sorry fuer den Doppelpost
Salz ist Salz – Tarins letzter Tausch
Der Wind stand still, als Tarin das Ende des Tals erreichte.
Hier, wo die letzten Dünen wie Wellen gegen das erste Grün der Täler brandeten, hatte er sich postiert – hinter einem Felsen, Dolch im Gürtel, die zwei Säcke neben sich.
Flachs. Stopfweich, nichts als Pflanze. Kein Körper, kein Leben.
Er wartete.
Ein einzelner Menekaner kam.
Mit einem Lama, voll bepackt.
Salz. Kokosnüsse. Kaffeebohnen.
Bedächtig, gerüstet... gefährlich – Sand im Bart, Dolch im Gürtel, Wut im Blick.
„Ich tu dir nichts, wie versprochen.“ sagte der Sandfuchs.
Tarin trat aus dem Schatten.
Sie sprachen.
„Ging es den Mädchen gut?“ erkundigte sich Tarin.
Der Sandmann erwiderte, er hätte Mitleid mit ihm.
Als würde er es brauchen.
Er war nun reich.
Der Kerl warf die Säcke auf den Boden, packte die Flachsbeutel ein – und ging.
Ein Geschäft war ein Geschäft.
Tarin packt es. Führt es hinter den Felsen, wo sein treuer Dorn wartet.
Zwei Säcke. Einer voll mit Kokosnüssen und Kaffeebohnen, der andere mit feinem, schneeweißem Salz.
Er greift hinein.
Fühlt es.
„Schön,“ murmelt er.
„Jetzt haben sie doch gezahlt.“
Er schaut nicht zurück.
Nicht zum Menekaner, nicht zum windenden Pfad in die Wüste.
Dann zieht er Dorn mit sich, den schmalen Pfad hinab in Richtung seiner Höhle.
Drei Nächte später:
Das Feuer knistert. Das meiste Salz schon lang verkauft.
Die Mädchen sind längst fort.
Tarin löffelt Eintopf, trinkt billigen Schnaps, schleudert eine Dattel gegen die Höhlenwand.
Dann zuckt er.
Ein Wind geht durch den Gang. Trocken.
Dann: Hitze. Keine normale.
Eine, die aus dem Stein selbst zu kommen scheint.
Er steht auf.
Tritt zum Salz.
Berührt es mit bloßer Hand.
Die Haut zerspringt.
Er schreit – doch der Laut erstickt sofort.
Sein Hals brennt. Seine Zunge klebt am Gaumen. Der Wasserschlauch?
Er trinkt ihn leer – doch es schmeckt nach Meer.
Die Höhle: Lichtdurchflutet, obwohl draußen Nacht ist.
Er taumelt ins Freie.
Die Sterne? Fort.
Nur die Sonne – zu nah, zu grell, zu falsch.
„Du bist nicht willkommen,“ flüstert der Sand, der ihm aus den Schuhen rieselt.
Seine Füße verbrennen.
Der Boden lässt ihn nicht mehr los.
Er kriecht.
Betet.
Flucht.
Dann bricht er zusammen.
Und während sein Körper verdorrt, kristallisiert sich Salz auf seinen Lippen.
Die Haut fällt ab.
Und mit ihr alles, was je an ihn geglaubt hat – auch er selbst.
So starb Tarin Voss, auch bekannt als Bork.
Nicht durch Dolch, nicht durch Rache.
Sondern durch einen Handel, den er längst verloren hatte.
Denn das Salz war echt.
Und der Fluch – geduldig.
