Das neue Leben eines Mannes

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Gast

Das neue Leben eines Mannes

Beitrag von Gast »

Die Seiten des Buches sind bereits leicht vergilbt, wellen sich an einigen Stellen, als wären sie mal nass geworden, weisen Dreckspuren auf.. Sie scheinen genauso viel durchgemacht zu haben wie ihr Verfasser...

21. Cirmiasum 220:
Ich wurde als erstes Kind eines Soldaten und einer Babierin geboren.
19. Eluviar 229:
Als ich 9 Jahre alt war, wurde meine Schwester geboren. Endlich war ich der Große und nicht mehr der Kleinste.
22. Cirmiasum 235:
Mit 15 Jahren begann ich bereits meine Ausbildung als Arzt. Ich hatte 3 Jahre dafür auf dem Hof meines Onkels gearbeitet. Den Rest bezahlte mein Vater, denn er setzte auf mein Ehrgefühl, sodass ich spätestens nach Abschluss der Lehre zu ihm ins Heer kommen würde.
01.Hartung 240:
Die Hochzeit mit meiner Frau war längst überfällig gewesen, denn unsere erste Tochter Lurana kündigte sich bereits an.
23. Cirmiasum 240:
Wie versprochen trat ich direkt nach Beendigung meiner Lehre dem heimatlichen Heer als Feldheiler bei.
04. Eluviar 241:
7 Jahre später, ich war mittlerweile 21, da fand ich meine Vorliebe für das dressieren von Tieren. Dieser Leidenschaft ging ich gelegentlich auf dem Hof meines Onkels nach.
09. Eisbruch 243:
Unsere Zwillinge Liron und Larissa kamen zur Welt.
15. Schwalbenflug 245:
Nach einiger Übung war ich so weit, dass der Oberst mir einen Posten als Ausbilder für die Streitrösser gab. Als Feldheiler sollte ich dennoch primär tätig sein, sollte es mal benötigt werden.
16. Hartung 249:
Und bereits 4 Jahre später war es so weit. Wir zogen gegen den Truchsess von Dhunan, Ilmias von Krottenburg in den Krieg.
31. Lenzing 249:
Kaum hatte der Krieg wirklich begonnen, da fiel auch schon der erste von 3 Stützpunkten, die wir aufgestellt hatten.
14. Eluviar 249:
Zwar konnten wir uns danach noch eine Weile an der Front halten, doch in einer Nacht starben gleich an beiden letzten Stützpunkten so viele Männer, dass wir auch sie nicht mehr halten konnten. Ich kam mit meiner Arbeit nicht nach, obwohl ich 4 weitere Heiler an meiner Seite hatte und so zogen wir uns auf Befehl des Obersts in den Außenring der Hauptstadt zurück.
17. Cirmiasum 249:
Bald doppelt so lange konnten wir uns dort verschanzen und den Feind an unserer dicken Stadtmauer versagen lassen, doch dann kam er auf einmal mit Katapulten und Rammböcken an und so brach auch diese letzte Verteidigung. Immer mehr Familien flohen und wurden in Nachbarstädte evakuiert. Darunter auch meine Familie.
23. Cirmiasum 249:
Nur mein Vater blieb hier und im Nachhinein wäre es besser gewesen, er wäre mit geflohen, denn er fiel im Gemetzel um die Stadt.
14. Searum 249:
Dann schließlich, als wir den Überblick über die Anzahl der Lebenden und die Anzahl der Gefallenen gänzlichst verloren hatten trafen endlich unsere Verbündeten aus Isgor ein und sicherten den Bestand der Stadt unter der Herrschaft unseres Herzogs.
31. Searum 249:
Die darauffolgenden Tage verbrachten wir mit Aufräumarbeiten und Bestattungen. Als Feldheiler im Rang eines Wachtmeisters war es oft meine Aufgabe gewesen, denn Angehörigen vom Fall ihres Familienvaters zu berichten und das, obwohl ich selbst so viel eigenes Leid zu verarbeiten hatte. Am 31. Searum 249 fand schließlich eine Feier zur Ehrung der Soldaten statt und damit endete auch erst einmal mein Dienst im Heer,
02. Goldblatt 249:
denn nur wenige Tage später befahl der Oberst mir, den Rang als Feldheiler an jemand Anderen abzugeben und mich auf das Ausbilden von Streitrössern zu beschränken. Nebenbei sollte ich alles aufschreiben, was mir in meinem Leben widerfahren ist und das tat ich jetzt.

Eine Seite ist ausgelassen und so geht es erst auf der nächsten Doppeltseite des Buches weiter.

04. Schwalbenkunft 252:
Mit 32 Jahren musste ich schließlich dann auch den Tod meiner Mutter und meines Onkels betrauern. Meine Schwester und ich erbten das Haus unserer Eltern und so zogen wir nach über einem Jahrzehnt wieder hinein, nachdem damals jeder seine eigenen Wege gegangen war.
16. Hartung 254:
Nach einigen ruhigen Jahren in meinem Leben erreichte dann die Kunde einer erneuten Kriegserklärung unsere Ohren und das Heer zog auch tatsächlich ein weiteres Mal in den Krieg, doch diesmal blieb ich zu Hause. Am Rande bekam man Gerüchte mit, aber es blieb ungewissen, ob wir gewinnen würden oder nicht. Der Schock, den wir im letzten Krieg erlebt hatten saß noch zu tief.
13. Eisbruch 254:
Am 13. Eisbruch rief mich dann aber plötzlich mitten auf dem Marktplatz ein Bote und richtete aus, dass der Oberst persönlich meine Anwesenheit im Feldlager wünschte.
15. Eisbruch 254:
Natürlich machte ich mich sogleich auf, nachdem ich ein paar Sachen zusammengepackt hatte, aber ich hatte nicht einmal die Zeit gehabt, mich von allen zu verabschieden. Als ich im Lager ankam schickte man meinen Freund, der zu dieser Zeit als Korporal tätig war und mich direkt ins Zelt des Obersts. Dort wurde mir auch bewusst, wie es um unseren Sieg stand. Er war schwerst verletzt, aber er lehnte auch partu meine Hilfe ab, also blieb mir nichts Anderes übrig, als ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen und unverzüglich wieder in den Dienst zu treten. Und natürlich durfte ich noch miterleben, wie mein Freund im selben Atemzug zum neuen Oberst ernannt wurde.
17. Eisbruch 254:
Mit ihm wechselten wir auch wieder aus der Defensive in die Offensive und schlugen den Feind am 20. Eisbruch 254 schlugen wir den Feind schließlich auch zurück.
11. Goldblatt 256:
Wieder vergingen erst einmal 2 Jahre, bis eine Reihe von Morden an Soldaten auftraten und ein besorgtes Schreiben meines Freundes mich erreichte. Er bat mich eindringlichst darum, die Heimat zu verlassen, doch ich wollte meine Familie nicht noch einmal alleine lassen und sie brauchten das Gefühl, dass alles gut war, also blieb ich in der Heimat.
24. Rabendmond 257 (37):
Ein großer Fehlentscheid, denn kurz darauf brachen auch bei uns Männer ein und versuchten mich umzubringen. Alrik Savenstein, mein Schwager und ich verwickelten die Männer in einen Kampf, sodass die Frauen und Kinder vorsichtshalber in die nahegelegene Stadt fliehen konnten.
31. Rabenmond 257:
Es hatte ewige Stunden gedauert, bis wir schließlich den kleinen Stellungskampf für uns entschieden hatten, doch Alrik war verletzt wurden und so musste ich mich um ihn kümmern. Als es ihm wieder besser ging, überredete er mich in einem langen Gespräch dazu, die Heimat zu verlassen.
01. Alatner 257:
Unsere Frauen und Kinder kamen zurück und ich verabschiedete mich eingehenst von ihnen. Ein letzter Brief ging an meinen Freund, in dem ich mich für meine Naivität entschuldigte und verabschiedete.
Zuletzt geändert von Gast am Mittwoch 11. März 2015, 19:04, insgesamt 2-mal geändert.
Gast

Eine Nachricht aus der Heimat

Beitrag von Gast »

Es war natürlich nicht gänzlich möglich sich zu verstecken. Irgendwie fand man immer Mittel und Wege, eine Person zu finden. Besonders, wenn man diese Person gut kannte. Und so kam es, dass Tendrick eines Abends durch Adoran ging und von einem jungen Mann in die nebenan liegende Gasse gezogen wurde. "Pscht! Ich bins, Vater." "Liron? Was machst du hier? Du solltest nicht hier sein." "Das sollte keiner von uns Beiden, nicht wahr, Vater? ... Ich soll dir eine Nachricht überbringen. Von Mutter." Begleitet von diesen Worten bekam Tendrick einen Brief in die Hand gedrückt, als wäre es höchst geheim. Er blickte auf das Stück herunter, sagte aber weiterhin nichts für den Moment. "Du machst das schon, Vater. ... Ich liebe dich." Ein zwigespaltenes Lächeln zog auf die Züge Lirons, bevor er die Hand des Vaters auf seiner Schulter klopfen spürte. "Aber sei bitte wieder du selbst!" "Mach ich, Liron. Und du komm sicher nach Hause!" Der Sohn nickte noch, lächelte dann doch noch mal schief und lief los. Zurück blieb ein Mann, dessen erster Weg der zurück nach Junkersteyn war. Den Brief würde er später lesen...

Aie
23. Eisbruch 258


Hallo, Tendrick!

Wie geht es dir? Bist du mittlerweile sesshaft geworden und konntest du eine Arbeit finden, der du mit so viel Herzblut nachgehst wie damals im Heer?
Wie du dem Absender entnehmen kannst, sind wir alle zusammen nach Aie gezogen. Es war zu Hause einfach nicht mehr auszuhalten. Und das, obwohl die Morde aufgehört haben. Dimondas und sein jüngerer Bruder waren die Letzten, die diesem Verbrechen noch zum Opfer fallen mussten, bevor die Attentäter gefunden und hingerichtet werden konnten.
Natürlich haben wir uns damals geschworen, dass wir uns wiedersehen würden und ich kann dir nicht sagen, wie sehr sich mein Herz danach sehnt, dir wieder in die Augen sehen zu können und zu spüren, dass es dir gut geht, aber gleichzeitig weiß ich auch, dass es uns nach dieser Zeit nicht mehr gut tun würde. Zu viel ist einfach geschehen und wir haben uns alle verändert. Vor allem du. Ich baue einfach darauf, dass du verstehst und glücklich wirst, wo du jetzt bist. Wir werden ebenso unser Bestes geben und vielleicht lesen wir uns ja zwischendurch mal.

In ewiger Liebe

Marina
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