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Werkzeugzeit
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Alathair - Online Rollenspielshard Foren-Übersicht » Chargeschichten » Werkzeugzeit
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Ony´xwhae





 Beitrag Verfasst am: 02 Nov 2018 22:33    Titel: Werkzeugzeit
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Erzmade

Was sie schon alles erlebt hatte, seitdem sie zuerst ihren Fuß in dieses Axorn gesetzt hatte, war nichts, worüber die Lethra Buch führte. In einem Wechsel aus Aufträgen und Gehorsam, Verausgabung und Erschöpfung verschwamm alles zu einem vagen Erinnerungsbrei. Hier unten war höchstens eine Veränderung der Tages- oder Jahreszeit wahrzunehmen, wenn die Geruchsmischung der leth'axorn'schen Luft sich wandelte.

Ihre Robe war vor angetrocknetem Schweiß und Dreck so steif verkrustet, dass der Stoff leise knirschte, als sie sich hinhockte und rückwärts in eine Nische neben dem Amboss kroch. Die Arme um ihre angezogenen Knie legend, wie wenn sie sich selbst damit als Bündel verschnüren würde, blinzelte sie matt in den Raum vor sich. Sie musste ruhen und statt die Gemeinschaftshöhle aufzusuchen, kauerte sie sich einmal mehr schlicht an ihrem Arbeitsplatz zusammen. Das ersparte ihr das Hin- und Herlaufen und erschien ihr somit viel praktischer.

Am liebsten hätte sie auf manch andere Dinge, die ebenfalls viel Zeit in Anspruch nahmen, auch verzichtet. Essen. Schlafen. Baden. Reden.
Unauffälligkeit hatte sie bisher überleben lassen. Nichtssagendes Schuften erfüllte sie mit dem, was abgesehen davon Glück am nächsten kam.
Aber nichts sagen im falschen Moment, das wäre ihr in diesem Axorn wohl zum Verhängnis geworden. Also überwand sie gelegentlich ihren Panzer aus schweigendem Eifer, zunächst nur, um eine Strafe zu vermeiden. Jedoch hatte sie bei jedem Wort, das sie von sich gab, das Gefühl, etwas tatsächlich „von sich zu geben“ und dann ärmer, leerer zurückzubleiben als zuvor... so klammerte sich an jedes einzelne, als wäre es ein Stück von ihr, das sie selbst am allermeisten brauchte. Wenn sie die Wahl hatte.

Aus der eingenommenen Froschperspektive sah die Schmiede geräumig aus, aber ihre Nische umgab den Körper der Lethra auf angenehme, weil vertraute Weise: beklemmend, warm und muffig. Die Muskeln in ihren Schultern krampften sich zusammen nach den Stunden unablässigen Hämmerns, ihre linke Hand hatte Brandblasen. Sie genoss diesen Schmerz. Beweis genug, dass sie schon gute zwei Monde länger als erwartet der Lavagrube entgangen war.

Die Begegnungen mit höhergestellten Vertretern der Gemeinschaft waren hier im Handwerkerturm, ihrem Reich der Werkzeuge, eher spärlich gewesen. Erinnerungen rollten träge durch ihren Kopf:
Der Meister mit einer Pantherklaue. In der Rückenlehne des Stuhls, der dem alten Meister gehört hatte, klaffte seither ein mahnender Spalt.
Der Ala'thraxor mit einer motivierenden Peitsche. Gepanzerte Knie verband sie mit seiner Anwesenheit... vom Rest wusste sie kaum, wie er aussah. Nur ein einziges Mal hatte sie gezwungenermaßen weiter an ihm empor geblickt und ein sehr, sehr beunruhigendes Gefühl hatte die Erinnerung inzwischen verformt wie ein heißes Messer eine Wachskerze.
Der Lethyr Szyr'dhar... warum nur musste sie bei ihm an Trolle denken?
Die Lethry mit so vielen Regeln. Aber auch die erste, die Antworten hatte.
Die Junglethoryxae mit Aufgaben und einer Gebetskette, die ausgezeichnete Flugeigenschaften aufwies.
Die angehende Junglethoryxae mit einem Notizblock.
Schniefend schloss sie die Augen und versuchte, sich noch weitere ins Gedächtnis zu rufen. Vor jedem einzelnen hegte sie mindestens Respekt.
„Jeder ein Werkzeug“ war eine der Lektionen, die sie sofort verstanden hatte.
Umgekehrt sah man auf sie hinab und strafte sie nicht selten, wenn auch aus ganz unterschiedlichen Gründen. Selbst, wenn ihr keine Fehler unterliefen, war sie a) Abschaum. Sogar der Staub unter den Stiefelsohlen der anderen kam noch über ihr. Außerdem war sie b) eine Lethra. Bedauerlich? Nicht zu ändern. An die Unterstellung von Schwäche hatte sie sich gewöhnt und beging ihr Tagwerk im stillen Boykott dieser Tatsache. Desweiteren hatte sie erfahren, dass sie das Handwerk des alten Meisters dieses Axorns fortführen würde, den sie c) nie, unter gar keinen Umständen, nicht einmal zur Hälfte ersetzen konnte. Besonders der Letherix der Stoffe hatte keine Gelegenheit ausgelassen, ihr während der ersten Zeit knurrend zu versichern, dass sie einfach nicht richtig war. Zu laut, zu leise, zu lethra.
Tolle Aussichten.

Auch andere „Maden“ waren vorbeigekommen, ab und zu, mit ihren kaputten Sachen zur Reparatur, oder um zu sehen, wer besser im Kriechen war. Einer hätte sogar jetzt da in den Schatten stehen können, ohne ihr Wissen, geschweigedenn ihre Zustimmung.
Aber ausnahmsweise war ihr das gerade ganz gleichgültig. Solange sie nur ab und zu baden musste, konnte sie mit täglichem Kämmen leben.
Langsam ließ sie sich in einen dösigen Dämmerzustand gleiten, eingelullt von den Blubber- und Zischgeräuschen der Esse.


Zuletzt bearbeitet von Ony´xwhae am 02 Nov 2018 22:42, insgesamt einmal bearbeitet
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Ony´xwhae





 Beitrag Verfasst am: 23 Nov 2018 13:24    Titel:
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Kohlelethra

Irgendwann, der Lethra war der Zeitpunkt entgangen, wandelte sich die Ansprache ihr gegenüber. Seltener wurden die körperlichen Züchtigungen und schon länger hatte sie keiner mehr an Haaren oder Gliedmaßen irgendwo hin geschleift. Immer seltener schallte der Ruf „Erzmade!“ an ihr Ohr.
Vielleicht hatte man sich damit abgefunden, dass sie nicht freiwillig in die Lavagrube sprang?
Irgendwas an der augenblicklichen Unversehrtheit ihrer Hülle ließ allerdings in ihr den Verdacht wachsen, dass das nicht so bleiben würde.

Als der festgesetzte Abend ihrer Prüfung herangerückt war, badete und kämmte sie sich und warf wie befohlen nur ihr ohnehin einziges Kleidungsstück über – eine von der Arbeit abgenutzte Robe in verwaschenem Farbton, mit ein paar kleinen Brandlöchern an den Ärmeln.
Ihre Sinne schienen irgendwie schärfer als sonst. Sie fühlte die Nähte über die Haut reiben, roch den vertrauten Duft von den Dünsten der Esse, Schwefel und Rauch, der noch im Gewebe hing. Als sie an sich hinab blickte, stachen ihr die bloßen dunklen Zehen ungewohnt bläulich vor dem schwarzen Steinboden ins Auge. Noch einen Beutel musste sie mitnehmen, obwohl ihr nicht klar war, welchem Zweck die Dinge dienen sollten. Sie packte einfach alles ein: Kohle, Pyrianerz und Nägel.

Angespannt schlich sie zum Tempel. Die Anzahl der Anwesenden erstaunte sie, aber ihr Gesicht war zu beschäftigt damit, ihre eigene innere Unruhe nicht nach außen dringen zu lassen, um dieser Regung nachzugeben. Die Verneigung gen Altar, die Begrüßung der anderen, die ergraute Lethoryxae Nhua'lyr... der Beginn der Zeremonie - scharf brannten sich die Wahrnehmungen in ihr Gedächtnis.
Schnipp, schnapp, eine Schere in den Händen der Junglethoryxae schnitt ihr die Robe vom Leib. Es war ungewohnt, dass alle tatsächlich ihren Körper sehen konnten, unverhüllt von Stoff und sogar reingewaschen von dessen üblicher Dreckkruste. Sie fror nicht einmal, gegen das bohrende Gefühl der Blicke erschien die Luft auf der Haut geradezu neutral. Dennoch spürte sie bald darauf wieder Wärme.
Schmerz. Glühende Kohle- und Erzbrocken lagen am Boden, umgaben ihre Füße. Aufrichten, stehen, egal wie. Tastende Finger. Ein Schritt voran. Schmerz. Blicke. Eine Klinge. Blut. Schmerz! Ein Schritt voran. Scharf gezischelte Worte links von ihr, der Tonfall eindeutig, aber unmöglich konnte sie den Inhalt aufnehmen. Schmerz. Fragen. Schritte. Ihre Zehen gruben sich tiefer gen des Tempelbodens, auf der Suche nach kühlem Stein. Noch eine Waffe... nein, ein Buch. Schmerz.
Als schließlich ihr Kopf niedergedrückt wurde, um ihr das Zeichen der Gemeinschaft zu verpassen, ließ sie ihre Gedanken gänzlich in die brennende Pein eintauchen. Sie sträubte sich nicht dagegen, sondern atmete stoßweise weiter. Wie konnte das Ziehen einer einzigen Rune auf der Haut eine scheinbare Ewigkeit in Anspruch nehmen? Erst nach und nach wich das weiche, schwammige Gefühl in ihrem Kopf und so sickerte noch das Ende eines Satzes von der Lethorixae zu ihr durch. „... steh auf!“
Sie rappelte sich hoch und die zuvor unterdrückten Empfindungen prasselten unerbittlich auf sie ein. Nacktheit. Gänsehaut. Ihr Genick strahlte ein weißglühendes Gefühl aus. Eierig kam sie auf die Füße, an denen rundherum Brandblasen prangten. Sie blutete. Atmete. Lebte! Keine Lavagrube heute, dachte sie triumphierend und streckte die Brust heraus.

Als sie entlassen wurde, legte sie den Weg zum Bankturm eilig zurück; ungeachtet dessen, dass sie noch nichts an hatte und jedes Aufsetzen der bloßen, lädierten Füße auf dem rauen Tunnelboden ihre Knie instinktiv zum Nachgeben bringen wollte. Die Erkenntnis, was dieser Schmerz bedeutete, beflügelte ihre Schritte.
Xen'tael blickte an ihr hinab, abschätzend, und zog ungefragt etwas aus ihrer Kiste: Eine Robe, die er ihr entgegenschleuderte.
Die Robe. Heimlich aufbewahrt bis zu diesem Tag.
„Bedeck' dich. Kohlelethra,“ meinte auch gleich eine bekannte Stimme. Die anderen hatten sie auf dem Rückweg vom Tempel eingeholt.

Einige riefen noch noch am gleichen Abend dazu auf, zu einem Markt der Menschen zu gehen. „Keine Lavagrube, auch nicht morgen.“, wisperte sie und schnallte ihre Ausrüstung an, um sie zu begleiten. Das glühende Gefühl im Nacken schien durch ihren ganzen Körper zu strömen, um sie aufzurichten. Die muffige Luft des Axorns atmete sich weich, reichhaltig und schmeichelnd. Aufgaben warteten. Wenn sie sich darauf konzentrierte, konnte sie ihre Blessuren beinahe ausblenden.


Zuletzt bearbeitet von Ony´xwhae am 23 Nov 2018 13:36, insgesamt 3-mal bearbeitet
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Ony´xwhae





 Beitrag Verfasst am: 06 Dez 2019 23:18    Titel:
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Pantherkind

Die Mondläufe rannen an ihr vorbei wie geschmolzenes Erz. Stets suchte es den geeignetsten Weg... passte sich an die vorliegende Form an, in der es aushärten sollte. Doch nicht genug damit, abschließend wurde es noch zurecht gehämmert, gebogen und gefeilt.

Die Lethra ließ sich auf den Boden im Handwerkerturm sacken. Ihre Hand löste sich vom Arm, genauer vom Ärmel, den Jyn'drarrs Peitschenhieb ereilt hatte. Kleine Metallplättchen an dem ledernen Schlag hatten sich in dem Stoff verbissen und daran gezerrt, bis es sich auftrennte und ein klaffender Riss mit unregelmäßigen Rändern entstand, aus dem dunkelrote Fäden hervor rannen wie Blut. Unterhalb hatte ihr geschmiedeter Armschutz seine Aufgabe erfüllt und keine äußerliche Wunde war entstanden. Nichtsdestotrotz schnappte sie nach Luft und verzog die Lippen ob dieser anderen Art von Schmerz.
Die Robe.

Für einige Momente schlossen sich ihre Lider und sie atmete gegen die Last auf ihrer Brust an, doch die Erinnerung drängelte sich vor ihr inneres Auge und ließ den reinen Hass wieder in ihr aufwachen. Wohlbekannt und doch mit einer neuartigen Gewalt wallte das Gefühl auf, füllte sie dunkel aus, heiß und kalt zugleich. Nahezu greifbar suchte es sich einen Weg nach außen: eine Lücke, eine Schwachstelle in der sonst bis zur Verkrampfung selbstbeherrschten Hülle. Es war, als ob der Riss im Ärmel etwas in ihr aufgerissen hätte, ein dünnes Gewebe, welches zuvor dieses Dunkle abgeschirmt hatte.
Der Panther war in ihr. Nie bezweifelt. Doch hatte es sie für einen Augenblick überwältigt, als der Hass um sie fast schon materiell zu flirren begann und neben ihr schließlich die schemenhafte schwarze Gestalt einer Raubkatze bildete. Der Ala'thraxor selbst hatte sie darin unterrichtet, worauf es ankam, und sie angewiesen zu üben. Stundenlang währten die Versuche, ihren Hass zu sammeln und als Essenz zu materialisieren. Doch blieben sie alle ohne Erfolg, immer blieb das
Innen deutlich abgekapselt von der Welt. Wie das Gefühl nun plötzlich aus ihr heraus floss und genau wusste, welche Form ihm bestimmt war! Hier und da war die Erscheinung etwas fahl, die Ränder des Schemens verschwommen. Wahrscheinlich brauchte es noch ...Schliff. Der Lethrusar, der vor ihr stand, die Peitsche schwang und viel redete. Er wollte sie schleifen.

Bitter schluckte sie und unterdrückte das schwarz in ihr anwachsende Gefühl wieder, bevor es herausplatzen wollte – gerade war es nicht nützlich. Es verdüsterte ihr den Blick, was in dem ohnehin nur funzelig beleuchteten Handwerkerturm und speziell bei dem, was sie vor hatte, nicht erstrebenswert war.
Mit steifen Bewegungen löste die Lethra ihre Gestalt aus der Robe und faltete die Beine, um das mit praktischen Lederschlaufen und -taschen besetzte Kleidungsstück auf dem Schoß auszubreiten. Ein paar Werkzeuge klapperten beim Auslegen unbeachtet aneinander und verstummten erst, als die angehende Letherixae still saß und das kupferrote Augenpaar den dunkelroten Stoff betrachtete.

Die Möglichkeit, dass Qel'ryn irgendwann wieder ins Axorn zurückkehren würde, konnte nicht ausgeschlossen werden. Warten, bis er kam und darauf hoffen, dass er den Schaden behob? Ausgeschlossen. So ausgeschlossen, dass es der lächerlichen Vorstellung von der gegenüberliegenden Seite aus zuwinken kannte. Es blieb nur eine Alternative... fließen, sich in die vorgegebene Form schmiegen wie das geschmolzene Erz.
Schon fand sie eine Nähnadel in ihrer Hand vor und bemerkte, verdutzt schmatzend, dass sie bereits einen Faden durch das Öhr gezogen hatte. Manchmal taten ihre Hände einfach Dinge, als wäre ihnen ein Eigenleben zuteil. Also begann sie mit einer Naht. Nicht eben unauffällig, aber zweckmäßig, verband sie die Stoffränder wieder miteinander. Für immer würde die Stelle gleich einer Narbe deutlich zu sehen sein. Ein kritischer Moment, der sichtbare Schauplatz eines Durchbruchs, und doch keine Schwachstelle.



Zuletzt bearbeitet von Ony´xwhae am 22 Dez 2019 17:54, insgesamt 4-mal bearbeitet
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