Es war vollbracht. Letztendlich hatte ein lang gehegter Wunsch endlich seine Erfüllung gefunden und der Eisdrache seufzte erleichtert auf bei jenem Gedanken. Die Familie würde künftig sicherer sein, denn man bot dem Westen nun die Stirn. Und dabei war Kaleya - ausgerechnet sie, wo sie doch so wenig mit dem Militär zu schaffen hatte wie ein Hausschwein mit dem Schwimmen im offenen Meer - mehr als froh um die zukünftige Überwachungsmöglichkeit durch den neuen Junkersteyner Wachturm. Sie prustete leise in die Flasche mit Enids Doppelbock, als jener Gedanke sie durchaus erheiterte, während sie mit angewinkelten Beinen auf dem Dach des Wachturmes saß und zum Meer hinaussah. Man hatte so viel Arbeit in den Bau des Wachturmes gesteckt und auch ein Verwaltungsgebäude war an anderer Stelle in der Siedlung entstanden. Vereinte Kräfte schafften so vieles und die beiden Bauwerke waren der beste Beweis dafür. Selbst Merrik, der stets bequeme Fingerfuchtler, hatte sich nicht zu Gänze in seiner Statistenrolle gesuhlt, sondern das Lied eines jeden gestärkt, während Lester seinen eisigen Kumpanen beschworen hatte. Auch die Thyren hatten ihre starken Arme in nachbarschaftlicher Verbundenheit gereicht und so viele der Bewohner hatten angepackt wo sie nur konnten. Das Näschen wackelte kurz als Kaleya der Gedanke kam das alles niederzuschreiben. Mit etwas Mühe fischte sie aus ihrer Tasche ihr Notizbuch und den Kohlegriffel, nur um dann im Licht des beginnenden Morgens all jene Eindrücke in ein kleines Gedicht zu fassen. Wer kurz nach Sonnenaufgang zum Wachturm sah, konnte dort auf dessen Dach erkennen, wie der Eisdrache unaufhörlich dichtete und kritzelte, bis der Moment gekommen war, da auch jenes Werk seine Vollendung fand. Mit einem Lächeln trank sie den letzten Schluck aus der Flasche und krabbelte kurz darauf vom Dach herunter, um den neuen Tag beschwingt zu begehen.
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Der Junkersteyner Wachturm
Es gräbt und klopft und atmet schwer, ein jeder packt fest an,
man braucht jede helfend' Hand, ob Thyre, ob Frau, ob Mann.
Es herrscht eisige Kälte, frischer Schnee und pfeifender Wind,
im hohen Norden von Junkersteyn hämmert man geschwind.
Die Bürger wünschten lange schon, ein Turmbau hier begann,
und so geschah es endlich, was man auf Papier so lang ersann.
Lange Arme, schwere Beine, rosa Wangen wie Hausschweine,
es wandert Wand um Wand mit keuchend Ruck auf die Steine.
Selbst bequeme Fingerfuchtler machen sich hier nicht mehr rar,
der eine stärkt uns, der andere beschwört ein Schneeelementar.
„Schöne Wand ganz prächtig“, sagt ein Thyre im Abendscheine,
während Schweiß die Stirne entlang rinnt nicht nur ihm alleine.
Der Abend ist kalt und doch ist die Wärme der Gemeinschaft da,
und bald schon ist der wohlverdiente Feierabend so greifbar nah.
So sitzen wir bei Schützentopf mit Bauernbrot dann alle zusammen,
sehen müde doch auch stolzen Blickes in warm knisternde Flammen.
Es geht Reihe um Met und Doppelbock schneller als man sich versah,
bis man sich verabschiedet mit Segenswünschen und lautem Hossa!
Und wenn man die Junkersteyner nun fragt wie sie es empfanden,
dann wird jener stolze Wortlaut wohl sehr bald laut entbranden:
Ragt im Stolze hoch hinauf, umweht von winterlichen Winden,
im idyllischen Junkersteyn steht er nun, ein jeder mag ihn finden.
Aus Stein und Holz wie Muskelkraft, ist er Stück um Stück entstanden,
ein Wachturm macht's Leben schwer nun Rahaler Schergenbanden.
- Gewidmet dem Junkersteyner Wachturmbau im Eisbruch 265 -
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