Wo Worte fehlen gibt es Musik

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Savien Eolian
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Wo Worte fehlen gibt es Musik

Beitrag von Savien Eolian »

Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht wie ich anfangen soll. Wären da doch so einige Gedanken die über ganz andere Gedanken umher schwirren in meinem Kopf. Wirres Zeug, das man eigentlich kaum in Worte fassen kann und auch eher dazu geeignet ist mich selbst zu verwirren. Aber was soll das schon, ich fange einfach einmal an, so wie in jeder guten Geschichte die man sich untereinander erzählt. Wenn auch andere wohl bessere Worte finden würden, denn ich bin kaum so wortgewandt wie die bekannten Namen, die jeder auf den Büchern findet, welche er in seinen Händen hält.
Man nennt mich Savien Eolian. Wobei der Name in Gänze nicht immer benutzt wurde, denn früher war es den Menschen in meinem Umfeld einfach zu lang. Die meisten nannten mich – kurz und knapp – einfach Savi. Meine Mutter nannte mich oft Savilein, aber eher um mich zu necken. Die meiste Zeit ignorierte ich sie gekonnt und tat dann ganz überrascht, wenn sie langsam lauter wurde und irgendwann dann doch meinen ganzen Namen rief, so wie sie es bei meinem Vater tat wenn dieser irgendetwas ausgefressen hatte. Ein jeder würde jetzt meinen, dass ich wohl behütet in einem schönen, alten und am Stadtrand liegenden Landhaus mit einem Garten aufgewachsen bin, mein Vater einer rechtschaffenden Arbeit nachkam und meine Mutter die fürsorgliche Hausfrau und Mutter war. Ich kann euch versichern, dass es sich keinesfalls so zugetragen hat.

Mein Haus war damals ein Wagen, der von Pferden gezogen wurde. In diesem wohnte ich zusammen mit meinem Vater und meiner Mutter. Das hört sich auf den ersten Blick vielleicht etwas schäbig an, aber ich denke mir heute, dass mir hätte nichts Besseres passieren können. Wir, die Familie Eolian, waren reisende oder wandernde Spielleute, die in jeder Stadt in die wir kamen, den Menschen wundervolle Lieder sangen, Gedichte oder Theaterstücke vortrugen. Mit uns dreien waren auch noch 5 andere Personen unterwegs. Da waren einmal Gran und Ann, die beiden ältesten in unserer Runde, die schon mit dem Vater meines Vaters umhergezogen sind. Pina die zweitjüngste unter uns war ihre Tochter. Sie ist 2 Jahre älter als ich und war früher eine ganz passable Spielgefährtin, bis wir dann älter wurden. Den Schluss bildeten noch zwei Männer, die damals schon knapp ein Jahr mit uns unterwegs waren, Lenneg und Denner, beide sehr nette Schauspieler mit einer guten Singstimme.
Wir waren mit 4 Wagen unterwegs in den wir lebten und Aufführungen betrieben, was sich jetzt zwar nicht sehr komfortabel anhört, aber doch einigen Komfort besaß. Jeder Wagen war mit allem ausgestattet was man zum Leben brauchte. Sei es eine Schlafstätte für jeden oder Sitzmöglichkeiten, Stauraum, Vorratsschrank und was man sich auch noch so überlegen konnte war in diesem Wagen. Ich fühlte mich sehr wohl darin, wohl aber auch, da ich nichts anderes kannte. Mein Alltag sah so aus, dass wir jeden Tag, wenn wir nicht gerade in einer Stadt oder einem Dorf Halt machten, ein gutes Stück Weg zurücklegten. Pausen machten wir üblicherweise um die Mittagszeit und abends, damit wir schnell genug vorankamen.

Mit fünf Jahren schenkte mir mein Vater eine Laute, die er selbst gespielt hatte, aber nicht mehr brauchte, da er eine neue bekam. Ich hatte ihm in den ersten Jahren meines kleinen Lebens zu jeder Möglichkeit gelauscht, sei es beim Üben, bei Auftritten oder nur beim abendlichen Feuer gewesen. Es erfüllte mich jedes Mal aufs Neue mit Stolz, dass Vater so gut spielen und singen konnte. Ich eiferte ihm sodann auch nach, so gut es mir jedenfalls gelang. Denn anfangs war es nicht einfach mit den kleinen Händen, die ein fünfjähriger nun mal hat, solch eine große Laute zu spielen. Ich merkte mir auch einige Geschichten die mir gefielen mit der Zeit und konnte sie, wenn jemand mochte, erzählen, auch wenn es sich aus dem Mund eines gestandenen Mannes natürlich anders anhörte. Aber die anderen störte das nicht, zumal ich ja sowieso noch nicht auftrat, wenn wir in einer Stadt waren. Ich muss dazu sagen, dass ich mir schon als kleines Kind sehr viel merken konnte, was die anderen sehr fasziniert hat, vor allem meinen Vater. Dieser merkte schnell, dass ich Dinge die er mir zum Lernen gab schnell auffassen konnte und das ohne große Anstrengung. Mit den Jahren übertrieb mein Vater es jedoch mit der Lernerei und ich hatte immer weniger Lust das zu machen was er von mir wollte. Insgeheim jedoch lernte ich die Lieder und Geschichten, die er erzählte aber weiter, nur so wie ich es für richtig hielt. Was mir sehr missfiel waren die ganzen Stunden die ich mit der Laute verbrachte. Ich wollte einfach Lieder spielen und nicht ewig nur diese Griffe greifen. Ich verstand auch nicht warum ich diese Akkorde lernen sollte, wenn ich die Lieder einfach auswendig lernte. Aber jeder der etwas davon versteht weiß, dass es im Endeffekt natürlich einen höheren Sinn hat, den ein Kind wahrscheinlich noch nicht ganz greifen kann.
Mit acht Jahren fing ich an einfache Rollen im Schauspiel zu übernehmen. Einmal stand ich nur in der Ecke, manchmal tat ich nur so als wenn ich schliefe oder ich heulte so glaubwürdig, dass die Frauen im Publikum schon aufsprangen um zu sehen ob es mir denn gut gehe. Mir ging es natürlich jedes Mal bestens und ich wurde von Mal zu Mal besser. So spielte ich von Jahr zu Jahr wichtigere Rollen und spielte ab und zu auch mal ein Lied, welches ich auf der Laute konnte. Mit vierzehn Jahren war ich dann ein volles Mitglied unserer Gemeinschaft. Ich spielte überall mit, meine Lieder die ich sang waren fester Bestandteil unseres Programmes und das Lautenspiel beherrschte ich nun so gut, dass ich auch mal improvisieren konnte. Ich fing an, das was ich die ganzen Jahre bis zu diesem Zeitpunkt gemacht hatte, weil es meine Eltern auch taten, zu leben und zu lieben. Damit will ich nicht sagen, dass ich dies vorher nicht getan hatte, jedoch tat ich dies nun alles immer bewusster und weil ich es auch selbst wirklich wollte. Die Lehrstunden meines Vaters wurden mit der Zeit immer angenehmer. Er sah, dass ich gute Fortschritte machte und lies mich daraufhin eher das machen was ich gerne tat. Ich übte zwar mit ihm immer noch die Griffe, aber ich wusste mittlerweile ja auch, dass dies nur zu meinem Besten war. Ich konnte zu diesem Zeitpunkt lesen und schreiben, Noten lesen, Laute spielen und singen. Allgemeine Dinge brachte mir meine Mutter bei. Dazu gehörte auch wie man sich benimmt und wie man einen Grafen, einen König oder andere Adelige anspricht und sich mit diesen unterhält, da wir öfter in größeren Städten waren. Lenneg und Denner brachten mir auch langsam das Bogenschießen bei und erklärten mir wie ich mich im Wald zurecht finde, welche Kräuter und Pilze man essen kann oder was man als Medizin verwenden kann. So hatte ich auch ein wenig Abwechslung zu dem ganzen Trubel um die Musik und das Schauspiel. Die Musik war zwar ein sehr wichtiger Bestandteil von mir geworden aber ehrlich gesagt war ich auch froh, dass ich meinen Kopf mal auf etwas anderes richten konnte. Ich war den zweien sehr dankbar dafür.

An einem Nachmittag, an diesem Tag haben wir früher Halt gemacht, liefen wir durch ein nahes Waldstück und beschauten uns die Vegetation darin als uns in der Ferne eine Bewegung auffiel. Wir versteckten uns schnell und warteten eine Zeit lang bis ein Mann näher kam. Er hatte eine dunkelbraune Robe an und trug einen langen Stab bei sich, mit dem er sich auch durchs Unterholz durch schlug. In einer gewissen Entfernung rief er auf einmal um auf sich aufmerksam zu machen. Lenneg rief etwas zurück, das ich nicht genau verstand und stand dann auf. Er machte eine Geste noch in Deckung zu bleiben, doch nach kurzer Zeit winkte er mich bei. Der Mann der aus dem Wald gestapft kam war ein so genannter Waldheiler und meinte er wäre auf einer Reise in seine ferne Heimat. Denner und Lenneg unterhielten sich mit ihm eine Weile und ließen sich dann zu meiner Verwunderung segnen. Ich verstand nicht viel davon, ließ es mir aber später von den beiden erklären. Der Mann fragte mich danach ob er auch etwas für mich tun könnte. Ich musste nicht lange überlegen und fragte nach einem Lied einer Geschichte oder wenigstens einem Gedicht, welches er mir vortragen könne. Ein Lächeln ließ darauf schließen, dass er etwas für mich hatte und gleich darauf fing er schon an.

Düster scheint des Regens Licht über die Weiten,
der Duft über die Wellen der Meere reiten.

Habicht, Specht und Adler sie prahlen,
ihre Schnäbel das Fleisch ihrer Beute zermahlen!

Haben doch die Tiere das Gespür für die Welt,
kein Mensch sich dies kaufen kann für Geld.

So manch Mensch hofft auf das Gute,
niemals es besser wird wie ich vermute.

Die Blätter so grün, so saftig und zart,
der Stein aber so grau, so salzig und hart!

Der Wald besteht aus allerlei Dingen,
viele Gestalten es dort drin verbringen.

Eluive ist bei uns in jeder Sekunde,
nicht nur im Walde wie ich euch bekunde.

Gebt acht auf der Welte Wohl,
unser aller Leben Symbol!


Meine Augen strahlten und als ich etwas dazu sagen wollte stand er schon auf und hob die Hand zum Abschied. Ich fragte ihn ob er uns nicht den Abend noch Gesellschaft leisten möge, doch er schüttelte nur den Kopf und wünschte uns alles Gute. Eluive soll mit uns sein. Wir blickten ihm nach und waren etwas perplex. Ich war wie verzaubert, dieser Mann hatte etwas Mysteriöses an sich, sein Anblick war nichts Besonderes, aber er strahlte eine Ruhe aus, die ich noch selten bei Jemandem gesehen hatte. Er bewegte sich im Wald so als wenn er hier zu Hause wäre und er sprach auch ebenso. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich mehr herausfinden. Ich wiederholte das Gedicht noch einige Male um es mir zu merken und keine Zeile oder ein Wort zu vergessen. Später kam mir der Gedanke eine Melodie dazu zu erfinden. Dies war mein erstes komponiertes Lied, auch wenn der Text nicht von mir stammte, war ich doch sehr stolz darauf. Der Mann wäre mir sicher nicht böse gewesen – glaube ich jedenfalls. Ich nannte es „Der Ruf des Waldes“.

Diese Begegnung beschäftigte mich seitdem immer wieder, natürlich auch wegen meinem Lied.
Als ich um die 17 Jahre alt war hielten wir in einer größeren Stadt und verdienten unseren Lebensunterhalt wie üblich mit unserem Schauspiel und unserer Musik. Doch sah ich dort unter dem Publikum zwei Personen die aus der Menge herausstachen. Sie erinnerten mich an diesen Mann damals im Wald. Ich ließ mir meine Verzweiflung in der Situation nicht anmerken auf der Bühne aber ich wollte sie nicht aus den Augen verlieren. Doch als ich fertig war musste ich feststellen, dass beide wohl schon weitergezogen waren. Ich sprintete in der Umgebung herum bis mir der Atem stockte, konnte sie aber nirgends entdecken. So schlurfte ich zurück zu unseren Wagen, wo die anderen schon am Abbauen waren. Ich machte ein niedergeschlagenes Gesicht, was mein Vater sofort bemerkte. „Was ist dir denn über die Leber gelaufen? Bist du einer hübschen Dame hinterhergetrottet die dich abgewiesen hat? Pack mal mit an!“, meinte er mit einem Grinsen auf dem Gesicht. Ich gab keine Antwort darauf und verbrachte meine Gedanken damit wie ich diese Personen aufspüren konnte, während ich einige Requisiten an den richtigen Platz in den Wagen verbrachte.
Da wir am nächsten Morgen aufbrechen wollten, musste ich an diesem Abend noch mit meinen Eltern sprechen. Der ein oder andere wird sich jetzt wohl denken können was ich vorhatte. Jedenfalls waren meine Eltern alles andere als erfreut über mein Vorhaben mich hier zurückzulassen. Ich konnte ihnen schlecht sagen, was mich antrieb hier zu bleiben. Auf der Suche nach geheimnisvollen Männern in dunkelbraunen Gewändern. Das hört sich alles andere als vernünftig an. Auf der anderen Seite wollte ich aber auch aus dem Alltag heraus und mich auf die eigenen Füße stellen, was sicher ein akzeptabler Grund gewesen wäre, wenn nicht mein Vater vor einem halben Jahr angefangen hätte zu humpeln. Wir wussten nicht genau was es war, aber ein Heiler in der Stadt, den mein Vater aus vergangenen Zeiten kannte, meinte, dass es noch schlimmer werden könnte. Dies machte meine Entscheidung nicht weniger einfach, aber ich konnte mir nicht vorstellen weiter jahrelang so weiter zu machen.
Die Vorstellung, dass das Bein meines Vaters bald komplett gelähmt sein könnte war keine schöne Vorstellung. Ich dachte einfach, dass die anderen ihm eben die Arbeit abnehmen konnten, welche er nicht mehr ausrichten könnte. Trotz alledem hatte ich meine Entscheidung schnell getroffen und konnte nach einem Streit mit meinen Eltern nur noch meine Sachen packen. Mein Vater würdigte mich den Rest des Abends keines Blickes mehr und meine Mutter heulte mit den Hunden um die Wetter. Ja ich hatte mich wirklich beliebt gemacht an diesem Abend. Meine Mutter war immerhin so freundlich mir einen Reisesack mit allem möglichen Dingen zu packen, die ich gebrauchen könnte. Es weiß ja jeder was in so einen Sack alles eingepackt wird. Und für diejenigen die es nicht wissen sage ich, dass ein Wasserschlauch, getrocknetes Obst und Fleisch, Nadel und Garn, ein kleines Messer, ein Säckchen mit Gold, jede Menge Kräuter und noch mehr kleine Dinge die nicht erwähnenswert sind. Meine Mutter sagte mir am nächsten Morgen Lebe Wohl und reichte mir einen Lautenkasten. Es war der meines Vaters. Ich blickte verdutzt zu meiner Mutter, die jedoch den Kopf schüttelte und sagte, dass der Kasten stabiler wäre für meine Laute. Ich nickte, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und bedankte mich bei ihr. Mein Vater ließ sich nicht blicken, aber ich wusste, dass er während die Pferde angespannt wurden am liebsten zu mir kommen würde. Unser beider Stolz verhinderte hier einen halbwegs guten Abschied, was ich bis heute bereue. Nach einer Umarmung meiner Mutter zog ich dann los in die Stadt hinein und hielt Ausschau nach einer ersten Bleibe. Das erste Mal in meinem Leben blieb ich länger als eine Spanne an ein und demselben Ort. Es war ein ungewöhnliches Gefühl, wobei die Einsamkeit dies noch verstärkte. Ich hatte mich aber nun dafür entschieden.
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Savien Eolian
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Beitrag von Savien Eolian »

Laute oder Bogen?

Der nächste Teil meines Lebens ist wohl eher unspektakulär aber teilweise doch aufregend genug um darüber zu berichten. Die Jahre waren ins Land gezogen und ich habe die eine oder andere Stadt gesehen. Nach Jahren voller Musik und als Hofbarde bei den Schwarzburgs musste es nun wohl anders kommen. Die Schwarzburgs hatten genug von mir und in die Stadt als Tavernenmusiker konnte ich jetzt eher schlecht wieder zurück. Dort hatte ich mir vorher schon einen Namen gemacht, aber als ich dann zu Hofe kam, war mein Ruf beim einfachen Volk dahin. Ich hätte mich wohl noch einige Zeit von Edelmann zu Edelmann schlagen können, aber dafür bin ich einfach nicht gemacht. So zog ich also erstmal in eine Taverne um mir einen Plan auszudenken. Die Schwarzburgs schlugen mir vor, zu ihren Verwandten bzw Bekannten zu reisen, die seien zwar nicht so einflussreich und reich, aber dort könnte ich Anschluss finden. Den Luxus, den ich die Jahre zuvor hatte werde ich wohl nie wieder haben, aber ich bin früher ja mit viel weniger ausgekommen. Am gleichen Abend meines Umzugs saß ich in der Taverne und betrachtete die Menschen, die ein und ausgingen. Ich hatte mir die Taverne ausgesucht, wo die meisten Fremdländer durchliefen. So kam es auch, dass mir ein Herr besonders ins Auge fiel. Ich stapfte zu ihm und stellte mich vor. Ich fragte ihn, wohin er weiterziehen würde und ob ich ihn begleiten dürfte. Seine Antwort verwunderte mich, denn ich durfte unter einer Bedingung mit. Die Bedingung war, dass ich keine Musik spielte und auch nicht sang unterwegs, ansonsten könnte ich in allen Situationen mit ihm rechnen. Er sei der einzige der zu dieser Jahreszeit diesen Weg einschlagen würde, denn der starke Regen in dieser Zeit machte es schwierig voran zu kommen.

Wir einigten uns nach einem längeren Gespräch auf einige Dinge und brachen im Morgengrauen auf. Er war ein rauer Bursche, nicht gesprächig, aber sehr gewandt mit Schwert und Bogen. Auf unserer kleinen Reise schaute er mir über die Schulter und lehrte mich nach und nach besser mit dem Bogen umgehen zu können. Es erinnerte mich an damals, als Denner und Lenneg mir das Bogenschießen beibrachten. Nur konnte mein Weggefährte um einiges besser damit umgehen als die beiden damals.
Ich vermisste meine Musik aber hielt mein Versprechen und ließ die Musik gänzlich aus allem Raus. Mein Kopf summte immer weniger Lieder unterwegs und die Gedanken daran ließen immer mehr nach. Die Sehnsucht blieb zwar aber ich konnte die Situation nicht ändern. Meine Laute war nur noch zu einem überflüssigen Etwas geworden, das ich mit mir rum trug. Wir wechselten uns ab mit dem sammeln oder Schießen von Proviant oder Abendessen. Da ich mittlerweile ein ziemlich guter Schütze war traf ich Hasen oder größere Vögel mit Leichtigkeit. Wir waren nun schon knapp drei Monate unterwegs als dann unser Lager überfallen wurde. Das Gute daran war, dass mein Begleiter die Angreifer schon lange vorher bemerkt hatte und wir auf den Angriff vorbereitet waren. Es waren fünf Personen, einer schien der Anführer zu sein, denn er hielt sich etwas abseits. Die anderen stürmten in unser Lager und wollten uns wohl in unserem provisorischen Zelt überraschen. Unsere beiden Bögen waren gespannt und die ersten beiden Pfeile schossen auf die ersten beiden Angreifer. Ich wollte danach den Anführer anvisieren, doch dieser war schon verschwunden. Die anderen beiden ließen wir dann jedoch auch entwichen. Nach kurzer Zeit standen die beiden getroffenen Angreifer wieder auf, da die Pfeile nur in der Schulter steckten und rannten von dannen. Wir brachen danach auch direkt wieder auf und zogen weiter.
Nach weiteren zwei Monaten ohne größere Probleme waren wir dann an unserem Ziel angekommen. Trotz längerer Reise zusammen, verabschiedeten wir uns doch recht schnell und wünschten uns alles Gute. Ich lief direkt zum Hafen und suchte mir Jemanden, der mir über die ablegenden Schiffe Auskunft geben könnte. Ich fand ein einziges Schiff, jedoch hatte ich ein Problem, denn ich hatte kein Gold mehr um die Überfahrt zu bezahlen. Nun erinnerte ich mich an diesen hölzernen Kasten auf meinem Rücken, den ich die ganze Zeit über mit mir herum getragen hatte. Ich bot meine Musik an um die Gäste auf der Überfahrt zu bespielen, zu belustigen und gute Laune zu verbreiten. Nun stellte sich mir jedoch ein noch größeres Problem. Ich hatte knapp ein halbes Jahr keinen Ton mehr auf der Laute gespielt und auch keinen Ton gesungen, geschweige denn irgendwo Musik gehört. Übermorgen legt das Schiff ab, ich muss wohl noch ein wenig üben, damit ich das Gefühl wieder dafür bekomme.
Es war eigentlich eine schöne Zeit und eine schöne Erfahrung, jedoch vermisste ich meine Musik so sehr, dass ich nicht ich selbst war. Ich konnte meinen Begleiter nicht verstehen, aber ich akzeptiere ihn wie er war. Die kleine Ausbildung die er mir gab war trotzdem sehr nützlich, der Bogen war nach der ganzen Zeit nun auch ein Teil von mir geworden, so wie eigentlich die Laute ein Teil von mir ist.
Zuletzt geändert von Savien Eolian am Sonntag 26. April 2015, 14:59, insgesamt 1-mal geändert.
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