wie lange er Bewegungsunfähig war wusste er nicht aber als er wieder aufsah und aufstehen konnte war alles vorbei.
Der Feind war abgezogen.. sie hatten verloren.
Er erkundigte sich sofort nach den Verletzten und befahl dann wie zuvor schon einmal einen geordneten Rückzug.
Diesmal gingen alle mit.

Die Verletzten wurden von anderen geschleppt und Keylon hielt sich diesmal an der Seite von Raia

Und so kam der Trupp endlcih wieder im Lager an.

Ihren Auftrag...
Die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen jedenfalls, hatten sie geschafft.