Buch vom Voss
Verfasst: Dienstag 22. April 2025, 20:21
Splitterarbeit
Es war still, als er erwachte.
Nicht das gewöhnliche Kerker-Still. Nicht das „Wachen-wechseln-und-jemand-schnarcht“-Still.
Sondern das andere.
Das, das kriecht.
Das fragt, ob man noch da ist.
Bork öffnete das eine Auge, das nicht zubetoniert war.
Er lebte. Noch.
Der Schädel pochte, als hätte jemand drin ’ne Glocke gegossen.
Er setzte sich auf. Langsam. Alles schmerzte - aber das war gut. Schmerz bedeutete, dass man noch zählt.
Er war allein. Keine Wache, keine Stimme.
Nur Tropfen irgendwo. Und Stille.
Dann sah er ihn.
Den Glaskrug.
In der Ecke.
Still. Und da.
Bork stand auf.
Nahm ihn in die Hand.
Spürte das dünne Glas, wie es leicht gegen die Finger vibrierte.
Er zögerte nicht lang.
Knack.
Mit einem Ruck gegen die Wand.
Der Krug zerbrach.
Er suchte sich die Spitze. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Fest in der Faust, zwischen Finger und Daumen.
Ein Werkzeug.
Vielleicht mehr.
Er trat ans Fenster.
Die Stäbe waren fest, grob ins Gestein eingelassen.
Nicht neu.
Nicht unbesiegbar.
Bork setzte die Scherbe an.
Nicht am Eisen.
Am Stein.
Und begann zu kratzen.
Langsam. Immer im Kreis.
Der Ton war rau, nicht laut.
Wie eine Maus, die mit Zähnen an der Wand nagt.
Wieder. Und wieder.
Die Scherbe rutschte. Riss. Griff neu.
Er spürte, wie winzige Splitter sich in seine Finger bohrten.
Doch er hörte nicht auf.
Mit jedem Zug bröckelte etwas.
Ein Körnchen.
Ein Hauch von Stein.
Ob es genug ist?
Ob er’s je rausbekommt?
Er weiß es nicht.
Aber er arbeitet.
Denn wenn der Stein nachgibt -
kommt vielleicht auch das Eisen.
Und bis dahin kratzt er.
Mit Splitter.
Mit Wille.
Mit allem, was ihm bleibt.
Es war still, als er erwachte.
Nicht das gewöhnliche Kerker-Still. Nicht das „Wachen-wechseln-und-jemand-schnarcht“-Still.
Sondern das andere.
Das, das kriecht.
Das fragt, ob man noch da ist.
Bork öffnete das eine Auge, das nicht zubetoniert war.
Er lebte. Noch.
Der Schädel pochte, als hätte jemand drin ’ne Glocke gegossen.
Er setzte sich auf. Langsam. Alles schmerzte - aber das war gut. Schmerz bedeutete, dass man noch zählt.
Er war allein. Keine Wache, keine Stimme.
Nur Tropfen irgendwo. Und Stille.
Dann sah er ihn.
Den Glaskrug.
In der Ecke.
Still. Und da.
Bork stand auf.
Nahm ihn in die Hand.
Spürte das dünne Glas, wie es leicht gegen die Finger vibrierte.
Er zögerte nicht lang.
Knack.
Mit einem Ruck gegen die Wand.
Der Krug zerbrach.
Er suchte sich die Spitze. Nicht zu lang, nicht zu kurz. Fest in der Faust, zwischen Finger und Daumen.
Ein Werkzeug.
Vielleicht mehr.
Er trat ans Fenster.
Die Stäbe waren fest, grob ins Gestein eingelassen.
Nicht neu.
Nicht unbesiegbar.
Bork setzte die Scherbe an.
Nicht am Eisen.
Am Stein.
Und begann zu kratzen.
Langsam. Immer im Kreis.
Der Ton war rau, nicht laut.
Wie eine Maus, die mit Zähnen an der Wand nagt.
Wieder. Und wieder.
Die Scherbe rutschte. Riss. Griff neu.
Er spürte, wie winzige Splitter sich in seine Finger bohrten.
Doch er hörte nicht auf.
Mit jedem Zug bröckelte etwas.
Ein Körnchen.
Ein Hauch von Stein.
Ob es genug ist?
Ob er’s je rausbekommt?
Er weiß es nicht.
Aber er arbeitet.
Denn wenn der Stein nachgibt -
kommt vielleicht auch das Eisen.
Und bis dahin kratzt er.
Mit Splitter.
Mit Wille.
Mit allem, was ihm bleibt.

