Weltordnung

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Enghwyn

Weltordnung

Beitrag von Enghwyn »

Egal wo man hinkam, das Bild welches sich einem bot, war immer das gleiche. Vieleicht mochten sich Namen ändern aber die Geschichte änderte sich scheints nie.

Es war Mutters Prinzip was hier griff.

Natürlich konnten die Menschen, Elfen, Zwerge, wer oder was auch immer, keine Idee von der Wahrheit haben, ebensowenig wie ihre Protagonisten, welche sie Götter nannten.
Warum auch ? Sie sollten es nicht.

Wüssten sie wie es wirklich war, würde es aufhören zu funktionieren.

Natürlich hatten sie alle ihre eigene Idee von der Wirklichkeit. Eine Geschichte über die Anfänge, ganz nach ihrem Gutdünken. Eine Geschichte welche sie selbst in den Mittelpunkt setzte, ihnen den moralischen Schutz bot, welchen sie brauchten um die jeweils "richtige" Seite zu vertreten.
Wie sehr Mutter mit der kleinkarrierten Interpretation ihrer Rolle, damit getreten wurde, war ihnen egal. Der Zweck heiligte die Mittel.

Enghwyn hatte nun einige Wochen hier verbracht und zugehört. Gesprächen auf dem Markt, in Cyrions Heim, auf den Straßen.
Sie hatte Bücher gewälzt und sich einen Überblick verschafft über Meinungen und Ansichten.



Da gab es die, die sich als Lichte bezeichneten, die für Stabilität eintraten, und natürlich dachten, sie allein hätten Anspruch auf göttlichen Segen. Immerhin taten sie nichts "unrechtes" , aber auch sonst nichts. Stagnation, Niedergang und Dekadenz ist ihnen anheim.
Sie suhlen sich in ihrem Wolstand und wenn Dinge geschehen, die diesen gefährden könnten, warten sie ab, ob die Mär nicht an ihnen vorrüber geht, damit sie schnell wie möglich in ihren alten Trott verfallen konnten.

Sie sind satt und tot, gefangen in ihrer Lethargie die sie schlicht nutzlos macht. Keine Ideen, keine Kreativität, nichtmal ein schlechtes Gewissen. Motivationslos, Gefangene im täglichen Trott, nichts was Mutters Werk weiterbringen würde.

Und dann natürlich die, welche das Chaos ins Land tragen. Zwar unter dem Deckmantel eines machtgierigen Gottes, letztlich aber willkürlich handelnd, so wie es sein sollte. Ein belebendes Element gegenüber der Stagnation auf der anderen Seite.

Ein zerstörerischer Wille, dem alles anheim fallen soll, was sich da auf der Welt befindet.
Zwar ohne Konzept, was dann passiert, aber wen kümmerte das schon. Der Vorsatz reicht glücklicherweise aus.



Sie sind Gefangene hinter ihren Augen, stehen allesamt im selbsterklärten Mittelpunkt, alleinig begünstigt von ihren Göttern, unfähig sich davon zu lösen, weil ihre Eitelkeit es ihnen verbietet.
Aber so soll es sein.

Nur wenige haben die Möglichkeit von außen zu sehen, was vorsich ging. Aber es würde anders nicht funktionieren.
Die Welt soll sich entwickeln, lebendig sein, und Mutters Ziel war Ausgewogenheit zwischen Stabilität und Chaos, damit es das möglichst lange tat.

Es war so naheliegend. Aber hierzulande glaubt man Alatar sei ein Ausrutscher, den Eluive nicht gewollt hätte.

Welch Narretei, hätte Mutter eine perfekte Welt gewollt, in der alles vor Freude und Frieden erstrahlte, hätte sie ein stummes Bild gemalt, von unglaublicher Schönheit, aber nicht etwas lebendiges geschaffen wie die Welt es nun war.
Etwas mit Freude, welche sich am Leid misst. Etwas mit Geburt, welche im Tod das Gegenstück findet.

Die Welt ist im Wandel und um den Willen Mutters zu sehen, sollte man ihre Schöpfung sehen, aber das ist zuviel verlangt.
Zuviel verlangt von Wesen, die denken mit dem Tod ende alles, weil mit der Geburt alles anfinge, und die jeder in sich das wunderbarste unter der Sonne sehen.
Aber es ist gut so.



Schade nur dass jene, die das Zünglein an der Waage spielen sollten, falls es zu sehr auf eine der beiden Seiten kippt, sich ebenfalls einfangen lassen und frühzeitig Partei ergreifen.

Mit Mutters Gaben versehen, dafür auserwählt sie zu nutzen um das Gleichgewicht zu wahren, sollten sie warten bis sie gebraucht werden.
Aber meist tun sie es nicht, werden zum Teil des Spieles und damit ebenso nutzlos.

Ein Jammer.

Es tat weh, wenn Leben vernichtet wurde, ob in Form eines Menschen oder eines Baumes, aber Opfer mussten sein, und die Schöpfung bestand nicht nur aus dem Wald und seinen Tieren.
Nein alle Wesen gehörten dazu, auch die Götter.

Wer mochte sich anmaßen zu behaupten, ihr Dasein mache keinen Sinn ? Egal auf welcher Seite sie stehen ?

Aber sollen sie nur. Es war Mutters Idee und die einzige Möglichkeit etwas zu schaffen, was wirklich neues hervorbringt.

Einfach wunderbar.

Man kann sich nicht geborgener fühlen, als ein Teil ihres Schoßes zu sein.
Enghwyn

Varuna

Beitrag von Enghwyn »

Der erste Schritt war getan.

Enghwyn hatte um Audienz am Hofe derer von Hohenfels gebeten und ihre Bitte war erhört worden.

Ohne große Reden war sie vor den Grafen getreten und hatte ihr Anliegen vorgetragen. Man hatte nicht gefragt warum sie das tat, wer sie war, oder woher sie kam.
Der Graf und sein anwesender Ritter hatten ihr zugehört und waren beide angetan von der Idee einen schlichten Schrein Mutters auf dem Gelände der Stadt zu errichten.

Kein Prunk, kein Ort an dem gehuldigt werden sollte. Nein, nur ein bescheidener Denkanstoß, der den, der denken wollte daran erinnerte woher alle Dinge rührten.
Ein einfaches Mahnmal der Schöpfung.

Mochten sie Mutter Eluive oder sonstwie nennen, es war nicht von belang. Der Gedanke, der dahinter stand, war das wichtige.

Das diese einfache Stehle mehr war, als nur ein Stein mit einer kleinen Strophe zu Ehren Mutters, war vieleicht nicht auf anhieb zu erkennen.

Aber wer denken wollte, dem würde es vieleicht auffallen.
Es gab keinen anderen Weg das Netz auszuwerfen.
Enghwyn

Beitrag von Enghwyn »

Der Schnee machte Ihr dann doch zu schaffen.

War sie es nicht gewohnt Schuhwerk zu tragen, wurden die langen Spaziergänge durch den winterlichen Wald doch zur Qual und sie musste sich wohl oder übel in Stiefel zwängen.

Die rechten Punkte mussten gefunden werden. Was in Varuna angefangen hatte sollte seinen Lauf nehmen. Und sie würde es nicht auf die lange Bank schieben, nicht wegen des Winters.

Sie hatte die Stehle in Varuna errichten lassen, der Steinmetz hatte wunderbare Arbeit geleistet.
Ein weiterer Wink des Schicksals hatte ihr das Gold zukommen lassen, um die Arbeiten zu finanzieren. Mutter hatte ihr Kemail Ifrey geschickt und Sie wollte es so, dass er meinte ein paar Stellen an seiner Kleidung müssten ausgebessert werden.
Sicher war Enghwyn keine begabte Schneiderin, aber dazu hatte es wohl gelangt. Angetan von ihrer Arbeit und mit viel Großmut hatte er sie gut bezahlt.

Welch ein Segen.

Was nun desweiteren getan werden musste sollte nicht mehr so viel kosten, wollte aber mit dem rechten Maß durchgeführt werden.

Leise wehte der Wind die Spuren im Schnee hinter ihr zu.
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