Verfasst: Mittwoch 18. August 2021, 14:08
Träum' mit mir, Callista... schlafe und lass all das, was deinen Blick verdeckt zurück.
Dahinter liegt das, was dir Erkenntnisse schenkt, fernab von Sand, Sonne und Wüstenlied.
Lass den Geist auf Wanderschaft gehen, komm mit mir auf eine kristallklare Reise!
Dahinter liegt das, was dir Erkenntnisse schenkt, fernab von Sand, Sonne und Wüstenlied.
Lass den Geist auf Wanderschaft gehen, komm mit mir auf eine kristallklare Reise!
Es geschah nicht sogleich, nein.
Vielmehr wirkte es im ersten Moment, als würden ihre Gebete nicht erhört werden, als würde die Allmara still und schweigend auf ihren Schützling herabsehen und einfach nur lauschen. Doch die Antwort erfolgte zu späterer Stunde, als die junge Frau schlief und das Bewusstsein auf eine kristallklare Reise geführt wurde, die ihr eine Vision schenken sollte.
"Menek'Ur, goldene Stadt, geliebte Heimat!"
Doch, sie ist so viel kleiner... was ist geschehen? Selbst der Palast der Erhabenen ist nicht mehr als eine stattlichere Hütte?!
"Stolz und ungebrochen wirst du dich in all dem Sand entfalten, wie eine Kaktusblüte in unlebsamen Gebieten zur vollkommener, einzigartiger Schönheit."
Wirst du dich entfalten? Sie ist doch bereits die prächtige Perle inmitten der Durrah!
"Die ersten Schiffe werden bald segeln und die Kunde vom neu erstärkten Volk der Menekaner von diesem Eiland aus in die anderen Länder bringen."
Eiland...? So viel Zeit? Wie lang ist das nur her?...
"Und doch wollen sie uns jetzt schon zurückhalten, klein reden - NARREN!"
Eine Gestalt am Hafen erweckt die Aufmerksamkeit. Ansehnlich ist der Mann, ein stolzer Sohn der Durrah und doch sind die Züge zu glatt, narbenlos und generell unversehrt für einen Charim. Nein, auch die Gewandung lässt auf eine andere Berufung schließen. Eine Art... Robe... aber so weitfallend, ausladend und fremd. Die Zeichen die jedoch kunstvoll darauf eingestickt sind, geben einen klaren Hinweis: Magie, das Lied der Allmara! Ein Magier?
Grimmig und rasch sind seine Schritte, vorbei an fleißgen Hafenarbeitern. Kein Gruß, keine Freude die Heimat zu sehen, nein. In den hellen Augen, die so blau und klar wie der Mittagshimmel sind, glüht Wut, flackern Zorn und Enttäuschung. Die Mimik ist verkniffen und doch erinnert er vage an jemanden...
Noch bevor der Gedanke vollends verfolgt und zuende gesponnen werden kann, entgleitet der silbrige Faden, als eine weitere Gestalt dort am Ende des Piers wartet. Alleine und im Halbschatten ruht sie und beobachtet aber dennoch lenkt sie auf wundersame Weise die Aufmerksamkeit auf sich. Es liegt nicht an der Gewandung, sie ist schlicht, vermummt das Gesicht sogar ein wenig und doch ist selbst diese Geste des stillen Wartens so durch und durch erhaben, dass...
"Erhabener... ich habe nicht..."
"Nicht damit gerechnet, dass ich dich abhole? Ah, Shakeel, du hättest doch wissen können, dass ich es mir nicht nehmen lasse, meinen kleinen Bruder zu empfangen. Es freut mich, dass du nach all der Zeit den Weg auch sicher wieder zurückgefunden hast. Wie du siehst, hat sich viel getan, sie wächst weiter unter ihrem Segen."
Der Blick aber gilt nicht der Stadt, verengt sich schmerzlich, als habe man einen Dorn noch einmal in der entzündeten Wunde herumgedreht.
"Hm, deinen Blicken entnehme ich, dass sie dein Gesuch abgelehnt haben, richtig?"
"Narren! Es sind Narren, Wolkentänzer und Buchwürmer. Sie sehen nicht, was sich unsere Väter, Großväter und wir nach wie vor hier aufbauen. Sie wollen es nicht sehen, interessieren sich für nichts, was über die See hinaus geht... sie..."
Eine erhobene Hand unterbricht seinen zornigen Redefluss und der Andere spricht so viel ruhiger, besonnen und weise:
"So werden wir es ohne sie schaffen. Ganz, wie du es gerade aufgezeigt hast, wie unsere Väter und Großväter. Die Magie ist die einzige Stärke, die aus der Wüste erwächst und wenn Tirell nicht will, dann..."
"Sie werden sehen, was sie davon haben! Es gibt andere Wege, Möglichkeiten die sie nicht ausschöpfen wollen, weil sie zu feige sind, zu bequem und zu..."
"Nein."
Er sprach nicht einmal laut und dennoch lag in dem Wort eine Endgültigkeit, der man nicht widersprechen konnte. Für einen winzigen Moment aber zog es der Jüngere in Erwägung, öffnete den Mund einen Spalt nur und holte Luft, wog dann aber ab und neigte für den Moment zustimmend den Kopf.
"Wie du wünscht... Erhabener... Bruder."
Die Traumsequenz verblasste und ließ dieses ein letztes Bild, wie einen bitteren Nachgeschmack zurück. Das Funkeln in den hellblauen, klaren Augen, welches andeutete, dass nicht einmal der Befehl des Emirs ihn davon abhalten konnte seinen Plan auszuführen... und jener schien bis heute fatale Auswirkungen zu haben!

