Die letzte Muse

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Linus van Sturmfang
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Zwischen Trommeln und Pfeilen

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Ich bin kein Soldat.
Nie gewesen. Und ehrlich gesagt – ich wollte auch nie einer sein.
Aber manchmal, so scheint es, fragt das Leben nicht nach dem, was man will,
sondern danach, was man schuldet.

Dem Haus Tiefenberg.
Der Akademie.
Meinen Freunden.
Und vielleicht auch mir selbst.

Also zog ich mit aus.
Mit dem Heer.
Mit all jenen, die für das Land, den Glauben oder einfach füreinander standen.
Ich trug keine Klinge, sondern eine Trommel.
Ein einfaches Instrument – laut genug, um Mut zu geben,
rhythmisch genug, um Angst zu übertönen.

Die ersten Tage waren ruhig.
Ich half beim Aufbau des Lagers, spannte Zelte, schuftete beim Palisadenbau.
Arne hatte das Sagen beim Holz, und ich – nun, ich lernte, dass ein Hammer sich gar nicht so anders anfühlt als eine Trommelstöcke.
Verdania und die anderen waren da, jeder tat, was er konnte.
Wir redeten, lachten – fast so, als wäre es ein Lager vor einem Fest und nicht vor einer Schlacht.

Am dritten Tag kam das Donnern.
Nicht von oben – vom Boden selbst.
Ein Grollen, das näher kam, bis der Himmel selbst den Atem anhielt.
Dann prallten die Heere aufeinander.

Ich trommelte.
Für Mut, für Ordnung, für irgendetwas, das größer war als wir.
Aber das Schlachtfeld frisst jedes Lied.
Man hört nur Schreie, Metall und das Dröhnen im eigenen Kopf.

Dann – ein Schlag.
Kein Schmerz zuerst. Nur der Aufprall, das Taumeln, der Staub.
Ich fiel.
Blinzelte.
Sah den schwarzen Pfeil in meiner Schulter stecken,
als hätte jemand ein Stück Nacht in mich geworfen.

Ich weiß nicht, wie lange ich lag.
Vielleicht eine Minute, vielleicht ein Leben.
Doch irgendetwas in mir beschloss, dass Liegenbleiben keine Option war.
Also ging ich.
Zwischen Kämpfenden hindurch, stolpernd, halb blind vor Schwindel.
Wie ich das überlebt habe, weiß ich bis heute nicht.

Und plötzlich – das Lagerfeuer.
Wie ein Leuchtturm.
Ich taumelte darauf zu, die Welt verschwommen, mein Arm taub.
Da war Cecilia, die Feldscherin, die Befehle gab,
ihre Stimme fest, während um uns das Chaos tobte.
Ich wollte etwas sagen, aber meine Zunge fühlte sich an wie aus Holz.

Dann – ein vertrautes Gesicht.
Gwenna.

Ihr Blick schnitt durch den Nebel.
Sorge, Schärfe, Wärme.
Sie sprach mit mir, ich hörte die Worte nicht, nur die Stimme.
Ich stammelte etwas davon, dass ich wohl getroffen wurde –
was, in Anbetracht des Pfeils, wohl überflüssig war.

Cecilia warf einen Blick auf die Wunde und entschied, dass ich „ins Lazarett“ müsse.
Ich widersprach nicht.
Gwenna half mir auf.
Ich weiß noch, wie ihre Hand mich stützte – fest, ruhig, ohne Zögern.
Und wie der Boden unter meinen Füßen wankte, während die Welt sich drehte.

Im Lazarett setzte sie mich auf eine Liege.
Ich sah ihr Gesicht über mir,
dann nur noch Licht, Stimmen,
und den Geruch von Eisen, Blut – und Jasmin.

Dann wurde alles schwarz.

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Linus van Sturmfang
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In den falschen Armen

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Ich kam wieder zu mir.
Langsam, wie einer, der aus einem Traum zurückkehrt, den er nicht ganz verstehen kann.
Das erste, was ich sah, war Licht – zu grell, zu nah.
Dann Schatten. Und schließlich: ihr Gesicht.

Gwenna.

Ihr Blick hing über mir, sorgenvoll, wachsam, schön in einer Art, die man nicht beschreiben kann, ohne sich selbst einzugestehen, dass man verloren ist.
Ich wollte etwas sagen, aber mein Mund war trocken.
Also flüsterte ich nur:
„Bin ich tot?“

Sie beugte sich leicht vor, berührte meine Wange – so vorsichtig, als könnte ich zerbrechen –
und mit diesem feinen, unergründlichen Tonfall, der immer zwischen Spott und Zärtlichkeit schwebt, sagte sie:
„Das wünschst du dir erst nachher.“

Ich lächelte schwach, und das war wohl der Moment, in dem ich wusste, dass ich noch lebe.

Dann kam Cecilia.
Pragmatisch wie immer, mit ruhigen Händen und entschlossener Stimme, während um uns das Chaos tobte.
Sie beugte sich über mich, sah auf die Wunde, sah auf Gwenna, dann hinaus ins Getöse.
„Wir müssen das Lager verlassen. Sofort. Der Feind rückt vor.“

Bevor ich etwas erwidern konnte, griff sie nach dem Pfeil in meiner Schulter.
„Wir lassen ihn drin,“ entschied sie, „wenn ich ihn ziehe, blutest du mir hier aus.“
Dann – ein dumpfer Ruck.
Sie brach den Schaft ab.

Ich biss die Zähne zusammen,
Gwenna hielt mich fest, band, polsterte, flüsterte leise etwas, das ich nicht verstand – oder vielleicht nicht verstehen wollte.

Dann war alles Lärm.
Schreie, Befehle, Metall.
Das Lager brannte.

Und mitten darin trat ein Schatten auf mich zu –
breit wie ein Bär, mit den Schultern eines Baumes.
Ein Tyhre.
Er beugte sich zu mir herunter, brummte mit einer Stimme, die wie rollender Donner klang:
„Ich trag dich.“

Und ehe ich protestieren konnte, hob er mich einfach hoch –
als wäre ich nichts weiter als ein Sack Mehl.
Gwenna ging neben uns,
Cecilia rief noch etwas,
und so flohen wir aus dem Lager.

Durch Rauch und Feuer,
über Boden, der bebte,
unter einem Himmel, der selbst zu brennen schien.

Ich erinnere mich,
wie mein Kopf gegen die Schulter des Tyhren fiel,
wie Gwennas Silhouette neben mir flackerte –
und wie ich dachte:

Wenn das der Tod ist –
warum sterbe ich dann in starken, haarigen Armen
und nicht in Gwennas?

– Linus Sturmfang

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Linus van Sturmfang
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Das Element der Einsamkeit

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Der Spiegel war gnadenlos ehrlich – und doch heute ein Verbündeter.
Linus Sturmfang stand aufrecht vor dem hohen, leicht angelaufenen Glas in der Villa Sturmfang. Sein prüfender Blick pendelte zwischen Zweifel und leiser Bewunderung. Ein schmaler Atemzug hob seine Brust, dann noch einer.

„Nun…", murmelte er leise.

Die Gewandung, die Isabella Kirschenstade für ihn erdacht hatte, war meisterhaft. Feinster, fast durchscheinender Stoff umspielte seinen Körper in Schichten wie wehende Strömungen. Silbrige Fäden zogen sich wie flüchtige Windbahnen durchs Gewebe, fingen das Licht ein und ließen es tanzen. Bei jeder noch so kleinen Bewegung schien das Gewand zu leben, als würde es nicht getragen, sondern selbst entscheiden, wohin es wehte.

Luft. Nicht nur dargestellt – verkörpert.

Er hob eine Hand und drehte sie langsam. Der Stoff folgte verzögert, als hätte er einen eigenen Willen. Ein schiefes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
„Einfach fantastisch, Isabella", sagte er leise.
Das Lächeln hielt nicht lange.
Ein Stich durchfuhr ihn. Sein Blick glitt vom Spiegelbild fort, verlor sich in den Schatten des Raumes.

Kathrina.

Der Name war kaum mehr als ein Gedanke – und doch wog er schwerer als jede Rüstung. Sie würde heute nicht dabei sein. Zu viel zu tun, hatte sie gesagt. Verpflichtungen. Wege, die sich kreuzten und dann wieder voneinander entfernten. Ihre Begegnungen waren seltener geworden wie Ebbe, die sich langsam, unaufhaltsam zurückzog.

Und er hatte nichts dagegen tun können.

Linus schloss die Augen.
„Ich bin ein Narr", flüsterte er. „Ein Barde, der Geschichten über das Festhalten erzählt und selbst den Wind verkörpern will."
Ein bitteres Lachen entwich ihm – leise, fast zärtlich.
Dann richtete er sich auf.
Nein. Nicht heute.
Heute war der Ball der Elemente. Heute war Musik, Tanz, Licht – und vielleicht ein Hauch jener Magie, die selbst gebrochene Gedanken für ein paar Stunden schweigen ließ.

Außerdem…

Ein echtes Lächeln huschte über sein Gesicht.

Tom Levitt.

Die Stimme der Insel. Freund, Vertrauter – und einer der wenigen, die es wagten, Linus nicht nur als Barden, sondern als Menschen zu sehen. Er hatte ihn gebeten zu singen. Und wie hätte Linus da ablehnen können?

„Für dich", sagte er leise, während er seinen Mantel griff, „und vielleicht auch ein wenig für mich."

Er warf einen letzten Blick in den Spiegel. Die Luft blickte zurück: frei, ungebunden, allein.
Zumindest wie es an diesem Abend sein musste.
Ohne Zögern wandte er sich ab und trat hinaus in die Nacht. Der Weg zur Fähre nach Kawi wartete, und Linus ließ alles zurück, was ihn in Berchgard hielt.

Denn der Wind weht, wo er will.

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Zuletzt geändert von Linus van Sturmfang am Sonntag 3. Mai 2026, 18:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Linus van Sturmfang
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Re: Die letzte Muse

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Die Fähre legte sanft an. Kaum wahrnehmbar war das leise Knarren des Holzes.

Linus trat an Land und ließ sich einen Moment Zeit.

Die Insel Kawi empfing ihn nicht mit Lautstärke, sondern mit warmem Klima und stillem Versprechen. Die Wege lagen offen vor ihm, und irgendwo dahinter wartete das Ziel des Abends.

„Die Feier ist im Atrium der Akademie der Arkanen Künste..."

Er erinnerte sich an die Worte des Aushangs und musste schmunzeln.

„Als bräuchte der Wind eine Wegbeschreibung", murmelte er.

Statt sich treiben zu lassen, ging er zu Fuß. Durch die Inselstadt, vorbei an Gassen voller festlich gekleideter Gestalten. Überall sah er sie: Elemente in Bewegung. Flammen, die lachten. Wasser, das floss. Erde, die ruhte. Und Luft, die sich dazwischen verlor.

Sie strömten wie er zum Atrium.

Farben. Bewegung. Leben.

Für einen Moment hob sich seine Stimmung. Ein echtes, leichtes Gefühl durchströmte ihn, als wäre er selbst Teil dieses lebendigen Stroms.

„Nun gut", murmelte er und strich über seinen Ärmel. „Vielleicht wird dies doch ein Abend zum Besingen."

Doch kaum hatte er es ausgesprochen, kamen die störenden Gedanken zurück. Die Erkenntnis. Leise. Unaufhaltsam.

Sein Blick glitt suchend über die Menge, obwohl er längst wusste, dass er nicht finden würde, wonach sein Herz noch Ausschau hielt.

Kathrina war nicht hier. Nicht in diesen Farben. Nicht in diesem Lachen. Nicht an diesem Abend.

Linus atmete aus.

Ein beinahe trotziges Lächeln schlich sich auf seine Lippen.

„Dann eben so", sagte er leise. „Mein Lied sing ich heute für Tom."

Er mischte sich unter die Menge und wurde Teil des Stroms. Allein. Wie es bei der Luft üblich war.

„Da bist du ja!"

Die Stimme traf ihn schneller als jeder Blick.

Tom Levitt stand vor ihm, mit einer herzlichen, ehrlichen Wärme, die unverkennbar war. Und natürlich hatte Tom ihn sofort erkannt – trotz Gewandung, trotz Maske, trotz allem.

Linus lachte leise.

„Ich hätte mir mehr Mühe geben sollen."

„Unmöglich", erwiderte Tom grinsend. „Dieses Brusthaar erkenne ich überall."

Ein kurzer Austausch, eine freundschaftliche Umarmung. Darin lag mehr, als Worte hätten tragen können. Dann trennten sich ihre Wege wieder. Tom musste weitere Gäste begrüßen.

Linus trat in den Tanzsaal ein – als eines der Elemente.

Die Halle war erfüllt von Leben. Kerzenlicht brach sich in Stoffen und Schmuck. Musik trug Stimmen und Schritte. Überall begegneten ihm bekannte Gesichter.

Ein Nicken hier. Ein Lächeln dort.

Und dann die Elfen.

Er erkannte sie sofort. Ihre Anmut, ihre Haltung, die kunstvollen Gewandungen waren mehr als Verkleidung – sie waren Ausdruck.

„Linus!"

Celilomea stand plötzlich vor ihm, mit einem Funkeln in den Augen, das keinen Widerspruch duldete.

„Wir heben heute Abend zusammen das Glas. Mellon en sog!"

Linus blinzelte – dann musste er lachen.

„Unbedingt Celilomea, das sollte eine Tradition werden."

Sie bewunderten sich gegenseitig. Leichte, kurze Momente. Nicht vollkommen. Nicht dauerhaft. Aber genug.

„Viel Spaß auf dem Ball", wünschte er ihnen.

Die Gespräche kamen wie Wellen. Kurz, freundlich, lebendig. Namen, Gesichter, Erinnerungen – einige flüchtig, andere von Gewicht. Jedes Gespräch war ein kleiner Anker, der ihn mehr und mehr im Hier und Jetzt hielt.

Irgendwann merkte er es selbst.

Der Stich war noch da. Aber er bestimmte ihn nicht mehr.

Linus blieb stehen und ließ den Blick durch die Halle schweifen. Über das Licht, die Tänze, die Stimmen.

Dann nickte er leicht.

Ja. Das hier war es wert. Auch allein. Auch mit einem leisen Schatten im Herzen.

„Dann machen wir das Beste daraus", murmelte er – nicht zweifelnd, sondern entschlossen.

Der Wind hatte sich entschieden.

Und er würde diesen Abend tragen.
Zuletzt geändert von Linus van Sturmfang am Sonntag 3. Mai 2026, 18:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die letzte Muse

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Die Halle füllte sich mit Erwartung – diesem leisen, vibrierenden Moment, in dem alles innehält, bevor etwas beginnt.

Dann trat Tom auf die Bühne.

Ein kurzer Blick in die Menge, ein kaum merkliches Nicken. Die ersten Töne glitten in die Luft.

Es war ein Lied, das nicht fragte. Es lud ein.

Sanft zunächst, fast vorsichtig, dann klarer werdend, rhythmisch, tanzbar. Die Melodie legte sich über die Halle wie ein warmer Wind, zog an den Herzen, an den Füßen, an den Gedanken.

Linus stand mitten auf der Tanzfläche. Allein.

Für einen Atemzug.

Dann hob er das Kinn.

„Nun gut", murmelte er, ein schelmisches Funkeln in den Augen. „Ein Sturmfang steht selten lange still."

Und so begann er sich zu bewegen.

Zuerst kaum sichtbar – ein Verlagern des Gewichts, ein leises Wiegen. Dann mehr. Fließender. Drehender. Seine Schritte waren nicht fest, nicht gezwungen. Sie waren wandelnd. Wie Luft.

Er ließ sich treiben und führte zugleich, glitt zwischen den Tänzern hindurch, drehte sich, wich aus, fing sich wieder. Ein Spiel aus Nähe und Distanz, aus Leichtigkeit und Kontrolle.

Sein Gewand folgte ihm wie ein eigener Atem.

Während er sich durch die Bewegungen trug, fast schwerelos, näherte er sich dem Rand der Tanzfläche.

Dann sah er sie.

Ava. Allein.

Ein kurzer Moment, in dem sich ihre Blicke trafen – und in diesem Moment war ihr Schicksal entschieden.

Ein Lächeln huschte über Linus' Lippen.

Mit einer weichen Drehung trieb er sich auf sie zu, verlangsamte und hielt direkt vor ihr inne. Sein Gewand sank nach wie ein letzter Hauch Wind.

Er verneigte sich leicht – nicht tief, nicht formell, sondern einladend.

Ohne ein Wort. Nur Bewegung.

Dann hob er die Hand und zog sie – fast unmerklich – mit sich.

Ava folgte. Wie Wasser.

Der erste Schritt war zögerlich, der zweite sicherer. Dann waren sie Teil des Tanzes.

Linus führte sie in einer fließenden Drehung auf die Fläche, ließ sie kreisen, fing sie wieder ein. Seine Bewegungen waren weich, aber bestimmt – stetiges Lenken ohne Zwang.

Sie antwortete.

Ihr Gewand schimmerte in Wellen, passte sich an, floss um ihn herum. Wo er wich, füllte sie den Raum. Wo er führte, folgte sie – nicht unterworfen, sondern im Einklang.

Wind und Wasser.

Ein uraltes Spiel.

Sie wirbelten zwischen den anderen Tanzpaaren hindurch, mal eng, mal weit, mal schnell, mal getragen. Linus spürte es deutlich:

Er war sein Element. Keine Zweifel. Kein Zögern. Nur Bewegung. Nur Musik. Nur dieser Augenblick.

Ava ließ sich führen und führte zugleich, ließ sich treiben und gab nach. Sie formte den Tanz ebenso wie er. Und für einen Moment verschwammen die Gedanken.

Die Leere.

Die Abwesenheit.

Der leise Schmerz.

Alles löste sich auf in Drehungen, in Schritten, in dem leichten Lachen zwischen ihnen.

Linus drehte sie ein letztes Mal aus, zog sie sanft zurück zu sich und hielt inne.

Ein Atemzug. Ein Blick. Ein ehrliches Lächeln.

„Danke für diesen Tanz", sagte er leise, kaum mehr als ein Hauch.

Und irgendwo in sich wusste er:

Für diesen Moment zumindest hatte er die Einsamkeit fortgetanzt.

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Linus van Sturmfang
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Re: Die letzte Muse

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Der Tanz verklang – nicht abrupt, sondern wie ein letzter Atemzug, der sich langsam in der Halle verlor.
Linus ließ Ava los, neigte leicht den Kopf und trat einen Schritt zurück. Noch lag die Bewegung in seinen Gliedern, noch trug ihn die Musik, obwohl sie bereits verklungen war.
Sein Blick glitt über die Tanzfläche.

Paare fanden sich. Andere lösten sich. Lachen, Stimmen, das Rascheln von Stoff.
Und irgendwo dazwischen: Möglichkeiten.
Ein schmales Lächeln legte sich auf sein Gesicht.
„Nun", murmelte er, „der Wind weht selten nur einmal."
Er strich sich eine lose Strähne aus dem Gesicht und setzte sich wieder in Bewegung – leichtfüßig, beinahe spielerisch. Am Rand der Tanzfläche näherte er sich zwei Damen.

Keine erkannte er.

Doch das spielte keine Rolle.
Er verneigte sich mit jener Eleganz, die zwischen ehrlicher Geste und geübter Bühne lag.
„Möchte eine der Damen tanzen?"
Ein kurzer Moment. Blicke wurden gewechselt. Ein leises Kichern.
Dann sprach die eine:

„Der Wind wechselt zu oft seine Richtung."

Linus blinzelte.
Kannte er die Stimme nicht? Sein Blick glitt genauer über die beiden Damen. Es war das Feuerelement – nicht lodernd, nicht wild, sondern kontrolliert. Ihr Gewand glühte in warmen Farben, bewegte sich wie ein leises Flackern. Sie musterte ihn mit einem sachten, beinahe wissenden Lächeln.
Er trat einen halben Schritt näher.
Erst als sie erneut sprach, traf es ihn.

„Wähle, Sturm, wo du entfachen willst!"

Er erkannte sie am Klang ihrer Stimme.
Sein Herz setzte einen Schlag aus.
Für einen Moment vergaß er alles andere. Die Halle. Die Menschen. Den Abend. Das Atmen.

Es war Gwenna.

Da war nur dieses eine Gefühl – wie ein plötzlicher Windstoß, überraschend, überwältigend, lebendig.
Er trat vor sie hin und bot ihr die Hand zum Tanz.
Sie legte ihre behandschuhte Hand in die seine und ließ sich vom Wind hinaufhelfen.
Keine große Geste. Keine ausgeschmückten Worte.
Nur dieser Moment. Und die Annahme.

________________________________________

Dieser erste Kontakt war wie ein Funke.
Ein Blick. Eine Berührung. Und der Wind drehte sich.
Die Musik setzte erneut ein – oder vielleicht hatte sie nie aufgehört, und er hatte sie nur nicht mehr gehört.

Auf der Tanzfläche fanden sie sich wieder. Doch diesmal war es anders.
Kein Spiel. Kein leichtes Herantasten.
Sondern etwas Unmittelbares.
Linus führte – doch nicht wie zuvor. Seine Bewegungen waren klarer, intensiver, fast herausfordernd. Drehungen wurden enger. Schritte griffen schneller.
Und Gwenna?

Feuer.

Sie folgte nicht einfach. Sie antwortete.
Jede Bewegung traf auf ihre eigene – fließend, aber kraftvoll. Wo er zog, loderte sie auf. Wo er nachgab, drängte sie vor.

Wind und Feuer.

Nicht sanft. Nicht ruhig.
Sondern lebendig, unberechenbar, beinahe gefährlich in ihrer Harmonie.
Sie wirbelten umeinander – näher, schneller, intensiver. Die Welt verschwamm zu Farben und Schatten, zu Bewegung ohne Bedeutung.

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Und irgendwo tief in ihm formte sich ein Gedanke – als hätte das Schicksal gesprochen.
Ein letzter Dreh. Ein Innehalten.
Seine Hand an ihrer. Sein Arm um sie gelegt.

Stille.

Nicht in der Halle – aber zwischen ihnen.
Linus hielt sie einen Moment länger, als es sich gehörte. Vielleicht wusste er, was es bedeutete. Vielleicht auch nicht.
Doch er ließ nicht sofort los.

Und sie blieb.

Nur einen Herzschlag. Vielleicht zwei.
Genug, um daraus etwas zu machen, das mehr war als ein Tanz.
Dann:

„Linus!"

Toms Stimme schnitt durch den Moment wie ein klarer Ton.
„Die Bühne ist deine!"
Die Welt kehrte zurück. Die Halle. Die Menschen. Die Pflicht.
Linus blinzelte, als würde er aus einem Traum erwachen. Ein schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht, während er Gwenna langsam losließ.

„Es scheint", sagte er leise, „du musst nun dem Wind lauschen, statt mit ihm zu tanzen."

Ein letzter Blick.
Dann wandte er sich ab – nicht ohne einen Hauch von Bedauern in seinen Schritten.
Auf dem Weg zur Bühne murmelte er, kaum hörbar:

„Ob dass, das Schicksal extra macht?"

Ein leises Schmunzeln.
Dann trat er auf die Bühne.
Zuletzt geändert von Linus van Sturmfang am Sonntag 3. Mai 2026, 15:27, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Die letzte Muse

Beitrag von Linus van Sturmfang »

(OOC: Für alle die mich gestern nach dem Text gefragt haben)

Linus legt die Finger sanft auf die Saiten seiner Laute. Ein einzelner, klarer Ton erklingt warm und rund, wie ein erster Atemzug.

Ich bin der Hauch, der dich berührt,
der leise deine Schritte führt.
Ein Flüstern nur – doch schau dich an:
Ich zieh dich tiefer in meinen Bann.


Die Melodie setzt sich fort, langsam und kreisend. Die Finger gleiten in weichen Arpeggien über die Saiten, jeder Ton fällt wie ein Tropfen in stilles Wasser. Ein kaum merkliches Zittern im Klang, als würde der Wind selbst durch das Holz der Laute streichen.

Ich kühl dein Blut, ich heb dein Kleid,
bin Anfang und Vergessenheit.
Du glaubst zu steh’n – doch irrst dich blind:
Du drehst dich längst im Spiel des Winds.


Ein leiser Wechsel im Rhythmus – die Melodie beginnt sich zu drehen. Wiederkehrende Motive, die sich umeinander winden wie Luftströme. Die Töne steigen leicht an, nur um sich wieder sanft fallen zu lassen.

Dreh dich, dreh dich, Kind des Windes,
bis du den Halt im Sturme findest!
Nichts hält fest, was ich entzünd’ –
verlier dich mir, dreh dich geschwind!


Linus’ Spiel gewinnt an Kraft. Die Anschläge werden bestimmter, die Saiten klingen heller. Ein schnelleres Zupfmuster entsteht, fast tänzerisch, als würde die Melodie selbst beginnen, sich im Kreis zu drehen.

Ich fache Glut zu Flammen an,
das selbst der Stein nicht ruhen kann.
Ich peitsche Wellen aus dem Nichts,
bin Schattenwurf und Glanz des Lichts.


Ein kurzes Innehalten dann ein gleitender Übergang in tiefere Töne. Die Basssaiten brummen sanft, während darüber helle Klänge wie flirrende Luft tanzen. Ein Spiel zwischen Tiefe und Leichtigkeit.

Ich schleife Fels zu feinem Sand,
reich dir die Welt als Tanzgewand.
Was fest geglaubt, wird weich und scheu –
ich forme alles, immer neu.


Die Melodie wird nun freier, fast ungreifbar. Kleine Verzierungen, schnelle Läufe, die wie Böen durch die Tonfolge jagen. Kein fester Halt nur Bewegung.

Du willst mich halten – doch ich geh.
Du willst mich fassen – doch ich weh.
Ich bin die Sehnsucht, nie gestillt,
der letzte Wunsch, der dich erfüllt.


Dann plötzlich: ein beschleunigter Rhythmus. Die Finger tanzen über die Saiten, schneller, drängender. Ein wirbelnder Klang, der den Raum erfüllt und kaum noch stillstehen lässt.

Dreh dich schneller! Sei bereit!
Herz entfesselt, Zeit befreit!
Keine Kette, die dich bind’t –
du bist die Lust… du bist der Wind!


Ein letzter, kraftvoller Akkord hallt nach. Die Saiten vibrieren noch lange, als hätte der Wind selbst sie in Bewegung versetzt…
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Linus van Sturmfang
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Re: Die letzte Muse

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Nach dem Beifall und dem Wunsch nach einer Zugabe sang Linus folgendes Lied:


In stillen Nächten, wenn die Welt zerfällt,
und nur der Mond sein blasses Licht noch hält,
greif ich zur Laute, such im leisen Klang
das eine Lied… das dich erreichen kann.


Er spielt einzelne, weit auseinanderliegende Töne. Kein fester Rhythmus – eher ein Suchen. Jeder Ton wird geprüft, gehalten, fast hinterfragt, bevor der nächste folgt.

Ich spiel Akkorde, die der Wind mir bringt,
ein Ton, der zittert, einer, der erklingt,
doch keiner trifft, was tief in dir erwacht—
das Lied, das leuchtet in der dunklen Nacht.


Ein leiser Übergang – die Melodie beginnt, sich zu formen. Sanfte Akkorde tragen nun die Stimme, schlicht, aber ehrlich. Die Saiten klingen warm, fast verletzlich.

Ich such das Lied deines Herzens,
verlier mich Ton für Ton,
komponier aus tausend Schmerzen
eine leise Melodie davon.


Die Finger finden für einen Moment Sicherheit. Ein wiederkehrendes Motiv entsteht zart, eingängig, wie ein vorsichtiges Versprechen.

Und wenn ich’s finde, ganz sacht,
in einem flüchtigen Moment—
dann weiß ich, dass dein Herz
meinen Namen darin kennt.


Die Melodie verklingt nicht ganz, sondern bleibt in der Luft stehen als würde sie darauf warten, beantwortet zu werden.

Ein neuer Ansatz. Linus verändert die Griffweise, lässt die Saiten etwas kräftiger erklingen – doch noch immer schwingt Unsicherheit mit.

Am Morgen schon, wenn erstes Licht erwacht,
hab ich es wieder neu erdacht,
verworfen, neu geformt mit zitternder Hand,
als wär dein Herz ein fernes, fremdes Land.


Ein kurzes Aufblitzen schnellerer Töne – fast wie ein Gedanke, der zu schnell kommt und wieder entgleitet.

Ich hör in jedem Lachen deinen Klang,
in jedem Schweigen deinen Widerhall entlang,
doch was dich wirklich tief berührt,
bleibt ein Geheimnis, das mein Lied nicht führt.


Die Musik bricht beinahe ab… doch dann kehrt das Motiv des Refrains zurück, etwas reifer, etwas klarer.

Ich such das Lied deines Herzens,
verlier mich Ton für Ton,
komponier aus tausend Schmerzen
eine leise Melodie davon.


Die Akkorde sind nun voller, doch immer noch zurückhaltend – als würde er sich nicht trauen, zu viel zu verlangen.

Und wenn ich’s finde, ganz sacht,
in einem flüchtigen Moment—
dann weiß ich, dass dein Herz
meinen Namen darin kennt.


Ein sanftes Ausklingen… dann nur noch einzelne gezupfte Saiten, fast wie Herzschläge.

Linus lehnt sich leicht vor, spielt nun ruhiger, klarer – als hätte er etwas verstanden, auch wenn er es nicht ganz greifen kann.

Vielleicht ist es kein großes, stolzes Lied,
kein Werk, das durch die Hallen der Welt zieht,
vielleicht nur ein Flüstern, kaum gehört
doch genau das, was dein Herz betört.


Die Melodie wird einfacher. Weniger Töne, mehr Bedeutung. Jeder Klang sitzt tiefer.

Und bis ich’s finde, spiel ich weiter fort,
trag meine Sehnsucht von Ort zu Ort,
denn irgendwo zwischen Traum und Sein
wird dieses Lied das deine sein.


Fast nur noch einzelne Saiten… ganz leise.

Ich such das Lied deines Herzens,
und geb die Suche nie auf—
denn jede Note führt mich näher
an deinen leisen Lebenslauf.


Die Finger streichen kaum hörbar über die Saiten – mehr Hauch als Ton.

Und wenn du lächelst, ganz sacht,
weiß ich, ich bin nicht mehr allein—
denn vielleicht… ganz vielleicht…
könnte es dieses Lied schon sein.


Der letzte Ton verklingt langsam. Kein Abschlussakkord nur Stille… als würde die Antwort noch ausstehen.
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Linus van Sturmfang
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Sterne lügen nicht

Beitrag von Linus van Sturmfang »

Der Ball lag hinter ihm wie ein Traum, aus dem man nicht ganz aufgewacht ist.

Linus saß auf den Stufen der Villa Sturmfang, den Kopf im Nacken, den Blick dort oben verloren, wo die Sterne über Berchgard standen als hätten sie den ganzen Abend zugeschaut und sich dabei köstlich amüsiert. Er konnte es ihnen nicht verdenken. Es war ein guter Abend gewesen. Ein sehr guter sogar.

Der Applaus lag ihm noch in den Ohren.

Kawi. Was für ein Abend das gewesen war. Zuerst hatte er getanzt – mit Ava, dann mit Gwenna – und sich dabei an das erinnert, was er gelegentlich vergaß: dass ein guter Tanz und ein gutes Lied am Ende aus demselben Holz geschnitzt sind. Später hatte Tom ihn auf die Bühne gerufen, wie ausgemacht.
Und er hatte gespielt. Für den Saal. Für die Nacht. Vielleicht auch ein wenig für sich selbst. Der Applaus danach war ehrlich gewesen und die Rufe nach einer Zugabe lauter als selbst er erwartet hatte. Ein zweites Lied für Alle.

Er lächelte in den Himmel.

Nicht schlecht für einen Mann, der auf Gerimor eigentlich nur durchreisen wollte.

Und dann war da noch Gwenna.

Linus ließ den Gedanken ankommen, ohne ihn zu hetzen. Gwenna, die kein großes Aufheben machte um Dinge, die ihr wichtig waren und sie gerade deswegen umso deutlicher aussprach. Sie hatte ihm klargemacht, dass sie ihn in Berchgard wollte. Nicht als Durchreisenden, nicht als gelegentlichen Gast mit Laute und charmantem Lächeln, der irgendwann wieder im nächsten Hafen verschwindet.

In Berchgard. Bleibend.

Er rieb sich den Nasenrücken.

Ja. Das war deutlich gewesen.

Irgendwo zwischen den Sternen fragte er sich, ob Kathrina das dulden würde und bemerkte im selben Atemzug, dass die Frage vermutlich noch ein paar Kapitel zu früh kam. Man schreibt schließlich nicht den letzten Vers, bevor das Lied seine Mitte gefunden hat. Erst als Edler würde er der Etikette entsprechend offiziell um sie werben.

Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

Berchgard.

Das Wort rollte ihm durch den Kopf wie ein Akkord, der unerwartet gut sitzt. Wann genau war das passiert? Wann hatte dieser Ort aufgehört, eine Station zu sein, und angefangen sich wie das Ende einer langen Reise anzufühlen? Gerimor hatte ihn aufgenommen, manchmal unsanft, meistens überraschend, aber immer ehrlich. Und Berchgard hatte sich irgendwo in dieser Zeit von einer Stadt zu einem Zuhause gewandelt.

Er schmunzelte.

Dabei lief doch alles nach Plan.

Was auch immer dieser Plan ursprünglich gewesen war, er existierte noch. Das war die Hauptsache. Manche hielten Barden für Traumtänzer – Männer die das Leben so nehmen wie es kommt und es hinterher in Verse fassen. Linus nahm das Leben durchaus wie es kam. Er hatte nur meistens dafür gesorgt, dass es so kam wie er es wollte. Er dachte gelegentlich in Zügen. Nicht auf einem Brett aus Holz mit Figuren aus Elfenbein sondern auf einem, das sich ständig verschob, dessen Felder sich neu ordneten und dessen Figuren manchmal ein eigenes Interesse zu verfolgen schienen. Ein schlechter Spieler hadert mit dem Brett. Ein guter passt sich an. Und ein sehr guter, so redete er sich mit ruhiger Überzeugung ein, weiß von Anfang an, dass das eigentliche Spiel nie das ist, das man zu spielen glaubt.

Manches hatte sich anders gefügt als gedacht. Wege, die gerade aussehen sollten, hatten Kurven bekommen. Türen, auf die er gezählt hatte, waren geschlossen gewesen und andere, an die er nie geklopft hätte, standen offen. Er hatte improvisiert. Mehr als einmal. Mehr als er zugeben würde.

Aber das war das Wesen der Musik, und vielleicht auch das Wesen eines Lebens, das der Wind schreibt: Man beginnt mit einer Melodie im Kopf, und am Ende ist es ein ganz anderes Lied geworden. Eines, das besser klingt. Tiefer sitzt. Eines, das bleibt.

Und am Ende, so hatte er irgendwann gelernt, zählte nicht der Weg. Es zählte, was man spielte wenn man ankam.

Er, Barde, Charmeur und gelegentlicher Verursacher von Herzstolpern, hatte beschlossen, seiner Kunst auf Gerimor mehr Raum zu geben. Den Musen, so inspirierend sie auch waren, etwas weniger. Die Welt hatte genug Lieder über vergängliche Blicke und weiche Hände. Was sie brauchte, waren Lieder mit Gewicht. Mit Wurzeln.

Er sah in den Himmel und ließ einen Moment vergehen.

Dann, leise, fast nur für die Sterne:

„Das Schicksal mag in euch geschrieben stehen. Aber die Melodie bestimme noch immer ich..."

Die Sterne gaben keine Widerworte.

Wie immer.

Linus nickte zufrieden.

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