Verfasst: Freitag 4. Juni 2021, 09:22
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Zwei Raben sind es, Schlaf und Tod
Weiß, des einen‘ Federkleid,
Der andre schwarz, so wie die Nacht
Doch beide herrschen sie mit Macht
Über zwei Zaubersphären weit,
In welchen ew’ges Dunkel droht.
Zwei Raben sind es, Schlaf und Tod
Unter deren Flügel Kindlein wandeln,
die jene Reiche still beschreiten
Seelen, Geist und Angst begleiten,
ganz in SEINEM Namen handeln
„IHM zu dienen…“, das Gebot.
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Zwei Raben sind es, Schlaf und Tod
Weiß, des einen‘ Federkleid,
Der andre schwarz, so wie die Nacht
Doch beide herrschen sie mit Macht
Über zwei Zaubersphären weit,
In welchen ew’ges Dunkel droht.
Zwei Raben sind es, Schlaf und Tod
Unter deren Flügel Kindlein wandeln,
die jene Reiche still beschreiten
Seelen, Geist und Angst begleiten,
ganz in SEINEM Namen handeln
„IHM zu dienen…“, das Gebot.
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Ein Handel ist ein Abkommen, in dem meist etwas ausgetauscht wird. Gefallen gegen Informationen, Ware gegen Wertgegenstand, Handwerk gegen Münzlinge und so weiter. In fast allen Fällen sind am Handel mindestens zwei Parteien beteiligt, die diesen vorher ausmachen und manchmal sogar schriftlich fixieren. Einen Handel nicht einzuhalten, um einseitig Profit daraus zu schlagen, gilt als ungemein unschicklich und ist verpönt. Einen Handel mit einem Herold des Herren nicht einzuhalten, gilt schlichtweg als närrisch und lebensmüde, kein Wunder also, dass sie pünktlich an dem Ort, den sie untereinander „Rabennest“ nannten, erschienen.
Nervös, so erschienen manche zum Teil, andere wiederum aufgeregt oder gar euphorisch, doch keiner wusste, dass sie bereits beobachtet wurden, dass man stoisch notierte und diese Notizen in ein besonderes Buch wanderten. Still wurde auch gelauscht, als die Runde die Lobpreisung begannen und bar jeglicher Emotionen bemerkt, dass „sie“ bereits anwesend war.
Alle hatten versprochen mit ihr zu spielen und ein jeder hatte gelobt, diese Spielwiese mit größter Achtsamkeit zu betreten. Nun war es an der Zeit das richtige Fingerspitzengefühl zu beweisen und wieder oblag ihm nur, die folgenden Beobachtungen zu bewerten, dementsprechend zu notieren und zuletzt den Bericht zu verfassen.
Als der Traumfänger ins Spiel kam, vernahm er nicht nur ihr helles Lachen, sondern folgte er dessen Bewegungen mit starrenden Blicken, sah wie er das rissige Fluchgewebe aufnahm und wusste, dass es das hübsche Schmuckstück aus dunklen Federn, weißen, kleinen Perlen und schwarz gefärbtem Leder samt Spinnennetzschnürung nicht überleben würde. Schade eigentlich, denn in gewisser Weise erinnerte es ihn an das vortreffliche, symbolische Bild, das die Mohnblume ihnen genannt hatte:
Das Spinnennetz des Herren und je nach Erfolg und Gunst rückten sie alle ein wenig näher.
In der letzten Zeit begannen sich die Rabenkinder nach und nach richtig zu bewegen. Einer nach dem anderen legte die ersten unbeholfenen Hüpfer und Flatterversuche ab, streckte die Flügel und hob sich dem Herren entgegen. Sie alle würden in die Bahnen gelenkt werden, für die der Eine sie auserkoren hatte. Das Räblein, das heute ihren Flugversuch wagte, war ihm nicht unbekannt, im Gegenteil. Ihre Geschichte und seine hatten sich verbunden, als er sie vor vielen Jahren aus den Klauen der weißen Frau gerissen hatte, selbst wenn sie damals etwas verlieren musste, dass ihr niemand wieder bringen konnte. Erstaunlich, dass sie es bisher nicht realisiert hatte, musste sie doch längst bemerkt haben, dass bestimmte Dinge sich nicht so entwickelten, wie es eigentlich hätte sein sollen. Wie dem auch sei, das war nicht sein Belang, nicht sein Auftrag und auch nicht sein Problem.
Er beobachtete, bewertete, notierte und manchmal… manchmal führte er.
Der Rauch schwand in dem Moment vollkommen und er hörte den Fluch zerbrechen.
Ein scharfes, schneidendes Geräusch, wie reißender Stoff, gemischt mit dem hellen, schrillen Klang eines zerspringenden Gefäßes.
Die Runde hörte nichts dergleichen, schien nicht einmal zu merken, wie sich der Traumfänger im Rauch auflöste und einzelne Reste durch die feinen Nebel rutschten und schwanden. Viel zu sehr waren sie gefesselt von den Worten der kindlichen Gestalt aus waberndem Rauch.
„Aber nun will ich dir etwas sagen. Dir, Morra. Ich werde dich zu jemanden bringen…“
Das war sein Stichwort, denn nun schien die Zeit gekommen, die Szenerie zu verlassen, in andere Gefilde zu tauchen und dort auf das Räblein zu warten. Diesmal hatte sie nicht versagt, diesmal hatte er sie nicht retten müssen. Gut so, eine weitere Rettung wäre auch nicht mehr vertretbar gewesen und er hatte ihr gesagt, was geschehen würde, wenn sie einen weiteren Fehler im Ausmaß ihres naiven Ausflugs in die Geisterwelt gemacht hätte. Doch sei es drum, der Herr hatte Weitsicht bewiesen, denn nicht die Geisterwelt schien ihr Terrain, nein.
Er tauchte die Flügel kurz in die ewige See im Nebel und fand die eine Insel im Meer der Träume, an welcher die schwarze, kleine Barke bereits anlag. Bald würden es zwei sein, wenn sie eine gelehrige Schülerin blieb.

