Am Tage, da der Tod an deine Pforte klopft,
was wirst du ihm denn bieten?
Sucht man das Glück, wird man das Pech anziehen. Vielleicht war doch etwas Wahres daran, was der Volksmund so spricht. Immerhin kam er nun vom Regen in die Traufe und wohl noch ein ganzes Stück weiter.
Das Meer war still, unter der Handvoll Bretter, auf denen er nun Zuflucht gefunden hatte. Das stille Meer. Was auch immer das Schiff zum kentern brachte, es möge auf ewig verflucht sein. Und verflucht sei sein Leichtsinn, dass er so einfach mit dem Leben davon kommen würde, wenn er aus dem Dienst desertieren würde.
Verflucht sein all die Gedanken an Friede, Freiheit und ein Glückliches Leben bis an das Ende seiner Tage. Verflucht sei er selbst für seine Torheit. Er sollte es doch besser wissen.
Verflucht seien die zehn Jahre Dienst als Soldat, verflucht all die Gefallenen, die in seinem Kopf umher spukten und ihn Nacht für Nacht verhöhnten. Verflucht die hohen Offiziere, mit ihren mörderischen Befehlen, wären sie sich in der Etappe den Hintern breit saßen.
Verflucht seien all die Nächte, in denen er zu schwach war, nein zu sagen. In denen er zu schwach war, einfach die Waffen nieder zu legen und zu gehen. Verflucht seien auch all die Tage, in deinen er einfach weiter machte mit seinem grausamen Handwerk.
Verflucht seien die letzten zehn Tage, in denen er nur marschierte, um weg zu kommen. Weit weg, von all dem Graus, dem Mord, dem Elend. Verflucht die Blasen an seinen Füßen, die nun im Salzwasser noch mehr brannten. Verflucht, das letzte bisschen Eitelkeit, dass in ihm schlummerte.
Verflucht sei er selbst, für Feigheit, Mut, Demut, Reue, Angst und Wut.
Ach, meines Lebens voll’ Gefäß werd’ meinem Gast ich reichen;
nie werd’ ich ihn mit leeren Händen gehen lassen.
Nun saß er hier, allein, verlassen, hilflos, inmitten des pechschwarzen Nichts. Kein Geräusch mehr, kein Schrei, kein schlagen auf Wasser, kein Ruf. Stille. Nichts Schrecklicheres gab es auf der Welt, als das nichts der Stille.
Das Schiff, die Morgenröte, gekentert bei ruhiger See. Des Nachts, als alles schlief, des nachts, als keiner wachte, des nachts, als es keiner ahnte.
Wie viele Seelen auch immer verloren gegangen sein mögen, es war ihm egal. Wie viele Seelen nun nach Rettung bangten, es war ihm einerlei. Wie viele Seelen vor Schmerzen das Dunkel der Nacht anschrien, es kümmerte ihn nicht. Denn seine Welt war beschränkt auf die Handvoll Planken, auf denen er hockte.
Das letzte bisschen Licht, welches die kleine Sichel des Mondes zaghaft spendete, vermochte kaum einen Schritt um ihn herum für ein wenig Licht zu sorgen. Aber was sollte er auch erkennen? Wasser? Und endlich viel Wasser! Nichts als Wasser! Und auf diesem unendlichen Meer ein kleiner Haufen Elend, dass nichts tun konnte, als vor sich hin zu treiben und auf seinen sicheren Tod zu warten.
Warten. Elendes Warten. Elendes langes Warten. Unendliche Qualen des Wartens. Unendliche Qualen des Wartens inmitten der Stille.
Man sagte zu ihm immer, lass die Hoffnung nicht fahren. Denn wenn du alles verloren hast, die Hoffnung bleibt dir bis zum Schluss. Aber worauf sollte er hier hoffen? Auf ein anderes Schiff? Auf Land? Eine Meerjungfrau, die ihn errettete?
Hier Draußen gab es keine Hoffnung, auf die man bauen konnte. Das einzige, was hier wirklich sicher war, ist der Tod. Und er bat darum, flehte, dass er sich beeilen mag und ihn schnell holen kam. Möge er ihn rasch holen kommen.
Denn zuckersüß erscheint der Tod, wenn man alle Hoffnung hat fahren lassen.
Die ganze süße Lese meiner Herbstestag’ und Sommernächte,
all dies, was ich in meinem Leben hab’ erworben und geerntet,
stelle ich ihm bereit am Ende meiner Tage,
an dem der Tod an meine Pforte klopft.
Todgesagte leben länger
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Veehrs Usil
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- Registriert: Freitag 20. Februar 2015, 14:14
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Veehrs Usil
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Willst du Erlösung von deiner brennenden Qual?
Suchst du den Ausweg aus diesem Jammertal?
In deinen Augen seh' ich die Pein dieser Welt
Ist es die Suche die dich am Leben hält?
Zeitgefühl… verloren!
Lebenswille… verloren!
Hoffnung… verloren!
Es hätten Monate sein können, Jahre, Jahrhunderte, in denen Veehrs über die Weiten des Meeres trieb. Das Zeitgefühl war das erste, was er verlor. Jeden Tag sah er nur Wasser. In alle Richtungen nur… Wasser. Keine Insel, kein Vogel, kein… nichts.
Und doch waren es nur wenige Tage, die er auf dem Haufen Brettern saß, die ihn über das weite Nass trugen. Schmerzen empfand er nicht mehr. Das Hungergefühl war längst einer großen Leere gewichen. Seine Gedanken… verstummt.
Einzig das trockene Gefühl in seinem Mund war nicht gewichen. Und hier hatten entweder die Götter Einsicht oder er hatte eben nur großes Glück. Zwei Tage regnete es ohne Unterlass. Zwei Tage, in denen er zwar klatsch nass war, was ihm aber reichlich egal schien. Denn immerhin hatte er Wasser, das er trinken konnte.
Und doch musste er es sich einteilen. Wer wusste schon, wie lange er noch auf den Brettern liegen musste, bis er gerettet wurde oder… endlich sterben durfte. Vielleicht würde sein Körper einfach dem Drang nachgeben, sich fallen lassen und er würde einfach aufhören, zu leben. Aber sein Geist verhinderte das anfangs. Doch jetzt?
Der Lebenswille schien dahin. Er konnte sich nicht einmal mehr dazu aufraffen, den Kopf zu heben und umher zu spähen. Er lag den ganzen Tag und die ganze Nacht einfach unbewegt auf seinen Brettern. Kein Wille mehr da, auch nur irgendetwas zu tun. Nur noch liegen und sterben.
Denn die Hoffnung hatte er auch fahren lassen. Kein Schiff würde ihn hier, abseits der Routen, finden. Kein Land würde er frühzeitig genug erreichen, um sein Leben zu retten. Einzig den Fischen würde er nach als Festschmaus dienen. Immerhin dazu war er noch zu gebrauchen. Wenigstens war sein Sterben nicht ganz sinnlos.
Hast Du keine Hoffnung mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her!
Er wachte auf, mitten in der Nacht. Wieder umgab ihn die schweigende Stille. Und doch, etwas war anders. Die Stille, sie schwieg nicht ganz. Er hörte etwas. Wellen. Wellen, die sich irgendwo brachen.
Mit all seinem Willen, den er noch aufbringen konnte, mit fast seiner ganzen Kraft, die sein geschwächter Körper noch hergab, hob er den Kopf an und spähte in die Finsternis. Das Lied der Wellen, die irgendworan zerschellten, spielte in seinen Ohren.
Und doch… Nichts.
Nichts in dieser Richtung, nichts in dieser Richtung, nur ein Licht in dieser Richtung, nichts in dieser Richtung.
HALT!
Sah er dort wirklich die Schemen eines Lichtscheins? Oder bildete er sich dies ein? Spielte ihm sein wirrer Geist einen Streich? Oder stand das Licht für den nahenden Tod?
Egal. Alles egal. Ob nun Rettung oder Tod. Egal.
Langsam rollte er sich zur Seite, die Kante kam bedrohlich nahe. Und mit dem letzten Rück kippte er über und das salzig kalte Wasser umschloss ihn. Mit einem Mal war Veehrs hell wach.
Kraft durchzuckte Arme und Beine, sein Kopf begann wieder mit seiner Arbeit. Mit einem Mal war er vom Wunsch beseelt, sein Leben noch nicht herzuschenken. Nicht heute, nicht jetzt.
Prustend schoss er aus dem Wasser an die Oberfläche und japste nach Luft. Seine Rettende Insel trieb langsam davon. Es gab kein zurück mehr. Es gab nun nur noch ein einziges Ziel. Das Licht.
Mit all der frischen Kraft, woher sie auch immer kam, schwamm er auf das Licht in der Ferne zu. Es sah nicht so weit aus, doch es schien, als käme es einfach nicht näher. Als würde es vor ihm flüchten, ihn verhöhnen, auslachen und erniedrigen. Als solle er es niemals erreichen.
Wieder schien die Hoffnung zu weichen, es erreichen zu können. Schwer wurden Arme und Beine, jede Bewegung tat unsäglich weh. Sein ganzer Körper sträubte sich, sein Geist riet ihm, aufzugeben. Sein Wille wollte sich dem unweigerlichen Beugen. Aber irgendetwas trieb ihn weiter an. Weiter und weiter und weiter und…
Auf einmal schlug seine Hand hart auf. Er spürte etwas Hartes zwischen den Fingern. Stein. Er hatte einen Stein in der Hand. Die andere Hand folgte, er kniete im Wasser. Diesmal war es etwas weicheres, längeres, viele…
Das musste Gras sein. Stein und Gras. Land. Er hatte Land erreicht.
Die Muskeln und Sehnen in seinem Körper brannten, schrien förmlich vor Erschöpfung. Seine Füße fanden keinen festen Stand, er schwankte mehr, als er ging. Trüb war sein Blick, als er auf das nächst beste Licht zuhielt, dass seine Augen blendeten.
Schlurfend schoben sich seine vom Salzwasser wunden Füße vorwärts, so lange, bis sein rechter Fuß gegen etwas Hartes stieß und er das Gleichgewicht verlor. Wie ein nasser Sack schlug er auf dem Boden auf. Kraftlos sackte er zusammen. Sollte er jetzt sterben, würde ihn hoffentlich jemand finden und seinen Leichnam bestatten. Wenigstens kein Fischfutter. Wenigstens nicht unbekannt auf See geblieben. Wenigstens…
Dunkelheit umgab seinen Geist. Dunkelheit, wie all die Tage auf See, wenn die Sonne das spendende Licht hinter den Rand der Welt mit sich nahm.
Lichtlein, Lichtlein brenne
heller als der Tag,
weil die liebe Sonne
nicht mehr scheinen mag.
Suchst du den Ausweg aus diesem Jammertal?
In deinen Augen seh' ich die Pein dieser Welt
Ist es die Suche die dich am Leben hält?
Zeitgefühl… verloren!
Lebenswille… verloren!
Hoffnung… verloren!
Es hätten Monate sein können, Jahre, Jahrhunderte, in denen Veehrs über die Weiten des Meeres trieb. Das Zeitgefühl war das erste, was er verlor. Jeden Tag sah er nur Wasser. In alle Richtungen nur… Wasser. Keine Insel, kein Vogel, kein… nichts.
Und doch waren es nur wenige Tage, die er auf dem Haufen Brettern saß, die ihn über das weite Nass trugen. Schmerzen empfand er nicht mehr. Das Hungergefühl war längst einer großen Leere gewichen. Seine Gedanken… verstummt.
Einzig das trockene Gefühl in seinem Mund war nicht gewichen. Und hier hatten entweder die Götter Einsicht oder er hatte eben nur großes Glück. Zwei Tage regnete es ohne Unterlass. Zwei Tage, in denen er zwar klatsch nass war, was ihm aber reichlich egal schien. Denn immerhin hatte er Wasser, das er trinken konnte.
Und doch musste er es sich einteilen. Wer wusste schon, wie lange er noch auf den Brettern liegen musste, bis er gerettet wurde oder… endlich sterben durfte. Vielleicht würde sein Körper einfach dem Drang nachgeben, sich fallen lassen und er würde einfach aufhören, zu leben. Aber sein Geist verhinderte das anfangs. Doch jetzt?
Der Lebenswille schien dahin. Er konnte sich nicht einmal mehr dazu aufraffen, den Kopf zu heben und umher zu spähen. Er lag den ganzen Tag und die ganze Nacht einfach unbewegt auf seinen Brettern. Kein Wille mehr da, auch nur irgendetwas zu tun. Nur noch liegen und sterben.
Denn die Hoffnung hatte er auch fahren lassen. Kein Schiff würde ihn hier, abseits der Routen, finden. Kein Land würde er frühzeitig genug erreichen, um sein Leben zu retten. Einzig den Fischen würde er nach als Festschmaus dienen. Immerhin dazu war er noch zu gebrauchen. Wenigstens war sein Sterben nicht ganz sinnlos.
Hast Du keine Hoffnung mehr,
kommt irgendwo ein Lichtlein her!
Er wachte auf, mitten in der Nacht. Wieder umgab ihn die schweigende Stille. Und doch, etwas war anders. Die Stille, sie schwieg nicht ganz. Er hörte etwas. Wellen. Wellen, die sich irgendwo brachen.
Mit all seinem Willen, den er noch aufbringen konnte, mit fast seiner ganzen Kraft, die sein geschwächter Körper noch hergab, hob er den Kopf an und spähte in die Finsternis. Das Lied der Wellen, die irgendworan zerschellten, spielte in seinen Ohren.
Und doch… Nichts.
Nichts in dieser Richtung, nichts in dieser Richtung, nur ein Licht in dieser Richtung, nichts in dieser Richtung.
HALT!
Sah er dort wirklich die Schemen eines Lichtscheins? Oder bildete er sich dies ein? Spielte ihm sein wirrer Geist einen Streich? Oder stand das Licht für den nahenden Tod?
Egal. Alles egal. Ob nun Rettung oder Tod. Egal.
Langsam rollte er sich zur Seite, die Kante kam bedrohlich nahe. Und mit dem letzten Rück kippte er über und das salzig kalte Wasser umschloss ihn. Mit einem Mal war Veehrs hell wach.
Kraft durchzuckte Arme und Beine, sein Kopf begann wieder mit seiner Arbeit. Mit einem Mal war er vom Wunsch beseelt, sein Leben noch nicht herzuschenken. Nicht heute, nicht jetzt.
Prustend schoss er aus dem Wasser an die Oberfläche und japste nach Luft. Seine Rettende Insel trieb langsam davon. Es gab kein zurück mehr. Es gab nun nur noch ein einziges Ziel. Das Licht.
Mit all der frischen Kraft, woher sie auch immer kam, schwamm er auf das Licht in der Ferne zu. Es sah nicht so weit aus, doch es schien, als käme es einfach nicht näher. Als würde es vor ihm flüchten, ihn verhöhnen, auslachen und erniedrigen. Als solle er es niemals erreichen.
Wieder schien die Hoffnung zu weichen, es erreichen zu können. Schwer wurden Arme und Beine, jede Bewegung tat unsäglich weh. Sein ganzer Körper sträubte sich, sein Geist riet ihm, aufzugeben. Sein Wille wollte sich dem unweigerlichen Beugen. Aber irgendetwas trieb ihn weiter an. Weiter und weiter und weiter und…
Auf einmal schlug seine Hand hart auf. Er spürte etwas Hartes zwischen den Fingern. Stein. Er hatte einen Stein in der Hand. Die andere Hand folgte, er kniete im Wasser. Diesmal war es etwas weicheres, längeres, viele…
Das musste Gras sein. Stein und Gras. Land. Er hatte Land erreicht.
Die Muskeln und Sehnen in seinem Körper brannten, schrien förmlich vor Erschöpfung. Seine Füße fanden keinen festen Stand, er schwankte mehr, als er ging. Trüb war sein Blick, als er auf das nächst beste Licht zuhielt, dass seine Augen blendeten.
Schlurfend schoben sich seine vom Salzwasser wunden Füße vorwärts, so lange, bis sein rechter Fuß gegen etwas Hartes stieß und er das Gleichgewicht verlor. Wie ein nasser Sack schlug er auf dem Boden auf. Kraftlos sackte er zusammen. Sollte er jetzt sterben, würde ihn hoffentlich jemand finden und seinen Leichnam bestatten. Wenigstens kein Fischfutter. Wenigstens nicht unbekannt auf See geblieben. Wenigstens…
Dunkelheit umgab seinen Geist. Dunkelheit, wie all die Tage auf See, wenn die Sonne das spendende Licht hinter den Rand der Welt mit sich nahm.
Lichtlein, Lichtlein brenne
heller als der Tag,
weil die liebe Sonne
nicht mehr scheinen mag.