Lykka betrachtete die rostige Nordmannsklinge an der Wand und konnte nicht anders, als an den armen Welpen zu denken. Sie konnte sich kaum vorstellen, wie schwer es für ihn gewesen sein musste, in einer Welt gefangen zu sein, in der er nicht hingehörte, inmitten seiner eigenen Gefühle und Ängste. Sie konnte spüren, wie sehr er sich schämte, dem Rudel keine Ehre zu bringen, und es brach ihr fast das Herz, daran zu denken.
Aber sie musste sich auf das konzentrieren, was vor ihr lag. Sie musste dem Welpen helfen, und das konnte sie nur tun, wenn sie sich auf ihre Arbeit als Eisenhand konzentrierte. Sie entschied sich, das Schwert zu reinigen und näher zu betrachten. Die Rost- und Schmutzablagerungen waren hartnäckig, aber als sie das Schwert freilegte, erkannte sie, dass die Klinge noch immer scharf war. Eigentlich hatte der Junge schon allein dafür Respekt verdient, dass er es überhaupt schaffte, diese schwere Klinge zu heben - damit gar aus einem Fenster zu klettern. Immerhin reichte die Länge solch einer Klinge entspannt an die Größer einer ausgewachsenen Thyrin heran.
Wie konnte er solch schwere Klinge tragen? Ihr kam der Gedanke, dass er sich möglicherweise in die Klinge gestürzt war, bei seinem Versuch aus dem Fenster zu klettern. Was hatte er sich dabei nur gedacht...?
Sie hatte schon einige Male eine Nordmannsklinge geschmiedet. Es war eine mühsame und zeitaufwendige Arbeit, und sie wusste genau, wie schwierig es war, genügend Metall zu verbinden, um eine Klinge von der nötigen Länge zu bekommen. Trotz der Anstrengung, die es erforderte, konnte sie es kaum erwarten, das Schwert zu fertigen. Sie wollte dem Welpen etwas geben, auf das er stolz sein konnte, etwas, das seine Ehre und seinen Stolz repräsentierte.
Es war eine lange und schwierige Arbeit, und sie kämpfte mit Schweiß und das eigene Versagen der Muskeln um jedes Detail perfekt zu machen. Sie wollte, dass der Welpe spürte, wie viel sie in jedes Detail gesteckt hatte. Sie hatte das Heft mit dunklem, braunem Leder umwickelt und den Griff so gemacht, dass er mehr Halt bot als ein einfacher Holzgriff. Die Farbe sollte ihn an den Clan der Hinrah erinnern.
Aber das war nicht genug für Lykka. Sie wollte, dass das Schwert etwas Besonderes war. Sie wollte, dass es etwas enthielt, das den Welpen immer an das Rudel erinnern würde. Sie hatte Stunden damit verbracht, den Knauf des Schwertes zu gestalten, einen Wolfskopf, der so detailliert war, dass man die Schärfe seiner Zähne spüren konnte. Sie wollte, dass der Welpe spürte, dass sie ihm etwas gegeben hatte, wo sie ihr Herzblut hineingelegt hatte. Eine Klinge, die ausstrahlte, dass ihr die Situtation des Jungen ernst war.
Nach zwei Tagen und langen Nächten der Arbeit war das Schwert endlich fertig. Lykka hatte so hart daran gearbeitet, dass ihre Augen von Erschöpfung schwer waren. Aber das war ihr egal, denn sie wollte dieses Schwert für den Welpen fertigstellen. Sie wollte, dass er es mit Stolz in seine nächste Herausforderung trug. Was auch immer das bedeuten würde. Für einen kurzen Moment wurde das Herz schwer in Gedanken an das oberste Schwert. Ein Gedanke an den Kampf, der vielleicht bevorstehen mag... ein Kampf gegen einen Geist?
Mit einem Schütteln des Kopfes verwarf sie die Gedanken, die Sorgen und nun war es das, was sie beitragen konnte… nun galt es die Klinge an die Schamanen zu übergeben, sodass auch die Rune, wie auch auf dem alten Schwert, ihren Platz fand.