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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 20 Jun 2021 07:58    Titel: Horteras Freiheit
Antworten mit Zitat

Traumgefüllt waren die Nächte. Gedankengefüllt so auch die Tage. Schwer das Herz. Und doch so leicht die Feder.

Sich mit dem Tod konfrontiert zu sehen war nie etwas, das Kaleya in ihre Gedanken hatte eindringen lassen, in all den Jahren nicht. Umso bemerkenswerter war es nun zu sehen, wie jene Situation sie vielleicht sogar an den Höhepunkt ihres kreativen Schaffens geführt hatte. Nach dem Lied vom Ende des Nichts hatte Andra sie damit überfallen, dass zum Fest zu Ehren von Horteras am 2. Cirmiasum ein Gedicht oder Lied benötigt wurde. Sie hatten lange darüber gesprochen und Kaleya hatte sich eifrig Notizen gemacht. Hier und da war auch eine Skizze entstanden, welche die beschriebene Situation jeweils darstellte. Wenige Stunden später war dann im Raum der Träume eine Papierschlacht entbrannt, denn überall lagen Zettel herum mit Ideen für Liedstrophen. Der Eisdrache ging vollends in diesem kreativen Chaos auf und selbst das Abendessen mit der Familie konnte sie nicht locken, sodass Earon ihr liebevoll einen Teller mit frischen Erdbeeren in ihr Reich gebracht hatte.

Wenn sie hier im Raum der Träume war, dann war sie weg... körperlos, schwebend in ihren eigenen Gedanken und Fantasien gefangen. Während das Lied für Horteras entstanden war, hatte sie sich auch daran erinnert, wie es war neben den zusammengeführten Fragmenten zu stehen, sie vor dem Protektor zu schützen. Als sie dann zum Himmel aufgestiegen waren, das Gefühl... es hatte etwas in ihr verändert. Den Göttern so nahe zu sein, hatte etwas unwirkliches. Und Temora wie Horteras hatte sie an diesem Abend wahrlich erlebt. Eluive allerdings... die hatte sie weder sehen noch wirklich spüren können. Und nun, da haderte sie damit, ob sie ihrer Göttin wirklich eine gute Dienerin war. Die Gedanken allerdings musste sie beiseiteschieben, sie sollten später ihren Platz finden. Die letzten Worte des Liedes auf dem Papier wurden geschrieben, und jene enthielten eine Widmung für Andra. Zufrieden wirkte Kaleya zuletzt, denn auch dieses Lied hatte sich wieder beinahe wie von selbst auf das Papier ergossen. Vielleicht war es auch ihre Art die zurückliegende Situation zu verarbeiten.

Mit einem Nasewackeln blieb der Papierbogen mit dem nunmehr neunten Lied des Himmelsriss Zyklus auf ihrem Schreibtisch liegen, während der Eisdrache das Tellerchen mit ganz offensichtlich unsichtbaren Erdbeeren hinuntertrug, um wieder in die Welt ihrer Familie einzutauchen.

— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

Horteras Freiheit

Im Wechselwind 256 trug die Nacht des Sternenfalls es uns heran,
wir glaubten, in gefallenen Sternensplittern läge fortan dein Ende.
Doch Hoffnung regte sich alsdann im Lenzing 264 mitten in Adoran,
zittrig und leise verkündete deine Stimme uns unverhofft die Wende.

Sternenvater, oh Sternenvater! Dir sei wohl gedankt,
denn mit dir ist wieder Freiheit in unsere Welt gelangt.
Himmelszelt, oh Himmelszelt! Bist nicht mehr erkrankt,
und der Stern Falmar schützend nun hoch oben prangt.

Sanft fiel silbernes Sternenlicht auf Schwertflurens steinerne Zinnen,
während Lichtenthal sich gebannt um deine Sternensplitter scharrte.
Lauschet, lauschet, lauschet! Dein Wort sollt' nicht ungehört verrinnen,
im Klang von Meeresrauschen, Glockenspiel, Kinderlachen ihn erwarte.

Sternenvater, oh Sternenvater! Dir sei wohl gedankt,
denn mit dir ist wieder Freiheit in unsere Welt gelangt.
Himmelszelt, oh Himmelszelt! Bist nicht mehr erkrankt,
und der Stern Falmar schützend nun hoch oben prangt.

Sehet, oh sehet! Welch Wunder trug uns der Wechselwind durch die Nacht,
in deinen Sternensplittern ruhte friedlich und traumgefüllt dein Neubeginn.
Alle die Gebete und Hoffnung haben göttliches Leuchten in ihnen entfacht,
und sie stiegen kraftschenkend zum Himmel auf, erfüllten ihren wahren Sinn.

Sternenvater, oh Sternenvater! Dir sei wohl gedankt,
denn mit dir ist wieder Freiheit in unsere Welt gelangt.
Himmelszelt, oh Himmelszelt! Bist nicht mehr erkrankt,
und der Stern Falmar schützend nun hoch oben prangt.

Im Rauschen der Wellen, gleich dem Gesang von Äonen, dein Funken stieg auf,
führte alles zusammen, und deine Rückkehr zeigte sich in der Geburt von Falmar.
Spüret, spüret, spüret! Die Freiheit kehrte zurück und nahm ihren sicheren Lauf,
in jener warmen Nacht im Eluviar 264 schien dein Sternenhimmel unfassbar klar.

Sternenvater, oh Sternenvater! Dir sei wohl gedankt,
denn mit dir ist wieder Freiheit in unsere Welt gelangt.
Himmelszelt, oh Himmelszelt! Bist nicht mehr erkrankt,
und der Stern Falmar schützend nun hoch oben prangt.

Die letzte Schlacht kam, doch die Schöpfung sollte weiter bestehen gegen das Nichts,
und so stiegen drei Fragmente zum Sternenhimmel auf, sie schenkten dir so viel Kraft.
Deine Wiederkehr brach sich so lang ersehnt Bahn unter des Himmel göttlichen Lichts,
und die Melodie der Schöpfung stand kurz still, denn der Sieg war endlich geschafft!

- gewidmet meiner lieben Freundin Andra Amaryll und der Rückkehr von Horteras am 13. Schwalbenkunft 264 -


— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —




Zuletzt bearbeitet von Kaleya Auenbacher am 20 Jun 2021 07:58, insgesamt einmal bearbeitet
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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 30 Jun 2021 10:46    Titel: Anneens fünfter Geburtstag
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Ruhe und Geborgenheit lagen im Grün des Argantfels seit jeher verborgen. Und heute wurde diese Ruhe und Geborgenheit auch von Freude erfüllt, und von großer Dankbarkeit. Es war der letzte sonnige Tag im Schwalbenkunft und dieser besondere Tag galt einer bestimmten jungen Dame.

Warme Sonnenstrahlen erhellten den Wald von Argantfels und tauchten die Waldlichtung dort in zauberhaftes Licht. Auf dieser Waldlichtung saßen Anneen und ihre Mutter im Gras und flochten an einem Blumenkranz aus Ringelblumen und Gänseblümchen. Mit einem stillen aber nachdenklichen Lächeln wurde Anneen bedacht und die spürte sofort die Stimmung von Kaleya. "Mama, es ist schön dich wieder Lächeln zu sehen." Die grüngelben Augen blickten zu dem Eisdrachen und forschten nach weiteren Regungen im Gesicht der Bardin. Doch wie es immer war, sprach Kaleya einfach ihre Gedanken aus, schließlich war ihre Tochter nun bereits älter und konnte die Wahrheit hören. "Aye mo chridhe, wir haben uns sehr große Sorgen um euch gemacht während der Schlacht, aber die Götter haben uns alle geschützt." Anneen betrachtete ihre Mutter noch einen Moment mit stiller Höflichkeit, ehe sie wieder an dem Blumenkranz flocht. "Jetzt wo wir alle leben, kann ich dann groß werden und Heilerin werden so wie Tante Lili? Oder Handwerkerin wie Opa es immer will?" Da konnte Kaleya nicht anders und musste koboldhaft grinsen. "Du kannst werden, was du willst, solange du nicht in den Westen verschwindest, das würde deiner armen Mutter nämlich das Herz brechen." Anneen nickte und als sie die negativen Gefühle wahrnahm, stand sie mit dem fertigen Blumenkranz auf und stapfte zu ihrer Mutter hin.

"Nein Mama, meine einzige Königin bist du, guck." So schob Anneen ihrer Mutter den Blumenkranz auf ihr Haupt und lächelte ihr zu. "Lass das nicht König Ador hören oder seine Frau, sonst wird er noch eifersüchtig." Da schüttelte der blonde Minidrachen den Kopf und grinste mindestens genauso koboldhaft wie ihre Mutter es allzu oft tat. "Wenn der König Kinder hätte, wüsste er, dass alle Mamas Königinnen sind! Er muss sich noch anstrengen, sonst wächst kein neuer Zweig an seinem Baum!" Unweigerlich begann Kaleya zu lachen, kommentierte die Worte aber nicht weiter und deutete stattdessen auf die restlichen Blumen in Anneens Hand. "Was machen wir nun mit den übergebliebenen Ringelblumen?" Auch darauf hatte Anneen eine Antwort parat. "Na die bringe ich Yvaine, Elian und Papa mit, was denn sonst?" Das kleine Würmchen hüpfte fröhlich und versuchte ihre Mutter zum Aufstehen zu bewegen. "Jetzt?" Da wurde genickt und sie rannte einfach los. Dabei begann sie leise zu singen. "Ein Blümchen für das Yvalein, das ist so fein! Und eines für den Elian, da hat er sicher Freude dran! Und Papa bekommt auch was ab, tamm tamm, zarapp zarapp!"

Kaleya verdrehte die Eisaugen und hoffte, dass Anneen niemals Bardin werden würde, sonst blühte der Männerwelt wohlmöglich einst eine überaus charmante und einfühlsame junge Dame, die allen den Kopf verdrehen konnte. Leise summend folgte sie dem Würmchen und wusste, dass ganz gleich was sie werden würde, schon jetzt ein wunderbarer Mensch aus ihr geworden war. Und dieser Mensch feierte heute seinen 5. Geburtstag und erwartete noch so einige Gäste zu diesem Ehrentag. Und der Erdbeerkuchen musste auch noch gebacken werden, damit sich die hungrige Meute darüber stürzen konnte. Wie immer gab es viel zu tun in dieser großen Familie, doch es erfüllte Kaleyas Herz mit unendlicher Freude. "Anneen Phiala Auenbacher, du überrascht mich immer wieder," hauchte Kaleya und lief ihrer ältesten Tochter hinterher, die springend mit den Ringelblumen in der Hand in Richtung Junkersteyn auf dem Weg war. "Danke Mutter, für all das."


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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 15 Aug 2021 10:46    Titel: Berchgards Abendlicht
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Die Welt war so groß und doch war sie in diesem besonderen Moment ganz klein. Eingeschränkt auf den Raum der Träume, und doch frei in den Gedanken und lebendig in jeder Emotion. Hinausgetragen in die Welt, als glockenhelles Lied mit jeder Faser Leben, die dem Eisdrache innewohnte.

Der Eisblick senkte sich zufrieden auf das niedergeschriebene Notenblatt. Dort stand es nun, das inoffizielle 10. Lied des Himmelriss Zyklus. Eigentlich hatte Kaleya nicht mehr vorgehabt ein weiteres Lied diesem Werk hinzuzufügen, doch nach dem ersten der beiden Abende in Berchgard anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten waren all die Gedanken in einem frohen Reigen zusammengekommen und hatten sich wie von selbst zu einem Lied geformt. Vielleicht musste sie die verkauften Liedbände doch erneuern, denn eigentlich gehörte jenes Werk schon irgendwie dazu. Läutete eine neue Zeit ein!

Aye, eine neue Zeit war es wirklich, und die kommende Zeit würde für sie im Speziellen auch einen Besuch am Festland bedeuten. Schon im letzten Sommer, als sie von Meister Wiesenthal in Ihnnerau in der Malerei geschult worden war, da hatte sie ein Versprechen abgegeben. Sie wollte ihn wieder besuchen und auch wollte sie ihm ihre Fortschritte zeigen. Und, so hoffte sie, vielleicht konnte ihr Eyven einige Kniffe beibringen, um sich in der Malerei weiter zu verbessern. Sie wusste instinktiv aber, dass er zufrieden sein würde mit ihr, denn schon damals hatte er ihr Talent gelobt und gefördert. Was er wohl zu dem Gemälde sagen würde, das sie anlässlich Berchgards Wiedereröffnung zur Versteigerung angefertigt hatte? Vielleicht würde sie ihm die Vorskizzen mitbringen, die sie dafür angefertigt hatte und sein Urteil einfordern.

Insgesamt war es eine Menge an Reisegepäck, die es mitzunehmen galt. Neben ihren Malutensilien und ihren Skizzenmappen, war da auch noch ihre Sammlung der Eisdrachenlieder, denn sie wollte jene gerne Eyven zeigen. Vielleicht entstand daraus noch die ein oder andere Idee für ein neues Gemälde. Das Einzige, was sich nicht in ihrem „Reisegepäck“ befand, waren die Kinder, denn die würden bei Earon bleiben und sicher von Anchia, Rielle und auch von Andra wie Lili mehr als umsorgt werden. Den Mädchen hatte sie schon erklärt, wohin sie reiste, während Elian noch zu klein war, um ihre Abwesenheit zu begreifen. Sie trug die Drei aber zweifelsohne in ihrem Herzen mit und vielleicht würde sie ihnen auch etwas vom Festland mitbringen. Das Näschen wackelte, als sie an Mitbringsel vom Festland dachte. Vielleicht konnte sie aus der großen Bibliothek in Ihnnerau auch Buchabschriften mitbringen, um sie im Hort des Wissens zu Nebelpass in die Register aufzunehmen. Ein spannender Gedanke, denn neue Bücher waren in den Regalen immer gerne gesehen. Und vielleicht würde nach ihrer Rückkehr nach Gerimor auch die ein oder andere Bewerbung für den von ihr geschriebenen Aushang nach neuen Mitarbeitern eingeflattert sein.

Das Näschen wackelte nochmal, dann sah der Eisdrache gedankenverloren aus dem Fenster im Raum der Träume. Sie hatte sich auch vorgenommen einen Tempel in Eirensee aufzusuchen, an dem Eluive verehrt wurde. Vielleicht konnte sie dort ihre Zweifel loswerden, die sich seit der Schlacht am 13. Schwalbenkunft in ihren Geist gebrannt hatten. Zweifel… Zweifel an ihr selbst, an ihrem Glauben? Damit würde sie sich befassen, wenn sie am Festland war, nun galt ihre volle Aufmerksamkeit den Rest des Tages. Das Lied wollte noch geübt werden und auch die Kohlestifte mussten gespitzt sein, wenn sie heute Abend Portraitzeichnungen anfertigte während des bunten Treibens in Berchgard. Mit einem koboldhaften Grinsen schnappte sie sich das Notenblatt, sah nochmal den Text von ‚Berchgards Abendlicht‘ an und wuselte dann hinunter, um sich auf den Abend vorzubereiten.

— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

Berchgards Abendlicht

Die Zeit kehrt zurück ganz ohne furchterfüllten Blick,
sehen durch Berchgards Straßen mit Zufriedenheit.
Was einst lag in Schutt, wir haben es neu errichtet,
und jetzt ist es soweit, es bricht an neuer Moment.

Unter Berchgards Abendlicht, da tanzen wir,
in Freundschaft wie Liebe, denn Friede ist da.
Nichts auf ganz Alathair trennt uns mehr hier,
unter Berchgards Abendlicht, sind wir uns nah.

Wo tiefrote Kristalle einst Berchgards Erde zierten,
da huscht nun der Tanzschuh sehr adrett entlang.
Und wo schwarze Risse uns führten in Dunkelheit,
da leuchtet nun wärmend unser aller Abendlicht.

Unter Berchgards Abendlicht, da tanzen wir,
in Freundschaft wie Liebe, denn Friede ist da.
Nichts auf ganz Alathair trennt uns mehr hier,
unter Berchgards Abendlicht, sind wir uns nah.

Wenn die Sonne geht hinter dem Gebirge unter,
dann kehrt noch längst keine Abendruhe hier ein.
Wo Leben und Handel schnattern froh im Duett,
da merken wir, dass Berchgard uns wieder hat.

Unter Berchgards Abendlicht, da tanzen wir,
in Freundschaft wie Liebe, denn Friede ist da.
Nichts auf ganz Alathair trennt uns mehr hier,
unter Berchgards Abendlicht, sind wir uns nah.

- Gewidmet den Eröffnungsfeierlichkeiten Berchgards am 14. & 15. Ashatar 264 -


— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 05 Sep 2021 14:12    Titel: Der Nemeton von Ihnnerau
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Gedanken trieben wie kleine Wolken, rastlos und in gewisser Weise doch auch frei. Sie trugen Zweifel in sich, doch der blaue Horizont von Ihnnerau war zu sehen. Vielleicht würden sich jene Gedanken auflösen und am Ende nur noch das Himmelblau zurücklassen.

„Kaleya, wo bleibst du denn?“ Die Stimme von Eyven führte den Eisdrachen zurück in das Hier und Jetzt. Seit ihrer Abreise von Gerimor trieben die Gedanken sie um, und aus irgendeinem Grund wollten jene sie einfach nicht loslassen. Sie war von Zweifeln erfüllt und nur sie selbst würde die Stärke besitzen sich von ihnen zu befreien. Earon hatte Kaleya nach Ihnnerau begleitet, damit sie durch die Pfade Mutters reisen konnte, doch was er nicht konnte war ihr die nagenden Zweifel abzunehmen. Auch konnte er dieses Mal nicht mit ihr auf dem Festland bleiben, doch seine Worte des Abschiedes weilten noch immer in ihrem Herzen. “Die Kraft liegt in dir, um Mutter wieder nahe zu sein. Vergiss das nicht.“ Und genau diese Worte führte sie sich jeden Tag vor Augen, wenn sie in das wolkenhelle Blau sah, das Ihnneraus Dächer in die letzten schönen Spätsommertage einhüllte. Der Searum war bereits gekommen und schon bald würde Kaleya wieder abreisen. Doch bis es soweit war, gab es noch einige Dinge zu erledigen. „Kaleya, lass einen alten Mann nicht warten, das gehört sich nicht!“ Als Eyven nun zum zweiten Mal nach ihr rief, löste sie sich mit einem koboldhaften Grinsen vom Fenster und wuselte die Treppe hinab. „Ach Eyven, ihr wisst doch genau, dass ihr mir keine Manieren mehr einhauchen könnt. Da schneit es eher im Sommer als dass ihr das noch erleben werdet.“ Da schmatzte ihr der alte Meister nur gehörig empört zu, nuschelte irgendetwas in seinen Bart hinein und winkte Kaleya schlussendlich mit sich. Und so führte der Weg Meister und Schülerin nach Ihnnerau in die Bibliothek.

„Wenn es möglich wäre, dann würde ich gerne noch dieses Buch und dieses hier auch als Abschriften mitnehmen. Und ohh, das hier auch noch.“ Der Bibliothekar sah Kaleya zweifelnd an, die mit einem Stapel Bücher vor ihm stand und gerade noch so darüber hinwegsehen konnte. Als sie den Blick auffing, ergänzte sie zu hastig noch etwas. „Es ist alles für den Hort des Wissens zu Nebelpass in Lichtenthal. Die Verbreitung von Wissen gehört zu meiner Aufgabe als Mitarbeiterin dort, das versteht ihr doch sicher?“ Sie stellte den Bücherstapel auf die Theke, lächelte gewinnbringend zu dem Bibliothekar und wusste in jenem Moment, dass sie ihn mit seinen eigenen Waffen geschlagen hatte. Es folgte nur ein Brummen, dann griff der Bibliothekar die Bücher und notierte sich die Abschriftenwünsche. „Kommt morgen wieder, unsere Lehrlinge werden euch die Abschriften anfertigen. Erwartet aber keine Kunstwerke!“ Der Eisdrache nickte mehrfach, dann verneigte sie sich zufrieden vor dem Bibliothekar und wuselte zielstrebigen Schrittes zum Ausgang. „Du hast ja doch Manieren“, stellte Eyven fest, der Kaleya bei ihrem Manöver unauffällig beobachtet hatte. „Manchmal, ich kann überaus überzeugend sein. Und außerdem sind die Bücher nicht für mich, ich nehme sie für den Hort mit, da muss ich mich auch ein wenig zu benehmen wissen.“ Eyven schüttelte den grauen Schopf und grinste nur väterlich wirkend. „Nun komm, der Kutscher wartet bereits auf uns. Die Zeremonie im Wald vor Ihnnerau fängt bald an.“ Jene Worte lockten den Eisdrachen dann schließlich aus der Bibliothek heraus.

Die Kutschfahrt dauerte einen guten Stundenlauf und in jener Zeit ging Kaleya die Zeremonie im Geiste noch einmal durch, zu der sie dank Eyvens Ersuchen als Gast eingeladen war. Als Opfergaben hatte sie Heidekraut, Birkenholz und Honig eingepackt und auch den Zettel mit ihrem Bittgebet trug sie bei sich. Gleich eines aufgeregten Kindes zu Jul sprang sie aus der Kutsche heraus als sie am Nemeton angekommen waren, half aber immerhin noch Eyven beim Aussteigen, bis sie dann zu den Männern und Frauen ging, die jene Zeremonie abhalten würden. „Seid willkommen, Kaleya. Ich bin Kyrian. Es freut uns sehr, dass ihr der heiligen Mutter heute ein Opfer darbringen wollt. Kommt und werdet Teil dieser Zeremonie.“ Der Mann in brauner Robe mit rauchgrauen Augen und schwarzem Haar reichte ihr die Hand an. Kaleya blickte nochmal über ihre Schulter und als sie Eyvens Nicken dabei auffing, lächelte sie ermutigt auf und griff dann sanft nach Kyrians Hand. Gemeinsam liefen sie zum Nemeton, dann gab er Kaleyas Hand frei und deutete auf ihre Stiefel. „Zieht sie am besten aus, damit ihr der heiligen Mutter näher seid.“ Augenblicklich schlüpfte sie aus den Stiefeln heraus und spürte das weiche Gras unter ihren Füßen dabei mit einem wohligen Gefühl. Für einen Moment schloss sie die Augenlider und horchte in sich. Eine leise und vorsichtige Stimme in ihrem Inneren sagte ihr, dass sie hier vielleicht ihre Zweifel hinter sich lassen würde. Als sie die Augen wieder öffnete, sah sie vor sich das Bild des Nemetons und jener Anblick erfüllte sie mit tiefer Ruhe. Das saftige Grün des Grases wurde von den warmen Sonnenstrahlen des Searums geküsst und der Baum, der zentral am Nemeton stand, war ebenso in jenes warmgoldene Licht getaucht. Beinahe sah es so aus als wenn das Blattwerk bereits eine herbstliche Farbe angenommen hatte, doch es war lediglich das Licht, welches das saftige Grün der Blätter umhüllte. Instinktiv brannte sich jener Anblick in Kaleyas Geist und sie wusste in diesem Moment bereits, dass sie jene Szene auf einer Leinwand darstellen würde. „Nun kommt, Kaleya. Lasst uns beginnen, habt keine Scheu.“ Barfuss wuselte der Eisdrache Kyrian nach und legte kurz darauf ihre Opfergaben in eine eiserne Schale, die zwischen einigen hoch aufragenden Steinen platziert war. Lediglich ihr Bittgebet hütete sie noch und folgte mit den Augen dem Beginn der Zeremonie. Kyrian und einige andere Männer wie Frauen begannen sich um den Steinkreis herum zu bewegen und ein sanfter Klang aus Gebete sprechenden Stimmen erhob sich, wuchs dabei an zu einem fast gesangartigen Choral und erfüllte den Nemeton dabei mit einem nicht zu greifenden Zauber. Als Kyrian die Zeit für reif befand, nickte er Kaleya zu und deutete weisend in die Mitte des Steinkreises zu der Schale hin. Geradezu andächtig schritt sie dorthin und begann ihr Bittgebet an Mutter zu richten.

„Im Zeichen des Heidekrautes werde ich dir ewig dienen, ganz gleich ob mein Leben wird von Licht oder Schatten beschienen. Im Zeichen der Birke wünsche ich mir Licht für alles Kommende, mögest du meine Zweifel doch nur bringen zur Wende. Im Zeichen von Honig möge mein Glaube neugeboren werden, lass mich als deine Gläubige fest wandeln auf Erden. Aus Stein wie Staub entspringt jener Funke und wird vom Wind getragen, bis jener fließt wie dein Lied, er wird niemals verzagen. Entfacht wie ein Feuer spüre ich diesen deinen Funken in mir, und ich gelobe heilig… ich diene einzig und wahr nur dir.“ Während des Bittgebetes war Kaleyas Stimme in einen Gesang übergegangen, der sich feierlich in das Choral der Männer und Frauen rund um den Nemeton eingefügt hatte. Währenddessen hatte sich Kyrian zu Kaleya gesellt und ihr die Hand auf die Schulter gelegt. Ein Nicken folgte seinerseits und er deutete auf die eiserne Schale in der Mitte des Steinkreises. Dort brannten die Opfergaben bereits hell lodernd und verbreiteten einen angenehm balsamischen Geruch. Kaleya atmete tief ein und aus, dann blickte sie zu Kyrian hin, der gerade seine Stimme erhob. „Dein Glaube liegt in dir, vertraue fest darauf. Ich denke das weißt du auch schon, ein Diener der heiligen Mutter hat es dir bereits gesagt.“ Erstaunt sah Kaleya in Kyrians rauchgraue Augen und ein Wissen lag darin, das voller Zuversicht war. Er lächelte geheimnisvoll und deutete Kaleya dann außerhalb des Steinkreises zu warten. Und so gesellte sich Kaleya zu Eyven, der ein Nickerchen im Gras abhielt, und verfolgte interessiert den restlichen Teil der Zeremonie.

Erst am späten Nachmittag kamen Eyven und Kaleya wieder in Ihnnerau an und fanden sich im Anwesen des alten Meisters ein. Dort sprachen sie wie jeden Tag die Skizzen durch, die Kaleya von zuhause mitgebracht hatte. Immer wieder gab Eyven ihr wertvolle Hinweise und neue Inspirationen mit auf den Weg. Dabei wurde er nie müde seine Schülerin zu unterweisen, selbst wenn sie bis spät in die Nacht saßen. Die neuste Skizze fertigten sie gemeinsam an und es entstand daraus eine Vorlage für ein Gemälde, das Kaleya am nächsten Tag beginnen würde. Doch dies musste warten, denn der Tag fand sein wohlverdientes Ende.

Am nächsten Morgen wurden von der Bibliothek in Ihnnerau die bestellten Abschriften in Windeseile abgeholt und Kaleya stürzte sich zurück in Eyvens Haus angekommen voller Freude auf die leere Leinwand, die im Atelier auf der Staffelei auf sie wartete. Dabei sah ihr Eyven über die Schulter und erfreute sich wieder einmal daran, dass Kaleya bei den Fuchshaarpinseln geblieben war, die er ihr im letzten Jahreslauf geschenkt hatte. Als Kaleya sein Lächeln bemerkte, schnatterte sie munter drauf los. „Wenn ihr doch nur das Gemälde sehen könntet, das ich mit diesen Pinseln für Berchgards Wiedereröffnung angefertigt habe. Die Skizzen sind nur ein Schatten dessen, was das Gemälde geworden ist.“ Eyven sippelte an seiner Kaffeetasse, die seit eh und je an dem Maler festgewachsen zu sein schien. Er grinste sie väterlich an und deutete auf die ersten Pinselstriche auf der Leinwand. „Ich muss es gar nicht sehen, ich sehe hier wie gut du deine Fertigkeiten entwickelt hast. Mir vorzustellen wie es geworden ist, macht mich zufrieden.“ Der restliche Tag verflog im Gespräch zwischen Meister und Schülerin, bis die Nacht erneut über Ihnnerau hereinbrach. Meister Eyven verschwand irgendwann in seinem Bett, doch Kaleya malte im Kerzenschein noch weit bis zum Morgengrauen weiter an dem Gemälde, gefesselt von der Szene, die dort dargestellt war. Erst als sie mit dem Ergebnis zufrieden war, suchte sie ihr Bett auf und schlief bis in den Mittag hinein. Dabei bekam sie nicht mit, wie Eyven am Vormittag im Atelier herumschlurfte und das Gemälde betrachtete. „Oh Kindchen, wieso nur zweifelst du an dir. Mutter hat dir das größte Geschenk gemacht, was du haben kannst. Deine schöpferische Kraft ist unglaublich und ich hoffe, du findest diese Erkenntnis noch in deinem Herzen.“ Eyven sippelte wieder an seinem obligatorischen Kaffee und schlurfte dann ziellos durch das Haus, so wie alte Männer es eben gerne zum Zeitvertreib machten.





Zuletzt bearbeitet von Kaleya Auenbacher am 06 Sep 2021 09:29, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 06 Sep 2021 10:35    Titel: Eluives Gabe
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Eine leise Stimme wurde vom Wind getragen und drang an ein ganz bestimmtes Ohr. Diese Stimme gehörte nicht hier her, und doch tat sie es. Sie war genau im richtigen Moment aufgetaucht, nun da ihr Hörer zwischen Traum und Realität schwebte und gleich erwachen würde. „Die Kraft liegt in dir, um Mutter wieder nahe zu sein. Vergiss das nicht.“

Sanft kitzelten die Sonnenstrahlen des Mittags an Kaleyas Näschen und holten sie auf diese Weise aus dem Schlaf. Sie blinzelte müde, wackelte ihr Näschen ob der Wärme ein wenig und schlug erst dann die Augenlider auf. Das Eisblau sah zum Fenster ihres Schlafgemaches und sie fragte sich, ob sie richtig gehört hatte. War da nicht eine Stimme gewesen? Oder hatte sie das nur geträumt? Den Klang der Worte würde sie immer wieder erkennen, ganz gleich wie viele Stimmen gleichzeitig sprachen. Sie lächelte und schüttelte leicht den Blondschopf, sie hatte sicher nur von ihm geträumt. Sie war hier auf dem Festland in Ihnnerau, während Earon mit den Kindern auf Gerimor weilte und sie in Junkersteyn hoffentlich in Sicherheit waren. Mit einem Strecken der Arme brachte Kaleya die Müdigkeit aus ihren Gliedern und wuselte dann aus dem Bett heraus. Schnell wurde das Nötigste an Körperpflege verrichtet und sie schlüpfte in ihr weißes Kleid, das sie im Sommer so gern trug. Die Stickereien darauf bestanden aus Nebelwaldblüten und Runenzeichen, eine Erinnerung an ihre Heimat und ebenso auch eine Ehrung an Mutter. Das aschblonde Haar wurde mit ein paar Bürstenstrichen gebändigt, dann schlüpfte sie durch die Tür ihres Schlafgemaches hinunter und bahnte sich ihren Weg zum Atelier. Dort saß Eyven mit seiner Pfeife im Mund und blickte über die Schulter, als er Kaleyas Schritte bemerkte.

„Guten Morgen, nimmermüder Eisdrache“, meinte er zwinkernd und mit bewusst gewollter Doppeldeutigkeit. Das entlockte Kaleya nur ein koboldhaftes Grinsen und sie stellte sich neben Eyven, um das Gemälde zu betrachten. „Euer Urteil?“, kam es knapp von ihr, gefolgt von einem Blinzeln. „Willst du die technische Ausführung beurteilt haben oder die Art und Weise, wie du diese Szene eingefangen hast?“ Eyven sah gespannt zu Kaleya und als er sie wortlos neben sich stehen sah, zwinkerte er leicht und deutete mit dem Finger auf das Gemälde. „Du malst die Dinge so wie du sie fühlst. Und das ist auch gut so, denn es haucht deinen Gemälden auf diese Weise wahres Leben ein. Hör auf an deinem Glauben zu zweifeln, denn Mutter hat dich wahrlich mit einer Gabe gesegnet. Siehst du das nicht?“ Für Kaleyas Geschmack war Eyven gerade etwas zu redselig und sie blinzelte ein wenig zur Antwort. „Ach Kindchen, nun hat es dir die Sprache verschlagen. Vielleicht solltest du einen Spaziergang durch den Wald von Ihnnerau machen und dich auf andere Gedanken bringen?“ Der Vorschlag des alten Meisters kam Kaleya nur zu recht und so nickte sie und brach alsbald auf.

Die Mittagswärme verging allmählich, während der blonde Eisdrache durch den Wald von Ihnnerau wuselte. Sie trug ihre Stiefel in den Händen und lief barfuss den kleinen Trampelpfad entlang, der durch viele emsige Schritte von anderen Waldbesuchern entstanden war. Hin und wieder drückte sich dabei ein kleines Steinchen in ihre Fußsohlen, doch das machte Kaleya nichts aus. Sie wollte hier Ruhe finden, so wie es auch bei ihren Besuchen im Wald vom Argantfels war. Das Licht der Sonne tauchte die Baumkronen in goldendes Funkeln und hin und wieder drang ein Strahl durch das Grün hindurch, um wie als Wegweiser in den Wald hineinzuleuchten. Kaleya begann leise zu summen und ließ sich treiben, bis sie schließlich die Zeit vergessen hatte und in einem Waldstück strandete, in dem sie noch nie zuvor gewesen war. Als der Eisblick sich auf einen Punkt in nicht allzu weiter Ferne richtete, musste sie mehrmals blinzeln. Da stand er, alt und knorrig, geduldig wartend, so als wären Zeit und Raum für ihn nicht von Bedeutung. Eine uralte Buche ragte mitten im Wald auf, die Äste waren dick und verdreht, was dem Anblick etwas Verwunschenes gab. Vorsichtig schritt Kaleya auf die Buche zu und betrachtete sie lange. In dieser Zeit stahlen sich weitere Lichtstrahlen durch das Blätterdach hindurch und tauchten den Baum in zauberhaftes Licht. Kurz musste der Eisdrache an die Gestaltwandlung denken, in der Earon zum Hüter der Elemente wurde und das Näschen wackelte bei diesem Gedanken verzückt. War dies hier ein Ort, an dem sie Mutter nahe sein würde?

„Zweifele nicht. Du bist eins mit meinem Lied. Eine kraftvolle Note, die mein Leben in sich trägt.“ Kaleya blinzelte und sah umher, doch außer ihr war niemand in dem Wald, der zu ihr hätte sprechen können. Und die Gedankenstimme, die sie nur zu gut kannte, konnte es nicht sein, denn ihr Urheber war hunderte Seemeilen von ihr entfernt. Was aber war es dann? Vorsichtig schritt Kaleya um den Baum herum und bemerkte an dessen Fuße ein leichtes Funkeln. Fast hatte es den Anschein als wären es kleine Glühwürmchen, die um die uralte Buche herumtanzten. Doch da war nichts dergleichen. Vielleicht war es eine Täuschung des Lichtes? Behutsam legte sie eine Hand an den Stamm des Baumes und da spürte sie eine Wärme, die ihre Fingerspitzen kribbeln ließ und dann ihren gesamten Körper erfasste. War das möglich? Mit der anderen Hand rieb sich der Eisdrache die Stirn und sie hauchte sich selbst etwas zu. „Das muss wohl die Wärme sein.“ Die Hand glitt von dem Baum ab und sie schloss für einen Moment die Augenlider, um in sich zu fühlen. „Deine schöpferische Kraft ist meine Gabe an dich. Ich habe sie dir geschenkt, so trage sie in deinem Herzen.“ Da war sie wieder, diese Stimme. Doch wem gehörte sie? Sie öffnete die Augen, nur um dann festzustellen, dass sie immer noch allein war. „Bist du bei mir…?“, fragte sie sich innerlich, ohne ein Wort dabei zu sprechen. Ein letzter Blick aus verwunderten Eisaugen auf die uralte Buche folgte, dann rieb sich Kaleya über die Arme und bemerkte eine Gänsehaut, denn ein Schauer war über ihren Körper gefahren wie ein sanfter Sommerregen.

Andächtig wandte sie sich von der uralten Schöpfung Mutters ab und suchte den Weg zurück nach Ihnnerau. Dabei schwirrten ihre Gedanken wie die Lichtpunkte um die uralte Buche es getan hatten. Was auch immer jene Erfahrung war, sie gab Kaleya wieder die Kraft, die sie brauchte, um in ihrem Glauben zu sich und zu Mutter wieder zu finden. Und vielleicht würde aus dieser Erfahrung ein weiteres Gemälde entstehen, wenn sie wieder zurück im Atelier von Meister Eyven war. Denn die schöpferische Kraft in Kaleyas Herzen war eine Gabe, die wie eine unerschöpfliche Quelle aus dem Eisdrachen heraussprudelte.


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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 27 Sep 2021 19:15    Titel: Eluives Goldhauch
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„Deine schöpferische Kraft ist meine Gabe an dich. Ich habe sie dir geschenkt, so trage sie in deinem Herzen.“

Noch immer hörte sie diese Stimme, hell wie die Sonne und klar wie das Wasser, aber auch in sich ruhend wie die Erde und zugleich frisch wie eine kühle Morgenbrise. Doch diese Stimme hatte niemandem gehört. Keinem Menschen und auch keinem anderen sprechenden Wesen. Und schon gar nicht einer göttlichen Gestalt wie Mutter selbst. Irgendwie wusste Kaleya, dass diese Stimme tief aus ihrem Herzen gekommen war und doch fühlte es sich nicht danach an. Ihr Unterbewusstsein musste ihr einen listigen Streich gespielt haben, oder?

"Maaammaa, Elian hat gepupst! Seine Windel ist voll!" Da waren sie wieder, die alltäglichen Sorgen, als Yvaine übertrieben kreischend und aufgeregt unten im Kaminstübchen um Elians Wiege herumrannte. Sicher hatte sie auch solche Momente vermisst, doch die Abreise von Ihnnerau hatte auch Wehmut in ihr Herz gepflanzt. Zu gerne wäre sie noch bei Meister Eyven geblieben oder hätte sich weiter mit Kyrian über die Dinge des Glaubens unterhalten. Und auch die Bibliothek von Ihnnerau war so unendlich groß und verlockend. Doch bei aller Auszeit, die sie gebraucht hatte nach den zurückliegenden Anstrengungen um das Nichts, so war es ihre Familie, die ihr wahrlich gefehlt hatte. Earon und die Kinder waren zwar prächtig zurechtgekommen, nicht zuletzt durch die Hilfe ihrer Mutter Anchia wie auch ihrer Amme Rielle, doch eine Mutter könnte nie ersetzt werden. Und diese Erfahrung hatte sie selbst gemacht, während sich Kaleya von Eluive verlassen fühlte, vor sich hintreibend wie ein Stück totes Holz im Meer, ohne jede Aussicht auf rettendes Land. Vielleicht hinkte der Vergleich, doch was war man selbst ohne aufrichtigen Glauben? Was blieb dann übrig, wenn man versuchte die entstandene Leere zu begreifen oder gar auszufüllen, die durch den Kampf gegen das Nichts entstanden war? "Maammmaa, es stinnkkkttt, pfui bah!" Der zweite Hilferuf von Yvaine ließ sie erneut lauschen, und kurze Zeit darauf nahm sie die schweren Schritte eines Erwachsenen wahr. Earon nahm sich seines Sohnes an, denn sie hörte ihn schon leise zu ihm sprechen, und da verstummte auch Yvaine bei dem Getuschel unter Männern.

Es dauerte keine 10 Wimpernschläge, da hüpfte Anneen die Treppe zum Raum der Träume hinauf und dort entdeckte das Mädchen ihre Mutter am Schreibtisch. Still wie immer trat sie heran, kuschelte sich ein wenig an Kaleya ihr Bein und sah auf das Papier am Tisch. Ein fragender Blick aus grüngelben Augen traf den Eisdrachen kurz darauf. "Ein neues Gedicht über Mutter und den Herbst, es ist erst gestern fertig geworden. Magst du es hören?" Anneen lächelte erfüllt auf und begann eifrig zu nicken, und so ertönte bald Kaleyas helle Stimme im Raum der Träume. Zwar gab es noch vieles zu tun, angefangen bei alltäglichen Aufgaben im Hort des Wissens über die feierliche Planung des 5. Jubiläums der Hüter bis hin zum Sammeln der letzten spätsommerlichen Kräuter, doch das müsste alles warten. Denn zu guter Letzt war es ihre Familie, die wahrlich mehr von ihrer Zeit verdient hatte. Die blonde Bardin trug nicht nur schöpferische Kraft im Herzen, sondern auch unendliche Liebe für ihre Familie. Und so sollte beides aus ihr herauskommen und sich zeigen wie nie zuvor in ihrem Leben.

— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

Eluives Goldhauch

Deine Wärme und Frieden ziehen in mein klein's Herz,
wenn die Sonne taucht Morgen in herbstliches Kleid.
Vergessen sei nun das Nichts und all dieser Schmerz,
und deine leuchtend Farben sind gar weit und breit.

Es fühlt sich an wie eine mütterlich-sanfte Umarmung,
wenn Gold und Rot sowie Braun erfüllen meinen Blick.
Lichtfunken um mich gleich liebvoller Umschwärmung,
und Blätter tanzen dabei in göttlich anmutender Mystik.

Wenn ich setze nackten Fuss in all dies knisternde Laub,
dann hält die Welt für jenen Moment auf sich zu drehen.
Mein Atem geht ruhig, weil ich an deinen Zauber glaub,
so sei es, von Kopf abwärts bis runter zu meinen Zehen.

Da nun fängt mein wallendes Kleid den Goldhauch ein,
funkelt und flimmert wie deine herbstliche Schöpfung.
Möcht ewig tanzen und es besingen, bin ganz allein dein,
ist so viel schöner als vergangene blutrote Bekämpfung.

Hach... wie wünscht ich mir, dass es nie würde enden,
doch bald schon steht die Nacht von Samhain bevor.
So lange möge deine Sonne uns ihre Wärme spenden,
bis die dunkle Jahreszeit steht vor unserer Welten Tor.

- Gewidmet Mutters Wärme und der mir geschenkten Familie -


— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 12 Dez 2021 17:57    Titel: In memoriam
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Die Flügel der Zeit haben dich davon getragen.
Was bleibt sind all die liebevollen Erinnerungen an dich.
- unbekannt -


Vorsichtig glitt eine kohlenschwarze Hand über Papier, es kratzte mit jedem geführten Strich aus den Fingern des Eisdrachens. Selten nur malte sie mit dem Kohlestift, viel lieber verwendete sie die lebhaften Ölfarben. Doch heute passte keine Farbe in jenes Bild. Heute war die Welt in Schwarz getaucht, so wie auch Kaleyas Stimmung. Vor einem guten Wochenlauf hatten sie die Freiherrin von Talgrund im Hort des Wissens tot aufgefunden und seitdem waren dunkle Schatten über des Eisdrachens Herz gekommen, die sich nun auch nach außen zeigten mit einem erschöpften Gesicht. Die Zeit von Jul stand kurz bevor und hätte in goldenes Licht getaucht sein müssen, doch es gab nur Schwärze. Auf dem Blatt Papier wie auch in Kaleya. Kürzlich erst war sie von so viel Freude gefüllt, das Jubiläum der Hüter und kurz darauf die Lichtenthaler Sternennächte mit ihrem Geschichtenzelt. Doch dann... aye, dann war der Alatner vollkommen über sie hereingebrochen. Der Tod von Eveliina warf die Frage auf, wie es nun weitergehen sollte im Hort des Wissens. Es brauchte noch Zeit, denn die Trauer klebte zäh an jeder Wand, jedem Regal, ja selbst an jedem Buch. Vielleicht würde der Hartung eine gute Zeit sein, um nach tiefer Besinnung weiter Pläne zu schmieden. Doch nun...

Schattenumfangene Eisaugen blickten auf die entstehende Zeichnung unter der eigenen Hand, der Kohlestift ruhte noch darin. Verluste waren tragisch und sie hatte schon so viele in Lichtenthal sterben sehen oder auch von dessen Tode erfahren. Talianna, Saphira, Sir Fjalon, Sir Thelor, Lady Eveliina... So viele Seelen und keine davon würde jemals vergessen sein. Sie fehlten auf ihre ganz eigene Weise im Leben von vielen, und doch blieben sie für immer in Erinnerung. So würde es auch mit Lili sein, und obgleich sie nun letztendlich für immer in seligem Glück auf Drachenfels bleiben würde... Ihr Verlust war ungleich schmerzvoller. Die ehemaligen Mitglieder des Bunten Kessels wurden rar, es gab nur noch Helisande und Kaleya selbst hier auf Gerimor. Alle anderen Lebenden hatte es quer über die Welt verstreut; mochte Eluive selbst sie schützen, wo auch immer sie waren. Mit einigen letzten Handzügen stellte Kaleya ihre Zeichnung fertig und legte den Kohlestift dann beiseite.

Eine Frauengestalt gleich eines Schutzengels saß auf einem Grabstein, als würde sie über den Tode ruhen. So sollte es sein, eine Beschützerin der letzten Ruhe und ein Mahnmal daran sich stets zu erinnern. Nun war es an der Zeit ihr Versprechen einzulösen, das sie Lili gegeben hatte. Sie würde dafür Sorge tragen, dass in Adoran ein Waisenhaus errichtet werden würde, und die Freiherrin von Thronwall im Rathaus zu Adoran würde ihre erste Anlaufstelle sein. Auch im Hospital sollte man sich an Lili erinnern, und ebenso sollte es mit jenen sein, die Lili zurückgelassen hatte, weil sie nicht übers Herz gebracht hatte sich von ihnen zu verabschieden. Die Beschützerin der Erinnerung, in jener Rolle fand sich Kaleya nun zaghaft ein, im Hort des Wissens wie für Lilianas Lebenswerk. Es wurde an der Zeit... Und so machte sich eine vollkommen in Schwarz gekleidete Frau auf den Weg nach Adoran, um dort die Erinnerung einkehren zu lassen.

- in memoriam -


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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 29 Dez 2021 15:18    Titel: Die Schwärze des Alatner
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Kein goldenes Jul-Licht strahlte im Herzen. Nur noch die Finsternis des Alatner war da. Und doch… dort im Stillen leuchtete ein winziges Licht, während der Rauch von Kräutern den Geist einhüllte, um ihn zu zwingen endlich loszulassen.

Kaleya blinzelte ein wenig und rieb sich kurz darauf die Augenlider. Der Rauch der brennenden Räuchermischung war ihr in die Augen gestiegen und noch immer kitzelte der Geruch von Wacholder, Beifuss und Lavendel ihre Nase. Earon hatte jene Räuchermischung angefertigt und zielte mit jener anlässlich der Raunächte ganz bewusst darauf ab das Haus vor all den negativen Gedanken zu reinigen, die über den Jahreslauf unweigerlich Einzug gehalten hatten. Ob es nun der langanhaltende Kampf gegen das Nichts war, oder Liliana ihre schmerzliche Abreise, oder auch der Tod der Freiherrin von Talgrund… es gab genug Dämonen zu vertreiben, die schwer auf dem Herz lasteten. Es war die stille Zeit und anlässlich jener kehrte auch Kaleya in ihre Gedankenwelt ein. So saß der Eisdrachen im Raum der Träume und sah alle Werke durch, welche sie in diesem Jahreslauf geschaffen hatte. Lieder, Gedichte, Gemälde… selbst ihre Idee die Lichtenthaler Sternennächte endlich abzuhalten und so etwas Licht in die Finsternis des Winters zu bringen. So vieles, für das sie sich dankbar schätzen konnte und aus genau eben jenen Grund musste sie in sich selbst aufräumen und endlich zur Ruhe kommen.

Der Rauch wirbelte abermals auf und stieg ihr wieder wohltuend in die Nase, während die Eisaugen dieses Mal verschont blieben. Das Näschen wackelte einen kurzen Moment, dann begann sie nach Papier und Kohlestift zu wühlen, um einen flüchtigen Gedanken aufzuschreiben. Solange die Erinnerung noch frisch war, würde es ihr wohl gelingen ein Gesicht auf die Leinwand zu bringen, welches in einiger Zeit mit Sicherheit als Kunstwerk im Hort des Wissens zu Nebelpass einziehen würde. Und vielleicht… aye, vielleicht würde sie es auch wagen neben Eveliina von Talgrund auch Lilian von Nebelpass zu malen. Ein letztes Mal stieg der Rauch der Räuchermischung auf und spendete dem Eisdrachen so etwas wie Zuversicht. Es war nun an der Zeit dem schwarzen Trauergewand zu entschlüpfen und sich stattdessen in eine andere Kluft zu werfen. Seitdem der Schnee zur Mitte des Alatner gefallen war, hatte der Eisdrache noch kein einziges Tänzchen auf dem Eis gewagt. Zeit die negativen Gedanken des Jahreslaufes endlich hinter sich zu lassen und in der eisigen Kälte des Winters klare Gedanken zu finden.


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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 26 Jan 2022 17:23    Titel: Yvaines vierter Geburtstag
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Und so verflog die Zeit, gleich der Körner einer Sanduhr, stets bewegt und doch an ihrem Platz. Sie verflog ebenso wie die Schneeflocken, die sich vom eisigen Winterhimmel stahlen und eins wurden mit der Erde. Wenn es einem gut ging, verflog die Zeit stets - viel zu schnell.

„Anneen, pass auf deine Schwester auf, hörst du? Sie kann noch nicht so gut Eislaufen wie du.“ Kaleya saß auf der kleinen Bank am See südlich von Argantfels und blickte den beiden Mädchen beim Eislaufen zu. Yvaine gab sich alle Mühe nicht hinzufallen, dies sah man ihrem Gesicht mehr als deutlich an. Sie war so angestrengt, dass ihr rotbraunes Haar, welches unter einer dicken Wollmütze hervorspitzte, mit dem Rot ihres Gesichtes wetteiferte. Die Sommersprossen waren kaum noch zu erkennen und der einzige Kontrast waren ihre eisblauen Augen. Wie konnte dieses Kind nur so energisch und nahezu störrisch sein? Kaleya grinste immer wieder bei dem Gedanken… bei solchen Eltern kein Wunder. Doch immerhin war jenes Wunder am 21. Hartung schon seit 4 Jahresläufen in ihr Leben betreten und das Mädchen war genau so perfekt wie sie war. Kaleyas Näschen wackelte dezent und sie fragte sich, ob Yvaines eine Patin Andra das Kind noch weiter verziehen würde. Es blieb abzuwarten.

Der Gedanke brachte sie auch darauf, dass Anneen ihre Patin in Form von Liliana verloren hatte, auf der anderen Seite aber ihr anderer Pate wieder nach Gerimor gekommen war. Es wurde wieder Ernst, ohne jeden Zweifel und Kaleya fragte sich durchaus, wie das ruhige und höfliche Mädchen mit dem störrischen alten Esel umgehen würde. Auch der Eisdrache selbst freute sich auf die kommende Zeit, denn außer Helisande war niemand mehr vom Kessel auf Gerimor gewesen und eine gewisse Einsamkeit ob jenes Umstandes konnte der Eisdrache nicht verleumden. Hin und wieder ertappte Kaleya ihre Älteste dabei, wie sie abends mit ihrer eigenen Einsamkeit kämpfte, denn Lili und auch Arti fehlten ihr sehr. Vielleicht würde in diesem Sommer eine Reise nach Drachenfels anstehen, und bis dahin konnte Kaleya sicher auch von der Entwicklung des Drachenfelser Waisenhauses berichten.

Die Zeit rann, und so waren es nun beinahe schon 2 Mondläufe, seitdem die Freiherrin von Talgrund tot im Hort des Wissens zu Nebelpass aufgefunden wurde. Ihr zu Ehren hatte Kaleya seit dem Alatner ein Gemälde begonnen, das kurz vor dem Abschluss stand. Jetzt, wo die Erinnerungen an ihr Gesicht noch frisch und unverblasst waren, da musste jedes Details so gut es ging festgehalten werden. Bald schon würde jenes Gemälde im Hort des Wissens zu Nebelpass ausgestellt werden, und zukünftig auch dessen altehrwürdige Hallen schmücken. Das Bild indessen für Lilian würde der Eisdrache als nächstes beginnen. Alles zu seiner Zeit… da lächelte die hochgewachsene Blonde ein wenig und warf einen Blick auf die beiden Mädchen, die einander halfen und vorsichtige Bahnen auf dem Eis liefen. Es sah nicht so aus als würden sie ihre Mutter brauchen, und so schweiften die Gedanken des Eisdrachen weiter. Neulich erst hatte Sahid Ibrahim Yazir sich im Nordquartier eingefunden und hatte ihr ein interessantes Angebot unterbreitet, das in gewisser Weise auch ein Stück weit mit ihrer Stelle im Hort zusammenhing. Informantin für die Menekaner zu werden über alles, was in Lichtenthal passierte, das schien ihr anfänglich seltsam, doch umso länger sie darüber nachdachte, umso klarer wurde ihr, dass sie mit ihrer Aufgabe rund um die Chroniken Lichtenthals sowieso schon sehr vieles mitbekam. Sie würde sehen, wohin sich dies noch entwickeln würde.

Klar war, dass sie Sahid im Gegenzug abgerungen hatte ein gemeinsames Buch über die Ämter in Menek’Ur zu schreiben, denn ein solches Werk fehlte im Hort des Wissens eindeutig. Neben jenem Werk plante Kaleya auch noch ein Buch über die Kleidungsetikette, um hier ebenfalls ein noch fehlendes Werk in den Regalen des Hortes zu ergänzen. Manchmal fragte sich Kaleya, ob sie eines Tages doch noch so etwas wie Manieren entwickeln würde… oder gar vernünftig Knicksen können würde… der Gedanke gruselte sie und ließ sie instinktiv frösteln. Doch wenn sie so darüber nachdachte… vielleicht würde mit der Bewerbung als Schreiberin für Junkersteyn auch jenes Kapitel endlich erfolgreich abgeschlossen werden. Sie und Manieren, betragendes Benehmen? Sie blies die Wangen auf und sah erneut zu den Mädchen, die sich zwischenzeitlich vom Eis heruntermanövriert hatten. „Na meine beiden tanzenden Eisfeen, seid ihr schon fertig?“ Anneen nahm Kaleya wortlos an der einen Hand, während Yvaine aufgeregt an der anderen zuppelte. „Nun musst du uns das Fliegen beibringen, Mama! Papa sagt immer du fliegst wie ein Eisdrache!“, schnatterte das Geburtstagskind und sah Kaleya mit genauso großen Eisaugen an wie ihre eigenen. „Wenn das so ist, dann sehen wir mal, ob das stimmt.“ Kaleya stand auf und stakte mit ihren Schlittschuhen zum Eis, um die Mädchen dann behutsam mit sich zu ziehen. Und so verging die Zeit an jenem Tage weiter wie im Flug… und irgendwo in Junkersteyn, da wartete Earon mit Elian auf seine beiden Eisfeen und den Eisdrachen.



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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 18 Feb 2022 19:16    Titel:
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- Aus dem Beitrag "Ein Turm und ein Häuschen für Junkersteyn" -


Kaleya Auenbacher hat Folgendes geschrieben:
Hastig wurden die Gurte einer grünbläulichen Lederhose zurechtgezurrt und kurz darauf folgten ein robustes Hemd und der geliebte thyrische Rehfellumhang. Das Näschen wackelte bei dem Anblick des Spiegels und der Eisdrache gab sich mit dem eigenen Erscheinungsdatum zufrieden. Kurz darauf schlüpfte die hochgewachsene Blonde in ihre alten Drachenlederstiefel und das Ganze wurde von einem Nasewackeln begleitet. Sie war bereit und so Mutter ihr gnädig war, war es auch die Familie. Wie stets mit wuseligen Schritten durchquerte sie das Schlafgemach und bahnte sich ihren Weg in das Kaminstübchen. Dort saßen die Mädchen im Schneidersitz am Boden und lauschten Rielle einer Geschichte, die auch noch Elian am Schoß sitzen hatte. „Maaammaa, ich will auch eine Schaufel! Fräulein Rielle erzählt wie damals Adoran nach dem Krabbelangriff von Steinen befreit wurde. Dürfen wir wirklich nicht mit? Oh bitte bitte bitte!“ Yvaine überschlug sich bald mit ihrem Gebettel am heutigen Abend mitkommen zu dürfen, doch Kaleya lächelte ihr nur zu und hauchte danach leise. „Ihr seid noch viel zu klein für so schwere Arbeit und wir fangen jetzt nicht wieder mit dem Theater vom letzten Wochenlauf an.“ Ihre Worte waren endgültig und zu gut erinnerte sie sich dabei an das Gebrüll, das sie am zurückliegenden Bauabend ertragen hatte. Die Mädchen waren so aufgeregt, wollten unbedingt helfen und auch die neue Freiherrin sehen. In ihrer Fantasie malten sie sich die Hochgeborene wie eine echte Prinzessin aus und hatten in den zurückliegenden Tagen unaufhörlich Papier „vernichtet“, indem sie mit Kohlestiften ein Bild nach dem anderen gemalt hatten. Mit etwas Fantasie könnte man da tatsächlich eine Frau mit langen Haaren und einem Kleid erkennen, in dessen Hintergrund ein Turm zu erkennen war. „Dürfen wir der Freiherrin ein Geschenk machen?“, fragte Anneen dann höflich wie immer und sah Kaleya mit ihren grüngelben Augen flehend an. Es folgte ein Nicken und so wurde aus kleinen Händen ein Bild überreicht. Unter dem Bild stand in krakeliger Schrift ein kurzer Satz: Willkommen in Junkersteyn! Anneen und Yvaine (und Elian)

Kaleya musste bei dem Anblick unweigerlich lächeln und schenkte ihrer Ältesten darauf hin einen Kuss auf die Stirn. „Darüber wird sie sich bestimmt sehr freuen, ich werde es ihr gleich geben, aye? Und nun hört euch von Rielle noch das Ende des Krabbelangriffes an. Ihr werdet Augen machen wie die Geschichte endet!“ Und so nickte der Eisdrache schließlich auch zu der Amme und wuselte dann in voller Montur aus dem Familienanwesen. Sie fragte sich natürlich selbst wie die Hochgeborene wohl war, immerhin hatte Kaleya noch nicht die Gelegenheit gehabt ihr zu begegnen. Sie hoffte nur, dass sie nicht so war wie manch andere Adelige, denn der Gedanke an eine hochgradig arrogante und verwöhnte Adelige ließ sie frösteln, zumal sie sich auf die Stelle als ihre Schreiberin beworben hatte. Junkersteyn war ein warmes Fleckchen Erde trotz der Kälte im Norden, und die Siedlung hatte Herzlichkeit verdient nach all den zurückliegenden Jahresläufen, in denen immer wieder Verwüstung und Grauen hier eingekehrt waren. Es war ihrer aller Heimat und es wurde Zeit, dass eine gewisse Sicherheit zum Schutz gegen die Schergen des Westens einkehrte. Sorgen indessen bereitete ihr die Lage des Wachturmes, wenngleich sie von solchen taktisch-militärischen Dingen wenig wusste. Doch sie dachte an die Invasion der Goldenen Faust und in dem Fall war die Gefahr vom Meer aus über die Siedlung hereingebrochen. Nach wie vor war die Idee eines Leuchtturmes nicht vergessen, die sie vor so vielen Jahresläufen Thelor vorgestellt hatte. Vielleicht würde die Freiherrin dafür Gehör finden… doch nun würde Kaleya endlich die Zeit finden anzupacken beim Bau des Wachturmes, ganz gleich wo jener stehen würde. Besser ein Wachturm als keiner. Ihre Schritte führten sie den Geräuschen nach an die südliche Gabelung, jene in die Siedlung führte und dort entdeckte sie schließlich auch die Baustelle. Zeit anzupacken, denn es war auch die Heimat ihrer Familie und der Hüter. Sie würde niemals zulassen, dass Junkersteyn ein weiteres Mal Feinden in die Hände fiel. Da wo man einst zur Flucht aufgefordert wurde, da würde sie nun standhaft bleiben - mit allen Waffen, die sie aufbringen konnte. Und heute waren diese Waffen Schaufeln, Hacken und Sägen.


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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 18 Feb 2022 19:18    Titel:
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- Aus dem Beitrag "Ein Turm und ein Häuschen für Junkersteyn" -


Kaleya Auenbacher hat Folgendes geschrieben:
Es war vollbracht. Letztendlich hatte ein lang gehegter Wunsch endlich seine Erfüllung gefunden und der Eisdrache seufzte erleichtert auf bei jenem Gedanken. Die Familie würde künftig sicherer sein, denn man bot dem Westen nun die Stirn. Und dabei war Kaleya - ausgerechnet sie, wo sie doch so wenig mit dem Militär zu schaffen hatte wie ein Hausschwein mit dem Schwimmen im offenen Meer - mehr als froh um die zukünftige Überwachungsmöglichkeit durch den neuen Junkersteyner Wachturm. Sie prustete leise in die Flasche mit Enids Doppelbock, als jener Gedanke sie durchaus erheiterte, während sie mit angewinkelten Beinen auf dem Dach des Wachturmes saß und zum Meer hinaussah. Man hatte so viel Arbeit in den Bau des Wachturmes gesteckt und auch ein Verwaltungsgebäude war an anderer Stelle in der Siedlung entstanden. Vereinte Kräfte schafften so vieles und die beiden Bauwerke waren der beste Beweis dafür. Selbst Merrik, der stets bequeme Fingerfuchtler, hatte sich nicht zu Gänze in seiner Statistenrolle gesuhlt, sondern das Lied eines jeden gestärkt, während Lester seinen eisigen Kumpanen beschworen hatte. Auch die Thyren hatten ihre starken Arme in nachbarschaftlicher Verbundenheit gereicht und so viele der Bewohner hatten angepackt wo sie nur konnten. Das Näschen wackelte kurz als Kaleya der Gedanke kam das alles niederzuschreiben. Mit etwas Mühe fischte sie aus ihrer Tasche ihr Notizbuch und den Kohlegriffel, nur um dann im Licht des beginnenden Morgens all jene Eindrücke in ein kleines Gedicht zu fassen. Wer kurz nach Sonnenaufgang zum Wachturm sah, konnte dort auf dessen Dach erkennen, wie der Eisdrache unaufhörlich dichtete und kritzelte, bis der Moment gekommen war, da auch jenes Werk seine Vollendung fand. Mit einem Lächeln trank sie den letzten Schluck aus der Flasche und krabbelte kurz darauf vom Dach herunter, um den neuen Tag beschwingt zu begehen.

— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

Der Junkersteyner Wachturm

Es gräbt und klopft und atmet schwer, ein jeder packt fest an,
man braucht jede helfend' Hand, ob Thyre, ob Frau, ob Mann.
Es herrscht eisige Kälte, frischer Schnee und pfeifender Wind,
im hohen Norden von Junkersteyn hämmert man geschwind.
Die Bürger wünschten lange schon, ein Turmbau hier begann,
und so geschah es endlich, was man auf Papier so lang ersann.

Lange Arme, schwere Beine, rosa Wangen wie Hausschweine,
es wandert Wand um Wand mit keuchend Ruck auf die Steine.
Selbst bequeme Fingerfuchtler machen sich hier nicht mehr rar,
der eine stärkt uns, der andere beschwört ein Schneeelementar.
„Schöne Wand ganz prächtig“, sagt ein Thyre im Abendscheine,
während Schweiß die Stirne entlang rinnt nicht nur ihm alleine.

Der Abend ist kalt und doch ist die Wärme der Gemeinschaft da,
und bald schon ist der wohlverdiente Feierabend so greifbar nah.
So sitzen wir bei Schützentopf mit Bauernbrot dann alle zusammen,
sehen müde doch auch stolzen Blickes in warm knisternde Flammen.
Es geht Reihe um Met und Doppelbock schneller als man sich versah,
bis man sich verabschiedet mit Segenswünschen und lautem Hossa!

Und wenn man die Junkersteyner nun fragt wie sie es empfanden,
dann wird jener stolze Wortlaut wohl sehr bald laut entbranden:
Ragt im Stolze hoch hinauf, umweht von winterlichen Winden,
im idyllischen Junkersteyn steht er nun, ein jeder mag ihn finden.
Aus Stein und Holz wie Muskelkraft, ist er Stück um Stück entstanden,
ein Wachturm macht's Leben schwer nun Rahaler Schergenbanden.

- Gewidmet dem Junkersteyner Wachturmbau im Eisbruch 265 -


— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

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Kaleya Auenbacher





 Beitrag Verfasst am: 27 Mai 2022 06:23    Titel: Ein süßes Traumlied
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Klar wie Eis im Winter blickten Kaleyas Augen auf ein kleines, unscheinbares Buch, welches in eisblau eingefärbten Leder gebunden war. Ein wehmütiges und doch zufriedenes Lächeln stahl sich von dem sanften Gesicht der Hochgewachsenen. Es war so viel Zeit vergangen, so unendlich viel Zeit… es fühlte sich an wie ein Traum, und doch war es das nicht. Ein süßes Traumlied, welches sie und ihre Familie behütend einhüllte.

— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —

Ein süßes Traumlied

Einem Traume bin ich wohl entschlüpft,
zaghaft zieht die andere Welt an mir.
Des Maien Sonne streichelt lockend,
so bin ich wahrhaft im Jetzt und Hier.

Doch wer nun sagt er träume nicht,
der hat schon längst zu leben aufgehört.
Denn Träumen ist nicht nur für jene Welt,
es ist bestimmt auch für das Jetzt und Hier.

- 14. Eluviar 265, Kaleya Auenbacher -


— — — — — ⊰ ✴ ⊱ — — — — —


Am Horizont traf Wolkenblau auf Eisblau und all die Gedanken überschwemmten den Geist des Eisdrachens wie die Meereswellen es am Strand von Argantfels stets und immer taten. Da gab es so vieles, das noch nicht ausgesprochen war. Und so vieles, das vielleicht niemals ausgesprochen werden würde. Doch sie wusste, sie alle würden es verstehen. Irgendwann… denn Zeit, so sagte man, heilte die schlimmsten Wunden. Und was gab es mehr als zu wissen, dass es zuletzt Glück war? Kaleya umklammerte ihr Buch so unfassbar fest, als würden all die Lieder, Gedichte und Geschichten darin sie daran erinnern, wer sie war und wohin sie gehörte. Niemals darf ich meine Wurzeln vergessen ... nie. Kaleya Auenbacher, aus dem Hause Nestash. Meine Eltern sind Laidir und Anchia Nestash. Ich stamme aus Junkyersteyn. Und sie würde es nicht vergessen, niemals. Doch Eisdrachen wie sie waren dazu bestimmt zu fliegen, um die weite Welt zu erkunden. Und seit Elians 2. Geburtstag am 12. Eluviar hatten sich die einst vagen Gedanken ausgeformt, sich verselbstständigt zu einer konkreten Idee und jene stellte Kaleya nun vor das Ausausweichliche. Ihre Eltern würden nach Ihnnerau reisen, um Meister Eyven für eine längere Zeit zu besuchen. Und die Familie würde folgen, allein zum Wohle der Kinder.

Sie hoffte auf ein friedliches Leben dort, eines ohne die ständige Sorge vor Angriffen, Kampf und Tod. Der Abschied fiel ihr wahrlich nicht leicht, denn Gerimor war ihre Heimat und sie würde all das vermissen. Den Strand von Argantfels mit seinem anliegenden Wald, in dem sie einst das Versprechen ihres Lebens gegeben hatte und wo der von Eluive gesegnete Apfelbaum als Zeichen ihrer Liebe seine Spuren hinterlassen würde. Das Nordquartier in Junkersteyn, in dem zwei ihrer Kinder zur Welt gekommen waren und wo ihr Herz tief im Boden verwurzelt war, welcher ebenfalls eingesegnet war durch Eluives Diener. Ihr großes Familienanwesen, in dem so viele Stunden voller Lachen lagen und wo hoch oben im Raum der Träume all ihre künstlerischen Gedanken zu Papier und auf Leinwand gekommen waren. Den Hort des Wissens, der mit seinem ureigenen Geruch von hunderten Büchern und der gefühlten Weisheit der gesamten Welt gefüllt war. Der Vernementon, an dem so vieles tief verborgen lag und der ihr noch so vieles mehr geschenkt hatte. Die Stadt von Adoran, in der sie einst im Bunten Kessel gestrandet war und erstmals auf eigenen Beinen gestanden hatte. Wulfgard, Ered Luin und Menek’Ur, an jenen Orten sie immer Freunde gefunden und Herzlichkeit verspürt hatte. So unfassbar viele Orte, und noch so viel mehr an wunderbaren Erinnerungen. Sie würde es schmerzlich vermissen, und wenn sie nicht bald Abschied nahm, würde sie sich vielleicht nie mehr losreißen können.

Die Reise nach Ihnnerau würde dieses eine Mal mit dem Schiff angetreten werden, ein einziges Mal wollte sie dort draußen in der Ferne sein, um das Meer und den Wind auf ihren Wangen zu spüren, möglicherweise auch um heimliche Tränen des Abschieds zu trocknen. Und als sie die Augenlider schloss, um sich die Reise vorzustellen, da griff eine vertraute Hand intuitiv nach der ihren, und die Zuversicht überkam sie, dass alles gut werden würde. Die Eisaugen blickten zu Wolkenaugen, und da war sie sich endgültig sicher, dass es genau so sein musste. „Bereit?“, sprach Earon ihr zu und es folgte ein angedeutetes Nicken vom Eisdrachen. „Es ist an der Zeit ‚Leb wohl‘ zu sagen...“, hauchte Kaleya leise. Und so liefen die beiden ein letztes Mal den Weg vom Argantfels nach Junkersteyn, hinterließen ihre Spuren und hofften, dass sie nicht vergessen sein würden, sondern für das ein oder andere Lächeln an trüben Tagen auf so manchen Gesichtern sorgten.
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