Es war einmal ein lauer bewölkter Frühlingstag. An jenem Morgen zog eine kleine Familie aus ihrem Heim in die Wälder, um Wurzeln und Kräuter zu sammeln und, so ihnen das Schicksal gewogen war, einige Hasen, Eichhörnchen oder gar Rehe zu erjagen. Sie hofften kaum auf jenes Glück, denn ihr Leben war karg und entbehrungsreich. Die Geschichten von den unerbittlichen Feinden und ihren Grausamkeiten waren längst keine fernen Legenden mehr. Beinahe tagtäglich wussten die Späher von Abschlachtungen ihrer Sippschaft zu berichten. Doch war die Bande geschwächt vom langen Winter, die meisten ihrer Nachkommen war erfroren und viele andere verhungert, nur die Stärksten hatten überlebt und diese waren ausgezehrt. Ein Gegenschlag schien derzeit unmöglich.
Umso verwunderlicher erschien es den Eltern, dass ihr Nachkömmling all diese Leiden überlebt hatte und dass er scheinbar völlig unberührt von Krankheit, Hunger und Tod geblieben war. Es war in ihrer Sippe üblich ein Kind erst nach dem ersten überstandenen Winter zu benennen und so erhielt es an dem ersten wärmeren Tag des Frühlings den Namen Banscha, was in ihrer Sprache zäh bedeutete.
Banscha saß in einem Tragekorb an einen Baum gelehnt, während seine Mutter Wurzeln aus dem Boden grub und der Vater einer Wildspur durchs Gebüsch folgte, und spielte mit kleinen Knöchelchen, als plötzlich ein Hornstoß die abgeschiedene Stille durchbrach. Banscha erschrak bei dem unbekannten, lauten Geräusch und sah zu seiner Mutter, die in wilder Panik auf ihn zu rannte und dem Korb einen Stoß gab, sodass er in ein nahes Gebüsch rollte. Kein Augenblick zu früh, denn schon brachen Jäger der grausamen Feinde durchs Gebüsch und zückten mit zornigem Gebrüll ihre Waffen.
Der kleine Banscha war zur Untätigkeit verdammt, als die Untiere seine Mutter aufschlitzten, als ihr Blut das Gras bedeckte und sie ihren Kopf auf einen Pfahl spießten. Nur ein leises Wimmern stieg dem Orkling aus der Kehle, als die Menschen neben ihren Kopf den des Vaters auf einem Spieß in den Boden rammten.
Mit düsterer Miene starrte Bansha in die schwarze, blubbernde Flüssigkeit. Sechs Frostzeiten waren seit jenem Ereignis vergangen und dennoch blieben die Bilder in seinem Kopf. Aus dem kleinen Blach war ein mächtiger Schago erwachsen und als solcher genoss er großes Ansehen in der Orksippe. Genährt von seinen Rachegelüsten und dem wilden Zorn war er gestählt in zahllosen Wargs und hatte in den Jahren viele der Untiere getötet. Doch war es nicht genug, es würde niemals genug sein! Denn selbst wenn die Sippe sich mittlerweile erholt hatte, ruhten diese verfluchten Cholarug nicht und griffen ihre Festung immer und immer wieder an. Bansha hob den Blick zur Höhlenwand, die über und über mit schwarzen Strichen übersäht war. Er konnte nicht zählen, doch jeder Strich stand für einen getöteten Orog seiner Sippe, und so führte er sich ihr Leiden vor Augen.
Und nicht nur seiner Sippe war es so ergangen. Bevor Banscha die Macht übernommen hatte, hatten sich die Orogs in Fehden ergangen und sich gegenseitig geschwächt. Er hatte zu einem Ionschnag aufgerufen und dafür gesorgt, dass man sich endlich unter einem Banner vereinigte. Und er hatte einen Plan. Er war grib Banscha.
Bansha fühlte wie in ihm der Ingrimm der Jahre aufstieg, er hörte den Ruf nach Vergeltung, der von den schwarzen Strichen an seiner Wand echote. Alles war bereit. Das Blut der Untiere sollte ihre Mauern überspülen und in ihre Heime schwappen, in denen sie sich bisher so sicher fühlten. Es war Zeit den Spieß umzudrehen.

