Wein- und Bierreste und all die Tage, in denen ihnen niemand Beachtung geschenkt hatte banden Staub und Schmutz unter dem Schanktisch zu einer klebrigen Masse. Sie lag zwischen den leeren Flaschen und als spät nachts jemand an den Tresen klopfte, erwachte sie aus einem traumlosen Schlaf. Es war Nym, der sich zu ihr beugte und sein vertrautes Lächeln ließ sie ahnen warum er gekommen war. "Es wird Zeit nach Hause zu gehen." Das war es wirklich. Drei Tage waren vergangen seit ihr der Degen die Geschichte von seinem Tod erzählt hatte. Drei Tage, in denen sie nichts getan hatte als im Oger zu sitzen oder zu schlafen oder beides zugleich. Es gab nichts für sie zu tun außer zu warten und in ihrem ohnmächtigen Sinnieren ertappte sie sich beim dem Gedanken, dass ihr Warten womöglich nicht vergeblich sein könnte.
Der Mond hatte seinen Zenit längst überschritten und die nahezu menschenleere Siedlung in ein fahles Licht getaucht. Gerade als die Umrisse seiner Gestalt mit dem Dunkel der Nacht jenseits der Tür verschwammen, war sie hinter dem Tresen hervorgekrochen. Sie beeilte sich, lief durch den Gastgarten und rief seinen Namen als sie ihn um die Ecke des nächstgelegenen Hauses biegen sah. Er war fort in dem Moment, in dem sie ihn zu erreichen hoffte und sie stand barfuß vor den Trümmern ihres Hauses.
Sie kehrte zurück in die Kneipe, kroch an ihren Schlafplatz und sah auf den Zettel, den sie an die Innenseite des Tresens genagelt hatte. Sie hatte ihn so angebracht, dass er am Morgen das Erste und abends das Letzte war, das sie sah. Auf ihm waren all die mehr oder weniger vertrauten Gesichter der Leute, die sie mehr oder weniger oft zu Gesicht bekam skizziert. In jener Nacht malte sie das Zeichen für 'nicht real' neben das Bild von Nym. Sie brauchte nicht mehr zu warten, er war tot und stand nun selbst stumm in irgendeiner der vielen bewohnten Ecken.
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Jenseits des Tages
- Graulist Eisenjam
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'Macht mich zum Degen!'
Das junge Gesicht sah voller Hoffnung zu ihm auf.
'Macht mich zum Degen, ich beknie Euch!'
Liebevoll streckte er seine knochige Hand, von engen Damenhandschuhen und darüber getragenen Klunkerringen bedeckt, nach der zart beflaumten Wange des knienden Jünglings aus.
Plötzlich hielt er einen Totenschädel in der Hand, der ihn diabolisch angrinste und mit den Zähnen klapperte.
Er erwachte mit einem gellenden Kreischen.
Er hatte sein Nachtlager genässt.
Das junge Gesicht sah voller Hoffnung zu ihm auf.
'Macht mich zum Degen, ich beknie Euch!'
Liebevoll streckte er seine knochige Hand, von engen Damenhandschuhen und darüber getragenen Klunkerringen bedeckt, nach der zart beflaumten Wange des knienden Jünglings aus.
Plötzlich hielt er einen Totenschädel in der Hand, der ihn diabolisch angrinste und mit den Zähnen klapperte.
Er erwachte mit einem gellenden Kreischen.
Er hatte sein Nachtlager genässt.
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Isen Rauhnacht
"Ich kann mich hier nicht konzentrieren!" Er sah sie an als wäre sie schuld daran und provozierte damit nichts als das nachsichtige Lächeln, das sie sich in letzter Zeit angelernt und dann angewöhnt hatte und das ihr in solchen Situationen über den Frust des Hausherren hinweghalf. Sie hatte ihn mit zunehmender Besorgnis im Blick beobachtet und als sich dann eines Tages ein Wassertropfen von der Decke löste und in seinen Nacken fiel, war er das Zünglein an der Waage, das das Fass schließlich zum Überlaufen brachte und es kam was kommen musste. "Pack den Krempel, wir ziehen um!"
Die Zwerge hatten Bajard verlassen und es war still geworden in ihrem Haus und im Haus daneben und im Haus daneben und jetzt, da auch sie gehen musste, fiel es ihr schwer, denn sie hatte das Leben an der Küste gemocht und nichts anderes gekannt.
Sie mied die großen Städte mit ihren hohen Dächern und den ewig kalten Stein, aus dem sie gehauen waren. Grau in grau und nicht wie das fröhliche Plätschern des 'Jetzt' in Bajard, sondern ein lustloses Tröpfeln von 'Warum sollte ich?' Dort war alles künstlich, dort war alles kalt.
Als sie die Stadt betrat begann es zu regnen und sie nahm es als Zeichen und dieses Zeichen zum Anlass drohende Einsamkeit zu fürchten. Sie sah sich leerstehende Häuser an und saß dann den Rest des Tages vor dem gewaltigen Buntglasfenster in der Südwand des Tempels.
Die Zwerge hatten Bajard verlassen und es war still geworden in ihrem Haus und im Haus daneben und im Haus daneben und jetzt, da auch sie gehen musste, fiel es ihr schwer, denn sie hatte das Leben an der Küste gemocht und nichts anderes gekannt.
Sie mied die großen Städte mit ihren hohen Dächern und den ewig kalten Stein, aus dem sie gehauen waren. Grau in grau und nicht wie das fröhliche Plätschern des 'Jetzt' in Bajard, sondern ein lustloses Tröpfeln von 'Warum sollte ich?' Dort war alles künstlich, dort war alles kalt.
Als sie die Stadt betrat begann es zu regnen und sie nahm es als Zeichen und dieses Zeichen zum Anlass drohende Einsamkeit zu fürchten. Sie sah sich leerstehende Häuser an und saß dann den Rest des Tages vor dem gewaltigen Buntglasfenster in der Südwand des Tempels.