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Verfasst: Freitag 4. Oktober 2024, 01:08
von Dariol
Dariol stand am Rand des steinigen Abhangs, den Blick auf den Horizont gerichtet, wo sich die Dunkelheit des Himmels und die kargen Landschaften Gerimors trafen. Die kühle Brise wehte um ihn herum, doch sie trug keine Erleichterung für die Schwere, die in seinem Inneren wogte. Seine Gedanken wanderten zurück zu den letzten Zusammenkünften – zu den Gesprächen, den Fragen und den Antworten, die sie vom Dunklen Fürsten erhalten hatten. Die Zeichen waren klar, doch der Weg, den er und seine Brüder und Schwestern gehen mussten, war voller Dunkelheit und ungewisser Prüfungen.

Dariol atmete tief ein, seine Augen blieben fest auf den sternenlosen Himmel gerichtet, wo sich keine Hoffnung, aber auch keine Ablenkung bot. Alles, was zählte, lag in dem Dienst an Kra'thor – im unermüdlichen Streben, den Willen des Dunklen Fürsten zu erfüllen. Dennoch... etwas nagte an ihm. Nicht der Zweifel, nicht die Unsicherheit über seinen Glauben, denn seine Loyalität zu Kra'thor war fest und unerschütterlich. Es war vielmehr die Frage nach dem größeren Bild, dem Netz von Intrigen und Feindschaften, in das er sich immer tiefer verstrickte.

Er dachte an Getares, an die verborgenen Mächte, die mit jedem Tag weiter in den Schatten wuchsen. Der totgeglaubte Gott, der erneut in die Welt trat, war eine Bedrohung, die nicht nur seine eigenen Pläne durchkreuzte, sondern auch die Zukunft Gerimors in Frage stellte. Was bedeutete Getares' Rückkehr für die Diener Kra'thors? Und vor allem – welche Rolle würde Dariol in diesem Spiel der Götter einnehmen?

Seine Faust ballte sich um das Amulett, das unter seinen Gewändern verborgen lag. Es pulsierte warm, ein ständiges Erinnern an den Pakt, den er eingegangen war. Ein Pakt, der ihm Macht, Stärke und Führung gegeben hatte – aber auch Verantwortung. Verantwortung, die er nicht leichtfertig abtun konnte. Er diente nicht nur Kra'thor – er war ein Teil seines Willens in dieser Welt. Doch in den letzten Tagen hatte er immer wieder über die Grenzen dieser Rolle nachgedacht.

„Die Seelen… sie spielen eine größere Rolle als wir zunächst dachten“, murmelte er leise zu sich selbst, während er die Worte des Herolds in Erinnerung rief. Es war nicht nur der Krieg um Gerimor, der anstand – es war ein Krieg um Seelen, um den Einfluss der Götter selbst. Dariol spürte das Gewicht dieser Erkenntnis auf seinen Schultern lasten. Der Feind war nicht nur ein sterblicher Krieger oder eine Schar von Feinden, sondern etwas viel Tieferes, Dunkleres, das die Essenz des Daseins selbst bedrohte.

Er wandte sich um, die Silhouette der Festung im Hintergrund tauchte aus der Dunkelheit auf. Dort, in der Grabkammer, hatte er kürzlich neue Weisungen empfangen. Das bevorstehende Ritual, das ihre nächste Handlung lenken würde, war bereits in Planung. Doch trotz der Vorbereitungen blieb ein nagender Gedanke in ihm bestehen: Waren sie wirklich bereit?

Er schüttelte den Kopf, nicht aus Zweifel an seinem Glauben, sondern aus der Erkenntnis heraus, dass der Weg, der vor ihnen lag, mit Herausforderungen gespickt war, die selbst die stärksten Seelen ins Wanken bringen könnten. „Wir müssen stärker sein“, flüsterte er sich zu, die Entschlossenheit kehrte in seine Stimme zurück. „Für Kra'thor.“

Und so stand er da, fast einsam, doch erfüllt von der Macht des Dunklen Fürsten. Das, was vor ihm lag, war ungewiss – doch seine Loyalität, sein Glaube, waren es nicht.