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Verfasst: Mittwoch 2. April 2025, 11:28
von Ragai Mirkow
Heute war so ein Tag, an dem das Herz vor lauter Kleinigkeiten übergeht.
Nach dem Trainieren, wo Arno später hinzukam sind wir dann in die Villa Sturmfang gegangen.
Ich habe den ganzen Nachmittag damit verbracht, Vorhänge zu befestigen, Laternen auszurichten und das Haus endlich mit ein wenig Wärme zu füllen. Es ist erstaunlich, wie viel Licht ein Raum braucht, bevor er wirklich lebendig wirkt. Ich spürte es, als das letzte Stück Stoff fiel und die Laterne in der Ecke sanft zu glimmen begann. Noch nicht vollkommen – aber es wird.
Arno war wieder wunderbar. Still, aufmerksam. Wie er mit Linus sprach – so charmant und dabei doch mit dieser unterschwelligen Wärme. Ich konnte nicht anders, als hin und wieder von oben zu lauschen. Auch wenn ich so tat, als wäre ich ganz vertieft in meine Arbeit. Manchmal frage ich mich, ob er merkt, wie sehr mich sein Lächeln beruhigt.
Linus war… nun, Linus. Laut, voller Ideen, ein bisschen zu sehr begeistert von einer Besenkammer als Gästeraum. Ich hätte ihm fast mein Pergament an den Kopf geworfen – aber nur fast. Stattdessen habe ich geschrieben. Worte finden, wenn die Stimme schweigt. Und wieder hat Arno übersetzt, fast als könne er meine Gedanken schon lesen, noch bevor ich den Stift ansetze. Das gefällt mir. Mehr, als ich vielleicht sagen dürfte.
Ich habe den Aushang für die Küchenmagd befestigt. Schnell, still und wie nebenbei. Und doch ist es ein weiterer Schritt. Ein Haus wird erst zu einem Heim, wenn man es mit Leben füllt – mit Händen, die helfen, mit Stimmen, die lachen, mit Wärme, die bleibt.
Jetzt, wo wir wieder unterwegs sind, frage ich mich, welches Haus es werden wird. Das, das wir gerade sahen… oder das gegenüber? Ich sehe die Wege, die Fenster, die Möglichkeiten – aber am meisten sehe ich ihn, wie er neben mir geht, schweigend, und mir doch alles sagt.
Vielleicht schreiben wir unsere Geschichte nicht mit Tinte, sondern mit all den kleinen Dingen: einem Blick, einem Lächeln, einer festgemachten Laterne.
Ich bin gespannt, wohin der Weg uns führt.
Und ich bin bereit.
Eintrag, einige Stunden später
Ich kann kaum die Feder halten. Meine Hände zittern noch. Ich weiß nicht, ob es die Angst war, der Schock – oder einfach alles zusammen. Ich schreibe, um nicht zu vergessen. Oder… um zu verstehen. Vielleicht beides.
Heute war es, als hätte sich die Welt in Rauch und Blut aufgelöst.
Sie standen einfach da. Vater. Nikoley. Juri. Mit diesem Blick, den ich so gut kenne – kalt, berechnend, als wären wir Dinge. Gepäck, das man vergessen hat. Eigentum. Töchter. Ehefrauen. In seinen Augen lag keine Frage, nur Anspruch. Besitz. Macht. Kontrolle.
Ich habe mich versteckt. Wie früher. Wenn Türen zu laut ins Schloss fielen. Wenn Worte scharf wurden wie Glas. Wenn das Schweigen mehr schrie als jede Stimme. Aber Schanna… sie hat nicht gezögert. Ich sah, wie ihr Finger zuckte, wie ihre Stimme brach – und doch stand sie da. Kämpfend. Für uns. Für sich. Für alles, was wir hier aufgebaut haben.
Dann lag er da. Nikoley. Blut. Überall Blut.
Ich habe geschrien. Glaube ich. Vielleicht war es auch nur ein Laut, gefangen irgendwo tief in mir. Ich habe geschrieben – Holt Hilfe. Vielleicht hat es jemand gelesen. Vielleicht war es auch nur für mich.
Schanna saß am Boden, Hände zitternd. In ihrem Blick: Schuld. Doch ich weiß, es war nicht falsch. Nicht diesmal. Wir haben uns nicht gefügt. Nicht weggesehen. Wir haben gestanden.
Andarc war ein Sturm aus Wut, der leise bebte. Nicht gegen uns – gegen die Welt, die das zulässt. Und Nika… Nika war einfach da. Still. Stark. Ein Schild aus Gegenwart. Ohne ihn… ich weiß nicht, ob ich geblieben wäre.
Ich bin müde. So müde vom Fliehen. Vom Schweigen. Von der ständigen Angst, jemand könnte die Tür wieder öffnen.
Aber heute… heute haben wir nicht verloren.
Wir leben.
Und vielleicht… fängt hier alles erst an.
Wenn das Licht fällt
Verfasst: Mittwoch 2. April 2025, 17:32
von Linus van Sturmfang
Ich saß heute, zugegeben, etwas angeschlagen am großen Tisch in der Villa Sturmfang. Der gestrige Abend hatte mehr Tribut gefordert, als mir heute lieb war. Der Kopf dröhnte noch, der Magen war sich unsicher, ob er Freund oder Feind sei — und doch konnte ich mir ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen. Welch Geniestreich, dachte ich, eine Gouvernante ins Haus zu holen, die kaum spricht. Ein Segen, wenn jedes gesprochene Wort im Schädel nachhallt wie ein Hammerschlag auf den Amboss.
Und da war sie auch schon. Frau Mirkow, still wie der Morgennebel, trat ein. Hinter ihr, wie stets, ihr Gefährte Arno Hohenstein — schweigsam, aufmerksam, verlässlich. Sie nickten mir nur kurz zu, kein Wort zu viel, kein Laut zu laut. Allein dafür hätte ich ihnen heute ein Lied schreiben mögen.
Ohne zu zögern begannen sie ihr Werk. Frau Mirkow befestigte Vorhänge, die den Raum auf einmal in sanftes Licht tauchten. Nicht das grelle, harte Licht, das alles bloßlegt, sondern jenes warme, flackernde, das Geschichten an die Wände malt und Schatten zu stillen Zuhörern macht. Die Laternen, die sie mit Bedacht im Raum verteilte, glommen sacht, als wüssten sie, dass sie sich nur leise in Szene setzen durften.
Ich saß da, sah ihr Tun, ließ mich von der entstehenden Stimmung fast einlullen, und als ich mich erhob, um mir das Werk näher zu besehen, entdeckte ich sie — eine kleine, ungenutzte Ecke hinter den Vorhängen. Leer, unschuldig, eine Einladung für einen Mann wie mich.
Und so kam sie — die Idee. Halb vom Rausch, halb vom Tatendrang genährt: eine Gästeecke. Gemütlich, charmant, ein kleiner Rückzugsort, für... wen auch immer. Kaum ausgesprochen, bemerkte ich, wie Frau Mirkows Augenbraue kaum merklich zuckte, wie ihr Blick sich schärfte. Keine Worte, doch die Feder flitzte über ihr Pergament, und ehe ich es las, wusste ich schon, dass mir soeben leise der Kopf gewaschen wurde.
„Gästeecke?“ schien sie zu fragen. „In einer Abstellkammer?“
Ich musste schmunzeln. Ihr Ton blieb korrekt, fast kühl, aber ich sah es: Sie nahm ihre Aufgabe ernst. Nicht nur das Haus, sondern auch dessen Würde schien ihr am Herzen zu liegen. Und ich — ich mochte das. Sehr sogar. Zu oft bleiben die Guten stumm, während das Mittelmaß plappert. Frau Mirkow aber sprach durch ihr Tun, durch den Ernst in ihren Augen und die Ruhe ihrer Hände.
Während ich sie weiter werkeln sah, spürte ich es zum ersten Mal so deutlich: Wenn die Villa Sturmfang einst fertig ist, wenn die Vorhänge hängen, das Licht sanft leuchtet und kein Staubkorn mehr ungefragt bleibt, dann werde ich den nächsten Schritt wagen. Dann, und erst dann, kann ich den Pfad beschreiten, den ich für mich „Lucem capit“ nenne.
Doch für den Moment? Für den Moment war ich einfach nur dankbar, dass meine Gouvernante nicht spricht — und dennoch alles sagt.
Verfasst: Donnerstag 3. April 2025, 15:19
von Ragai Mirkow
Der Regen hatte längst begonnen, schwer fiel er vom Himmel, hüllte das Holz der Planken draußen in dunkle Töne und tauchte das Innere des Hauses in ein gedämpftes Licht. Es war still – zu still.
Die Tür öffnete sich vorsichtig, knarzte leise, als eine hochgewachsene Gestalt eintrat. Arno. Seine schweren Stiefel hallten auf dem Boden, als er sich langsam umblickte.
Ein Rascheln hinter dem Sessel, ein erschrockener Laut – Ragai. Wie ein gehetztes Tier kauerte sie sich hinter das Möbelstück, ihr Blick war wild, ängstlich. Blaue Haare lugten hinter dem Polster hervor. Arno trat näher, schob den Vorhang mit der Rückhand beiseite.
Als sich ihre Blicke trafen, veränderte sich etwas. Die Anspannung wich nicht, aber ein Funke Erkennen glomm in Ragai auf.
Arno verschränkte die Arme, musterte sie.
„Ich weiß, ich war ein wenig lange weg… und hab eine neue Frisur. Aber ist sie wirklich so tragisch?“
Ein schwaches Schnauben, dann löste sie sich von ihrer Deckung – rannte los.
Zitternd warf sie sich in seine Arme. Und er? Er fing sie auf, ohne Zögern. Umschloss sie fest, als könnte er sie so vor allem schützen, was da draußen lauerte.
„Alles in Ordnung?“, fragte er leise.
Sie schüttelte den Kopf.
„Magst du erzählen? Muss ich wen aufsuchen?“, hakte er behutsam nach.
Es war keine Stimme, die ihm antwortete. Es waren Hände – viele, schnelle Bewegungen. Zeichen, geformt in Luft. Und Tränen, die über ihre Wangen liefen. Arno lauschte ihren Händen, streichelte beruhigend über ihr Haar, nickte hin und wieder.
Dann hob sie das Hemd ein Stück – ein dunkler Handabdruck auf blasser Haut kam zum Vorschein.
Arno sah. Und Arno schwieg. Nur ein leises Brummen, ein prüfender Blick.
„Tut es noch weh?“
Ein zaghaftes Nicken. Dann ein Kopfschütteln. Dann wieder ein Nicken.
„Schon mit Fisch gekühlt?“
Ein klares Nein.
Er seufzte.
„Wär ich gestern mal nicht unterwegs gewesen…“
Aber Ragai winkte ab, deutete auf den Himmel – oder die Zukunft. Vielleicht beides.
Schanna trat ein. Scharfzüngig wie eh und je, schob sie sich in den Raum, warf Worte wie Messer. Doch hinter der Fassade war auch sie nur eine Schwester, die sich sorgte – auf ihre Art.
„Lass sie auf keinen Fall allein“, sagte sie später. „Nicht mal beim Pipi machen.“
Und Arno nickte. „Natürlich nicht. Nicht mehr jetzt.“
Dann reichte Arno Ragai ein Schwert.
Ein altes Stück, aber zuverlässig.
„Du brauchst keine Kraft dafür“, sagte er. „Nur Entschlossenheit. Ein Hieb reicht.“
Sie zögerte.
„Aber es ist dein Schwert.“
„Und es soll dich beschützen.“
Er band ihr die Scheide um. Sie zog das Schwert und steckte es wieder ein – noch ein wenig ungeschickt, aber das war egal.
„Danke, mein Liebster“, kam es krächzend.
„Nicht reden“, bat er. Und küsste sie.
Sie tranken. Sie ruhten. Sie planten zu gehen.
„Ich will hier weg“, sprach sie mit den Händen.
„Hast du eine Idee?“
Sie deutete auf ihn.
„Ich bin kein Ort“, entgegnete er mit einem Lächeln.
Doch sie bestand darauf. „Doch. Mein Ort.“
Sie ritten fort, gemeinsam, durch das triefende Grün und hinauf in die Ruhe eines Tales. Dort begegneten sie zwei Männern – Cid und Wenzel. Und Arno stellte sie vor: „Meine Partnerin, Ragai.“
Worte wechselten. Vertrauen wurde geprüft – bestanden.
Dann saßen sie am Bach, hörten dem Wasser zu.
„Wenn man sich hier versteckt… findet einen niemand“, sagte Arno.
Ragai entgegnete mit Händen: Es gibt noch andere Orte, wo einen niemand mehr findet.
Er sah sie an.
„Die kenn ich nicht.“
Und doch… war er da. Ganz.
Er bot ihr Halt, als sie sich an ihn kuschelte.
Sie gestand: Es hat alles wieder hochgeholt.
Er antwortete: „Das glaub ich dir.“
Stille senkte sich. Und in ihr… der Wunsch nach etwas anderem.
„Ich habe eine verrückte Idee“, deutete sie mit den Fingern.
„Dann führ mich“, sagte er.
Und er folgte ihr. Ohne zu zögern.
Am nächsten Morgen
Der Regen hatte aufgehört in der Nacht. Das Dach über ihnen hatte gehalten, auch wenn das fremde Haus, in dem sie Zuflucht gefunden hatten, kein Schloss an seinen Türen kannte. Es war ein Ort, den jemand zurückgelassen hatte – oder der selbst Schutz bot, ohne zu fragen.
Die Dämmerung war sanft über den Horizont gekrochen, als Ragai langsam die Augen öffnete.
Neben ihr: Arno.
Sein Atem war ruhig, gleichmäßig. Eine Hand lag locker neben ihm, die andere auf der Brust. Der Schwertgurt war noch in greifbarer Nähe, wie ein letzter Rest Kontrolle in einer Welt, die oft genug außer Kontrolle war.
Sie betrachtete ihn lange, ließ den Blick über sein Gesicht gleiten, die leicht gewellten Haare, die sich über die Stirn geschoben hatten.
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen.
Wie still die Welt doch sein konnte, wenn er schlief. Wie leicht. Wie friedlich.
Sie erhob sich leise, trat barfuß über die knarrenden Dielen, bereitete ihm ein einfaches Frühstück: etwas Brot, ein Stück Käse, getrocknete Früchte, Wasser.
Dann setzte sie sich, suchte nach Papier – und fand eine alte Rolle, halb beschrieben.
Mit zitterndem, doch entschlossenem Schwung schrieb sie darauf:
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Guten Morgen, Liebster.
Ich bin trainieren.
Mach dir keine Sorgen.
Ich liebe dich.
– Ragai
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Sie rollte den Zettel sorgsam zusammen und legte ihn neben seine Bettrolle, direkt an die Stelle, wo sein Arm sich im Schlaf ausstreckte.
Ein letzter Blick – ein stiller Kuss auf die Luft – dann schob sie sich aus der Tür, so leise wie sie gekommen war.
Draußen war die Welt noch feucht vom Nachtregen, aber das Tal erwachte bereits in gedämpften Farben.
Ragai zog das Halstuch fester um sich und verschwand zwischen den Bäumen.
Ein neuer Tag. Eine neue Stärke. Für ihn. Für sich.
Verfasst: Donnerstag 3. April 2025, 17:33
von Arno Hohenstein
Arno konnte kaum fassen, was ihm Ragai mit den schnellen, nervösen Bewegungen ihrer Hände mitteilte. Ihre Worte, normalerweise so präzise und voller Eleganz, kamen nun stockend und unsicher, und er spürte, wie sie dabei zitterte. Eine Schwall der Besorgnis überkam ihn. Hatte er einen Fehler gemacht? Hätte er nicht von ihrer Seite weichen dürfen? Die Fragen quälten ihn, doch die Antworten blieben aus. Was hätte er getan, wenn die Dinge anders verlaufen wären? Auch darauf wusste er keine Antwort. So viele offene Fragen, so wenige Erklärungen.
Sie so ängstlich zu sehen schmerze. Tief. Brannte wie ein schreckliches Gift in seiner Brust, umfasste das Herz und griff zu als wolle es ihn für seine Untätigkeit bestrafen. Aber er hielt sie – wollte ihr zeigen, dass er nun da war. Sie beschütze.
Jedenfalls ging es ihr körperlich gut – oder zumindest schien es so. Doch der Gedanke ließ ihn nicht los. Er warf einen Blick auf die Stelle, an der sie ihm die Druckstellen gezeigt hatte, und die Erinnerung daran ließ ein unangenehmes Gefühl in ihm aufsteigen. Wäre Schanna nicht gewesen, wäre er heute wohl auf dem Weg gewesen, selbst ein Mörder zu werden. Die Gerichtsbarkeit hatte kein Gewicht.
Und wieder raste die Zeit. Zweisame Stunden folgten.
Arno saß mit angezogenen Beinen neben Ragai auf den Rollen, der Mond schien durch das leicht geöffnete Fenster und tauchte den Raum in ein sanftes, silbernes Licht. Das leise Rauschen der Bäume draußen war der einzige Klang, der die Stille durchbrach und die Realität vom Traum zu trennen schien. Seine Finger zitterten leicht, als er den Dolch unter das Kissen Schob und ein Stück weit an sie ran rückte. Er hatte nicht vor, sie zu verlassen – nicht jetzt, nie mehr. Stattdessen ließ er seinen Blick noch einmal sanft über ihr Gesicht gleiten, die Züge, die ihm so viel erzählten, Geschichten von Erlebnissen welche er verpasste, Liebe und Hoffnung. Aber auch Verwundbarkeit und Angst schien er zu lesen. Ihr gegenüber fehlte sich der junge Mann so unendlich klein. Wie die Sonne, die unweigerlich alles in ihre Nähe zieht, so fühlte er sich von ihr magisch angezogen. Sein Herz schlug wieder schneller, eine Wärme die er zuvor nicht gekannt hatte breitete sich in seiner Brust aus. Er beobachtete Ragai, die unruhig schlief, ihren Atem manchmal anhielt um dann wieder etwas schneller atmete. Ihre Hand griff nach der Decke, suchte Halt, ihre Haare verteilten sich in wilden, dunkelblauen Strähnen über das provisorische Kissen. Sie war so verletzlich in diesem Moment, so fern von der Entschlossenheit und dem Lebenswillen, die sie in der Wachwelt ausstrahlte.
Die Nacht zog sich dahin, und Arno war der einzige Zeuge der Unruhe, die über Ragai lag. Kein Laut, kein Windhauch, nur die leeren Klänge des nächtlichen Friedens. Und Arno wusste, dass er in diesem Moment der Nacht mehr als nur ein Wächter war – er war der stille Begleiter einer Frau, die mehr war, als Worte je zu fassen vermögen.
Aber die Nacht zog an seinen Lidern, entführte ihn in die Dunkelheit.
Verfasst: Freitag 4. April 2025, 13:56
von Ragai Mirkow
Der Nebel hing schwer über dem Hain, als ich zu üben begann. Die Luft war durchtränkt vom Geruch feuchten Laubs, alten Mooses und etwas, das ich nur in diesen frühen Stunden finde – Stille vor dem Erwachen der Welt. Ich liebe diese Zeit. Wenn der Stab in meiner Hand sich anfühlt wie eine Verlängerung meiner Gedanken. Jeder Schwung, jede Drehung – ein Echo des Atems der Erde.
Dann – ein Geräusch.
Ein Rascheln. Zart. Fast zu klein, um wirklich störend zu sein. Und doch – wie ein falscher Ton in einem alten Lied. Ich spürte es zuerst im Nacken. Dann im Herzen.
Er trat aus dem Dickicht. Ein Panther – oder das, was davon geblieben war. Nicht mehr lautlos. Nicht mehr stolz. Nur Hunger. Schmerz. Und in seinen Augen: Wahnsinn. Lodernd wie Fieber.
Ich sprach die alten Worte. Bat ihn – nicht aus Angst, sondern aus Respekt. Doch er war zu weit fort.
Der Hieb kam schnell.
Mein rechtes Bein brannte, als hätte Feuer darin Wurzeln geschlagen. Ich fiel nicht. Ich konnte nicht.
Ich lenkte. Ich wartete. Ich atmete.
Und dann fiel er. Nicht durch meine Kraft – durch seine Erschöpfung.
Er starb mit einem Laut, der mir das Herz zerschnitt.
Ich blieb noch lange dort. Aufrecht. Still. Niemand war da.
Später traf ich auf Sarah. Eine freundliche, neugierige Frau – noch neu hier, wie viele, die sich im Land nach dem Sturm neu orientieren. Arno und ich zeigten ihr die Angelstellen.
Er nahm meine Hand. Ganz selbstverständlich.
Es fühlte sich an wie ein Versprechen.
Oder wie eine Erinnerung daran, dass ich nicht mehr allein bin. Nicht ganz.
Am Rittersee, nahe Schwingenstein, setzten wir uns ans Ufer. Ich spürte seine Wärme neben mir, das Pochen meines Herzens.
Er sprach leise. Von seinem Wunsch, die Rüstung abzulegen. Für mich. Vielleicht auch für sich selbst.
Er sprach von Fürsorge – für mich. Dabei bin ich es, die täglich kämpft, nicht zu zerbrechen.
Ich antwortete mit Zeichen, wie immer. Die Stimme, die ich verlor, ersetzt durch Hände, die Geschichten erzählen können.
Ich sagte ihm: Er bleibt mein Held. In Rüstung, in Leinen, mit Stab oder ohne.
Und er nannte mich sein Herz.
Wie soll ich diesem Mann erklären, wie tief solche Worte in mir wurzeln? Wie sehr ich sie brauche – an Tagen wie heute?
Arno.
Ein Mann wie aus einem alten Lied: wortreich, mit weichem Kern unter rauem Leder. Wenn er sprach, war es, als rede er für uns beide.
Wenn ich ihm Zeichen gab, lächelte er, als hätte ich ihm ein Gedicht geschenkt.
Neben ihm ist mein Schweigen keine Schwäche. Es ist Sprache.
Seine Hand hielt meine – nicht aus Mitleid. Sondern wie eine Wurzel, die die Erde hält. Fest. Und dennoch sanft.
Ich liebe ihn dafür.
Nicht laut. Nicht süßlich. Sondern wie Moos, das einen Stein umarmt.
Am Abend führte mich mein Weg zur Villa Sturmfang. Linus empfing mich mit dieser Mischung aus Schalk und echter Sorge.
Ich legte meine Maske nicht ab – nur ein wenig.
Ich schrieb ihm von allem.
Von meinem Vater, Nikolej.
Von Notwehr.
Vom Tod.
Von der Angst, die bleibt wie ein kalter Stein in der Brust.
Ganz viel später schlief ich am Strand ein. Neben Arno.
Verfasst: Sonntag 6. April 2025, 16:26
von Arno Hohenstein
Er blickte Ragai an, während sie ihren Mantel aufhob, den Stift und ihr Pergament nahm und ihn dann abwartend ansah. Gerade hatte er sich hingesetzt und es sich halbwegs gemütlich gemacht. Noch immer konnte er nicht sagen, ob ihm der Dorfkrug gefiel. Einerseits lag es an der netten Gesellschaft, die er dort erlebte, andererseits nervte ihn das hochgestochene Gelaber, das selbst an einem ruhigen Abend keinen Halt fand. Anstrengend. Er legte Ragai den Umhang um und nach kurzer Verabschiedung und dem Versprechen Linus gegenüber verließen sie die Lokalität.
Wortlos banden beide ihre Pferde los und schlenderten den Weg hinab zu den Toren im Osten. Zwischenzeitlich kam ihnen die Wache Lupeld entgegen, nickte ihnen zu und schien sie kurz zu mustern. Beide erwiderten das Nicken freundlich, verließen jedoch auch dann schon Berchgard als Ragai auch schon stehen blieb und sich Arno zu wand. Sie stand vor ihm und ihre Hände bewegten sich ruhig und präzise in der Luft, als sie die Worte in Gebärdensprache formte. Ihre Augen fixierten ihn, um sicherzustellen, dass er sie verstand. „Mark scheint besessen zu sein oder so? Er benimmt sich sehr sehr sehr seltsam. Er machte mir Angst.“ Aufmerksam folgte er ihren Ausführungen und gab ihr mit kurzem Nicken zu verstehen, dass er ihr folgen konnte. „Mhr.. Dass er dir Angst macht ist nicht gut.“ raunte der Mann leise, schüttelte dabei den knapp Kopf als er an Mark zurück dachte, welcher sich aufführte wie ein geistig Kranker. Er tat ihm leid. Ragai jedoch schien es doch nicht in der Form aufzufassen und so formten ihre Hände einen weiteren Satz; „Habe ich etwas falsch gemacht?“. Natürlich hatte sie nichts falsch gemacht. Wie auch? Sie erklärte sich doch nur. Unverständnis. „Nein nein, alles gut! Aber da merkst du wie schwer es ist, dem Können eines anderen zu vertrauen, mh?“ nahm er Bezug auf das kleine Missverständnis am morgen. Und wieder fand er die falschen Worte. Wie schon den ganzen Tag. Sie ließ den Kopf hängen. Langsam, fast zögerlich, hob er eine Hand und legte sie vorsichtig unter ihr Kinn. Die Geste war sanft, als wolle er ihr Trost spenden und zeitgleich aufmuntern. Sie hatte vor niemandem den Kopf zu senken. Doch der Moment, der eigentlich beruhigend wirken sollte, hatte genau den gegenteiligen Effekt. Ragai zuckte zusammen, als wären die Hände Arnos heiß , und ihre Augen füllten sich in in Sekunden mit Tränen. Ihre Lippen bebten und bevor Arno begreifen konnte was geschah, brach sie in Schluchzen aus. Sie trat einen Schritt zurück ehe der Griff das Geschirr Aemons suchte. Arno starrte sie einen Moment lang ungläubig an, völlig überrascht von ihrer Reaktion. Er hatte nie damit gerechnet, dass seine zarte Geste so eine Wirkung auf sie haben würde. Ein Moment lang stand er wie gelähmt da, unsicher und machtlos. Ohne auf die Umwelt zu achten griff sie nach dem Zügel ihres Pferdes. Ihre Bewegungen waren hektisch als sie sich in den Sattel schwang und das Tier mit scharfen Bewegungen antrieb. In einem wilden Galopp preschte sie davon, der Staub wirbelte hinter ihr auf, als sie sich mit rasender Geschwindigkeit von Arno und der Szene, die sich gerade zwischen ihnen abgespielt hatte, entfernte. Arno, ein sonst eher ruhiger Typ reagierte sofort, schwang sich, ungewohnter Art, geschickt aufs Pferd trieb es mit leisen Worten an.Wie immer reagierte der Rappe auf die Worte – als würde sie ihn verstehen. Und ehe man sich versah gruben sich die Hufe in die Erde, suchten Halt um ihr kraftvoll zu folgen. Er wusste, dass er Ragai nicht einfach so ziehen lassen konnte.
Die Bäume um sie herum zogen in einem grünen, verwischten Strudel an ihnen vorbei während sie durch den Wald jagten. Ragai verlor während der wilden Jagt ihren Umhang. Dieser hing verloren in einem der vielen Äste. Beinahe im vorbeireiten schnappte Arno sich das Stück Stoff, als hätte sie ihn vergessen. Glücklicherweise hielt diese Hatz nicht lange an, war dieses Waldstück nicht breit genug und endete abrupt in einem Flussufer. Dies zwang Aemon auch zum halten, er stieg auf die Hinterhufe und versucht seiner Wildheit Freiheit zu verschaffen. Ragai musste sich an den Hals des Pferdes klammern um auf eben diesem zu verbleiben. Die Flanken Aemons arbeiteten weiter als würden sie noch immer den strengen Galopp der letzten Minuten verarbeiten. Arno spürte, wie das Pferd unter ihm unruhig tänzelte, von links nach rechts, als würde es gleichzeitig darauf warten, loszustürmen. Dies Situation beruhigte sich allmählich, Ragai jedoch nicht. Sie weinte bitterlich und die leisen Schluchzer und Wimmern waren kaum zu überhören. Ihr Gesicht war in den Hals des Pferdes vergraben, als suchte sie Zuflucht. Arno drängte das Pferd langsam näher und leise hallten die schweren Bewegungen des Rappen in naher Umgebung. Der Blick senkte sich besorgt, musterte die junge Frau dessen Gesicht noch immer am Hals des Pferdes verborgen lag. Beruhigend legte er die Hand auf die Schulter des Pferdes, als wolle er mit seiner Berührung dem Pferd vermitteln, dass nun erstmals genug der Jagt war. Ragai hob ihren tränenverhangenen Blick zu Arno, als sie die sanfte Berührung seiner Hand auf dem Pferd bemerkte. Ihre Augen, rot und voller Schmerz, suchten seine, als ob sie der Situation auch gewahr werden musste. Er entging dem Blick nicht, blickte ihr offen entgegen, seine Miene durchzogen von einer tiefen Besorgnis. „Alles in Ordnung?“ fragte er, seine Stimme weich, aber auch gleichzeitig fest. Ragai rang nach Fassung, erhob sich ein wenig um sich in der gewohnten Zeichensprache mitzuteilen. Ihre Fingerbewegungen waren stürmisch, doch ihre Mimik spiegelte die Verzweiflung wider. „Es ist zu viel. Ich habe Angst. Andere Menschen machen mir auf einmal Angst. Ich habe das Gefühl...“ Für einen Moment brach Sie ab, ein weiterer Schluchzer durchbrach ihre Worte, als sie versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. „...verrückt zu werden. Die Träume sind so real... ach, wäre meine Familie nur nie hergekommen.“ Sie sprach weiter in Gebärdensprache und Arnos Blick hing an ihren Händen. „Vorher war alles gut.“ Die Verzweiflung sprach. Ein Moment verging – beide schauten sich in die Augen. Sprachen viel – sprachen still. Als würden sie abwarten, dass die Zeit die Situation löste verharrten sie. Mit einem leichten Nicken voller Mitgefühl und Zustimmung, sprach er ruhig: „Und dafür bin ich da. Wenn dich jemand angreift, verteidige ich dich. Wenn dich jemand verletzt, behandel ich dich. Und wenn du deinen Umhang verlierst, dann bringe ich ihn dir.“ Mit einem Blick detete er auf den Umhang, welcher lose über den Schultern des jungen Pferdes lag. Mit einem leisen Seufzen versuchte sie ihre Tränen mit den Ärmeln wegzuwischen doch ihre momentane Schwäche war offensichtlich. Ihre Hände formten weitere, ruhige Worte: „Du bist so stark... Wenn ich doch nur etwas mehr wie du wäre...“. Arno spürte eine Schwere im Hals als er sah wie sie kämpfte um sich zusammenzunehmen. Aber er wusste, dass es nicht darum ging, stark zu sein – es ging darum, einander zu stützen, wenn die Welt zu erdrückend wurde. Jedoch führte Ragai weiter mit den Händen aus: „Ich habe das Gefühl, nur schwach zu sein. Egal was ich mache.“ öffnete Sie sich ihm. Arno jedoch schüttelte lediglich mit dem Kopf, musste dieses Mal ihre Worte verneinen: „Dann liegst du mit deinem Gefühl dieses mal leider falsch. Du merkst oft nicht wie stark du bist – wie viel du mit deinem Tun bewirkst.“ die Worte leise, als wäre dies dennoch ein Geheimnis. Langsam hörte das schluchzen auf und die Tränken versiegten während die Hände beschäftigt waren. Denn als wenn nun alle Dämme gebrochen hörte die Frau nicht mehr auf zu gestikulieren. „Mein Herz, es ist so oft zerborsten und in Trümmer gelegt worden, du bist der Grund, warum es überhaupt noch schlägt und so langsam wieder ganz wird. Ist dir das eigentlich klar?“ Arno konnte dies nur verneinen, denn dies wusste er wahrlich nicht. Er sackte etwas im Sattel zusammen, las in Ihren bernsteinfarbenen, für ihn wunderschönen Augen. Die einzige Antwort darauf schien die Hand zu sein, welche Liebevoll über ihre Wange streichelte. Er war kein Mann vieler Worte, es sei denn es war erforderlich. Sie schien seine Sprache zu verstehen, schmiegte sich in die Hand, genoss und fühlte wieder die Nähe des Mannes. „Ich vertraue dir wie keinem anderen“, sagte sie schließlich, ihre Stimme warm und ruhig. „Nicht einmal Schanna vertraue ich so wie dir! Ich weiß nicht, warum das so ist, und vielleicht sollte ich es nicht hinterfragen, aber ich tue es trotzdem.“ ihre Worte fühlten sich warm an. Als würde sein Herz die Wörter im Körper verteilen breitete sich die Wärme in diesem aus, erfasste jede Faser seines Körpers. „Du weißt, ich würde für dich – wie der Thyre vorhin sagte, durch Helheim gehen.“ flüsterte er schließlich, seine Stimme leise und rau, fast wie ein vertrautes Raunen. Der Blick, den er ihr schenkte, war voller Liebe, Wärme und Zuneigung, als könnte er alles, was er für sie empfand, in diesem einzigen Augenblick ausdrücken. Ragai sprach wieder mit ihren Händen, die Bewegungen ernst und traurig zugleich. Ihre Mimik spiegelte das, was ihre Worte nicht ganz ausdrücken konnten. Sie sah ihm in die Augen, als sie mit ruhigen, aber deutlichen Bewegungen antwortete. „Das bin ich nicht wert, Liebster. Außerdem würde es mich zerreißen.“ - „Für mich bist du es wert.“ Seine Stimme klang ruhig, dennoch bestimmt. Für ihn gab es dort nichts zu diskutieren. Dann atmete er einmal tief durch, als wolle er die Schwere des Moments in sich aufnehmen. Behutsam zog er sie etwas an sich heran. „Und diesmal bestimme ich den Wert“, flüsterte er. Wortlos formten ihre Lippen eine Antwort – welche Arno erahnen konnte. Ein kurzer Moment der Stille. Der Ruhe. Dann trafen sich die Lippen voller Leidenschaft.
Verfasst: Sonntag 6. April 2025, 16:42
von Ragai Mirkow
Gestern war ein Tag, den ich nicht so bald vergessen werde.
Einer dieser Tage, an denen das Herz bebt, der Verstand zu ringen beginnt –
und man sich fragt, wie viele Kämpfe man noch führen muss, nur um einfach sein zu dürfen.
Wir kehrten zurück nach Adoran, Arno und ich –
ein Ort, von dem man sagt, er sei voller Wissen.
Ein Ort des Lernens.
Und doch wirkte er heute auf mich wie eine kalte Mauer.
Nicht aus Stein errichtet, sondern aus Blicken, aus Worten –
und aus all dem Ungesagten, das man spürt wie einen frostigen Hauch auf der Haut.
Ich erinnere mich an die Hoffnung, die in mir aufstieg, als wir das Hospital erreichten.
Ich hatte Unterricht erwartet. Lernen.
Wissen aufsaugen wie Pergament die Tinte.
Doch was wir fanden, war Ablehnung.
Kühle.
Ich weiß nicht, woran es lag. An mir? An Arno? An etwas in uns, das nicht ins Bild passte?
Man warf uns nicht hinaus mit Händen, aber mit Worten –
so scharf wie ein Nordwind im Spätwinter.
Und Arno…
Arno blieb aufrecht.
So wie ich ihn kenne.
So wie ich ihn liebe.
Mitten im Groll aber auch: Wärme.
Arnos Hand. Seine Stimme. Seine stille Art, sanft zu bleiben, selbst wenn er stolz ist.
Seine Geduld, als ich innerlich verkrampfte, meine Finger zu Fäusten ballte.
Und dann war da Mark.
Ein stiller Mann, schlafend am Wegesrand, unter dem offenen Himmel.
Mein Herz stolperte, als ich ihn dort sah – so regungslos.
Ich versuchte, ihn zu wecken. Nichts geschah.
Erst Arno schaffte es.
Mark öffnete die Augen. Nicht freundlich – aber wach. Und das reichte.
Ich wollte nur sicher sein, dass er lebt.
Dass nicht noch jemand geht, ohne dass ich helfen konnte.
Zurück in Bajard fanden wir Ruhe.
Und später – am Feuer – war da wieder diese vertraute Stille zwischen uns.
Arnos Hand auf meinem Bein.
Die Wärme seiner Stimme, als er sich erinnerte –
an meinen Duft, an den Schwefel, an uns.
Dann rückte er ein Stück näher.
Ich sah ihn fragend an, als er leise sagte:
„Ich habe da etwas für uns beide gekauft… mhh…“
Zögernd versuchte er, seine Hand zu lösen. Ich ließ sie los.
Sein Blick wanderte in die Flammen.
„Ich hab mir gedacht… wir brauchen etwas. Für die Zeiten, in denen wir uns allein fühlen. Oder wenn es schwer ist.“
Er kramte in seiner Tasche, suchend, fast schüchtern.
„Und vielleicht… auch, um dir zu zeigen, dass du nicht allein bist. Selbst dann nicht, wenn du dich… anders fühlst.“
Dann zog er es hervor – zögerlich, als seien seine Worte noch darin gefangen –
und legte es in meine Hand: ein schlichter Fingerring.
Klein. Und doch voller Bedeutung.
Mein Herz klopfte laut. Ich wollte ihn mir überstreifen –
doch er war zu groß.
Keine Sekunde zögerte ich.
Ich zog mir mit der freien Hand einige Haare aus, verkniff mir den Schmerz, flocht sie zu einer feinen Kordel, fädelte den Ring hindurch –
und hing ihn mir um den Hals.
Meine Finger hielten ihn fest.
Er fühlte sich warm an.
Wie sein Blick, der mich sanft traf.
Arno lächelte. Nickte kaum merklich.
Und für einen Moment –
war alles still in mir.

Verfasst: Samstag 12. April 2025, 13:30
von Ragai Mirkow
Arno hatte ein Haus gefunden, ein unscheinbares, aber solides Gebäude in Bajard.
Sie hatten es geschafft, es zu mieten. Schanna bezog das Dachgeschoss, das mit seinen großen Dachfenstern erstaunlich viel Licht hereinließ. Direkt darunter lag das erste Obergeschoss – ihr privater Rückzugsort, den sie nach und nach mit Pflanzen, Farben und ihren eigenwilligen Ideen füllte.
Das Erdgeschoss war offen, leer, noch ein bisschen karg. Es sollte der Laden werden. Die Fensterfront zur Straße hin war ideal – viel Platz für eine kleine Ausstellung, vielleicht auch einen Treffpunkt. Noch standen dort nur Kartons und Schränke, aber man konnte sich vorstellen, was daraus werden würde. Der Eingang, schlicht, zweckmäßig, führte vom Garten an der Straße direkt hinein.
Arno und Ragai bezogen den Keller. Was kühl, grau und eher abweisend gewesen war, hatte Arno mit viel Geduld und einem Auge fürs Detail in ein wohnliches Untergeschoss verwandelt. Keine kitschige Gemütlichkeit – eher etwas Reduziertes, Kluges. Wände in warmem Grau, punktuelle Beleuchtung, ein Tisch aus Stein und Steinbänke rundeten das ganze ab.
Hier unten war ihre Welt. Abgeschirmt, funktional und irgendwie genau richtig.
Und während draußen die Regentropfen auf die Erde fielen und der Wind durch die Gräser streifte, wurde aus dem Haus in Bajard langsam ein Zuhause.
Verfasst: Sonntag 13. April 2025, 13:40
von Arno Hohenstein
Er war voller Sand. Überall. Wirklich überall. Er schüttelte sich aus und begutachtete den Boden, als hätte er etwas erbeutet. Dann folgten die Schuhe. Sie bargen den meisten Ertrag. Galt das nun als Diebstahl an Menekur? Was soll's. Sie hatten genug davon – war ja kein Salz – nur Sand. Mit dem nackten Fuß verwischte er das Zeugnis des Missetat im Gras, versteckte die Beweise. Es kitzelte.
Sie hatten eine Meinungsverschiedenheit gehabt. Ragai und Er. Doch genauso schnell der Sturm auch aufgezogen war, genauso schnell verzog er sich auch wieder. Aber warum unbedingt in der Wüste? Ändern konnte er es eh nicht.
Ragai und Arno schlenderten durch die Gassen Bajards, der Wind trug den Geruch von Regen und Rauch, aber auch von altem Fisch durch die Straßen. Daran hatten sich beide jedoch schon längst gewöhnt. Ein Ziel hatten sie nicht, wenn auch das Ziel sie zu suchen schien. Johannes. Der sehr von sich überzeugte Barde hob die Hand zum Gruß – beide drehten den Blick. Arno erwiderte den Gruß mit einem leichten Nicken und einem erhobenen Arm. „So allein dort?“, fragte er mit einem Schmunzeln, war es doch für ihn unüblich dass so gesprächige Männer alleine in einer Taverne saßen.„Aber ja. Die Zeiten sind hart“, meinte er, während sein Blick auf die Holzbank neben ihm fiel. „Die Bank aber auch. Vielleicht gibt’s da einen Zusammenhang.“ Ragai blickte sich um, besah sich der Sitzgelegenheiten im Schankgarten während Johannes erneut einladend winkte. „Ich hab den Oger eigentlich nur, um nicht allein trinken zu müssen. Ein Glück, dass ihr nun hier seid!“ Die Art des Barden schien Arno zu animieren. Eigentlich ungewollt traten beide näher, doch irgendwie schien ihm der Kerl sympathisch. Wäre es nicht so, hätte der wohl die Berufung als Spielmann verfehlt. Und als würde er beide mit offenen Armen empfangen wollen, breitete er die Arme aus: „Bier, Wein, Schnaps?“ - geübt, als hätte er die Frage schon 100erte Male gestellt, dennoch klang es ernst. „Wein wäre angenehm“, erwiderte Arno und lächelte dabei leicht während er für beide sprach. Ragai schien noch etwas in Gedanken zu sein, kuschelte sich jedoch warm an ihn. Johannes nickte währenddessen. „Wir können auch in den Schankkeller gehen“, schlug er vor und deutete auf eine hölzerne Falltür am hinteren Ende der Schankstube. „Da ist’s wärmer – aber man sieht auch weniger von dem, was im Hafen passiert.“ Arno griff Ragai bei der Hand und beide folgten dem Mann in den Keller. Es sah geräumig aus, warm und einladend. Ein guter Ort wo man den ein oder anderen Wein trinken konnte. Beide nahmen an der Theke Platz. Der Blick des Wirtes wanderte zu Ragai, er musterte Sie ehe er auch sie fragte: „Und dich, Ragai – wie kann ich dich beglücken?“
Doch statt einer direkten Antwort deutete sie wortlos auf Arno. Johannes verzog amüsiert das Gesicht und nickte verstehend. Arno warf ihr einen amüsierten Blick zu, das Lächeln spielte noch immer auf seinen Lippen. Wusste sie was sie dort deutete? Johannes hob fragend eine Augenbraue und griff diese Vorlage nahezu brillant auf. „Aber vielleicht möchtest du ja vorher noch etwas trinken?“. Als hätte er die Gedanken des jungen Heilers gelesen und ausgesprochen musste er lachen.
Die Hand Ragais suchte die von Arno, legte sich gewohnt auf seinen Oberschenkel. Ein Anzeichen von Besitzansprüchen? Egal. Jene kann sie ruhig gelten machen. Er tat es ihr gleich. Er genoss ihre Wärme ehe der Vordermann wieder die Aufmerksamkeit erhielt.
Johannes, welcher mit halbem Körper in einem Regal verschwunden, rief rüber: „Ich habe noch eine Lieferung frischen Weines oben in der Kiste – aber sonst gäbe es auch den fabelhaften Wein vom Fass hier.“ Ein Scheppern ertönte und einige der Flaschen klapperten. „Ich glaube, es ist Weißwein… oder eher ein Braun. Schwer zu sagen.“ Arno hob die Brauen. Ihm war es egal was der Wirt zu bieten hatte. Das was er wollte saß neben ihm. „Mhh, überrascht mich. Ich bin da leidenschaftslos“, sagte Arno mit einem leichten Achselzucken ohne den Blick von Ihr abzuwenden. Und als wäre es ein Auftritt drehte sich der lange Johannes um und blickte ihnen strahlend entgegen: „Ich bin da genauso – ein Wirkungstrinker.“, schenkte beiden ein Glas ein und stellte die Flasche daneben auf den Tisch. „Auch etwas zu Essen dazu?“ fragte er ohne eine Antwort abzuwarten. Er kramte bereits in einer Holzkiste. „Ich habe... auch irgendwo noch seeehr frische Dinge.“ Ragai schüttelte den Kopf, genauso wie er wollte sie ebenfalls nichts zu essen. „Ich grad nicht, Dankeschön.“ Johannes zuckte die Schultern, griff sich eine kleine Schale und schüttete einige Salzstangen auf die schlecht gewischte Theke „Für den kleinen Hunger“. Arno blickte für einen Moment Gedankenverloren in sein Glas während Ragai, wie sie halt so war, gleich den ersten Schluck nahm. Sie war überrascht, wie rund und angenehm der Geschmack war. Ihre Augen weiteten sich leicht, und sie nickte anerkennend. „Das ist einer von den ordentlichen,“, meinte der junge Wirt mit etwas Stolz; „jedoch achte ich sehr darauf, nicht zu leckere Dinge auszuschenken. Ich will weder Nika noch dem Kraken Konkurrenz machen.“.
So nahm der Abend seinen Lauf. Gespräche wurden geführt und über ein, zwei Dinge sinniert und ab und zu am Wein genippt. Arno tat sein Bestes daran für die junge Frau zu übersetzen, auch wenn er mal mehr, mal weniger Schwierigkeiten damit hatte. Ab einem bestimmten Punkt des Abends zog Ragai dann aber auch das Pergament hervor. Mit geübter Schrift zog sie feine Linien aufs Papier – ihre Art zu kommunizieren. „Komm uns gerne einmal Besuchen. Aber eine andere Frage. Darf man die Plattform nutzen?“ Dabei deutete sie über ihre Schulter auf das kleine Podest in der Ecke des Raumes. Johannes blickte flüchtig zum angesprochenen Podest. „Dafür ist sie da“, sagte er aber. „Ich gehe allerdings davon aus, dass du nicht singen wolltest?“ Von der Aussage konnte man halten was man wollte, doch mit Sicherheit war es nicht böse gemeint. Ein stilles Lächeln zuckte um Ragai's Lippen, doch ihre Aufmerksamkeit wanderte nun zu Arno. Sie beugte sich über das Pergament und begann wieder zu schreiben: „Ich bin sofort wieder da. Hast du kurz – und passt auf meinen Liebsten auf?“ Der Wirt nahm den Zettel und begann zu lesen: „Ja natürlich,“ antworte er sofort ehe er hinzufügte: „Läuft er denn manchmal weg?“ Ragai hob und senkte leicht den Kopf – ein kleines, neckisches Geste. In diesem Moment zuckte Arno leicht zusammen, als wäre der Schatten der Gedanken just in dem Moment von ihm gefallen. „Ich verlaufe mich nur… ich lauf nicht weg“, meinte er dann schmunzelnd, sein Ton leicht selbstironisch. Und sofort suchte Ragai den Weg aus dem Keller. „Das ist natürlich etwas anderes“, führte Johannes das Gespräch fort. „Und… du darfst bei den Damen wohnen? Oder zumindest über Nacht bleiben?“ Seine Stimme klang verschmitzt was es nicht minder interessiert klingen lies. Arno, dessen Blick leicht amüsiert gesenkt war antwortete ruhig: : „Ja. Eigentlich habe ich ein Haus im Hafen von Adorans... aber wohl nun mehr hier.“ Er lachte leise und schob hinterher: „Eigentlich hat mich Ragai dort eingerichtet.“ Johannes nickte wissend. „Das können die auch oft besser“, murmelte er ehe er fortsetze: „Ich würde immer noch auf einem Eisbärenfell schlafen, hätte mir ein Fräulein nicht ein Bett besorgt.“ In diesem Moment kam Ragai zurück. Hatte zwei kleine Beutel in den Händen. Sie legte sie behutsam ab, ihre Finger begannen gleich darauf, in gewohnter Gestik sich auszudrücken.
Johannes beobachtete das mit gewohnter Aufmerksamkeit. „Ich habe ihn keinen Augenblick aus den Augen gelassen“, versicherte er treulich. Arno begann sofort mit der Übersetzung: „Ragai fragt, wo man sich umziehen könnte.“ Johannes deutete mit der Hand zur linken Seite des Raumes. „Dort. Ich schaue auch keusch weg. Der Vorhang ist etwas durchsichtig“, ergänzte er und drehte sich, als würde es demonstrieren wollen, zur Seite. Ragai warf einen abwägenden Blick zu Arno, der unsicher fragte: „Ich... auch?“ Das schütteln des Kopfes nahm eine Last von ihm, erleichtert schnaufte er aus. Aufmerksamkeit war gar nichts für. Die Augenpaare Fremder konnten sich gern um ihre eigenen Sachen kümmern. „Hatten wir uns eigentlich vorgestellt, als du die Schuhe gesucht hattest?“, fragte Johannes schließlich und unterbrach die kurze Stille. „Ich glaube nicht“, reagierte Arno nach kurzem Überlegen. „Das hatten wir ob der guten Verhandlung wohl vergessen.“
Johannes runzelte die Stirn. „Du musst mich verwechseln. Wir hatten keine gute Verhandlung.“ Wieder ein kurzer Moment der Stille, dann lachte Arno. „Ich bin Johannes der Lange - aber ich bin sicher, du hast schon von mir gehört“, meinte Johannes mit einem selbstbewussten Schmunzeln und richtete sich etwas auf. Es war dieser besondere Tonfall, bei dem man nie ganz wusste, ob er scherzte oder sich tatsächlich für eine Berühmtheit hielt – oder beides. Es machte ihn irgendwie sympathisch.
Ragai, nun in anderer Kleidung, trat barfuß wieder in den Raum. Ihre alten Sachen lagen achtlos dort wo sie sich umgezogen hatte. Ihre Bewegungen zogen nicht nur die Blicke aus dem Raum, sondern auch die Gespräche. Die Männer schwiegen während Ragai ihren Weg zu den beiden Männern fand. Sie legte Ihre Hand kraulend in den Nacken Arnos, welcher sich sofort lang machte und die Berührung genoss. So schnell es auch begann, so schnell endete es mal wieder. Ragai machte sich auch sogleich schon auf dem Weg zum Podest. Der Blick Arnos fixiert Ragai, die sich nun langsam, fast bedächtig, in eine schummrige Ecke des Raumes begab. Der Lange Johannes, den Krug noch immer in der Hand, lehnte sich nun gegen den Tresen, das Schauspiel mit einer gewissen Neugier beobachtend. Ragai, nun in dem Halbdunkel stehend, begann sich langsam zu bewegen. Die Bewegungen flüssig, mehr angedeutet als offenbart, fast so, als tanze der Schatten selbst. Arno, vom Moment überrumpelt, nahm schließlich einen tiefen, fast übergroßen Schluck aus seinem Krug – nicht, weil der Durst ihn drängte, eher weil es nichts im Raum gab, was diese plötzliche Hitze linderte. Als hätte Johannes nur auf einen solchen Moment gewartet zog er eine Laute unter dem Tresen vor – dort, wo andere sonst nur die schweren Handarmbrüste hatten. Sanfte Klänge zupfte er aus den Saiten in einer exotische Weise, die selbst der Dunkelheit die wärme Menekurs nahe brachte. Als wäre die Melodie eigens für Ragai gemacht begann sie zu tanzen. Ihre Bewegungen waren Pinselstriche auf dem Parkett, fließend, anmutig. Arno wandte sich ganz ihr zu, den Rücken nun leicht an den Tresen gelehnt – die Armekrsamkeit lag ganz bei seiner Begleiterin. Johannes raunte leise: „Hast du sie schon einmal tanzen sehen?“ Arnos Antwort kam ebenso leise, fast in sein Glas gesprochen: „Nein. Kein einziges Mal.“ Sein Atem beschlug das kühle Glas. Ragai drehte sich – eine fließende Bewegung, ihre blauen Haare verschmolzen mit dem Stoff, der um sie wehte wie Nebel. Der Schleier passte sich der Körperform der jungen Frau perfekt an, untermalte ihren Körper und verschmolz zeitgleich mit den Schatten. „Dann freut es mich umso mehr, dass du mit ihr offensichtlich die richtige Wahl getroffen hast.“ raunte der Wirt wieder, welches Arno mit einem murmeln beantwortete: „Allerdings. Merke ich von Tag zu Tag mehr.“ Ja – sie war die richtige Wahl, doch nicht, weil sie schön war, oder anmutig, oder faszinierend. Nein – sondern weil sie ihm mit den Bewegungen zeigte, welch Tiefe in einem Menschen lag wenn man nur genau hinsah. Ragai bewegte sich – fließend und ungehalten. Der Tanz war keine Darbietung, vielmehr war es eine Geschichte welche durch Körpersprache erzählt wurde. Eine Geschichte voller Liebe, Geheimnissen und Träume – wie Gebete – still und geheim und für niemanden bestimmt. Arno hatte Ragai noch nie so befreit gesehen. Ihre Bewegungen wirkten auf ihn nicht wie ein Tanz, sondern wie ein Blick in eine andere Welt. Wünsche, welche noch nie ausgesprochen waren offenbarten sich. Arno ffnete den Mund, wollte sprechen, doch konnte es nicht , als wäre jedes Wort, jede Bewegung zu Laut für diesen Moment. Ragai verstand es nicht nur mit den Händen zu sprechen, nein, auch ihr Körper erzählte mehr, als viele es mit Worten konnten. Selbst Johannes vergaß seine angefangene Salzstange weiter zu essen, hing sie halb aus dem Mund. Dann klang der Tanz aus - der Schleier glitt zu Boden und Ragai verbeugte sich. „Fabelhaft!“ applaudierte Johannes wohlwollend, sichtlich überzeugt von der Darbietung. Arno währenddessen versuchte den Moment noch zu verstehen, nippte ein weiteres Mal am Getränk – der Blick noch immer auf Ihr, seiner Ragai. „Emilia sucht übrigens eine Tänzerin für die Kneipe bei Varuna. Wäre das nicht etwas für dich? Wo hast du so tanzend gelernt?“ fragen über Fragen des jungen Wirtes. Ragai antwortete nicht sofort. Stattdessen machte sie eine kleine Geste zu Arno. Zuhause, hieß es. Und als sie kurz über seine Hand strich, schien sich für einen Herzschlag lang alles zu verlangsamen. Schnell griff sie nach ihrem Krug, leerte ihn und verschaffte sich Abkühlung nach diesen warmen Momenten. Sie war kaum vom Hocker gehüpft, verschwand sie auch schon wieder in der Umkleide. Beide Männer waren gespannt was nun passieren, was sie jetzt vor hatte. Schließlich hatte sie zwei Beutel in der Hand gehabt.
Was sie dieses Mal präsentierte war weniger dem Tanze dienlich – eher einer Demonstration. Sie trat ins Licht – nicht unweit des jungen Mannes entfernt. Ihre Bewegungen waren klar, kontrolliert – wie Wasser, das seinen Weg kennt. Ihr Blick traf Arno, prüfend, einladend… verlockend. Leise raunte er, die Welt um sich schien er augenblicklich zu vergessen. Johannes? War zweitrangig. In der Luft hing ein Schweigen, das vibrierte wie gespannte Saiten der Laute, welche Johannes eben noch spielte. Ihr Lächeln war kein Geschenk. Es war ein Spiel. Eine Frage. Eine Herausforderung. Und Arno? Mittendrin. Er öffnete den Mund, vielleicht um zu sprechen, vielleicht nur, um zu atmen – aber kein Laut kam. Der Moment ließ keinen zu. Da war keine Bühne mehr. Keine Musik. Nur sie. Und er. Sie bewegte sich, beinahe Raubkatzenhaft – elegant und zugleich warnend. Doch was sollte er tun? Er war gefangen. Nein, nicht in einem Käfig, vielmehr in einer Strömung der man nicht entkommen kann. Nicht, weil man es nicht kann – vielmehr weil man es nicht will. Als sie sich vorbeugte, spürte er die Hitze ihrer Nähe. Sie stieg in ihm auf. „Soll ich lieber gehen?“ fragte Johannes leise, fügte aber an: „Ich bin aber nicht sicher, ob sie dich dann vielleicht auffrisst.“ Ob Arno ihn nicht hörte, es nicht konnte oder wollte blieb im Raum stehen. Arno blickte auf Auf Ragai, welche nun genau vor ihm stand. Die blicke trafen sich. Er hob das Glas reflexhaft – wie ein Ritter ein Schild, wenn das Schwert schon längst auf seine Brust gerichtet ist. Sie hatte ihn. Kein Tuch, kein Schleier, kein Tanz. Nur dieses eine Lächeln. Nicht das einer Darstellerin – das einer Frau, die sich gezeigt hatte. Und die wusste, dass er es gesehen hatte. Und als würde sie ihn für seine Untat bestrafen wollen zog sie sich zurück. Zu schnell. Zu plötzlich. Der Moment selbst schnitt sich an der schärfte ihrer Bewegung. Und zurück blieb Arno – atemlos, mit pochendem Herz und einem Ausdruck, der nicht ganz wusste, was das gerade war..
Verfasst: Montag 14. April 2025, 17:03
von Ragai Mirkow
Ich sitze auf dem harten Granitblock in unserer neuen Küche, die Hände noch rußig von der Kohle, die ich mitten in der Nacht unter den Mischkesseln verteilt haben. Die Wärme der Feuerstellen ist längst verflogen, aber der Duft nach frischem Pfefferminztee und Arnos Fischsud hängt noch in der Luft. Der Tisch aus schwarzem Basalt ist endlich an seinem Platz, mit dieser weißen Maserung in der Mitte, die wie ein stiller Fluss durch dunkles Gestein zieht. Sechs Steinbänke drumherum. Massiv, schwer, ehrlich. Wie unsere Tage.
Ich erinnere mich an den Anfang heute, an das Klopfen mit den Fingerknöcheln auf der Werkbank. An Mychaels Blick, der durch die Lupe gebrochen auf mir lag, ehe er sie zur Seite legte. Der Moment, in dem ich das erste Pergament zückte und zu schreiben begann: Ich bräuchte Steinmöbel. So viele Dinge, die ich nicht aussprechen kann, aber aufschreibe, wie andere atmen.
Wir haben gezeichnet, diskutiert, geschmunzelt. Ich habe gefragt, ob er mitkommen würde, um sich die Begebenheiten vor Ort anzusehen. Und er hat genickt. Ohne Zögern. Ich glaube, er versteht mehr, als er sagt. Dann die Kessel, ich wollte drei, bis ich erfuhr, was einer kostet. Zwei nur. Sie sind schön. Robust. Gesiegelt mit seinem Namen. Und sie gehören jetzt zu diesem Zuhause. Unserem Zuhause.
Aber der Tag ist nicht bei Steinen geblieben.
Der Pfeil kam am Waldrand, als ich Rinde von einem Baum kratzte. Ich hörte nur seine Stimme, hart, gepresst. Er wollte mein Gold. Ich tat, was ich tun konnte: ich blieb ruhig, schrieb ihm eine Botschaft aufs Pergament. „Ihr seid ein Narr, es so nah an Bajard zu machen.“ Ich wollte ihm zeigen, dass ich keine Angst habe, oder zumindest, dass ich sie verbergen kann.
Arno war später erschrocken. Aber auch stolz. Er sagte nichts, was mich festhielt. Und doch… war alles, was er sagte, genau das. Seine Finger an meiner Wange.
Dann Mark. Und seine Worte, seine Verwirrung. Er sagte, er hätte mich lange nicht gesehen. Dabei hatten wir uns doch erst unlängst getroffen. Zweimal. Ich war mir sicher. Doch seine Augen waren klar. Er hat sich selbst nicht erkannt in den Erinnerungen, die ich für ihn trug. War es ein Dämon? Ein Zauber? Oder einfach das Gewicht der Welt, das seinen Verstand zu oft auf Reisen schickte? Ich weiß es nicht. Aber ich habe ihm meine Freundschaft hingehalten, und er hat es mit einem „Dieser Ast ist gebrochen, Ragai“ abgelehnt. Es war, als hätte mir jemand leise ein Kapitel geschlossen, das ich nie ganz zu Ende gelesen hatte.
Dann war da Linus. Ich bin fast gestolpert, als ich bei ihm ankam. Blass, fahrig, voller Unruhe. Aber er war da. Hat mich mit seinem Blick festgehalten, während ich mich aus der Enge des Erlebten zu befreien versuchte.
Er hat gefragt, ob mit Arno alles in Ordnung sei. Ob ich selbst in Ordnung sei.
Er hat meinen Tanz angesprochen und mit wenigen Worten so viel zwischen die Zeilen gelegt. Ich glaube, Linus sieht Dinge, die andere nicht bemerken. Vielleicht liegt es daran, dass er auch selbst durch viele Orte gegangen ist. Er kennt Menschen. Und Wege. Und Entscheidungen.
Ich habe ihm erzählt, dass ich überfallen wurde, direkt vor Bajard. Linus hat geschwiegen, aber seine Augen haben gesprochen. Er hat mir nicht mit Ratschlägen geantwortet, sondern mit Verständnis. Und das war genau das, was ich gebraucht habe. Kein Urteil. Nur zuhören.
Und doch hat er einen Vorschlag gemacht. Ob ich nicht auch einen Bürgerbrief anstreben möchte. Ich musste lächeln, schwach. Ich habe ihm von den Schubladen erzählt. Denen in der Küche. Den rechten, den linken. Lichter Orden. Westen.
Ich will nicht in eine passen. Ich habe Freunde auf beiden Seiten, bei den Lichtgeweihten und den Gehörnten. Ich passe nicht in eine Schublade.
Zuhause bei Arno
Ich zog ihn zu mir, langsam, fordernd, und schlang meine Beine um ihn, wie ein Anker.
Er ließ sich ziehen. Natürlich ließ er sich ziehen. Seine Stirn berührte meine, und ich sah mich selbst in seinen Augen, atemlos, aber sicher.
Ich fragte ihn, ob er ein Problem damit habe, dass ich tanze, vor anderen, nicht nur für ihn. Nicht mit Worten, sondern mit den Händen. Und mein Herz klopfte dabei so laut, dass ich fürchtete, es würde uns unterbrechen.
Er schwieg. Zu lange. Aber nicht kalt. Er dachte nach. Wie immer, wenn es ihm wirklich wichtig war.
Und dann sagte er:
Du kannst tanzen für wen, vor wem, wann du willst. Das liegt bei dir.
Und dann:
Aber bei den Blicken der Männer… da würde ich ihnen am liebsten die Augen ausstechen.
Ich lachte. Leise. Denn ich wusste: Es war Liebe, die da sprach. Und Eifersucht. Und Angst.
Und ich sagte, mit den Händen:
Ich liebe dich. Und ich will dich nicht in einer Zelle besuchen müssen.
Er lächelte. Dieses schiefe, schützende Lächeln, das ich so sehr liebe.
Ich glaube, in dem Moment hatte er vergessen, wie sehr ich ihn brauche. Aber ich zeigte es ihm. Mit der Hand an seinem Nacken. Mit meinen Augen. Mit meiner Nähe.
Dann kam dieses Klingeln.
Die Realität, wie ein kalter Windstoß.
Arno zog sich zurück, fluchte leise, murmelte etwas über „ich gehe schon…“.
Ich nickte. Und wünschte mir, nur für einen Moment, dass wir allein geblieben wären.
Aber so ist es mit Momenten. Man erkennt sie erst, wenn sie schon vergangen sind.
Schanna war mutig heute. Hat von Nikolej erzählt, von dem Dolchstoß in seine Brust. Von Panik. Und Rechtfertigung. Ich habe ihr zugehört. Ich liebe sie. Aber es tut weh, zu sehen, wie sie das, was sie tat, immer noch durchkaut, als könne sie es mit genug Wiederholung ungeschehen machen. Vielleicht kann Karva ihr helfen. Ich hoffe es.
Jetzt schläft Arno nebenan. Ich habe mich noch nicht wieder zu ihm gelegt. Ich brauche diesen Moment, zwischen Feuer und Stein, Pergament und Flamme. Ich höre noch seine Worte: „Du kannst tanzen, wann du willst.“ Und ich werde es. Für ihn. Vielleicht auch wieder für mich.
Aber nicht heute.
Heute war ein Tag aus Stein.
Und auch wenn ich müde bin, ich stehe noch.
Und ich tanze noch.
Nur eben… im Kopf.
Zwischen den Zeilen
Verfasst: Montag 14. April 2025, 17:44
von Linus van Sturmfang
Heute war einer dieser Tage, an dem die Worte schwerer wogen als sonst. Vielleicht, weil sie nicht gesprochen, sondern nur gespürt wurden.
Ragai kam in die Villa Sturmfang, fast gestolpert — und doch trug sie sich aufrecht, würdig, als wolle sie der Welt nicht zeigen, wie schwer ihre Schritte wirklich waren. Ich sah es sofort. Nicht an ihrem Gang, sondern an dem, was unausgesprochen in der Luft lag.
Mein erster Gedanke war Arno. Ich fragte, ob mit ihm alles in Ordnung sei. Doch später zog sie ihr Pergament hervor und schrieb mir, dass sie überfallen worden war. Kurz vor Bajard. Ich habe geschwiegen. Nicht aus Verlegenheit. Sondern aus Respekt. Manche Wunden brauchen kein Salz in alten Rissen, sondern nur den stillen Schatten eines anderen, der die Einsamkeit vertreibt.
Und doch, irgendwo zwischen dem, was gesagt wurde und dem, was nicht, kam mir die Idee, ob sie nicht über einen Bürgerbrief nachdenken wolle. Ihre Reaktion überraschte mich nicht — nicht mit ihrer Geschichte. Ich kenne die Schubladen, von denen sie schrieb. Sie engen ein. Und wer einmal versucht hat, durch die Welt zu reisen, während andere einen ständig einsortieren wollen, der weiß: Wahre Freiheit lebt zwischen den Etiketten.
Ich habe mich in letzter Zeit oft mit Gwenna wiedergefunden. Wir organisieren zum ersten Mal gemeinsam den Markt der kleinen Schätze. Ich freue mich darauf. Wirklich. Und ich werde alles versuchen, damit dieses Fest gelingt. Nicht nur als Spielmann. Nicht nur als Stimme, die durch die Stände tanzt — sondern als jemand, der Verantwortung trägt. Für das Fest. Für die Menschen. Für das, was bleibt, wenn die Lichter längst gelöscht sind.
Ich möchte, dass Gwenna sieht, dass ich mehr bin. Nicht, um Eindruck zu schinden. Sondern weil es mir etwas bedeutet. Weil ich will, dass sie erkennt, dass ich nicht nur singe, trinke und tanze — sondern bleibe. Und dass man sich auf mich verlassen kann.
Ach, und verdammt, ich muss Frau Mirkow noch sagen, dass sie einen Stand vorbereiten soll. Ich habe so viel Kram herumliegen, der bei mir nur Staub sammelt — aber vielleicht einem anderen ein Leuchten in die Augen zaubert. Altes Zeug vielleicht. Aber manchmal... sind es eben die Dinge, die man fast vergessen hat, die am Ende jemandem das Herz aufgehen lassen.
Verfasst: Dienstag 15. April 2025, 09:24
von Arno Hohenstein
Arno stand wie an den vergangenen Tagen wieder am Herd, legte ein Stück Fisch in die Pfanne und begann, es sorgfältig zu braten. Goldbraun auf der einen Seite, goldbraun auf der anderen. Dabei achtete er genau darauf, dass auch das Innere durch gegart war. Mit jedem Tag wurde er besser, sicherer, routinierter. Wie im Umgang mit Ragai. Konnte er Anfangs noch nicht zuordnen wie er reagieren sollte, zeigte sie ihm durch ihre geborgene Art, dass nicht alles sofort verstanden werden musste. Dass man sich Zeit lassen durfte. Ihre Gegenwart war still, aber nicht leer – sie füllte den Raum mit etwas, das Arno lange gefehlt hatte. Wärme. Geduld. Dieses leise Gefühl, angekommen zu sein, ohne es gleich begreifen zu müssen.
Die Ruhe wurde unterbrochen durch hektische Schritte. Hinter ihm. Bekannter Klang – unbekannte Gangart. Er blickte hinter sich, taxierte die Treppe von welcher die Geräusche kamen. Ragai – sie stolperte beinahe die Treppe hinab. Und schon stand sie vor ihm – begann hektisch mit wilden Gesten das eben erlebte zu schildern. „Ich wurde soeben überfallen! Vor Bajard.“ Arno konnte seinen Blick nicht von ihr lösen. Sie zittert, dachte er, ganz leicht, aber sie zittert. Sie hörte nicht auf zu erzählen. „Er hatte einen Bogen und drohte, mir einen Pfeil ins Auge zu schießen. Er nahm mir mein Gold.“ Für einen Moment schloss Arno die Augen. Zu lang? Nein. „Das ist ja nicht so wild“, begann er vorsichtig, bemüht um Ruhe in seiner Stimme. „Aber dir geht es soweit gut?“ Seine Augen huschten prüfend über sie – suchten nach Blut, nach Schrammen, nach irgendeinem Anzeichen von Verletzung. Doch sie schüttelte kaum merklich den Kopf, hob das Kinn und senkte es wieder. Keine sichtbaren Wunden. Keine blauen Flecken. Und doch war da etwas. Die Atmung ging zu schnell. Und ihr Herz – man konnte man fast sehen, wie es unter dem Stoff ihres schlichten Kleides hämmerte. Arno trat einen Schritt näher, hob vorsichtig die Hand und strich ihr sanft über die Wange, liebevoll - wie sonst. Eine beruhigende Geste, denn Worte fehlten ihm.
Es fiel ihm schwer sich zu beruhigen. Wieder war er nicht da gewesen. Die Wärme, die in ihm aufstieg, war keine tröstende. Es war Wut. Nicht auf sie – niemals auf sie. Auf sich. Auf den, der es gewagt hatte, sich ihr in den Weg zu stellen. Sie zu bedrohen. Seine Ragai. So ein Tor. Wieder schloss er die Augen. Drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf, als würde er die Wut in sich in diesem Moment zerstreuen können. Doch es half nicht. Es wurde nur schlimmer. Die Gedanken rasten wie ein wilder Sturm. Dann verabschiedete er sich. Er musste gehen bevor Sie etwas merkte..
Ein griff zu seinem Schwert - es fühlte sich vertraut an. Das Gewicht. Die Passform des Griffes und die Kälte. Das Gefühl als hätte er einen verlängerten Arm. Ein Schild? Brauchte er nicht. Sein Blick war nach gesenkt, als er die Tür hinter sich schloss. Nicht aus Scham. Aus Konzentration der Ruhe wegen. Aus einem inneren Drängen, das ihn vorwärtstrieb – weg von Ragai, weg von der Wärme ihrer Berührungen, weg von der Möglichkeit, dass sie ihn in diesem Zustand aufhalten könnte. Aber würde sie das? Er war sich unsicher. Sein Ziel war jedoch klar. Er wollte den Ort sehen, an dem es passiert war – vor Bajard. Der Überfall. Das Gesicht des Mannes, welcher es gewagt hatte sich Ragai in den Weg zu stellen. Er verließ die den Weg, ließ das Dorf hinter sich, als läge sie bereits in einer anderen Zeit. Der Weg war nicht lang, aber jeder Schritt dorthin ließ das Dröhnen in seiner Brust lauter werden. Er würde ihn finden. Doch vorerst würde er sich die Banditen vornehmen, vielleicht hatten die etwas gesehen. Befragen würde er sie – einen nach dem anderen.
Verfasst: Mittwoch 16. April 2025, 17:14
von Ragai Mirkow
Inmitten der weichen Kissen lag Arno, sein Atem gleichmäßig, sein Körper noch ganz dem Schlaf ergeben. Neben ihm saß Ragai Mirkow, ihren Ellenbogen aufgestützt, die Augen mit stiller Zärtlichkeit auf ihn gerichtet. Ihre Fingerspitzen zeichneten fast unsichtbare Kreise auf seiner Wange, als wolle sie sich vergewissern, dass er wirklich da war, ganz und gar.
Arnos Lider zuckten, ehe sie sich langsam hoben. Sein Blick glitt kurz zur Seite, fand Ragais Augen und ein Lächeln, weich wie Morgendunst, legte sich auf seine Züge
. "Aufzuwachen und dich zu sehen…" flüsterte er, das letzte Wort blieb in der Stille hängen, unausgesprochen, aber in seiner Bedeutung vollkommen.
Ragai beugte sich vor, ihre Lippen trafen die seinen in einem sanften Kuss. Liebevoll, vertraut, wie der Gruß eines alten Versprechens. Als sie sich löste, seufzte sie leise, fast traurig über das Ende dieses Moments.
Mit einem leichten Klopfen auf ihren Bauch, verspielt und neckisch, erwiderte Arno ihre Nähe, bevor er sich langsam aufrichtete und ihr den Rücken zukehrte. Ragai betrachtete ihn dabei eingehend, ihr Blick glitt über jede Linie seines Rückens, als wolle sie ihn auswendig lernen, noch ein Stück mehr als schon zuvor.
Ein süßer Apfelduft mischte sich in die Luft, Waldapfelhauch. Der Rauch kräuselte sich um die Holzbalken, zärtlich und unaufdringlich.
„Ich glaube, ich sag dir viel zu selten, wie sehr ich dich liebe“[/color], sagte Arno plötzlich, als würde er innerlich Bilanz ziehen. Ragai kroch auf Knien zu ihm, pustete spielerisch gegen seinen Rücken, was ihm ein leises Lachen entlockte. Als sie ihm einen Kuss auf die Brust drückte, legte er eine warme Hand auf ihre Wange.
„Ach Ragai…“ Seine Stimme war leise, voll spürbarer Wärme. Sie legte ihren Kopf an seine Brust, schloss kurz die Augen, Frieden in Reinform.
Doch der Tag rief. Mit einem Schmunzeln machte Ragai ein paar Zeichen mit den Händen. „Ich weiß… aufstehen“, las Arno von ihren Fingern ab. "Wer sagt das? Die Bettmiliz?" konterte er schelmisch. Es war dieses Spiel zwischen ihnen, Sprache, Zeichen, Blicke, ein Tanz, den nur sie kannten.
Nach einem kurzen Austausch über Pläne, oder deren Abwesenheit, stand der Entschluss fest: ein später Besuch im Kraken, einer Piratenkneipe. Während Ragai sich das Korsett enger zog und ihr Haar zu einem kunstvollen Flechtwerk verarbeitete, war Arno bereits beim Essen, gebratenes Fleisch, der Duft schwer und wohlig.
Der Tag nahm Fahrt auf, Begegnungen, Geschäfte, ein Wiedersehen mit den Gebrüdern Duran. Und plötzlich, wie ein Sturm, kam die Erinnerung über Ragai. Ihre Hände erzählten zitternd und fließend von jener dunklen Begegnung vor Bajard. Arno, mit angespannten Schultern und einem Blick wie Stahl, übersetzte jedes Wort für Armon Duran, als trüge er das Geschehene selbst in seinem Fleisch.
„Sie stand allein. Vor einem Baum. Die Rinde war morsch, von Insekten zerfressen. Dann... eine Stimme, rau wie zerbrochenes Glas. ‚Kein Murks oder ein Pfeil durch dein Auge.‘“
Arno stockte, seine Stimme war nun mehr als ein Echo, sie war Anklage, Schutz und Schwur zugleich.
„Er forderte ihr Gold. Sie gab es ihm. Mit ruhiger Hand, doch voller Angst, dass ein nervöses Zittern ihn die Sehne lösen ließ.“
Die Farben der Welt um sie herum schienen zu verblassen. Ragai sprach weiter mit den Händen, jedes Zeichen ein Splitter Erinnerung, den Arno in Worte goss. "Orangebraune Kleidung, ein grüner Umhang... Vielleicht 1,85 groß. Und... zitternd. Vielleicht zitterte er mehr als sie."
Armon schwieg. Dann sprach er von Rache, von Pflicht, vom Versprechen. Und Arno? Arno legte Ragai den Arm um die Schulter, seine Stimme nun wieder weich.
„Sie hatte Angst. Doch sie fühlte auch Mitleid.“
Und wieder lag in diesen Worten mehr als bloße Bedeutung. Es war ein Bekenntnis. Zu ihrer Menschlichkeit. Zu ihrer Stärke.
Am Ende des Tages, als sich alles wieder beruhigte, saßen sie in der Piratenkneipe, ein Glas Wein in der Hand. Die Gespräche über Wildkraut und Preise waren wie das Rauschen des Meeres, stetig, doch nebensächlich. Denn was wirklich zählte, war das, was unausgesprochen zwischen ihnen lag.
"Dir zuliebe, Liebster", formten Ragais Hände, und Arno nickte nur. Er wusste: Die Welt mochte chaotisch, gefährlich und laut sein. Aber in ihrer Liebe fand er Klarheit.
Der Tag endete nicht mit einem Punkt, sondern mit einem dramatischen Atemzug, denn ihre Geschichte, sie war nicht nur ein Band. Sie war ein Schwur, ein Versprechen inmitten einer Welt, die stets im Wandel war.

Verfasst: Samstag 19. April 2025, 15:08
von Arno Hohenstein

Zu lange schon saß er schon in der Alchemie-Ecke im Keller von Ragai und Schanna, umgeben von Rauch, seltsamen Gerüchen und halb vergilbten Rezepten. Die Mischung aus Kräuterdampf und Kerzenruß klebte in seinen Kleidern und bildeten den markanten Geruch, welcher wie ein Parfüm haftete. Wenn seine Gedanken nicht gerade konzentriert bei der Arbeit lagen, wanderten sie unweigerlich zu Ragai. Zu lange schon hatte er sie nicht gesehen – jedenfalls nach seinen Maßstäben. Sie war unterwegs, irgendwo draußen in der Wildnis, auf der Suche nach Pilzen, Kräutern und Grabmoos.
Er vermisste sie.
Der junge Mann beugte sich vor, löschte die Flammen unter dem Kessel und erhob sich. Er griff sich den Regenmantel, das Wetter war dieser Tage wieder schlimmer geworden. Der Wechselwind machte seinem Namen alle Ehre. Der Wind rüttelte an den alten Fenstern und erzeugte ein leises Heulen, welches an das ferne Klagen einer Witwe erinnerte. Er zog den Mantel über, tastete nach dem kleinen Dolch an seinem Gürtel und prüfte, ob das Gift an diesem noch frisch genug war. Sicher war sicher. Mit einem letzten Blick auf den dampfenden Kessel, der nun langsam zur Ruhe kam, trat er hinaus in den beginnenden Regen. Er würde sie schon finden und unterwegs einige Pilze sammeln.
Gerade hatte er eine gute Stelle gefunden an welchen reichlich von den roten Pilzen wachte. Der unverkennbar, modrige Geruch stieg ihm in die Nase als er sich nach diesen bückte und sie mit dem Kräutermesser vom Boden trennte. Aus der Dunkelheit des Unterholzes kam ein Pilz geflogen, verpasste nur knapp den jungen Mann, welcher noch immer dort hockte. Skeptisch, nicht erschrocken blickte er in die Richtung, suchend, aus welcher er den Wurf vermutete. Ein zierlicher Arm hob sich und winkte ihm zu. Arno erwiderte die Geste mit einer knappen Bewegung seiner eigenen Hand, sein Blick suchte nach jeglicher Gefahr welcher von der Person ausging, „Da du keinen Bogen bei dir trägst, nehme ich an, dass du nicht vorhast, mich zu überfallen“, sagte er trocken, den Kopf leicht schief gelegt. „Andernfalls würd’ ich dir auch ohne große Umstände den Kopf vom Hals trennen.“ Sein Blick blieb misstrauisch, zu undeutlich waren die Lichtverhältnisse im schattigen Wald, um sie klar erkennen zu können. Ein leises Lachen drang unter dem Halstuch der Fremden hervor. Kurz darauf richtete sie sich langsam auf, betrachtete ihn mit prüfendem Blick und kam in gemächlichem Tempo auf ihn zu. Nun erkannte er sie. Es war Ragai. Mutig von der jungen Dame. Wirklich mutig.
Ein Lächeln zuckte um ihre Lippen, während sie mit einer fast spielerischen Geste antwortete in gewohnter Zeichensprache feststellte: „Du solltest mehr aufpassen, Liebster.“Arno schmunzelte. „Und du solltest nicht so übermütig sein“, erwiderte er, während sein Tonfall weich blieb. Ruhig zog Ragai das Halstuch von ihrem Gesicht. Auch die Kapuze fiel zurück, ihr bleues Haar legte sich frei über ihre Schultern. Arno musterte sie eindringlich. „An einem Ort, an dem du ausgeraubt wurdest, mir vermummt entgegenzulaufen...“ Er wiegte den Kopf leicht als würde er seine nächsten Worte wohl überlegen. „Das ist... mutig. Oder töricht.“ Doch ehe er noch etwas sagen konnte, bewegte sich Ragai zügig. Sie stellte ihr rechtes Bein hinter sein linkes und brachte ihn mit einem kräftigen Stoß zu Fall. Arno ließ es sich beinahe zu leicht gefallen – das moosige Unterholz dämpfte seinen Sturz. Ragai ließ sich mit ihm fallen, achtete jedoch darauf, sich abzustützen, damit er sich nicht verletzte. „Ich merke schon… ein nahkampfbegabter Räuber“, murmelte Arno, halb lachend. Sie kam ihm näher, sein Herz schlug schneller. Ohne zu zögern beugte sie sich vor und ihre Lippen fanden die seinen in einem leidenschaftlichen Kuss. Er erwiderte ihn mit mindestens genauso viel Wärme, seine Arme umschlossen sie sanft. Keine Gegenwehr, keine Scheu. Nur Liebe. Sie beide – im Wald und dieses Mal alleine. Wieder sprach sie mit den Händen, teilte sich mit. Interessiert folgten die Augen des jungen Mannes den Händen von ihr. „Du weißt, dass ich nicht genug von dir bekomme? Du machst süchtiger als Wildkraut.“ Seine Hand hob sich, strich sanft über ihre Wange. Ragai lehnte sich leicht dagegen, ein stilles Lächeln auf den Lippen. Arno lächelte weich. „Mh... und du fühlst dich weicher an als Seide...“ Ohne ein Wort zu sagen, nahm Ragai liebevoll seine Hand. Mit einer fast genießenden Langsamkeit führte sie ihre Lippen zur Fingerspitze seines kleinen Fingers und begann, ihn millimeterweise Richtung Handgelenk zu küssen – zart, beinahe scheu, doch mit spürbarer Hingabe. Arno beobachtete sie dabei mit ruhiger Aufmerksamkeit. Ein liebevolles Lächeln legte sich auf seine Lippen, während seine Hand reglos in ihrer verweilte. Es kitzelte, doch er ließ sie machen, er genoss es sogar. Dann weiteten sich ihre Nasenflügel – seine Finger rochen nach einem Hauch von Johannisbeeren, herb und süß zugleich. Ein winziger Moment in dem ihr Körper reagierte bevor sich leise, fast entschuldigend, ihr Magen meldete. „Ich habe heute noch nichts gegessen.“ folgten schnelle Fingerzeichen und beide beschlossen, dass Arno erstmal für Sie kocht..
Verfasst: Sonntag 20. April 2025, 17:34
von Ragai Mirkow
Der Wind roch nach Harz und frischer Erde, als ich die Finger in den Sand drückte. Ich malte ein paar Worte, Warnung, Hinweis, Schutz. Niemand beachtete es wirklich, außer Sarah. Sie sah mich, wie sie es immer tat. Mit diesem stillen Verstehen, das zwischen Menschen wachsen kann, wenn keine Worte nötig sind. Ich lächelte ihr zu, leicht, fast flüchtig.
Dann war da dieser Mann.
Sein Gang war der eines Holzfällers oder vielleicht eines Landstreichers, sein Blick neugierig, aber nicht gierig. Er kam näher, fragte nach meinen Haaren, und ich ließ sie durch die Finger gleiten, bevor ich in den Dreck schrieb: Gefärbt. Ich mag das Blau.
Ich erwartete keine Reaktion, aber er blinzelte, musterte die Schrift, und ich sah es in seinen Augen: Er konnte lesen. Langsam, vielleicht, aber das war mehr, als ich erwartet hatte. Ich schrieb weiter, fragte, ob er lesen konnte. Seine Antwort: Stolz, fast trotzig. „Doch tu ich! Und schreib’n! Ich üb ganz viel!“
Sein Name war Bork.
Ein einfacher Name, ehrlich. Wie seine Art zu sprechen, zu lachen, zu kauen. Ich führte ihn in den Keller, zeigte ihm die Bänke, bot ihm Mantel, Tränke, Wärme. Er staunte. Über meine Gastfreundschaft, über meine Stimme, die nur krächzend zurückkam. Über die Farben, die Tränke, die Möglichkeiten. Fast ein Kind vor einem geheimen Schatz.
„Die... schenkst du mir einfach so?“
Er konnte es nicht glauben. Es war in seinen Augen, wie er mich ansah, als hätte ich ihm etwas gegeben, das größer war als ein paar Phiolen. Vielleicht war es das auch. Vielleicht war es Vertrauen. Oder einfach ein Zeichen, dass nicht jeder ihm mit Misstrauen begegnete.
Ich zeigte ihm, was ich hatte. Heilung. Kraft. Unsichtbarkeit. Er schüttelte den Kopf, aber seine Finger hielten die Flaschen behutsam, als wären sie zerbrechlicher als jedes Glas. „Ich komm bestimmt bald wieder mit Holz und solch’n Sach’n“, sagte er. Und ich glaubte ihm.
Dann fragte ich ihn, ob er helfen wollte. Mit Fliegenpilzen, totem Holz, all den Dingen, die ich und Arno brauchen konnten. Ich warnte ihn vor dem Dieb. Er verstand. Ich glaube, er wollte sogar helfen, auf seine Art. Vielleicht würde er dem Dieb sagen, es gäbe andere Wege. Sicherere. Ehrlichere. Als ich ihn hinausbegleitete, war der Tag schon weit vorangeschritten. Mein Kopf pochte. Ich wusste, dass ich später wieder lange liegen würde, mit geschlossenen Augen und Träumen, die schwerer waren als Worte.
Aber Bork war gegangen , mit einem Apfel, einem Mantel und einem Blick, der ein wenig heller war als zuvor.
Später:
Der Tag war längst fortgeschlichen, als ich wieder im Keller saß, mein Rückzugsort, mein Zuhause. Die Wände atmend, das Licht weich. Und da war er. Arno.
Er schüttelte sich aus Gedanken, die nur er kannte. Seine Augen fanden meine und ich hielt seinen Blick. Ruhig. Offen. Wir brauchten oft keine Worte, doch als er mich anlächelte, erwiderte ich es sofort. Es war dieses Lächeln, das nur für ihn war. Keine Maske, keine Fassade. Nur ich. Nur Ragai.
Er kam näher. Die Bank quietschte leise, als er sich zu mir setzte. Ein Mann mit geschickten Händen und einem Herzen, das in Stille leuchtete. Ich liebte ihn mehr, als ich je sagen konnte und gerade das war unsere Sprache: das Nichtgesagte.
„Na, was hat mein Herz so gemacht heute?“ Seine Stimme war ruhig, weich, so vertraut wie das Knistern eines Feuers im Winter.
Ich antwortete mit Händen, Zeichen, die wir beide längst kannten.
Bork. Der neue. Ein einfacher Mann mit ehrlichem Blick. Ich hatte ihm Kleidung gegeben, Tränke gezeigt, ein wenig Vertrauen geschenkt. Arno hörte zu, nickte, dachte schon ans Auffüllen der Vorräte. Er war immer so ruhig, vorausschauend, konzentriert. Und dabei ganz bei mir.
Als ich mich an ihn lehnte, kam er mir entgegen. Seine Berührung ließ etwas in mir schmelzen wie ein Eisblock, der zu lang der Sonne trotzt. Seine Hand auf meinem Oberschenkel, meine Lippen an seiner Haut. Der Duft von ihm, er war da. Warm. Ganz da.
Er atmete tief, ich spürte es. Seine Muskeln spannten sich, dann lösten sie sich, als meine Haut seine berührte. Ich kostete den Moment, neckte, schmeichelte, ließ meine Zunge kurz verweilen. Sein leises Brummen war mein Lohn. Und doch zog er sich leicht zurück.
„Wir sollten vielleicht...“ sagte er mit einer Farbe auf den Wangen, die ich selten sah.
Ich schenkte ihm diesen Blick, meinen Blick. Herausfordernd. Rau. Leidenschaftlich.
Er lachte nicht. Aber er spielte mit. Wie wir es taten. Seit dem ersten Tag.
„Die Luft wird hier ein wenig... dünn?“ , ein Versuch, sich zu fangen.
Doch ich sah, wie sein Blick glitt. Wie sein Körper sprach. Er war da, ganz in diesem Moment.
„Gewinnen würdest du eh nicht“, flüsterte er und schenkte mir ein Lächeln, das mehr sagte als jedes Wort.
Ich antwortete nicht mit Lauten, nur mit Gesten. Scharf, gezielt, provozierend.
„Meinst du?“
Er lehnte sich zurück, um meine Hände besser zu sehen. Nicht, um sich zu entfernen.
„Oh und wie ich das meine.“
Unsere Spielart. Unsere Sprache. Unsere Nähe.
Ich forderte ihn heraus. Und er nahm die Herausforderung an. Mit Blicken, Gesten, einem Zucken im Mundwinkel.
Ein Kuss auf die Stirn. Ich bebte. Meine Haut war warm, mein Herz pochte. Ich konnte nicht sprechen, aber mein Körper sprach.
„Ich denke… die frische Luft ist eine gute Idee, mh?“
Ich lachte. Nahm meinen Mantel. Er kannte mich. So wie ich ihn kannte.
Vielleicht später. Vielleicht noch diese Nacht.
Denn die Luft… war wirklich sehr dünn geworden.
Noch später:
Die Tür zur Taverne öffnete sich mit dem vertrauten Quietschen alter Angeln, und sofort spürte ich es. Diese Schwere in der Luft,kaum greifbar, aber sie lag da, zwischen den Gesprächen, dem Duft von Bratensaft und der Wärme des Feuers. Arno war an meiner Seite. Immer.
Idas freundlicher Gruß erreichte mich zuerst. Ich lächelte ihr zu, hob die Hand, doch meine Augen fanden rasch eine andere Silhouette. Mark.
Seine Haltung, das Stocken, das unausgesprochene Etwas in seinem Blick. Ich spürte es tief in mir. Etwas war nicht gut.
Nicht mehr gut.
Ich machte einige Gesten zu Arno. Vielleicht sollten wir wieder gehen.
Doch Arno blieb. Wie ein Anker. Ruhig, gerade, sicher.
Mark wich aus. Worte, Happen, Ausflüchte. Dann verließ er uns, mit Besteck in der Hand und Schweigen im Herzen.
Ein Windzug streifte meine Haut, als hätte er etwas mitgenommen. Oder etwas zurückgelassen.
Ich senkte den Blick, sah meine Hände auf dem Schoß. Sie zitterten nicht, doch sie fühlten sich schwer an.
Arnos Stimme war leise. "Kopf hoch, immer voran."
Ich hob den Blick. Nickte. Auch wenn mein Herz leise schmerzte.
Ida fragte. Ob es Streit gegeben habe.
Ich antwortete mit meinen Zeichen. Das war kein Streit. Ich habe ihm Freundschaft angeboten. Er hat abgelehnt.
Er hatte mein Herz nicht mehr erreichen können. Nicht, weil ich ihn nicht gemocht hätte. Sondern weil ich längst jemanden gefunden hatte, der mich sah. Der mich trug.
Arno.
Ich erklärte es mit schnellen Zeichen. Dass ich Mark mochte, ja. Doch dann war er fort, und in dieser Zeit kam Arno – wie ein Sturm, wie ein Fels, wie das Licht in dunkler Tiefe. Ich hatte ihn nicht gewollt. Und dann? Hatte ich nicht mehr ohne ihn wollen können.
Er übersetzte. Geduldig. Und als ich mein Herz in Worte legte „Und nun bist du mein Zuhause, mein Fels in der Brandung. Ohne dich bin ich nichts mehr.“ war mein Blick nur für ihn. Und er sah mich. Ganz.
Später, im Zimmer, während der Regen leise gegen die Scheiben schlug, legte ich mich hin. Müde. Schmerzend.
Mein Kopf pochte. Nicht vom Lärm , sondern vom Tag und vom üben.
Doch Arno war da. Mit einer Hand auf meinem Bauch, einem Kuss auf der Schläfe, seinem Atem nah bei mir. Ich winkte ihn zu mir, er kam. Unsere Gedanken wie Spiegel, ich musste nichts sagen. Er wusste.
Ich flüsterte mit meinen Fingern: „Ich habe das nicht vergessen.“
Er küsste mich, ehe er fragen konnte.
Und ich schlief ein, mit seinem Herzschlag an meinem Rücken.