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Der kleine Stein
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Viktoria Hamberg





 Beitrag Verfasst am: 21 Jun 2022 10:22    Titel: Der kleine Stein
Antworten mit Zitat

Viktoriiiiaaaa?

Hörst Du wie sich das Feuer in seiner Kehle bildet?
Dieses markerschütternde Rasseln und Fauchen?

Riechst Du den Gestank, der sich verbreitet?
Der Gestank deiner verbrannten Haut?

Schmeckst Du die Asche, die sich in der Luft sammelt?
Asche von den verbrannten Leibern um Dich herum?

Siehst Du die Flammen, die auf Dich niedergehen?
Das Feuer, dass alles um Dich herum verschlingt?

Fühlst Du den Schmerz in deiner Schulter?
Die Stelle, an der Dich der Drache bis runter auf den Knochen aufgerissen hat?

Viktoriiiiaaaa?


Mit einem Ruck saß Viktoria in ihrem Bett aufrecht. Die schnarrende Stimme des Kapitäns hallte noch in ihren Gedanken nach. Es dauerte einen Moment, bis sie begriff wo sie war. Tief durchatmend schwang sie die Bettdecke zur Seite und lenkte die kurzen Beine in Richtung der Bettseite. Mit langsamer Bewegung glitt sie mit den kleinen Füßen auf den weichen Teppich. Wie so oft, spielten ihre kleinen Zehe mit dem weichen Stoff der Bodenmatte. Es gab Ihr ein Gefühl von Sicherheit. Sie erhob sich und ging sie zum Fenster, schob den Vorhang zur Seite und erblickte die Flammen.

Das Chaos, welches auf dem Schlachtfeld vor dem Nebelwald statt gefunden hatte. Das brennende Drachenblut, welches über Menekur niederging und der Drache, der Viktoria vor dem Kloster angegriffen und fast getötet hätte. Und inmitten der vermischten Szenarien stand der alte Kapitän, mit dem Glasauge und der schnarrenden Stimme. Er lachte höhnisch und deutet mit seinem rostigen Haken umher.

Die kleine Frau lehnte sich mit der linken Hand am Fenstersims an und rieb mit der Rechten über ihre linke Schulter. Nach den wenigen Wochen schmerzte es immer noch und es holte sie in die Realität zurück. Für einige Augenblicke schloss sie die Augen und beim wieder öffnen, sah sie nur das dunkle Schwingenstein und hörte die sommerlichen Nachtgeräusche.

Lydia war nicht da.

Viktorias erster Gedanken war, zu ihr hoch zu gehen. Aber es gab kein Hoch mehr. Sie selber bewohnte mit ihrem Schlafzimmer den ersten Stock des Hauses.

Sie war alleine.

Der Gedanke, dass sie Lydia auf dem Schlachtfeld verlieren könnte, hatte sie Dinge entscheiden lassen, die weniger schmerzhaft hätten sein sollen. Aber das waren sie nicht.

Im Gegenteil.

Leise seufzend betrachtet Viktoria noch einen kleinen Moment das nächtliche Schwingenstein und drehte sich um, zurück gehend zum Bett. Sie starrte es eine Weile einfach nur an, in dem wenigen Licht, welches im Raum stand, konnte sie es nicht mal wirklich erkennen.

Überhaupt jemanden zu verlieren, der ihr etwas bedeutete, hatte sie in den letzten Tagen gelähmt. So etwas kannte sie nicht von sich. Bisher war sie stets ein sehr rational denkender Mensch gewesen, aber die Zeit mit Lydia hatte etwas verändert. Nun war es mehr Gefühl, als Verstand, die ihre Gedanken so manches Mal in vollkommener Unordnung stürzten und ein Chaos im Kopf hinterließ, dem des Schlachtfeldes vor dem Nebelwald ähnelte.

Die kleine Heilerin, mit den hellen Haaren hatte eine Auszeit gebraucht. Hatte sich erst ein Mal allem entzogen und sich in ihrem Labor verschanzt. Solch ein Handeln blieb nie ohne Konsequenzen und irgendwo musste man anknüpfen und neu anfangen oder einen anderen Weg einschlagen. Vielleicht war es genau das, was sie nun brauchte.
Einen neuen Weg einzuschlagen.

Die Richtung würde sich bald zeigen.
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Viktoria Hamberg





 Beitrag Verfasst am: 23 Jun 2022 11:13    Titel:
Antworten mit Zitat

Es war einmal ein kleiner Stein,
so glatt und herrlich fein.

Er hüpfte einen Pfad entlang,
ohne Anhang oder gar Gespann'.

Einen wundersamen Ort wollt' er erreichen,
sein Wunsch wars' zu wachsen wie die Eichen.

So ließ er sich am Fuß des Hügels nieder,
während er wartete summte er leise Lieder.

Doch auch bei all' dem Sonnenlicht,
wuchs der kleine Stein einfach nicht.

Er wollte doch groß wie Felsen sein,
nicht so winzig und klein.

Traurig war nun der kleine Stein,
er würde niemals größer sein.

Er dacht', ihn hätt' niemals jemand lieb,
so schloss er die Augen und liegen blieb.

Also schlief er sehr lange,
denn sein Herz war ihm so bange.

Einige Zeit zog so ins Land,
er einsam lag an des Waldes' Rand.

Als ein Mädchen ihn so da liegen sah',
da kam sie dem Stein sehr nah.

Mit einem Lächeln hob sie ihn auf,
ihn schnell auf den Namen „Steinchen“ tauf'.

Aufgewacht aus dem langen Schlaf,
er sich seiner dunklen Gedanken straf'.

Liebevoll gedrückt ward er an des Mädchens Wange,
nun war dem Stein schon nicht mehr bange.

Das Herz des Mädchens brach entzwei,
verlor sie den Stein bei Ulkerei.

So lange suchte sie nach ihm,
er für immer verloren schien.

Doch eines Tages gar,
lag er an ihrer Wange und war wieder da.


    Eine Brise der kühlen sommerlichen Nachtluft spielte mit dem Vorhang an Viktorias Knöchel. Wie fast jede Nacht, in der sie keine Ruhe fand, stand sie am geöffneten Fenster und genoss die kühle Brise. Die Tage waren ihr einfach zu warm.

    Sie starrte mit resignierter Miene in die Flammen, welche sie immer zu sah, wenn ihre Gedanken sich selbstständig machen konnten. Die Flammen, Der Drache, der Kapitän und neuerdings auch Lydia. Mit klagendem Ausdruck in den Augen starrte sie mit blassen Lippen und verbrannter Haut zu Viktoria hoch. Das schlechte Gewissen plagte die kleine Heilerin. Sie gab sich alle Mühe, das Geschehene wieder gut zu machen. Jeder Entscheidung und Handlung trug ihre Konsequenzen. Sie mochten von guter aber auch schlechter Natur sein. Aber die schlechten überwogen stetig.

    Lydia hatte Recht gehabt. Es würde nie wieder so wie vorher sein.
    Und dafür büßte Viktoria nun.

    Die schmale Hand der kleinen Frau hob sich an ihre rechte Wange und die kleinen Finger strichen über ihre Haut. Auch wenn es nicht mehr ganz da war, konnte sie das Kribbeln noch darauf spüren. Ein kleines Geheimnis, welches sie stetig im Herzen trug. Jenes Kribbeln schickte die Flammen langsam fort. Auch der Drache verblasste und wurde von der dunklen Nacht abgelöst. Welche so klar und friedlich war. Die Stille im Raum wurde von dem leisen Seufzer Viktorias unterbrochen. Ihre Gedanken hatten sich auf etwas anderes fokussiert. Die Müdigkeit drang bei den friedlichen Gedanken allmählich in ihre Knochen und mit einem weiteren, leisen Seufzen suchte sie das Bett hinter sich auf.

    Der Körper war müde.
    Ausgelaugt von den langen Tagen, in denen sie sich fast nur im Wald aufhielt um Kräutervorräte zu sammeln. Meistens kam sie erst in den späten Abendstunden zurück, wenn das Licht im Wald nicht mehr für die Suche ausreichte.

    Der Geist war unruhig.
    Unstetig auf der Suche nach verlorenen Erinnerungen. Verlorene Gefühle und Momente, in denen man glücklich war. Das Erlebte mischte sich immerzu in ruhige Gedanken, und riss die Vorherrschaft an sich um Chaos zu stiften. Sie hatte bisher niemand erzählt, wie sie die Dinge gesehen hatte. Wie sie jene Dinge gespürt hatte oder wie sie daran arbeitete sie zu verdrängen. Zu ignorieren oder zu akzeptieren.

    Es war an der Zeit, endlich wieder Aufgaben anzunehmen und sich nicht weiter zu verstecken. Viktoria hatte noch so viel zu geben und sie gab auch gerne sehr viel. Sie wollte Teil von dem Ganzen sein und das gelang ihr nur, wenn sie sich nicht weiter in ihrem Labor verkroch und unzählige Stunden mit Kräutern und Bücher verbrachte.

    Eine Gabelung tat sich auf.
    Nun oblag es an ihr, ob sie die Abzweigung nahm oder stur gerade aus weiter ging.


Zuletzt bearbeitet von Viktoria Hamberg am 23 Jun 2022 18:38, insgesamt einmal bearbeitet
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