Verfasst: Mittwoch 21. Mai 2025, 03:11
*ein Brief macht sich auf den Weg nach Greifenhain, zu einer Postreiterstation mit Gasthaus unweit von Greifenstein.... *
21. Eluviar, Adoran - Lichtenthal
Liebe Mutti,
ja, ich melde mich selten. Ja, ich schreibe lieber deinem Knecht Heinrich, wenn ich wissen will, wie es dir geht. Und ja, ich weiß bereits, dass du ihn mies bezahlst. Dass du aber seine Kammer über dem Stall nicht reparieren lässt, geht wirklich zu weit. Ich habe vor ein paar Wochen bereits einen Geldboten mit 25.000 Goldmünzen nach Greifenstein geschickt. Die Bestätigung des Erhalts Seitens des Bankhauses liegt mir hier vor - nimm das bitte und repariere die Kammer und den Stall.
Auch wenn du vielleicht nicht glauben magst, ich wurde soeben zum Feldwebel des Regiments befördert. Damit bin ich die de facto Leitung des Lichtenthaler Regiments. Der Herzog selbst hat mich befördert.
Natürlich wirst du nun fragen: Was ist mit den Orden? Ich habe keinen, immer noch nicht. Ich könnte mir aber nun ein Dutzend selbst verleihen, sie haben für mich also fast jede Bedeutung verloren.
Als Feldwebel habe ich nun den höchsten militärischen Rang inne, den ein Falkenglanz je erreicht hat.
Herzog Anselm von Lichtenthal selbst erhob mich in diesen Rang, den des Korporals - Vaters alten Rang- verlieh mir sogar der König selbst.
Ich will damit nicht angeben oder mich schmücken, Mutti. Ich diene des Dienstes wegen, nicht der Ehren. So wie es einst Vater tat. Aber ich will, dass du weißt, dass ich alles erreicht habe, was du von einem Enkelsohn erwartet hättest.
Ich stehe keinem meiner Vorfahren in etwas nach. Orden hin oder her.
Ich habe den Respekt meiner Kameraden und das Geheimnis des Falkenglanzes erkannt. Der Glanz des Falken zeigt sich nicht in mir, er zeigt sich in der Reflektion, in den Augen unserer Kameraden und Gefolgsmänner, wenn sie unser Vorbild sehen.
Und somit habe ich das Rätsel gelöst.
Du hast mich aufgezogen, als Vater starb. Gabst mir Heim und Speise - für all dies bin ich dir dankbar. Denk bitte nicht, dass ich dich nicht liebe, das tue ich aufrichtig, du bist meine Großmutter. Doch ich möchte mich hiermit befreien - von deinen Erwartungen, denn ich habe sie erfüllt. Ich bin genauso ein Soldat wie alle anderen Falkenglanz - als Frau genauso ein mannhafter Soldat wie es Vater war, seine Brüder oder Großvater.
Wenn du stolz sein willst, sei stolz - wenn nicht, dann ist es dein Problem.
Ich bin eine vollwertige Falkenglanz. Das weiß ich jetzt. Ich bin mir selbst gut genug, das muss reichen.
Und darum bitte ich dich nun um etwas, als Enkelin. Lass mir die Briefe meines Vaters zukommen - alle. Auch die an meine Mutter. Und sag mir endlich, warum du nie über sie gesprochen hast.
Solltest du mir diese Bitte nicht erfüllen wollen - oder können, dann werde ich etwas nutzen, dem du dich als gute Patriotin nicht verwehren kannst.
Als Feldwebel des Lichtenthaler Regiments, befehle ich es dir, so du es nicht als Großmutter freiwillig tun kannst.
Ich weiß nicht, ob du es sehen möchtest, aber ich habe dir ein Bild von mir angefügt. Vielleicht willst es sehen, vielleicht willst du wissen, dass es deiner Enkelin gut geht. Ich jedenfalls hoffe, dass es dir gut geht, dass du mich verstehst und dir trotz allem sicher bist, dass ich dich als meine Großmutter liebe.
P.S.: Heinrich sagte, dass letztes Jahr kein besonders gutes Jahr war. Bitte sag mir, wenn ich euch helfen kann. Der Sold auf Gerimor ist nicht viel besser als in Greifenstein, aber natürlich unterstütze ich dich, wo ich kann.
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