Seite 10 von 11
Verfasst: Dienstag 15. Dezember 2009, 16:59
von Darna von Hohenfels
Tach, Post
Sie brauchte keine zehn Minuten, um über den Feldweg zum elbenauer Gut zu rennen. Hudgarr wollte ihr schon sofort folgen, doch bei einem letzten Blick auf Ulferts Leiche fiel ihm ein Brief auf, auf dem außen "Hohenfels" zu lesen stand. Irgend etwas war in dem zugeklappten Pergament noch als Gegenstand enthalten. Er nahm den Brief an sich und begann seine Aufholjagd Richtung Darna. Aaryon? In seinem Kopf ratterte es immer mehr, bis der Gedanke einklickte, daß die Piraten den Kleinen wollten.
Darna war in den Hof gerannt, alles schien ruhig, fast verlassen - die meisten waren auf dem Fest. Sie holte Luft und ließ es doch bleiben, zu brüllen; nicht sich mehr verraten als nötig. Sie lief mit weniger stampfenden Schritten zum Haus, öffnete, strebte das warme Handarbeitszimmer an, wo das Tagesbettchen für Aaryon stand. Sie begegnete keinem.
Das Bett war leer.
Sie zwang sich zu weiterem ein- und ausatmen, befahl ihrem Herz, weiter zu schlagen und verbot ihrem Gehirn, völlig auszusetzen.
Schwere Schritte polterten über den Hof.
Mistkerle! Wenn das die Piraten waren, würde sie ihnen den Weg abschneiden und dann konnten die was erleben!
Sie rannte wieder los, verließ das Zimmer, lief zum Nebengebäude - Hudgarr kam ins Haus und sah am Ende eines Flures noch, wie Darnas roter Umhang in der Ecke verschwand und verfolgte sie weiter.
Jetzt waren die hinter ihr?! Nicht viele. Einer.
Sie war gemein, sie hielt auf die Tür zu, die vom Haupthaus kurz ins Freie führte, um gegenüber Zutritt zum Nebengebäude zu erlauben - sie ließ den Verfolger noch zwei stampfende Schritte näher rennen, huschte durch die Tür und schlug sie direkt hinter sich zu.
RUMMS!
Hudgarr hatte eine Sekunde zuvor den Eindruck gewonnen gehabt, daß Darna ihn bemerkt hatte und ein wenig auf ihn wartete - jedenfalls hatte sie kurz innegehalten, und daß sie ihm dann die Tür vor der Nase zuschlagen würde, war irgendwie das Letzte gewesen, womit er gerade rechnete. Er schepperte in vollem Lauf und in voller Plattenrüstung gegen die Tür und Darna sah von außen, wie sich an den Scharnieren Risse im Holz bildeten und das Schloß nachgab, die Tür nach außen aufflog und Hudgarr herauspurzelte.
...
"Ups..."
"Herrschaftszeiten, was ist denn hier los?", eine mütterlich-polterige Stimme erklang von der Küche, Darna drehte sich um, die Tür zum Nebengebäude ging auf und Ursel kam raus - mit Aaryon im Arm.
Die Erleichterung überkam sie so unmittelbar wie das Entsetzen, und erstaunt konnte Ursel sich den Kleinen nur abnehmen lassen und zusehen, wie die Lady ihn herzte und drückte, daß es dem Kind schon fast zu viel wurde.
"Sachte mal... was'n hier los, Milady? Und was macht's ihr hier die Tür kaputt?"
Hudgarr stöhnte. Die Begegnung mit einem Piraten hatte ihm nichts getan, aber nun blutete seine Nase. "Hier ist Post...", näselte er brummig und hielt den Brief hoch.
Verfasst: Dienstag 15. Dezember 2009, 18:27
von Vallas Amarth
Figuren auf dem Spielfeld der Machten werden ausgetauscht!
Grendel hatte seinen Teil getan und durch seine Verletztung war seine Tarnung alles andere als intakt. Es hiess schnell packen und flüchten jemand anderen würde nun seine Arbeit fortführen. Grendel legte den Mantel über die Schultern und schlich gen Tür als jene unter Krach aufflog. Sofort ging die hand Richtung Pistole, man hätte einen Angriff erwartet doch als Grendel näher hin blickte war ihm klar ... die Ablöse war da.
Tach Grendel alter Penner ich bin da um die Scherben aufzusammeln. Grendel riss die Augen auf ein kleiner Zwergähnlicher Pirat stand vor ihm Fett und schmierig mit Gold behangen. Grendel spitzte die lippen und dokomentierte die Ansprache. Scherben aufsammeln.... normal ist es doch so das du der bist der die Scherben macht. Du tust mir Unrecht Grendel ich habe nur eine besondere Art und Weise die Scherben aufzusammeln....
Montar Kantes geannt Pow und Experte im Zerstören, es gab nichts das er nicht zertrümmern, verbrennen zerschlagen oder was auch immer konnte. Er war normal für Ablenkung und Terror zuständig und sogar nicht der Typ von Agent den die Bruderschaft hier einsetzen würde. Grendel blickte Montar an... wieso bist du hier? Das mein Lieber ist ein Geheimniss aber Prinzessin Cabeza schickt mich höchst persönlich. Grendel verengte die Augen.... verstehe. Aye und jetzt lass mich meien Arbeit machen....
Montar und seine Fassjungs bezogen Quartier. Man sah dem lächelnden Piraten an das er hoffte das die Fährte von Grendel seine Feinde sie hier herführen würden. an die Küste ins Versteck. Und dann würde er den Ganzen Laden in einem Inferno abfackeln. Damit am Hafen der Rest unbehelligt geregelt werden kann....
Verfasst: Mittwoch 16. Dezember 2009, 09:11
von Adrian von Hohenfels
Er hatte sich manches Schmunzeln nicht verkneifen können. Es war kaum anders zu erwarten, Luca eben, dass der Bursche hier und dort hin huschte und offenbar befürchtete, die Stände könnten nach spätestens einem Stundenlauf die Beine in die Hand nehmen und ihm vorenthalten, was es zu entdecken gab, bevor er alles ausgiebig begutachtet hatte. Sollte er befürchten, dass das mitgenommene Gold aus der Haushaltskasse heute zu neige ging und er Allerich um milde Gaben bitten musste? Er hatte sich die Preise schon beim ersten Rundgang angesehen, nein es war wohl nicht zu befürchten, solang Luca nicht vor jedem Stand die Arme ausbreitete und freudig ausrief, er würde alles kaufen. Allein bei der Vorstellung musste er sich ein weiteres Schmunzeln verkneifen. Schicket nach Trägern und Ochsenkarren der Junge will einkaufen.
Er würde ihn schon bremsen, wenn es zu viel würde. Immerhin müsste man bei der Abreise ja auch alles mitnehmen können. Und der Gedanke, dass Hudgarr und Cyrion bei einem möglichen Überfall auf die Reisegruppe erst einmal 20 Taschen und Säcke von sich werfen müssten, bevor sie zur Verteidigung bereit standen, war auch nicht eben behaglich.
Die Arbeitsteilung beim Beschaffen und bei den Gesprächen erstaunte ihn wenig. Wenn es Luca an etwas nicht mangelte, dann die Menschen mit Worten überschütten zu können. Es mochte nicht immer von hohem Sinn sein, was manches mal aus dem Mund des Jungen kam, dennoch hielt er sich auch in dieser Hinsicht heute recht gut.
Erst als Luca mit dem Fleischteller auftauchte, unterdrückte er ein Ächzen. Musste er ständig derart übertreiben? Wer sollte diese Massen verdrücken? Doch gewiss nicht nur sie beide? Wobei er bei Luca sich wohl tatsächlich nicht sicher sein konnte, ob er die Menge doch schaffte. Wieder fühlte er sich ein Stück mehr als alter Mann... und die Tage die voranschritten erinnerten ihn schließlich auch zu deutlich, dass der Dezember nicht mehr fern war und damit auch dieser.. elendige Tag. Schnell den Gedanken fortschieben. Er musste heute nicht auch noch in die schlechte Stimmung abrutschen.
Noch während er aß, wobei Luca natürlich wieder herumflitzte, anstatt sich gesittet essend an den Tisch zu setzen, sah er sich ein wenig um. Darna war in der Menge nicht auszumachen. Statt dessen Freude und Festlaune an jeder Ecke, bestens geeignet, die trüben Gedanken die kurzzeitig aufzukommen drohten wieder loszuwerden. Er rief Luca zurück, er solle doch am Tisch essen, alles entdeckbare würde auch nach dem Essen noch entdeckbar verblieben sein.
Später, während Luca diverse Mitbringsel mit sich herumtrug und hier und da ausgebremst hatte werden müssen, damit auch die Kinder der Ortschaften die Gelegenheit hatten, etwas bei den Spielen zu gewinnen, hatte er kurz innegehalten. Ein ferner Knall liess ihn kurz aufhorchen. Aber vielleicht war auch nur irgendwo eine Flasche lautstark geöffnet worden. Sie waren auf Elbenau. Er wollte doch nicht in diesem beschaulichen Ort, auf einem Fest, paranoid werden? Noch eben bekam er mit, wie Luca einem der Dorfkinder.. nein vielmehr dem ganzen Rudel, das glückstrahlend zu ihm aufblickte, eine Freude machte. Er hatte viel gelernt und ein wenig stolz, das konnte er nicht verleugnen, war er in diesem Moment auf Luca, schlug ihm kurz anerkennend auf die Schulter.
Schon führte sie der Weg weiter.. natürlich ein Trinkstand, aber drei Bier waren dem Jungen schließlich versprochen worden. Hiernach würde er gewiss auch wahrlich genug Alkohol in sich tragen, jedes mehr, würde letztlich nur dafür sorgen, dass alles wieder aufwärts hinausgeschwemmt würde. Noch bevor sie am Stand ankamen, gelangte Sir Allerich in sein Blickfeld. Dessen Gesichtsausdruck liess nichts gutes erahnen. Sofort kam ihm wieder dieser Knall in den Sinn. Soviel zu Paranoia! Wenige Worte wurden leise gewechselt, es gereichte. Eilig blickte er sich nach Cyrion um und winkte ihn herbei, als er wie erwartet irgendwo unauffällig in der Nähe stand und den Schatten der Herrschaften gab. Man konnte Cyrion ansehen, dass er mit sich rang und wohl im Augenblick gern zweimal da gewesen wäre.
"Lass eben Murelay hier, ich gelobe wenn irgendetwas im argen liegt, wird sie nach dir suchen. Cyrion nickte, nach wenigen Augenblicken hatte Adrian diesen Raben auf dem Arm und war sich anhand einiger Blicke bewusst, dass das vielleicht nicht die beste Idee des Tages war. Gleichgültig nun, Cyrion und Allerich waren bereits auf dem Weg, damit Cyrion die Spuren würde verfolgen können, während er tunlichst dafür sorgte, dass die Rabendame in die Umgebung verschwand, hoffend dass sie auch folgte, wenn man nach ihr rief. Er selbst machte sich gemeinsam mit Luca auf den Weg zum Anwesen, wie auch zuvor wohl Darna trieb ihn die Sorge um Aaryon dorthin.
Verfasst: Freitag 18. Dezember 2009, 14:48
von Darna von Hohenfels
Als Adrian und Luca beim Gut ankamen und sich einen Überblick verschafften, saßen Darna und Hudgarr bereits im Kaminzimmer, Darna mit Aaryon bei sich in einem Sessel, Hudgarr hauptsächlich der Rüstung wegen auf einem stabilen Stuhl. Hudgarr hatte den Kopf nach hinten gelehnt und einen nassen Lappen im Nacken, vor beiden stand von Ursel zur Nervenberuhigung bereitet eine warme Milch mit Honig.
Vallas' Brief und die zwei Dublonen, die darin gewesen waren, lagen schräg neben Darna auf einem Tischchen und es war gerade still; mit nicht gerade bester Laune schien sie zu grübeln.
Schon an der Tür hatte er mit sicherem Blick erkannt, dass es einen Angriff gegeben haben musste, wenngleich es abgesehen von der Tür seltsamerweise keinerlei sonstige Kampfspuren gegeben hatte. Offenbar war das Personal auf Elbenau wieselflink, nur nicht bestehend aus Tischlern. Hudgarr's Anblick unterstrich die Erkenntnis des Angriffes. Zumindestens schien beruhigenderweise Aaryon nichts zugestoßen zu sein. Nur kurz ruhte sein Blick noch auf Hudgarr, der versorgt war, schon fiel sein Blick auf den Brief. Die Dublonen ließen ihn den Urheber schon erahnen, dennoch begann er die Zeilen zu überfliegen.
Sein Blick wurde in diesem Moment undeutbar, dann fiel er erneut auf Hudgarr. "Ihr dürft diese Geschenke an euch nehmen, und eurem missratenen Familienmitglied bei nächster Gelegenheit durch die Nasenlöcher zu Goldzähnen formen." Leicht angeknüllt landete der Brief wieder auf dem Tisch, als Darna sich prompt dazwischen mischte: "Mit Verlaub, ich habe damit anderes vor." Sie sah zu Adrian auf, in ihre mißgelaunte Miene mischte sich ein kampflustiges kühles Lächeln: "Und immerhin sind es ja unsere; ich finde bemerkenswert, daß er dir keine solche geben mochte. Steckt da Absicht hinter? Was meinst du, bildet er sich ein, wir würden die bei uns behalten und so ein Erkennungsmerkmal tragen, sollte es aus Versehen doch mal zu einem Überfall kommen?"
Sein Blick gen Darna wurde nun recht eisig. "Vermutlich weil ich nicht zur Familie gehöre, wie du sehr wohl weisst, hatte und habe ich keine dunkle Schwester. Vielleicht rahmst du es dir ja daheim als glückliche Erinnerung ein und überlässt Aaryon beizeiten ob er bei seinen lieben Verwandten die Ausbildung geniessen möchte." Seine Stimme klang nach bemühtem Unterdrücken eines Ausbruches, bevor er sich schlicht umdrehte und die Tür ansteuerte, noch etwas brummend, das sehr nach "Luca" und "weiteres Training" klang. Sie sah ihm mit zuckender Gesichtsmimik nach und Hudgarr mochte noch ihr leises und zorniges "Holzkopf" hören. Aaryon quengelte rum und sie seufzte und versuchte wieder sich und ihn von der gedrückten Stimmung abzulenken. "Was glaubt er eigentlich, daß ich die Dublonen schön finde und behalten will?", fragte sie ungerichtet vorwurfsvollen Tons Hudgarr.
Kurz drohte die Tür beim Schließen zu scheppern, irgendetwas ließ ihn sich jedoch darauf besinnen wo er war, so hielt er kurz vor dem drohenden Türenknallen inne, die Frage Darna's an Hudgarr auf diese Weise noch mitbekommend, rauschte sein Zornfaktor tatsächlich noch etwas höher, so dass Luca sich in diesem Moment wahrlich sorgen machen musste, ob es ein guter Gedanke war, jetzt zu trainieren. Er hingegen stieß die Tür erneut auf und antwortete somit an Hudgarr's Stelle: "Deine Freude ist doch offensichtlich, verdeutlichtest du mir eben, dass es das wohlgefällige Geschenk dieser Familienbande ist, dass doch schließlich dir und Aaryon gegeben wurde und ich mich gefälligst aus derlei Freundschaftsgaben herauszuhalten habe."
"Du hast dich da heraus zu halten, wenn du beabsichtigst, diesem Abschaum auch noch Geld in irgend einer Form zurück zu geben", fauchte sie zurück und Aaryon begann sich auf seine Weise zu äußern, was er von dem Streit seiner Eltern hielt, dennoch war Darna noch nicht fertig: "Ich werde diesen Mist nämlich zur nächsten Esse auf dem Fest bringen und eigenhändig einschmelzen!"
"Oh welch fabelhafter Gedanke." seine Stimme behielt den inzwischen zynischen Beiklang. "Und im Anschluß lässt du ihnen einen Dankesbrief zukommen, dass dir nur die Form des Geschenkes nicht zusagte, Aaryon es aber nun mit Freude als Goldkettchen trägt und stets berichtet bekommt, welch liebevollen Wahlanverwandten er es verdanke auf dass er ihnen nacheifere? Wie überaus passend wäre dies schließlich, es würde Drachenfels nur zurück zu seinen Wurzeln treiben, war es doch der Geschichte nach schon vor langer Zeit einmal eine Piratenhochburg."
Darna hob die rechte Braue und schüttelte leicht den Kopf. Ein Seitenblick zu Hudgarr verdeutlichte, daß es ihr zunehmend nicht gefiel, was er da alles mit hörte, aber schließlich sprach sie doch gen Adrian aus, was sie dachte: "Könntest du mal aufhören, ständig vom Schlechtesten auszugehen und deinen Verstand wieder benutzen bitte? Seh ich aus, als würde ich nur eine Münze dieses Blutgeldes meinen? Langsam ist es beleidigend, was du von mir vermutest." Die Stimme war leiser geworden, aber stocksauer. "Ich würde garnichts vermuten müssen, würdest du dich nicht derart erpicht darauf geben diesen Schund zu behalten." Ein Seitenblick fiel auf Luca, dem das ganze nun selbst deutlich unangenehmer wurde. Leise zischte er ihm zu, er solle Aaryon nehmen und mit ihm aufs Zimmer gehen, bis das hier geklärt sei. Er bekam sehr wohl mit, wie unsicher Luca auf "die Lady" zuging, hoffend den Jungen ohne Blessuren entgegen nehmen zu können, während er das ganze mit eisigem Schweigen abwartete.
Sie übergab Aaryon an Luca, dabei Adrian in einem ebenso eisig fixierten Blick behaltend. In einer Bewegung, die langsam und kontrolliert war, doch viel zu viel Energie dahinter zügelte, stand sie aus dem Sessel auf und griff die Münzen von dem Brief, steuerte langsam an Adrian vorbei auf die Tür zu, wobei sie angespannt schräg vor ihm kurz inne hielt. Die Wangenmuskeln zuckten nervös, ließen die Narben im Gesicht beben und irgend etwas schien sie ihm noch verbal an den Kopf werfen zu wollen, ehe sie es scheinbar runterschluckte und sich weiter zur Tür begeben wollte.
Als sie ihn passierte, musste Hudgarr den Eindruck bekommen, es näherten sich zwei kampflustige Löwen einander, die sich nach kurzem umkreisen ineinander verbeißen würden. Es war in diesem Moment somit offensichtlich nicht allein Darna, die weitere Kommentare herunterschluckte. Für einen Augenblick fiel sein Blick dennoch ein weiteres mal auf Hudgarr. "Noch eine dumme Bemerkung, und du kriegst den Handschuh vor die Füße... noch eine..." Nein, es kam nichts. Was sie bislang nicht für möglich gehalten hatte: daß er sie doch wütend genug bekam, damit sie es ihm tatsächlich in einem Duell herausprügeln wollte, trat noch weiter nicht ein. Der Moment in dem die Löwin sich tatsächlich ob kurzer Unaufmerksamkeit hätte erfolgreich verbeißen können, dann folgte er ihr, die Tür gar tatsächlich manierlich hinter sich schließend, wartete er noch einen Augenblick ab, indem er wohl nachsann ob es irgendeinen höheren Sinn machte, ihr nun nachzugehen. Vermutlich hätten sie den Streit dann auf den Festplatz getragen. So ging er nur einige Schritte nachfolgend aus dem Haus und wandte sich selbst in die Richtung, in der er Sir Allerich und Cyrion gemäß der Beschreibung vermutete, die Mimik bemüht neutral haltend, so dass ihm möglicherweise begegnende Bürger den Ärger nicht auch noch aus seinem Gesicht lesen konnten.
Die Dublonenkanten prägten Striemen in Darnas Hand, so fest umschloß sie sie und am liebsten hätte sie sie zerquetscht. Ihr stechschrittartiger Marsch führte sie zurück auf den Festplatz, die Stelle, wo Ulfert gelegen hatte, umging sie für den Moment noch, sie wollte das hier erst erledigen...
Da war die erstbeste Esse: ein Schmied für grobe Schmiedearbeiten und Hufbeschläge hatte sich am Rande des Festplatzes bei den Tiergattern aufgebaut. Sie schaute in die Glut, während der Schmied rasch die Mütze einmal vom Kopf zog, als sie nähertrat und fragte, ob er ihr helfen könne. "Könnt Ihr, Meister. Ist die Esse hier gut heiß und dürfte ich darin zwei kleine Gegenstände der Glut überlassen?" "Ja, äh...", kam zur Antwort und egal ob das nun schon eine echte Bestätigung ihrer Frage war oder nicht, die Dublonen kreiselten noch ein mal, ehe sie auf den rotglühenden Kohlen landeten, von Flammen umschlossen wurden und sich zu verformen begannen, bis sie zwischen den Kohlestücken versickerten. Ein Vorgang, den sie mit Genugtuung beobachtete und den Schmied bei ihrer Mimik sonstwas denken ließ. "Danke. Noch gute Geschäfte", meinte sie knapp, ehe sie sich wieder abwandte.
Dann begab auch sie sich auf den Weg zurück zum Tatort. Letztlich nach etwas hin und her kam man überein, Ulfert möglichst abseits vom Festgeschehen aufzubahren. Allerich würde seine Frau informieren und es würde zu regeln sein, wie seine Familie nun weiterhin versorgt wäre. Auch daß sie zur Frau eines Verräters geworden war, blieb eine unschöne Sache. Niemand hatte in ihrem Sinne Interesse daran, das an die große Glocke zu hängen, aber es würde wohl Gerede geben, und man würde dem mit der Wahrheit begegnen müssen, schon allein um Verdächtigungen von Adrian und seiner Familie wie seinen Leuten fern zu halten.
Cyrion wurde beauftragt, die Blutspur zu Pferde zu verfolgen, in der Hoffnung, daß Grendel vielleicht dann irgendwo doch noch vom Pferd gefallen und einzusammeln wäre. Doch dieses Schicksal sollte ihm erspart bleiben. Als es dunkel zu werden begann und auch die Spur sich allmählich verlor, ohne den Besitzer des Blutes zu präsentieren, kehrte Cyrion um. Montar würde vergeblich warten.
Allein schon Luca zuliebe sollte der Tag aber nun nicht völlig verdorben sein. Darna gab sich alle Mühe, sich wenigstens neutral zu präsentieren und ein Lächeln zu erübrigen, wo immer es ging. In dieser Hinsicht schienen sie und Adrian doch wieder gleich gestrickt, der sich weiterhin um Luca bemühte und dem ebenso bis auf diese betont neutral gehaltene Miene nichts anzumerken war. Die Kunde, daß es heute einen Todesfall gegeben hatte, schien erfolgreich eingedämmt gehalten zu werden. Als sie selber noch zwischen den Ständen hindurch schlenderte, schien sie sogar selber noch an etwas interessiert zu sein und man sah sie ein paar Minuten eifrig mit einem Schnitzer reden, der auch Holzschwerter verkaufte.
Sie genoß das Bankett, als die Dunkelheit anbrach und Fackeln wie bunte Laternen angezündet wurden. Sie hob ein wenig skeptisch die Braue, als die Tanzfläche sich füllte und deutlich ländliche Tänze für gute Laune sorgten, aber dengötternseidank schien niemand im Mindesten zu erwarten, daß die Freiherrin sich daran beteiligen würde und auch ihre Eltern blieben gelassen einfach sitzen und unterhielten sich. Nur Aaryon ließ sie nicht mehr unbewacht und es schien, als würde sie die gleiche Wachsamkeit wie auf Drachenfels hier doch wieder an den Tag legen.
Was wirklich war, drohte erst am Abend wieder durchzubrechen. Es war spät geworden, und als Aaryon schlief, mochte es für einen Moment scheinen, dass sie Adrian von sich stoßen würde, als er sich im Bemühen um eine Aussprache anschickte, die Arme um sie zu legen, während er sich für seine Reaktionen entschuldigte und mit Wut über das Schreiben herauszureden suchte. Sehr behutsam, leise wagte er gar nachzufragen, wie sie mit den Dublonen nun eigentlich verfahren war.
"Eingeschmolzen, sagte ich doch", kam es zunächst nur knapp. Leicht hob sich seine Braue. "Ja das sagtest du... nur zu welchem Gegenstand bitte?" Sie drehte sich um, sah ihn irritiert an. "Eingeschmolzen...", wiederholte sie, als wisse sie das nicht anders zu umschreiben. "Zerschmolzen. Weg. Das Zeug klebt am Boden einer Hufschmiede-Esse." Seine Mundwinkel begannen zu zucken. "Besser er erfährt nie, welch Wertschätzung du diesen Münzen zukommen liessest, bevor er sich anschickt, von dem Schmied die Esse zu verlangen."
Ein Schnaufen. "Oh wenn ich diesen Vallas in die Finger kriege..."
Verfasst: Montag 21. Dezember 2009, 02:51
von Luca
Luca wusste nicht, was er von dem Bild, das sich ihm bot, halten sollte... Irgendetwas war passiert, aber Ari ging es gut. Auch wenn Lady ihn mal wieder falsch hielt, irgendwie zu fest... gefiel ihm offensichtlich nicht, er sah quengelig aus. Der Blick huschte schon bald weiter zu den riesigen Goldmünzen, die ihm Fragen auf die Zunge brannten.
Dunkle Schwester...? Lady? Alles hatte er nicht verstanden, auch wenn er sorgfältig zwischen die Zeilen lauschte. Die Stimmung gefiel ihm ganz und gar nicht und es erleichterte ihn, dass Adrian ihn anwies, Ari zu holen. Auch wenn er während der Schritte durch den Raum fürchtete, in Ladys Blick zu geraten und sich unverdienten Zorn zuzuziehen. Nein, nichts passierte. Nicht einmal, als der Kleine die Arme nach ihm streckte und versuchte, sich mit einem fordernden Knurren aus dem Griff seiner Mutter zu drücken.
Ho, ja.. weißt, dass ich eine Überraschung für dich hab... Erst auf dem Flur murmelte er ihm die Worte zu; dafür ließen sie die gewittrige Atmosphäre fast augenblicklich hinter sich, als er eine ruhige Ecke ansteuerte, um die Rassel mit großem Preisen zu überreichen. Der Kleine schob sie ohne zu zögern in den Mund, lutschte ein wenig daran herum und lugte währenddessen fragend hinauf. Sie schmeckte eindeutig nur nach Holz.
Ein wenig ließ der Anblick Luca grinsen, allerdings beschlich ihn auch der Gedanke, dass er den Knirps vielleicht ein wenig zu viel hatte probieren lassen, um es unauffällig zu halten. Eine Weile verbrachte er damit, Ari zum Rasseln zu ermuntern, dann kam auch schon Adrian zu ihnen hinauf und ignorierte seinen fragenden Blick vollendet. Der war sauer, soviel war klar... aber nicht auf ihn; besser, das blieb so. Die Zeit zum Fragen würde schon kommen. Nun überraschte ihn eher, dass sein Tag weitergehen sollte.
Adrians Laune blieb zwar schlecht, aber zumindest führten die mysteriösen Ereignisse nicht dazu, dass sie den Abend im Haus verbrachten. Stattdessen schlenderte er noch einmal von Stand zu Stand, um die kerzenerleuchteten Dekorationen zu beschauen und einige Münzen für haltbares süßes oder pikantes Proviant zu lassen. Die Stimmung auf dem Platz war geruhsamer geworden, die Dämmerung tat sicher ihren Teil. Wollten sie ihm nichts über die Vorgänge im Haus sagen, lohnte es sich auch nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Vielleicht hatte Lady ja einfach rausbekommen, dass sie wieder schwanger war...
Noch immer packten die Kräuterfrauen und Zuckerbäcker ihm die Beutelchen ganz besonders voll. Auch das Tanzen machte ihm Spaß. Mit Bier Nummer zwei und drei ließ sich viel lachen und sonderlich schwer waren die Schritte nicht. Genaugenommen brauchte er den Mund nur fragend öffnen, um von einem fröhlichen Mütterchen oder einer vorwitzigen Halbwüchsigen regelrecht unter den Arm geklemmt und mitgeschwungen zu werden. Ganz nach seinem Geschmack. Natürlich nicht Ladys oder Hoheits, aber er verübelte ihnen nicht, dass sie sich am Rande zurückgezogen hatten. Lady war Lady und Adrian hatte sie geheiratet und konnte kaum allein zwischen fremden Frauen tanzen...
Der Abend klang würdig aus und ließ ihn mit einem stillen Lächeln ins Bett krabbeln. Sein Geburtstag... Zoe würde er davon erzählen müssen, und Anney... Die meisten seiner neuen Habseligkeiten lagen dicht neben seinem Kopf auf der Matratze oder knapp vor dem Bett. Zumindest das Geschirr hatte er dorthin verfrachtet, nachdem es polternd heruntergefallen war. Seine Gedanken wanderten durch den Tag zurück von Stand zu Stand, während er langsam einschlief und gar nicht mehr über den Ärger im Haus nachdachte.
Verfasst: Montag 21. Dezember 2009, 15:27
von Vallas Amarth
Ein fetter Typ tanzt.
Es war dunkel beim Herrenhaus als eine kleine Gestallt vergnügt zum Poratl hüpfte. "10 nackte Nutte nuschel narrenhafte Notizen" sang er vergnuegt. Dann tratt er ans Tor kämte seinen Bart und klopft leise. Eien der Bediensteten machte auf.
Werten Abend die Dame ich habe hier ein Packet zur Feier des Tages für den Jungen Herrn Luca .... von seine ... Bruder Bo! Ich wollte es nur abgeben. Die Frau die mit der bizzaren Gestallt hoffnungslos überfordert war nickte nur knapp. Auf der Hacke macht er kehr und drückte ihr in der Bewegung das huebsche Paket in der Hand. Der Mann tanzte ein Stück des Weges lang und sang schmutzige Worte. Hielt kurz inne und schrie FEUERWERK und riss die Arme gen Himmel. Bwuhahahaha! Und der Himmel war erfüllt von bunten Explosionen und Funkenregen. In Totaler verwunderung schloss die Bedienstete die Tür und ging Richtung Lucas Zimmer klopfte und stellte das Geschenk ab.
"Sofern Luca wach ist und das Geschenk öffnet findet er vor"
Eine Piratenflagge
Ein Amulett mit einem Schädel
Die Alte Pistole seines Bruders
Ein Brief
"Der Brief"
Ahoi Luca,
meine ehrerbietung dem Bruder Bo`s. Ich möchte dir auf diesem Wege
eine kleines Geschenk übergeben. Es versteht sich von selbst das meine
Cousine Darna nichts davon wissen darf.
ich habe sie aus einem Grab auf LA Cabeza... Leider ist sie kaputt. Die
Flagge und das Amulett sind auch die deines Bruders. Ich hoffe auch das das
Feuerwerk der Nacht dir gefallen hat. Wir sollten uns bei Gelegenheit mal
Treffen dann zeig ich dir das alte Schiff deines Bruders. In diesem Sinne dein
Onkel im Geiste!
gez Vallas
Verfasst: Dienstag 29. Dezember 2009, 22:52
von Darna von Hohenfels
Während der fette Typ vermutlich noch zu beauftragen oder unterwegs war, brach der Tag nach dem verschobenen Erntedankfest an, der 1. Rabenmond 252.
Es war kühl, erster Rauhreif lag über den Wiesen, es war etwas neblig, dennoch würde auch heute wieder eher mit Regen als Schnee zu rechnen sein. Gemeinsam saßen die Familie und nahe Zugehörige der Gäste am Frühstückstisch im Haupthaus, während im Küchenraum des Nebenhauses die meisten Knechte, Mägde und Helfer schon gespeist hatten und noch abräumten oder andere Tätigkeiten aufnahmen.
Darna beobachtete mit einer Mischung aus Neugier, Skepsis und Interesse, wie ihre Mutter Aaryon ein paar Bröckchen hartgekochtes Ei probieren ließ und Luca geduldig zu vermitteln versucht hatte, daß Dinge wie Fleisch für den Kleinen noch nicht gut waren, solange er nicht genügend Zähne zum Kauen hatte und Fleisch als Brei nicht sonderlich geeignet war.
"Eigentlich müsste er bald seine ersten Zähne bekommen", stellte ihre Mutter gutgelaunt in dem Raum und gab gleich gute Ratschläge: "Da werden sie leicht mal nörgelig, weil das Zähne bekommen ein wenig weh tut und sie das nicht kennen."
"Wann ist das denn so weit?", fragte Darna vorsichtig, und wer sie kannte, mochte ahnen, daß sie nun eine Auskunft ähnlich eines festen Termins erhoffte, nach dem man sich richten konnte.
"In jedem Fall, bevor er sein erstes Geschwisterchen bekommt", kam lediglich zur Antwort und in Siglindes Augen legte sich ein Glänzen, das Darna sicher beunruhigt hätte, hätte sie ihre Mutter besser gekannt. Allerich jedenfalls konnte sich ein erstes Schmunzeln nur schwer verkneifen. Darna krauste die Stirn. "Das mit Sicherheit", kam es verhalten, doch sehr nüchtern von ihr.
Da die gute Laune nicht auf die Tochter überschwappen wollte, wurde Adrian ins Visier genommen: "Hast du es ihm denn schon erzählt?" Luca drehte den Kopf, ihn schienen die Worte nicht einmal zu überraschen, doch sah er Darna abwartend an.
"Was?", fragte Darna im ersten Moment irritiert, entsann sich dann der alten Lehren und vervollständigte den Satz: "Ich meine: Was soll ich seiner Hoheit erzählt haben, Frau Mutter?"
"Na, dass du wieder schwanger bist!"
Erwartungsvolle Blicke klebten an ihr. Sie blinzelte. Man hätte eine Stecknadel fallen hören. Adrian räusperte sich und wie zu erwarten ruckte seine Braue aufwärts. Gleichzeitig trat eine unübersehbare Vorfreude in seine Augen, während sein Blick auf Darna gerichtet blieb.
Nein, er nicht auch noch, oder?! Sie fühlte sich gerade, als würde ihr der versammelte Saal in den Rücken fallen. Woher wusste Siglinde überhaupt etwas, von dem sie selber... keine... der fragende Gedankengang geriet ins Stocken. Ziemlich viele Menschen wussten immernoch mehr über die Abläufe von sowas als sie. Sie hatte nur gedacht, daß... wenn... wieder blinzeln, dann brach die erste Empörung mitsamt aller Verwunderung durch: "Darf ich fragen, woher Ihr wissen wollt, daß ich schwanger wäre, Frau Mutter?"
Erste Ernüchterung in Allerichs Miene. Fragender Blick zu seiner Gemahlin. Als sie es ihm gestern erzählte, hatte er gedacht, Darna hätte es ihr erzählt?
Siglinde indes ließ sich nicht beirren und klärte gütig ihre Tochter auf: "Also Kind, wer schon Kuchen mit Sauerkraut isst, kann einem als Frau nicht erzählen, sie wäre nicht schwanger."
Kuchen.
Sauerkraut.
In Darnas Miene sackte alles nach unten, wie bei jemandem der nach grenzenloser Dummheit erkennen musste, daß es nicht schlau gewesen war, beim Mord Fußabdrücke im geharkten Beet zu hinterlassen.
Auf Adrians Gesicht zeigte sich neben der noch immer hoffnungsvoll vorhandenen Freude ein erster Schimmer von Amüsiertheit. "Sauerkrautkuchen? Ich bin gewiss Yette wird deine neuen Vorlieben gern in ihr Kochbuch übernehmen." Kurz blickte er sie nachdenklich an. "Ich bin gewiss, es gibt in der Hauptstadt fähige Heiler, die den Verdacht bestätigen oder widerlegen können. Du kannst allerdings auch gern warten, bis wir Frau van Drachenfels aufsuchen können." Geflissentlich schien er die Blicke Siglindes zu ignorieren.
Heiler... ja, einen Heiler brauchte es wohl, um einem die Krankheit zu bestätigen oder davon freizusprechen, dass man Kuchen mit Sauerkrautfüllung aß oder schwanger war. Sie atmete tief durch. Ihre Mutter einer Hinterlist zu überführen, war irgendwie das Letzte, was sie sich bei ihrem Aufenthalt hier hätte ausmalen können. "Du hast mich reingelegt!" Grenzenlose Entrüstung. Sie atmete tief durch und zwang sich, ruhig zu bleiben. Dieses Gerücht musste aus der Welt. Einen Rest an Wut konnte man ihrer Stimme wohl nicht absprechen. "Mutter... ich habe diesen Kuchen hinuntergezwungen, weil ich Euch und Ursel nicht enttäuschen wollte."
"Ich wollte nett zu dir sein und du hast mich reingelegt! Ich hab gelogen... vermutlich ist das gleich die Strafe dafür."
Die Stimmung kippte. Allerich tupfte sich den Mund ab und legte die Serviette betont bedächtig und ordentlich an die Seite. Allein die Präsenz ein unsichtbarer Griff, die Ordnung im Raum zu wahren. Die meisten saßen inzwischen stocksteif am Tisch. Siglinde schien zu begreifen und ihre Vorfreude wandelte sich langsam in Bestürztheit. "Dir hat der Kuchen nicht geschmeckt...?"
"Nein." Eine Silbe, in der aller Nachdruck lag. Genauso hätte man sie fragen können, ob sie je zu Alatar gebetet hätte. Adrian hatte wohlweislich inzwischen wieder seine neutrale Diplomatenmiene aufgelegt und schien schlicht abzuwarten, wie das Gespräch weiterging, offenbar noch sinnierend, welche Waffe er wie entschärfen könnte und wie er denen, die nicht zu entschärfen waren, am besten geschickt auswich.
"Aber du hast den Tag zuvor... in der Küche... doch all diese Sachen gegessen. Sogar Erbspürree und Marmelade."
Darna wurde etwas blasser. Himmelgötternocheins! "Ich habe über eine geraume Weile dort gesessen und ich musste... alles mögliche einmal kosten, was Ursel mir vorsetzte. Und es hat ja auch geschmeckt. Ich habe es nur sicher nicht miteinander vermischt gegessen!" Sie hatte sich leicht vorgelehnt und gab sich wirklich krampfhaft Mühe, die Lautstärke ihrer Stimme strikt zu deckeln. Dazu brauchte es ihren Vater nicht, auch wenn sie nie so dicht davor gestanden hatte, ihre Mutter gern anschreien zu wollen. "Götter, steht mir bei... und alles immer und immer wieder wegen diesem verdammten Kinderfirlefanz."
Siglinde senkte den Blick auf die Tischplatte. "Schade..."
Schade. Schade?!? Es klang so schlicht, so bekümmert. Ein Kind, dem man sagte, daß ein schöner Ausflug wegen Regen ausfiel. Plötzlich war sie wieder die Böse und hätte bei dieser Betrübtheit ihrer Mutter heulen können. Der Kloß im Hals war unerträglich, vermischt mit Wut und Frust, den Wünschen anderer weder entsprechen zu können noch zu wollen.
"Entschuldigt mich bitte", war lediglich noch kratzig von ihr zu vernehmen, während sie aufstand um den Raum zu verlassen. Adrian erhob sich sogleich und bat ebenso, ihn doch bitte zu entschuldigen. Er folgte ihr auf dem Fuße, sprach noch nicht, offenbar hatte er doch gelernt, wann es besser war, erst einmal ihre Wut ein Ventil finden zu lassen, ohne sie noch zu verschärfen. Dennoch gedachte er offenbar nicht, sie allein gehen zu lassen.
Der Frühstücksraum blieb einige Herzschläge still zurück. Dann hatte auch der Letzte begriffen, dass Darna offenbar irgend ein Problem mit Schwangerschaft und Kindern hatte, auch wenn die Gründe dafür manchem offensichtlicher waren als anderen. Dennoch gerieten nun Luca, Viola oder weitere Verbliebene in den Fokus des Interesses, um mehr zu erfahren, wie es um die familiären Gepflogenheiten im Hause Hohenfels bestellt war.
"Lady hat's nicht so mit schwanger sein...", bekam man in einem vorsichtig entschuldigenden Ton von Luca dabei nur raus.
Draußen hatte nicht nur Adrian gelernt, zu schweigen, sondern Darna auch, daß nun die Diskussion nicht lohnte, um Adrian abzuschütteln. Dennoch brauchte es einen forschen Schritt, um nicht abgehängt zu werden, wenn sie nicht gerade ratlos an Flurkreuzungen stand, um sich zu fragen, wo ein geeignetes Ventil nun zu finden wäre. Zumindest Abgeschiedenheit. Fern aller Augen hinter Winkeln und Ohren an den Wänden.
Der Weg führte sie aus der Tür vom Haupthaus zum Nebengebäude, doch vor dieser Tür griff sie sich vom Garderobehaken den erstbesten Mantel, der vor der Kühle schützen würde und lieh sich damit ein Kleidungsstück ihres Bruders.
Adrian blickte kurz sinnierend zur Garderobe. Er würde kaum lang Zeit haben sich etwas passendes zu suchen, wenn er sie nicht aus den Augen verlieren wollte. Glücklicherweise brachte Hudgarr die Lösung. Er schickte ihn eilends einen Mantel zu besorgen und ihnen nachzueilen. Man konnte nur hoffen, dass er noch etwas von ihnen erblicken würde. Sonst müsste er eben erfrieren, Los eines Ehegatten.
Raus. Nur raus. Eigentlich war ihre Wut schon verflogen, als ihr die frische Luft entgegen schlug, und mit schwer deutbarer Miene stapfte sie zwischen den Häusern hindurch auf den kleinen Weg zum Gärtchen, bog von diesem ab und steuerte die scheinbar endlose Weite einiger Pferdekoppeln und hügeliger Ackerflächen an, die sogar so geblieben waren, wie sie sie kannte - und die ihr damals schon den Trost der Einsamkeit gaben, wenn niemand sehen sollte, was in ihr vorging.
Schließlich machte er sich doch die Mühe sie aufhalten zu wollen und in den Arm zu ziehen, nicht ahnend ob er das ohne Blessuren überstehen würde. Doch möglicherweise gab dies Hudgarr wenigstens Gelegenheit aufzuschließen. Aber außer daß sie sich widerwillig auf diese Weise aufhalten ließ, schien Adrian nichts zu drohen. Das Gut war noch in Sichtweite, sie selber für Beobachter dort wohl nur zwei kleinere Figuren am Rande eines abgeernteten Ackers.
Er ließ kurz den Blick schweifen. "Ob sie sich über die neuen Vogelscheuchen freuen? Wobei ich bei meinem Geschick Rabendamen in mein Haar zu locken, wohl dafür schlecht geeignet bin." Es war ein Versuch, die Stimmung herumzureißen und den Tag noch zu retten, forschend suchte er ihren Blick. Sie atmete aus, ein Teil der Anspannung ging verloren, auch wenn es eher nach Resignation denn heiterer Gelöstheit aussah. Für Nichtkenner mochte ihre Miene ohne viel Regung kaum Deutung zulassen, außer einer gewissen Anspannung und Verschlossenheit, doch er wusste inzwischen, wann unter dem Anschein von Gefasstheit die Zähne zusammengepresst waren, wann es lediglich fassadenhafte Mühe war, den Blick offen zu halten, während feine Muskeln die Augen verengten und auf Groll oder Vorwurf hindeuteten. Die runtergezogenen Mundwinkel ergänzten das Bild um Traurigkeit oder Verbitterung.
Machte es Sinn, mit ihm zu reden? Er wusste alles doch schon längst. Wieder und wieder hatten sie auf die eine oder andere Art dieses Thema durchgekaut, den Rest, der heute durch die Erwatungshaltung ihrer Mutter wieder dazukam, konnte er sich denken. "Ich mag es nicht, Erwartungen nicht gerecht werden zu können", würgte sie schließlich trotzdem leise heraus, wandte den Blick bitter ab und ließ mit diesen paar Worten doch tiefer blicken, als sie irgend einem anderen gewährt hätte.
"Erwartungen..." Himmel ja er musste sich bemühen, nicht zu schmunzeln. "Darna sie ist nicht Sandroval, der dir verbietet Kräuter zu dir zu nehmen und erwartet, dass du.. ein Kloster füllst. Sie ist nur eine Großmutter die sich offenbar auf ihre Enkel freut. Sie kommen oder sie kommen nicht, aber es ist keine Order, nur weil sie sich freut, wenn sie eben zur Welt kommen. Und das wiederum kannst du ihr nicht nehmen, versuch wenigstens ihr nicht so offensichtlich zu zeigen, dass du lieber vor dem Kinderbekommen davonlaufen möchtest. Wir sind nicht ewig hier, gib ihr etwas Hoffnung."
Hoffnung geben... na toll. Sie hatte wie versprochen Nachwuchs bekommen, sogar einen Sohn, sie hatte ihr Versprechen gehalten und war mit dem Knirps hergekommen, reichte das nicht? Stattdessen sollte ihr schon die nächste Schwangerschaft aufgeschwatzt werden, sie hätte dem aufsteigenden Frust am liebsten in einem Fausthieb Luft gemacht, hätte das nicht Adrian getroffen. Sie atmete aus und drückte die Stirn gegen seine Schulter. Das war doch grausam alles. Was Sandroval von ihr erwartete, war ihr diesbezüglich egal, sollte der selber das Kloster füllen - aber als Kerl genoß er wenigstens den Luxus, dafür nicht schwanger werden zu müssen. "Schade..." - dieses Wort, sein Ton, klang ihr nun noch im Ohr. "Du kannst es ihr nicht nehmen" - nein, sie würde ihrer Mutter sicher nicht in einem Erklärungsversuch offenbaren, wie widerlich Schwangerschaften waren, Kindergeplärre kaum besser, auch wenn beides Siglinde eigentlich selber nur zu gut klar sein musste. Welch Aufopferung jeder Mutter, sich das überhaupt anzutun; Darna kam damit nicht klar. Sie schwieg verharrend, während die Gedanken in die Richtungen zu kreisen begannen, was Eluive da überhaupt auf sich genommen hatte oder ob sie nicht derart gelitten hatte. Irgend etwas musste Darnas Wahrnehmung grundlegend von der jener Frauen unterscheiden, die sich an die Qualen der Geburt hinterher kaum mehr zu erinnern schienen, sondern von dem neuen Kind schwärmten. "Gib ihr etwas Hoffnung" - nein. Sie würde nicht nochmal Freude vorheucheln, wo keine war, die Quittung für sowas hatte sie gerade erst frisch bekommen. Aber sich nochmal dieser mütterlichen Enttäuschung stellen... Adrian spürte lediglich, wie ihr Gesicht sich vehementer an seiner Weste vergrub. Sich nähernde schwere Schritte und ein kontrolliertes Schnaufen kündeten von Adrians Erlösung vor dem Erfrieren zur adeligsten Vogelscheuche auf Alathair. Und der übliche Effekt setzte ein, mit der Zuverlässigkeit einer Hampelmannstrippe, an der gezogen wurde, löste sich Darna so gut es unauffällig ging aus der vertraulichen Geste und richtete die eigene Haltung auf.
Adrian schüttelte unmerklich den Kopf, während er den Mantel entgegennahm, wobei er Darna weiter musterte. Fehlte nur noch, dass Temora das Bild perfektionierte indem sie die Rüstung erscheinen liess. Kurz wechselte er einige leise Worte mit Hudgarr, dass er diese Angelegenheit erst klären wollte und ja er dürfe natürlich verweilen... in angemessenen Abstand.. unauffällig und die Augen offen haltend. Schon wandte er sich Darna wieder zu, während Hudgarr sich etwas zurückzog, jedoch in Blickweite verblieb.
"Mylady dürfen aufhören, Zierrüstung zu spielen." Wieder legte er behutsam die Arme um sie. Ja, sicher. "Du und dein verdammtes Bild!", hallten ihr Andreys Worte wieder durch den Kopf. Ja, es war nur ein Bild, aber dieses äußere Bild hatte den Moment der Schwäche überwunden. Sie würde sich nicht nochmal jetzt derart mit gesenktem Kopf anlehnen, sie brauchte es nicht, auch wenn sie sich nicht schlauer fühlte als vorher. Was immer noch kam, sie würde irgendwie damit klarkommen müssen. Und er hatte recht, sie blieben nicht ewig hier. Eine intakte Familie, und plötzlich wusste sie mehr als je zuvor, daß etwas von ihr hier nicht reinpasste. Daß sie "anders" war, wusste sie schon länger, doch nie hatte sie sich derart als schwarzes Schaf empfunden wie in diesem Moment. Aufrecht und still blieb sie in seiner Umarmung stehen und lediglich der Blick kündete von einer dumpfen Traurigkeit. Sein Blick ruhte weiterhin auf ihr. Er vermochte zwar annähernd zu ermessen, was in ihr brodelte, gutheißen musste er es deswegen noch lang nicht. Wie üblich konnte er diese Stimmung weniger vertragen, als die Gründe die dazu geführt hatten. "Schätze dich glücklich, dass noch kein Schnee gefallen ist, du wärest jetzt ein hervorragendes Opfer, wo dein Vater sogar außer Sichtweite ist." Erneut ein Versuch, die Stimmung aufzulockern und sie aus ihrer Nachdenklichkeit abzulenken.
Verständnislos krauste sie die Stirn. Opfer? Ihr Vater? Wovon sprach er, von Erfrieren, wenn sie länger hier so rumstand? Sie hatte doch einen Mantel an. Völlig aus ihrem Gedankenkarussell gerissen funktionierte wenigstens die Ablenkung, daß er sie mal wieder verwirrte und entsprechend sah sie ihn auch an. Ihren Blick auffangend ließ er nur das Wort "Schneeball" verlauten und bemühte sich, sie mit einem neckischen Schmunzeln aus ihren düsteren Gedanken zu bringen. Er war doch unverbesserlich. Sie rollte die Augen und schüttelte angedeutet den Kopf. Er brächte es tatsächlich fertig, in solch einer Situation ihr einen Schneeball ins Gesicht zu drücken, um sie vom Grübeln abzuhalten und sie suchte sich von ihm zu lösen, um sich scheinbar zum Haus zurück begeben zu wollen - die Mundwinkel verräterisch zu einem ahnbaren Schmunzeln vertieft.
Allein, im Haus sollte man noch eine Weile auf Adrian, Darna und Hudgarr warten müssen, und ein wenig später war zu erfahren, daß sie Pferde gesattelt und noch zu einem Ausritt unterwegs wären.
Verfasst: Sonntag 3. Januar 2010, 17:08
von Darna von Hohenfels
Das Hexenhaus
"Ich weiß nicht, ob es ausgerechnet jetzt der perfekte Zeitpunkt ist, aber ich würde noch gerne ein wenig außerhalb von hier einen Ort aufsuchen.." Der Satz blieb etwas hilflos in der Luft hängen, weil ihr nicht recht klar war, was dort nun wirklich war oder geschehen mochte. Sie krauste bei wieder nachdenklichem Blick die Nase. "Meinst du, wir können bescheid sagen, daß wir noch etwas unterwegs sind und die Pferde satteln lassen? Du musst auch nicht mit..." Unsicher sah sie ihn an. Er hob eine Braue. "Du willst irgendwohin ohne konkret zu werden, und dies wo hier möglicherweise noch Pack herumschleicht? Oder willst du dahingehend die Gegend absuchen? Solang du mich nicht irgendwo wegschließt werde ich in jedem Fall mitkommen und ich denke Hudgarr wirst du auch kaum wegschicken können."
Sie seufzte und nickte - ähnliches hatte sie befürchtet. "Ich würde trotzdem gerne dort hin. Um die Piraten geht es dabei nicht", war alles, was sie dazu zu sagen hatte. "Würdest du mir vielleicht auch noch mitteilen, wo dorthin sich befindet und ob das Satteln der Pferde sich hierfür lohnt?" Er winkte Hudgarr bereits heran, während er auf ihre Antwort wartete.
Ihr linker Mundwinkel hob sich bei mild bleibendem Blick. So kritisch sachlich erlebte sie ihn eher selten. "Es ginge auch mit einem Fußmarsch von wohl weniger als einer halben Stunde, aber ich denke, wenn wir die Pferde nehmen, sind wir flexibler und man erwartet uns nicht unbedingt so schnell zurück. Es geht um ein Wäldchen hier nahe des Ortes." Ihre Miene wurde unvermittelt ernster, als sie die Lösung der Geheimnistuerei ruhig, doch etwas gedämpfter anfügte: "In dem Elseratine früher gelebt hat."
Schon bei dem Gedanken schlug ihr Herz stärker. Der "Hexenwald", wie er einst nur hieß, und vermutlich heute noch... alte Schauermärchen, die sich sofort ihres Gemütes zu bemächtigen suchten. Es war keine Furcht der Vernunft, aber alte Instinkte. Aufregung. Zitterte sie gar? Sie nahm die Hände in beiläufiger Geste kontrollierend auf den Rücken, um selbst Anflüge davon zu unterbinden.
Seine Antwort bestand einzig aus einem recht ernsten "Verstehe." Nun war es seine Miene die beinah undeutbar war. Eben jene, die er aufsetzte wenn er seine Gedanken nicht zu offenbaren gedachte. "Lasst bitte drei Pferde vorbereiten." Die Anweisung erging an Hudgarr. Kaum, dass dieser entschwunden war, wandte er sich nachdenklich wieder gen Darna. Man konnte ihm nun doch ansehen, dass er sich mit Fragen zurückhielt.
Und sie hielt es für einen guten Moment, solche loszuwerden - eine stummes "Was hast du?", ein offenes Gesicht, mehr war es nicht, während sie ihn abwartend im Blick behielt und nur sehr langsam beiläufig die Schritte gen Haus und Stall zurück führte. Ihren Blick wohl aufgreifend, erntete sie nur ein Kopfschütteln. "Ich werde dich begleiten, solang du mich dabei haben magst und keinen Schritt weiter. Ich kann auch auf dich warten." Damit schien dieses Thema für ihn besprochen.
Erstaunt blinzelte sie. Diesen Freiraum hatte sie nun nicht erwartet. Nach einem Moment nickte sie nur registrierend und nahm den Weg zurück auf.
Es erleichterte einiges, lediglich Hinrich mitteilen zu können, daß bei Nachfragen auszurichten wäre, daß man sich nur auf einen kleinen Ausritt begab und kein Grund zu Sorge bestehe. Doch als die Pferde gesattelt aus dem Stall geführt werden konnten, stand Veltin ein Stück entfernt auf dem Hof und beobachtete das Geschehen, suchte den Blick seiner Schwester. Wenige Signale, und man hatte einander gegenseitig versichert, daß alles soweit ruhig und unter Kontrolle schien. Eine Verständigung, die völlig selbstverständlich von der Hand zu gehen schien und die ihr das Gefühl milderte, sich hier deplatziert zu fühlen.
Eher schweigsam ritten sie schließlich zu dritt vom Hof und in einem leichten Bogen den Pferden etwas Auslauf gönnend Richtung Wäldchen. Piraten... sie versuchte, sich Piraten mitten auf dem Acker vorzustellen und schüttelte den Kopf. Es schien so absurd, was sie hier verfolgte.
Vielleicht zwanzig Minuten Ritt, und jeder Laie musste dem Wäldchen vor sich ansehen, daß dieses Gehölz sich irgendwie von den anderen um Elbenau unterschied. Ein dünner Rand lichteren Gehölzes, dann schien er trotz der kahler werdenden Äste schon nach wenigen Metern dem Blick von außen undurchdringlich. Angefrorenes Moos und trocken gewordener Efeu, die die Bäume umgaben und lauter Gestrüpp, das eine Tortur für die Pferde wäre. Zwischen den ersten Bäumen saß Darna ab und band die Zügel locker um einen dickeren Ast.
Adrian und Hudgarr saßen ebenso ab. Ein stummer Blickkontakt entstand zwischen ihr und Adrian. Die Frage, ob er sie begleiten solle, blieb unausgesprochen, und doch konnte man etwas derartiges wohl in seinem Blick erahnen, während Hudgarr wohl nun in die Zwickmühle gelangte, bei wem er bleiben sollte, würden sie sich hier nun tatsächlich aufteilen. Was sie wohl erwarten würde? Sie hatte keine Ahnung. Als sie Adrians Blick auffing, lächelte sie, und in einem hinteren Winkel ihres Kopfes wunderte sie sich ein weiteres Mal darüber, wie wesentlich leichter es ihr fiel, Gesellschaft zuzulassen, wenn sie dabei nicht den Eindruck bekam, daß sie nicht wirklich eine Wahl hatte. Viola war hier gewesen und heil zurück gekehrt. Und abermals präsentierte sich der Wald ihnen nun auch, wie Viola ihn vor wenigen Tagen angefunden hatte. Adrian schenkte ihr nur ein kurzes Nicken, bevor er sein Pferd nun auch anband, wie Hudgarr es ihnen letztlich auch gleichtat. Adrian ließ den Blick nachdenklich erneut schweifen. Lag etwas zögerliches in seiner Haltung oder wartete er nur, dass sie vorging? Es verblieb unklar.
Sobald sie den Wald betrat folgte er ihr ohne offensichtliches weiteres Zögern, wenngleich die Nachdenklichkeit nicht aus seinem Blick wich. Hin und wieder blieb er stehen, offenbar die Gerüche der Umgebung erfassend, wie man seinem tiefen Einatmens wegen annehmen konnte. Oder war es doch ein wenig Zögerlichkeit in seinen Schritten. Er verlor zumindestens nicht den Anschluss an sie.
Es war völlig abwegig, aber der umgefallene Baum dort mit den Pilzen schien genau wie damals, nur war das hochragende Wurzelwerk noch viel höher gewesen... "Unfug, der Wald ist nicht genau so, wie du ihn verlassen hast." Es war verlockend, sich gänzlich darauf einzulassen, sich wieder wie das Kind zu fühlen, das als Mutprobe zur Kräuterfrau gegangen war, um den Jungen Hinrich zu beeindrucken. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und sie blieb stehen. Dort war der Flecken, wo Tine gestanden und Taubnessel geerntet hatte. Ein Kloß bildete sich im Hals, als sie sich auch schon einbilden wollte, Tines gesummtes Lied wieder zu hören. "Sie hat mir verziehen...", flüsterte Darna fast verteidigend vor dem Ort. Sie wusste es wie kaum etwas anderes auf der Welt. Es tat ihr immer noch leid, doch sie fürchtete Tines Zorn schon längst nicht mehr. Nicht mehr, seit sie sie im Licht des Baumes im Kloster gesehen hatte. Ihr schönes Gesicht, die seidigen schwarzen Haare, ihr liebes Lächeln. "Lebe", war damals ein Wort gewesen, das vom Baum kam, von der Macht, die dahinter ruhte und der sie sich längst gänzlich verschworen hatte. War sie dem Befehl nachgekommen?
Oh ja. Eine Flut von Bildern huschte vor ihrem inneren Auge vorbei und bildete die Beweiskette. Sie hatte geliebt und manchmal auch gehasst, manchmal gelacht und noch seltener geweint, gekämpft und auf Hilfe gehofft, getröstet und Trost angenommen, sie hatte Leben wie Tod gesehen, sie hatte aufgebaut und verloren. Und es ging immer noch weiter, das Rad der Zeit stand nicht still. Nur Darna stand diese Momente des Erinnerns ruhig und regungslos, der Blick scheinbar auf eine kleine Ansammlung brennesselartiger Pflanzen mit vertrockneten lilanen Blüten gerichtet.
Adrian schien in dem Augenblick ihres Stehenbleibens und Verweilens, in eine andere Richtung gesehen zu haben, und er war wohl selten gewohnt, dass seine zielstrebige Frau einfach irgendwo stehen blieb jedenfalls konnte er einen gröberen Zusammenstoß noch eben vermeiden, erahnen mochte sie den drohenden wohl dennoch. Die Berührung riß sie sehr unsanft aus den Gedanken und sie drohte, den Stand wahrend einen Fuß nach vorne mitten in die Pflanzen zu setzen, ehe sie genau dies vermeidend ihren Oberkörper zurückriß und sich lieber gegen Adrian fallen ließ. Stumm legte er ihr die Hand auf die Schulter, ein entschuldigender Blick, bevor er erfasste, aufgrund welchen Anblickes sie wohl stehen geblieben war. Nicht dass ihm diese Pflanze irgendetwas sagte. Aber eine spezielle Bewandtnis musste sie wohl haben, er nahm nicht an, dass Darna sich in Kräuterkunde geschult hatte und aufgrund dessen hier verweilte. Fragend, forschend ruhte sein Blick auf ihr und leise gab sie zumindest wohl etwas wie eine Erklärung: "Hier hab ich sie getroffen. Hier sagte sie mir, daß sie kleine Kinder zum Frühstück fresse und ich bin weggerannt wie ein Hase."
In seinem Blick flackerte in diesem Augenblick etwas undeutbares auf. "Ich hoffe, ich habe dich in der Anfangszeit nicht gar zu sehr an sie erinnert." Nur leise erklang diese Aussage, während er nun selbst sinnierend auf diese Pflanzen schaute, als könne er darin etwas besonderes entdecken. "Es wundert mich jedenfalls nicht, wenn grad mein Humor dir besonders unverständlich vorgekommen sein muss.. für eine ganze Weile."
Sie lächelte etwas und strich mit ihrer Hand über seine Wange. "Eigentlich freue ich mich viel mehr, daß ich ausgerechnet deinen Humor... nun auch so mag." Sie schmunzelte und fügte neckischer an: "Meistens." Ein seltsamer Ausdruck der Widersprüchlichkeit lag in seinem Gesicht, diese Mischung aus deutlicher Amüsiertheit, als er sie kurz anschmunzelte und der noch immer vorherrschenden Nachdenklichkeit.. Ahnte sie, worüber er in diesem Moment nachdachte? Wie sollte sie? Nun standen sie hier, an einem Ort, der Darna's Zukunft so nachhaltig beeinflusst hatte, und der erste Gedanke, der ihm kam war jener, dass er diese Frau vermutlich durchaus gemocht hätte, würde sie heute und jetzt hier leben. Die Gelegenheit des Kennenlernens ergab sich dennoch nicht. Schweigsam blickte er sich erneut um, während er wartete, wann sie weitergehen würde.
Ihre Gedanken schweiften angestachelt ab: Zu ihrem ersten heillosen Lachanfall, als Andrey sich einen langen Grashalm in den Mund gesteckt hatte, um darauf herumzukauen und sie ihn fragte, ob er so viel Hunger habe, daß er den Pferden das Essen streitig zu machen beginne. An ihre verzweifelten Bemühungen, Adrian davon abzuhalten, Eileen zu küssen, weil er scherzte, sie solle darauf aufpassen, daß sie nichts unsittsames täten. An ihren ersten Streich und gleichsam Rache, indem sie Adrian das Hühnchen mit menekanischem Pfeffer viel zu scharf machte...
Sie ging weiter - grinsend. Sie machte gerade einen etwas größeren Schritt über noch einen kleinen Flecken Taubnesseln, als sie leise lachen musste. Sie hatte Cathals dummes Gesicht in der Taverne von Varuna vor Augen, als sie Adrian während der Brautentführung von Eileen erklärte, er könne sich davor bewahren, eine Runde spendieren zu müssen, wenn er den Knappen küsse.
Seine Braue wanderte aufwärts. Er hätte an diesem Ort viel erwartet, dass sie anfangen würde leise zu lachen, schien ihn nachhaltig zu verwundern. "Drei durch Garvagh gezeugte Fohlen für deine Gedanken", murmelte er leise in die Stille des Waldes...
"Ich hoffe, von drei verschiedenen Stuten, eine allein hält den Esel nicht aus", gab sie amüsiert stichelnd zurück und sah sich aufblickend um. Da vorne links musste gleich die Hütte sein. "Überfordere ihn nicht, er wird auch nicht jünger." Merklich hielt er sich in diesem Augenblick zurück, dieser Aussage noch etwas beizufügen, während er suchte einzufangen, wohin sich ihr Blick richtete.
"Erinnerst du dich...", sie musste sich wirklich beherrschen, um überhaupt die Worte klar rauszubringen, "wie er Arenvir und Nevyn... durch diesen kleinen Vorgarten... gescheucht..." Sie konnte nicht mehr. Lebhaft stand ihr vor Augen, wie der Magus und der Paladin im Bemühen, aus dem ins Wasser gefallenen Maskenball noch irgendeinen Nutzen zu ziehen, sie in Verkleidungen als Arkorither und Rabendiener erschreckt und von dem aufgebrachten Angurenpferd derart bedrängt worden waren, daß sie regelrecht schon krabbelnderweise hinter irgendwelche Deckungen flüchteten. Sie war so dankbar dafür, daß sie darüber lachen konnte, gleichzeitig bedauerte sie nur um so mehr Elseratines sinnlosen Tod, weil man ihr einen Scherz auf das Böseste ausgelegt hatte.
Es musste einen höchst eigenartigen Anblick abgeben, wie Darna dastand, neben Taubnesseln und zwischen Waldgestrüpp, eine verfallene düstere Hütte gerade so zwischen den Bäumen erkennbar, ein gruseliger Ort in einem verflucht scheinenden Wald, und sie lachte, während schwer zu sagen war, ob das schon Lachtränen oder Tränen von Trauer waren, die ihre Augen feucht glänzen ließen.
Adrian fing den zweifelnd skeptischen Blick Hudgarrs, ob Darnas Benehmen auf. Wie sollte man ihm dies auch bitte erklären? Erneut wandte er sich Darna zu, sollte diese Erklärung überhaupt möglich sein, hätte sie auch Zeit, bis man später in Ruhe darüber sprechen konnte. Einzig hätte dieser Szene wohl noch gefehlt, dass Hudgarr vielsagend seinen Zeigefinger an der Stirn kreisen liess. Adrian selbst wirkte zögerlich, bevor er doch die Arme um sie legte, wenngleich man ihm ansehen mochte, dass ihm aus irgendeinem Grund hierbei unwohl war, dennoch huschte auch über seine Mimik ein kurzes Schmunzeln ob der Vorstellung der durch den Garten gescheuchten.
Sie atmete aus und genoß die Umarmung, brachte ihren Kopf neben seinen. Noch so etwas, was Elseratine nicht vergönnt gewesen war: einen Menschen, den sie glücklich lieben durfte. "Ich liebe dich", raunte sie an Adrians Ohr, "dich und diesen Humor." Geschichte wiederholte sich auf seltsame Weise: in Andreys Armen hatte sie im Schloß vor Jahren überhaupt endlich den Wert von Freude und Humor begriffen, und heute... durfte sie ein bißchen das Lachen zurück an diesen Ort bringen. Der Hexenwald verlor allen Schrecken.
Adrian musste wohl ähnliche Gedanken hegen, bezüglich des Schreckens dieses Ortes, während er sie nun doch etwas sicherer in die Arme schloss. "Denkst du man könnte wieder Leben an diesen Ort bringen? Kinder, die nicht befürchten werden, gefressen zu werden, von etwas, dass hier nicht existiert? Aaryon ist noch zu jung es zu erfassen, aber vielleicht wäre es ein gesetztes Zeichen."
Sie nickte leicht, eine Spur nachdenklicher werdend. "Etwas in der Art war meine Hoffnung, als ich in der Kirche sagte, sie sollen dem Aberglauben mit einem Lachen begegnen. Ich frage mich, was aus diesem Wald werden wird." Sie drehte den Kopf und löste sich nach einem Moment doch aus der Umarmung, stapfte zuversichtlicher durch das langsam faulende Laub auf die Hütte zu. Da stand sie. Gähnende Leere. Aber sie kam Darna einfach nur alt und verwahrlost vor, mißhandelt von Menschen, die etwas zu zerstören versucht hatten, das ihnen nichts hätte zuleide tun können. Sie schüttelte leicht den Kopf und richtete ein schief in den Angeln hängendes Brett der Tür gerade... es löste sich überraschend leicht ganz unter ihrem Griff und sie sah kurz überfordert auf das Stück Holz. Das hatte doch gar nicht so morsch ausgesehen? "Ich dachte nicht, dass du nun die Hütte abreißen wolltest." Er zog den Kopf ein, als befürchte er, für diesen etwas unüberlegten Einwurf, gleich das Holzstück abzubekommen, bevor er sich ein wenig von ihr zurückzog und sich selbst umsah. Für einen Augenblick machte es den Eindruck, als wolle er die Hütte betreten, doch deutlich zog er sich auch von diesem Vorhaben zurück, als würde er diesen Gang doch lieber ihr vorrangig überlassen.
Sie musste spontan auflachen. "Nein, hatte ich auch nicht vor, aber es fehlt wohl nicht mehr viel dazu." Sie sah sich um. "Du liebe Güte..." Das wäre Elseratines Hütte gewesen? Sie war hier nie drin, nun stand sie in den Trümmern. Ja, vermutlich wäre dieses Heim Klein-Darna seltsam oder gar unheimlich vorgekommen. Oder gemütlich? Es wäre ein Unterstand, wenn jemand vor Regen hier Schutz suchen würde. Wobei es vermutlich durchs Dach tropfen würde. Beiläufig sammelte sie das verbogene Kochgestell aus der Ecke und stellte es richtig rum hin. Als Haus war das alles nicht mehr zu nutzen. Kinder mochten spielend hiermit noch etwas anzufangen wissen - wenn sie sich trauten. "Eigentlich fehlt hier draußen sowas wie ein Baumhaus", meinte sie vor sich hin. Oh ja, Viola hätte es hier gefallen.
Sie schmunzelte und wog das Brett in der Hand. Sie wusste, was sie in absehbarer Zeit hier machen würde. Sie richtete sich auf, stellte das Brett zunächst beiseite und klopfte sich die Hände ab, sah sich um... es war dieser Blick eines Menschen, der sich inmitten einer Bauruine die Renovierung und das später fertige Haus ausmalte... Adrian tuschelte ein wenig abseits mit Hudgarr. Die beiden zogen sich sogar noch etwas zurück, sollte Darnas Blick die beiden streifen. Man konnte sehen, dass Hudgarr hin und wieder nickte. Deutlich zu ersehen, heckten die beiden etwas aus, während hier und da Fingerzeige beratschlagend in die eine oder andere Richtung gingen.
Sie fing das Getuschel der beiden auf, reckte den Kopf, doch offenbar sollte sie nicht zuhören. Sie musste schmunzeln, als sie sich ausmalte, wie hier plötzlich zwei Baumhäuser wären, weil jeder was beitragen wollte. Sie sah in die gewiesenen Richtungen und entschloss sich, diese Bereiche also zunächst selber zu meiden. Sollten die beiden machen. Sie würde sich spätestens morgen Hinrich und Viola schnappen, vielleicht noch Luca... - nein, eher würde sie Adrian empfehlen, den Burschen einzubinden bei was immer er plante. Wenn Adrian etwas tat, würde es weniger schiefe Blicke geben. Sie würde sich hier um die Hütte kümmern, ein paar Ideen hatte sie schon.
Nein, es sollte hier nicht gemütlich und aufgeräumt werden. Jedenfalls nicht so ganz. "Ich hoffe, dir würde gefallen, was hier geschehen soll, Tine", dachte sie schmunzelnd. Ein warmes Gefühl hatte sie in der Magengrube. Dieses Gefühl, wenn etwas einfach richtig war.
Mit einer milde amüsierten Miene kam sie schließlich auf die beiden wieder zu, als sie fertig schienen. "Wollen wir zunächst zurück? Ich würde hier gern noch etwas aufräumen oder so, aber das werd ich morgen bei frischem Licht und den dafür nötigen Sachen machen."
Nun war es Adrian der ein Lachen nicht zurückhalten konnte, es dauerte einige Augenblicke, bevor an so etwas wie Aufbruch überhaupt zu denken war, während Adrian lachend und kopfschüttelnd an einem Baum lehnte. Irgendwann entfuhr ihm: "Mylady finden sogar in einem unberührten Stück Wald noch Anlass aufzuräumen. Aber gut, brechen wir auf." Der Blick gen Hudgarr hatte etwas verschwörerisches, während man sich auf den Rückweg begab.
Die nächsten zwei Tage wurde dem Hexenwäldchen mit Werkzeug, Brettern, Tüchern, Heu und noch lauter anderem Kleinkram zuleibe gerückt. Es kostete teils etwas Überredungskunst, teils etwas Stursinn, teils war man auch mit einem Grinsen oder kopfschüttelndem Schmunzeln dabei - oder ließ den skurrilen hohen Herrschaften eben ihren Willen.
Unter Adrians Regie entstand ein wenig abseits der Hütte ein kleines Baumhaus, das durch Hinrichs unauffälliges Zutun sogar stabiler wurde als ein Hühnerstall von Rafael.
Drinnen werkelte Darna und mit teils diebischem Gekicher und Gefeixe wurde die Hütte nur so weit ausgebessert, daß keine Unglücksgefahr bestand. Sie hängten ein Laken wie eine billige Imitation eines Gespenstes auf und befestigten einige Strippen so, daß sich das Laken ein Stück hin und her ziehen ließ. In eine schattige Ecke platzierten sie eine übergroße schwarze Stoffkatze mit spiegelnden Knöpfen als Augen. Im Kleiderschrank wurde ein vogelscheuchenartiges Ding "versteckt". Sie richteten die Kochstelle wieder her und sicherten sie ab, daß etwas unachtsameres Vorgehen nicht gleich alles in Brand steckte. In die Fenster kamen Windlichter, die so bemalt waren, daß eine Kerze darin seltsame Schatten werfen würde.
Man entschloss sich, auf etwas wie eine "Einweihung" zu verzichten, aber den übernächsten Abend nutzten Darna und Hinrich möglichst heimlich, um den geschaffenen Eindruck der Hütte auszutesten, ohne wegen ihres Fernbleibens gleich einen Alarm auszulösen. Es reichte für einen Anfang, wäre sicher ausbaufähig - aber das sollten ruhig andere machen. Hinrich versprach, auf seine Weise schon dafür zu sorgen, daß die Kinder den Ort entdeckten, und als es dunkel geworden war, saßen sie in der Hütte noch etwas zusammen beim Feuer und einem Tee und unterhielten sich über alte Zeiten, über dies und das.
Darna griff nach dem Bündel Sachen, das sie mitgenommen hatte, und holte eine schmale Stoffrolle raus. "Ich hab hier übrigens noch was für dich..." Hinrich stellte mit fragendem Blick seinen Tee beiseite und wickelte den darin befindlichen Gegenstand aus. Ein Schwert. Ein Holzschwert. Endlich bekam er von Darna ein Holzschwert und fast zu Tränen gerührt musste er lachen. Schwer schluckte er, als sie ihr eigenes Schwert erscheinen ließ und er erkennen konnte, daß das Holzschwert ihrer Paladinwaffe nachempfunden war, mit zu Adlerschwingen geformten Parierstangen. Das also hatte sie bei dem Bogenschnitzer auf dem Erntedankfest bestellt.
Als sie in dieser Nacht später nach Hause kam und sich endlich ebenso zu Bett begab, wurde Darna schwer ums Herz bei dem Gedanken, daß sie übermorgen schon Elbenau in Richtung Hauptstadt verlassen würden. Es ging in eine Gegend, in denen der Winter etwas später einsetzte, so daß man wenig Gefahr lief, auf der Reise mit zu viel Schnee zu kämpfen zu haben.
Verfasst: Montag 4. Januar 2010, 16:18
von Darna von Hohenfels
Die nächsten Tage mochte es verhältnismäßig ruhig und entspannt bleiben, auch wenn man sich aufgrund des seltsamen Auftauchens von Piraten mit schwer einzuschätzenden Absichten und auch wegen des Wetters entschloß, eine geplante Rehjagd abzusagen.
Darna und ihre Mutter behandelten das Thema Nachwuchs mit einer gewissen Vorsicht, auch wenn es einen Nachmittag noch ein längeres Gespräch zu zweit im Kaminzimmer gegeben hatte, das beide recht nachdenklich wieder verließen.
Ansonsten verbrachte die Freiherrin noch viel Zeit damit, mit ihrem Vater die Bücher und Verwaltungsangelegenheiten für das Lehen durchzugehen und letztlich einen Teil der kleinen Überschüsse auch dafür aufzuwenden, das Dach der Kirche neu decken zu lassen - Schieferschindeln, statt Holz.
Luca mochte in den Genuß weitere Zeit mit Adrian kommen, während Veltin es einige Stunden auch sehr zu schätzen schien, dem Burschen von der Funktion von Wappen, ihrer Form und den grundlegenden Dingen der Heraldik zu erzählen.
Für Viola sollte wohl die in Elbenau befürchtete Langeweile doch noch aufkommen, auch wenn die Gesellschaft, in der sie sich befand, keine schlechte war.
Das Wetter war gut, überraschend trocken. Man hatte in Erwägung gezogen, noch einen Tag zu bleiben, doch schon nach den ersten zwei Morgenstunden stand fest, daß die bereits wieder vorbereiteten Reisetaschen um die letzten Dinge ergänzt werden sollten.
Ein herzliches Durcheinander, mit dem das gräfliche Paar samt Gefolge sich verabschiedete und den Weg zur Hauptstadt endlich in Angriff nahm.
Sie waren einen Tag unterwegs, als ein abgehetzter Reiter mit etwas Glück die Gruppe auf einer noch nachvollziehbaren Reiseroute fand:
"Verzeiht, die erlauchten Herrschaften! Gestern spät abend kam ein sehr seltsamer Kerl nach Elbenau und sagte, er habe dies hier für den jungen Herrn Luca abzugeben!"
Auf die Nachfrage, wieso seltsam, erzählte er von eigenartigen bunten Lichtern, die aufgetaucht sein sollten, er was von Feuer rief und hinterließ reichlich Verwirrung. Darüber geriet auch in Vergessenheit, von wem das Paket hatte sein sollen - bis auf daß die Aussage fiel: "Oh, äh, irgendwie von einem Verwandten..."
Luca erhielt das Paket, begleitet von diversen neugierigen Blicken.
Verfasst: Mittwoch 6. Januar 2010, 23:00
von Luca
Verwandten? Die Aussage überraschte ihn und ließ ihn gleichzeitig den Boten verfluchen. Wirkte Vio allenfalls neugierig, lagen die Blicke von Lady und Adrian erwartbar finster auf ihm und dem Paket. Immerhin nahm es ihm keiner weg... Obwohl er es am liebsten sofort aufgerissen hätte, schob er es in seinen Beutel. Zu gefährlich, es vor den beiden zu öffnen... Lady beließ es bei einem skeptischen Blick, dafür forderte Adrian, dabei zu sein, wenn Luca es öffnen würde. Und dass er sich überlegen solle, welchen Wert es für ihn hätte.
Was sollte das schon wieder?
“Um deine Reaktion und Beurteilung des Inhaltes zu prüfen.“ Warum klang er, als wolle er ihn ersäufen... und wieso interessierte ihn das überhaupt? Trotz des Tons fragte er nach, nur um ein noch giftigeres „Denk darüber nach Luca, ich erachte dich kaum für dumm.“ Zu erhalten.
Schweigend ritten sie weiter. Kam es von Bo? Oder von Tante? Verdammt unwahrscheinlich. Aber wieso „Verwandte“ und nicht „Bruder“? Sein Blick blieb auf dem Bündel vor ihm liegen. Er wollte es wissen. Aber Adrians Weisung auch nicht zuwider handeln. Aber auch nicht riskieren, dass er es ihm wegnahm. Was hatte er schon von seiner Familie? Nur die Kette, die Bo ihm zähneknirschend dafür gegeben hatte, dass er ihn nicht in die Scheiße ritt.
“Oder ich schau ein bisschen zuerst rein und zeig’s dir dann...?“ Wenigstens einen kleinen Vorsprung... um sich Beschwichtigungen oder Argumente zu überlegen oder notfalls verschwinden zu lassen, was zu viel Missfallen erregen würde.
“Es geht mir nicht darum, ob du zuerst reinschaust oder nicht, sondern um deine Reaktion darauf, was damit zu geschehen habe und welchen Wert es für dich darstellt. Und frage jetzt nicht noch einmal warum, darüber kannst du selbst nachsinnen.“
“Pah... Warum bist du jetzt sauer auf mich?“ Ungerecht...
Abzuwarten fiel ihm immer schwerer. Was, wenn Bo in der Nähe war? Adrian riss ihn aus seinen Gedanken, um ihm zu erklären, dass ihn sehr interessierte, wie viel Wert Luca auf das Behalten von Geschenken legen würde, die von Menschen stammten, die Aaryon gewiss ohne mit der Wimper zu zucken an jeden verkaufen würden, der dafür zu zahlen bereit sei.
Die Worte brachten ihn auf. Wieso dachte er sofort das Ärgste von seiner Familie?
“...nicht sauer auf dich, jedenfalls nicht, solang du dieses Geschenk nicht derart in den Himmel hebst, dass man den Eindruck haben müsste, dieser Fakt sei dir gleich.“ Luca hörte kaum zu. “Wieso sollten sie Ari verkaufen?? Sie kennen ihn doch nicht mal!“
“Weil er ihnen gleich ist, ja sie kennen ihn nicht und warum sollten sie es wollen, derlei Menschenschlag interessiert doch nicht ob es ihm gut geht, sondern bare Münze und Rahal zahlt ihnen gewiss eine Menge davon.“
Es fiel ihm schwer, ruhig zu bleiben, doch Adrian fuhr fort. “ Wenn du Wert darauf legst, dich an Geschenken jener zu erfreuen, die sie dir schenken, um sich dadurch dein Vertrauen zu erkaufen, und erhoffen du würdest ihnen eines Tages mit Verrat an uns helfen, dann musst du das wohl, aber entscheide selbst.“
“Ich bin kein Verräter...“ entwich ihm gekränkt. Wie konnte er annehmen, er würde sich kaufen lassen? Sogar Ari verkaufen??
“Ich sagte nicht, du bist ein Verräter, ich sagte, sie erhoffen es sich.“ “Sie?“ “Piraten, Himmel Luca, denkst du das Geschenk kommt von einem geistig umnachteten Barden? Das erwarte ich zumindest kaum.“
Piraten. Ernüchtert verstummte Luca. Einen Moment lang hatte er angenommen, Adrian hätte Tante und die Anderen gemeint. So wenig Sinn das auch ergab. Also Bo... Dennoch – “Und wieso nicht einfach von ihm allein...?“ Er hatte viel leiser und bitterer gesprochen als gewollt, dennoch schien Adrian ihn gehört zu haben. „Falls es mit Bo unterzeichnet ist, werde ich dazu nichts sagen, nur bewerten, welche Art Geschenk es ist, aber ich traue dieser Angelegenheit dennoch nicht, und du solltest achtsam sein.“
Luca schickte einen langen, vorwurfsvollen Blick hinauf. Was ging ihn an, was Bo ihm schenkte? Und warum musste es unbedingt schlecht sein?
“Sieh mich nicht so an, weil ich versuche Aaryon und so lang du es zulässt auch dich vor Schlechtem zu bewahren.“ “Keiner denkt gleich schlecht wenn du was kriegst, oder Lady..." “ Ich würde auch jetzt nicht schlecht denken, wären die letzten Tage nicht von Taten der Piraten durchzogen Luca. Ich bin nur vorsichtig.“
Die Worte ließen Luca hellhörig werden. Gelegenheit, zu erfahren, was sich in den letzten Tagen abgespielt hatte. Adrian erzählte ihm von dem Toten, den Piratenmünzen, den Sorgen um Ari.Trotzdem...
“Bo ist nicht so. Und ich würd keinen Ari kriegen lassen. Ich hab’s geschworen, weißt du nicht mehr?“ Noch immer hörte man ihm die Kränkung deutlich an. Adrian setzte nicht weiter nach und so verkündete er, sein Geschenk nun angucken zu gehen.
Nachdem er sicher war, dass Adrian die Ankündigung mitbekommen hatte, nutzte er die Pause, um es zu Vio zu schleppen. Eine Piratenflagge und ein Amulett... beides erinnerte ihn ein wenig an Hexer und sorgte für ein dumpfes Gefühl im Bauch. Vio las ihm den Brief ziemlich unbeeindruckt vor, was tröstlich war. Hatte nichts von dem ominösen ‚Feuerwerk‘ mitbekommen, wusste nicht, wer das Schreiben gebracht hatte, oder ob Vallas Bo wohl kannte. Sie riet ihm, keine Dummheiten zu machen. “Piraten bringen nur Ärger.“ Düsteres Nicken. Soviel war sicher...
Der Brief hatte ihn aufgewühlt, aber eher nachdenklich gemacht als verletzt. Irgendwann hatte er sich abgewöhnt, seinen Bruder so zu vermissen wie früher. Aber was hatte dieser Kerl mit ihm zu schaffen? Selbstverständlich erregte ein weiteres Detail seine Aufmerksamkeit. Ladys dunkle Schwester? Mehr, als dass sie eine Waffenschwester namens Luczilla zu haben schien, wusste Viola nicht, und damit endete ihre Gesprächsbereitschaft auch schon.
Mit einem Mal schien er nicht mehr der einzige mit Piratenverwandtschaft zu sein. Die neue Information stärkte ihm den Rücken und ließ ihn wieder zu Adrian schlendern und nachbohren. Einige interessante Neuigkeiten fielen ab und zu seinem Gefallen änderten sich die Rollen. Nun war Adrian der, der ausweichend wurde und ihn letztendlich an Hudgarr verwies. Da gab es noch einiges in Erfahrung zu bringen...
Aber eins nach dem Anderen... “Ich kann’s behalten, oder? Also... ich freu mich nicht. Aber... nur so...“ Um vielleicht doch eine Spur zu Bo zu finden.
“ Solang du keinen Anlass gibst zu befürchten, dass es besser wäre, man würde es nicht bei dir belassen, sei es so. Aber überdenke was ich sagte, nicht jedes Geschenk wird dir gemacht um dir eine Freude zu bereiten.“ Schon wieder dieses Erziehergetue... der Gedanke huschte ihm nur beiläufig durch den Kopf und ließ ihn nicht wirklich zornig werden. Er konnte ihn ja verstehen “Ich hasse sie auch...
Verfasst: Donnerstag 7. Januar 2010, 07:58
von Adrian von Hohenfels
Sie nahten der Hauptstadt, und natürlich sann er noch über das Gespräch mit Luca nach und wie der Junge dies und jenes aufgefasst hatte, obgleich er ihm nur Warnungen zukommen liess, sich nicht an Falschheit zu sehr zu erfreuen. Um ein Haar hätte Luca ihm gar unbedachte Äußerungen entlockt. Ja er hatte ihn mit ausweichenden Antworten abgespeist, in der Befürchtung, dass er manche Aussage über Hudgarr's Familie falsch deuten mochte. Sollte Hudgarr, so er überhaupt wollte, sich über seine Familie selbst äußern.
Zunächst würde sich hierfür jedoch wohl wenig Gelegenheit geben. Schon am nächsten Morgen schickte er Hudgarr mit einem Brief in eiligerem Ritt voran, der ihre Ankunft in der Hauptstadt ankündigen würde, so dass alles bereit wäre. Der Audienzgesuch bei Ador, sowie die Bitte um ein privateres Treffen mit Ador und Isidor war Bestandteil des Schreibens.
Das Wetter wurde allmählich kühler und sie alle kleideten sich entsprechend, vor allem galt die Sorge um warme Kleidung Aaryon, aber offenbar hatte man auf Elbenau hierfür gut vorgesorgt. So kam man recht gut voran, abgesehen von stetigen kleineren Pausen, die Aaryon einfach abnötigte und schon wenige Tagesreisen später, lag die Hauptstadt in Sicht und eine Reitergruppe eilte ihnen bereits entgegen. Beruhigend, ein Teil unsicheren Weges lag somit bald hinter ihnen.
Verfasst: Samstag 9. Januar 2010, 21:43
von Adrian von Hohenfels
Hudgarr selbst ritt dem nahenden Empfangstrupp voraus. Zwanzig Reiter auf edlen Pferden, die aus einer Nebenzucht jenes Gestüts stammen mussten, aus welchen auch die edlen Rosse der Kronritterschaft entstammten, nahten in geübter Formation. Offenbar waren sie tatsächlich Hudgarr's Order unterstellt, sollte er doch einmal Eindruck hinterlassen haben in vergangenen Tagen?
Hudgarr überreichte ihm ein Schreiben, in welchen ihnen mitgeteilt wurde, dass ein Gasttrakt im Bereich der Schlossanlagen, nahe der Prinzenräumlichkeiten bereitgehalten wurde für die hohen Gäste, sowie ein Gästeflügel im naheliegenden Gesindehaus, für den Geleit. Eine Audienz Ador's könne jedoch derzeit nicht gewährt werden, der hohe Rat der Krone werde die Gründe hierfür nahebringen. Die Formulierung liess ihn stutzen. Es klang bewusst abweisend und er vermochte zu erahnen, welcher Kopf hinter dieser Art der Abweisung stand. Isidor würde sie jedoch mit Freude empfangen. Besorgnis lag in Adrians Mimik, als sie sich der Stadt nun näherten. Würde man ihm mitteilen, sollte Ador etwas zugestoßen sein, oder ein mögliches Einschreiten als lang als möglich zu unterbinden suchen? Er schüttelte den Kopf. So anmaßend dürfte sich nicht einmal ein von Eirensee zeigen, oder waren ihm besorgnisserregende Entwicklungen entgangen? Es musste sich weisen.
Von einer letzten Anhöhe hatten sie schon einen guten Blick auf die Stadt erhaschen können. Mindestens fünf Haupttore waren erkennbar. Hinter dem Nordtor, dass sie durchreiten würden lag ein gutbürgerliches Viertel mit zentralem Marktplatz, von welchem gut sichtbar die große Hauptstraße nach Osten führte über die zentrale Flußbrücke. Jenseits der Brücke lagen offensichtlich die hohen Herrenhäuser mit edlen Gartenanlagen und dem zentralen Park in dessen Mitte das Schloss in all seiner Pracht lag, schon von hier konnte man die dieses umgebenden Wehranlagen betrachten. Im Süden des ausschweifenden Adelsgebietes war der Kriegshafen erkennbar.
Zwei weitere Häfen waren im Süden der Stadt erkennbar, ein offensichtlich großer Handelshafen, in welchem zahlreiche Segel zu zählen waren, so wie ein kleinerer Hafen an der Südostgrenze der Stadt. Man konnte die Einteilung der Viertel gut erkennen. Nördlich lagen offenbar bereits gut bürgerliche Häuser, was sich bis zur Stadtmitte mit dem großen Zentralmarktplatz noch verstärkte. Im Westen der Stadt, konnte man diverse kleinere Marktplätze erahnen. Offenbar befanden sich dort große Gebiete mit Handwerkshäusern. Rund um den kleinere Hafen lagen offensichtlich die ärmeren Regionen der Stadt. Diverse Kirchen, waren ebenso erkennbar, von der riesigen Kathedrale im Zentrum sowie einem ähnlich großen Bauwerk im hohen Viertel, bis zu mehreren kleineren Kapellen an den Stadträndern , war alles vorhanden.
Schon durchritten sie das Nordtor. Die gefestigten Wehranlagen dürften für manches Auge beeindruckend wirken, derlei hatte auf Gerimor nicht einmal das hochverschlossene Rahal vorzuweisen. Hohe Wehrtürme zierten eine Mauer, gegen die jene des einstigen Varunas schmal und klein wirkte, trotz ihrer Erschaffung durch Zwergenhände.
Sie durchritten gut ausgebaute Straßen. Gutbürgerliche Häuser, größere Handelshäuser, ein edlerer Marktplatz, welcher offensichtlich der zentrale Markt war und nicht wenige höher angesehene und feinere Gasthäuser lagen auf ihrem Weg. Schließlich bogen sie auf der großen Hauptstraße ein, hatte man bisher schon dein Eindruck man befand sich auf einer solchen, wurde man nun eines besseren belehrt. Derartig gut ausgebaute Straßen durfte auf Gerimor noch niemand erblickt haben, wie sie jetzt vor ihnen lag. Der Reitertrupp ihrer Eskorte war sicher kein fremder Anblick, doch auch nichts alltägliches. Den 20 Pferden musste teils Platz gemacht werden, welche die Reiter auch befehlsgewohnt einforderten, und die Objekte der Bewachung ernteten entsprechend Neugier und Aufmerksamkeit. Der Onkel des Königs? Getuschel machte sich schnell breit, erfreut begannen einige zu winken. Die Aufmerksamkeit, die der ganzen Gruppe geschenkt wurde, schien in der Masse Elbenau um ein vielfaches zu übertreffen und war doch völlig anders, distanzierter. Hier würde sie sicher keiner hochgeehrt auf einen Eintopf in die gute Stube einladen.
Schon überquerten sie die Brücke zu den edleren Vierteln, dessen Prunk gewiss die meisten der Begleiter zu Erstaunen bringen mochten. Die zentrale Parkanlage führte schließlich durch ein Tor in Wehranlagen, welche der äußeren Stadtmauer in kaum etwas nachstanden. Ein hochrangiger Empfang wurde ihnen bereitet, wobei Luca, Viola und Cyrion letztlich gen Gesindehaus geführt wurden, während Hudgarr als bekannte Leibwache die Herrschaften zu den Gästequartieren im Schloss begleiten und dort auch mit Quartier bezogen durfte. Cyrion wurde mitgeteilt, dass man es ihn wissen lasse, sollte seine Hoheit nebst Gattin die hohen Wehranlagen verlassen und somit seine Dienste benötigen. Der Tonfall erklang kaum nach einer direkten Order Adrians oder Darna's, machte jedoch deutlich, dass er vermutlich nur auf deren direkte Order nun überhaupt vermochte in ihre Nähe zu gelangen, welches wohl in gleichem Maße für Luca und Viola gelten mochte.
Die Schlossanlagen zu verlassen, schien in diesem Moment in weiter ferne zu liegen, schien man hier auf wahrlich jedem Schritt überwacht. Auf Nachfrage, sollte man jedoch feststellen, dass dies keineswegs untersagt wurde. Einzig der Zutritt zum zentralen Schloss würde nur über Ersuche gewährt werden.
Adrian wurde zur Kenntnis gegeben, dass recht kurzfristig eine Ratszusammenkunft einberufen wurde, welche in den Abendstunden stattfinden würde. Genug Zeit sich etwas frisch zu machen.
Verfasst: Montag 11. Januar 2010, 09:19
von Darna von Hohenfels
Hatte sie sich in Drachenfels noch bemüht, das Bild einer charmanten guten Ehefrau abzugeben und bewusst bei der Ankunft ein Kleid ausgewählt, so legte sie in der Hauptstadt gerade entgegen der herausgeputzten Damenwelt keinerlei Wert darauf. Eher wirkte ihre Kleidung noch uniformartiger als alles andere zuvor, so daß Unwissende sie eher für einen Adrian begleitenden Offizier als seine Gattin halten mochten. Eine Offizierin, die sich um seinen Sohn kümmerte?
Der kleine Knirps hockte zumeist unter Zuhilfenahme eines edlen Tuches auf Darnas Hüfte, und als er ihr bei den Gemächern von einer eifrigen Kinderfrau abgenommen werden sollte, wurde dies erstmal mit wenig verhohlenen Fragen abgeblockt: Wie lange sie hier schon angestellt sei? Wer sie bezahle? Wer für sie garantiere? Die Gute hatte das Pech, erst seit wenigen Monaten hier arbeiten zu dürfen, und so ließ Darna Aaryon erst aus den Händen, als zu der nächsten Kinderfrau glaubwürdig versichert wurde, daß sich diese selbst um die Prinzen mit hätte kümmern dürfen. Dennoch: Aaryon sei nicht aus den Augen zu lassen, nicht an noch andere zu übergeben, keine Minute. Sobald dies nicht möglich sei, habe er wieder bei seiner Mutter zu landen. Sie werde das prüfen. Wo sie die Kinderfrau fände?
Darna wahrte alle protokollarische Höflichkeit und gab sich noch redlich Mühe, freundlich zu wirken, doch sie ließ nicht den geringsten Zweifel, daß sie wie ein Schießhund auf das Kind aufpasse. Wer sich zuvor Informationen über Adrians Frau eingeholt hätte, würde alle Gerüchte über Korrektheit und Wachsamkeit bestätigt sehen.
Am Abend kam Adrian schlecht gelaunt von der Kronratssitzung zurück, und es kostete Darna etwas Überredungskunst und Zuwendung, um aus ihm raus zu kriegen, was los war. Eirensee und seine Seitenhiebe... ihr Blick wurde hart. "Für diesen Kerl würde sich für kein Geld der Welt ein Doppelgänger lohnen", sagte sie eisig, "den der Menschheit zwei mal anzutun, könnte nicht mal ein Arkorither mit seinem Gewissen vereinbaren."
Während des Gespräches zeigte sich schnell, daß es Darna unter den Fingernägeln brannte, dem selbstgefälligen Herzog den Handschuh erst zwei mal durchs Gesicht zu ziehen, bevor er vor dessen Füßen landete. Und genauso war ihr klar, daß es in Eirensees eigenem "Revier", wo sie nur zu Gast waren, unsäglich schwer war, ihm das Wasser abzugraben. Gleichzeitig konnte Adrian derlei nicht ewig auf sich sitzen lassen, wollte er nicht zur Witzfigur werden.
"Bedenke, du hast die Kronritter pauschal erstmal auf deiner Seite", redete sie auf Adrian ein, um ihm den Rücken zu stärken, "Du bist immernoch verflixt noch mal Adors persönlicher Vormund und zählst zum königlichen Blut."
Kronritter... das war die Lösung. War Calamdor in der Stadt? Das Glück war ihnen hold - war er. Seit einigen Wochen nach einer Schlacht wieder daheim, inzwischen mit einer Herzogstochter vermählt, wie abzusehen gewesen war, und für einige Monate von Dienst frei gestellt. Ein gegenseitiger Höflichkeitsbesuch war schnell für die nächsten Tage arangiert und sollte auch Klarheit in Eirensees Halbwahrheiten bringen: Ja, Ador weilte nicht in der Stadt, sondern war auf Reisen, aber wo hin, wusste auch ein Eirensee nicht sondern gerade mal eine handvoll Kronritter und engster Vertrauter vor Ort.
Einer ihrer ersten Besuche galt dem temorianischen Tempelbau im hohen Viertel. Mit Aaryon. Ein wohliges Lächeln eroberte endlich ihr Gesicht, als sie der stimmungsvollen Ausschmückung gewahr wurde: Waffen der Ehre, Schilde, Schlachtengemälde, Heldenstatuen. Mit spielender Leichtigkeit übertrumpfte es die Kargheit des Klosters, und ließ doch die stille Würde und Majestät des Lichtbaumes missen. Sie warf immer wieder auf Aaryon einen besorgten Blick, ob er wieder lauter herumnörgeln oder sonstige Geräusche von sich geben würde, die weniger in diese Hallen passten, doch der Junge schien erstaunlich ruhig und zufrieden. Darna richtete ein stilles, doch längeres Gebet als üblich an die Herrin, bevor sie sich daran machte, sich mit Aaryon zusammen umzusehen und ihm leise alles zu erklären - im Innern bedauerte sie, daß er das alles nicht wirklich verstehen konnte, doch inzwischen hatten sie mehrere Leute davon überzeugt, daß Kinder Worte verstanden, ehe sie sprechen konnten und das Gespräch auch brauchten, um selber zu lernen.
Einer der Priester trat hinzu, während sie Aaryon gerade in vielen Details ein Bild von Gelmirs Opfertat erklärte. Einige Momente lauschte er, ehe er fragte, welche kundige Dame man im Haus der Herrin begrüßen durfte. Ihr Rang und Name gab erfreulichen Anlaß zu weiteren Gesprächen, sie wurde mit einem der Paladine bekannt gemacht, die ihren Sitz in der Hauptstadt hatten und es war mal wieder fest beschlossene Sache, daß Aaryon dereinst dem Vorbild seiner Mutter folgen würde... achso, Lehnserbe war er auch noch, naja...
Zu den gelöst-heiteren Gesprächen gesellte sich nach einer guten Weile ein noch recht junger Diakon, der über Darnas Anwesenheit scheinbar informiert wurde und ihr ein schmuckloses verschlossenes Schreiben gab, das vor wenigen Wochen für sie abgegeben worde sei. Die Nachricht überraschte sie nicht und dankend nahm sie den Brief an und steckte ihn zunächst ungelesen ein.
Später wieder im Schloß angelangt wurden die wenigen Zeilen überflogen, ein Nicken, ein Kuß auf Aaryons Stirn, dann verbrannte sie das Papier gründlich und besprach sich kurz mit Adrian. Am nächsten Morgen ließ sie sich angeblich auf Empfehlung eines Freundes bei einer bestimmten, auch durchaus namhaften Bäckerei ein bestimmtes Sortiment an Gebäck für den Nachmittagstee bestellen. Zum frühen Abend machten sich dann beide mit Aaryon und lediglich Hudgarr als Geleit erneut zum Tempel auf. Was innerhalb der Mauern blieb, war der Umstand, daß beide neben den Gebeten nun weniger an einem Besuch zur Besichtigung interessiert waren, als mehr daran, sich laut Auskunft mit einem der Priester alleine in einem Raum zu unterhalten, während Hudgarr vor dem Zimmer warten sollte. Kein Geräusch würde nach draußen dringen, und auch war kaum nachzuvollziehen, daß durch eine Seitentür noch eine weitere Person dem längeren Gespräch beiwohnte.
In den nächsten zwei Tagen sollte Darna immer wieder gezielt dafür sorgen, daß Luca ausreichend Zeit bekam, sich in Ruhe mit Aaryon zu beschäftigen, und es mochte im Stillen klar werden, daß die Zeit des Abschieds näher rückte und daß aller Wert darauf gelegt wurde, diesen Sachverhalt nicht für andere klar werden zu lassen.
Verfasst: Montag 11. Januar 2010, 16:23
von Cyrion Sha´Ar
Das war also die viel gerühmte Hauptstadt... Sein Blick schweifte hier und dort hin, während er von einer Anhöhe alles in Betracht nahm. Sie hatten bei weitem genügend Wachen um sich herum; er konnte es sich leisten, den Blick schweifen zu lassen.
Grösser als Varuna.... Grösser als Adoran... Eine beachtliche Stadt, durchaus geeignet, um zu beeindrucken. Doch soweit er erkennen konnte, würden sie von hier aus direkt in ein eher angenehmes Viertel reiten... Die Häuser waren zweistöckig... das allein war Grund genug zur Annahme.
Er erkannte Kirchen... grössere Plätze. Adelshäuser... Das Schloss selbst. Von hier sah alles sehr angenehm aus. Freundlich. Stolz und prächtig. In der Tat eine prächtige Stadt des Lichtes....
Wo Licht ist, ist auch Schatten...
Ein Mundwinkel hob sich leicht spöttisch. Kein schöner Gedanke, aber ein Wahrer. Seine Erfahrungen in Elbenau hatten ihn etwas zynisch und sarkastisch werden lassen. Letztlich hatte Darnas Vater ihn zähneknirschend akzeptiert, da er sich tatsächlich bedeckt gehalten hatte und seine Arbeit zufriedenstellend verrichtet hatte. Akzeptiert... vielleicht gerade so toleriert? Froh, das er wieder ging...?
Bin ich jetzt zu sarkastisch? Er wusste es nicht genau... Aber er würde sehen, wie die feinen lichten Leute hier so reagierten.
Er hatte nichts zu verbergen... Und wenn sie einer Paladina nicht mal vertrauten, wem in aller Götter Namen wollten sie dann weiss machen, das sie nach Temoras Willen lebten?
Sarkasmus... dachte er, schlug sich den rotbraunen Umhang um die eigene Gestalt und begab sich mit seinen Herren und dem Gefolge gen der Stadt. Wann hatte Sarkasmus in ihm Fuss gegriffen.
Darnas Predigt... Das war allerdings ein Augenöffner für viele gewesen. Unerwartet. Einschlagend als hätte Temora selbst sie getadelt. Vielleicht deswegen so einschlagend, weil sich alles damals um Darna gerankt hatte. Tiefste Dunkelheit, die als Licht verkauft worden war.
Die Frau hatte ihm leid getan. Wäre sie eine Hexe gewesen, sie hätten sie nicht einfangen können. Sie hätte vermutlich die Flammen ersticken lassen. Und die Grafschaft Elbenau wäre wohl verflucht worden. Narren, die sich daran festhielten... In dem Glauben, das Temora ihnen helfen würde, wen sie eine echte Hexe verbrannten. Gebete gegen Gebete... Nur das Eluvie die Hexe erhören würde in ihrer Not... Und Temora half sicher niemanden, der bei solch einem Dreck mitmachte... Nein... sie machten es sich leicht...
Seine Achtung vor Temorianern war an dem Abend gefallen.. Seine Achtung vor Darna indes gewachsen... Sie war wirklich eine feine Frau. Die Göttin konnte wahrlich stolz auf sie sein. Und er, das er so eine gute Herrin gefunden hatte.
Ruhig war er mit den anderen herabgeritten, war in die Stadt eingezogen. Die Wehranlagen hatten ihn wiederrum beeindruckt. Eine solche Stadt liess sich nicht leicht einnehmen. Man würde Hilfe von innen brauchen – einen verlässlichen Mann suchen müssen, der Gierig und Unzufrieden war. Die Strasse war so breit, das Cyr sich im ersten Moment fragte, ob es sich um eine Prachtstrasse handelte, aber nein, die Strasse die zum Palast führte, war noch besser ausgearbeitet. Wieder wurden sie angestarrt, teils auch bejubelt, doch das Gefühl, das sich ergab, war nur eins der Aufregung – Interesse nach etwas Neuem, Neugier, die sich Gehör verschaffte.
Aufregung, Neugier, die sich auch in denen zeigte, die zum ersten Mal in der Stadt waren. Cyrion war keine Ausnahme. Seine Blicke wanderten umher, Aufgesaugt wurden die Anblicke, die prächtigen Fassaden des Adelsviertels. Es juckte ihn in den Fingern, alleine loszuziehen und sich umzusehen, auf die Pirsch zu gehen in dieser Stadt, den Marktplatz und viele andere Orte aufzusuchen.
Er erhielt schneller Gelegenheit dazu, als er gedacht hatte, trennten sie ihn doch von Hudgar und den Herrschaften. Sein Protest, nur in Gegenwart von Hudgar und den Hoheiten geäussert, wurde zur Kenntnis genommen, aber nichts desto trotz wurde ihm ein Zimmer im Gesindehaus zugewiesen. Es gefiel ihm nicht, ganz und gar nicht. Diese Stadt war riesig. Das Schloss war riesig... Es würde hier leichter sein, als in Elbenau, sich unerkannt einzuschleichen und einen direkten Anschlag zu verüben. Leichter, weil man annonym sein konnte. Solange er die Sicherheitsvorkehrungen nicht kannte, sträubte sich alles in ihm, seinen Herren nicht zu folgen. Das... Und eine nicht allzukleine Spur Neugier auf das Schloss. Nun... er konnte nur hoffen, das Hudgarr alles im Blick haben würde. Hudgarr kannte sich hier aus. Er vertraute ihm.
Er hatte genug Zeit gehabt, sich frisch zu machen, hatte sich sogar nach der langen Reise ein Bad gegönnt. Erholter und brennend, sich um zu sehen, hatte er sich abgemeldet und war alsdann umhergstreift, wie auch bei Elbenau. Doch gab es hier weit mehr zu sehen. Zuviel, als das er sich alels auf einmal ansehen konnte, doch machte er sich einen groben Überblick. Umgebung des Schlosses, Wehranlagen, das Adelsviertel... Auch der Markt wurde ins Auge gefasst und was er sah gefiel ihm, versprach er doch viele Stunden interessanten Zeitvertreibs. Doch war es nicht nur Sonnenschein, den er zu sehen bekam. Auch in dieser Stadt gab es Bettler und Gassen, in denen es nicht so freundlich wirkte. Dinge, die man an Orten wie diesen hier gerne unter den Teppich kehrte. Auch wurde sein Rabe, der ihm über die Dächer folgte, wenn er denn gesehen wurde, mit abfälligen Worten begrüsst. Einmal musste er auch dem Raben ein Zeichen geben, damit dieser davon flog, da einer der Wachen auf den Vogel mit einem Lächeln anlegte, das einem Rahaler Ehre gemacht hätte. Dunkelheit auch hier, nur das es hier als Licht wegrationalisiert wurde. Er und Murelay mussten vorsichtig sein.
Dennoch... Es gab weit mehr Dinge, die erfreulich waren, als unerfreulich. Angenehm erschöpft kam er wieder beim Gesindehaus an. Was immer hier geschehen würde in der Hauptstadt, es würde gewiss interessant werden.
Verfasst: Mittwoch 13. Januar 2010, 13:19
von Adrian von Hohenfels
Am dritten Tag erreichte Luca die Nachricht, der Knabe möge sich in ordentlichste Gewandung kleiden und alsbald da er vorbereitet sei folgen, seine Hoheit wünsche seine Anwesenheit. Die Mimik des Botengängers wirkte deutlich arrogant bis möglicherweise angewidert, ausgerechnet diesen Gang auf sich nehmen zu müssen. Luca wurde von ihm kaum eines Blickes gewürdigt, man mochte sich gar glücklich schätzen, dass er ihm offensichtlich nicht schlicht davoneilte. Etwaige Fragen Luca's wurden gar geflissentlich überhört.
Sollte Luca das Anwesen zu Adoran für ohnehin zu groß halten, so musste sich ihm hier der Eindruck erwecken, er würde in diesem Bauwerk zwei ganze Städte einordnen können. Glanz und Prunk erfüllte jeden Winkel und ungeübte Personen mochten sich hier gewiss gnadenlos und nachhaltig verirren, so dass man nach Jahren der Suche eine Spur des Verbleibes finden konnte.
Nur kurz offenbarte sich ein Lichtblick seinen Augen, eine edel gekleidete junge Dame, die eindeutig in seinem Alter sein dürfte, schenkte ihm im Vorüberschreiten, deutliche Aufmerksamkeit, lächelte ihm gar kurz zu, bevor man sich doch wieder aus den Augen verlor.
Endlich nach schier unendlichen Gängen und Fluren an einer Tür vor der Hudgarr's Anwesenheit in sich schon Zeichen genug war, wo man sich befand, sprach sein Begleiter nun doch wenige Worte. Die Ankündigung man sei an den Gemächern seiner Hoheit angelangt, gepaart mit einem eisig prüfenden Blick gen Luca, als könne sich dieser doch noch erlaubt haben, Staubkörner oder ähnlich ekligen Schmutz in das Schloss zu tragen, bevor er seiner Hoheit das Eintreffen Luca's vermeldete und sich recht eilig wieder entfernte.
Neben Adrian, Darna und Aaryon befand sich ein ihm fremder Junge seines Alters, der ihm merklich neugierig entgegenblickte. Kurz darauf waren Luca und Isidor einander vorgestellt. Die nächsten Stunden offenbarten sich als durchaus familiär. Und wenngleich doch recht deutlich wurde, in welch unterschiedlichen Welten Luca und Isidor aufgewachsen waren, war das Beisammensein freundlich bis freundschaftlich geworden. Isidor gab sich alle Mühe, über die möglicherweise hier und da durchbrechende robuste Art Luca's hinwegzusehen und in der Begeisterung über Aaryon standen beide einander ohnehin in nichts nach.
Noch während der Nachmittag gemeinsam verbracht wurde, traf die Ankündigung eines Balles ein, welcher zu Ehren ihres Eintreffens für die hohe Gesellschaft gegeben würde, es war gewiss nichts ungewöhnliches, gar zu erwartendes gewesen, dennoch erfüllte die Passage in welcher Luca persönlich geladen war mit Sorge. Darna und Adrian brauchten keinerlei Worte zu verlieren, diese ungewöhnliche Vorgehensweise, liess nichts gutes erahnen. Dennoch eine Beleidigung, diese Ladung abzuweisen. War dies eine neue Bosheit von Eirensee’s, nun auf schwächere Glieder dieser Gemeinschaft ausgerichtet? Sie würden gewiss die Augen aufhalten. Sogleich wurde eine Bitte auf den Weg gebracht, alsbald Schneider gen Luca zu entsenden, zwecks eiliger angemessener Einkleidung für den Ball.
Diese trafen bereits ein, während man den gemeinsamen Nachmittag verbrachte und Luca durfte recht unbegeistert das Maß nehmen über sich ergehen lassen und die Ankündigung man würde am Mittag des kommenden Tages zwecks einer Anprobe und letzter Arbeiten erneut Zusammenkunft finden. Auch dies war ungewöhnlich zu erachten, gab es gewiss genug Arbeit, hierüber hinaus zu verrichten, die hierüber liegen bleiben würde. Alles schien ein längst eingefädeltes Spiel. Isidor, die Vorgänge im Schloss sehr wohl kennend, vermochte die Sorge zu teilen und so waren es wohl einzig Luca und der ohnehin unbedarfte Aaryon, die diesen Nachmittag noch unbeschwert zu genießen wussten. Dennoch wurde Luca gegenüber keine der Sorgen erwähnt.