Seite 2 von 4

Verfasst: Montag 27. Mai 2024, 13:08
von Qy'lhor
Die Ankündigung des Besuchs aus dem Atal'Axorn sorgte für etwas Erstaunen, doch war es wohl ohnehin die sinnigste Art des Austausch über derlei gefährliche Themen. Denn nichts von dem, was man dem Meister berichten könnte, sollte jemals auf einem Pergament durch die Lande reisen.

Und so bereiteten sie sich auf seine Ankunft vor...

Verfasst: Dienstag 18. März 2025, 00:33
von Jyn'drarr
Die Reise ins Ungewisse

Dunkel lag das Axorn in dieser Nacht. Die Straßen führten gespenstisch leer durch die Stadt, nur das Knarzen der Wachen erklang, wenn sie ihre Position wechselten. Jyn'drarr war auf Wachgang, ein weiteres Mal seine Runden drehend, als das Unheil seinen Lauf nahm. Aus dem Nichts breitete sich ein heftiger Schmerz durch seinen Körper aus, trübte seine Sicht und schnürte ihm den Atem ab, als umklammerten unsichtbare Klauen seinen Hals. Ein Laut durchbrach die Stille, kaum mehr als ein Wispern, getragen von einer Macht, die den Raum beherrschte. Die Stimme schnitt in seine Gedanken, tief und röchelnd, gesprochen in der Sprache Vaters. Nur er allein nahm sie wahr; die Lethrixoren blieben unberührt. Trotz der pochenden Schmerzen hielt Jyn'drarr seinen Kurs. An der Brücke von Rar'Atar erschien eine Gestalt, umgeben von einem grünschwarzen Schimmer, dessen zerrissener Umhang dennoch majestätisch wirkte. Ihre Klinge schleifte über den Stein und hinterließ eine Spur aus Schwärze. Jyn'drarrs Körper spannte sich, getrieben von einer Macht, die nicht die seine war. Sein Blick verengte sich.

„Beweg dich, Lethrixor, oder muss ich dir deinen Schädel zerquetschen?“

Er folgte dem Ruf.


Die Prüfung des Geistes

Er folgte. Schritt um Schritt, sein Griff um den Waffenriemen fester werdend. Der Schatten bewegte sich, führte ihn um die Hügel. Mit jedem Schritt wandelte sich seine Umgebung. Schatten verzerrten sich, wurden zu Gestalten, deren Präsenz nicht sein durfte. Sein Körper widersetzte sich, Glieder schwer wie Blei, während sein Geist tiefer in Finsternis versank.

Dann traf ihn ein Schlag.

Als die Klinge des Abbildes ihn berührte, fiel die Welt in Dunkelheit. Farben verschwanden, als hätte ein Tornado das Fundament seines Geistes herausgerissen. Es war kein Schnitt in Fleisch und Blut – es war ein Riss in der Realität selbst. Der Tempel des alten Axorns brennte. Blutgetränkte Erde. Erzlethoryxae Cey'lin, gebeugt über den Ala'thraxor, dessen Waffe in ihren Händen lag. Dann – eine Explosion. Der Körper der Templerin zerbarst, ihre Überreste schlugen wie Splitterregen um ihn herum ein.

Ein Beben durchzuckte ihn, die Erzlethoryxae vor seinen Augen, zerfetzt von unsichtbarer Macht.

Er fiel.

Danach ergriff ihn eine Kraft, unaufhaltsm. Der Boden wurde sein Feind. Steine und Wurzeln zerrissen seine Haut, hinterließen eine Spur des Widerstands. Doch selbst als er die Finger in den Waldboden grub, war es nutzlos. Ein unsichtbarer Griff zog ihn weiter, ließ keinen Halt zu. Jeder Versuch, sich zu wehren, wurde mit mehr Druck beantwortet – ein Druck, der Knochen hätte brechen können.

Wieder erklang die Stimme, als Echo einer vergessenen Zeit:

„Was kommt nach dem Schmerz?“

Sein Atem stockte. Jede Bewegung brachte neue Qualen. Schließlich stieß er die Antwort heraus:

„Stärke.“

Die Kraft zog ihn bis zum Eingang des alten Axorn, ehe sie ihn abrupt losließ. Schmerzgepeinigt blieb Jyn'drarr liegen, keuchend am Boden. Das Abbild sprach erneut, gebieterisch:

„Komm.“

Unter größter Anstrengung zwang er sich aufzustehen, jeder Schritt eine Prüfung seines Willens. Der Weg führte ihn hinab, dorthin, wo die Schatten tiefer wuchsen. Zum alten Axorn. Unten im alten Axorn kroch der Nebel heran, legte sich wie lebendige Fesseln um seine Beine. Als er tiefer trat, verschlang ihn vollkommene Stille. Plötzlich erstarrte er – gefangen von unsichtbaren, eisigen Ketten, unfähig sich zu bewegen.

Dann vernahm er wieder seine Stimme, es hört sich so an als würde die Dunkelheit zu ihm eindringlich sprechen:

„Er hat meinen Geist nicht getötet. Das kann er nicht. Mein Geist hat schon Anderes überlebt.“

„Er hat mich unterschätzt.“

„Du wirst dem Lethyren berichten.“

„Hier.“

„Hier.“

„Hier.“

Ein verzerrtes, unmenschliches Lachen hallte aus der Dunkelheit, schrill und kalt, erfüllt von Hohn und uralter Bosheit. Es zerriss die Schwärze und zerrte erbarmungslos an Jyn'drarrs Verstand, bevor eine gewaltige Macht ihn hinaus in die eisige Kälte des Sumpfes schleuderte.

Dreckiges Sumpfwasser spritzte in alle Richtungen, der Nebel zog sich zurück. Kalte Nachtluft ergriff ihn, nahm ihm den eisernen Griff, der ihn gehalten hatte. Doch das Lachen hallte noch nach.

Es war nicht vorbei.

Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, seit er im Sumpf wieder zu sich gekommen war. Sein Körper war schwer, sein Geist noch immer durchdrungen von den Bildern, die ihm gezeigt worden waren. Stunden, vielleicht Tage verstrichen, ehe er sich dazu zwang, einen Bericht zu verfassen.

[quote="Jyn'drarr"]Bericht an den Meister

Betreff: Begegnung mit dem Abbild von Zyth'ral

Ort des Geschehens: Axorn – Brücke von Rar'Atar – Alter Axorn – Sumpf

Während meines Wachgangs im Axorn erfasste mich unvermittelt intensiver körperlicher und geistiger Schmerz, getrieben von einem Flüstern und den Drang an die Oberfläche zu gehen, dort erwartete mich etwas. Kurz darauf erschien an der Brücke von Rar'Atar eine Gestalt – das Abbild von Zyth'ral, gehüllt in grünschwarzen Schimmer und bewaffnet mit einer Klinge.

Ich folgte der Erscheinung, getrieben von einer unnatürlichen Macht. Visionen überwältigten mich: der alte Tempel unserer alten Heimat am brennen, blutgetränkte Erde, Lethoryxae Cey'lin über den toten Ala'thraxor mit dessen Waffe in der Hand, Dann – eine Explosion. Der Körper der Erzlethoryxae zerbarst, ihre Überreste schlugen wie ein Regen um mich herum ein. Die Explosion schlug auch physisch auf mich ein, mit einer gewaltiger Kraft schleuderte es mich zu Boden, meine Knochen in der Brust brachen unweigerlich unter der enormen Kraft.

Dann griff mich eine unsichtbare Kette, sie windetete wie eine Schlange um mich. Gewaltsam wurde ich über den Waldboden geschleift, gezwungen, dem Abbild zu folgen. Am Eingang des alten Axorn ließ die Kraft mich los.

Unter größter Anstrengung zwang er mich aufzustehen, jeder Schritt war eine Prüfung meines Willens. Der Weg führte mich hinab, dorthin, wo die Schatten tiefer wuchsen. Zum alten Axorn. Unten im alten Axorn kroch der Nebel heran, legte sich wie lebendige Fesseln um meine Beine.

Als ich tiefer trat, verschlang mich eine vollkommene Stille. Plötzlich erstarrte ich– gefangen von unsichtbaren, eisigen Ketten, unfähig mich zu bewegen.

Die Gestalt sprach eindringlich: „Er hat meinen Geist nicht getötet. Das kann er nicht. Mein Geist hat schon Anderes überlebt. Er hat mich unterschätzt. Du wirst dem Lethyren berichten. Hier. Hier. Hier.“

Danach erfasste mich eine weitere gewaltige Kraft, schleuderte mich in den Sumpf, wo ich verletzt und desorientiert erwachte.

Empfehlung:

Eine genaue Untersuchung des alten Axorn und seiner Umgebung ist dringend notwendig. Diese Präsenz besitzt die Fähigkeit, massiv auf Geist und Körper einzuwirken und könnte eine unmittelbare Gefahr darstellen.

Lethrixor
Jyn'drarr
[/quote]

Verfasst: Dienstag 18. März 2025, 18:52
von Qy'lhor
Er stand auf dem Dach des Lethyrenturms, als der Bericht des Lethrixoren in seine Hände gereicht wurde. Der Pantherhelm neigte sich einen Deut nach unten, um es dem schimmernden Grün in den Augenhöhlen zu erleichtern, die Worte in dem Bericht zu lesen. Das Raunen wurde immer durchdringender, nur um am Ende in einem Knurren zu enden, als der Blick sich wieder anhob und auf die vergangenen Meister gerichtet wurde.
Bild


Wer in diesem Moment die Szenerie beobachtete, würde wohl den Eindruck erhalten, dass ein angeregtes Zwiegespräch zwischen ihm und den Statuen stattfindet. Und sich allmählich ein unheilvoller Schatten um die Gestalt des Van'leth'axorn weben würde, durchdrungen von schemenhaften Augen, die lauernd darin verweilten. Es dauerte einige Augenblicke, ehe die Stimme sich erhob und mit einem dissonanten Echo über den Lethyrenturm hinweg fegte.

Im nächsten Atemzug machte sich einer der Lethrixoren mit eiligen Schritten auf zum Tempel, um der Lethoryxae den Bericht ebenso vorzulegen.

Und ein weiterer würde ein Schreiben in das Atal'Axorn entsenden, zu Händen von Meister Xynaroth.


Unseres Vater's Macht leite uns Van'atal'axorn,

es ist einige Zeit vergangen seit unserem letzten Austausch.
Doch ist es meine Pflicht dich über neueste Vorkommnisse zu informieren, denn sie betreffen deinen Ala'thraxor Zyth'ral. Als er bei der Suche nach dem dunklen Magier getötet wurde, war uns seine Essenz eine enorme Hilfe.

Nun scheint er allerdings zurückgekehrt, zumindest in einer geisterhaften Gestalt. Er suchte einen meiner Lethrixoren auf und zerrte ihn in unser altes Leth'Axorn, um ihn dort die folgenden Worte mitzuteilen

„Er hat meinen Geist nicht getötet. Das kann er nicht. Mein Geist hat schon Anderes überlebt. Er hat mich unterschätzt. Du wirst dem Lethyren berichten. Hier. Hier. Hier.“

Wir wissen noch nicht, was es bedeutet. Aber wir werden dem nachgehen.
Was immer Zyth'ral uns sagen will, wir werden es herausfinden.
Bild
Van'leth'axorn
[/img]

Verfasst: Mittwoch 19. März 2025, 11:07
von Velvyr'tae
Außerhalb des Axorns musste die Sonne schon hoch am Himmel stehen, während der Unterschied in den Höhlen nur marginal an der Aktivität der Geschwister zu bemerken war. Ihr Volk gewährte sich wenig Ruhe und Müßiggang, wie es sein sollte. Es war besser hell zu brennen und die Jahrzehnte mit Bedeutung zu füllen, als Jahrhunderte ohne echten Wert zu verleben.

Die Lethoryxae löste sich aus ihrer knienden Haltung vor dem Altar, wo sie die Nachtstunden verbracht hatte. Ihr Nacken zog schmerzhaft und sie dehnte ihn subtil, fühlte die Blicke der Geschwister und Wachen, die sich im Tempel aufhielten. Unruhe lag in der Luft, Erwartung. Der Schmerz pulsierte hinter ihren Schläfen und sie rieb sich unwillig über die Stirn. Die ersten Anzeichen des Alters? Oder war es der Anspannung geschuldet und den Stunden des Gebets?

Die Türe zu dem kleinen Büro klickte, als der Riegel ins Schloss fiel.
Der Bericht des Lethrixors lag mittig auf dem Schreibtisch. Penetrant. Nicht zu ignorieren.
So wie sein Verhalten heute.

Der Geist des Ala'thraxors. Das alte Axorn. So viele Erinnerungen.
Und eine Bedrohung.

Die Lethoryxae hob den Bericht hoch und ihr Blick verhakte sich an einer bestimmten Zeile. War es eine Warnung oder eine Drohung? Aber im Grunde spielte es keine Rolle.

Sie würden wieder in die Höhlen hinabsteigen müssen. Herausfinden, was vor sich ging.
Kurz darauf machte sich ein Bote auf, die Erzlethoryxae zu finden und ihr eine Abschrift des Berichts zu übergeben. Ein Teil ist darin deutlich markiert und am Rand steht nur eine Ergänzung:
"Zyth'rals Abbild sprach vom Mael'Rayat. Ein Splitter? Wir werden erneut hinabsteigen."
Bericht an den Meister
Betreff: Begegnung mit dem Abbild von Zyth'ral
Ort des Geschehens: Axorn – Brücke von Rar'Atar – Alter Axorn – Sumpf

Während meines Wachgangs im Axorn erfasste mich unvermittelt intensiver körperlicher und geistiger Schmerz, getrieben von einem Flüstern und den Drang an die Oberfläche zu gehen, dort erwartete mich etwas. Kurz darauf erschien an der Brücke von Rar'Atar eine Gestalt – das Abbild von Zyth'ral, gehüllt in grünschwarzen Schimmer und bewaffnet mit einer Klinge.

Ich folgte der Erscheinung, getrieben von einer unnatürlichen Macht. Visionen überwältigten mich: der alte Tempel unserer alten Heimat am brennen, blutgetränkte Erde, Lethoryxae Cey'lin über den toten Ala'thraxor mit dessen Waffe in der Hand, Dann – eine Explosion. Der Körper der Erzlethoryxae zerbarst, ihre Überreste schlugen wie ein Regen um mich herum ein. Die Explosion schlug auch physisch auf mich ein, mit einer gewaltiger Kraft schleuderte es mich zu Boden, meine Knochen in der Brust brachen unweigerlich unter der enormen Kraft.

Dann griff mich eine unsichtbare Kette, sie windetete wie eine Schlange um mich. Gewaltsam wurde ich über den Waldboden geschleift, gezwungen, dem Abbild zu folgen. Am Eingang des alten Axorn ließ die Kraft mich los.
Unter größter Anstrengung zwang er mich aufzustehen, jeder Schritt war eine Prüfung meines Willens. Der Weg führte mich hinab, dorthin, wo die Schatten tiefer wuchsen. Zum alten Axorn. Unten im alten Axorn kroch der Nebel heran, legte sich wie lebendige Fesseln um meine Beine.
Als ich tiefer trat, verschlang mich eine vollkommene Stille. Plötzlich erstarrte ich– gefangen von unsichtbaren, eisigen Ketten, unfähig mich zu bewegen.
Die Gestalt sprach eindringlich: „Er hat meinen Geist nicht getötet. Das kann er nicht. Mein Geist hat schon Anderes überlebt. Er hat mich unterschätzt. Du wirst dem Lethyren berichten. Hier. Hier. Hier.“
Danach erfasste mich eine weitere gewaltige Kraft, schleuderte mich in den Sumpf, wo ich verletzt und desorientiert erwachte.

Empfehlung:
Eine genaue Untersuchung des alten Axorn und seiner Umgebung ist dringend notwendig. Diese Präsenz besitzt die Fähigkeit, massiv auf Geist und Körper einzuwirken und könnte eine unmittelbare Gefahr darstellen.

Lethrixor
Jyn'drarr

Verfasst: Sonntag 23. März 2025, 17:15
von Ceylin'Tyrs
Im schattigen Gemäuer des Axorns, wo das harte Echo von Schlag auf Schlag den Boden bebend erfüllt, wird ein erbitterter Trainingskampf ausgetragen. Dort, zwischen den kargen Felswänden, führt Ceylin'Tyrs mit einem jungen Lethrixor – einem besonders strebsamen, jedoch unerfahrenen Exemplar – einen Übungskampf. Mit der Geschmeidigkeit und tödlichen Präzision eines Panthers, der seine Beute prüft, baut sie bewusst Lücken in ihrer Verteidigung ein. Jeder scheinbar unachtsame Schritt, jede kleine Verwundbarkeit ist kein Fehler, sondern ein kunstvoll inszenierter Trick. Der Lethrixor, getrieben von hitzigem Ehrgeiz, steht vor der quälenden Ungewissheit, ob er in diesen Momenten tatsächlich eine Schwäche auszunutzen vermag oder ob er bereits in eine Falle tappt, die sie für ihn vorbereitet hat. Zögernd und zugleich ungestüm versucht er, seinen Vorteil zu erlangen – und in seinem Übermut findet er sich unvermeidlich in ihrem Spiel wieder, wo die Grenzen zwischen einem Trainingskampf und einem Kampf auf Leben und Tod verschwimmen.

Ein Bote tritt hinzu und verweilt einen kurzen Augenblick, um die Intensität des Gefechts zu beobachten. Als Ceylin den Boten bemerkt, unterbricht sie widerwillig den erbitterten Kampf, um das Pergament entgegenzunehmen. Während sie den Bericht entrollt, spiegeln sich in ihrem Gesicht, trotz der noch nachhallenden Schmerzen und des Nachklangs der Klingen, kühle Vorfreude und die leise Erwartung Vater dienen zu können wider – jenen Ruf, den alten Axorn erneut zu betreten, ein Ruf, der lange in den Schatten lag und nun unüberhörbar wird.

  • Vaters Zorn mit dir, Velvyr'tae,

    Deine Abschrift hat einen Funken neuer Erwartung in mir geweckt. Ich erwarte, dass alle Vorbereitungen bis ins kleinste Detail fehlerfrei abgeschlossen werden und dass jegliche Berichterstattung ohne Makel erfolgt – Versäumnisse können nicht toleriert werden.

    Möge Sein Hass uns leiten,


    Ceylin'Tyrs

    Erzlethoryxae Alataris
    Tetrarchin Rahals
Bild

Verfasst: Sonntag 23. März 2025, 22:06
von Der Erzähler
Erst nach einigen Tagen wird eine Antwort in das Axorn überbracht, adressiert an den Meister selbst.
Möge sein unbändiger Zorn uns leiten Van'leth'axorn!
Deine Worte erreichen mich mit Verwunderung, ebenso über den Verbleib meines Ala'thraxor.

Ich harre deiner Ergebnisse.

Xynaroth
Van'atal'axorn

Verfasst: Mittwoch 26. März 2025, 23:51
von Jyn'drarr
  • Der Wille unter dem Stein
    Bild

    Ein bedeutender Abschnitt war verstrichen. Die Verletzungen, die jener verhängnisvolle Abend an Jyn'drarrs Körper und Geist hinterlassen hatte, begannen allmählich zu heilen. Diese Wunden waren nicht nur physischer Natur. Sie hatten sich tief in sein Bewusstsein eingebrannt, wie Schatten, die selbst durch das hellste Licht nicht vertrieben werden konnten. Etwas war aufgebrochen – und es ließ sich nicht wieder schließen.

    Bild

    Wieder übernahm Jyn'drarr einen regulären Wachgang, wie es seine Pflicht als Lethrixor verlangte. Der Ablauf erschien vertraut, beinahe beruhigend in seiner Strenge. Doch dieser Abend unterschied sich von allen vorhergehenden.

    Die versammelten Geschwister und der anwesende Meister warteten, als Jyn'drarr auf sie zutrat. Man forderte ihn auf, über die Ereignisse jener Nacht zu sprechen, die ihn gezeichnet hatte. Während er sprach, begann es erneut: ein kaum wahrnehmbares Ziehen, das rasch zu brennendem Schmerz wurde – tiefgreifend, durchdringend, wie ein uraltes Siegel, das sich in seinem Inneren wieder regte.

    Er unterbrach, senkte den Blick. Für einen Moment versagte ihm die Stimme. Die Anwesenden wechselten verstohlene Blicke, spürten die Veränderung. Schließlich sprach er heiser:
    „Alte Heimat... Axorn.“

    Er wandte sich ab. Kein Befehl hielt ihn auf. Keine Stimme konnte ihn zurückrufen. Mael‘Qil Pha‘raundarr folgte ihm wortlos. Der Weg führte zurück zu jenem vergessenen Eingang, der einst ins alte Axorn hinabführte. Und wieder sog ihn der Nebel hinab – schwer, faulig, als würde die Erde selbst ihren verlorenen Sohn zurückfordern.

    Bild

    Die übrigen Gefährten hatten bereits Stellung bezogen. Jyn'drarr war zu Fuß gekommen. Rastlos, wie gehetzt. Zielstrebig, wie von einem inneren Schwur getrieben.

    Bald drangen Geräusche an ihre Ohren: dumpf, verzerrt, dissonant – wie das Ächzen eines langen verschlossenen Tors. Den Liedwirkern unter ihnen schnitten diese Töne durch das Gehör wie gebrochene Harmonien, die aus einer anderen Welt herüberdrangen.

    Sie durchquerten den Nebel. Er war dichter als sonst, fast lebendig. Vor ihnen wuchs eine Wand aus grünlich schimmernder Magie. In ihrer Mitte: das verzerrte Antlitz eines Wesens, grotesk, verzogen, fast spöttisch. Es atmete – oder gab vor, es zu tun. Dann sprach es:


    „Sterbliche... glaubt ihr, ihr seid bereit?“

    Ein Rätsel forderte ihren Verstand heraus. Die Lösung wurde gefunden, wenn auch nicht ohne Zweifel. Der Zugang öffnete sich. Dahinter ein Labyrinth, gefüllt mit uralten Fallen, schleichenden Schatten und einer bedrückenden Stille, die in jedem Schritt mitschwang.

    Bild

    Mit einem Mal wurde Jyn'drarr von einer Vision erfasst. Ein Schemen bewegte sich lautlos vor ihm – wie aus einer anderen Zeit. Nur er konnte ihn sehen. Die Welt um ihn wurde still. Seine Gefährten blieben zurück. Und Jyn'drarr wusste: Diesen Weg musste er allein gehen.

    Er trat durch eine Tür, die sich wie ein lebendiger Wille hinter ihm verschloss.
    Dunkelheit. Nicht einfach das Fehlen von Licht, sondern ein Raum, der selbst Licht zu verschlingen schien. Eine Kraft zog ihn weiter, unnachgiebig.

    Stimmen hallten in seinem Kopf – alte, flüsternde, hämmernde Worte. Er fiel in einen Raum mit zwei Käfigen, in einen der Käfige landete er und im anderen: Ein Todesbote. Riesig, von schwarzer Rüstung umhüllt, eine Klinge in Händen, die für das Ende selbst geschmiedet schien.

    Ein metallisches Ächzen, als der Käfig sich öffnete. Jyn'drarr hob seine Waffe. Seine Muskeln spannten sich. Keine Rückkehr mehr. Der Kampf begann.

    Schlag auf Schlag, in einem Tanz aus Überleben und Schmerz. Jyn'drarr wich, konterte, presste seinen Atem gegen das Brennen in seiner Brust. Der Gegner war erbarmungslos, seine Bewegungen schwer wie das Urteil eines Gottes. Doch Jyn'drarr ließ nicht nach. Sein Schmerz wurde zur Waffe, sein Wille zur Schneide.

    Als alle Kraft zu weichen schien, fand er sie: die Schwachstelle. Der Rabenschnabel traf. Erst einmal. Dann erneut. Die Rüstung gab nach. Der Todesbote wankte.

    Beide taumelten, erschöpft, blutend, keuchend. Dann – ein Pfeifen. Schrill, durchdringend. Niemand wusste, woher es kam. Vielleicht war es ein Befehl. Vielleicht ein letztes Flüstern der Tiefe. Jyn'drarr zögerte nicht.

    Sein letzter Schlag durchdrang den Helm des Feindes. Immer wieder. Bis nichts mehr blieb als Stille, Der Körper des Todesboten sackte in sich zusammen und ebenfalls Jyn'drarr.


    Bild

    „Steh auf. Deine Zeit ist noch nicht vorbei.“

    Er gehorchte. Nicht aus eigener Kraft, sondern weil es ihm aufgetragen war. Etwas in seinem Inneren hatte sich verschoben. Sein Blick war ruhig, seine Haltung gefasst – doch wer genau hinsah, erkannte die Risse unter der Oberfläche. Etwas war zerbrochen, und was sich daraus geformt hatte, war nicht mehr dasselbe.

    Ohne ein Wort setzte er den Weg fort. Die anderen folgten. Er ging voran, als sei es selbstverständlich, als hätte sich nie etwas verändert – und doch spürten sie es. In seiner Art. In seiner Präsenz. Jyn'drarr war nicht mehr, wer er war.

    Die Kammer lag vor ihnen. Der Sarkophag des Magiers – eines Feindes der Letharen – ruhte schwer und unbewegt inmitten der Stille. Eine Kraft lag in der Luft, greifbar, wie das Gewicht alter Wahrheit.

    Dort wartete das Abbild. Ein letztes Mal. Es sprach zu ihnen. Es richtete. Es offenbarte. Jyn'drarr hatte bestanden.

    Er war zum Mael‘Qil geworden.


    Bild

    Gezeichnet vom Nebel der Vergessenheit, geformt durch Schmerz, Stimmen und Prüfung, hatte er sich aus dem Griff des Alten erhoben.

    Was in ihm war, war nicht nur bloßer Wille – es war Zweck.
    Nicht aus Ehre und nicht aus Stolz, sondern aus der unerschütterlichen Bestimmung, als Werkzeug zu dienen, wo andere zerbrechen.

    Er war nun mehr als ein Schatten unter vielen.

    Er war der Beweis, dass das Feuer Vater selbst durch Leid genährt wird. Dass Gehorsam nicht aus Furcht geboren wird, sondern aus der Klarheit eines Geistes, der seine Ketten erkannt und angenommen hat.

    Ein Werkzeug. Ein Wille. Ein Gefäß Alatars.

    Der Mael‘Qil war erwacht.

    Bild

Verfasst: Montag 14. Juli 2025, 10:18
von Qy'lhor
Es war vor knapp vier Monden, als die Letharen einen unerwarteten Fund machten. Lethrixor Jyn'drarr führte sie im Wahn getrieben durch alte Höhlengänge, nur um dann vor einem alten Grab zu enden. Doch jenes Grab sollte nicht willkürlich gewählt sein. Nein, es war das Grab des dunklen Magiers, welchen die Letharen im letzten Jahreslauf getötet haben und aus dessen Habseligkeiten sie das Haszakin Shan'al bergen konnten. Jahrhunderte war es verborgen, nur aus den Überlieferungen des Volkes bekannt. Schon Syrr'ael sprach zu seiner Lebzeit von diesem Werk, zitierte es gar als hätte er es selbst in den Händen gehalten.

Als das Grab damals geöffnet wurde, befand sich darin nicht nur die leblose Hülle des dunklen Magiers, sondern auch eine uralte Schriftrolle.

Bild


Es wurde schnell deutlich, dass diese Schriftrolle im Zusammenhang mit der Suche nach dem nächsten Mael'Rayat Bruchstück stand. Doch sie war versiegelt, mit Runen aus einer längst vergangenen Zeit.


Das Haszakin Shan'al und die Schriftrolle im Besitz des Leth'Axorn, waren wichtige Wegweiser bei der Suche. Doch wie sollten sie an die Informationen gelangen, die diese beiden Relikte in sich verbargen? Seit über einem Jahreslauf wartete Qy'lhor auf eine Eingebung, um an das Innere des Buches zu gelangen. Jede Berührung, jede Annäherung an das Buch war mit qualvollen Schmerzen verbunden. Eine einzelne Hülle würde es mit einem Wimpernschlag in die Bedeutungslosigkeit zerren.

Doch etwas veränderte sich mit der Zeit und es war nicht das Buch. Nein, das Leth'Axorn selbst veränderte sich. Die Geschwister wurden stärker, sowohl körperlich als auch im Verstand. Der Zorn, den sie gemeinsam aufbringen konnten, war machtvoller denn je. Und so wurde der Entschluss gefasst, dem Buch entgegenzutreten. Doch nicht allein, sondern mit allen Geschwistern.

In dem gemeinsamen Ritual kanalisierten die Mitglieder des Orlox den Zorn aller Geschwister auf den Meister, welchen er dann nutzte, um seine eigene Gestalt in der Disharmonie wie eine aus mehreren Fragmenten bestehende, riesige Monstrosität erscheinen zu lassen. Geflutet von der Macht all seiner Geschwister, griff er nach dem Buch. Zunächst jedoch nichts, Stille. Doch dann geschah etwas, Nebel. Nebel zog aus dem Buch und ergriff jeden einzelnen der Letharen.

Bild


Der Schmerz durchzog ihre Leiber, das Buch wollte sie prüfen. Waren ihre Hüllen und ihr Wille das Ziel zu erreichen stark genug? Hätten sie nicht vor wenigen Tagen das Schutzritual durchgeführt, wären einige von ihnen mit Sicherheit bewusstlos zu Boden gegangen. Und selbst Qy'lhor musste sich dem qualvollen Schmerz beugen. Und in dem Moment, als die Geschwister drohten dem Buch nicht mehr standhalten zu können, wurden sie in das Buch gezogen? Wurden sie das? Oder halluzinierten sie? Hatten sie alle den selben Traum, hervorgerufen durch den Schmerz? Oder war dies das, was im Inneren des Buches schlummerte? Sie fanden sich in einem Raum wieder. Ein Raum, mit Büchern und einem Menschen, namens Cawin. Dieser Mensch, er versteckte etwas. Doch schien er die Letharen nicht wahrzunehmen. Gerade als Qy'lhor einen genaueren Blick auf das erhaschen wollte, was dort auf dem Tisch lag, kamen zwei weitere Letharen in den Raum. Doch sie waren nicht aus dem Leth'Axorn.

Einen von ihnen erkannte man. Xynaroth, der heutige Meister des Atal'Axorn. Doch schien er hier, in diesem Raum, jünger. Ein aufstrebender Lethyr. Und er folgte dem offensichtlichen, damaligen Meister seines Axorns.

Eine hitzige Diskussion entstand zwischen dem Menschen und dem Meister des Atal'Axorn, sie schienen über etwas uraltes, mächtiges zu streiten.
Kurz bevor die beiden Letharen den Raum betraten, steckte Cawin etwas in seine Robentasche. Eine uralte Schriftrolle, die aussah wie jene, die die Letharen bei der Leiche des dunklen Magiers fanden.

Bild


Als das Gespräch sein Ende fand, offenbarte der Mensch noch ein weiteres Geheimnis. Er hatte das Haszakin Shan'al bereits in seinen Besitz gebracht, es gestohlen von denen, die ihm ein Heim gaben. Sie ließen ihn in ihrem Axorn leben und er bestahl sie um eines der wichtigsten Relikte des Letharenvolkes. Er war es also, Cawin, der dunkle Magier.

Sein späterer Tod durch die Geschwister des Leth'Axorn war die längst überfällige Strafe für seine Tat.

Im Anschluss verschwamm die Szenerie wieder und der Nebel griff wieder um sich, beförderte die Letharen aus dem Buch heraus wieder auf das Dach des Lethyrenturms.

Das Buch schien akzeptiert zu haben.
Denn was Qy'lhor nun verspürte, als seine Hand sich auf dem Buch befand, war kein Schmerz. Keine Verwirrung. Es war Antrieb.
Und so öffnete er das Buch und vor seinen Augen formten sich Worte auf den leeren Pergamentseiten.


Trägt nicht Eines sondern viele.
Alle sind jedoch Eins.
Ein Flüstern im Schatten, im Schweigen der Leere.
Viele Stimmen hallen in der Dunkelheit doch formt nur ein Mund, das gesprochene Wort.
So viel Wahnsinn in einem einzigen Sinn.
Die Entscheidung wartet.
Nur einer darf sie treffen. Nur eines gewählt werden.
Doch alle wollen sprechen, wollen leben.
Wer wählt, der verliert und wer zögert, der zerbricht.

Den Wurzeln des Seins näher als gewünscht, verborgen in der Nähe des alten Waldes.
Vom Wesen ein jedem von euch Gleich und doch so unterschiedlich.
Dem Ursprung allen Seins, dort führ der Weg nicht vorbei.


Das Buch sprach und seine Worte wurden vernommen.
Der nächste Schritt auf dem Weg der großen Suche wurde genannt und das Leth'Axorn wird ihm folgen...

Verfasst: Dienstag 15. Juli 2025, 21:42
von Der Erzähler
Und während der Mond in den Gassen der Oberwelt die Schatten in das Licht zerrt,
sickert in den dunklen Tiefen des Axorn etwas anderes herab.
Kein Licht. Kein Laut. Nur ein alter Hauch, kaum mehr als ein Gedanke.
Ein seichtes Flüstern, das sich durch Spalten und Ritzen windet,
durch das uralte Gestein, das mehr gehört als gesehen hat.

Es ist keine Stimme, die weckt, es ist kaum ein Wispern, eher ein gehauchter Atem oder vielmehr ein Luftzug.
Tief im Schlaf, während er in den Träumen seines Ichs verweilt.
Ein Zittern in der Dunkelheit hinter den Augen.
Etwas hatte ihn gefunden.
Und als der Schlaf ihn schließlich nahm,
war er bereits nicht mehr allein.


Der Pakt:

Das Flackern des tänzelnden Feuers vor den Füßen des Fremden erhellte die gezeichneten Runen entlang des Ritualkreises.
Flüsternd sprach er die Worte und hauchte dem Ritus Leben ein.
Die Macht des Liedes wuchs mit jedem gehauchten Wort.
Seine Hände umschlossen den Dolch, mit dem er sich dann in die Zunge schnitt.
Blut quoll aus der Wunde und tropfte auf den kalten Stein.
Die Schatten, die vom flackernden Feuer an die Wände geworfen wurden, tanzten still,
als würden sie sich einem uralten Lied hingeben.
Ein dichter Nebel waberte aus dem Boden und erfüllte das Innere des Raums.
Und wie aus dem Nichts fand sich der Magier an einem anderen Ort.
Die Höhlen unter dem Weltenrücken atmeten Stille. Kein Tropfen Wasser wagte sich in diese Tiefe. Es war eine Stille, die krank machte. Weil sie nichts war. Nicht einmal das Versprechen auf etwas.

Eine undurchdringliche Macht kroch durch jede noch so kleine Ritze, pochend wie ein dumpfer Herzschlag. Stetig. Gleichbleibend im Rhythmus.
Und dennoch – etwas kam näher.
Nicht schnell. Nicht langsam.
Es war die Bewegung von etwas, das nie geboren worden war.
Etwas, das wartete. Seit Jahrhunderten. Seit Anbeginn.

Dann erfüllte eine Stimme den Raum, durchdringend, scharf, tief und dröhnend.
„Wer wagt es, meine Hallen zu betreten?”
Der Magier kniete nicht. Er zitterte nicht. Er war so weit gekommen, er wollte, dass man ihn als das wahrnahm, was er war. Oder als das, was er zu sein beanspruchte: ein Mann mit Macht.
Seine Worte waren klar, ohne Umschweife. Eine direkte Frage. Oder vielleicht doch ein Angebot?
„Ich will das Bruchstück. Ich weiß, wo es liegt, doch ich brauche dich, um es zu bergen. Ich benötige deine Macht. So du mir deine gibst, wirst du einen Teil der meinen erhalten, sobald ich es geborgen habe.“
Stille. Aber etwas lachte. In seinem Schädel. Hinter seinen Augen.
„Du willst, was die Letharen verbergen. Du willst, was dein Blut nicht tragen kann.“
„Und du willst… einen Teil. Ich geb dir einen. Einen Teil der Macht. Wenn ich das Bruchstück mein nennen kann.“

Cawins Stimme schnitt durch die Dunkelheit.
Ein Moment verging, in dem die Finsternis selbst zu atmen schien.
Dann sprach das alte Wesen:
„Einen Teil… deiner Seele. Einen Teil… deines Gesichts. Wenn du das Bruchstück nimmst, wird es dich verändern. Und ich werde durch dich sprechen können. Einverstanden?“
Cawin zögerte. Nur kurz. Nur einen Wimpernschlag.
„Einverstanden.“
Der Boden öffnete sich nicht. Es gab kein Feuer. Keinen Schrei.
Nur einen kalten Druck auf der Brust als hätte jemand ein Loch in ihn gebohrt und es mit vergiftetem Atem gefüllt.
Der Dämon war fort. Oder vielleicht: in ihm.
Cawin stand auf. Und verschwand – eiligen Schrittes – im Nichts.
Und so wie Cawin im Nichts verschwand, wird Qy’lhor in das Jetzt geschmissen, hinausgezerrt aus seinem Traum. Der Schmerz im Kopf wird das Überbleibsel für den Tag sein, ein Druck der sich nur schwer lösen mag.


Der Plan

Ein Wispern hallt durch den schwarzen Raum, der gänzlich wie die Unendlichkeit selbst wirkt. Kein Luftzug, völlige Stille und dennoch verweilt ein Beben, welches Mark und Gebein erschüttert. Kein Echo und doch wird das gesprochene Wort der Beiden verweilenden, den Paktschmiedern, durch das Wispern der zahllosen Schergen, immerkehrend wirken.

Eine tiefe, zersplitterte Stimme erklingt, als würde sie aus vielen Mündern zugleich sprechen.
„Du törichter Wurm… du hast es aus der Hand gegeben.“

Die zweite Stimme verhallt stets im Raum, als wäre sie ein Gedanke und weniger ein Laut.
„Ich habe es nicht verloren. Es wurde gestohlen. Ich weiß, wo es ist. Noch spüre ich es. Wie einen Splitter unter meiner Haut. Meine Aufzeichnungen hat er. Das Buch hat er ebenso, welch Pein.“ Ein leises Seufzen erklingt.

„Ihr seid getrennt und dennoch eins. Wie du und ich.“
Ein dunkles Lachen, ein Krächzen durch Stein und Knochen.
„Sie denken, sie wären sicher.”

„Dann reiß die Erde auf und hol dir, was uns gehört! "Zerbrich ihr erbärmliches Zuhause!“ Fauchend von der Idee gepackt, die wispernden Stimmen hallen die Worte im Raum wider.

„Oh, ich sehe wie du in deinem Willen brennst, würdest du es können, hättest du es getan. Doch du bist Rauch. Kein Feuer und keine Flamme, ein ruheloser Geist, gefangen in dir selbst.“ Ein weiteres, dunkles Lachen, als würde er sich über die zweite Stimme lustig machen.

„Dann zünd sie an. Brenn sie raus.“

„Nein. Nicht so.“
„Sie haben Angst. Doch sie fühlen sich sicher. Sicherheit ist der süßeste Schleier. Zerreißen wir ihn.“ Ein Raunen hallt wieder, es klingt wie ein Windhauch durch einen Schacht.

Die Stimme windet sich wie eine Schlange, wird leiser, kriecht in den Verstand.

„Lock sie heraus. Eine Warnung. Eine Blutspur.“

Ein gemeinsames Flüstern, als wären sie Eins.

„…nehmen wir, was unser ist.“

Die Schatten zogen sich zurück. Der Plan war geboren. Und mit jedem Hauch des kommenden Morgens wuchs der Hunger.
Nicht nach Fleisch. Nicht nach Blut. Nach Macht.

Verfasst: Donnerstag 17. Juli 2025, 13:11
von Velvyr'tae
Es war nicht der Tempel, der sie in dieser Nacht wach hielt.
Innerlich unruhig und doch äußerlich still stand die Lethoryxae auf dem Dach des Lethyrenturms. Hier, wo der Thron des Meisters stand. Wo er erhoben wurde, wo sie ihm die Rune Nekandors ins Fleisch geschnitten hatte. Die zweite Rune.


Ein Band aus Pflicht und Loyalität, in Blut begonnen und erneuert.

Es war nicht das Buch, das sie beobachtete, auch wenn ein Teil ihres Geistes beständig um die Barriere kreiste. Über Veränderungen wachte.
Es war die Statue Syrr'aels. Des Erzlethyren, Van'leth'axorn, Brandstifter, irgendwann verschollen. Sie erinnerte sich an den jungen Syrr'ael.
Arroganz in jeder Geste, im Zucken seiner Mundwinkel. Berechnung in den Augen.
Sie hatte ihn gehasst. Auch bewundert.
Ein Band aus Loyalität und Pflicht und doch völlig anders.

Zorn stieg in ihr hoch, quoll über die Barrieren, die jahrzehntelange Übung aufgebaut hatte. Sie hob den Kopf, hielt dabei leblosen Blick des steinernen Lethyren. Selbst jetzt sah er auf sie hinab, der alte Bastard.


Lethyren.
Diese Selbstüberschätzung.


Ein Grollen. Sie lenkte ihren Zorn, nutzte ihn, um die Barriere neu zu speisen.
Die Runen glommen gierig auf, fraßen, was sie ihnen gab.
Ein tiefer Atemzug.

Nein, sie war nicht zornig wegen der Fehlbarkeiten längst vergangener Letharfen.
Sie war beunruhigt.
Der Menschenmagier hatte im Atal'Axorn die Geheimnisse der Letharen studieren dürfen. Hatte den Meister überzeugt, dass er brav wie ein Köter bei Fuß marschieren würde. Hatte gestohlen, was ihrem Volk gehörte. Was IHM gehörte.
War einen Pakt eingegangen mit einem Wesen. Einem Dämon?


Wie Furmas.
Wie Syrr'ael.


Ihre Handschuhe aus Kettengliedern knirschten, als sie den Stab in ihrer Hand enger umschloss. Der Kristall darauf glomm auf, reagierte auf ihren Willen.
Qy'lhor war anders als Syrr'ael. Nicht weniger arrogant.
Aber bedachter. Klarer in Bezug auf seine Grenzen.
Er würde nicht fallen. Sich nicht einspinnen lassen.
Er würde wissen, was geopfert werden durfte und was nicht.
Für SEINEN Plan.

Nein, er würde nicht fallen. Nicht mit ihr im Nacken.
Sie hatte ihm ein Versprechen gegeben, damals. Auch das zwischen ihnen war ein Pakt.
Ein Teil davon nüchtern geschlossen, im Wissen darum, dass selbst ein Meister jemanden brauchte, der die Wahrheit aussprach. Gleich, wie schmerzhaft.
Jemanden, der den schleichenden Wahn kannte, der im Schatten hinter jedem Lethyren lauerte.
Die feine Linie zwischen unbedingter Selbstsicherheit und Überschätzung.

Sie würde ihm den Rücken decken. Bedingungslos. Nicht immer so, wie es ihm gefiel.
Aber solange ihre Hülle aufrecht stand, würde sie einen Schritt hinter ihm sein.
Ihn stützen, antreiben, fordern.

Die Lethoryxae wandte sich ab. Verließ diesen Ort, an dem die Stimmen der Vergangenheit sich mit denen der Gegenwart untrennbar verschlagen.


Sollte er doch fallen, wusste sie, was zu tun war.

Verfasst: Montag 21. Juli 2025, 11:27
von By'nar
"Auch wenn dein Zorn anscheinend nicht für dich funktioniert, vielleicht funktioniert er für etwas Anderes."
Irgendein Lethar, irgendwann, irgendwo.
By’nar dachte nicht oft an die nächsten Tage. Die Hülle wacht auf, die Hülle läuft, die Hülle isst – und mit etwas Glück, oder wie sie es offen nennen würde: Können – überlebt sie, bis die Sonne den Horizont wieder erreicht hat und sich mit dem Mond abwechselt.
Wenn Ereignisse sie dazu zwangen, weiter als bis zur nächsten Stunde zu denken, bedeutete das für sie große Anstrengung. Denn es erforderte, die Stimmen in ihrem Kopf zu bändigen, sie in Ketten zu legen, damit sich ihr Denken überhaupt freier entfalten konnte. Diese Anstrengung, gepaart mit der Last des Körpers, führte dazu, dass sie schnell und tief in das Reich der Träume glitt – ein Ort, der bei ihr meist traumleer blieb. Oft schaffte sie es kaum über die Schwelle, bevor sie in ein Meer nicht definierbaren Dingen fiel und einschlief.

By’nar war gut darin, so zu tun, als wäre sie groß. Doch ihre Hülle war noch ungeschult, und das, was in ihr wohnte, so unscheinbar, dass es Vater kaum kümmern würde, sollte sie den nächsten Morgen nicht erleben. Also strebte sie nach Entwicklung – in welche Richtung auch immer. Manchmal gelang es, manchmal nicht. Gefühle wie Enttäuschung oder Missmut hatte sie früh gelernt zu verdrängen. Sie nahm die Dinge hin, das Gute wie das Schlechte.

Was jedoch neu war, bereitete ihr Mühe. Sie begann, nicht mehr nur für sich zu denken – eine Erweiterung, die ihrem ohnehin ungeordneten Geist zusätzliche Hürden bereitete. Sie war nun Teil einer Gemeinschaft. Manche Regeln erschienen ihr fragwürdig, manches hielt sie insgeheim für bedeutungslos, aber in diesem Axorn war es wichtig – und so gehörte sie dazu. Irgendwie.

Und dann war da noch der alte Mann. Auch wenn nichts darauf hindeutete, empfand sie, dass er zu ihr gehörte. Sie kümmerte sich – nicht mehr nur um ihre eigene Hülle. Und obwohl es ihr leichtfiel, sich selbst gegenüber keine Empfindungen zuzulassen, fiel es ihr schwer, Gleiches für andere zu tun.

So fand sie sich, durch diese neue Situation – ausgelöst durch ein Buch und ein wirres Geflecht aus Vergangenheit – immer öfter in Momenten wieder, in denen sie ein Auge auf eine andere Hülle warf. Mit solcher Inbrunst, dass sie selbst nicht sagen konnte, ob dies ein gutes oder schlechtes Zeichen war. Doch es war dienlich.

Denn sie war sich in einem Punkt sicher – wenn auch in kaum einem anderen:
Wenn diese Hülle nicht fiel, dann würden auch jene des Meisters – den sie als angehenden Junglethyren kannte – und der Lethoryxae – die sie als angehende Junglethoryxae erlebt hatte – nicht fallen. Er war eine gute Front, die man vor beide stellen konnte.

Wenn also ihr eigenes Leben dadurch gesichert war, dass sie das tat, was sie konnte – nämlich alles auf das Überleben dieser Front zu konzentrieren – dann hatte sie ihren Beitrag geleistet. Für Vater. Und vielleicht auch für sich.
Denn dann konnte sie am nächsten Tag wieder einfach aufwachen, laufen, essen – und zusehen, wie die Sonne von einer Seite der Welt zur anderen wanderte.

Verfasst: Montag 21. Juli 2025, 21:16
von Der Erzähler
Und so zog das Dunkle über das Land, schlich in vergessene Winkel der Welt, in Gemäuer ohne Namen und Schatten ohne Ursprung. Doch der Plan war kein bloßer Gedanke mehr. Er lebte. Wuchs. Immer näher an das Ziel heran.

Tief in der Nacht wird sich ein leises Wispern in die Träume des Meisters schleichen. Es klingt als würde er einem Gespräch lauschen, still und leise. Er wird sich nicht einmischen können, wie gelähmt schlicht verweilen und zuhören.

Ein leises, mahlendes Raunen wuchs in den Tiefen:
„Sie waren so nah, so nah und doch so unendlich fern…“
„…doch sie beginnen zu ahnen. Das Wissen sickert. Tropfenweise. Lahm, aber es sickert.“

Ein Zucken ging durch die Dunkelheit.
„Sie haben den Pfad. Den Schlüssel. Alles haben Sie.“
„Doch das Wissen fehlt. Ohne dies… können sie nicht weiter. Aber auch wir nicht.“

Ein Moment der Stille.

Dann wieder eine knirschende Stimme:
„Sie wird sich offenbaren. Wenn Blut vergossen wird.“
„Die Rolle erkennt nur jene, die bereit sind, alles zu verlieren.“

Ein anderes Wispern, schärfer, schneller:
„Sie werden nicht bereit sein. Ihnen fehlt der Sinn des Verlustes.“.
„Wir kommen näher. Ich kann es riechen… den Geruch von altem Pergament. Von Magie, gebunden in Haut und Tinte.“


Die zweite Stimme, kaum mehr als ein Gedanke, fast ein Hauch:
„Er träumt von ihr. Jede Nacht. Die Runen singen in seinem Geist.“

Ein Lachen, rau wie altes Eisen auf zerschmettertem Glas:
„Und dennoch sind sie blind, dass ist unsere Chance sie zu ergreifen!“


Ein letzter Hauch, ehe die Stimmen wieder verklingen.
„Die Rolle und das Buch gehören uns. Und mit ihr der Weg. Der Ort. Das Bruchstück!“
„Warten wir auf den richtigen Augenblick, nicht mehr lange.“

Und mit dem nächsten Mondlicht würde der erste Traum Enden. Doch nicht nur den Meister wird es erwischen, auch die restlichen Letharen werden das Gefühl nicht los, in ihrem Traum gejagt worden zu sein. Sie werden alle mit Herzklopfen und Schweiß auf der Stirn oder gänzlich außer Atem aufwachen.

Der erste Schritt war getan.

Ein Ort würde brennen.

Die Jagd hatte begonnen.

Verfasst: Mittwoch 23. Juli 2025, 12:56
von Qy'lhor
Die Worte, welche das Buch offenbarte, hallten stetig in den Gedanken nach.
Sie waren verworren und doch deutlich. Recht zügig hatten die Geschwister des Leth'Axorn ihr Wesen erkannt. Doch war diese Erkenntnis noch kein Schlüssel zum Erfolg.

Alles war vorbereitet, um zum alten Wald zu ziehen. Doch gerade als die tosenden Schritte der gefräßigen Echsen aus den tiefen Gewölben des Axorn herauseilten, wurden sie auch schon abrupt aufgehalten. Es lag etwas in der Luft, ein Geruch... ein Gefühl. Und schon bald wurde auch der Grund dessen wahrnehmbar. Der Mael'Qil sichtete ein für Gerimor's Gefilde untypisches Wesen, welches immer näher an das Axorn herankam. Gefolgt von weiteren.
Es waren ganz offensichtlich Vasallen. Schlachtvieh eines mächtigeren Anführers.

Der Kampf gegen die ersten Reihen dieser Vasallen war eilig geschlagen und als man sich inmitten der Zitadelle befand, tauchte plötzlich erst auf der Kapelle ein größeres Wesen auf und dann auch auf dem Hauptdach der Zitadelle.

Bild


Diese beiden, sie schienen die Anführer der Vasallen.
Die Worte waren deutlich, sie wollten das Buch und die Schriftrolle und sie waren sich sehr sicher, diese zu bekommen. Und dass die Blutlinie der Letharen enden würde.

Worte, die nicht akzeptiert werden konnten. Nicht hier, nicht jetzt, niemals.
Der Mael'Qil legte auf Befehl von Qy'lhor seinen Pfeil in die Sehne des Bogen und schoss auf das Wesen auf dem Hauptdach Zitadelle, getroffen und vor Wut donnernd, begab es sich in die Lüfte. Genau wie sein vermeintlicher Bruder. Neue Vasallen strömten in den Hof der Zitadelle, zurückgelassen von ihren Anführern.

Einer der Schatten zog Richtung Rahal, doch wurde dort weder gesichtet noch aufgefunden.


Einige Tage später zogen die Letharen nun zu ihrem eigentlichen Ziel aus.
Der alte Wald.

Qy'lhor wusste, mit der Information an Garde und Bruderschaft, war die Verteidigung des Reiches vorerst gesichert. Die Vasallen dieser Wesen würden eingedämmt werden. Weswegen sein Volk sich weiter um das Rätsel kümmern konnte. Doch schien der alte Wald zunächst eine Fehlannahme zu sein. Die Disharmonie war hier so pervertiert für seine Wahrnehmung, wie sie nur sein konnte. Ekelhaft und abstoßend, wie das Lied der Unmutter für die Lethyren in seiner natürlichen Form erscheint.

Ohne neue Erkenntnisse zogen sie zurück in das Leth'Axorn.

Doch die nächsten Tage sollten voller Gedanken sein. Gedanken über Stimmen, die er nicht sehen, nicht greifen, aber durchaus hören konnte.
Gar als wollten sie gehört werden.

Sie trugen Hinweise in sich, aber auch Fallen.
Er war sich sicher, folgte er den Hinweisen, würde er nicht nur seinem Volk den Weg ebnen. Und das die Gefahr nicht nur für die Letharen, sondern auch für Alatar selbst, mit jedem weiteren Schritt zunahm.

Das große Ziel zu erreichen, wäre für Alatar's Plan ein essenzieller Bestandteil. Doch würde das Risiko des Verlustes und der möglicherweise um Jahrhunderte zurückgeworfene Sieg des Vater's über die Schöpfung dieses Risiko wert sein?

Darauf gab es für sein Volk nur eine Antwort...

Verfasst: Montag 28. Juli 2025, 22:24
von Der Erzähler
In der Nacht…

Schwer und drohend schiebt sich eine graue Wolkendecke über das alatarische Reich. Zäh und schwärzlich rollen die Wolken wie eine Flut aus Asche heran, fressen Licht und Farben, bis selbst das Grün der Felder und Wälder in fahles Grau getaucht wird. Die Sonne gleicht einem matten Fleck, kaum noch zu erkennen, verschwindet sie hinter dem düsteren Vorhang aus Sturm und Dunkelheit.
Der Himmel verfinstert sich zusehends, während grollender Donner über das Land rollt,langgezogen, brummend, tief, wie das Echo gewaltiger Kriegstrommeln. Der basslastige Klang scheint nicht nur aus den dunklen Wolken zu kommen, sondern auch aus der Tiefe der Erde selbst.
Grell zucken erste Blitze durch das düstere Firmament, reißen zitternde Spuren in den pechschwarzen Himmel, als wollten sie ihn aufreißen wie ein altes Tuch. Für Bruchteile eines Atemzugs erhellen ihre Lichter den stillen Wald unter ihnen und erweckt die Schatten zum Leben.
Ein eisiger Wind fährt durch die Baumkronen, lädt das Geäst zu einem schnellen Tanz ein, wild und ziellos wehen die Blätter durch die Luft. In den Wäldern breitet sich Unruhe aus, greifbar wie Nebel. Vögel stoßen schrille Warnrufe aus und brechen hektisch aus ihren Nestern hervor. Wildtiere, sonst Meister der Tarnung, eilen in panischer Hast auseinander, als würde sie etwas hetzen.

Etwas, das kommt.

Etwas, ist ganz nah.


Noch eine ganze Weile werden die dunklen Wolken über der Gegend hängen.
Von Rahal bis hin zum Düstersee spannt sich ein dunkler Schleier, der nicht allein dem Wetter geschuldet zu sein scheint.
Die tiefen Wälder füllen sich mit Geräuschen, hier und da wird am Wegesrand ein Schatten zu sehen sein. Wandernde vernehmen sie, ganz nah, als wollen sie nach ihnen greifen und mit viel Glück sind sie schnell genug, um noch fliehen zu können.
Ein Kratzen, ein Scharren wie Fingernägel auf altem Stein.
Ein Gekicher, zu leise, um menschlich zu sein und doch deutlich genug, als das es keine Einbildung zu sein scheint. Es schneidet durch das Mark wie ein eisiger Hauch und jagt selbst den härtesten Kriegern eine Gänsehaut über den Rücken.
Dann ein Jaulen. Aber nicht das eines Wolfs. Es ist verzerrt, als würde sich ein anderes Wesen durch den Laut pressen, es biegen, bis es kaum noch als ein Schrei erkennbar ist.
Und dann ein Schmatzen. Nass. Unverkennbar.
Als würde sich etwas gierig an warmen, dampfenden Eingeweiden laben, als würde etwas fressen, das niemals satt wird.
Die Menschen, die sich dennoch hinaus wagen, kehren bleich zurück.
Sie berichten, dass das Wild verschwunden sei. Kein Rascheln im Unterholz, keine Spuren im Schlamm, nur unbekannte Laute.
Doch hier und da ein Kadaver.
Ausgeweidet. Liegen gelassen.
Verwesend und vergessen.
Oder als Warnung zurückgelassen?

Tief im Schlaf in der Nacht gefangen im Traum verweilend…

...wird jedes Kind des All-Einen das gleiche Lachen in seinen Träumen vernehmen zäh, bösartig, einbrennend wie glühendes Eisen im Fleisch. Ein Lachen, das keinen Ursprung hat, keinen Körper, nur ein Gefühl: reine Bosheit.
Ein jeder Lethar wird schweißgebadet aus dem Schlaf gerissen werden, das Herz rasend, die Augen weit aufgerissen, als wäre es selbst auf der Flucht.
Und auch wenn sie sich nicht erinnern können, was genau sie in ihren Träumen gesehen haben werden sie eines ganz genau fühlen:

Etwas ist da.

Verfasst: Dienstag 29. Juli 2025, 02:21
von Ignaz Nefario Milan

Doch die Dämonen waren nicht das einzige, was in dieser Nacht die Wälder heimsuchte.

Ein mutiger und kampferprobter Trupp von Letharen, Rashar und Menschen hatte sich vereint,
um ihre Heimat zu verteidigen und die Landschaft von jener dämonischen Plage zu bereinigen.

Bolzen flogen durch die Luft, Schwerter wurden geschwungen und Zauber geworfen.
Ein ums andere Mal fiel eines dieser schwarzen Ungetüme den Streitern des Westens zum Opfer.

Die alarmierende Botschaft über diese Invasion hatte sich sogar über die Grenzen des Reiches hinaus
bis in die Ortschaften Bajard und K'awi erstreckt, wo man sich sorgenvoll beriet und Späher aussandte,
um die Lage und die Größe dieser Bedrohung genauer einzuschätzen und erste Analysen durchzuführen.

So stieß auch ein kleiner nachtschwarzer Kater mit gut gepflegtem Fell zu den tapferen Kämpfern hinzu.

Immer auf der Hut vor den gefräßigen Schattenschlangen und den unbekannten Dämonen,
fleuchte das agile Tier von Versteck zu Versteck, um aus der Deckung heraus mitzuhelfen.

Als sich die Versammlung auflöste, die solch ein erschreckendes Blutbad hinterlassen hatte,
machte sich die Katze auf den Weg, das genaue Ausmaß der Dämonenplage auszumessen.

Zuletzt sah man das umtriebige Tier vor dem RaKun, wo es in einer der stärksten der Rasharii, eine
vertraute Mitstreiterin mit sagenhafter Kampfkunst, für das Fortsetzen der Kampfhandlungen suchte.

Da jene aber bereits Stunden zuvor mit ihrer Schlacht begann und der Kater erst gegen Ende
der reinigenden Unternehmung dazustieß, musste er wohl oder übel auf eigene Faust losziehen.

Also hopste der Kater in Richtung Wald, blickte noch einmal zur befreundeten Kriegerin mit den
eindrucksvollen Hörnern zurück und stürmte in den Wald hinein. Kurz vor der ersten Baumreihe
sah man noch wie sich das Fell der Katze aufplusterte und in alle Richtungen Abstand, weil sie
sich mit elementaren Energien auflud, um diese für einen gepfefferten Blitzschlag bereitzuhalten.

Bis in die späte Nacht hinein, weit über den Tageswechsel hinaus, konnte man bunte
Lichteffekte an verschiedenen Stellen zwischen den Bäumen aufflackern sehen.
Manche davon waren kalt und bläulich, andere wiederum waren feurig warm.
Die meisten davon hinterließen neue Lichtquellen mit anderer Farbe im Wald.

Wer am nächsten Tag nach den Spuren schauen geht, mag sich an ein Gewitter erinnert sehen.
Blitzeinschläge und Brandherde finden sich an den ungewöhnlichsten Stellen, alle erloschen.
Dazu mischen sich Einschläge von felsige Stacheln und klaffende Löcher im Erdreich.

Manch ein junger Baum oder Busch macht gar den Anschein von etwas zerschnitten worden zu sein.
Und zwischen all diesen Spuren kann man auch immer die Abdrücke von zierlichen Katzenpfoten finden,
die offenbar in höchster Hast durch das Dickicht gespurtet sind, um ähnlichen Einschlägen auszuweichen.

Dazu findet man an Stämmen klebend, an Ästen aufgespießt oder auf dem Boden verteilt
immer wieder kleinere und mittlere Exemplare dieser dämonischen Wesenheiten.

Nur an einer Stelle, dort wo sich besonders viele Kampfspuren durch ein größeres Areal ziehen,
wo Büsche und Pflanzen vermehrt zum Ziel der außerweltlichen Besucher wurden,
da findet man ein besonders großes Exemplar liegen, umzingelt von Untertanen,
übel zugerichtet von den Elementen und mit winzigen Kratz- und Bissspuren am Körper.

Ob sich dieser Aufwand gelohnt hat? Wer weiß das schon?
Mit großer Beute kam die Katze zumindest nicht nachhause.


Bild