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Verfasst: Samstag 14. November 2009, 20:55
von Cyrion Sha´Ar
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Verfasst: Sonntag 15. November 2009, 12:56
von Luca
Adrians Ankündigung hatte ihn freudig aufjohlen lassen. Nur ganz kurz schoss ihm durch den Kopf, dass die alte Lady nun sicher denken musste, er hätte im Gespräch zuvor gehörig übertrieben. Viele Gedanken verschwendete er in diese Richtung nicht, stattdessen beobachtete er wie angewiesen arg genau, was sich bei den Kämpfenden tat. Umso mehr verdutzte ihn Ladys plötzliches Zusammensacken. Wollte sie ihn gewinnen lassen? Wer sollte ihr das denn abnehmen? Viel zu offensichtlich, er hatte sie in diesem Augenblick nicht einmal getroffen...
Ihm wurde rasch klar, dass etwas anderes geschehen sein musste, vor allem auch durch die Reaktionen der Umstehenden.
Sie kämpfte doch nicht schon wieder, obwohl sie schwanger war? Eigentlich hatte er die Theorie mittlerweile schon wieder verworfen, auch wenn ein Teil von ihm gerne an ihr festhielt, um Ladys harte Worte von vor einer Weile wegzureden. Der Rabe.. Cyrs? Das war alles andere als ein gutes Zeichen. Als der Trubel losbrach, hörte er nur, wie Allerich ihn vermeintlich schickte, seinen Bogen zu holen. Aus den Augenwinkeln sah er noch, wie Ladys Freund sich auf Cyr stürzte, während alle in heller Aufregung durcheinander huschten und riefen.
Der und sein garstiger Rabe... langsam sollte sich alle Welt abgewöhnen, ihn, Luca, zu ermahnen, sich zu benehmen. Wer auf dieser Reise laufend für Ärger sorgte, war ja wohl nicht mehr zu übersehen...
Rasch rannte er ins Haus, um Pfeile, Bogen und die auf dem Schiff erhaltene Rabenkiste zu holen.
Verfasst: Montag 16. November 2009, 06:55
von Adrian von Hohenfels
Rabeya? Wie um alles in der Welt kam sie jetzt auf Rabeya... die nächsten Worte nahm er mit Fassungslosigkeit auf... Er fragte nicht, woher sie dies nun wieder wusste, warum sollte er auch. Es wäre nicht das erste Erlebnis dieser Art. All die Aufregung um sie herum, schien wie aus einer anderen Welt. Er sollte sie erst einmal aus dieser Scharr an Neugierigen und Besorgten herausbringen. Was immer sie eben erlebt haben musste, sie sollte nicht auch noch zum Ausstellungsstück Typ "seltsame Paladin" werden. "Es ist ihr nichts geschehen, sie braucht nur etwas Ruhe um ihre Gedanken zu ordnen, fragt nicht, wir klären die Gründe später."
Bemüht Darna auf die Beine zu helfen, blickte er sich um. Wäre die Lage nicht so ernst, er hätte tatsächlich Cyrions "Rabenattacke" scherzhaft ahnden lassen, indem er erst einmal irgendwo eingesperrt würde. "Lasst ab von ihm, er soll seinen irren Vogel einfach einfangen, abgesehen von seiner Vorliebe für Glänzendes ist der Rabe harmlos." Seinen Gedanken "achtet auf das Haussilber" sprach er nicht mehr laut aus. So langsam schien sie sich zu fangen und folgte den ersten dirigierenden Bewegungen, hielt jedoch ein weiteres Mal inne und schaute sich um, sichtlich bemüht, sich zu orientieren. Der Anblick ihres Bruders mit der Klinge gerade noch vor Cyrion verursachte ein Stirnfurchen. Mit einem erst fragenden Blick zu Adrian schien sie sich selber einen Reim auf das Geschehene machen zu wollen. Bemüht sie weiter aus dem Geschehen rauszuführen, raunte er ihr nur leise zu: "Darüber können wir auch später noch sprechen."
Ein Schritt, und ein weiteres Mal das bald schon gewohnte störrische stehen bleiben. Diesmal war es jemand anders, den sie mit unsicheren Blicken suchte und auch entdeckte: Hinrich, der sich nach seinem Gestolper längst wieder aufgerichtet und die restliche Zeit ebenso wie andere unschlüssig besorgt zu ihnen und Cyrion gesehen hatte. Mit einem längeren Blickkontakt wurde der ihre etwas traurig, gleichzeitig bemühte sie sich um sowas wie ein Lächeln. Das Signal schien zu reichen, und der Situation gewahr nickte der Stallmeister nur - Zeit zum Reden bliebe sicher noch später. Endlich hatte sie ihn gesehen.
Endlich scheidete Veltin seine Waffe, sein Blick an Cyrion ein ebenso deutliches stummes Signal: "Tu nichts Falsches", gleichzeitig schien mit einem Nicken die Sache für ihn abgehakt. Merklich entspannte sich, wenn auch nur langsam, die ganze Lage auf dem Platz, ließ Raum zum Handeln - und für Getuschel.
Und endlich bekam nun auch Adrian seinen Willen, Darna wurde umgehend aufs Zimmer verbracht und Aaryon jemandem im Haus anvertraut. Das letzte was sie jetzt brauchte war ein um Aufmerksamkeit heischendes Kind. "Bringt bitte einen Tee." Eine Bedienstete war noch eilig hierum gebeten worden, dann waren sie für den Moment unter sich, sofern man dies so nennen konnte. Natürlich war ihre Familie bei ihnen, sie wollten eine Erklärung. Mit kurzen Worten, suchte er zu erklären, dass sie offenbar eine göttliche Vision hatte, die ebenso offensichtlich keine erfreulichen Inhalt hatte.
Der Tee wurde bald gebracht und natürlich huschte Luca auch noch mit ins Zimmer. Er schickte ihn wieder fort, er solle nach Aaryon sehen und sich um die Übungsausrüstung für später kümmern. Besorgt blickte Adrian zu Darna, sie schien sich allmählich zu fangen. Leise sprach er sie an, ihr eine Tasse Tee in die Hand reichend. "Was genau ist geschehen, was hast du gesehen?" Sie im Blick behaltend, wartete er ab, bis sie sich äußern wollte und würde.
Verfasst: Montag 16. November 2009, 12:48
von Darna von Hohenfels
Geschehen? Wenn sie das so genau wüsste. Selber skeptisch und leicht das Gesicht verziehend hatte sie Adrians "kurzer Erklärung" gelauscht. Und der sich anschließenden überforderten Stille. Nichts hätte wohl ferner gelegen, als sie für verrückt zu erklären, andererseits wären "göttliche Visionen" hier so normal wie eine echte Hexe.
"Ob Vater gerade ahnt, daß wir einen Teil der Seltsamkeiten Gerimors mit uns im Gepäck schleppen und hierher bringen?" Kurz wollte sich Bedauern einstellen, diese idyllische Friedlichkeit hier schon mit ihrer blanken Anwesenheit zu stören.
Ihre Mutter fand als erste Worte, besorgt: "Und du bist sicher, daß du nicht schwanger bist, Darna?" Innerliches Stöhnen, zudem ruckte Adrians Braue schon wieder aufwärts. Er dachte doch nicht, dass an diesen Worten etwas wahres sein könnte? Er sollte es doch besser wissen! Natürlich, das wäre die sympathischere Erklärung. Auch wenn Darna sich zusammenreißen musste, ihrer Mutter gerade nicht weit mehr Naivität vorzuwerfen, als in der Absicht dieser Worte sicher gelegen hatte. Kurz blitzte die Frage auf, ob sie sich als Leidensgefährtin Rafaels betrachten musste, was Leute wie seine Großtante Clarisse anging... nein. Nein. Nein, davon war ihre Frau Mutter Meilen entfernt! Bei aller Vorliebe für Stickereien.
Darnas Antwort auf Adrians Frage und auch an ihre Familie gerichtet hatte dementsprechend einen leicht schroffen Beiklang anfangs, der jedoch zügig schwand: "Was genau geschehen ist, weiß ich nicht. Cyrions Rabe hat mich, nein uns, abgelenkt. Was dann kam, war...", sie zögerte einen Moment, die Stimme wurde nachdenklicher, "ein Eindruck von Rabeyas Tod. Sie war unterwegs, glaube ich, und sprach ein Gebet. Jemand hat sie von hinten erdolcht."
Die Miene verdüsterte sich und sie sah auf den Rand der Tasse, die sie in Händen hielt. "Wenigstens ging es schnell", setzte sie so leise nach, daß nur Adrian es hören konnte. Ein Ruck ging durch Adrian, ein leises Räuspern war zu hören, offenbar der Versuch, ein Hüsteln hastig zu unterdrücken, dann schüttelte er aus nicht einem nicht recht einzuordnenden Grund kurz den Kopf und blickte sichernd zu den Anwesenden Familienmitgliedern, ob sie die Worte möglicherweise doch aufgegriffen hatten.
"Was ist mit dieser Priesterin?", ließ ihr Vater sich nachdenklich vernehmen und sie sah wieder auf. "Was hast du mit ihr zu tun? Ist ein Auftrag damit verbunden?"
Das waren gute Fragen. Während sie begann, über die dritte nachzugrübeln, bemühte sie sich, auf die ersten beiden zu antworten: "Hochwürden Travier war die Priesterin, die Aaryon gleich nach seiner Geburt taufte und ihn unter ihren Schutz nahm und uns auch mit anderen Hilfen stets zur Seite stand. Wir standen uns freundschaftlich recht nahe." Sie mochte nicht lügen. Gleichzeitig wusste sie, daß ihr Vater nicht doof war und diese Erklärung kaum ausreichte, das Geschehene zu rechtfertigen. Schließlich bekam sie nicht den Tod jedes Priesters mit, der ihr geholfen hatte und den sie mochte. Ihrer Mutter Miene wurde betroffener und gedämpft wurden einige Segenswünsche gemurmelt. Noch immer lag Allerichs Blick auf ihr, dafür musste sie ihn nicht mal ansehen. Die Erziehung erzwang dies jedoch, als sie sich zur letzten Antwort durchrang: "Es waren keine Hinweise oder Warnungen dabei, die irgendwie nahelegen würden, daß ich noch irgend etwas daran ändern könnte, und sei es nur, den Mörder zu finden." In Adrians Blick lag ein seltsamer Ausdruck. Wohl eine Art Ausdruck, mehr zu wissen als er wissen dürfte, vielleicht gar wissen wollte.
"Was für Leute sind nur verdorben genug, eine Priesterin anzugreifen...?", flüsterte Siglinde fassungslos und Allerichs Blick zu seiner Tochter wurde warnend - er mochte es ganz und gar nicht, seine Gemahlin in irgend einer Form an den Brutalitäten Anteil nehmen zu lassen, die "draußen" geschahen. Und noch weniger mochte er es, sie merken zu lassen, in was für Gefahren ihrer beider Tochter alles steckte. "Aaryon muß weg von dort. Und auf keinen Fall bleibt er hier." Darna senkte den Blick wieder auf ihre Tasse, erklärte ernst weiter: "Was ich aber tun muß und werde, ist meine Knappin zu informieren. Vielleicht kann über das Kloster und vor Ort mehr herausgefunden werden. Womöglich weiß man sonst nichts von dem Schicksal von Hochwürden. Ich würde gerne so bald wie möglich einen Boten dafür beauftragen und in der Kirche ihrer gedenken."
"Die Leute werden das mißverstehen", wandte nun Veltin ein, "Sie erwarten bereits, daß du die Kirche aufsuchst und einige Worte sprichst und es würde einen Auflauf geben." Darna seufzte. "Wäre es denn nicht möglich darum zu ersuchen, dass Darna etwas Zeit für sich bekommen könne, in der Kirche, bevor die Menschen eingelassen werden?", erklang leise ein Einwurf Adrians.
"Dann muß ich nur danach stattdessen... angemessene Worte finden. Und in einer angemessenen gedanklichen Verfassung sein." Selbstkritisch blickte Darna vor sich hin.
"Was du jetzt erstmal brauchst, ist etwas Ruhe", entschied Siglinde, "Und die kannst du dir hier nehmen. Oder du legst dich im Zimmer etwas hin." Darna schüttelte den Kopf, und zumindest damit schien ihre Mutter auch gerechnet zu haben, denn sie sprach nur mit kurzer Verzögerung weiter: "Und wenn du beten möchtest, muß vielleicht der Hausschrein eben erstmal reichen." Allseitiges mehr oder minder angedeutetes Nicken. "Danke, Mutter" - sie bemühte sich um ein kurzes Lächeln. Siglinde blinzelte ihr nur begütigend zu und schickte sich an, Allerich und Veltin dezent mit aus dem Zimmer zu scheuchen. Die Männer waren wohl auch nicht undankbar darum, selber draußen dafür zu sorgen, daß wieder Normalität einkehrte.
Ein guter Leumund...
"Ich bleibe noch bei ihr." Die Aussage Adrians klang für alle hörbar und entschlossen. Leiser setzte er jedoch dann gen Allerich nach: "Bitte seht nach Luca und Cyrion. Ich will es nicht beschreien, doch könnte es sein, dass die beiden draußen im Streit liegen, wie mit dem Raben zu verfahren sei, wenn der Rabe noch unversehrt sein sollte. Ansonsten ist es möglicherweise sicherer Cyrion in Arrest zu halten. Er hängt sehr an diesem Vogel und könnte unangemessen deutlich reagieren, wenn jenem etwas zustößt."
Nun war es an Allerichs Braue, emporzuwandern und eine steife Gegenfrage erklang: "Wie darf man ein 'unangemessen deutlich reagieren' verstehen, Euer Hoheit?"
"Er könnte es als nötig erachten, des Vogels Leben mit einem anderen zu vergelten." Die Mimik Adrians verriet, dass dies keiner seiner üblichen schlechten Scherze war.
"Für ein lästerliches.. Rabentier?" Die Worte klangen weiter kühl beherrscht, doch sichtlich brauchte Allerich einen Moment, um die Fassung zu bewahren. Siglinde war stehen geblieben und hörte dem Ganzen mit zunehmendem stillen Entrüsten zu. Auch war davon auszugehen, daß der noch im Sichtbereich gebliebene Veltin den Inhalt des Gespräches ebenso vernahm. Allerich sprach weiter: "Mir stand der Sinn nicht nach einer Jagd, Euer Hoheit, doch Eure Worte wecken Bedenken. Bedenken, ob ich derlei im Haus dulden muß, Vogel wie Besitzer. Und weder vermag ich für das Ansinnen der hiesigen Bewohner bürgen, wenn dieses Tier weiter derart auf sich aufmerksam macht, noch würde ich eine Gefährdung der Leute dulden wollen. Ich muß mich sehr wundern, was solche Leute würdig sein lässt, Gefolgsleute von Euch zu sein."
Adrian hörte Darna hinter sich tief einatmen, doch kein Wort.
"Möglicherweise einzig die Loyalität, deren ich mir gewiss bin. Ein Faktum, dass man mancherorts lang suchen muss. Ich werde einige ernste Worte mit ihm sprechen, und in eurem Hause sei es auch an euch ihm gewisse Notwendigkeiten sehr gründlich zu verdeutlichen. Sollte es wohler sein, er ginge und wartet an anderem Ort auf uns, dann werde ich auch um diesen Umstand mit ihm sprechen."
"Man kann Euer Hoheit diverse Ritter und Mannen dieser Lande bis Schwertbergen empfehlen", erklang es zunächst als weiterer kühler Kommentar. Allerich schien einen Lidschlag lang zu überlegen, deutete weiter steif gen Adrian dann eine Verneigung an: "Ich werde mir draußen ein Bild über die Lage verschaffen und Euer Hoheit verständigen, sollten weitere.. Verdeutlichungen notwendig sein."
Darna mochte von ihrer Tasse kaum aufsehen, doch die Blicke ihrer Mutter taten ihr fast schon weh, ein stummes reserviertes und mütterlich entrüstetes: "Kind, mit was für Leuten gibst du dich da ab?" stand in den Augen zu lesen. Und sie konnte es ihr nicht verdenken. Cyrion schien mit seinen Vorlieben und Eigenheiten gerade wieder für nichts als Ärger zu sorgen, bis man sich fragte, ob es das wert war. Als die Tür sich endlich schloß, massierte sie zunächst nur mit einem Brummen ihren Nasenrücken.
Er schien erleichtert durchzuatmen, nachdem die Tür geschlossen wurde und wandte sich Darna wieder zu. "Sag es nur ruhig. Ich habe soeben mal wieder uns und diesmal auch Cyrion um Kopf und Kragen geredet. Und diese Vision... ich nehme an es war eine jener Sorte, von deren wahren Hintergründen die Welt um dich herum besser nichts weiß?"
"Das Schlimme daran ist... daß es wahr ist!", antwortete sie in einer Mischung aus Verärgerung und Müdigkeit, Resignation. "Wann kommt es so weit, daß jemand den Vogel abschießt? - Im übertragenen oder wörtlichen Sinne...?" Einen Moment sah sie ihn vorwurfsvoll an, wandte den Blick jedoch deutlich und zügig ab, murmelnd: "Bin ja selber mit schuld..." Es mochte fast zusammenhanglos scheinen, noch leiser fügte sie aber ein "Und: ja" mit an.
"Ich fürchte beinah, in der Verbindung, die ich früher zu ihm hatte, wäre uns und ihm eher gedient. Aber hierüber können wir zu anderer Stunde nachsinnen und dies mit ihm gemeinsam." Er konnte förmlich ahnen, was sie in diesem Augenblick denken musste. Hatten sie je wirklich darüber gesprochen, in welcher Weise Cyrion ihm früher hier und da von Nutzen gewesen war? Er wusste es in diesem Moment nicht einmal zu benennen, noch weniger ob es gut wäre, ausgerechnet jetzt hierüber zu sprechen. Reine Ritterseele, war er das noch? Oder hatten ihn die "Notwendigkeiten" des Lebens schon allzu oft auf seltsame und möglicherweise unrechte Pfade geführt? Nein er wollte diesen Gedanken nicht weiter vertiefen, es gab Dinge, die sie besser so wenig wusste, wie er um die wahre Bedeutung ihrer Visionen und ihrer Pflichten wusste, wenngleich er längst mehr wusste oder zumindestens zusammenreimte, als möglicherweise gut war. Und auch dies beruhte auf Gegenseitigkeit. "Früher..." Sie hatte sofort das Bild Cyrions vor Augen, seine anklagende Miene, als er erklärte, zum Zeitpunkt ihres Angriffes auf Rahal noch in der Stadt gewesen zu sein. Für Adrian. Seine Betonungen, wie taktisch günstig für Beobachtungen sein Wohnturm gelegen hatte. Ja, es war eine Art von Betätigung, die ihm wohl mehr lag und mehr Freiheiten ließ. Doch war es dafür nicht auch zu spät, nun nachdem einschlägige Kreise längst um seine Anstellung wussten?
husch husch, nach Hause?
Einige Augenblicke entstand Schweigen im Raum, bevor Adrian leise nachsetzte: "Möglicherweise sollten wir gleich zurückreisen? Die diversen Schreiben liessen vorher schon erahnen, dass es uns dort braucht. Und nun auch noch Rabeya...!" Wieder verstummend sah er sie forschenden Blickes, an.
Sie sann nach, doch nicht für lange, bis sie zumindest ruhige Einwände vorbrachte: "Es braucht uns dort immer, und das weißt du. Zudem, was soll Ador davon halten - in jeglicher Hinsicht? Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir ist es längst peinlich, deinen Neffen, noch dazu diesen Geblüts, nicht längst persönlich meine Aufwartung gemacht zu haben. Eingeheiratet hin oder her, sie haben eine Tante... und sie noch nie gesehen. Fantastisch." Sie hielt kurz inne und sah ihn dann nur mit gehobenen Brauen in ihrer üblichen Art abwartend provozierend an, als sie leise nachsetzte: "Und was wird aus dem von uns arangierten Treffen in der Hauptstadt?"
"Wir würden die Rückreise ohnehin über die Hauptstadt führen. Dein Einwurf ist somit kein nutzbares Argument. Dass es uns dort immer braucht, ebensowenig, es unterstützt schon beinah mehr die Notwendigkeit der Abreise." Kurz blinzelte sie auf diese Antwort hin. So oder so über die Hauptstadt? Gut. In ihrer Vorstellung hatte sie irgendwie Adrian die bisherige Strecke auf dem kürzesten Weg zurück hasten sehen. Sie räusperte sich dezent für diesen dämlichen Gedanken scheltend. Wie kam sie nur auf sowas...? Adrian atmete tief durch und liess den Blick nachdenklich durch den Raum streifen. "Sag mir lieber, du brauchst die Ruhe, die dieser Ort innehat noch eine Weile um Kraft zu sammeln. Das klingt mir eher nach einem Argument. Aaryon hätte es hier auch gut, bevor wir uns, für lange Zeit von ihm trennen. Ich mag gar nicht an ein für immer denken. Inzwischen bin ich mir nicht mehr wirklich schlüssig, ob zeitweise Besuche, wenn dir nicht sogar vorschwebt selbst die zu unterlassen, seiner Sicherheit mehr Genüge tun. Aber ich will für ihn kein Fremder bleiben, bis er nach seiner Ritterausbildung einmal bei uns anklopft um zu sehen, was für Menschen wir seien." Etwas mehrdeutiges klang in seiner Stimme mit.
Darna hob steil die Braue und unterdrückte es, hörbar zu stöhnen. "Ich dachte, das hätten wir alles längst durch?!" Ein mißbilligendes knappes Kopfschütteln deutete sich an. "Ich muß mich wirklich fragen, ob wir überhaupt miteinander gesprochen haben. Seit der Stunde Null dieses Planes war von "etwa einem Jahr" die Rede gewesen? Bis er wenigstens laufen und sprechen kann. Wie sehr du ihm bis dahin fremd werden willst außer daß sein erstes Wort dann vielleicht nicht 'Zynismus' ist, weiß ich nicht - aber ich habe in der Tat nicht vor, während dieser Zeit zu provozieren, durch Besuche seinen Aufenthaltsort zu verraten."
"Wir hatten es oft genug, ja, das spreche ich gar nicht ab. Wir wissen allerdings auch beide, dass die Gefahren für ihn nicht enden, nur weil er laufen kann. Möglicherweise steigen sie noch, weil das auch bedeutet, er könne zu Orten laufen, an denen er nichts zu suchen hat. Du möchtest jetzt nicht wirklich wissen, wie häufig Leibwächter mir und Anara nachstellten, weil wir uns mal wieder all zu deutlich der Rahaler Grenze genähert hatten. Wir waren Kinder, wir waren neugierig. Gefahren konnte man uns noch so oft anmahnen, das macht nur neugieriger. Wenn du wirklich glaubst das Leben wird leichter, weil er laufen und sprechen kann, muss ich dich enttäuschen. Und nein ich denke nicht, dass sein erstes Wort Zynismus sein wird, eher Hinterausgang, wenn er sich mit Luca verbrüdert hat und Streiche auszuhecken beginnt." Er blickte sie an und schien über etwas nachzusinnen. Möglicherweise darüber, dass er ihr grad zahlreiche Gründe lieferte, die den Umstand festigten, dass er möglicherweise wirklich erst nach seiner Ausbildung einmal anklopfen dürfe.
Angespannt ausatmend lehnte sie sich im Sessel zurück. Streunende Kinder, ja - eine der diversen Horrorvisionen. "Alleine um die Sicherheit geht es aber auch nicht; sondern darum, ob eine Erziehung überhaupt Sinn macht oder ich lediglich ein sabberndes Kind zu...", sie stockte kurz. Klang das nun wieder zu hart? Vermutlich. Sie setzte neu an: "Ob Erziehung überhaupt Sinn macht oder ich lediglich zusehen darf, neben der Sorge aufgrund seiner Hilflosigkeit ständig genügend Windeln und Kuhmilch vorrätig zu haben. Muß ich alles nochmal aufzählen, Adrian? Savea ist keine Amme, kein Kindermädchen, und wollte es nie sein. Der Rest des Hauses auch nicht. Schon was wir alleine Cyrion an Tätigkeiten aufgenötigt haben, ist lächerlich." Ihr Blick verhärtete sich erneut: "Wenn Rehya sich zusammenreißen kann, kann er es auch. Und sonst nagel ich ihn zuhause fest." Sie schien das wörtlich zu meinen.
Sein Blick gewann etwas zorniges, wenn man es so nennen konnte und durfte. "Sprich deinen ersten Satz nur ruhig zu Ende. Bedauerlicherweise wurden noch keine Kinder erfunden, die erziehungsbereit, laufend und sprechend zur Welt kamen, die Besteck und Geschirr gleich ordentlich zu benutzen wussten und schon gar nicht auf die unsinnige Idee kamen, vor sich hin zu sabbern." Nun waren es seine Worte, die möglicherweise zu hart klangen, ihm schien dies jedoch weniger beachtenswert. "Cyrion hat sich nie beschwert, vermutlich hältst du das für seine Art der Zurückhaltung, doch ich fürchte beinah, wider alles Erwartungswürdigen, hatte er sogar Freude an dem Kind. Solche Dinge sollen vorkommen. Und seid wann kann Rehya sich zusammenreißen? Du solltest hierüber vielleicht mal näher mit Rafael sprechen." Er hielt inne, ahnte er dass er ungerecht wurde? Möglicherweise, jedenfalls setzte er zumindestens nicht nach und sein Blick bekam etwas Bedauerndes.
Ihre Mimik ernüchterte. Langsam, stetig. Sie waren schon wieder an diesem Punkt, und schon wieder hielt sie sich selber vor Augen, daß sie in dieses Haus keinen Streit bringen wollte. Daß wieder in ihrem Kopf Überlegungen begannen, an deren scheinbaren Endpunkten sie schon mehrfach gestanden hatte und die sie nicht weiterführten. Nachdem ihrer Mimik eben noch durch Muskelzuckungen die Vergrätztheit anzusehen gewesen war, wirkte sie kurz darauf umso ruhiger, wenn auch wenig versöhnlich oder beschwichtigend, eher kühl. "Es ist auch dein Sohn... und wenn ich hierbei irgendwas nie gewollt habe, dann, dich zu diesem Schritt zu zwingen."
"Schließlich bist du der Hausherr." Sie schluckte es runter. Auch ein: "Ich weiß nicht, was eine Amme als Lohn bekommt, aber du kannst es Cyrion ja anbieten." Runterschlucken!
"Wenn du das in deine Verantwortung nehmen willst, tu das.
Ich tu's nicht."
Ihr Blick war doch wieder hart geworden - es schwankte mehrfach, je nachdem, wie bewusst es ihr gerade war.
"Über das Thema zwingen sprechen wir besser gar nicht erst. Bevor du mir an den Kopf wirfst, ich hätte dich in diese .. Situation gezwungen." Ihre Ärgerlichkeit liess ihn dies merklich nur mit Zurückhaltung aussprechen. Ihre Braue wanderte dennoch steil nach oben. Ja, das war auch eines dieser ergebnislosen Gedankenkarussels. Sie wusste inzwischen den Sinn und Zweck eines Zölibates zu achten, aber sie hatte sich anders entschieden. Und damit diese lästige Kindergeschichte mit geheiratet und in Kauf genommen. Regelrecht ebenso als Verpflichtung angesehen, schließlich schien in der Tradition der Schwerthüter ein Weitergeben der Aufgabe an die Kinder verankert. Es schmeckte ihr nicht, aber ehe sie sich wieder wie als kleines Kind bei Temora über ihr Geschlecht beschweren würde...
Dann schüttelte Adrian den Kopf. "Was tun wir hier eigentlich? Schon wieder streiten wir über das Thema... es gibt im Augenblick doch eigentlich wichtigeres."
"Ja, das Gedenken an eine just Verstorbene zum Beispiel." Es wurde ihr fast schlecht über dem Taumel der Gefühle.
Wieder wanderte sein Blick durch das Zimmer. Jemand musste Darna gut genug kennen oder aber sie hatte es wohlweisslich schon vorher bringen lassen. Es war tatsächlich genug Papier und Schreibzeug vorhanden. Wortlos brachte er es ihr, es hatte etwas von einem erzogenenen Dienstboten. "Besser du verfasst das Schreiben, dass dir auf dem Herzen liegt und ruhst dich ein wenig aus." War dies der Versuch, nun seinerseits ungewollte Themen beiseite zu schieben und davon abzulenken, wo dies doch eher die Kunst war, die sie beherrschte? Sie sah auf das Papier und kaufte es ihm auch nicht ab. Sie nahm das Papier an, wie als die "Versöhnung" akzeptierende Geste, doch legte es auch fast in der gleichen Bewegung wieder zur Seite und stand auf.
"Was die Weiterreise angeht: Ich habe auch hier Verpflichtungen wie du in Drachenfels, und ich werde sie wahrnehmen", stellte sie ruhig fest, dann strich sie die Kleidung ab und gab sich dabei Mühe, die Bewegungen ruhig und gemässigt statt energisch zu halten. "Ich werde die Bücher durchsehen. Morgen ist das Erntedankfest. Wohl auch ein guter Zeitpunkt, die Kirche mit der nötigen öffentlichen Aufmerksamkeit zu bedenken." Sie ließ die letzten Worte ein wenig sinnierend hängen, ehe sie endlich wieder zur Gänze sachter und vertraulicher leise sagte: "Und ich ertrage den Gedanken nicht, auch noch hetzen zu sollen, wenn ich mir gleichzeitig fragend vor Augen halte, ob es mit unserer Abreise für mich nicht das letzte Mal gewesen sein wird, meine Eltern lebend und bei guter Gesundheit zu sehen.
Ich bin am Altar." Damit schickte sie sich an, das Zimmer erhobenen Hauptes zu verlassen.
Er machte einen Schritt zur Seite, jedoch offensichtlich nicht ihr aus dem Weg tretend, das Gegenteil schien eher der Fall. Für einen Augenblick machte es den Eindruck, als wolle er ihr den Ausgang versperren. Etwas in seinem Blick liess erahnen, dass es genau hierum ging. Etwas in seinem Blick liess erahnen, dass die nächsten Worte "Du sollst dich ausruhen" sein würden. Etwas in ihrem Blick ließ hoffentlich nicht erahnen, wie sehr sie sowas hasste. Er schwieg.. stand ihr eben lang genug im Weg, dass ihr nächster Schritt ein ausweichendes an ihm vorbeistürmen hätte beinhalten müssen. Und genau jenes tat sie nicht - auch sie hatte in diesen Dingen, die man wohl unter "eheliches Zusammenleben" zusammenfasste, gerade mit Adrian, dazugelernt. Still blieb sie stehen, atmete aus, ließ die Anspannung nach aller Möglichkeit los. Dann ging er selbst beiseite. "Ich begleite dich. Über die Priesterin hinaus, war sie ein Freund des Hauses, und das besteht nicht nur aus dir."
Sie wollte gerade dafür dankbar sein, als sie stutzend im Hinterkopf registrierte, daß das ein exzellenter Seitenhieb war, hätte er einen anderen Tonfall gehabt. Trotzdem... "Das wäre praktisch, wenn es nur aus mir bestünde - dann könnte ich mich endlich rausschmeißen und darüber sicher sein, daß endlich Ruhe ist." Blinzeln. Schaudern. Nein, sie fühlte sich nicht wohl in ihrer Haut. Etwas, das dringend nach Änderung schrie. Es kam endlich doch noch ein "Danke", das auch bloß so gemeint war.
Verfasst: Montag 16. November 2009, 21:03
von Cyrion Sha´Ar
Der schweifende Blick liess ihn niemand verdächtiges finden. Doch sagte ihm der Rundumblick, was die Leute von ihm tatsächlich hielten. Bisher verhaltene Abneigung wurde offen zu Tage gelegt. Ebenso Furcht, Böswilligkeit, hier und da auch Verwirrung, wie er in manchem jungem Gesicht sehen konnte.... So viele gemischte Gefühle in sovielen Gesichtern. Jeder gerne bereit, zu glauben, was er gesehen zu haben glaubte. Gegenseitige getuschelte Fragen, Bestätigungen... Wenn es so weiterging, würde irgendjemand noch behaupten, ihn gesehen zu haben, wie er Nachts auf den Äckern ringsum Dämonen rief und ihnen kleine Babys verfütterte!
Ah... nicht Dämonen auf den Äckern. Als Rabendiener wohl eher Untote auf dem Friedhof.
Die Gedanken so bitter und vermutlich näher an der Wahrheit, als ihm lieb war, wenn nicht bald Vernunft in diese Leute einkehrte.
Bitternis... So der Geschmack von ungerechtfertigten Behauptungen. So der Geschmack von Betrug an gegebener Freundlichkeit. Hatte er ihnen etwas getan? Nein. Hatte er Grund gegeben, auch nur ansatzweise zu glauben, das er tatsächlich ein Rabendiener war? Nein, nie... Rabendiener lebten versteckt... Sie zeigten sich nicht. Aber nein, es war ja viel interessanter, sich vor jemanden zu fürchten, der so war wie er. Ignoriert wurde das Wissen, das man tatsächlich über Rabendiener wusste. Degradiert auf wenige Wörter, die als Fakt genug an falscher Bedeutung gewannen, um einen Menschen zu verdammen, nein, vielleicht sogar ihm und den seinen Leid zu zu fügen.
Wörter wie 'Rabe' ; 'Schwarze Kleidung' ; 'Rabeninsignien'.
Alles wurde auf die äussere Erscheinung degradiert. Nicht mal das Auftreten und die bisherigen Erkenntnisse wurden zu Rate gezogen. Nein... Es war wirklich das blanke Aussehen. Manchmal sogar nur der Rabe.
Wie dumm konnten Menschen sein... Aber in ihrer grundlosen Furcht wurden sie zu Bestien. Schlugen um sich und handelten wider ihrer so unglaublich wertvollen Tugenden. Selbst diese hier waren bereit ihn zu verdammen.
Die Familie von Darna. Er konnte es in ihren Blicken sehen, während er sich ruhig umblickte, die Miene emotionslos wie eine Maske. Ruhige Gelassenheit, die seine Gestalt umfing... bis auf die Schultern und die Hände, die zu Fäusten geballt waren und als solche immer wieder mal Spannung aufwiesen. Augenpaar für Augenpaar begegnete er. In allen ihm so bekannte Gefühle zu sehen. Dachte auch nur einer daran, das er vielleicht kein Rabendiener war?
Er atmete leise ein und blickte sich erneut um. Wer war nun für seine Sicherheit zuständig? Der Stallmeister? Alle wichtigen Personen mit Autorität waren ins Haus verschwunden. Nur die Gemeinen waren noch hier und die waren...
Sein Blick fiel zu Hinrich, dem Stallmeister, dann zu dem Burschen, der mit dem Bogen heran eilte. Etwas flackerte in seinem veilchenblauen Blick, als ihm klar wurde, das der Junge vielleicht nicht mitbekommen hatte, was seine Hoheit gesagt hatte und er erhob sachte die Stimme, den Blick auf Hinrich.
"Darf ich... Murelay zu mir rufen, so wie seine Hoheit, mein Herr, mir befahl? Bevor dieser Junge dort mich meines treuen Gefährten beraubt?"
Die Stimme war ruhig, samtig. Keine übermässige Anspannung darin zu erkennen. Dazu gedacht, zu beruhigen. Keine Aggressionen zu wecken. Keinen Funken springen zu lassen, der ein Lauffeuer der Verdammnis über seinem Kopf entzündete.
Und doch erfolgte hier und da ein angespanntes Seufzen. Mutter allein wusste, was in ihren Köpfen vor sich ging.
Ein Flackern in dem Blick des Mannes, der über ihn Wache hielt, während der Junge mit dem Bogen den Pfeil, den er einlegen wollte, innehielt und zu ihm hinüber sah.
Aye... Denk dran: einem direkten Befehl des Onkels des Königs zuwider zu handeln mag dir Scherereien einbringen, an denen du deinen Lebtach nicht mehr froh wirst.
Ein Gedanke, der nicht nur an den grünen Jungen gerichtet war.
Er wartete auf die Antwort. Geduldig, wie er alle diese Situationen, wenn er konnte, mit Geduld bewältigte. Er konnte es nicht immer. Manchmal erzürnte ihn die blanke Dummheit der Menschen. Manchmal musste er trotz aller Versuche regelrecht fliehen, bis die Gemüter sich abgekühlt hatten und es der Vernunft möglich war, Wurzeln zu schlagen.
Ein Hauch Erleichterung fuhr über ihn hinweg, als der Mann nickte und sagte: "Ruf ihn zu dir - aber mach keine falschen Bewegungen!"
Falsche Bewegungen... Was waren falsche Bewegungen? War schon das ausstrecken des Armes eine falsche Bewegung? Er würde es feststellen.
Sein Blick wanderte nicht von dem Mann fort, als er den Arm ausstreckte, langsam, die Faust immer noch geballt und für den Vogel hörbar sprach: "Murelay, komm her." Ein scharfes Einatmen ringsum erfolgte, als der Vogel seine langen Flügel ausstreckte und wenige Male mit ihnen Schlug, jene dumpfen tiefen Schläge, die weithin zu hören waren. Ein Flattern, dann war der Vogel heran und Cyrion zog den Arm zu sich, eine Hand auf dem Rücken des Vogels, ihn ruhig zu halten. Leicht fuhren die Finger zu dem Kopf des Vogels, fuhren streichelnd durch sein Gefieder. Eine unruhige Geste, aber das wussten die Leute hier nicht. Es wunderte ihn wenig, als der Junge, den Pfeil doch noch einlegte und den Bogen halb spannte, auf ihn gerichtet. Unsicherheit in den Augen des jungen Burschen. Auch das noch... ein nervöser Finger am Abzug...
Leise atmete er ein. Wie kam er aus dieser Situation heraus? Es war oft so, das es reichte, vorzuschlagen, das er sich sofort entfernte. Aber Milady war hier. Und noch wusste er nicht, was mit ihr geschehen war. Was ein Leibwächter war er, wenn er floh? Unabhängig von der Situation gehörte es zu seinem Code, seine Herrin nicht zurück zu lassen. Treue und Loyalität unter der Schirmherrschaft seines Herren... Teil des Codes der Sha'Ar, der Rabenkrieger.
Während seine Gedanken in dieser Richtung weilten, öffneten sich die Türen. Vielleicht kam nun jemand heraus, mit dem man vernünftig sprechen konnte.
"Ent... Entschuldigung...?"
Sein Blick wandte sich zur Seite, als er die junge unsichere Stimme hörte, an niemanden bestimmtes gewandt.
Es war ein junger Bursche, gerade ins Mannesalter gekommen, das Gesicht und die Kleidung verstaubt, der um die Ecke eines Hauses linste, Furcht in seinem Blick, wirkte er blass und verstört. Weitere Personen blickten zu ihm hinüber und er zuckte ob der plötzlichen Aufmerksamkeit.
"Bin ich hier rich.." piepste seine Stimme und er räusperte sich rasch. " Richtig beim Anwesen des Freiherrn von Elbenau?" Er atmete rasch ein und sprach dann noch viel rascher aus. "Ich... Ich habe eine Nachricht für einen Leibwächter..." er leckte sich die Lippen und sprach, als würde er zitieren "...aus der Reisegesellschaft der.." er dachte für einen Moment nach, leckte sich wieder die Lippen. "...ihrer Hochgeboren, der Grafin von Hohenfels."
Cyrs schwarze Brauen wanderten hoch. Eine Nachricht für Hudgarr? Hatte sich schon wieder eine mittlere Katastrophe ereignet? War eines der Schiffe gesunken, das auf dem Weg zur Hauptstadt war? Was es auch sein mochte, er war dankbar dafür, das hier jemand war, der vielleicht wieder das reine Denken in die Köpfe brachte.
"Der Leibwächter heisst Cyrion Sha'Ar."
Überraschtes einatmen, Gemurmel erhob sich, während sich wieder alle Blicke auf ihn richteten. Nicht alle kannten seinen Namen, aber Hudgarr dürfte sich bekannt gemacht haben. Und der einzige andere Leibwächter war er.
Leise atmete er ein, bewegte leicht den Nacken, während er wieder dem Vogel den Kopf streichelte. Und wieder ruhte die Aufmerksamkeit auf ihm. Welches Glück er heute hatte.
"Der bin ich." gab er ruhig mit tiefer Stimme wieder.
Der Blick des Burschen huschte zu ihm und er bewies, das sein Gesicht durchaus noch Farbe hatte, die er verlieren konnte, während er leise japsend gegen die Wandecke sank, als wären ihm die Knie weichgeworden.
"Wa...Was... ein Rabendiener?!" fiepste er mit Ohnmachtsgefühl in seiner Stimme.
Wieder zischte der Atem ringsum um ihn und die allgemeine Spannung reichte, ihm die Haare im Nacken stehen zu lassen. Also doch... einer hatte ausgesprochen, was alle dachten. Ein Fremder. Ein Botenjunge an Cyrion.
Phänomenales Glück, wirklich... Ging es bitterätzend durch seinen Kopf.
Verfasst: Dienstag 17. November 2009, 01:50
von Luca
Rasch war klar geworden, dass keine äußere Gefahr drohte. Mit dem Bogen schien er so nichts anderes anfangen zu können, als den Raben vom Dach zu schießen. Einen Augenblick lang war er erleichtert, dass Allerich nicht eben jenes befahl, sondern mit Lady und den Anderen im Haus verschwand. Auch wenn er das Unglücksvieh stets sonst wo hin wünschte und hoffte, dass Lady und Hoheit es endlich aus seiner (und Aris) Nähe verbannten, wusste er, dass Cyr den Vogel arg leiden konnte. Anderer Leute Haustiere umzubringen, war nicht richtig... außer, man musste. Zum Beispiel, wenn sie drohten, genug Unglück anzuziehen, um das Schiff zu versenken; dafür hatte er noch immer die Rabentauchkiste... Hier schien aber keine Gefahr zu drohen.
Es sei denn, Lady war wirklich schwanger und zusammengebrochen, weil der Rabe dem Kind etwas getan hatte... Aber dann wäre es besser, jemand würde segnen oder Amulette verteilen, während das Vieh starb.
All die Gedanken streiften seine Aufmerksamkeit nur, als er wieder zurück ins Haus huschte, um nach ihr zu sehen. Adrian schickte ihn nach Ari und der Ausrüstung, obwohl er sofort felsenfest damit gerechnet hatte, dass die Übungsstunden wieder einmal wegen den Umständen gestrichen werden würden. Aber nein, er hatte zwei gute Aufgaben bekommen. Die zweite verschob er halbwegs auf später, indem er sie an Gutwin weiterdelegierte. Sie verstanden sich, und da er zudem deutlich erwähnt hatte, dass die Anweisung von Hoheit kam, würde er sich sicher anstrengen, die gewünschte Ausrüstung zu beschaffen. Er selbst holte sich den sichtlich unbekümmerten Ari und machte sich auf den Rückweg zum Zimmer, um in Erfahrung zu bringen, wie es Lady ging. In einiger Entfernung auf dem Flur musste er nicht lange auf sie und Adrian warten.
Verfasst: Dienstag 17. November 2009, 06:58
von Hudgarr Stolzenfels
Hudgarr ging auf dem weg ins Haus an Cyrion vorbei und verweilte kurz bei ihm, während der Botenjunge an der Mauer herab rutschte und das Wort Rabendiener sagte.
In der Zeit, die sie nun schon in Elbenau waren, war von Hudgarr kaum einmal ein Wort zu hören gewesen, doch nun donnerte seine Stimme hinter Cyrion so fest, so voller Kraft und Stärke, von ihm ging eine Aura aus die bald gefährlicher wirken musste, als die ganze rahalische Armee.
*Cyrion ist kein Rabendiener und wehe dem, der ihm oder seinem Piepmatz etwas zuleide tut*
Ohne eine Reaktion abzuwarten, ging er Richtung Haus, um wie gewohnt Posten zu beziehen, vor Adrians und Darnas Zimmer.
Verfasst: Dienstag 17. November 2009, 11:55
von Cyrion Sha´Ar
Schock fuhr dem grossgewachsenen Mann scharf durch den Leib, ein elektrischer Stromschlag, der seinen Körper sichtbar zucken liess, als die Kraftvolle Stimme hinter ihm unerwartet hervordonnerte. Ein Zusammenzucken ob der Anspannung, das sogar sein Atem für einen Moment innehielt und sein Vogel empört ein 'Kroak' von sich gab.
Sein Blick riss sich zur Seite, der Körper drehte sich auf den Fussballen, bis er Hudgarr sah, der ungeachtet der Überraschung aller zur Tür hinüber ging.
Völlig desinteressiert, was die Leute von seinem 'Befehl' hielten, konnte Cyrion unerschütterliche Überzeugung in den breiten Schultern des ehemaligen Hauptmanns sehen, das niemand es wagen würde, sich seinem Wort zu widersetzen.
Cyrion's Kiefer sackte für einen Moment herab, die Augen ein blankes Paar violettblauer Amethyste, reingewaschen von Bitternis und Unbehagen. Reingewaschen von allen Emotionen bar Überraschung.
Hudgarr hatte für ihn gesprochen? Hudgarr, der Mann, der die letzten Tage sich geweigert hatte, mit ihm ein Zimmer zu teilen. Der Mann, der selten etwas sagte, ausser er befand, das er etwas zu sagen hatte. Er war der letzte von seinen Bekannten und Freunden, von denen er erwartet hätte, für ihn zu sprechen.
Ich dachte... er mag Murelay nicht...
Doch warum hatte er dann gesprochen? Sein Blick senkte sich einen Moment, als ein Rückschluss ihm die Augen öffnete. Hatte er, Cyrion, letztlich Abneigung gesehen, wo gar keine war? Der Blick schweifte weiter zu Murelay in seinen Armen, die leicht mit ihrem Schnabel nach seiner Fibel pickte und schnäbelte. War seine Idee, Hudgarr an den Vogel zu gewöhnen...
Ist alles, was daraus entstanden ist... Der ganze Zirkus hier...
Nur weil er unberechtigt Hudgarr in Gedanken vorgeworfen hatte...
Heisse Schamröte floss ihm ins Gesicht und er bewegte leicht den Kopf, das seine Strähnen wenigstens etwas sein Gesicht verbargen. Hudgarrs Worte beschämten ihn ob seiner eigenen Taten.
"Wollt ihr die Nachricht nicht annehmen, Herr Sha'Ar?" sein Blick huschte ob der Worte wieder hoch. Es war der Stallmeister, der ihn genauestens betrachtete. Der Blick war durchdringend, gerade zu inquisitorisch, doch fehlte ihm die fanatische Hitze, die Inquisitoren zu eigen war - nein, dieser Mann war bedachter. Intelligenz schlummerte in seiner einfachen Erscheinung. Ein Mann, dessen Anwesenheit und Erscheinung oftmals vergessen wurde, der aber vieles mitbekam. Was mochte er in seinen, Cyrs Augen, gesehen haben?
Hatte er ihn unterschätzt? Doch dann wieder... Darna vertraute ihm.
Gedanken die in Sekundenschnelle durch seinen Kopf gingen, während Erkenntnis auf Erkenntnis folgte.
"Aye... gewiss..."
Gab er nach einem Moment wieder, sich einen Ruck gebend. Tief einatment drehte er sich um. Wieder streifte sein Blick die Leute, während er die Gestalt des Burschen aufsuchte. Die Leute waren... einige hatten ihre Blicke gesenkt. Er hatte Schwierigketen, sie zu lesen... nicht in Furcht... Mehr... Die Stirn kräuselte sich leicht, doch mochte der Bursche vor ihm glauben, das es mit dem Schreiben zu tun hatte.
Hatte Hudgarr diese Wirkung auf Leute? Dieses Kommandierende wie in der Garde. Was er getan hatte, hatte eine dämpfende Wirkung auf viele Leute hier. Die Spannung, die er eben noch gefühl hatte, auf ein gesünderes Mass zurück geschrumpft.
Beeindruckend... wirklich Beeindruckend...
"Wie ich sagte, ich bin Cyrion Sha'Ar. Und ich bin kein Rabendiener, besten Dank." Gab er so trocken wie ihm möglich wieder. Niemals zeigen, das es einen belastete. Man zeigte nur seinen Freunden seine Schwächen.
Der Junge war wieder erblasst, als er zu ihm getreten war, leckte sich die Lippen unruhig. "Entschuldigung... Herr..." Das letzte Wort dazu gegeben, wie um um Milde zu bitten. Dachte der Bursche, er sei ein Monster? Warum war er so unruhig?
"Ich habe eine Nachricht für euch von einem Herren Schwarzmourne." Wieder leckte er sich die Lippen, blickte mal zu ihm auf, mal wieder weg. Die Augen hin und her flickernd, als würde er ihn nicht ansehen wollen, aber wissen, das es die Höflichkeit gebot.
Seltsamer kleiner Bursche...
"Gut, gib mir die Nachricht, ich will sie dann gleich lesen."
Ein hurtiges Nicken von dem Burschen und er händigte die Rolle mit schmutzigen Fingern aus. Nicht nur schmutzige Finger... Kleidung... Gesicht... die Schuhe wirkten abgelaufen. War der Knirps wirklich den ganzen weiten Weg hier her gereisst von Gerimor? Er sah so aus. Was in aller Götter Namen dachte sich Malachai nur?
Ein Moment ruhte sein Blick auf dem schwarzen Siegel mit dem ihm so bekannten Zeichen. Er vermisste seinen Bruder. Anscheinend war er wieder zuhause und nicht länger auf Wanderschaft mit dem Knaben. Eine Spur eines Lächlens zeigte sich auf seinen Lippen, als er das Siegel brach.
"Schwarzmourne?" erklang die Stimme des Stallmeisters. Und es folgte daraufhin. "Betrifft es eure Reise?"
Leicht schüttelte Cyr sein Haupt und wandte diesen gen Hinrichs. "Nein, er ist mein Bru..."
Seine Worte erstarben in dem Hieb, den der Junge, kaum das er nicht hinsah, ausgeführt hatte. Ein Kinnhaken, zu schnell und ohne Rückhalt ausgeführt - unerfahren... und gerade deswegen mit übermässiger Kraft von dem vielleicht 17 jährigen Burschen, das Cyr regelrecht von den Füssen gerissen wurde und sich auf seinem Hintern sitzend wieder fand, die Beine gespreizt und für einen Moment betäubt. Der Rabe, den er im Fall fallen gelassen hatte, krächzte überrascht ein lautes 'Kroak!' bevor er unter Getöse davonflatterte und auf den Dachfirst floh, wo er beleidigt und protestierend ein 'Raaaraaaraaaah' von sich gab, ganz klar der Meinung, das man mit ihr nicht so umzugehen habe!
"DasistdieNachricht!" Quietschte der Junge, seine wohl verletzte Hand schüttelnd und rannte davon!
Cyrion blinzelte, als er noch ein geschrieenes: "LestdenBriefbevorihrmichumbringt!" hörte und führte die Hand zu seinem ledierten Kiefer. Überraschte rufe hinter ihm. Was sie sagten, konnte er noch nicht ganz ausmachen - ihm klingelte der Schädel. Gott, der Junge hatte wirklich nicht zurück gehalten. Zwei Beine tauchten neben ihm auf; Hinrichs kniete sich hin. "Meine Güte...! Geht es euch gut!?" Schock in seinem Blick ob der unerwarteten Tat. Für einen Moment vergessen, das Cyr unter Verdacht stand.
Ging es ihm gut? Er wusste es noch nicht genau. Feuchtigkeit an seinen Lippen... als er mit der Zunge über die Lippen fuhr, brannte es. Sein Mundwinkel war viellaucht aufgerissen... oder seine Lippe geplatzt. Sachte fuhr er mit der Zunge über seine Zähne, drückte an ihnen. Einige schienen zu wackeln... Wenn er einen Zahn verlor, würde Malachai das büssen!
"Es geht, denke ich..."
Ein zufriedenes Nicken, bevor Hinrichs sich an einige seiner Leute wandte. "Fangt diesen Burschen ein! Es geht nicht an, das er die Gäste des Freiherren schlägt!"
Überraschtes Grunzen von einigen, aber dann hörte Cyr, wie sich ein Trupp auf machte.
Mühevoll erhob er sich, wiederholt seine Lippen leckend, von denen eine fleissig blutete. Blutgeschmack auch in seinem Mund...
Mist... Seine Zähne hatten in seine Wange geschnitten. Malachai schuldete ihm weiss-mutter-was!
Sein Blick viel auf die Rolle in seinen Fingern, die halb aufgerollt seinen Fingern entfallen war. Sich nieder beugend, nahm er sie an sich und lass die kurze Nachricht.
Verfasst: Dienstag 17. November 2009, 15:47
von Viola Ser´Rhal
Einer der wenigen, aber unbestreitbaren, Vorteile an einem Nest wie Elbenau war es, dass man Neuigkeiten so schnell mitbekam, dass selbst ihre alte Hütte nicht schneller niedergebrannt wäre. Sie hatte sich letztendlich doch noch einmal dazu hinreißen lassen, die Hütte aufzusuchen und sich zu beschauen, jetzt wo sie den Hintergrund zu eben dieser kannte. Die panische Angst verbunden mit dem Aberglauben mancher Anwohner machte es nicht gerade angenehmer, noch einmal die alte Bruchbude anzusehen, denn aus manchen Blicken konnte sie das Wort „Hexe“ schon fast heraus greifen, es passte ja auch alles bestens; lange schwarze Haare, jung, bildhübsch … die perfekte Hexe und wäre sie in sonst irgendeinem Dorf gewesen hätte sie die erstbeste Frau die sie mit eben solch einem Blick bedacht hätte, angekeift und sie davor gewarnt, dass Alatar sicher des Nachts irgendwo herumschleichen würde … aber das war Darnas Heimat und wenn es einen Ort gab an dem sie ihren Ruf wirklich perfekt zerstören konnte, dann war das Elbenau, und Viola verspürte keinerlei Verlangen nun noch einmal irgendwas zu machen, dass Darna aufregen konnte.
Es waren nur wenige Momente gewesen nachdem sie die Hütte wieder verlassen hatte, da hörte sie schon die ersten tuscheln; die Freiherrin wäre zusammengebrochen, eine Priesterin wäre tot … eine Robinja … oder Robaya? Die dritte im Bunde hatte dann den Namen richtig aufgeschnappt und die Neuigkeit ließ Viola für einen Moment inne halten; Rabeya war also tot. Sie hatte niemals viel mit der Priesterin zu tun gehabt, ihre einzige längere Zeit war ihr Strafaufenthalt im Kloster gewesen, wo sie wenig bis gar keine Worte mit den Bewohnern eben dieses gewechselt hatte, doch Viola wusste, dass Rabeya eine wichtige Person in Darnas Leben war und dass es sie mehr als hart getroffen haben musste … wie auch immer sie davon erfahren hatte.
Während sie sich auf den Weg zurück machte, gingen ihr diverse Bilder durch den Kopf, die meisten waren Bilder die von einem der unzähligen Streitereien zwischen Darna und Viola zeugten, meistens gefolgt von den anschließenden Versöhnungen die es immer gab. Selten hatten sich die beiden so sehr gestritten, dass es zu keinem Frieden mehr gekommen war … eigentlich nur einmal und zu dieser Zeit wurde sie von Darna aus dem Haus geworfen. Aber es hatte sich alles wieder irgendwie eingerenkt und Viola würde es natürlich auch diesmal, wie immer, sein, die klein beigeben würde, zum einen um des Frieden Willens, zum anderen weil Darna eine Freundin dringender brauchte als jemand der sich mit ihr stritt, auch wenn Letzteres Violas Meinung nach ebenso wichtig sein konnte.
Später am Abend war es dann auch soweit; sie stand einmal wieder vor der Zimmertür von Adrian und Darna, doch diesesmal wollte sie nicht mit Adrian sprechen. Es kostete sie letztendlich doch einige Überwindung, die Hand anzuheben und gegen die Tür zu klopfen, und als ihr geöffnet wurde, und sie Darna ins Gesicht schaute, ließ sie ihr gar keine Zeit um grimmig zu schauen.
„Ich habe von der Sache mit Rabeya gehört … und ich wollte sagen wie leid es mir für dich tut. Ich weiß, dass sie eine wichtige Person in deinem Leben war und ihr Tod muss … dich ziemlich mitnehmen. Ich wollt dich nur wissen lassen das ...“ sie fing an kurz mit den Fingern hinter ihrem Rücken herum zu spielen, es waren eben diese magischen Worte die sie nun von sich geben musste, „... das es mir auch sonst leid tut. Ich meine das in Drachenfels. Ich versteh's schon dass du sauer warst und um Adrians Ruf besorgt bist … ich hab es sicher nicht böse gemeint, aber bei dem Thema Sarah in der Taverne ist bei mir eben alles rot geworden. Ich hab mich die ganze Zeit immer von meiner guten Seite zeigen wollen, und nein … der Abend auf dem Fest war nicht gespielt … aber ich arbeite eben noch dran dass ich manche Dinge besser … wegstecken kann. Ich wollt dich das nur wissen lassen … und dass ich für dich da bin wenn du die Tage mal wen anders als deine Eltern oder Adrian zum Reden brauchst. Oh … und … ich hab die Hütte gesehen … die von der „Hexe“ ... das war eigentlich der ursprüngliche Grund wieso ich mich entschuldigen wollte … ich vergess manchmal dass du genauso ne harte Kindheit hattest, zwar auf ner anderen Ebene … aber eben doch auch.“
Viola hatte nicht wirklich groß auf eine Antwort gewartet, sie hatte Darna gesagt, was sie ihr sagen wollte und war schon dabei sich wieder umzudrehen, nicht ohne ihr ein kurzes, aufmunterndes Lächeln zu schenken und sich wieder den Weg in Richtung ihres Zimmers zu begeben. Sie wusste, dass Darna es nicht anders von ihr kannte … auch wenn Viola nun Erwachsen war, solche Gespräche zu führen waren nie ihre Stärke gewesen und sie war sich sicher, dass Darna etwas Ruhe brauchte. Die beiden würden schon reden wenn die Zeit reif war, der erste Schritt war aber gemacht
Verfasst: Mittwoch 18. November 2009, 14:00
von Cyrion Sha´Ar
Was immer in dem Brief stand, scheint gemischte Gefühle in dem grossen Mann geregt zu haben. Fassungslosigkeit zeichnet sich auf den Zügen ab, schnell gefolgt von Zorn, nein Empörung, die dazu führte, das seine schlanken Finger den Brief zerknitterten. Ein Muskel zuckte in seiner Wange - etwas, das nun schmerzen musste. "Dafür hat er... für Nichtigkeiten hat er diesen Jungen..." Der Ton tief und viel versprechend, zerknüllte er das Pergament zu einem kleinen Ball, nicht weitersprechend, als würde das Reden nicht angenehm sein.. das oder aber er fand schlichtweg nicht die Worte, seinem unverhohlenen fassungslosen Zorn Luft zu machen.
Gegen Ende des Schreibens änderte sich erneut etwas im Umfeld: feste, gleichmässige Schritte näherten sich über den Hof, und Hinrich, der ihn beobachtet hatte, trat einen Schritt zurück, schenkte einer anderen Person seine Aufmerksamkeit: Allerich. "Sir...", ließ sich der Stallmeister vernehmen, darauf die Stimme des Ritters: "Was ist hier vorgefallen?"
Die Schritte und zackigen Worte so ähnlich der Art Hudgarrs beim Militär, vernehmend, hob er den Blick, seinen Zorn nur mühsam unterdrückend. Er konnte sich vorstellen, das sein Gesicht bereits die Prellungen zeigen würde. Besser, er erklärte es, wusste er doch, worum es ging.
"Darf ich die Situation erklären, Sir?" liess er seine Stimme leise aber noch durchaus vernehmbar, hören. Tief erklang sie ob seines Gemütszustandes. Die veilchenblauen Augen klar amethystfarben mit einem dunkelblauen Rand blickte ihm gerade zu forsch und unerschrocken entgegen...
"Ich bitte darum", wurde lediglich nüchtern erwidert, auf der Stirn eine kleine Unmutsfalte zu sehen und wechselnd schweifte der Blick der grauen Augen zwischen Hinrich und Cyrion, ehe der Ritter knapper Geste ein Tuch aus einer Tasche zückte und es dem Wächter entgegen hielt - wohl, um das austretende Blut abzutupfen.
Er blickte das tuch einen Moment überrascht an, dann nahm er es mit einem angemessenen dankeswort und geneigtem Kopf entgegen. Sich das Blut abtupfend, betrachtete er es für einen Augenblick nur, die Kiefern zusammen pressend und erneut tupfend, bevor er sprach, die Stimme immer noch ruhig und angemessen, die Haltung gerade, als würde er vor einem Vorgesetztem stehen.
"Ein Bote aus Gerimor ist gekommen mit einer persönlichen Nachricht an meine Person. Die Nachricht beinhaltete unerwarteter Weise einen Kinnhaken, den der Botenjunge mit ungeübter Kraft ausgeführt hat. Ich fürchte, er hat sich dabei selber verletzt. Hernach ist er in Furcht vor Bestrafung geflohen." Er sprach so schnell wie es seine verletzten Lippen und seine Wangen es zuliessen, atmete leise ein. Schmerz zuckte manchmal durch verletzte Stellen, liess Muskeln in seinen Angen und in seinen Lippen zurück zucken, um die stelle zahnfrei zu halten.
"Ich würde darum bitten, das man den Jungen nicht bestraft. Er hat nur seine ihm auferlegte Pflicht getan. Auch wenn diese Pflicht Hochgradig unangenessen war."
Die ergrauten Brauen zogen sich zusammen. Lag es an der Familienähnlichkeit an sich, oder hatte Darna diese Art von ihm, daß es so ähnlich wirkte? "Ihr scheint nicht viele Freunde zu haben."
Eine trockene Feststellung, der eine kurze Pause folgte, doch wurde dem hinzugefügt: "Oder ich muß es als weiteren Beweis erachten, daß das Verhalten der Menschen auf Gerimor oft doch sehr ungewöhnliches ist." Ungewöhnlich, das klang gerade eher nach: unverschämt, ungehobelt, unmöglich oder ähnlich charmanten Wertungen.
Die Haltung bekam ob dieser Worte etwas geraderes, es war nicht wirklich ersichtlich, nur mochte sich ein gefühl ergeben, als hätte Cyrion sich leicht in eine geradere Haltung begeben, ohne sich zu bewegen. Mochte es sein, das er nur sein Kinn etwas gehoben hatte, mochte es ein einatmen gewesen sein. Die Haltung, die Beine leicht gespreitzt, die Hände scheinbar entspannt vor dem Körper ruhend, eine Hand das andere Gelenk fassend, erlaubte es dem Krieger, ein recht unbewegtes Gesicht zu machen... abgesehen von dem gelegentlichen unwillkürlichen Zucken der Wangen.
Hinrich gelang es einen Moment nicht, ein Grinsen zu verhehlen und ließ die Belustigung auch nicht gänzlich schwinden, als gleich darauf Allerich zu ihm blickte: "Lucas und Rudger sind dem Burschen nun also auf den Fersen?"
"Ja, Sir."
Ein knappes Nicken, es schien Allerich zu reichen und Hinrich erlaubte sich eine Gegenfrage: "Wie geht es.. Lady Darna?"
Ein unwesentliches Zögern deutete darauf hin, daß die Anrede hastig noch mit eingeschoben worden war und Allerichs Miene wurde milder: "Eine betrauernswerte Erkenntnis, die ihr offenbar durch die Herrin zuteil wurde, doch ist sie ansonsten wohlauf."
Cyrion kam nicht umhin, erleichtert auf zu atmen als er die Neuigkeiten zu Darna hörte. Leise murmelte er: "Gelobt sei Mutter... Meiner Herrin geht es gut." Die einhergehenden Gefühle der Erleichterung, die er erlaubte, über sein Gesicht zu wandern, waren echt, wenn auch die Wortwahl Herrin allerdings mit Absicht gewählt worden war. Eine Verlautbarung dafür, was er mitunter in Darna sah, auch wenn sie selbst es strikt ablehnte, so von ihm genannt zu werden.
Eine Antwort, die auch in ihrem alten Herrn Erleichterung wie auch ein betrübtes Nicken mit sich brachte. "Ich denke, sie wird später sicher wieder raus kommen", schien seitens des Ritters eine Art wohlwollendes Vertrösten von Hinrich, und der Stallmeister schmunzelte kurz, warf Cyrion noch einen Blick zu, bevor er die beiden allein ließ: "Dann werde ich mal wieder nach den Pferden sehen, Sir."
Sie standen für den Moment recht alleine auf dem Hof, und Allerich sah sich um, bis er auf dem Dachfirst Murelay entdeckte. Cyrion folgte seinem Blick ruhevoll. Der Zorn auf seinem Bruder, der vielleicht noch in seinen Augen gefunkelt hatte, ob der Ablenkung verflogen.
"Die Ereignisse fielen sehr unglücklich zusammen, will ich meinen. Man verbürgt sich für Eure Loyalität zu seiner Hoheit und meiner Tochter, jedoch nicht dafür, daß nicht ein Unglück geschähe, sollte diesem Raben etwas zustoßen. Gedenkt Ihr, ihn weiterhin derart unbedacht auszusenden, daß andere Leute sich über sein Auftauchen erschrecken müssen?"
Ob Allerichs Worten runzelte er einen Moment nachdenklich die Stirn.
"Mit diesem Raben spüre ich gegebenfalls Gefahren für Milady und auch die Mitglieder meiner Reisegesellschaft auf, Sir. Ich nutze ihn für die Kommunikation zwischen mr und seiner Hoheit auf der Reise, sollte dergleichen nötig sein. Wenn Gefahr droht kann ich ihn verwenden, um Angreifer abzulenken, da er auf Befehl angreift oder Wurftränke auf sei herabfallen lässt..."
Still hörte Allerich ihm zu, lediglich war der Mimik deutlich anzusehen, wie die Skepsis an einem gewissen Punkt gewaltig in die Höhe schoß: Wurftränke auf Angreifer fallen lassen?? Und seine Tochter billigte derartige... Unterstützung? Etwas, das er kaum glauben wollte. 'Effektive Tricks'... Der Ritter versuchte zu verhindern, daß seine Hoheit, seine eigene Tochter und ihr Gefolge in seiner Achtung sanken... nur gelingen wollte es nicht ganz. Oder wussten sie hiervon nichts? Doch warum stellten sie so etwas dann als Leibwächter ein?
Cyrion hätte sich auf die Zunge beissen mögen, wenn er nicht ohnehin einen Schmerzenden Mundraum und Kiefer gehabt hätte. Vergessen... Er hatte schlichtweg vergessen, das er nicht alles erwähnen sollte, was Murelay konnte. Das als Ritter ihr Vater eine ähnliche, wenn nicht gar schärfere Einstellung hatte, als selbst Darna.
Temorianischer als der Hohepriester. ging ihm durch den Kopf.
"...Er ist mir in vielerlei Hinsicht nützlich und ein treuer Gefährte... Es tut mir aufrichtig Leid, das er für Unruhe gesorgt hat..." Er atmete leise ein, tupfte erneut mit dem Taschentuch an seine Lippe um festzustellen, das die Wunde sich wohl doch langsam schloss.
"Ich darf annehmen, es ist nicht möglich, mit den Bewohnern von diesem Gut zu reden, das er in keinster Weise eine Gefahr darstellt? Ich kann versichern, das er abgesehen von effektiven Tricks, die ich ihm beigebracht habe, ein ganz gewöhnlicher Handgezogener Rabe ist. Friedliebend, in keinster Weise aggressiv..." leicht reibt er sich im Nacken. "Sein... Ihr... einziges Manko ist, das sie.... Hm... stiehlt wie ein Rabe. Alles was glänzt... und wenn sie nah genug herankommt, auch Nahrung."
Die Hand wieder senkend und erneut am Handgelenk ergreifend, gab er mit ebenmässiger Stimme ruhig wieder. "Ich kann sie Zeitweise mit mir auf der Schulter führen und sie mit kurzen Ausflügen im Wald fliegen lassen. Aber sie gänzlich einzusperren ist... Folter für einen Vogel, der nicht an Käfige gewöhnt ist.
Allerich übertünchte ein Ächzen durch ein flaches Räuspern, die Mimik versteinerte allmählich, dem Blick wich jeder Zuspruch, jedes Verständnis. Fast mochte man unterstellen, der Ritter höre gar nicht mehr zu, doch tat er dies sicher. Letztlich mochte Cyrion sich vermutlich nicht des Gefühls erwehren können, mit knappen Worten abgekanzelt zu werden:
"Ich untersage Euch, Euren Vogel derartig in die Nähe der hiesigen Leute zu lassen, daß diese sich in irgend einer näheren Weise von ihm behelligt fühlen müssten, als durch jedweden gewöhnlichen Vogel aus der Natur, und sei es eben ein Rabe. Wie Ihr dies vollbringt, ist mir gleich. Doch höre ich auch nur eine weitere Beschwerde, ist das Mindeste, was Ihr zu erwarten habt, der Verweis von meinem Grund und Boden sowohl für Euch als auch Euer Tier." Allerich holte noch einmal Luft, ehe er seine Worte nicht laut, doch mit aller Schärfe abschloß: "Wird Er dieser Verfügung Folge leisten, Wächter, oder wird seine Hoheit ihm Gleiches mitzuteilen haben?"
Einen langen Moment blickte er ihn nach seinen Worten noch an. Er hatte schon vorher bei verschiedenen Erwähnungen durch seine Reaktionen, das seine Ehrlichkeit ihn wieder gekostet hatte. Was war nur mit diesen Menschen, das in so vielem Hinterhältigkeit sahen, welche Verabscheuungswürdig war? Was war dagegen zu sprechen, wenn man gegen eine Ubermacht an Gegnern geriet, einige von ihnen schlichtweg Schlafen zu schicken, statt heldenhaft aber närrisch zu sterben? Es war ja nicht so, das er anschliessend umher ging, und die Leute abschlachtete - er band sie und gut war...
Was konnte er tun... Ehrlichkeit war nirgendwo in den Reihen der Lichten gern gesehen. Er bezahlte jedes mal dafür mit Verachtung von der anderen Seite. Wusste Temora, wie bigot ihre Anbeter geworden waren? Das sie zur Unehrlichkeit erzogen? Leicht seufzte er.
"Gewiss, werde ich dies tun, Sir." Leicht verneigte er sich zu den Worten, angemessen gegenüber einem Ritter. "Doch erbitte ich mir die Möglichkeit, euch meine Erklärung zu erläutern. Mir scheint, es ist zu einem Missverständnis meiner Worte gekommen, das ich so nicht stehen lassen möchte." hierbei erhob er sich nicht aus seiner Verneigung.
"Ihr könnt Euch erklären." Knapp, doch wenigstens sprach er ihn damit nicht nochmal in der dritten Person an. Das "Und besser, die Erklärung ist gut..." schwang nur unausgesprochen in Ton und Härte des Blickes mit.
Sich aus der Verbeugung erhebend, atmete er tief ein. Dies hier würde kitzlich werden. Es iel es ihm schwer, vor Vorgesetzten - und als solchen schätzte er den Vater Darnas ein - zu lügen. Wahrheit und Vorsicht walten lassen... Ein Drahtseilakt vor jemanden, der der Vater jener Frau war, die die Tugenden atmete, träumte, gar lebte mit jeder Faser ihres Seins.
Was konnte er erzählen? Gewiss würde er Darna fragen - und Tochter die sie war.... man verheimlichte nichts vor dem Vater. Er würde ohnehin von ihr einiges erfahren über ihn. Gerade eben weil er die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und ihr Vater gewiss wissen wollte, wer der Mann unter seinem Dach war.
Wieder ruhte sein Blick ungebrochen auf dem Mann, der ihm gegenüberstand.
"Die Dinge, die ich euch nannte, sind die, zu dessen Murelay fähig ist. Ich war nicht immer Wächter ihrer Ladyschaft und lehrte in der Zeit davor den Raben vielerlei Dinge... Unter anderem zum Beispiel, mir zu sagen, wo sich ein versteckter Angreifer aufhält." Er kratzte sich leicht in Nacken, nachdenklich. "Nicht viel anders als ein Hund, will ich meinen, und ich hörte nicht, das dies verwerflich sei... Die Dinge, die ich sie lehrte, von denen Milady meinte, sie seien unangebracht, wende ich nicht mehr an.
Cyrions schlichte Überzeugung schien nicht ganz auf Allerich überzugreifen. Kritisch lauschte er seinen Worten, und ein weiteres Mal drohte sich die Miene zu verdüstern, als der Vergleich zum Hund fiel. Kurz schien ihm der Ritter mit einem Kommentar ins Wort fallen zu wollen, hörte dann aber doch schweigend weiter zu. Daß Cyrion gewisse Dinge auf Darnas Geheiß nicht mehr anwendete, wurde zunächst registriert - kaum mehr als das aus der Miene lesbar.
Sie weiss um meine Vergangenheit, weiss aber ebenso um meine absolute Loyalität. Sie hat sich mir gegenüber sehr klar ausgedrückt, was ich unter ihrer Schirmherrschaft anwenden darf und was nicht und ich halte mich daran." gab er ruhig wieder, Überzeugung, die in ihrer Schlichtheit überraschend sein mag, klang in seiner Stimme mit. Der Blick nach wie vor offen, ungebrochen.
"Ihr könnt euch versichert sein, das Milady weiss, was sie tut. Sie atmet und lebt Temora und ihre Tugenden und unter ihr lerne ich mehr und mehr über die Göttin und ihre Werte."
Langsam hob sich seine rechte Braue... wohlwollend? Kritisch? Der Herr des Hauses war in diesen Momenten unheimlich schwer einzuschätzen, wie er da weiter aufrecht stand, die Hände auf dem Rücken. Eines jedoch stand zunehmend fest: das Loblied auf seine Tochter fiel kaum auf fruchtbaren Boden.
Leise atmete er ein, den Blick nachdenklich senkend, auch der Ton nun weniger erklärend und faktisch, sondern nachdenklich, als hätte der Gedanke eine treibende, schwebende Qualität. "Sie... würde nichts tun, was ihre Göttin nicht gutheissen würde. Als Paladiness... denke ich, dass sie sich jener Grenzen bewusster ist, als jedem anderen Krieger oder normalen Bürger hier... oder in Gerimor." Sein Blick klärte sich und er blickte wieder zu dem Mann hinüber, der ihr Vater war. "Diese Frau, eure Tochter und Paladiness, ist meine Herrin. Ich werde, wenn ich kann, nichts tun, um ihr Schande zu machen. Sein Blick wanderte wieder zu Murelay herüber, ein kleines Lächeln auf seinen Lippen. "Sie weiss, wer ich bin. Und sie akzeptiert meine Gefährtin, wie sie mich akzeptiert. Ich bin gewillt, zu lernen, was sie mir zu lernen aufgibt. Ihr Vertrauen in meine Person... ist etwas, das ich nicht entäuschen will. So bitte ich euch... Wenn ihr nicht mir vertrauen wollt... vertraut wenigstens Milady." Wieder atmete er leise ein, abwartend.
So schwer zu lesen, der Mann... Nun wusste er, woher Darna diesen Zug an ihr hatte. Er hatte gedacht, es wäre das Regiment gewesen, welche ihr diese... unleserliche Maske gegeben hatte, aber es war ihr Vater. Kein Wunder... Die Tochter konnte dieses gut. Der Vater hatte darin noch weit mehr Erfahrung. Es stand zu befürchten, daß Allerich von Elbenau eine recht hohe Resistenz gegen Honig in seinem Bart aufwies. Eine Weile schwieg er. Danach magische drei Worte:
"Wir werden sehen." Damit schien für ihn alles gesagt.
Wieder dachte der jüngere Krieger einen Moment nach. Gab es noch etwas, das er hinzufügen konnte? Er glaubte nicht. Er wüsste nicht was.
"Aye, Sir." Wieder zögerte er einen Moment. "Habt ihr noch Fragen an meine Person? Oder auch vielleicht Anweisungen bezüglich Miladys Sicherheit? Oder derer des hiesigen Angestellten in Anbetracht des Raben oder meiner Person?" Beiden Brauen hoben sich leicht bei seiner Frage.
"Wie gesagt, haltet Euren Raben von den Leuten fern, gleich ob hier oder im Ort, sofern Ihr nicht um anderes gebeten werdet." Allerich schien selber einen Moment zögernd zu überlegen, während dessen Cyr ihm antwortete.
"Gewiss, dann werde ich den Raben, denke ich, fliegen lassen, wie er will - dann mag er nicht weiter auffallen - ein Rabe unter anderen, wenn euch so beliebt."
Den Kopf kritisch eine Spur schief drehend, gab Darnas alter Herr leise wieder. "Ich mag kaum fragen, was also meine Tochter in Euch angestellt hat, sprich welcher Tätigkeit Ihr zuvor nachgegangen wäret." Er schien nichts Gutes zu erwarten, im Ton kam die "Frage" tatsächlich einer Feststellung sehr nahe und so ließ er Cyrion tatsächlich damit die Option offen, darüber keine Auskunft zu geben. Höchstens stand zu vermuten, daß er dies Darna noch selber fragen würde. Aber bis dahin...?
Nachdenklich rieb er sich den Nacken. wie sollte er darauf antworten? Sollte er überhaupt antworten? Aber keine Antwort zu geben, nur zu lächeln, war nicht nur unhöflich, es liess auch zuviel Raum für Befürchtungen, sich in unmögliche Ausmassen aufzublasen. Wieder atmete er leicht ein.
"Meine Tätigkeit vorher... Leibwächter für viele Jahre. Und in den Herrenlosen Jahren..." Er dachte wieder einen Moment nach, sich nachdenklich an der Wange kratzend und dieses dann mit zurück zucken sofort bleiben lassend. "Das Dasein eines Kriegers, der nach wie vor Mutter, Eluvie anbetet. Ich denke, man kann sagen, dies zieht sich durch mein bisheriges Leben."
Irgend etwas mochte Allerich noch auf der Zunge liegen, doch nickte er nur noch leicht und mehrfach für sich, Cyrion weiter mit einem Blick bedenkend, daß ihm dieser Wächter da vor sich nicht gänzlich koscher schien. "Nun gut, dann geht weiter Euren Belangen nach, Herr Cyrion." Ein Nicken, mit dem er aus dem Gespräch entlassen wurde.
Er nickte leicht und verneigte sich mit den Worten: "Wie ihr wünscht, Sir. Wenn nach mir gewünscht wird, ich werde mich zur Heilerin begeben... Und anschliessend, so es recht ist, in die Bibliothek." Schritte und Rufe waren zu hören ; offenbar waren die zwei, drei Burschen, die den Jungen zurück bringen sollten, mit ihrer 'Beute' eingetroffen. Cyrion erhob sich wieder und blickte zu den Leuten hinüber, die Brauen steil erhoben. Würde er sich wohl erst um den Jungen kümmern müssen, bevor er sich um etwas anderes kümmerte. Er wollte gerade den Ritter fragen, ob der Junge hier übernachten konnte, doch als er sich umblickte, war der alte Herr bereits ins Haus zurück gekehrt.
Verfasst: Donnerstag 19. November 2009, 00:01
von Darna von Hohenfels
Luca auf dem Flur. Hudgarr... irgendwas schien ihm auf dem Herzen zu liegen, doch Darna kannte diese "Symptome" schon. "Wenn ich mich jetzt noch wieder ablenken lasse, kann ich das alles auch ganz bleiben lassen." Ein stummer Blick: "Jetzt nicht", und sie ging weiter. Ob Hudgarr sich bereits ähnliches gedacht hatte oder die Botschaft akzeptierte, er heftete sich lediglich wie gewohnt an ihre Fersen. Einige kurze Worte versicherten Luca, daß alles soweit in Ordnung war.
Während sie vor dem Altar zum zweiten Mal heute niederkniete, diesmal um ihre Gedanken zu sammeln und in leisem Gebet Rabeya zu gedenken, in sich zu horchen, leistete Adrian ihr eine zeitlang schweigsame Gesellschaft, ehe er sich daran machte, mit Luca dann doch die in Aussicht gestellte Trainingseinheit zu beginnen. Was sie aber mehr erstaunte - sie einen Moment lang regelrecht verdattert hinter sich blicken ließ, war als Hudgarr dort ebenso sich auf Knien niederließ.
Was sie halblaut von ihm mithörte während ihrer eigenen Gebete, war... nunja... Hudgarr eben. Ein wenig musste sie milde und etwas wehmütig schmunzeln über die fast kindlich schlichten, aber offenherzigen Bitten, daß die Herrin sich gut um Rabeya kümmern möge... und seine Frau von ihm grüßen, wenn es nicht zuviele Umstände mache...
Seine Worte sorgten seltsamerweise dafür, daß ihr selber wieder bewusster wurde, mit welcher Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit die Nähe zur Herrin zu finden war. Mit einem wohligen Schaudern vertiefte sie sich in ihre eigenen Gedanken. - Und notierte sich im Hinterkopf, später Adrian zu fragen, warum sich ihr im Vergleich mit Hudgarr eigentlich der Eindruck ergab, daß Adrian zwar... respektvoll Gedenkstille hielt, aber nicht wirklich zu beten schien.
Es musste schon Nachmittag sein, als Darna ihren Platz wieder verließ und kurz darauf feststellte, daß irgendwie mal wieder so etwas wie Nahrungsaufnahme hinten über gefallen war... Seltsame Blicke, vorsichtig, einschätzend, als sie sich im Nebenhaus in der Küche einfand, um sich ohne großes Aufhebens etwas zu essen zu organisieren. Leichter gesagt als getan - aber es hatte seine Vorteile. Die Küche war das heimliche Verteilungszentrum der Informationen auf dem Gut, und so konnte sie bestätigen und im Groben erklären, was vorgefallen war, und die letzten Bedenken widerlegen, was den Raben und Cyrion dabei anging: "Nein, sein Vogel hat damit wirklich nichts zu tun. Wenn der Dämon seinen schädlichen Einfluß über ein Tier ausübt, dann über einen Raben - aber deswegen ist nicht jeder Rabe ein Tier Kra'thors. Es war einfach leider ein dummer Zufall. Cyrion hat den Vogel aufgezogen und würde merken, wenn er sich nicht normal benimmt.
Ja, ich vertraue Cyrion. Er ist schon lange seiner Hoheit und auch mir wohlgesonnen und hat uns immer wieder geholfen."
So und ähnlich entwickelten sich Gespräche... von dem heutigen Vorfall über Cyrion, sonstige Freunde und Bekannte, Geschehnisse auf Gerimor... schließlich über die Götter und die Welt. Während der Koch Ewalt die spätere Hauptmahlzeit schon vorbereitete, sorgte seine Frau Ursel dafür, daß Darna wenigstens ein paar leckere Rühreier rasch gemacht waren. Kurz stocherte sie grübelnd im Essen. Sie hatte doch noch irgend etwas hier gewollt? Ach ja: die Sache mit den Äpfeln... Die Erklärung, daß man ihrem werten Gemahl also doch bitte nicht ausgerechnet morgend Apfelmus zu Pfannkuchen anbieten möge oder ähnliches, weckte Bestürzung wie auch Neugier. Warum denn nicht? Die schönen Äpfel... gerade dieses Jahr war die Ernte so gut gewesen... Darna musste etwas lachen, kurz darauf hatte sie aber auch schon gebannte Zuhörer, als sie von der Pest erzählte und Adrians Courage, trotz seiner Gesundheit das Risiko bewusst einzugehen und in der Stadt zu bleiben.
"Seine Hoheit bietet also der Pest die Stirn, flüchtet danach aber vor einem Apfelkuchen...", mischte sich danach von der Tür aus eine weitere Stimme ins Gespräch und Darnas Miene erhellte sich, ehe sie lachen musste. "Ja, eigentlich... etwas seltsam. Vielleicht sollte ich ihm das mal vor Augen halten." Ihre Augen bekamen ein sinnierendes Glänzen, als sie Hinrich länger betrachtete, wie er da im Türrahmen stand und zu ihr sah. "Setz dich doch..", fand sie endlich wieder Worte und mochte immernoch kaum glauben, daß er ebenso noch immer hier war, sich so wenig verändert hatte - außer, erwachsen geworden zu sein. Und irgendwie auch nicht. "Muß ich Frau Mutter eigentlich glauben, daß du noch immer die Kuchen von der Fensterbank klaust?"
"Oh und wie!", mischte sich Ursel halb schimpfend, halb gutmütig belustigt ein, "Ich weiß schon manchmal gar nicht mehr, für wen ich backe: für die Lady oder für die Kinderschar vom ganzen Ort."
Darna lachte herzlich auf. "Kuchen muß man teilen", erwiderte Hinrich nachdrücklich, "ansonsten hat das gar keinen Sinn und macht keinen Spaß. Ich musste mir wohl oder übel Ersatz suchen. Nur hab ich dafür noch immer kein Holzschwert bekommen, ich werd wohl mein Lebtag nicht mehr selber mal ein strahlender Ritter..." Darna grinste und zog schuldbewusst den Kopf tiefer. Herrje, ihr altes Gefeilsche darum, wer als nächster die begehrte Waffe eine Weile haben durfte...
Eine gemütliches Schwätzchen entspann sich, während dem weiter emsige Geschäftigkeit herrschte. Als Darna unterstellt wurde, daß sie doch sicher so gründlich umsorgt werde, daß sie gar nicht selber sich zu ernähren wüsste, schnappte sie sich Gemüse und Messer und stellte schnell unter Beweis, daß dem nicht so war. Grinsend hielt sich Hinrich zurück, als Rezepte und Tipps anfingen, hin und her zu wechseln. Schließlich landete dann auch von diesem und jenem eine Kostprobe auf dem Teller...
Als Siglinde die Küche betrat, um sich zu vergewissern, wo Darna abgeblieben war, musste sich ihr ein etwas kurioses Bild bieten: Darna saß inmitten der Runde, und vor ihr auf dem Tisch standen diverse kleinere Teller mit den Resten der Kostproben. Ein Rest von ihrem Rührei, das kalt geworden war, ein Stück gebratene hausgemachte Wurst, ein Stückchen Brot mit Marmelade, zwei verschiedene Soßen und...
Siglinde blinzelte. Das war doch nicht...? "Hast du etwa Sauerkraut gegessen?"
Darna stand aus Reflex kurz respektvoll auf wie auch die anderen Sitzenden, sah dann aber auf den besagten Teller und nickte: "Ja, Frau Mutter, ich habe mich zwar selber gewundert, aber es roch einfach erstaunlich lecker und schmeckte auch. Scheinbar hat sich hierin doch mein Geschmack wieder geändert."
Etwas, das Siglinde erst sacken lassen musste. Darna hatte, so lange sie sich erinnern konnte, Sauerkraut verabscheut wie nichts. "Nun ja, sowas soll vorkommen...", erwiderte sie schließlich vage und erklärte den offiziellen Grund ihres Hierseins: "Ich hörte, du hattest dir vorgenommen, eine Nachricht an deine Knappin zu schicken - ein Bote dafür ist gefunden."
"Oh. Ja. Danke, Frau Mutter." Doch schon wieder Zeit, einigen Pflichten nachzukommen. Sie blinzelte Hinrich noch freundlich zu und verschwand für's Essen dankend zurück ins Haupthaus. Siglinde ließ ihr etwas Vorsprung. "Ursel? Was hat Darna denn hier alles probiert?
Erbspürree..? Und Marmelade."
Was Hinrich dann hörte, ließ ihn doch die Stirn krausen. Holla, er hatte nicht gedacht, daß Siglinde überhaupt fähig wäre, ihre eigene Tochter zum Opfer eines mütterlichen Komplotts zu machen. Und was sie da plante, klang wirklich widerwärtig. Ob er sie warnen... sollte...? Er setzte sich rasch wieder gerade hin und zog eine arglose Miene, als Ursel und die Lady zu ihm sahen. Nein. Oh nein, da würde er sich schön raus halten. Schließlich war Darna nur zu Besuch hier, er aber musste mit den beiden noch eine ganze Weile auskommen. Eines nur stand fest: DIESEN Kuchen würde er nicht von der Fensterbank klauen.
Der Rest des Tages verflog schnell mit diesem und jenem - bis abends dann Viola an die Tür klopfte.
Verfasst: Donnerstag 19. November 2009, 19:19
von Hudgarr Stolzenfels
Hudgarr blieb wie ein Schatten bei Darna, während sie am Beten war und auch in der Küche später blieb er in ihrer Nähe und wachte über sie. Adrian war sicher unter Cyrion`s Schutz. Später stand er wie gewohnt vor der Tür von Darna und Adrian. Viola war noch zu einem Plausch eingetroffen. Nach kurzer Zeit verliessen Viola und kurz darauf Darna das Zimmer und konnten eben noch Adrian ausweichen, der in diesem Augenblick zurück kam. Darna folgte ihr auf den Fuße und Adrian blickte beiden kurz mit erhobener Braue hinterher, begab sich dann jedoch ins Zimmer. Darna hatte allem Anschein nach noch etwas mit Viola zu besprechen und kehrte nach einiger Zeit zum Zimmer zurück. Sie fragte Hudgarr was ihn bedrückt hätte am heutigen Mittag und ob er nicht ins Zimmer kommen wolle, dann könnte es geklärt werden. Hudgarr begleitete sie ins Zimmer und fragte als erstes ob es ihnen recht sei, wenn er offen spreche, über ein recht privates Thema.
"Sicher Hudgarr, was gibt es?", fragte sie und bot Hudgarr Platz auf dem noch freien der zwei Stühle im Zimmer an, während sie sich auf die Bettkante setzte. Es war tatsächlich alles wie zuhause, musste sie innerlich halb schmunzeln; ein Gespräch nach dem anderen über irgendwelche Sorgen, Nöte, Probleme, Streitereien, Fragen. Adrian nahm für den Augenblick lieber am Tisch Platz, bevor die Sitzkonstellation Hudgarr in Verlegenheit bringen mochte, sollte er sich in diesem Augenblick neben Darna setzen. Ein fragender Blick seinerseits wanderte kurz gen Darna und anschließend gen Hudgarr.
"Dürfte ich erfahren, welchem Thema dieses dienlich ist? "Es geht um euer beider Gespräch heute Mittag, es war nicht zu überhören. Ich wusste nicht das diese Reise dazu dienen soll, euren Sohn in anderweitige Obhut zu geben."
Darna schwieg dazu zunächst und schien Adrian die Antwort darauf überlassen zu wollen. Lediglich die Mimik hatte sich eine Spur verhärtet und drückte so die Nichtbegeisterung darüber aus, das Thema ein weiteres Mal auf dem Tisch zu haben.
"Es ist keine Überraschung, dass euch dies nicht bekannt ist, Hudgarr. Wir haben dies aus gutem Grund privat gehalten, würden wir den Jungen und jene, die ihn für diese Zeit aufnehmen, in Gefahr bringen. Daher erwarte ich auch, dass dieses Thema nicht weiter ausgebreitet wird."
„Euer Hoheit, ich bin kein Tratschweib, welches gedenkt all eure Geheimnissee offenzulegen.“ Adrian und Darna mochten Hudgarr ansehen das er überrascht war, für so Vertrauens unwürdig gehalten zu werden. Mit Bedacht versuchte er die nächste Frage zu formulieren.
„Ich frage mich nur, warum ihr euren Sohn weg gebt, in der Zeit seiner Entwicklung, wo er seine Eltern am dringendsten braucht?“ Hudgarr schaute beide fragend an.
Erneut lag Ernüchterung in Darna’s Miene, und nun antwortete sie doch: "Er braucht in dieser Zeit nicht seine _Eltern_ am dringendsten, Hudgarr, sondern einen fürsorglichen Menschen, der seine Versorgung gewährleistet. Diese suchen wir woanders, weil auf Gerimor die Gefahr des Verrats einfach zu hoch ist. Und die Gefahr einer Entführung." Adrian zuckte kaum merklich bei dieser Ausführung Darna's zusammen. Er ahnte, dass dieser Satz für Hudgarr vollkommen unverständlich sein musste, gar ein Weltbild ins Wanken brachte. Hastig setzte er nach: "Was sie sagen möchte ist, dass wir auf Gerimor Pflichten haben, die es uns nicht möglich machen, rund um die Uhr an seinem Bett zu stehen. Es bräuchte eine Amme, doch derlei verlässliche Personen auf Gerimor zu finden, welche die Fähigkeiten besitzen, die hierfür nötig sind ohne in die Versuchung des Verrats zu geraten, gestaltet sich als eine nicht einfache bis gar unmögliche Aufgabe."
Ihr meint er sei anderorts sicherer, wo er bei weitem nicht von so fähigen Personen beschützt würde wie zuhause? Zuhause, wo zwei der besten Krieger des Reiches seine Eltern sind, ein Leibwächter mit tierischer Unterstützung, ein Rafael der eine ganze Gilde hinter sich weiß, und ein dummer Hauptmann A.D., die alle für sein Wohl sorgen. Es würde ihm besser gehen als abgeschoben zu werden, zu einer ihm fremden Person, mag sie noch so liebevoll sein.
Darna konnte sich eines bitteren Lachens auf diese Worte hin nicht ganz erwehren, auch wenn ihr klar war, wie abfällig das gerade wirken musste. Sie schüttelte den Kopf. "Ja Hudgarr. Er wird dort sicherer sein. Weil letztlich niemand, und schon gar kein Feind dort überhaupt von ihm wissen wird, um wen es sich bei ihm überhaupt handelt. Er wird sicherer sein, weil sich Rahal oder sonstiger Abschaum nicht um seinen Aufenthaltsort wissend die Finger danach lecken können wird, den Cousin des Königs und Sohn einer Paladin in die Finger zu bekommen. Durch eine List oder ein Massaker. Sie werden ihn nicht kriegen, wie sie Rehya gekriegt haben, wie sie Andrey gekriegt haben, oder Adrian..." Ihr Blick wurde während der Worte immer eisiger. "Sie werden ihn nicht kriegen, wenn er sich noch in einem hervorragenden Alter befindet, um sich nicht einmal begreifend daran zu erinnern, wer seine wirklichen Eltern sind, denn um Illusionen über Lösegeldforderungen geht es hier schließlich auch nicht... sondern darum, zu verhindern, daß Feinde ihn kriegen, selber gut verstecken und nach ihren Lehren großziehen, ohne daß ihm seine wahre Herkunft überhaupt klar wäre. Das erfährt er dann erst, wenn er ein braver Ahad oder etwas anderes passendes ist." Zuletzt knurrte sie fast.
Ein besorgter Blick Adrian's lag auf Darna, während er durchatmete und sich kurz die Schläfen rieb. Er erhob sich von seinem Platz am Tisch, ging einige Schritte auf und ab und nahm nun doch neben Darna Platz, seine Hand auf ihren Arm legend, sei es nur als bemühte Geste, sie wieder etwas zur Ruhe zu bringen. "Ihr seht Hudgarr", setzte er hiernach bemüht ruhigen Tones fort, "wir haben unsere Gründe und wir haben, dies sei euch versichert, diesen Schritt mehr als einmal durchgesprochen und ihn sehr gründlich überdacht."
„Ihr glaubt wirklich er wäre vor wesen wie Kratories oder Akorietern sicher, welche sich der Macht und des Wissens ihrer Götter bedienen?“ Das Wort Götter spricht er mit einem missbilligenden unterton aus. „ Sollten sie ihn finden, und mit deren Hilfe werden sie dies, ist niemand da der ihn so beschützen kann wie ihr, niemand.
Ich weiß genau das Gerimor nicht der sicherste Platz ist, aber bei einem Kind wie dem euren, gibt es keinen solchen. Für ihn ist und bleibt der sicherste Ort an eurer Seite, auch wenn dies hieße er würde mehr zeit mit Luca verbringen, das wäre der einzige Vorteil, das er sicher vor Luca wäre.
Auch wenn sie diese Äußerung zum schmunzeln anregte, schüttelte sie den Kopf, während Adrian merklich ein Hüsteln unterdrückte und scheinbar nachdenklich lauschend gen Tür blickte. "Dieser Sorge kann ich wenigstens ruhigen Gewissens widersprechen, Hudgarr. Die Götter sind nicht allwissend, und auch mit Magie wird es nicht möglich sein, seinen Aufenthaltsort herauszufinden, solange sie nicht wesentliche Dinge dafür von ihm haben, von denen ich noch gewährleisten kann, daß dem nicht so ist." Sie schwieg einen Moment nachdenklich. "Er ist dort nicht völlig ungeschützt, aber im wesentlichen wird das Problem schon an der Wurzel gepackt. Und deswegen auch die Schweigsamkeit darüber. Es geht nicht um Vertrauen, es geht schon um die Zahl der Wissenden." Ein weiteres Kopfschütteln, sie bemühte sich, Hudgarrs Blick offen zu suchen. "Hudgarr, ich kenne inzwischen ihre Methoden. Ich muß mich eher wundern, daß Ihr das so anders einschätzt. Wir können über Monate hinweg versuchen, uns gegen unsichtbare Feinde zu wehren, die dann zuschlagen werden, wenn wir mal gerade auch nur zum Blinzeln die Augen schließen werden, oder wir schaffen ihn aus dem allen raus. Ganz raus. So lange es geht - so lange, bis die Zeit kommt, wo er lernen soll und auch fähig ist, zu lernen was er ist, wer er ist und was er wissen muß. Das ist unsere Pflicht, und die werden wir auch wahrnehmen."
"Es liegt gewiss nicht in unserem Willen, uns für ihn zu Fremden zu machen", setzte Adrian leise nach, "sonst würden wir ihn vermutlich tatsächlich fortschicken mit einem Schreiben in seiner Windeltasche, er möge mit 20 einmal an unsere Tür klopfen und sich seinen Eltern vorstellen, wie er geraten sei." Ein kurzer Ruck ging durch Adrian, als Darna's Ellenbogen ihn einmal mehr, die Wahl seiner Worte mit Ermahnung belegte. "Wir wissen um euer aller Bemühen, den Jungen zu schützen und hierfür sind wir ohne Zweifel auch dankbar. Dieser Schutz wird zu gegebener Zeit auch sehr von Nöten sein. Und doch, bis er imstande ist, die Erziehung um seine Stellung und seine Bedeutung anzunehmen, ist dies alles der bessere und sicherere Weg, so schwer der Schritt auch fällt, seine Gegenwart wird natürlich fehlen, und vermutlich sind die Gedanken, ständig bei ihm, wenn er erst einmal fort ist."
Meine Tochter wurde 7 Jahre alt, wir mussten vorsichtsmaßnahem treffen, da Luzcilla sie nur zu gerne in ihre klauen bekommen hätte aber wir haben es geschafft, und nun muss ich es alleine schaffen aber ich denke ich mache es recht gut und sie ist sicher. Ihr solltet ihn zu euch zurück holen, sobald er alt genug ist zu verstehen das er Verschwindetränke nutzen soll wenn Gefahr droht, lasst die zeit nicht zulange werden und besucht ihn so oft wie nur möglich. Die Gefahr das er sich verlassen fühlt von euch , oder gar unerwünscht ist größer als alles andere und kann mehr schaden anrichten. Er sieht beide mit besorgtem Blick an. „wenn sein Herz und verstand durch solch Gefühle angegriffen sind, ist es für böse Mächte ein leichtes ihn zu missbrauchen für ihre Zwecke.
Darna seufzte und überließ es Adrian, zu antworten. Wenn er auch noch sich nun aufführte, als solle Aaryon fort bleiben, bis er zehn oder noch älter wäre, dann sollten sie selber zusehen... mrm. Sie schluckte den Rest der Gedanken runter. "Ihn zu besuchen, wird nicht möglich sein, soweit sind Darna und ich uns einig. Es würde das Risiko erhöhen, auf die Spur seines Verbleibs zu führen. Wir haben allerdings nicht vor ihn derart lang fortzugeben, dass solches Gedankengut tatsächlich in ihm aufkommen müsste. Einzig ein bis bestenfalls zwei Jahre, eben lang genug, dass er laufen und sprechen kann und bereit ist, Erziehung entsprechend wahr- und aufzunehmen. Nichts läge uns ferner als ihm das Gefühl zu geben, wir wollten ihn nicht bei uns."
Gestern hörte es sich mehr danach an als solle er erst als fertiger Ritter zurück kommen zu euch, sagte Hudgarr offen zu Darna gewand.
Sie schloß die Augen und legte die Hand vor's Gesicht. "Nein", erklang es dahinter dumpf. "Die Möglichkeit gibt's nicht mal." Was eine schlichte Feststellung war, schließlich hatte "ihr Helfer" dergleichen gleich strikt abgelehnt, hatte auch nie zur Diskussion gestanden... Dass man das nun auch noch falsch verstehen konnte, daran dachte sie gerade nicht. "Hudgarr ihr solltet mich lang genug kennen, um zu wissen, dass mein Zynismus manchmal mit mir davongaloppiert. Es war nie geplant ihn für derart lange Zeit fortzugeben, wie ihr euch offenbar gestern hattet zusammenreimen müssen. Dennoch danke für eure Fürsorge um Aaryon."
Es geht mir nicht nur um Aaryon, auch um euch beide geht es mir. Ich durfte miterleben wie meine Nichte Adoran verraten hat und Rahal in die Arme gelaufen ist, es war sehr schwer für mich.
Sie ist nur meine Nichte gewesen, wenn dies mit Fleur passieren würde, damit würde ich nicht zureckt kommen, und ich denke ihr auch nicht wenn Aaryon dies tun würde.
Darna nickte allgemein zu Hudgarr`s Worten. Eigene Kommentare dazu fehlten im Moment, die Miene wurde nur schwerer deutbar undurchdringlich, der Blick eine Spur düsterer, dumpfer. Selbst Adrians Blick flammte in diesem Augenblick zornig auf. "Über eure Nichte", die Worte klangen schon annähernd ausgespieen, "verlieren wir besser nicht zu viele Worte." Kurz verstummte Adrian, sich offensichtlich sammelnd und nun selbst nach Worten suchend. "Ich will hoffen, dass Aaryon...," erneut folgte eine kurze Pause, man mochte vermuten er schluckte soeben einige bissige Worte herunter, bevor er fortfuhr, "genug Verstand haben wird, sich nicht Rahal in den Rachen zu werfen, entgegen aller Erziehung, die wir ihm zukommen lassen werden." Adrians Mimik liess beinah befürchten, dass er sich zusammenriss, nicht vor Wut am nächstliegendsten Bettpfosten zu nagen.
"Meine ach so liebe Nichte ist eine Irre machtgierige verrückte gewesen, und sicher wird Aaryon dies niemals sein, schon weil er euch als Eltern hat. Aber ihr beide wisst wie diese Rahaler Priester und Akorither Leuten die Köpfe verdrehen können. Ich wollte damit nur sagen das er eine starke Persönlichkeit braucht. Und ich denke wenn ihr sein Fortsein möglichst kurz haltet wird er dies sicher entwickeln." Man konnte nur grob erahnen, was Adrian nun leise von sich gab: "Selbst die stärkste Persönlichkeit reicht manchmal nicht."
Darna liess ein Nicken erkennen. "Ist gut, Hudgarr", meinte sie leise, sah durch den Raum. "Ist denn... die Angelegenheit aber damit nun geklärt?"
Hudgarr nickte nur und meinte das alles von seiner Seite gesagt sei und geklärt.
Er stand auf, wünschte beiden eine angenehme Nachtruhe und begab sich wieder auf Posten.
Verfasst: Dienstag 24. November 2009, 21:17
von Viola Ser´Rhal
Viola ließ sich auf ihr Bett fallen, ein zufriedenes Seufzen entglitt ihren Lippen, der Abend war „gerettet“ … oder vielleicht sogar mehr als nur der Abend? Darna war ihr gefolgt, sie hatte mit Viola gesprochen, auch wenn die Anfänge etwas mehr als holprig waren und die „Hexenhütte“ erst einmal als Anstoß zu einem halbwegs normalen Gespräch genommen werden musste. Doch letztendlich hatten die beiden Frauen sich ausgesprochen, sie hatten ihre jeweiligen Sichtweisen dargelegt; Darna wieso sie so reagiert hatte, wie sie reagiert hatte, und Viola wieso sie nicht zufrieden mit Darnas erster Reaktion gewesen war. Natürlich konnte Viola verstehen, dass ihre Prügelei nicht richtig war, aber Darnas Worte waren es letztendlich, die sie das Bild komplett hatten sehen lassen. Ihr war im ersten Moment nicht einmal in den Sinn gekommen, dass die Menschen die sie von außen betrachteten, gar nicht gewusst haben konnten, weswegen sie zuschlug oder dass sie dem Kerl in der Taverne nicht umbringen wollte … und auch wenn Viola einen feuchten Dreck auf das gab, was andere über sie dachten, so war sie am Ende doch eine Art Repräsentant für Adrians und Darnas Namen … und deswegen war ihr kleiner Wutausbruch nicht gerade das Klügste.
Das Eis war jedoch spätestens von dem Zeitpunkt gebrochen, an dem selbst Darna Verständnis für Violas Reaktion zeigte und ihr versicherte, dass sie die Reaktion der jungen Frau nachvollziehen konnte. Während dieses Gesprächs schien wieder alles beim Alten zu sein und Viola betrachtete die Ältere, die für sie eine lange Zeit insgeheim ein Mutterersatz geworden war, wieder so wie sie es die ganze Zeit vor diesem Vorfall getan hatte: Als Freundin.
Sie hatten lange geredet, lange geschmunzelt und später über belanglose Dinge geplaudert, bis die Müdigkeit beide in ihre Betten rief, Darna verließ die Gesindestube, in welcher Viola und sie geredet hatten, und Viola legte sich hin um zu schlafen und diesen Schlaf würde sie auch brauchen, denn ein Fest stand vor den Türen und Feste bedeuteten immer eine Menge Spaß ...
Verfasst: Freitag 27. November 2009, 17:20
von Adrian von Hohenfels
Schweigend hatte er inne gehalten am Schrein, stumm dem Gebet Darna folgend. Treue und Respekt, wie angemessen an Temora zollend. Und doch schwieg er, schwieg wie bereits seit Jahren. Folgte still den Gebeten. So wie es seine Pflicht war, der Herrin seine Treue zu beweisen. Nur die eigenen Worte, Gebete.. er behielt sie im Geist, sprach sie nicht aus.
Als er Luca am Ende des Flures mit der bereit gestellten Ausrüstung erblickte, hatte er sich schließlich leise zurückgezogen, um seine Zusage gegenüber dem Jungen einzuhalten. Er hatte es oft genug hinausgeschoben. Er wollte ihn nicht erneut vertrösten. Rund um das Herrenhaus, war an diesem Tag genug Aufregung gewesen. So begab er sich mit Luca ein wenig abseits, um die Menschen hier nicht erneut von ihrer Arbeit abzulenken oder in irgendeiner Weise störend zu wirken.
Kaum, dass sie die Übungsrüstung übergezogen hatten und die Übungswaffen bereithielten, erhob er das Wort: "Das erste und wichtigste ist ein fester Stand. Jeder wird dich umstoßen und besiegen, wenn du nicht lernst fest auf deinen Beinen zu stehen im Kampf und doch beweglich genug zu bleiben, auf die Aktionen deines Gegenübers sofort zu reagieren. Du musst ihn im Auge behalten, abschätzen und erkennen, was er als nächstes plant um gut reagieren zu können... Nimm Aufstellung wie du es bei Darna und Veltin gesehen hast und gewiss so einige male vorher."
Prüfend umrundete er den in bemühter Kampfposition bereitstehenden Luca und gab ihm dann einen überraschenden Rempler von der Seite, keine unfaire Kraft in den Stoß legend, aber doch überraschend genug, um seine Standfestigkeit zu prüfen. Durchaus zufrieden gestellt, musste er anerkennen, dass Luca sich derart leicht gewiss nicht umwerfen ließ. So manchem konnte man die Worte um einen festen Stand mehrfach predigen, bevor sie auch fruchteten.
„Sehr schön, damit brauchen wir also nicht mehr anzufangen. Sehen wir doch einmal, welche Techniken du möglicherweise schon anderen Ortes aufgegriffen haben magst, bevor wir näher auf Verbesserungswürdiges eingehen.“ Nochmals umkreiste er Luca, bevor er überging ihn mit schwungvoll geführten Hieben anzugehen und leicht rückwärts zu treiben. Luca’s „Überraschung“, so man von einer solchen überhaupt ausgehen konnte, währte nicht sehr lang. Was nun folgte, vermochte man als interessant bis teilweise amüsant zu erachten. Wie ein Wiesel flitzte Luca von links nach rechts und wieder auf ihn ein.
Ihn im Auge behaltend, wehrte er die zeitweise ungewöhnlich anmutenden Hiebe des Jungen ab, die irgendwo zwischen dem Übergang von wirrem Gefuchtel und tatsächlicher Technik lagen. Deutlich war sein „Kampfstil“ darauf ausgelegt, Schwachstellen zu finden, nicht bemerkend, wie viele er hierbei selbst lieferte, ohne dass Adrian es ausnutzte. Es wäre kein Kampftraining, sondern einfach schlichte Frustration gewesen, hätte er ihm diese alle jetzt und hier mit Erfahrung vorgeführt. Was hätte er davon lernen sollen, außer dass er gemein sein konnte? Derlei hätte man in einem ernsthaften Kampf vorführen können, nicht jedoch hier. Zumindest konnte man Luca eine gewisse Kraft nicht abstreiten. Wenn er jedoch weiter so herum flitzte, würde ihm dies nicht ewig helfen. Eine derartige Kampfstrategie würde ihn viel zu schnell auslaugen.
Er führte dieses Hin und Her noch einige Minuten weiter, während Luca sich mit seinen flinken Angriffen, während deren er umher flitzte, sich stets mehr und mehr auszulaugen drohte, führte er wenige Gegenattacken, ließ Luca gewähren, ließ ihm auch mehrfach die Freude, ihm offensichtliche Schwachstellen zu offenbaren, die der Junge flink und mit Schläue zu nutzen wusste. Möglicherweise glaubte er tatsächlich den alten Mann in die Enge zu treiben. Gar offenbarte er scheinbare Unaufmerksamkeit, auf einen der zahlreichen Ablenkungsversuche Luca‘s, indem dieser warnend hinter ihn starrte oder Sir Allerich begrüßte und ließ auch Luca hier zunächst seinen Triumph. Hätte Luca das Zucken in Adrian’s Mundwinkeln gesehen, wäre er möglicherweise nicht derart hochjauchzender Stimmung. Kleine Sticheleien Luca’s überhörte er amüsiert. Es machte dem Jungen Spaß und er konnte nicht umhin, die Flinkheit und Gelehrsamkeit Luca’s gefielen ihm. Dennoch, er musste mehr Zeit in das Erlernen von wahrer Schwerttechnik erbringen, soviel war zu erkennen.
Zeit dem Jungen zumindest eine Lektion zu erteilen. Der nächste flinke Angriff des Jungen, auf eine scheinbare Schwachstelle in der Verteidigung Adrians, wurde mit einem Ausfallschritt, und einem flinken Schwertstreich beantwortet, der den Jungen schlicht entwaffnete, gefolgt von zwei Finten, die den Jungen dennoch zurücktrieben, bevor er innehielt. „Nimm dein Schwert auf Luca. Der Kampf war.. interessant, und zweifellos ist an dir ein hüpfendes Böckchen verloren gegangen. Das Problem dabei ist, dass ausgewachsene Böcke Zeit, Erfahrung und Ruhe haben, abzuwarten und zum rechten Zeitpunkt gezielt zuzustoßen wissen, nachdem das Böckchen sich mit seinem Gehüpfe genug verausgabt hat. Dennoch, ich habe den Eindruck, du wirst ein fähiger Kämpfer, wenn du mehr Technik verinnerlicht hast und hierauf aufbauend deinen ganz eigenen Stil zu entwickeln weißt.“
„Fangen wir mit der Verinnerlichung von Techniken also an.“ Während er Luca anwies, einfach zuzusehen, präsentierte er ihm Positionen, Hieb-, Stich und Abwehrtechniken, die ein jeder Knappe in Ausbildung immer und immer wieder verinnerlichend ausführen musste, vor dem geschulten Auge seines Ritters während er sich stetig Kritik um Kritik anzuhören hatte. „Komm stell dich jetzt neben mich. Gehen wir die Abläufe gemeinsam durch, du solltest dir diese Techniken verinnerlichen und sie immer und stets von neuem täglich üben. Sie sind der Beginn, der aus dir gewiss einen guten Schwertkämpfer formen wird.“
Ganze zwei Stunden, gingen sie gemeinsam stets aufs neue gemeinsam die Bewegungsabläufe durch und er bemühte sich, etwaige Fehler, die stets vorkamen auszubessern und Luca die korrekte Schwertführung nochmals vorzuführen. Es war unübersehbar, dass der Junge Spaß hieran hatte und sein Durchhaltevermögen schien nicht enden zu wollen. Er sah, dass es täuschte, Luca war erschöpft, Atemlosigkeit lag in seinen Worten, während er Adrian über Sir Geofrey von Weidenhain ausfragte, der neben ihm auch später Rafael als Knappe angenommen und beide gemeinsam ausgebildet hatte. Es machte den Eindruck, er wollte trotz seiner deutlichen Erschöpfung jeden Moment ausnutzen und strecken, als wäre er morgen aus der Welt, und sich keine weitere Gelegenheit dieser Art bieten. „Luca, es gereicht für heute, wir werden dieses Training nicht fortführen, bis ich dich zum Haus zurück tragen muss“
„Ach Pah!“ Adrian musste auflachen, als hätte er nicht um diese Reaktion gewusst. Und ebenso wusste er stets diese Reaktion aus Luca heraus zu kitzeln. Schon sprang dieser in Angriffsposition, um dem alten Mann zu beweisen, dass er ja noch viel länger durchhalten würde. „Lass es gut sein Luca. Ich weiß natürlich, dass du das noch die ganze Nacht durchstehen würdest und ja nur ich gewiss eine Pause brauche.“ Schmunzelnd trat er dem Jungen entgegen. Dies wird nicht unser letztes gemeinsames Training sein und das nächste ebenso gewiss, nicht Wochen auf sich warten lassen. Du kannst uns beiden also etwas Erholung gönnen. Gehen wir zurück, es dürfte bald Zeit für das nächste Mahl sein. Morgen ist auch noch ein Tag.“ Gut gelaunt fand man sich schließlich am Haus wieder ein.
Verfasst: Freitag 27. November 2009, 17:50
von Adrian von Hohenfels
Später am Abend, folgend auf das Gespräch mit Hudgarr:
Als Hudgarr draußen war, gab sie dem ersten Impuls nach und nutzte die Ruhe, um sich an Adrian anzulehnen.
Behutsam legte er den Arm um sie, ließ den Blick kurz durchs Zimmer schweifen... beruhigend dass Aaryon ihnen jetzt , wohlbehalten in der Obhut der Familie, einmal eine Ruhepause von Windeln und Milchjagd gab. Ein gehauchter Kuss landete auf ihrem Haar und er schmunzelte während er sich vorstellte ihre Haare "zu bearbeiten" kurz bevor Sir Allerich zufällig hereinkam..
Derweil gingen durch Darna‘s Kopf ganz andere Dinge: Es würde gleich wohl noch Abendbrot geben, danach war vielleicht ein bißchen Zeit für das ein oder andere Gespräch mit der Familie, ehe sie sich noch den bereitliegenden Papieren widmen würde, auf denen diverse Projekte aufgelistet waren, die man im Lehen in Angriff nehmen konnte und aus denen sie eine Auswahl würde treffen müssen. Naja. Später.
"Sag mal...", setzte sie gemächlich und nachdenklich an, dann leiser werden, die Stimme ein wenig besorgt, "liegt dir eigentlich irgendwas belastend auf dem Herzen?"
Er hob eine Braue. "Was soll mir auf dem Herzen liegen?"
Sie hab angedeutet die Schultern. "Ich hatte vorhin beim Gedenken den Eindruck, du hättest zwar... still Anteil genommen, aber mir fiel irgendwie auf, daß ich schon lange eigentlich nie beobachte, daß du... selber wirklich beten würdest."
Forschend, doch auch etwas unsicher sah sie an. Benahm sie sich nun auch schon wie einer dieser übereifrigen Missionare, die nur darauf achteten, ob die Leute laut dabei redeten oder wenigstens überzeugend murmelten?
"Oh... das.. ", es klang ausweichend und er erhob sich, ging einige Schritte auf und ab. "Nichts worüber du dir Gedanken machen solltest, denke.. ich."
Mir gekrauster Stirn sah sie ihm hinterher. "Dann irre ich?"
Eine viel zu lange Stille trat ein, die allein schon die Antwort lieferte, während er offensichtlich nach einer passenden solchen suchte. "Ich zolle ihr den angemessenen Respekt und bin der Herrin treu." Eine deutlich ausweichend gewählte Antwort, eines geschulten Diplomaten, der suchte , mit vielen Worten nichts zu sagen.
Und eine entsprechend gekrauste Stirn bekam er auch als Reaktion. Kurzes Schweigen, ehe sie sich hörbar um einen versöhnlichen, fürsorglichen Ton bemühte: "Adrian, ich will dir nichts aufzwingen und bin auch kein Inquisitor oder fanatischer Kerl, der über sowas eine Gardinenpredigt hält, aber... vielleicht... gibt es ein Problem, bei dem ich auch helfen könnte? So ganz zufällig?"
Er atmete tief durch und entgegnete dann etwas leiser: "Das versuchst du doch schon seit Jahren, und doch ist die Wahrheit eben, dass diese Schuld eben habe, und ich mache daraus, was mir eben noch zusteht."
Nun wanderte ihre rechte Braue nach oben. "Zusteht?", wiederholte sie irritiert, "Warum, was machst du denn daraus?"
„Ich.. zolle der Herrin den angemessenen Respekt, und Treue.. ich belästige sie nicht.“
Zunehmende Verwirrung. "Belästigen? Und womit solltest du sie.. belästigen?" Ein Teil ihrer Mimik entgleiste, als sich eine Idee dazu aufdrängte. "Sag nicht, du glaubst, du 'darfst' nicht zu ihr beten... weil... du dessen nicht wert wärst", das "...oder so ein Quatsch" ließ sie weg.
Sein Blick ruckte zu ihr herum, und ob er es nun wollte oder nicht, er lieferte damit wohl sogleich die Antwort, wie treffend ihre Bemerkung war. Sogleich blickte er wieder fort und ging wortlos zum Fenster.
Sie atmete tief durch und warf einen Blick Richtung Zimmerdecke. "Adrian...? ... Das ist Unfug", sagte sie dann sachter, aber bestimmt. "Schlimmer noch, das ist... genau falsch herum."
Sie konnte sehen wie seine Haltung sich anspannte bevor er beinah zu leise weitersprach und sie sich schon konzentrieren musste um es zu verstehen. Machte er grad den Eindruck eines beschämten Kindes? Unsinn,.. oder war es das doch? "Sie hat mir Kraft gegeben, in all diesen Tagen in Gefangenschaft, und ich dankte es ihr mit Verrat. Wer bin ich sie mit meinen Worten zu belästigen?"
Sie nahm die Worte auf, blinzelte und erhob sich dann leise, um hinter ihn zu treten und ihm die Hand auf die Schulter zu legen. "Es gibt nichts, womit du sie belästigen kannst", sprach sie ihm leise und ruhig zu. "Sie mag nicht allem nachkommen können, jeder kleinen Bitte, die die Menschen tagtäglich haben, sie ist nicht überall, nicht allmächtig...
Aber einen Teil ihrer Kraft gewinnt sie daraus, wie nahe die Menschen ihr sein wollen, ihr und dem, wofür sie steht. Sie weist niemanden zurück... sondern es sind die Menschen, die sie meiden, aus was für Gründen auch immer. Dein Weg zurück liegt darin, dich ihr auch so sehr anzuvertrauen, wie sie in dich vertrauen können soll. Und sie hätte gar mehr als das verdient. Ihr liegt nichts daran, sich darüber bewusst zu sein, daß du dich beschämt von ihr fern hieltest - was soll sie daraus gewinnen?"
Einige Momente trat wieder Schweigen ein, bevor er erneut leise entgegnete: "Ich will und werde mich nicht von ihr fernhalten, ich gebe ihr allen Dank den ich ihr schulde. Das ändert nichts daran, dass ich ein Verräter bin der nicht erkannte, wo er betrogen wird und eine guten Mann schuldig ist. Du dürftest das kaum vergessen haben. Meine Worte müssten vor ihr wie Hohn und Belästigung klingen, und ich möchte mich nicht fragen, mit welchem Recht, ich erhoffe, dass sie diese überhaupt zu hören wünscht.“
Sie atmete aus und wischte sich übers Gesicht. "Und du meinst nicht, daß du die _Entscheidung_ darüber, was du wert wärst und was nicht... was du ihr erzählen und worum du sie bitten kannst und um was nicht... ihr lieber selber überlassen solltest?"
Sie holte nochmal Luft und schluckte, die nächsten Worte kosteten Überwindung: "Ich meine... auch wenn du das vermutlich nicht gerne als wahr akzeptieren möchtest, aber Andrey hatte sogar noch schlimmere Dinge begangen als das... Und auch ihm hat sie verziehen. Viel weitgreifender, als du dir vorstellen kannst, hat sie ihm auch bewiesen, daß er vor ihren Augen wieder jegliche Achtung fand. Nur dafür musste er überhaupt erstmal wieder... zu ihr kommen. Und diese Vorwürfe an sich selbst aufgeben."
Ein Zusammenzucken seinerseits mochte erahnen lassen, dass der Name Andrey saß, als hätte sie ihm grad Pfeffer in die Augen geblasen.. Verstockt starrte er dann jedoch weiter ins Leere und entgegnete nur leise:"Ich will mir aber nicht verzeihen, dass ich ihn auslieferte, dass ich derart schwach war.. ein Verräter bin..“
"Das versteh ich schon...", kam es womöglich überraschend tröstlich und gütig zurück und sie streichelte sacht mit ihren Fingerrücken seinen Hals längs, "Aber lass dabei Temora aus dem Spiel - denn sie wird das gewiss anders sehen. Du strafst dich genauso wie sie für etwas, das sie dir sicher gern verzeihen würde, aber das lässt du nicht zu... Ich könnte jetzt fragen, warum, und was sie dir getan hat, denn verdient hat sie dieses mangelnde Vertrauen in dich selbst und in sie sicher nicht."
Leiser fügte sie an: "Wär ich sie, es täte mir weh, daß du dich nicht näher traust und ich würd dich vermissen."
Er schloss die Augen für einen Moment, bevor er sich zu ihr umwandte und die Arme um sie legte. Erneut klangen seine Worte leise: "Ich habe kein Mangel an Vertrauen in sie.. und das solltest du eigentlich wissen. Ich habe einzig erkennen müssen, dass ich ihr Vertrauen in mich, ... mit Enttäuschung füllte."
Die Geste erwidernd schob sie die Arme um ihn und atmete tief durch, deutete ein Kopfschütteln an seinem Kopf spürbar an. "Ich kann nur wiederholen: _sie_ kann das verzeihen... und es wäre eigentlich schön, wenn du das irgendwann auch kannst. Und es sie nicht auf diese Weise spüren lässt, denn es macht einfach keinen Sinn."
Er atmete tief durch... 'Worte klingen so einfach, aber das macht das vergeben nicht leichter.. Lass mir einfach Zeit, ja ich weiss es ist schon viel Zeit verstrichen, seitdem..."
Das leise Schnaufen klang wie ein Lachen. "Ja ich weiß, du brauchst zum Begreifen etwas länger... Holzkopf", meinte sie zärtlich und strich ihm durchs Haar.
Er räusperte sich leise... "Der Holzkopf ist Rafael, ich war der Esel, vergiss das bitte nicht."
Ruhig ließen sie den Abend ausklingen. Am nächsten Morgen in aller Frühe, sah man Adrian schweigsam zum Schrein schreiten, wo er niederkniete und ein langes Gebet sprach, bevor er sich zum Frühstück einfand.