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Verfasst: Freitag 15. August 2025, 21:25
von Elisabeth van Falkenglanz
In Geschichten sind Seefahrten meist dramatisch. Stürme, Seeungeheuer, Schiffsbruch ... Eine Schiffsfahrt war stets das größte Risiko eines Romanhelden, zumindest schien es so. Wer kannte auf Gerimor nicht einen, oder eine, die beinahe bei einer Schiffsreise gestorben wären..
Die Reise der Greifenhainer nach Kalm verlief völlig reibungslos. Naja, bisher... Sie hatten sogar einen halben Tag weniger gebraucht als veranschlagt, denn die Winde waren günstig und trieben sie voran.

Aber so ganz reibungslos stimmte nicht, immerhin war da Drago. Anstrengend. Nicht nur, weil er irgendwie eklig war, komisch roch und von oben bis unten "heidnischer Barbar" schrie. Nein, er war auch noch penetrant. So richtig unangenehm.
Ständig scharwenzelte er um Elisabeth herum. Wenn sie an der Reling lehnte, stand er plötzlich da, versuchte sie in ein Gespräch zu verwickeln. Er ignorierte jedes mal bewusst oder unbewusst ihre Versuche ihn abzuschmettern.
Er versprach ihr Truppen, die besten Reiter, geboren im Sattel. Sie, "der liebliche Falke", würde seine Brüder einen und sie zu Beak von Sankurio "dem großen Greifen" führen. Sie hätte ihn so manches Mal gern von Bord geworfen.
Eigentlich wetteten die Männer schon, wann der Knappin endlich der Geduldsfaden reißen würde und sie dem Kerl das Genick brechen würde. Aber sie tat es nicht, eisern hielt sie diesem Drang stand. Und Temora sei Zeuge, sie hätte ihn sooo gern umgehauen. Rasiert, gehäutet, gebraten, zerkaut und ausgespuckt - sie war dem Kerl wirklich überdrüssig. Aber sie war freundlich, abweisend aber freundlich. Doch nicht abweisend genug...

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Sporoikja - Handelsposten für Pelze.

Noch etwa ein oder zwei Tage waren sie von Kalm entfernt, da sahen sie am Rand des Ufers ein paar runtergekommene Hafenstege, weiter hinten einige Hütten, über denen der Rauch von Öfen hinaufstieg. Der Gestank von Urin lag in der Luft. Gerber und Pelzhändler, offenbar aber war die Siedlung wenig bedeutsam, sie war runtergekommen, auch vom Wasser aus konnte man aber die Taverne im Zentrum sehen. Kein Tempel - war ja klar.
Das Schiff drehte bei, als wolle es den Hafen ansteuern.

Die Knappin war irritert. "Fehlt uns Proviant? Warum steuern wir bei?" meinte sie irritiert zu einem der Greifenkron-Brüder.

"Keine Ahnung, heute Morgen waren die Lager noch voll.." erwiederte er.

Eilig drückte sie sich zum Steuermann durch und rief. "Was soll das? Wieso drehen wir bei? Es sind nur noch zwei Tage bis Kalm - höchstens!"

"Es hieß doch ich soll... " WUMMS - unterbrach ein kräftiger Ruck den Steuermann. "SCHEIßE! Ruder auf Grund gelaufen!"

In der Folge brach kurzes Chaos aus. Doch die Greifenhainer reagierten schnell. mit langen Bootsstangen hielten sie das Schiff halbwegs in Spur. Die Dorfbewohner an Land warfen Seile an Deck, das Schiff wurde eingefangen, ohne dass es großen Schaden nahm.

Doch das Ruder war angebrochen - keine Weitereise möglich.

"Elender Mist!" schnaubte die Knappin. "Wie lange hält uns das auf?"

"Zwei Wochen? Muss erst ein Schiffsbauer kommen... Schiffsbauer sind rar, weißte, Mädel..?" Meinte der Werftarbeiter entschuldigend.

Die Knappin hätte ihn am liebsten in der Luft zerrissen. "Gibts nen anderen Weg nach Kalm? Schneller?"

"Sicher, durchs Ödland der Steppe.. das sind.. zwei drei Tage, wenn man nen Führer hat.. und keine Orks da sind.. Aber die Orks sind halt da.."
erwiderte er ungebrochen freundlich.

"Ein Führer..?" sie seufzte und wusste wohl, wen sie nun fragen musste. Sie rief nach hinten "Wo ist Drago?!"

"Verschwunden! Kaum dass wir angelegt hatten!" Rief einer der jungen Reiter zurück.

Da fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Drago - dieser miese Hund! Er wollte hier anlaufen! Das war SEIN Werk. Er hatte sie für eine kostenlose Überfahrt ausgenutzt und war nun abgehauen. Da entfuhr ihr der wohl bösartigste Fluch, zu dem sie im Stande war:

"Dieser Elende Hundsfott! Dieser Sohn einer verkehrtherum gebürsteten räudigen Ziege! Dieser stinkende, ekelhafte, ziegenbärtige Schafschänder! Geflickt sei seine Mutter.. !"

"Geflickt? Meint ihr.. nicht was anderes?" irritiert schaute einer der jungen Greifenhainer auf. "Darf.. eine Knappin denn eigentlich so fluchen?"

Da legte Gerard Greifenkron die Hand auf die Schulter des jungen Mannes, "Halt jetzt besser den Mund... und den Kopf unten. Ich kannte ihren Vater, die reißt dir den Kopf ab und schiebt ihn dahin, wo keine Sonne scheint.. Wenn sie so wütend ist..."

Die Wut verrauchte zwar, aber die nächsten zwei Tage saßen die Greifenhainer fest.. In Sporoikja - das steht übrigens für ... Ort der nach Pisse und Einsamkeit riecht? Die Bevölkerung bestand aus freundlichen, aber dümmlichen halb-Barbaren, die Temoras Licht vermutlich für eine gewöhnliche Kerze halten würden.
Es gab nicht einmal Gasthauszimmer, die Greifenhainer bezogen also den Stall, mit ihren Pferden.

Die Expedition schien gescheitert, ehe sie überhaupt in Kalm angekommen waren..

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Verfasst: Samstag 16. August 2025, 11:55
von Melyna Fuxthal
  • Sie stand etwas abseits, lehnte an einem Holzbalken und beobachtete, wie er die letzten Schritte auf seine Leute zuging. Es war, als hätte die Luft selbst einen anderen Ton angenommen – leichter, wärmer, erfüllt von dieser ganz eigenen Energie, die entsteht, wenn jemand nach Hause zurückkehrt. Lachen mischte sich mit freudigen Rufen, Arme streckten sich aus und noch eher er richtig angekommen war, lag er schon mittig in einer Umarmung aus Stimmen, Händen und mit Freude gefüllten Herzen.

    Sie hatte so etwas bisher nie gekannt. Heimat war für sie kein Ort gewesen, eher ein Wort, das andere mit Geschichten füllten, während es für sie leer blieb. Aber jetzt, in diesem Moment, wurde es zum wiederholten Male auf dieser Reise, deutlich: Heimat ist nicht unbedingt die Erde unter den Füßen, nicht die Wände eines Hauses, nicht einmal die vertrauten Straßen einer Stadt oder Siedlung. Heimat kann auch in Menschen liegen – in der Wärme ihrer Blicke, in der Selbstverständlichkeit, mit der sie Platz für einen schaffen, als hätten sie nur darauf gewartet.

    Während sie Beak und Raia zwischen all den Vertrauten so sah, wie sie lächelnd die Stimmen erwiderten, erkannte sie, dass sie zum ersten Mal in ihrem Leben nicht nur Zuschauer war. Leise, ohne große Gesten und doch stieg ein Gefühl in ihr auf, das sanft, ruhig und erstaunlich sicher war. Sie hatte nie eine Heimat, aber Menschen, die begannen sich wie das anzufühlen, was man wohl als Heimat bezeichnen würde.

    Die Sonne hing bereits tief, als sie nach den unterstützenden Handgriffen beim Auspacken und Ankommen, den Weg zwischen den Pappeln hinabschritt. Das warme Licht brach sich in den schmalen, grünen Blättern, ließ die langen Stämme in goldene Säulen verwandeln, die wie stumme Wächter dort am Rand des Weges standen und sie beobachteten. Ein leiser Wind trug das Rascheln der Zweige mit sich, manchmal fiel ein Schatten über den hellen Kies, der im stetigen Klang knirschend ihre Schritte begleitete. Jeder Schritt war gemessen, beinahe bedächtig, - nicht aus Müdigkeit, sondern aus einer Entschlossenheit heraus, die sie dazu brachte, jede Einzelheit der Landschaft in sich aufzunehmen. Das Zirpen der Grillen, der Duft von warmen Gras, den süßen Hauch der Blüten, die sich noch nicht ganz der nahenden Nacht ergeben wollten. Die Weite der Felder öffnete sich zu beiden Seiten der Allee. Der Korn wogte wie ein Meer, in Wellen vom Wind bewegt, während dort in der nicht allzu weiten Ferne der Landsitz lag, dessen Dach in der untergehenden Sonne zu glühen schien. Es war ein friedliches Bild, ein Augenblick, der die Seele hätte beruhigen können.

    Doch während sie ging schlich sich ein anderer Gedanken in ihren Kopf. Hinter dem goldenen Schein des Abends lauerte die Erinnerung daran, was bevorstand. Kein Bild von Feldern und Sonne konnte das ganz verdrängen. Bald würde die Ruhe durch das Rufen von Männern, das Klirren von Eisen und schmerzerfüllte Schreie ersetzt werden.

    Sie ging weiter, langsamer, als könne sie die Welt mit jedem Schritt noch ein wenig länger in diesem Moment festhalten. Und obwohl die Allee wie ein Versprechen wirkte und die positive Stimmung größtenteils festgehalten werden konnte, spürte sie, wie der Schatten der nahenden Zukunft sich schon an den Rändern des friedlichen Abends legte und mit gierigen Finger nach ihr griff.

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    Irgendwann lag die Allee hinter ihr, das letzte Glimmen der Sonne schien sich noch in ihrem dunkelblonden Haar verfangen zu haben, als sie zurück auf den Landsitz kehrte. Und so schwer die Schritte gerade noch waren, so viel leichter wurden sie, als ihr der warme Schein der entzündeten Lampen offenbarte. Stimmen, Lachen und das Klingen von Gläsern mischte sich in die abendliche Luft und trugen sie sanft förmlich zurück in die Gegenwart. Sie nahm an der Tafel im Außenbereich neben Beak und Raia Platz, schenkte ihnen ein Lächeln und ließ den Blick dann über die gesamte Szenerie schweifen, um es wie ein Gemälde zu betrachten. Der Paladin, flankiert von ihnen, saß der Hausdame direkt gegenüber – eine stille, unausgesprochene Ordnung, die sich wie selbstverständlich ergeben hatte. Vor ihnen türmten sich Schalen und Platten: gebratenes Fleisch, frisches Brot, Käse in allen Farben, Schüsseln voller dampfenden Gemüsespeisen und Karaffen, die den rubinroten Glan des Weines fingen. Der Duft allein war reich genug, um die Gedanken an die nahende Schlacht für heute Abend fortzutragen.

    Die Gespräche um sie herum waren lebendig und erfüllt von einer Freude, die ansteckend wirkte. Geschichten über die Ernte, von Festen, die der Hof schon erlebt hatte und von jenen alltäglichen Heldentaten, die nie das Gewicht fanden, in die Verse eines Barden zu gelangen. Es war als lebte in jede, Wort das Herz dieser Gemeinschaft – ehrlich, warm und bodenständig.

    Als die Stimmen am Tisch leiser wurden und das Kerzenlicht sich nur noch in vereinzelten Kelchen spiegelte, spürte auch sie wie die Müdigkeit als Tribut der Reise allmählich deutlich in ihre Glieder kroch. Ein warmes, wohliges Gewicht nach einem langen Tag. Sie verabschiedete sich leise, fast unauffällig, als wolle sie den Moment nicht stören und zog sich in das vorbereitete Gästezimmer zurück. Dort war es stiller, die Wände noch von der Wärme des Tages durchzogen, während draußen das Zirpen der Grillen an ihren Spaziergang durch die Allee erinnerte. Sie legte die Kleidung ab, bis sie die kühle Luft auf ihrer bloßen Haut spüren konnte. Einen Moment lang blieb sie mit geschlossenen Augen so stehen und atmete einige Male bewusst tief ein und wieder aus, während sie sich vergewisserte, dass dieser Tag, diese Nähe, tatsächlich so stattgefunden hatte. Tief in ihr schwang noch das Lachen von der Tafel, die vertrauten Blicke von Beak und das warme Lächeln von Raia, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. Mit diesem Gedanken legte sie sich nieder und zog die dünne Decke über ihren Körper. Zwischen Schlaf und Wachen schwebte sie noch für eine ganze Weile in einem Zwischenraum aus Nähe und Erwartung, Sehnsucht und Akzeptanz ... und so fühlte sich die Nacht nicht kalt, sondern wie eine schützende Umarmung an.

Verfasst: Samstag 16. August 2025, 21:42
von Beak von Sankurio
  • … das schwere Geschirr wurde in den frühen Morgenstunden an Akira angebracht. In den letzten Momenten der idyllischen Ruhe fraß die gestriegelte und im Licht schimmernde Stute genüsslich das frische Heu. Nachdem die Pferderüstung angebracht und ordentlich verzurrt wurde, folgte die pastellgelbe Pferdedecke aus festen Leinen. Deutlich war darauf das Wappen derer von Sankurio, in filigraner Arbeit, eingestickt und somit auf den Flanken des Pferdes gut zu erkennen.

    Die letzten Vorbereitungen, ehe es an die Grenze in Richtung der Garnison gehen würde. Es war reger betrieb am Hofe zu frühen Morgenstunde. Auf den Holzdielen der Oberstuben hörte man bereits das Schaben von rasselndem Metall am Boden.
    Man wappnete sich für das Kommende in stiller Ruhe, kaum ein Wort wurde an diesem verhängnisvollen Morgen gesprochen.

    Ein letzter Gang aus den Stallungen mit dem Blick in die Ferne, ehe sich der Paladin seiner Rüstung widmen wollte. Es war Nialia die sich für die Dienste bereit erklärte, die da hätte einer seiner Knappen erledigen müssen.
    In seinem Zimmer trat Sie an ihn heran, ihre hellen Leinen schimmerten matt im fahlen Licht des Morgens. In den Händen hielt sie ein schmales Kästchen aus dunklem Nussbaumholz, dessen Inhalt nur wenigen bekannt war.
    Es war die Bedächtigkeit einer Frau, die den Weg zwischen Leben und Tod kannte. Mit sicheren Handgriffen verzurrte sie die ersten Riemen der Brustplatte. Ihre Finger verweilten auf dem kalten Stahl und in der Berührung lag mehr ein Segen als ein prüfender Blick.

    „Nicht der Stahl hält stand, Beak“ murmelte sie leise, „sondern der Wille, der in dir brennt. Wie das ewige Licht der Herrin selbst, was uns gereicht wurde.“

    Während sie die güldene Rüstung Stück für Stück anlegte, zeichnete sie mit dem Daumen ein kaum sichtbares Zeichen auf den Rückenpanzer. Ein uraltes Symbol des Schutzes, dessen Bedeutung in den Schriften ihres Ordens verankert war.
    Zwischen den Handgriffen formten ihre Lippen stumme Gebete und der Duft von Myrrhe, der aus dem Kästchen stieg, legte sich wie ein unsichtbarer Schleier um den Paladin.
    Als sie zuletzt den pastellgelben Mantel über die Schultern legte und die Schließe schloss, verharrte sie einen Moment. Ihre blauen Augen ruhten in den seinen, still aber voller unausgesprochener Worte.

    Der Hof lag noch in einem sanften, goldenen Schleier des Morgengrauens. Nur das entfernte Klirren von Eisen und das gedämpfte Stampfen von Hufen brachen die Stille.
    Während der Paladin selbst in seinem Zimmer sich der Meditation widmete, zog sich Nialia zum Hausschrein zurück. Sie war dort nicht alleine, denn auch Raia hatte sich bereits der Wehrmontur bedient und sich völlig der Herrin Temora hingegeben. Zwei Priesterinnen aus verschiedenen Landen aber durch die Herrin des Lichts verbunden. Es waren Gebete die gesprochen wurden, eine notwendige Vorbereitung, um die Gunst der Schwertmaid in einer nahenden Schlacht zu erhalten.

    Neben dem großen Brunnen, in dessen Becken sich die ersten Sonnenstrahlen brachen, stand Major Darion von Löwenruh. Die Arme hinter dem Rücken verschränkt, beobachtete er das Treiben mit der Ruhe eines Mannes, der schon zu viele Aufbrüche gesehen hatte. Er trug seine Uniform wie eine zweite Haut, dass Schwert an seiner Seite war blank wie der Wille, mit dem er dienen würde.

    Im Schatten des Stalls, wo das Licht durch die schrägen Holzbretter drang, bediente sich Melyna an der hölzernen Werkbank. Der Geruch von Bienenwachs und geöltem Holz lag in der Luft. Sie wusste den geschenkten Langbogen von Beak, welchen Sie vor Ihrer Abreise erhielt, zu pflegen. Die alte Sehne wurde gewechselt und neu gespannt, während Sie immer wieder an diese mit ihren filigranen Fingern zupfte. Neben Ihr ruhten mehrere lederne, gefüllte Köcher. Die Pfeile wurden frisch befiedert, eine Vielzahl an Munition wurde vorbereitet. Während Melyna selbst nur eine leichte Reitermontur trug, war es der schwere, lederne Mantel in den Farben ihres Lehnsherrn, welcher fortan Schutz und Schnelligkeit vereinte. Mit einem letzten Handgriff zog Sie die Kapuze über den Kopf, schulterte in einer fließenden Bewegung den Bogen und begab sich langsam zu den anderen.

    Die frühe Morgenluft saugte sich tief in die Lunge des gefiederten Freundes, dem Oberhaupt des Stalles, ehe ein lauter Weckruf des Hahnes ertönte. Die Zeit war gekommen, nach und nach versammelte man sich an den Toren des Hofes.

    Nialia trat als erste herbei, während auf ihrer Brosche sich das Licht leicht spiegelte. Sie hielt in ihrer rechten Hand den Stab recht locker und doch sah jede Bewegung aus wie ein Teil eines unsichtbaren Rituals. Auffällig war die pralle Umhängetasche, die über ihre Schulter hing. Niemand fragte nach dem Inhalt und Nialia verlor kein Wort darüber. Ihre Finger hielten den Riemen fester, als wäre darin mehr verborgen, als ein gewöhnlicher Wegvorrat.

    Kurz danach folgte auch Raia. Sie Schritt mit der Gelassenheit einer Frau, die keine Eile kannte, weil sie den Lauf der Dinge bereits in sich trug. Das leise Rascheln ihres Ornats gab Preis, dass viel mehr als nur Stoff sie hüllte. Ihr Blick richtete Sie mehr in die Weite des Horizonts, als könnte Sie deuten, was Sie erwarten würde.
    Die eisernen Hufen der Pferde scharrten über die Pflaster, es war der Major selbst, der die Zügel den Damen reichte. Er, ein Mann des Kampfes, wirkte makellos und vom militärischen Drill geformt. Die Rüstung trug bereits einige Kerben, welches das gepflegte rote Ornat mit dem Löwen überdeckte.

    Während man zunehmend erkennen konnte, dass man sich versammelte, sattelte auch Melyna auf ihren kräftigen Hengst auf. Prüfende Blicke wurden auf die Köcher am Halfter gelegt, ehe mit geübten Griffen der Sitz justiert wurde. Ihre Gemütslage war konzentriert, daher schenkte sie unter ihrer Kapuze den Anwesenden nur ein stilles Nicken.

    Während die Pferde noch etwas unruhig auf der Stelle standen, geschuldet der knisternden Spannung in der Luft, ertönten erneut Hufgeräusche. Mit einem schnauben machte Akira auf sich aufmerksam, die in glänzender Rüstung sich zu den Reitern gesellte. Beak selbst legte die Hand beruhigend auf den Nacken des Tieres und schaute zu den Anwesenden. Ein Moment, an dem die Zeit stillstand während nur das Krähen des abgekämpften Gockels die Geräuschkulisse schmückte.

    „Es ist soweit.“ sprach der Paladin schlicht. Und in diesem Moment spiegelte sich derselbe unausgesprochene Gedanke in den Gefährten wider. Dies war nicht nur der Beginn einer ungewissen Reise, sondern das Zersprengen der Ketten an einem idyllischen Ort, die sie festhalten wollte …

Verfasst: Sonntag 17. August 2025, 08:49
von Raia Lathaia
Ein kurzes Durchatmen, ein Moment des Friedens. Raia drehte sich im Sattel um und blickte einen Augenblick zurück. Ihre Augen glitten über den Feldweg zwischen den reifen Weizenfeldern hinauf zum Gutshaus und wieder zurück.
Sie beugte sich im Sattel hinab und zupfte einen Weizenhalm ab. Jener wurde sanft gegen die Brust gepresst, ehe sie ihn behutsam in die Satteltasche legte. Der Blick der braunen Augen glitt an Melyna vorbei zu Beak und dann nach vorne zum Major von Löwenruh und verharrte eine Weile auf seinem Rücken.

Raia rutschte ein wenig im Sattel umher, während das Leder leise knatschte. Sie ritt meist ohne Sattel und bediente sich sonst häufig nur eines einfachen Halfters mit lockerem Strick. Es war ungewohnt, aber gab doch ein Gefühl der Sicherheit.

Ihre Finger strichen über den Hals und die Mähne der ihr anvertrauten Stute. Ein sanftes Glimmen klerikaler Macht legte sich über sie und schien einen Schutz auf das dunkelbraune Fell zu zeichnen.

Einige Moment der Mediation später bewegten sich Raias Lippen tonlos, während der seichte Wind von den Feldern ihre roten Haare teilweise aus dem geflochtenen Zopf zog.

In aller Stille:

„Temora, Lichtträgerin, Wächterin der Schwingen im Sturm — wir legen unseren Weg in Deine Hände.

Breite Deine mächtigen Adlerschwingen über unsere Truppe, dass ihr Federkleid Schild und Wegweiser sei, wenn wir in die Ödlande der Orks reiten. Lass Dein Licht vor uns leuchten, damit es uns im Zwielicht der Zweifel und im Schatten der Feinde den rechten Pfad weist.

Der Kampf, den wir suchen und zugleich fürchten, ist unvermeidlich — und doch nötig, denn Gerechtigkeit verlangt unsere Entschlossenheit. Stärke unsere Herzen, festige unseren Willen, und lass in uns das Feuer entbrennen, das Dunkel zu vertreiben.

Segne auch das Kloster zu Schwingenstein, seine Bewohner und insbesondere Bartholomeo, der in dieser Zeit Deinen Schutz mehr denn je braucht. Wo meine Kraft endet, möge Deine Macht beginnen; halte Deine schützende Hand über jene Mauern, über jedes Leben dort, und umarme sie mit Hoffnung.

Temora, Deine Weisheit sei unser Kompass, Deine Schwingen unser Schild, Dein Licht unser Trost.

Wir wagen diesen Weg, wissend um die Schatten, aber getragen von Deiner Zuversicht. Wir werden alle lebend zurückkehren!

So sei es!“


Und mit ihrem stillen Gebet scheint sich ein bläuliches Glimmen über die gesamte Gruppe zu legen. Einige Momente später mag sich der Schein legen, die schützende klerikale Wirkung verleibt jedoch im sanften Schein und an den Segnungszeichen, die die Pferde auf den Flanken und die Krieger an den Rüstungen tragen. Raia hatte im Zuge der regen Vorbereitung einen jeden einzeln gezeichnet und gesegnet. Es half gegen das Gefühl der Machtlosigkeit.

Ein letzter tiefer Atemzug. Es folgte kein Blick mehr zurück. Nur voran. Und die Augen der Hohepriesterin funkeln auf; voller Kraft, Hoffnung und Willenskraft.

Bald würden die Klingen des Lichts durch die Dunkelheit schneiden und dem Unheil Einheit gebieten, dass so Vielen Leid zufügte – auch Bartholomeo.
Und in stillen Gedanken spricht Raia ein Gebet in die Ferne; still, innig. Sie lässt die Worte vom Wind gen Heimat tragen.

(Earth Air Fire Water – Lila)

Verfasst: Sonntag 17. August 2025, 14:24
von Bartholomeo Felhaven
Akt IV.: Verloren und doch Gerettet

Es erscheint mir unmöglich ein Kapitel der schlimmsten Zeit meiner Gefangenschaft niederzuschreiben. Doch meine treuen Freunde, allen voran Raia und Beak haben mich dazu ermutigt.

Schlussendlich sind sie auch in ferne Lande in der alten Heimat aufgebrochen um das Vergehen an ihrem Freund in gewisser Weise zu rächen. Doch ihr Ziel ist, wie so oft, viel höher angesiedelt. Es geht einzig um den Schutz der Menschen, der Wertschätzung des Lebens.

Wenn Sie den Mut haben mit dem Schwert zu kämpfen, warum sollte ich nicht den Mut haben mit der Feder zu schreiben?

Körperliche Erniedrigung in aller Form waren für uns Überlebende an der Tagesordnung. Waren wir schon froh die Zeit in den Arbeitsgruben überlebt zu haben so besuchten uns die Orks auch noch in unseren Zellen wie es Ihnen beliebte.

Mal schlugen sie uns, mal schnitten sie uns mit ihren Waffen und mal vergingen Sie sich an unseren Leibern. All dies bereitete Ihnen Freude und sie genossen es von unserem Blut zu trinken, es förmlich aufzusaugen und unser Leid dabei förmlich zu spüren, ja zu schmecken.

Manch einer fragt sich was einen Barden der sonst voller Vorfreude und Lebenslust durch alle Betten Gerimors hüpfte so veränderte. Das ihm sogar bei den leichtesten körperlichen Berührungen ein Schauer durch den Leib ging, er sich verkrampft und Angstschweiß sich auf seiner Stirn bildet.

Es sind eben jene Erinnerungen an das widerwertige Vergehen der Orks am eigenen Leibe die einen brandmarken. Die Wunden am Körper mögen verheilen und im schlimmsten Fall bleiben ein paar Narben zurück.

Tiefer liegen aber die Wunden auf der Seele, es sind Risse im Inneren deren Heilung weit mehr Bedarf als bloß Salbe oder vergangene Zeit.

An dieser Stelle mag ich Temora danken für ihre Zuversicht und ihre Geduld mit meiner Selbst. Ich hätte nie gedacht das ich so etwas wie Nähe wieder zulassen kann. Nicht die körperliche Nähe von der mein einstiger Ruf seinen Ursprung nahm.
Nein viel eher eine innige Verbundenheit geprägt von Vertrauen und Verständnis und möglicherweise auch mehr. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber in all dieser Dunkelheit hat es Eminenz Raia geschafft die verschlossene Tür zu meiner verletzten Seele ein Stück zu öffnen und die heilenden Worte Temoras zu verkünden.

Es ist weit mehr als Dankbarkeit was ich für diese Gabe empfinde und es fällt mir deutlich schwer dies gegenüber jenen in Worte zu verpacken die mir helfen. Fiel es mir wohl früher doch viel zu leicht, so merke ich nur wie schwer manch Dinge auf den Schultern, auf dem tiefsten Inneren ruhen.

Ich erhielt nie tadelnde Worte oder einen geißelnden Blick für mein Tun durch meinen treuen Freund und Bruder im Geiste den Paladin in güldener Rüstung. Auch wenn manchmal, eigentlich ziemlich oft, mein Handeln nicht standesgemäß war und oft mindestens für ein Kopfschütteln sorgte, so erhielt ich einzig treue Loyalität als Belohnung für meine Taten. Etwas was viel mehr wiegt als all die Reichtümer und Geheimnisse auf dieser Welt.

Selbst Elisabeth die stolze Knappin unseres Paladins und jene kampferprobte und zugleich herzensgute Dame die ich nicht absichtlich verlassen erkannte mich nicht wieder. Sie fand einen Menschen vor dessen vergangene Gefühle gestorben waren und dessen Sein der Leere glich. Einzig die Sorge um mein Wohlbefinden fand ich in ihrem Blick wieder, keinen Gram, keinen Hass, keine Verachtung – auch wenn ich dadurch durchaus Verständnis hätte.

Auch Alexander - als Skulptur vor den Toren des Klosters bekannt - der sonst gerne mit Wort dem Barden Paroli bot, selbst Ihn bewegte mein Schicksal. So flink und wortgewandt wie einst, so verstummt ward nun mein Sein und es fiel allen aufs Gemüt. Zu meinem Bedauern.

Selbst mir bis dato fremde Mitglieder des Hausstandes, wie Melyna, nahmen Anteil an meinem Schicksal. Nun dies ist wohl die wahre Stärke um die Gemeinschaft um den Hausstand der Sankurios.

Viele andere mir unbekannte und bekannte Personen halfen mir ebenfalls, mein Dank sei Ihnen ebenso gewiss.

Und schlussendlich haben diese vielen kleinen Dinge ihren Teil dazu beigetragen, dass meine Seele wieder Raum zum atmen hat und der Schleier der Finsternis sich langsam auflöst.

Zweifelsohne hätte ich nie gedacht oder habe ich es gar schon immer tief in meinem Inneren gewusst – dass es das Lächeln einer rothaarigen Priesterin ist, welches nur eine kleine Geste sei, aber meiner Selbst so viel Wärme schenkt als würde ich selbst im Lichte Temoras baden. In den wenigen Momenten wo sie selbst mir gegenüber ihr Innerstes offenbart, zeigt Sie mir, wie wertvoll das Leben ist und das es sich lohnt dafür zu kämpfen.

Freundschaft, Glaube, Vertrauen, Liebe – dies sind die Geister des Lebens welche die Essenz unseres Seins ausmachen. Sie halfen mir die Gefangenschaft zu überstehen und helfen wir auch weiterhin mit ihr umzugehen und zeitgleich wiegt es schwer…

Schwer auf der eigenen Seele.

Genau jetzt wiegt es umso schwerer, dass jene Menschen ausziehen – Leib und Leben riskieren um der Bedrohung einher zu werden und ich selbst kann hier nur in den Mauern des Klosters verweilen und für ihr körperliches und seelisches Heil beten.

Möge Temora Ihnen beistehen.

Nun habe ich wohl vor lauter Tränen, zittrigen Händen und warmen Herzen in der Brust vergessen über das Erlebte zu berichten... nun kommen wir später dazu.


Verfasst: Dienstag 19. August 2025, 10:22
von Elisabeth van Falkenglanz
Die Greifenhainer saßen bereits einige Tage fest. Die Stimmung? Mies. Eigentlich hätten sie schon längst in Kelm sein sollen. Sie waren nicht aufgebrochen, um irgendwo in einem runtergekommenen Pelzjäger-Nest festzusitzen.

Untätig, nutzlos und unbrauchbar. Sie fraßen sich durch den Proviant, übten und trainierten für einen Ernstfall, der möglicherweise nie mehr eintreffen würde. Eigentlich dachten die meisten schon wieder an die Abreise nach Greifenhain. Vermutlich war die Schlacht bereits geschlagen, bis sie Kelm erreichen würden. Im besten Fall hätte Sir Beak von Sankurio gewonnen, im schlimmsten Fall die Orks. Und dann war der Feldzug so oder so nutzlos.

Doch an einem Morgen.. Plötzlicher Tumult am Dorfrand. Die Greifenhainer packten ihre Waffen, allen voran die Knappin. Aufs Pferd. Schnell dem vermeintlichen Feind entgegen.
Tatsächlich waren dort Reiter. Abgerissene Gestalten, laut, lärmend, lachend und grölend.
Die Greifenhainer gingen in Verteidigungspostion, die Schwerter halb gezogen. Da ritt auf einmal einer der Reiter vor.

Drago. Bei Temora, das war doch fast ein Witz.

Er breitete die Arme weit aus, lächelte süß wie Honigmet, fast süffisant - wobei, nicht nur Fast. Zwirbelte gewinnend seinen Bart und erhob die Stimme.

"Elisabeth! Mein lieblicher Falke! Sieh! ICH hab sie dir gebracht, die besten Reiter! Die Söhne des Windes! Kinder des Steppensandes! Sieh, meine Brüder!" dabei deutete er einladend über den wilden Haufen an Reitern, die eine lose Formation hinter ihm gebildet haben.

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Die Knappin, sie sah ihn eisig an. Schwieg, nur ein kurzes Knurren.

"Ha! Hast du geglaubt, dass ich mein Wort nicht halte?" da lachte er, als wäre das völlig abwegig.


"Natürlich hat sie das, für gewöhnlich tust du das! Du bist auch ein hinterhältiger Ziegenschänder!“" rief einer seiner
Brüder von Hinten vor, es folgte lautes Gelächter in der barbarischen Truppe.


„Darum hast du auch den selben Bart wie ich, ja Bodhan? Denn deine Mutter war die Schönste Ziege, die dein Vater im Stall hatte!“ Dreckig lachte Drago wieder, auch seine Antwort sorgte für ein wieherndes Gelächter und tosende „OHO!“ und „HA!“ -Rufe.


Dann wendete er sich wieder vor, schmierig grinsend, fuhr mit nuscheliger Stimme fort.
„So, nun meine liebliche Knappin. Seht, hier stehe ich. Euer dienlicher Dragomir, Sohn des Westwinds, Charmeur aller Länder, ehrlichster Händler und der Erdenmutters treuster Diener. Euer Herr kann stolz auf euch sein, dass Ihr so einen großen Krieger wie mich gefunden habt. Wir wären so ein wunderbares Gespann, nicht wahr?“


Sie hätte still sein können. Sie hätte danken können, das Haupt senken und es so stehen lassen. Aber es war genug. Drago, hatte den Bogen überspannt. Seine nervtötende Art, sein schmieriges Gehabe und der Umstand, dass sie sich von ihm ständig auf unterschwellige Weise angegraben fühlte, erfüllten sie einfach mit Wut – zu viel Wut.
Es platzte aus ihr heraus.

„Ich sehe euch, oh Drago! Sohn einer querlaufenden Eselin. Unehrlicher schleimiger Fortsatz eines Furunkels auf dem Arsch eines räudigen Steppenwolfs! Scheißkerl aller Länder, Elender Gauner und Mundgeruch eines Erdwurms! Du… du… !“ und da…

Zentrierte sie ihm eine. WUMMS! Die Fauste traf ihn zentral am Kinn und schickte ihn auf den Hosenboden.

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Stille. Die Greifenhainer griffen nervös nach ihren Waffen. Nach dieser Hass-Triade würde es sicher zum Kampf kommen. Sie waren 3 zu 1 in Zahlen unterlegen. Aber besser ausgerüstet und ausgebildet. Es würde ein harter Kampf werden, Ausgang auf Messers schneide.

„Warum geht die Eselin quer..?“ fragte dann ein alter Kerl, dessen Bart schon schwer ergraut war und beugte sich im Sattel vor.

Noch immer wütend schnaubte die Knappin zurück, „Das hab ich sie auch gefragt! Aber ich hab sie nicht verstanden, weil sie genauso genuschelt hat und ebenso wenig Zähne hatte wie… Der da!“ dabei deutete sie zornig auf Drago.

Wieder Stille. Nervöse Spannung lag in der Luft. Doch dann…

„Sie kennt deine Mutter ja wirklich!“ rief der ergraute Reiter. „Die sieht wirklich aus wie eine zahnlose Eselin.“

Schallendes Gelächter. Selbst Drago lachte, erhob sich und klopfte sich den Staub von dem Mantel.

„Die Knappin hat Feuer.. Ich sollte sie mit einem meiner Söhne verheiraten..!“ lachte der alte Reiter und stieg ab. „Die meisten Adeligen eures Reiches sind so verkniffen, dass sie Knoblauchwurst mit ihrem Hintern schneiden könnten..! In richtig feine Schneiben!“

„Dann können vielleicht wenigstens deine Enkelkinder reiten, Slobodan!“ feixte Drago zurück und klopfte der überrumpelten Knappin auf die Schulter. „Hab doch gesagt, sie ist in Ordnung..“

Die Greifenhainer waren genauso überrumpelt. Hatte die Knappin bewusst so gehandelt? Lag ihrem Ausbruch eine Art ‚Barbarische Diplomatie – Grundlagenwissen‘ Ausbildung zu Grunde?

Der ergraute Reiter trat näher heran und ergriff ihren Unterarm, schüttelte ihn so wild und fest, als wolle er ihn fast abreißen.
„Har schau, Drago! Die hat Unterarme fest wie Pferdeschenkel! Feine Frau!“
Dann reichte er ihr eine Flasche hin, „Trinken wir! Auf unser Bündnis!“

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So ergriff sie, immer noch überrumpelt die Flasche und trank. Ein großer Schluck, um die Wut auf Drago zu verjagen, obwohl sie Alkohol nicht mochte. Der Trunk war übel, enorm stark, irgendein Pflaumenschnaps.. oder was auch immer. Brand, der eben brennt.
Kurz darauf mussten auch die übrigen Greifenhainer trinken, auf Waffenbruderschaft. Es folgte Gelächter und Erleichterung.

Und ein paar Stunden später, waren sie schon gemeinsam auf dem Weg. Proviant und Ausrüstung so gut es ging auf die Pferde verladen. Der Weg ging westlich am Blutsumpf vorbei. Sie musste direkt durch die Ödlande ziehen, wenn sie nach Kalm wollten. Immer auf der Hut, denn dies war nun Ork-Land…

Verfasst: Dienstag 19. August 2025, 10:55
von Elisabeth van Falkenglanz
Elisabeth hatte schnell einiges über das Gefüge von Dragos Männern herausgefunden. Sie waren gar nicht alle Dragos Männer. Die Südliche Steppe des Ödlandes, das im Norden in Löwenwacht endete, wurde seit Generationen von Wehrbauern wie ihnen bewohnt. Steppenreiter, die mit ihren kleinen Herden dort lebten. Der Trupp von etwa 60 Mann bestand aus den Männern dreier dieser Familien. Die von Drago, die von Slobodan, zu der auch sein Sohn Bodhan gehörte und einer Dritten, doch den Namen des Familienoberhaupts konnte Elisabeth beim besten Willen nicht aussprechen. Chichi…irgendwas.

Die Orks des Ödlandes waren eigentlich keine große Gefahr gewesen. Die beiden vorherrschenden Stämme, die Blazh’Wargh und die Krash’Marokh, hatten sich stets gegenseitig so sehr dezimiert, dass sie selten eine Gefahr waren. Die Praxis der Orks war es, die Gegner zu erschlagen, das Fleisch der Starken zu fressen und das der Schwachen verrotten zu lassen. Die Orkweiber nahmen sie dann als Kriegsbeute für die weitere Orkenzucht mit. Doch etwas hatte sich geändert. Die Grak’Thul hatten die südlichen Orkstämme unterworfen. Nun waren die Krash`Marokh und Blazh’Wargh ihre Untertanen. Und gemeinsam waren sie nun für die Männer von Drago und Slobodan eine Gefahr, hatten sie aus den Weidelanden vertrieben.

Doch hassten sich die Nomaden fast untereinander mehr, als sie die Orks hassten. Wobei, Hass das falsche Wort ist. Aber keiner konnte unter dem anderen dienen – eine Sache der Ehre. So war ihr Zusammenschluss nur dadurch möglich, dass sie alle eigentlich Elisabeth folgten, die gerade ihren Herrn Beak von Sankurio vertrat – Auch wenn der selbst von seinem Glück noch gar nichts wusste.

Plötzlich hielt der Tross an. Orks. Auf dem Weg gen Nordosten – Richtung Kelm. Offenbar bereiten auch die Grak’Thul etwas vor, sammeln ihre Lakaien – auch im Ödland.

Doch Elisabeth entschied schnell. Angriff. Bevor sie entdeckt wurden.

Den Anfang machten die Bogenschützen unter Dragos Führung. Sie umflossen die Orks, überraschend und schnell, deckten diese mit Pfeilen ein. Die Orks waren so überrascht, dass sie keine Kampflinie formen konnten. In Unruhe und Chaos setzten sie den Reitern nach, die sich sogleich zurückzogen, weiter auf die Orks feuernd.

Die Orks setzten nach. Schnelles Tempo. Doch dann strebten die berittenen Schützen auseinander, wie ein See, der sich teilt. Sie ritten im Halbkreis davon, die Orks waren irritiert.
Doch dann sahen sie, was aus der Breche auf sie zukam und gerieten in Unordnung. Die Greifenhainer schlugen wie ein Hammerschlag durch die entstehende Lücke auf die Orks ein. Die erste Reihe der Orks fiel nahezu sofort. Die zweite und dritte wurde zwischen dem Gewicht der anstürmenden Reiter und der Nachrückenden Orks zerquetscht. Die Orks versuchten die wenigen Reiter zu umschließen, doch wurden sie dann von Slobodan und Bodhans Männern in die Zange genommen. So blieb nur der ungeordnete Rückzug… Genau in die Arme von Dragos Männer, die ihre Bögen gegen die Säbel getauscht hatten.

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Es war ein brutales Gemetzel. Die Orks waren offensichtlich nicht auf Reiterangriffe eingerichtet und wurden völlig aufgerieben. Die Truppen des barbarisch-greifenhainer Bündnisses blieben ohne Verluste. Ein paar wenige Verletzte, ein gestorbenes Pferd.

„Das war nur ein Trupp.. Krash’Marokh.. Da kommen noch mehr.. „ meinte Bodhan, über den erschlagenen Orks stehend.
„Wir müssen verhindern, dass die Truppen aus dem Süden den Männern in Löwenwacht in den Rücken fallen..“ meinte Elisabeth. „Wir machen den Schlenk von hier gen Westen, dann können WIR Ihnen in den Rücken fallen.“

Riskant.. aber noch wusste ja niemand etwas von der bunten Truppe aus dem Süden..

Verfasst: Dienstag 19. August 2025, 22:01
von Elisabeth van Falkenglanz
Sie ritten weiter gen West-Nordwest, schlugen einen weiten Bogen, eigentlich von Kalm weg, um sich den Orks von hinten zu nähern. Sie waren noch nicht weit geritten, da kamen von Süden her etwa ein dutzend Reiter, ebenfalls Steppenreiter. Der dritte Stammesführer Chiktarachemy, der den weniger unaussprechlichen Kosenamen ‚Tarras‘ führte, sah sie zuerst.

„War doch klar, dass Roxi sich das nicht nehmen lassen würde.. Die Orks haben ihren Mann gefressen.“ Meinte er und lachte rauh auf.

Kurz darauf reihten sich die Reiter ohne weiteres in den bestehenden Trupp ein, als wären sie schon immer Teil davon gewesen. Eine straßenköterblonde Frau holte auf und ritt nun neben ihnen. Sie war etwa Ende Zwanzig, schmuddelig, aber eigentlich recht hübsch.

„Ha, Roxi. Dachte du hättest Zweifel an unserer Sache? Dachte, du sitzt mit pisswarmen Hosen in deinem Zelt und schlotterst vor dich hin?“, rief Slobodhan ihr herzlich lachend zu.

„Das Einzige, woran ich Zweifel habe, ist deine Potenz, du elender alter Pferdefurz!“, rief sie ihm zurück, inzwischen hatte sie sich in der Gruppe der Truppführer festgesetzt.

„Ha, ich hab drei Söhne, du Schindmähre.“ Lachte Slobodhan.

„Oder deine Frau drei Geheimnisse?!“ mischte sich nun Elisabeth ein. Die blonde Frau, die eigentlich Roxana hieß, lachte nun auch kehlig.

„Ha! Da hat sie es dir gegeben! Ich mag sie!“, lachte sie und nickte der Knappin respektvoll zu.

„Natürlich tust du das, sie ist meine zukünftige Schwiegertochter!“ Tönte Slobodhan grunzend.

„Das wüsste ich…. Und ich sage: Nein!“ sie wusste, dass es nur ein Scherz war, aber der Gedanke ließ Elisabeth sich doch einmal schütteln.

„Ich handel es noch mit ihrem Herrn aus. Unsere Unterstützung, gegen seine Knappin!“ da lachte er erneut.

„Das willst du machen, obwohl du sie gesehen hast, Slobodhan? Sie hat nur ein Auge und vermutlich Haare auf den Zähnen!“ rief nun Tarras hinzu, es folgte ein wildes Lachen der barbarischen Reiter.

Und damit war die Sache erledigt. Ein Dutzend Reiter mehr – keine großen Verhandlungen, keine großen Besprechungen. Sie waren da und ritten mit.

Binnen eines Tages hatten sie zwei weitere orkische Trupps aufgerieben. Offensichtlich die Nachhut. Es waren nur kleine Trupps, die eine große Menge an Versorgungsgüter mit sich schleppten – wenn man „Versorgungsgüter“ bei Orks überhaupt so nennen konnten. Es waren geplünderte Waffen und andere Ausrüstung, runtergewirtschaftete Pferde, die wohl nunmehr nicht mehr als laufende Fleischsäcke waren, irgendein orkischer Schrott und.. Sklaven.
Die letzte Truppe hatte tatsächlich Sklaven dabei. Glücklicherweise hatten die Orks diese erst vor wenigen Tagen gefangen genommen. Der arme Bartholomeo kam Elisabeth wieder in den Sinn, der gebrochene Blick, die Teilnahmslosigkeit und das schiere Fehlen jedes Lebenswillens.
Doch diese Gefangenen waren noch nicht in diesem Zustand. Sie waren überglücklich. Von Ursprünglich zwanzig, waren noch immerhin zwölf am Leben. Zwei Pelzjäger, Nomaden und zwei Grenzsoldaten aus Löwenwacht.

Es gab sogar ein kurzes Freudenfest, denn eine der Gefangenen war eine Nichte von Slobodhan und ihr Verlobter war ebenfalls im Tross mitgeritten. Also gab es warmen Schnaps und heiße Küsse, ehe sie sich wieder trennten.
Elisabeths Gedanken waren eine Weile bei Bartholomeo.. Sie versuchte sich zu erinnern, wie er einst gewesen war. Wie glücklich sie zusammen waren. Doch immer wieder sah sie nur seine leeren Augen, den gebrochenen Blick. Das Verlangen nach Rache, es war kaum zu ignorieren.
Doch die Soldaten der Löwenwacht blieben. Sie schlossen sich postwendend dem Trupp an. Nahmen sich jeder eines der geplünderten Pferde, rüsteten sich am Plündergut aus und waren dann da. Einfach so, denn sie hatten ja keine Wahl. Die Orks bedrohten ihre Heimat.

Am Wichtigsten waren jedoch die beiden Soldaten, Dietmar und Gregor, ihnen in die Hände fielen, war ein großer Glücksgriff. Denn so bekamen sie weitere Informationen.

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„Buzz’Nakh?! Die sind seit Jahren nicht mehr so weit im Osten gewesen…“ raunte Tarras. „Wenn ihr wirklich den schwarzen Wolf gesehen habt, haben sie also auch im Westen die großen Stämme unterworfen..“

„Und Oger? .. Das ist fies..“ raunte Roxy. „Die Oger aus dem Blutsumpf sind nicht viele.. Aber ihr sagt, die haben eine riesengroße Ramme dabei? Dann wird’s ernst, denn normalerweise sind Orks zu dumm um Festungen anzugreifen.. Eine Riesen-Ramme ist neu.“

„Mit Buzz’Nakh, Krash’Marokh und Blazh’Warg haben sie drei große Stämme unterworfen… Das sind sicher Zweihundert oder mehr Orks unter Waffen. Das sind allein ihre Hilfstruppen, die das Loch in die Verteidigung schlagen sollen.“

„Sie ziehen also ihre Hilfstruppen südlich des Isarsprungs zusammen, da wo der große Fluss entspringt. Vermutlich wollen sie die Grenzfeste nehmen, damit die Hauptstreitkraft dann den Weg frei nach Kelm hat.“, Elisabeth deutete auf die improvisierte Karte. „Können wir die Truppen in Löwenwacht noch warnen?“


„Nein, die Oger sind schon dort. Sie werden bald mit dem Angriff beginnen. Und wir kommen nicht an ihnen vorbei.“ Fügte Drago an.


„Dann fallen wir ihnen in den Rücken..“ Slobodhan nickte bedächtig. „Wir haben die Nachhut der Krash’Marokh und Blazh’Wargh dezimiert. Das ist gut, denn es schmälert auch ihre Moral. Wenn sie an der Überlegenheit der Grak’Thul zweifeln, werden sie vielleicht ihr Bündnis brechen. Die Orks im Ödland haben sich sicherlich nicht gern unterworfen, sind stolze Kriegerstämme. Wenn sie merken, dass wir sie dezimieren und die Grak’Thul nichts machen, gehen sie vielleicht sogar gegen ihre Bezwinger vor.“

In einem versteckten Tal gönnten sie den Pferden und Reitern eine kurze Pause. Morgen sollte es nach Osten gehen - Richtung Löwenwacht.


Gerüchte und Gerede: In Gerimor mag vielleicht ein Gerücht aufkommen, dass Elisabeth van Falkenglanz nie in Kelm ankam..

Und in Kelm, gibt es vielleicht Gerüchte, dass die Steppenreiter sich sammeln. Aber wen interessieren schon diese nach Pferd stinkenden Barbaren aus dem Ödland..? Vielleicht gibt's ja einen Ziegenmarkt...?

Verfasst: Mittwoch 20. August 2025, 16:00
von Beak von Sankurio
  • … da thronte Sie, die steinerne Garnison, als letztes Bollwerk und Zeichen des Widerstands. Die Fauna der ländlichen Umgebung wurde karger, mit jedem Schritt zogen kleinere Staubwolken auf. Kaum mehr wie kleine Büsche, mit viel Glück einige Sprösslinge, weit und breit. Das Land war abgekämpft, scheinbar auch zurückerobert, doch es erholte sich nur langsam von der Tyrannei der Orks.

    In der Ferne waren rote Banner mit einem goldenen Löwen zu sehen, ein örtliches Zeichen der Hoffnung. Die stürmischen Windzüge durch die Steppe brachten diese Stoffe deutlich in Wallung. Die kleine Truppe näherte sich ihrer ersten Etappe, ohne nennenswerte Ereignisse.
    Die Moral war vergleichsweise unbekümmert, wenn auch fokussiert, allerdings nicht annähernd demoralisiert. Im Gegenteil, die Stille des Morgens wurde abgelegt, man lenkte sich mit etwaigen Gesprächen ab.
    Und auch wenn die Vorgehensweise noch offen blieb, so wussten alle, dass die Garnison Aufschluss bieten würde.

    Die Tore wurden hochgezogen, als der Major vor die Gruppe ritt und die rechte Faust gen Wachmannschaft hob. Schwere, ratternde Eisenketten hielten ebenso schwere Eisengatter hoch. Man verlegte zügig in das Innere der Festung, wo die Reittiere gleich von Stallknechten in Empfang genommen wurden.
    Im Inneren offenbarte sich ein Anblick, den die meisten vom Morgen kannten. Die Geräusche des Wetzsteins, welcher die Klingen schärfte und erneuter reger Betrieb erfüllten die Luft. Ein doppeltes Dutzend an wehrfähigen Männern nahmen den Gruß des Majors ab.

    Die Ereignisse schritten zügig voran, sodass kaum mehr Zeit blieb, sich in dieser neuen Umgebung zurechtzufinden. Die Gruppe wurde in das Haupthaus verlegt, wo sie an einem Kartentisch Platz nahm. Die gleichen Knechte aus den Stallungen sorgten später für schlichte Verpflegung.

    „Die Späher sind wie befohlen vor Sonnenaufgang aufgebrochen, Major“, berichtete ein Befehlsgeber der Legion.

    Diese Späher waren die Augen und Ohren des Unternehmens, stille Beobachter, die bereit waren, Informationen zu sammeln und Unterstützung zu leisten. Sie waren eine leichte Kavallerie, die mit Bögen ausgestattet waren und sowohl Ablenkung als auch Unterstützung bieten konnte. Diese Männer kannten die einsamsten und gefährlichsten Gebiete wie ihre Westentasche. Ihre Expertise war von entscheidender Bedeutung und ihre bloße Anwesenheit war ein Dorn im Auge der wilden Kreaturen.

    Der Major erklärte den Plan, der auf einer hölzernen Tafel mit steinernen Figuren dargestellt wurde. Während er seine Anweisungen gab, wandte er sich immer wieder dem Paladin zu, um dessen Zustimmung zu erbitten. Alle im Saal hörten aufmerksam zu, mit Ausnahme von Nialia, die sich mit ihren Ordensbrüdern im Innenhof aufhielt.

    Das Ödland.
    Während befestigte Türme die Grenzen des Reiches schützten, war die Garnison selbst von einigen dieser Türme umgeben. Manchmal waren es hohe Berge, die dem Feind den Weg versperrten oder es waren befestigte Wehrmauern. Diese Verteidigungsanlagen dienten jedoch hauptsächlich der eigenen Moral, da die Kreaturen geübt darin waren, sich durch ihre tiefen Erdlöcher zu bewegen.

    Hinter diesen wolkenhohen Gebirgsmassiven herrschte nichts weiter als Angst und Schrecken. Es gab keine Menschenseele dort, zumindest nicht freiwillig. Doch wo Chaos herrschte, gab es keine Ordnung. Die verschiedenen Stämme hielten selbst unterschiedliche Machtansprüche aufrecht. Ein kleiner Vorteil, besonders dann wenn man wusste damit umzugehen. In der vergangenen Nacht wurde ein Außenposten eines Stammes aufgerieben, indem man eine Finte platzierte. Während man die Kadaver an Ort und Stelle sich selbst überließ, wurden Gefangene Bestien eines anderen Stammes dort exekutiert. Die niedere Intelligenz war der Trumpf und würde dafür sorgen, dass die Wege in das Innere des Landes durch die erfolgte Ablenkung sicherer wären.

    Skepsis lag in vielen Gesichtern. Während Raia das Gespräch den Strategen überließ, ruhte Melynas Blick kritisch auf den Plänen. Man schob noch eine ganze Weile die Figuren hin und her, ehe Nialia in den Saal trat.

    „Welche Mächte auch immer die Grak‘thul wirken lassen, wissen Sie doch, dass wir kommen“, sprach sie, während sie den Gang fortsetzte. „Diese niederen Geschöpfe werden sich die Chance nicht nehmen lassen, dass unsere Augen ihre Körper schmücken.“

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    Ihre Finger griffen nach den Figuren, welche sie selbst darstellten. Kurzerhand formierte sie diese in einem Tal in unmittelbarer Nähe zu ihnen. Die Türme selbst schienen dort kaum taktische Bedeutung mehr zu haben, sie waren durch den Schleier der ewigen Nebel nur eine Silhouette am Horizont. Der Kampf sollte dort stattfinden, gab sich Nialia siegessicher.

    „Sie werden kommen, weil sie uns besitzen wollen“, erklärte Sie mit einem wissenden Blick und sah dabei Raia direkt an.
    „Wir sind die Erwählten der Seherin.“

    Tiefe Furchen bildeten sich auf der Stirn des Paladins. Waren die Geweihten des Adlers nicht mehr als ein Lockvogel? Es war durchaus plausibel, denn wenn Sie nach dieser Begabung strebten, gab es keine bessere Methode. Eines war jedoch allen klar, in das Wespennest zu treten, mit nur zwei Handvoll an Männern, wäre ein Narrentot gewesen.

    Nialias Idee, strategisch wichtig wie ein geschickter Schachzug, wurde von den Anwesenden weiter verfeinert, ähnlich wie mit einer Feile am Werkstück. Dieser ausgearbeitete Plan, könnte zum Erfolg führen und den Feind schwere Schäden zufügen. Sollten sich die anderen Stämme der Orks selbst überlassen und nicht eingreifen, wäre der Stamm der Grak’thul ohne weitere Unterstützung dem Untergang geweiht.

    In einem klaren Beweis für die Taktik der Geduld und des Beobachten, entschied man sich aufzubrechen. Hoffnung ruhte auf der Finte und den zeitnahen Berichten der Späher, um die Lage zu beurteilen. Wenn alles nach Plan lief und vorausgesetzt die Wetterbedingungen wären günstig, wäre der kommende Morgen, im Schutze des Lichts der Sonne, der ideale Zeitpunkt für einen Angriff. Einen Kampf in den dunklen Gefilden zu wagen, kam also für diesen Tag nicht in Frage.

    Die Sonne drängte sich mit aller Kraft durch die Wolkendecke und erhellte den Himmel. Als die Truppe aufbrach, kehrte eine bedächtige Stille in den Innenhof zurück. Wachsam beobachteten die letzten Wachen das ritterliche Banner, dass der Paladin auf seiner Schlachtross-Stute trug, während sie hinter den Zinnen Schutz suchten.

    Der Kampf nahte,..

Verfasst: Freitag 22. August 2025, 09:46
von Beak von Sankurio
  • … in dieser Welt, die von den Großreichen dominiert wird, war Löwenwacht für niemanden von Interesse. Die Entfernung und die Bedrohung durch die Orks machten die Ländereien zu einem Ort des Verfalls.
    Auch die Glaubenslehren fanden dort kaum Anklang. Die Menschen fühlten sich von den Göttern verlassen. Doch inmitten des Unheils blieben die Werte des Lichts bestehen. Der alte Tempel der Tugenden, der trotz der Ordnung der heiligen Kirche seinen Namen behielt, diente als Zufluchtsort für die Gutmütigen. Die Bevölkerung betrachteten sie jedoch mit Verachtung und sahen in ihnen geistliche Spinner und Kuttenträger.
    Es waren genau diese Kuttenträger, gekleidet in ihren hellen Gewänder, welche Nialia bei ihrer Ankunft auf der Garnison antraf. Ein Austausch der Truppe war nicht möglich, und die Priesterin schien zunehmend etwas mit ihnen abzustimmen.

    Als die Abenddämmerung hereinbrach, suchte man Rast. Der Marsch hatte sich über eine beträchtliche Strecke in feindliches Gebiet erstreckt. Es gab keine Kampfhandlungen, was auf die Effektivität der Späher hindeutete. Dennoch war man sich bewusst, dass jeder Schritt tiefer in diese Ödlande mehr Aufmerksamkeit auf sich zog.
    Man war sich sicher, dass die ersten Kämpfe mit Einbruch der Dunkelheit beginnen würden. Kampieren war keine Option, daher steuerte man einen befestigten Turm vor dem weitläufigen Tal an.

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    Während die Landschaft sich im Schatten der Dunkelheit legte und die dichten Nebel aufzogen, war dieser Aussenposten vergleichbar mit einem Leuchtturm auf hoher See. Der Flammentanz der Wandfackeln wurde durch die wenigen Böen geführt und die Wächter vor diesem Turm, wärmten sich an einem Lagerfeuer.
    Licht, wie immer ein Wegweiser und Hoffnungsschimmer und doch auch verräterisch in Anbetracht der lauernden Gefahr.

    Ihre Ankunft war nicht unbemerkt geblieben. Das knappe Proviant, dass den Wachen im Feindesland verblieben war, wurde zur Stärkung der Truppe aufgeteilt. Geschmorte Hasen und andere kleine Tiere, die dieses trostlose Ländereien noch bewohnten, wurden zubereitet, um ihren Hunger zu stillen.

    Die silberne Spitze am Ende des Stabes der Schlachtenstandarte drückte sich in den staubigen Boden. Der Paladin entledigte sich diesem Symbol der Ritterlichkeit, während er für sein Getier etwas Heu vom anliegenden Schuppen nahm.

    Melyna rutschte fast erfreut vom Sattel, endlich wieder Boden unter ihren Füßen zu haben. Mittlerweile schien sie gefestigter im Umgang zu Pferde, alleine durch die vielen Dienste als Klosterwächterin auf Gerimor, die ganzen Schreinreisen und Eskorten, fiel es Ihr von Tag zu Tag leichter.
    Etwas, was Ihr Lehnsherr Ihr stets honorierte, gleich auch als junge Gefolgsfrau ihm in unbekannte Gefilde zu folgen.
    Es war beispiellos, wie sie Ihr Leben für ihn aufs Spiel setzte. Dieses Vertrauen, welches sie dadurch erhielt war bedeutsam, für Beide.

    Der raue Ton des Majors weckte die Lagerfeuer-Romantik der Wachhabenden. Der Trupp an Löwenwachen sattelte ab und erhielt seine Instruktionen. Während sich manche direkt der Verpflegung widmeten, durften andere die Wachmannschaft verstärken.

    Nialia und Raia, welche zunehmend das Gespräch miteinander während des Ritts suchten, stiegen ebenso vom Pferde. Es war schon immer so, seit ihrer ersten Begegnung, dass Sie verbundene Schwestern nicht nur im Geiste waren.
    Möglich das man mit Sicherheit durch die Lehren der Herrin zueinander fand, aber die gegenseitige Sympathie war von erster Stunde ihrer Begegnung gegeben.
    Die Umhängetasche von Nialia, die mittlerweile weniger prall gefüllt schien, wurde mit sichtbarer Sorgfalt vom Sattel genommen. Ihre Hände umfassten die Tasche, wie die einer jungen Mutter. Gemeinsam gingen Sie zum Feuer, angezogen von der Wärme und Licht.

    Die Flammen tanzten um das trockene Feuerholz, begleitet von einem beruhigenden Knacken. Eine Stille, die als Ruhe vor dem Sturm bekannt war, bot vielen die letzte Gelegenheit über vergangene Ereignisse nachzudenken oder sie mit tiefgründigen Gesprächen zu unterbrechen.

    Während oben auf dem Turm Wachen ihren ersten Dienst antraten, um die Umgebung zu beobachten, suchten andere Schutz vor den Windböen, indem sie sich näher am Feuer versammelten, dass von wenigen Holzbalken vor dem anliegenden Schuppen abgeschirmt wurde.
    Obwohl die Gemütlichkeit angesichts der Lage und des unbequemen Rüstzeugs begrenzt war, waren die Anwesenden dankbar für die Ablenkung, die spärliche Rationen und tiefsinnigen Gespräche.

    „Kannst du fliegen?“, fragte Nialia, Raia, die als Hohepriesterin sicherlich bereits Erfahrung gesammelt hatte. Raia antwortete, dass sie noch etwas Übung mit einem Arcomagus vom Konzil des Fuchses benötige. Nialia, die selbst wusste, wie schwierig es war, sich in einen Adler zu verwandeln, nickte verständnisvoll. „Wir werden es zu unserem Vorteil nutzen müssen, wenn es unausweichlich wird.“, sagte sie, bevor sie vom Fleisch kostete.

    Der goldene Spitzschild ruhte unmittelbar neben dem Paladin, welcher seine Kehle vom Staub des Ödlandes mit frischen Quellwasser aus dem Trinkschlauch befreite.

    „Ich bin Euch zu Dank verpflichtet.“ entgegnete die nun geschmierte, dumpfe Stimme Beak‘s. „Diese Loyalität gegenüber meinem Banner, meiner Person - aber auch gegenüber Bartholomeo, sie ist nicht selbstverständlich.“ dabei wurde jeder einzelne am Feuer in den blau-grauen Blick genommen.
    „Morgen, wenn die Sonne die Nebel zerreißt, werden Sie kommen. Sie werden nicht nur unser Blut wollen, sie wollen sich mit uns schmücken. Weil wir die Hoffnung in uns tragen.“

    Erneut trat eine Stille ein als er schwieg, während im selben Moment ein stärkerer Windzug aufkam und das Feuer einen Moment einheizte.
    Die aufsteigende Glut in den dunklen Himmel zog über die Köpfe hinweg, ehe sie der pechschwarzen Nacht einverleibt wurde.
    Im Feuerschein konnte er sehen, wie die Schatten über Melyna Gesicht tanzten. Sie saß mit verschränkten Armen, halb im Licht, halb in der Dunkelheit. Etwas in ihrer Haltung verriet, dass sie seine Worte nicht unkommentiert lassen würde.

    Dann plötzlich kam Bewegung ins Spiel.
    Ein Wachhabender eilte zur Stelle und sorgte für Aufruhr. „Feindkontakt!“. Am Horizont erkannte man recht deutlich wie wenige Lichtpunkte verschwanden. Die Orks legten den Mantel der Schatten über sich, um in der Dunkelheit Angst und Schrecken zu verbreiten. „Orkische Späher!“ waren die letzte Worte, ehe man sich für den ersten Kampf in der Nacht wappnete…

Verfasst: Freitag 22. August 2025, 10:12
von Raia Lathaia
Blaukehlchen im Käfig (Chaos is a ladder – Ramin Djawadi)

Als sich der Abend ankündigte und das Land in ein diffuses Licht tauchte, saß Raia etwas Abseits des Lagers auf einem größeren Felsen und sah in etwa die Richtung, da die Orks vermutet wurden.

Noch lag um sie herum das schützende Lager. Doch jeder Schutz kann auch das Gefühl des Gefangenseins eröffnen. Ein langgezogener leiser Seufzer entglitt ihren leicht zusammengepressten Lippen.

Warum sollten sich alle in Gefahr bringen, wenn es doch scheinbar einfach war. Raia wäre bereit. Sie würde sogar allein aufbrechen und versuchen die Orks zu zerstören. Gut wäre natürlich ein tapferer Recke, der das Schwert besser zu schwingen wusste als sie. Doch Temora war bei ihr. Sie spürte sie so präsent wie in jeder Schlacht, jedem aussichtslosen Augenblick. Sie sah Amyra stets vor sich, die sie mit Bartholomeos Schicksal in jedem Moment zu verbinden schien.

Raia griff aus der Gewohnheit heraus zum fehlenden Anhänger. Dieser mochte nun Bartho seine Dienste erweisen.

Raia blickte in die Ferne und die Nebelschwaden des Ödlands schienen sich über sie lustig zu machen. Sie war sich sicher, dass sie dort einen übermächtig großen Vogelkäfig sah und in ihm ein Blaukehlchen. Die Hohepriesterin lachte hell auf. Natürlich…

Sichtlich amüsiert und von einigen Wächtern ungläubig betrachtet, legte Raia den Kopf in den Nacken, blickte hinauf und lachte erneut. Es war ein herzliches Lachen und nur, wer sie kannte, konnte die eiskalten Nuancen daraus erkennen. Die feinen Zwischenzeilen, die voller Kampfeslust und Entschlossenheit waren.

Sollten sie nur kommen, diese Ungeheuer, bei deren Erschaffung die Seele vergessen wurde! Sollten sie mit geifernden Lefzen ihren Blutdurst an ihr stillen wollen! Sollten ihre raubtierhaften Augen erblinden vor Gier, eine Tochter der Seherin zu bekommen! Nialia war raus! Beak hatte Zuviel in seinem Leben verloren. Niemand führte das Landgut so sehr in seinem Sinne wie diese Priesterin. Raia war niemals todesmutig gewesen und doch hatte Ilara ihr immer wieder gezeigt, dass das eigene Leben dann zum Tausch dargeboten gehörte, wenn dadurch viel mehr zu gewinnen war. Man nahm sich beizeiten einfach viel zu wichtig. Vermutlich konnte sie es ohnehin überleben. Der Blick über das Lager ließ einen Hoffnungsschimmer zurück. Das wäre schön, aber eben nicht notwendig. Temora und sie würden sie mit Ihrem Licht zerschmelzen… so viele mit sich nehmen, wie es möglich war. Die Welle des Lichts würde die seelenlosen Menschenfresser niederwerfen und hoffentlich nie mehr aufstehen lassen. Im besten Falle konnte Raia somit einen Weg für die Krieger freimachen. Und wenn die Sonne morgen Abend ihren lieblich güldenen Glanz über das Land legen würde, wäre das wertlose Dasein hoffentlich aller Orks dieses Clans vernichtet und ihr Blut tief in der Erde versickert.

Raia glitt den Felsen hinab, lächelt hier und da jenen zu, die ihren Weg kreuzten. Zuerst Nialia. Sie würde es besser verstehen. Dann Beak. Ein leises Seufzen, dann straffte sie ihre Schultern, als sie die Zeltplane zur Seite schob und Nialias Zelt betrat.

Eine Weile später trat die Hohepriesterin wieder hinaus und ging hinüber zu Beaks Zelt.

Womöglich hätte sie meditieren sollen… Sei es drum. Sie war nur Temora Rechenschaft schuldig. Ja, es lag ein leicht trotziger Gesichtsausdruck auf ihren Zügen, als sie das Zelt betrat. Als sie sich wieder aufrichtete, straffte sie die Schultern und sah Beak fest entschlossen an. Er sollte jetzt bloß nicht komisch werden!

Irgendwann später.... "Feindkontakt!".... Immer in wichtigen Momente... Raia murrte leise und folgte Beak ins Freie.

Verfasst: Freitag 22. August 2025, 15:05
von Elisabeth van Falkenglanz
Etwas früher am Nachmittag des selben Tages - weiter im Südwesten.

Sie kamen weiter voran, dennoch könnte es schon zu spät sein. Der Reitertross folgte den Pfaden der Steppennomaden durch das Ödland. Sie mussten auf der Hut sein, nicht dass die Orks ihnen im zerklüfteten Ödland noch eine Falle stellen wollten.
Zum Glück kannten die Nomaden die versteckten Weiden und Wasserlöcher des Ödlandes, sonst wären sie in dieser Ödnis schon längst zugrunde gegangen.
Die Greifenhainer und die Nomaden waren inzwischen zu einer Einheit zusammengewachsen. Das Misstrauen gegenüber der Barbaren aus der öden Steppe war geschwunden. Man hatte gemeinsam gekämpft, geblutet und gesiegt.
Darüber hinaus erkannten Elisabeth und ihre Männer etwas. Die Barbarischen Heiden waren vielleicht gar nicht soo heidnisch, wie sie es angenommen hatten. In der letzten Schlacht hatten sie einen der ihren verloren. So beerdigten sie ihn auf ihre Art im Steppensand. Sie sprachen Gebete, zu der Mutter der Erde und zum Vater der Winde und Sterne.
Soviel sie mitbekommen hatte, waren das ihre Namen für Eluvie und Horteras. Sicher, sie erkannten die Kirche Temoras nicht an, weil sie Temora nicht kannten, sie kannten auch die Strukturen des Reiches und der Kirche der Lichteinigkeit nicht. Aber sie schienen dem Lichten Pantheon zugehörig. Darüber hinaus waren sie Menschen wie sie, Menschen, die ihre Heimat vor einer dunklen Bedrohung bewahren wollten.

“Elisabeth! Wieso hast du eine Laute dabei?!”, sie waren schon Stunden unterwegs, als Tarras sie endlich darauf ansprach, er wirkte ganz begeistert. “Müssen Knappen ihrem Herren Loblieder singen?”

“Nein.. Müssen sie nicht.” sie hob kurz einen Mundwinkel an, doch dann wurde das Auge etwas traurig. “ich.. Habe Kirchenlieder geschrieben und als Bartholomeo verschwunden war, musste ich die Melodien auch selbst komponieren... naja.. So gut es eben ging.”

“Ein Freund, hrmm?” Tarras ritt nun etwas näher an ihr.

“Ja, war vielleicht sogar etwas mehr. Aber die Orks, haben ihn gebrochen.” sie schaute zur Laute und zog jene hervor.

“Also geht es um Rache?” Tarras grinst schief. “So wie bei Roxy, deren Mann haben sie gefressen. Mein Glück, ich hab schon vor Jahren um sie geworben..”

“Nein, nicht Rache. Aber eine Dunkelheit, die so fürchterlich ist, die darf nicht Existieren. Temoras Licht muss sie ausbrennen, dieses eitrige Geschwür, diese.. Orks.” knurrte sie düster.

“Spiel mal die Laute, Knappin.” meinte Tarras und summte die Melodie vor. “Singen wir ein Reiterlied..!”

So spielte Elisabeth die Laute, ehe Tarras seine bassige Stimme erhob, tief, kehlig und fast so laut wie Donnergrollen.

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“Hey! Hey! Hey!
Oh! Wir müssen reiten,
unser ganzes Leben reiten,
noch schneller als der Wind:
weil wir dazu - geboren sind.

Und wir jagen den Berg hinauf,
vor uns steigt der Nebel auf.
Und die Hufe schlagen in den Sand,
uns gehört das große, weite Land!

Hey! Hey! Hey!
Oh! Wir müssen reiten,
unser ganzes Leben reiten,
noch schneller als der Wind,--
weil wir dazu - geboren sind.

Keiner weiß, wo wir morgen sind
wie der nächste Tag beginnt:
ob für uns die helle Sonne scheint
und das Heimweh ist der beste Freund...”*


“Ha, wusste gar nicht, dass du singen kannst, Tarras.” meinte Roxy, die inzwischen die Distanz zu Tarras und der Knappin verringert hatte.

„Ich hätte dir alle Liebeslieder unter dem Himmel und den Sternen gesungen, Roxy, wenn du dich vor drei Jahren für mich entschieden hättest.“, lachte Tarras bitter.

„Dann hätte ich auch deinen Mundgeruch zu den Liedern dazu gekriegt?“ Roxy lachte und boxte Tarras in die Flanke. „Wenn wir die Schlacht überleben, dann gebe ich dir vielleicht noch eine Chance, du räudiger Steppenwolf.“

„Werd dich dran erinnern. Aber du bist nicht jünger geworden. Ich werde mir kein Bein mehr ausreißen um dich zu werben..“ Da lachte nun auch Tarras und sie ritten weiter. „Dein Hintern war auch mal strammer, weißt du? – Aber ich mag ihn immernoch.“

„Wann werden wir den Feind erreichen..?“ fragte die Knappin nun, die romantische Stimmung zwischen den Beiden torpedierend.

„Wenn wir gut durch kommen, erreichen wir sie zum nächsten Morgengrauen…“ meinte Tarras und Roxy nickte zustimmend. „Wenn wir Glück haben, ja..“

Und so ritt der Tross weiter – der entscheidenden Schlacht entgegen.


*Nach Ivan Rebroffs - Kosaken müssen Reiten- Text minimal angepasst

Verfasst: Freitag 22. August 2025, 19:59
von Melyna Fuxthal
  • Als die Abenddämmerung sich über die Landschaft legte, färbte sich der Himmel in jenen Zwischenton aus Purpur und Grau, der den Übergang zur Nacht ankündigte. Die Pferde schnauften schwer nach dem langen Ritt, ihre Flanken glänzten im schwindenden Licht. Jeder Schritt hallte gedämpft auf dem ausgetretenen Boden wider, während der Trupp sich weiter nach Westen bewegte, tiefer hinein in diese Ödlande.

    Sie spürte die Anspannung in den Reihen. Es war keine sichtbare Furcht, sondern die wachsame Konzentration jener, die wussten, dass Dunkelheit selten Freund dafür aber oft Feind war. Es fiel kein unnötiges Wort, nur das Knarren der Sättel und das leise Klirren von Metall begleitete sie. Ihre Hände lagen fest auf den Zügeln, entschlossen, nicht der Müdigkeit nachzugeben, die nach Stunden des Ritts an ihr zog. Ab und zu vergewisserte sie sich mit einem Griff nach hinten, dass sowohl ihr Bogen noch auf dem Rücken verweilte, als auch der Köcher mit verschiedenen Pfeilen gefüllt war. Sie hatte sich mittlerweile so sehr an das Gefühl gewöhnt, dass das Gewicht kaum mehr zu spüren war.

    Ab und zu glitt ihr Blick zu Beak, der immer mal wieder an der Seite des Majors an der Spitze ritt. Die Haltung beider Männer war aufrecht, ihre Umhänge schwer von Staub, und doch strahlte vor allem Beak eine Ruhe aus, die den Anwesenden Halt bot. Die Männer sprachen kaum, lenkten abwechselnd nur mit knappen Gesten, aber die Wirkung war deutlich: Man folgte ihnen, als wäre ihr Wille die einzige Gewissheit in dieser Unsicherheit.

    Ihr Vertrauen zu Beak war im letzten Jahr gewachsen wie eine Wurzel, unsichtbar, aber unerschütterlich. Inmitten der Fremde und der drohenden Gefahr war seine Präsenz ein Fixpunkt, so sicher wie der Turm, auf den sie mittlerweile zuhielten.

    Die Silhouette des Bauwerks hob sich hart gegen den Horizont ab wie ein dunkler Zacken vor dem weiten Tal. Unbeweglich, standhaft. Dort würden sie zumindest für kurze Zeit Zuflucht finden. Ihr Herz schlug schneller, nicht aus Angst, sondern aus dem Wissen, dass der nächste Schritt unausweichlich war. Mit Einbruch der Nacht würde dieser Albtraum aus der Akte in der Vogtei sie einholen. Ihr Blick blieb auf dem Paladin. Solange er dort ritt, hielt sie den Mut in sich wie eine Fackel, die nicht verlöschen durfte. Ihr war klar, dass sie sich etwas beweisen wollte. Die Art und Weise mag ungewöhnlich sein und halsbrecherisch, das Ergebnis dafür im Anschluss aber umso klarer. Das Ende der Reise würde mit die Zukunft in deutlichen Farben zeichnen.

    Nachdem sie sich etwas abseits der Anderen einen Platz am Feuer gesucht hatte, zog sie die Knie an, die Arme locker darüber verschränkt, während die Flammen ihre Schatten über ihr müdes Gesicht zogen. Der Wind spielte mit einer Strähne ihres Haares, doch sie selbst bewegte sich kaum. Halb im Licht, halb in der Dunkelheit, wirkte sie selbst wie eine Schwelle zwischen Ruhe und Kampf, zwischen Suche und Pflicht.

    Sie ließ Beaks Worte einen Augenblick nachhallen. Loyalität, Hoffnung, Blut. So viele schwere Begriffe, so viele Gewichte, die auf ihr lasteten. Ihre Finger verkrampften sich einen Moment in den Ärmel ihres schweren Reitermantels, ehe sie tief Luft holte. Dann hob sie den Blick, ihre Augen fingen den Feuerschein und kurz erhob sie ihre Stimme, ohne Pathos und mit Sicherheit leicht zu überhören zwischen all dem anderen Austausch und Knistern des Feuers:

    „Morgen wird schwer, aber wir sind so viel mehr als nur unser Blut. Wir sind auch die Wege, die wir gemeinsam gegangen sind und noch gehen werden. Das kann uns niemand nehmen und macht uns stark. Macht mich stark.“

    Ihre Worte waren leiser als seine. Ein schlichtes Bekenntnis, keine große Rede, oder der Versuch damit im Mittelpunkt zu stehen. In ihrem Inneren jedoch, hinter der Haltung aus Stärke und Entschlossenheit, liefen die Gedanken schneller. Spätestens morgen würden sie kommen, das wusste sie. Sie hatte keine Illusionen, das kleinste Anzeichen von Schwäche, der geringste Fehler, … sie wusste was passieren konnte. Doch inmitten dieser Aussicht erinnerte sie sich an den Austausch mit Beak, an seine Ruhe und Gewissheit, die selbst im drohenden Sturm wie ein Schild wirkten. Er sprach von Hoffnung und während sie sich selbst nicht als Symbol oder sonderlich sicher im Glauben sah, spürte sie, dass sein Glaube auch sie trug - ob sie wollte oder nicht.

    Melyna lehnte sich zurück, der Blick für einen Atemzug zum Himmel gerichtet, wo die Glut in der Nacht verging. Die Sterne wirkten fern, unnahbar. Doch unter ihnen, hier am Feuer, hatte sie einen Platz, eine Aufgabe. Es war genug, um die leise Saat der Furcht immer wieder in Entschlossenheit zu verwandeln. Als sie den Blick wieder senkte, ruhte er einen Moment voller Anerkennung auf dem Paladin. Er war das Gewicht, das sie und mit Sicherheit auch alle anderen Gefolgsleute erdete. Und wenn der Morgen kam, würde sie kämpfen - für ihn, für das Banner, für ihr Versprechen und ihre Zukunft.

    „Feindkontakt!“ Die Ruhe zerbrach mit einem Schlag. Männer sprangen auf, der Boden knirschte unter hastigen Schritten, Waffen klirrten, als sie entschlossen aus den Scheiden gezogen wurden. Schlaftrunkenes Murmeln wich dem aufkommenden Donnern von Kommandos, während die zuvor geschlossene Runde auseinanderbrach wie Scherben.

    Am Horizont glommen Lichtpunkte auf. Erst still, dann plötzlich verlöschend, als hätte die Nacht sie verschluckt. Ein eisiger Zug kroch durch die Reihen. Die Orks hatten ihre Schatten übergestreift, lautlos, unsichtbar und doch allgegenwärtig. Angst breitete sich wie ein flackerndes Gespenst aus, in jeder ihrer Bewegungen nun zu spüren, auch wenn sie es mit keinem Wort benannte und mit viel Mühe darum kämpfte sich diese Emotion nicht anmerken zu lassen: Es war soweit.

    Melyna erhob sich. Das dumpfe Schlagen ihres eigenen Herzschlags übertönte einen Moment lang alles um sie herum. Ihre Hände griffen automatisch nach dem Bogen und einigen Pfeilen, das Holz in diesem Moment so vertraut in der Dunkelheit. Das eben noch wärmende, schützende Feuer war nun nur noch ein lodernder Schatten, der mehr verriet als verbarg. Rufe, Befehle, das hastige Scharren der Pferde - das Lager war in Unruhe, jeder suchte seinen Platz im drohenden Sturm. Sie warf einen Blick zu Beak. Er stand schon, unbeweglich, die Augen auf den Horizont gerichtet, wo die Nacht tiefer wurde und mit ihr die Gefahr. Der Aufruhr ringsum machte klar: Die Ruhe war zu Ende.

    Kaum hatte der Ruf die Reihen erfasst, da flogen schon die ersten Pfeile durch die Nacht. Sie zischten wie giftige Schlangen, vereinzelt noch, doch tödlich. Einer schlug klirrend in den Schild eines Mannes ein, ein anderer ließ einen Wachposten taumeln, ehe er in den Staub stürzte. Das Lager war endgültig im Chaos.

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    Sie huschte nach vorne, um die Zügel ihres Pferdes ergreifen zu können und sich in einer fließenden Bewegung in den Sattel zu ziehen. Ihr Pferd schnaubte, die Muskeln unter ihr angespannt wie ihr mittlerweile gespannter Bogen. Das Pferd unter ihr unruhig, doch trainiert genug, um ihrer eigenen Körperspannung zu folgen. Sie lenkte es in einem weiten Bogen seitlich hinaus, weg vom Feuer, hinaus in die Schatten, um die Orks von der Flanke aus ins Visier nehmen zu können. Die Dunkelheit war tückisch, doch ihr Auge war mittlerweile geschult. Zwischen den flackernden Lichtern der Fackeln erkannte sie Bewegung: Ein Ork löste sich aus der Schwärze, zielstrebig auf Raia zu, die sich gerade bereit machte. Der Pfeil lag schon an, die Sehne spannte sich, und mit einem scharfen Zischen löste er sich. Der Schuss traf, ließ den Angreifer ins Straucheln geraten, ehe er den Schlag gegen die Priesterin führen konnte.

    Sie atmete ruhig aus, richtete den Blick sofort weiter. Noch ein Schatten, diesmal tiefer im Feld, halb verborgen. Wieder spannte sie, wieder das dumpfe Surren, das durch die Nacht schnitt - ein zweiter Körper taumelte und stürzte schließlich zu Boden.

    Ihre Position am Rand, halb verborgen, machte sie weniger sichtbar, doch ihr Blick suchte immer wieder nach ihren Begleitern. Ihre Aufgabe war nicht, die Schlacht zu führen, aufzufallen oder zu dominieren, sondern die Lücken zu schließen, die blinden Winkel zu sichern, und jene aus der Distanz niederzuhalten, die versuchten, das Herz des Trupps zu treffen.

    Sie ritt weiter seitlich, immer auf Abstand, ein ständiger Blick zurück zum Paladin, als würde sie mit jedem Pfeil nicht nur den Feind schwächen, sondern auch ein Versprechen halten: Dass sie da war, wachsam, schützend, unbeirrbar.

    Weitere Orks schälten sich aus der Dunkelheit, testeten die Verteidigung, verschwanden wieder zwischen Hügeln und Schatten. Noch war es kein Sturm, sondern das Vorspiel. Die Spannung knisterte, war regelrecht greifbar.

Verfasst: Samstag 23. August 2025, 21:14
von Beak von Sankurio
  • … das Knacken im Unterholz war kaum hörbar, doch Melyna hatte es längst bemerkt. Der Bogen spannte sich in ihren Händen, ehe ein pfeifender Pfeil die Stille durchbohrte. Der erste Späher der Orks sank mit einem gurgelnden Röcheln zu Boden, ein sauberer Schuss durch den Hals.
    Das geschwärzte Blut nährte den staubtrockenen Boden und das quiekende, röcheln war das leidvolle Ende dieser bestialischen Kreatur.
    Kaum berührte sein Leib den Boden, da hallte das dumpfe, vibrierende Horn der Orks durch das Tal als ein Zeichen zum Angriff. Ein gutes Dutzend von ihnen stürmte hervor, geblendet von Hass und dem Drang nach Rache.

    Weitere Pfeile zischten unmittelbar in die Richtung dieser Kreaturen. Einige steckten dadurch bereits in ihren Körpern oder in dessen Schilde, andere verfehlten Ihr Ziel und landeten irgendwo im nirgendwo.
    Jeder Schuss, der sie nicht tötete, verstärkte nur ihren Kampfesrausch. Unbeirrt stürmten sie auf die Wachen los.

    Sirrend zog Beak die Klinge aus der Schwertscheide, in deren Stahl sich das Flackern des Lagerfeuers spiegelte. Hinter ihm begannen die Priesterinnen zu flüstern. Ihre Gebete an die Schwertmaid ließen kleine Lichtfunken am Himmel erstrahlen. Hoffnungsschimmer in der Schwärze der Nacht, sie boten einen entscheidenden Vorteil, um sich in der Dunkelheit zurechtzufinden.

    Die letzte Salve an zischenden Pfeilen legte sich auf die Meute an Orks, ehe der unerbittliche Nahkampf ausbrach. Schilde krachten aufeinander, Metall klirrte, Schreie hallten wider, menschlich und bestialisch zugleich. Inmitten des Getümmels war es ein einzelner Pfeil, der Raia das Leben rettete. Ein Ork holte mit der Axt zum tödlichen Wurf aus, doch Melyna’s Pfeil traf ihn, bevor er den Schwung vollenden konnte.
    Für einen Atemzug begegneten sich ihre Blicke wortlos, aber voller Gewissheit, dass keiner allein stand.

    Der Paladin selbst stellte sich der ersten Kreatur mit erhobenen Schild. Das Gewicht des Aufpralls rüttelte ihn bis ins Mark, doch er hielt stand. Er drängte den Ork mit einem mächtigen, brüllenden Stoß zurück, bevor er blitzschnell sein Schwert hob und den Oberarm der Kreatur mit einem kraftvollen, sauberen Schnitt abtrennte.

    In der leicht erhellten Umgebung blieb kaum Zeit zum Verschnaufen, während der Rausch des Kampfes über sie hereinbrach.
    Die verbliebenen wilden Kreaturen erlagen den geübten Hieben der Löwenwachen. Während sich der Kampfeslärm allmählich legte, war vereinzeltes Röcheln und das Gurgeln von Blut zu hören, dass aus den Wunden der Orks strömte. Schnell wurde beschlossen, dem Kampf ein Ende zu setzen, während der Paladin sich seinem gefallenen Gegner näherte.

    „Har,.. Grak‘thul sieht Euch. Wir fürchten nicht das Licht der Sonne! Ihr werdet schon sehen … Har Harg hieeek!!!“
    Dieses diabolische Lachen, gepaart von einem schmerzerfüllten gequicke, es waren seine letzten Reaktionen auf Erden. Amyras Tugend griff auch gegenüber den niedersten Gestalten, so das die Kehle mit einem schnellen Schnitt durchtrennt wurde.

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    Ein kleiner, aber kräftezehrender Sieg. Die Überzahl war in diesem Scharmützel gegeben, es wirkte daher wie ein Abstecken der Kräfte. Gerade als der Sieg in greifbarer Nähe schien, ertönte erneut das dumpfe Horn der Orks am pechschwarzen Horizont. Fackeln wurden entzündet und tauchten in weiter Ferne als lodernde Punkte auf. Die Grak’thul offenbarten sich und raubten damit die letzte Möglichkeit in der Nacht Erholung zu finden.

    Die Luft roch nach Eisen des Blutes und dem Rauch des Feuers, während die Löwenwachen die Reihen schlossen und die Wachmannschaft verstärkten. Jeder von Ihnen wusste, dass der nächste Angriff unvermeidbar war. Und doch verharrten die Orks wie Schatten, ohne näherzukommen.

    Die Stunden bis zum Morgengrauen wurden zu einer Tortur. Das Grunzen entlang des Berghanges und das unaufhörliche Blasen der Hörner nagte an den Nerven. Leise Gebete mischten sich am Feuer in den Gesprächen, welche Mut zusprachen und von vergangenen Schlachten berichteten.
    Dennoch sprach man verhältnismäßig wenig und starrte in die Dunkelheit als könnte man die Absichten der Grak‘thul deuten.

    Dann bebte erneut der Boden, dass Getrampel von Getier war zu vernehmen, manchmal schlugen in gegengesetzter Himmelsrichtung die Hufen sogar Funken. Dieses Horn, welches geblasen wurde, erklang schon fast melodisch Im Vergleich zum dumpfen Ton der Orkscharren.
    Die Kavallerie der Späher trat als Unterstützung ein, ihr gewählter Weg war der Kampf an der Seite ihrer Freunde.

    Mit dem ersten Grau des Morgens legte sich ein fahles Licht über das nebelige Tal. Die entflammten Fackeln der Orks wirkten darin weniger bedrohlich. Man hielt dem Ganzen Stand, ohne weiteren Kampf zu verzeichnen und doch dem ständigen Versuch zermürbt zu werden in einer Nacht, die vergleichsweise unendlich lang erschien ...

Verfasst: Montag 25. August 2025, 21:46
von Beak von Sankurio
  • … Die ersten Sonnenstrahlen tasteten sich über die Bergkämme, warfen lange Schatten durch das neblige Tal und ließen das Blut der Nacht auf dem Boden glitzern.
    Doch die scheinbare Ruhe war trügerisch.
    Das dumpfe Trommeln der Orks wurde wieder hörbar, gepaart mit dem metallischen Scheppern von schweren Rüstungen. Dieses Mal war es nicht nur eine Schar, sondern die geballte Macht der Grak’thul, die sich auf das Tal zubewegte. Ihr massiger Anführer, ein Ork von grotesker Statur, dessen Hörner weit in den Himmel ragten, ließ erneut das dumpfe Horn ertönen.

    „Bereitet Euch vor!“ rief Beak mit dumpfer Stimme.
    Sein Schwert glänzte im fahlen Licht, während er die Löwenwachen an seiner Seite ordnete.
    Hinter Ihm standen Melyna und Raia, welche nicht von der Seite ihres Lehnsherrn wischen.

    Die Grak’thul stürmten los.
    Es war kein Scharmützel mehr, es war eine Lawine aus roher Gewalt.
    Erneut zischten die Pfeile in die Menge, dass rostige Metall krachte auf Schilde und Schreie hallten wie ein grausames Echo über die Felsen. Beak an vorderster Front sprang vor, seine Klinge traf die erste Welle dieser niederen Gestalten mit präzisen Hieben.
    Jeder schlag war wie ein rechtschaffendes Urteil des Paladins, eines was der Höchststrafe resultierte.
    Melyna nutzte die Distanz und ließ Pfeil um Pfeil in die tobende Menge der Orks regnen. Die meisten Schüsse waren tödlich, doch diese wütende Menge schien unaufhaltsam. Raia hingegen wählte die größere Distanz, denn es war ihr klerikaler Eingriff der nicht nur Mut sondern auch Stärke bot. Lichtfunken tanzten über die Wachen, welche Wunden heilten und erschöpfte Krieger mit Kräften versorgte.

    Der tosende Lärm des Kampfes hallte durch das Tal.
    Jeder der sich im Tumult des Gefechts befand, kämpfte um das blanke Überleben.
    Kein Zurück mehr in diesem Moment, keine aufkeimenden Gedanken an Freunde und Familie. Nur der egoistische Wille des Überlebens, dass Schlachtfeld unbeschadet zu verlassen.
    Neben dieser Kampffront eröffnete sich eine weitere, angeführt durch den Major und seiner Kavallerie.

    Die Pferde preschten durch das karge Tal.
    Staub und Schmutz wirbelte sich auf und stieg in den frühen Morgenhimmel. Die Hufen donnerten wie ein zweites Trommelfeuer auf den Boden, während die Reiter ihre Schwerter und Speere gen Himmel hoben.
    Ihr Angriffssturm war einer anderen Masse der Grak’thul gewidmet, ohne zu zögern deckten Sie die Flanke der kämpfenden Truppe in der Mitte des Tals.
    Orks wurden unter ihren schweren Hufen zertrampelt, ihre Schreie hallten zwischen den staubigen Felsen wider.

    Der Plan ging auf, die Kavallerie riss die Orks für den Moment auseinander.
    Doch der Preis war hoch.

    Der scheinbare Anführer der Grak’thul stemmte sich gegen die Flut der Reiter.
    Sein massiger Morgenstern krachte auf den Boden und die schweren Ketten zogen sich stramm. Ein gewaltiger Aufprall erschütterte das Tal erneut und als der Staub sich legte, lag der Major selbst unter den Füßen seiner Feinde.
    Wenige dieser Einheit konnten sich der Schar an Orks zu Wehr setzen, doch die meisten wurden von der Übermacht zerschmettert. Nur ein paar mutige Krieger fanden Deckung hinter den Felsen am Rand des Tals, während der Rest in panischer Flucht auseinander tob.

    All‘ dies bekam Nialia zu Gesicht.
    Ihr goldblondes Haar wehte im Wind, während Sie auf dem hohen Wehrturm stand und auf das Chaos im Tal hinabblickte. Unter Ihr ersteckte sich die karge, felsige Landschaft, eingehüllt in dichten Nebeln, durchsetzt von Rauchschwaden und dem matten Schein der ersten Sonnenstrahlen. Zwischen den Felsen und den brennenden Feuerstellen konnte Sie die Silhouetten der Orks erkennen, grotesk und massig. Eine dunkle Welle aus roher Gewalt, die auf die Verteidiger des Tals zustürmten.

    Die letzten Streiter hatten sich in der Mitte des Tals formiert, ein Bollwerk aus Stahl und Entschlossenheit. Immer wieder blitzten Pfeile auf, die Schilde erhoben um sich gegen diese Massen zu Wehr zu setzen. Doch trotz dieser disziplinierten Reihen wirkte die Situation zunehmend prekär.
    Die Orks waren unaufhaltsam, die Zahl der Angreifer erdrückend während der Boden bebte.

    Nialia spürte die wachsende Verzweiflung in den Reihen der Verteidiger, die erschöpften Bewegungen und das unaufhaltsame Vorrücken der Grak’thul. Doch ihre Aufmerksamkeit ruhte nicht nur auf den tosenden Kampf.
    Mit der aufsteigenden Sonne konnte man in der fernen Distanz mittlerweile die anderen Wehrtürme deuten, auf denen ihre Ordensbrüder postiert waren. Sie waren es, welche die Instruktionen von Ihr erhalten haben und auch der Grund, weshalb ihre Umhängetasche zunehmend schmaler erschien.

    In dieser weiten Ferne begannen die Wehrtürme zu glimmen.
    Erst zaghaft, ein sanftes bläuliches Flackern das sich in den hohen Himmel entfaltete.
    Es war, als würde die Morgendämmerung selbst von diesem mystischen Licht berührt, dass langsam die Nebelschwaden durchbrach. Mit jedem Moment wurde das Leuchten kräftiger, strahlen aus heiligem Blau schossen wie Flammen aus den Türmen und tanzten über die kargen Felsen entlang des Gebirges.

    Während man im Tal wenig vom Lichtspektakel oberhalb der Hänge erkennen konnten, spürte Raia im Eifer des Gefechts eine wohltuende Wärme, die von oben herabströmte. Ein sanftes, aber bestimmendes Strahlen, dass selbst über den Rauch und den Staub des Kampfes drang. Die Grak’thul, völlig unbeirrt von dem Ganzen, umzingelten derweil den Paladin. Es war eine Mauer aus massiven Körpern, die kaum mehr überwunden werden konnte. Ein Ork schlug von hinten zu, ein anderer stieß seinen Knochenspeer gegen Beaks Schild. Das Metall krachte, sein Arm schmerzte und für einen Moment drohte das Gleichgewicht des Paladins zu kippen. Immer wieder wurden die Reihen zurückgedrängt, einige von Ihnen fielen unter den brutalen Angriffen der Orks.
    Die Dunkelheit des Überlebenskampfes drückte sich nieder auf die letzten Kämpfer, jeder Atemzug brannte in der Lunge und die Schritte fühlten sich zunehmend schwerer an.

    Raia wurde ebenso umzingelt, in der Not wo selbst der Paladin nicht mehr jede Bedrohung abwehren konnte, musste sie all ihre Kraft bündeln. Ihre Gestalt umhüllte sich in ein gleißendes Licht, ehe Sie die Form eines Adlers angenommen hatte und den Angriffen nur knapp entkommen konnte. Die Hohepriesterin spürte die Veränderung durch die Wehrtürme, während der Adlerblick auf das Chaos unter sich schaute.
    Instinktiv flog Sie in Richtung des Wehrturms, auf dem Nialia wartete.
    Jeder Schlag ihrer Flügel brachte Sie näher an die Quelle des Lichts, jeder Atemzug füllte sie mit einer Mischung aus Vorahnung und Mut.

    „Beak! Es werden nicht weniger!“ rief Melyna ihm entgegen, während Sie einen Orkkrieger in den Kopf geschossen hatte. Die Hand griff nach hinten in den leeren Köcher, die Pfeile waren aufgebraucht. Ohne großes fluchen, blieb der jungen Schützin nichts mehr übrig, als den Nahkampf an der Seite des Paladins zu bestehen. Das fließende Zusammenspiel aus Bogen und Schwert, es war vorbei.

    Die Türme erstrahlten weiterhin im gleißenden Licht, wie Leuchtfeuer am Horizont.
    Wärme und göttliche Güte flossen unaufhaltsam durch die Luft, während die blauen Augen Nialia‘s sich fest auf ihre Umhängetasche richteten. Mit ruhiger, doch bestimmter Bewegung griffen ihre feinen Hände hinein, glitten durch das weiche Leder, bis sie das gereichte Artefakt des Klosters der Mitte sicher in den Händen hielt.
    Ein sanftes pulsieren ging von der Himmelslicht-Phiole aus, als hätte es ihre Präsenz längst erwartet. Ein letzter Atemzug, ehe Nialia das ewige Licht in die Höhe hob. Ein Strahl reinen, göttlichen Lichts schoss aus dem Artefakt empor, durchbrach die letzten Nebelschwaden und schoss in die Richtung des Turms.
    Die Gestalt des Adlers schwang sich in das Leuchten hinein, als würde dieser darin baden. Für einen Augenblick hielt Raia inne, die Schwingen weit ausgebreitet, ihr Adlerblick zurück ins Tal gerichtet.
    Bisher verborgen hinter Dunst und Rauch, begann nun auch dieser Wehrturm zaghaft zu glimmen. Zunächst ein schwaches, bläuliches Flackern und doch binnen Sekunden breitete sich das Licht aus.
    Das gleißende Licht strahlte bis in das tiefe Tal herab, ein Leuchtturm der göttlichen Macht der Herrin.
    Ihre Präsenz war spürbar und Hoffnungsträger zu gleich in einer aussichtslosen Schlacht …

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