Die Dunkelheit hat sich über ihren Schlaf gelegt.
Ein Weg, umgeben von der tiefen Nacht, lediglich der Mondschein erhellt jenes Gestein, auf dem sie geht. Ein Kichern, schrill und krächzend, hallt an ihre Ohren.
‘Erinnerst du dich? Erinnerst du dich an das, was passiert ist?’
Wieder ein Kichern. Das Klacken der Schuhsohlen, schneller.
‘Lauf, ja, lauf. Das hast du damals auch getan. Du bist gelaufen. So schwach - so schwach!’
Das soeben noch klare Licht des Mondes, welches sich so hell und wunderschön auf dem Gestein wiedergefunden hat, wird nach und nach von einem dunklen Schleier überzogen. Ein Schleier, welcher das Licht dämmt und langsam nimmt. So wird auch der Weg immer düsterer, kaum noch zu sehen sein. Die Arme breiten sich aus, suchend nach Halt.
Da! Eine Hand. So kalt, so…so garnicht lebendig. Eilig lässt sie jene los, weicht zur Seite und tritt in etwas feuchtes, der kaum noch vorhandene Mondschein, wird jedoch just in diesem Augenblick, als das Augenpaar hinab wandert, um zu sehen was es ist, das dunkle Rot schimmern lassen. Der reine Lebenssaft.
‘Sieh nicht weg, du weißt was wir sind, du weißt was wir getan haben. Ein jeder hat zurecht sein Leben gelassen. Sie alle haben ihre gerechte Strafe erhalten.’ zischt es da von Oben herab.
Ein Rauschen, ein zischen und plötzlich wird es gänzlich dunkel. Eine schwerelosigkeit, als würde sie schweben, eilig hebt sie die Arme und senkt sie wieder, Flügelschläge…ja, es sind Flügel. Sie fliegt….das dunkle Augenpaar blickt hinab in Richtung des Rabennestes, dort steht die Dienerschaft. Doch was haben sie da? Bilder?
Die Bilder, meine Bilder.
Wieder ein rauschen, ein Sturm zieht auf, ist es ein Sturm? Er zieht mich mit, ich schlage mit meinen Flügeln und versuche dagegen anzukämpfen. Vergebens. Er ist so stark, so schnell so…so weit oben am Himmel und so…so düster?
Was ist es? Was will es? Wieso….wieso bin ich hier?
-Im Hier-
Erschrocken richtet sie sich auf die Stirn schweißgebadet. Das Grüngelb fällt neben sich auf Liv, welcher sich brummend und murrend zur Seite dreht. Mein Blick fällt auf die restlichen beiden Bilder und just in dem Augenblick als der Gedanke gerade aufkeimte, sie doch noch wegbringen zu müssen, wird sich da wieder hauchzart und tastend ein Gefühl einschleichen, eine innere Stimme die mir zuflüstert. ‘Wieso solltest du es weggeben? Lass es hier! Es ist DEINS! Es gehört DIR!’
-Am anderen Ort-
‘Tachchen! Gehört der Laden dir? Weil ich hab da was, das will ich loswerden. Kannst haben!’ und da stiefelt das quirlige, aber irgendwie nicht so gut gelaunte, kurzhaarige Weib in die Pantherklaue rein. Mit einem zögern wird sie dem Kerl dort einfach das Bild in die Hand drücken. Es wird ihr nicht leicht fallen, nein, irgendwie wirkt es sogar, als würde sie sich schwer davon trennen können. Als würde sie einen Schatz hergeben müssen, welchen sie so gut gehütet hatte und doch wird sie sich sputen, eilig davon zu kommen.
Und so wird es dort hängen, in der neu eingerichteten Taverne und in seinem Antlitz erstrahlen, die Personen in ihren Bann ziehen und sie animieren, sich ihrer Habsucht bewusst zu werden. Zuerst kriecht es langsam in die Köpfe, das wispern…’Das muss ich haben…’ ‘oh wie schön es doch ist, es soll meins sein’....und nichts, aber auch nichts wird diesen Durst löschen…er wirkt unendlich.
Da war es nur noch Eins. Ein Bild…eines, welches noch immer dort verweilte, hinter den Bücherstapeln…als wäre es vergessen worden oder wollte es einfach nicht wiedergefunden werden? Verschmolzen mit dem Raum selbst. Doch die Wirkung, die kroch im Schlaf tief in die Knochen hinein wie Unkraut nistet es sich ein und breitet sich aus. Aus Unmut wird Gereiztheit, aus der Gereiztheit folgt Wut und aus Wut der Zorn…aus Zorn der Hass….etwas Altbekanntes für den Ritter und für das Wir im Ich…..
Wo das eine nicht hasste, liebte das andere jenes Gefühl. Zwei teilen sich Eines und langsam, aber sicher, gewann das rauschende Rot die Oberhand.

