Die letzten Stufen werden mit einem Satz übersprungen, rasch greift er nach ein paar Seiten, wild durchgemischt, ein paar davon barscher als die anderen, es sollte egal sein. Dazu noch ein Einband - aus Stoff? Aus Leder? Das heruntergekommene Hemd eines Abenteurers? Auch das ist ihm gleich. Und so wandert er die Treppe wieder rauf, in seiner linken hält er das Papier, in seiner rechten ein gegerbtes Fell - eher eine Jagdtrophäe, Kopf und Ohren des einstigen Ungetüms hängen schlaff daran herunter.
Oben angekommen wird er sich der nebenstehenden Kommode kurz zuwenden und in den Schubladen nach etwas kramen, zwischen den folgenden Wimpernschlägen werden sämtliche Schubladen jedoch hastigst zugeschlagen und der fokussierte Blick wandert auf das obere Ende der Kommode, im nächsten Moment greift er nach dem darauf stehenden Behältnis in welchem sich Feder und Tinte befinden.
Noch scheint der Tag mild, die Luftfeuchte noch nicht so beengend, der brennende Schmerz der Strahlen nicht so stechend wie zur Mittagszeit, der ideale Zeitpunkt um sich draußen niederzulassen, die Sonne dabei stets im Rücken um nicht geblendet zu werden.
Wieder auf dem Balkon angekommen lässt er sich aus dem Stand hinabsacken, die Bewegung wirkt dabei wie sorgsam einstudiert, als würden Körper und Glieder das Sinnbild völliger Konvergenz ergeben. Eine der Seiten und ein zurechtgeschnitztes Stückchen Kohle werden rangenommen, alsbald darauf beginnt er mit feinsten Linien eine Silhuette zu skizzieren, mit jedem weiteren Kohlestreich wird aus dem mosaikähnlichen Gebilde ein deutliches Portrait. Bei der Person handelt es sich vermutlich um eine Natifah, die glatten, weichen Wangen sind deutlich hervorgehoben, außerdem stechen ein Wimpernfächer und langes, welliges Haar welches dem Ton und Glanz nach an Ebenholz erinnern soll, hervor.
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Etwa ein Drittel der unteren Seite ist noch frei, das weichgezeichnete Portrait wird mit einem Hauch Speichel verwischt und gleichermaßen schattiert um das Mineral in die Fasern eindringen zu lassen. Das Pergament wird dann beiseite gelegt und ein Kerzenständer darauf platziert, auf das sie die nächste Böe nicht davontragen würde.
Im nächsten Moment wird eine weitere Seite rangenommen, ein Griff nach Feder und folgender Titel wird mittig im oberen Drittel der Seite niedergeschrieben - in großen, deutlichen Lettern, unter dem starken Druck der auf die Feder ausgeübt wird gibt das Papier nach als würde es in jenem Augenblick durchstoßen werden:
'Illustre Traenen – Rahims' Annalen'
der Titel wird unterstrichen und die großen Lettern werden ein zweites Mal nachgefahren, die folgenden zwei Zeilen bleiben leer und in der dritten wird man folgendem Schriftzug gewahr werden, ebenfalls zentriert, aber zugunsten der Übersichtlichkeit in kleineren Lettern gehalten:
'Prolog'
Kurz darauf hält er inne, die immer heißer werdenden Wüstenwinde prallen ungestüm auf seinen Nacken. Der erhitzte Wüstensand peitscht ebenfalls um seine Ohren, mit jedem Windstoß ist ein pfeifendes Geräusch zu vernehmen das die Luft schneidet, als Reaktion darauf lässt er kurzerhand die Feder fallen und zieht sich das Kopftuch nun vollends über sein Haupt, nurmehr ein Schlitz in Augenhöhe wird freigelassen um die filigranen Schriftzüge führen zu können.
„Ein Prolog ist wohl als Vorwort gedacht, doch ist es schwer für mich einen passenden Einstieg zu finden da die Gedanken in meinem Kopf wild umherirren.
Anlass zum verfassen dieser Schrift ist der Ausdruck aller Emotionen und Gedankenströme zu denen ich unter normalen Umständen aufgrund meiner oftmals als Stolz fehlverstandenen Balance nicht im Stande bin, eine traurige Tatsache angesichts dessen das ich stets größte Mühe damit trage nach außen hin und innerhalb der Familie mit Charisma zu glänzen und durch Taten zu schillern.
So du dies lesen wirst werde ich selbst bereits mehr aus dem Hintergrund agieren, um keine ungewollte Threadralik aufkommen zu lassen sei vorweg gesagt das dies nicht zwangsläufig mit einem absehbaren Ereignis zusammenhängen muss sondern ebensogut mit einer Art von höherer Erkenntnis - oder Einsicht - zusammenhängen könnte. Und eben darum meinen aufrichtigsten Glückwunsch an dich, die sich voller Erwartung über die rustikal verpackten Ergüsse meiner selbst beugt.
Im nachstehenden werde ich dich obgleich etwaiger vergangener Differenzen einfach persönlich ansprechen, auf die Art und Weise wird dem Unterfangen ein Quäntchen mehr Persönlichkeit zugutekommen.
Außerdem möchte ich dich auf die altertümliche und gehobene Sprache hinweisen, ich verwende die gemeinhin mehr oder minder bekannte Handelssprache, so du diese nicht verstehst wende dich ab da du dann wohl kaum mehr dazu in der Lage sein wirst die versteckten Worte und Botschaften inmitten des geschriebenen zu erkennen.
Der Vollständigkeit halber - sicher hast du dies anhand des letzten Absatzes bereits bemerkt - möchte ich noch erwähnen das ein paar Zeilen hier und da von Zynismus geprägt sein werden, bedauerlicherweise kann ich auf sanfte Gemüter keine Rücksicht nehmen, das vielgesichtige Schreiben ist eine verloren gegangene Kunst und zumindest ich möchte einen angemessenen Beitrag dazu leisten diese so weit wie möglich zu erhalten.
Doch auch dieser Zug meines Wesens sollte dir mitnichten unbekannt sein, gleichermaßen bin ich festen Glaubens daran das du in der Lage bist das nötige und offensichtliche aus den Worten zu erhaschen ohne mit gebrochenem Gemüt das Weite suchen zu müssen.
Denn anders als die meisten bedienst du dich nicht des weinerlichen Tones um das unabwendbare zu beklagen, du versuchst nicht dem unausweichlichem zu entkommen, du verharrst und wägst ab ehe du vorschnell handelst; eben genau dieser Irrsinn ist es der dich in meinen Augen wertvoller erscheinen lässt als andere, es ist der Trotz, die Kälte... doch auch die Entschlossenheit, die Wärme...
Dir wird die "Widmung" auf der ersten Seite nicht entgangen sein, ein Portrait deiner selbst, oder zumindest der Versuch. Doch wirst nicht du Gegenstand dieses Buches sein, sondern Ich. Das, was ich hier niederschreiben werde wird denjenigen Aufschluss geben die ihn herbeisehnen. Zu nichts geringerem nehme ich diese Mühe auf mich.
Wann immer ich die Zeit finde die Feder erneut zu schwingen werde ich dies künftig tun, auf dass du an meinen Erfahrungen teilhaben wirst."
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Zuletzt wird noch ein Zitat unter das vormals portraitierte Deckblatt geschrieben, wohl habe er das untere Drittel der Seite aus gutem Grund nicht beschrieben, in fein geschwungenen Lettern beginnt er zwischen den folgenden zwei Wimpernschlägen niederzuschreiben:"Im Dunkel liegt ein Scheinen,
ist nicht Anfang noch Beginn.
Mögen sanfte Augen weinen,
finden sehend keinen Sinn."
ist nicht Anfang noch Beginn.
Mögen sanfte Augen weinen,
finden sehend keinen Sinn."
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