Verbannung ins Exil (RP-Geschichte)

Aalina Yazir

Verbannung ins Exil (RP-Geschichte)

Beitrag von Aalina Yazir »

Ihre Gedanken drehten sich im Kreis. War sie nicht gestern noch am Strand spazieren gegangen, genoß die Wärme um sich herum, sprach mit Zaina und Saheeb, alberte mit Raja herum? Ihr war bewusst, dass eine angespannte Lage auf Menek'Ur und unter dem Volk herrschte, doch hätte sie nie erwartet, dass sie schon heute etwas zu sehen bekam, was ihr das Herz fast zerriss.

Sie saß auf dem Schiff, es trug sie Richtung Bajard. An ihrer Seite saß ihre Schwester Zaina, sowie Fadi und auch Nadeeda saß mit an Bord. Wären es nur sie gewesen, die dort saßen hätte man meinen können, sie fuhren auf das Festland um sich dort ein wenig aufzuhalten, Kontakte zu pflegen, Freundschaften aufrecht zu halten, Geschäfte zu tätigen. Doch dieses Mal? Dieses Mal war es ernster. Denn immerhin saß er in unserer Mitte - unser Emir.

Immer wieder sah Aalina die Bilder vor sich im Kopf. Wild fliehten sie durch ihre Gedanken, immer wieder hoffte sie darauf, dass sie einfach nur träumte und von diesem Traum aufwachen würde. Sie sah sich dort stehen, wie sie zum Emir sprach als er verlangte, dass ein jeder, der etwas über die geplante Aufruhr sprechen solle. Sie sah in ihren Gedanken, wie alles nach und nach ging, wie Safiya Ifrey festgenommen und abgeführt wurde, wie Sayid Ifrey seine Robe der Weisen ablegen musste und unter dieser Seine Klinge und seine Rüstung zu erkennen war. Und von da an ging alles so schnell. 'Schweig...Omar!' diese Worte hatten sich in ihren Kopf geprägt. Worte, die Sayid Ifrey zu unserem Emir sprach. Aalinas Beine fühlten sich in diesem Moment so taub an, kaum konnte sie noch stehen. War es jetzt an der Zeit? War es an der Zeit zu handeln? Oder was sollten sie nun tun? Eines war ihr klar, selbst wenn sie ihr Leben lassen müsse, hier und jetzt - an diesem Ort - für den Emir, sie würde es tun. Keiner würde sie davon abhalten hinter ihrem Herrscher und dem Führer ihres Landes zu stehen. Zu lange hatte sie geschwiegen, zu lange hatte sie Khalidas Worte für sich behalten. Der Gedanke an Khalida machte sie noch viel zorniger. Gerne würde sie ihr Blut an ihrer eigenen Klinge sehen wollen für das, was sie tat. Für das, was sie heraufbeschworen hatte. Immer wieder hörte sie Sayids Worte die sich in ihrem Kopf drehten. Wie er mit dem Emir sprach, von seinen 'Verhandlungen' mit diesem. Von dem Tatendrang das er alle töten würde die sich zwischen ihm und dem Emir drängen würden. Und so hatte er ihn von seinem Thron verdrängt. Der Emir stand auf, erhob sich und ging mit ihnen - seinen getreuen Untertanten - hinfort. Aalina schluckte sehr als sie sah, wie wenig ihm seine Treue schworen. Waren sie denn alle so verblendet? Wacht Eluive denn nicht mehr über sie und segnet ihre Gedanken?

Sie befanden sich noch immer auf dem Schiff, berieten wo sie sich niederlassen würden, wo hätten sie am meisten Schutz? Diese Narren, diese Verräter. Immer wieder huschte Aalinas Blick zu ihrem Emir. Von einem Moment auf den anderen sah er so gebrochen aus, sie hatte ihn nie so gesehen. Nie. Und doch war er stolz auf die, die ihn begleiteten. Aalina tat es im Herzen weh ihn so zu sehen. Sie hätte ihm so gerne all das erspart, wie auch wahrscheinlich jeder derjenigen, die ihn nun umgaben. Und doch schlichen sich Sayids Worte immer wieder in ihr Gedächtnis. Wenn nicht er, wer sonst solle dafür bluten?

Verbannung. So fühlte es sich also an wenn man nicht mehr auf das eigene Land zurückgehen konnte? Was hatten sie sich nur dabei gedacht. Es ging alles fürchterlich hektisch zu als sie das Haus von Thancred betraten. Aalina wusste, sie könne sich auf Thancred und Alliestra verlassen. Oft hatte sie Thancred und Alliestra ihre Gastfreundschaft gewährt und so hoffte sie, dass diese dies am heutigen Tage tun würden. Und sie taten es. Sie nahmen alle herzlich zu sich auf, es waren nicht wenige, zumal noch einige folgten. Aalina saß auf dem Boden, sie wartete. Immer wieder ging ihr Blick zur Tür, doch nichts regte sich. Sorgen, sie machte sich wirklich Sorgen. Der Emir hatte sich zurückgezogen um Briefe aufzusetzen, doch machte sie sich weiter Gedanken um ihn, ruhte ihr Blick aber weiterhin auf der Tür. 'Komm schon, Klopf an!' Sie bat im stillen in ihren Gedanken das Raakin nichts passiert war. Sie wollte ihn nicht verlieren, nicht ihn. Minütlich stiegen ihre Sorgen, ehe sie es nicht mehr aushielt und nach draußen ging. Sie sagte den anderen, das sie frische Luft brauche, doch hatte sie andere Dinge vor. Sie wollte ihn suchen gehen, ohne ihn konnte sie ihre Gedanken erst Recht nicht ordnen. So stieg sie in die Kutsche um nach Bajard zu reisen. Es gab nicht viele Orte an denen er sein konnte und wenn es sein musste, würde sie alleine zurück nach Menek'Ur fahren um ihn von dort zu holen. Schließlich hatte er keine Ahnung was passiert war.

Er stand vor der Kutsche. Etwas abseits im Gras. Sie blickte zu ihm, ging leise hinüber. Ihre Stimme klang gebrochen und zitterte, als sie mit ihm sprach. Wenige Worte wechselten sie, fragte er doch, was passiert war. Sie musste nicht viel sagen, vermutlich laß er ihr aus den Augen. So machten sie sich auf durch die Wälder, den langen Weg nach Berchgard. Lange saßen sie zusammen bei Thancred, sprachen miteinander, unterhielten sich darüber wie es weitergehen sollte, bis spät in die Nacht. Aalina wollte schlafen, wollte ihre Augen schließen, doch immer wieder schreckte sie hoch. Raakin war nicht bei ihr, er stand vor dem Haus, wachte darüber. Doch sobald sie die Augen schloss und nahe daran war einzuschlafen, wurde sie durch irgend ein Geräusch geweckt, schreckte hoch, stand von den Fellen auf und begab sich nach oben um an der Tür des Emirs zu lauschen ob er schlafen würde. Beruhigt ging sie jedes Mal wieder nach unten, als sie tiefes gleichmässiges Atmen vernahm. Sie hatte Angst, Angst das sie ohne ihren Führer zurückkehren würden. Sie hatte Angst, dass ihm und den Menschen, die sie von ganzen Herzen liebte etwas zustoßen könnte.

Sie saßen am Lagerfeuer als Raakin sich abermals erhob nach einer kurzen Pause um sich wieder vor das Haus zu stellen um es zu bewachen. Sie hatte ihn mit ausreichend warmer Kleidung versorgt, die er auf Gerimor tragen sollte damit ihm nicht zu kalt wurde. Er schob weiterhin Wache, behielt das Haus im Auge, während Aalina erst bei ihm verweilte, sich dann aber wieder ans Feuer setzte. Als sie ihn abermals aufsuchen wollte sah sie Aasim, er stand vor ihr und es schien ihm gut zu gehen. Sie war beruhigt, hatte sie doch Angst er hätte Menek'Ur vielleicht nicht mehr verlassen können. Doch stand er vor ihr und schien körperlich nicht angegriffen. Auch er fragte, was passiert war und Aalina erzählte und erzählte und erzählte bis tief in die Nacht hinein.

Und jetzt? Jetzt saß sie da, blickte im Raum umher. Sie saß am Tisch, trippelte mit ihren Fingern nervös darauf herum. Ihr Blick richtete sich immer wieder auf die Türen der Schlafzimmer. Sie konnte nicht schlafen, nicht jetzt. Zu gefährlich war es ein Auge zu schließen. Schließlich wusste man nicht, was diesen Verrätern noch alles einfallen würde. Doch schien sie immer und immer wieder in kurze Tagträume zu verfallen, riss aber nach Sekunden ihre Augen wieder auf. Ihre Augen flackerten im dunkel, waren sie nicht mehr so hell und klar wie die des Ozeans, sondern waren sie getränkt in einem dunklen, fast schon schwarzem Blau. Ihre Wut und ihre Enttäuschung vermischten sich in ihrem starren Blick. Und ja, auch schossen ihr immer wieder die Worte Sayids in den Kopf. Dieser Narr, was bildet er sich ein den Emir zu stürzen und einen anderen auf seinen Thron setzen zu wollen? Dieser Narr. Immer trüber und wütender wurde ihr Blick als ihre Lippen sich bewegten und nur ein paar Worte über ihre Lippen kamen... 'Schweig, IFREY!'. Schnell schloß sie ihre Augen, als würde sie wegsehen wollen, wie in ihren Gedanken eine Klinge eines Wüstenskorpions durch die Luft wirbelte.

'Schweig.. Ifrey!'
Zuletzt geändert von Aalina Yazir am Mittwoch 8. Februar 2006, 08:07, insgesamt 2-mal geändert.
Aalina Yazir

Re: Verbannung ins Exil

Beitrag von Aalina Yazir »

[...] Fortsetzung folgt [...]
Aasim Omar

Beitrag von Aasim Omar »

Ein neues menekanisches Wort für Lüge, Verrat, Hinterlist, Untreue und Unehrenhaftigkeit wurde auf Menek’ur geboren. Das Wort spuckte man einfach nur aus im Klang Ifrey. Er der er weniger in Aasims Augen war als das Getier das sich im Pels der Straßenköter festsetzte wagte es seine Stimme gegen das Wesen zu erheben das der Eluive am nächsten war. Er ging zu weit. Lang waren Aasim jene Aufwiegler bekannt und doch musste auch er sich dem Willen des Emir beugen. Es war des Emirs Wille zu seinem Volk zu sprechen, trotz jeglicher Warnung. Es war die Voraussicht des Emir die jene Ifrey nun als das zeigte was sie waren. Verräter an ihrem eigenem Volk und Göttin.

Auch Als Aasim davon erfuhr konnte er es kaum glauben. So hätte er dieses sehen müssen und dieses Haus sofort aus den Büchern und aus dieser Welt löschen sollen. Nun kochte auch in Aasim ein Gefühl des unbändigen Zornes. Nie würde auch nur einer der Omar ruhen bis diese Tat gerächt sei. Nie würde ein Omar ruhen bis auch nicht der letzte der Verräter sein Urteil über diese Schandtat von einem Omar erhalten hätten. Doch schien es vorerst wichtiger alte Strukturen auch im neuen Land aufrecht zu halten. Erneute wurden die wichtigsten Aufgaben an die Anwesenden weitergeleitet um den ehrenhaften der Menekaner einige Optionen mehr zu eröffnen. Vor allem jedoch galt es den Emir zu sichern, denn fern ab seiner sicheren Heimat fürchtete Aasim um das Leben seines Erhabenen. Schritt für Schritt sollten sie sich vorarbeiten um ihre Heimat aus den Klauen der Verräter zu befreien. Die Strafe für den Verrat war diesen Schlangen sicher nicht klar, doch würde Aasim bei einem jeden der überlebenden Ifrey selbst der Henker sein, um es ihnen zu erklären.
Nadeeda Bashir

Beitrag von Nadeeda Bashir »

Unruhig lehnte die junge Frau die Nacht über an der Tür des Zimmers in dem der Emir ruhte, in der rechten Hand die Eisklinge, sie sie sich hatte anfertigen lassen gegen die Kreaturen ihrer Wüste und nun sie alle vor den anderen Ausgeburten ihrer Heimat schützen sollte.
"Du bist jetzt seine Leibwächterin.", das waren Fadis Worte. Ausgerechnet sie. Fadi mußte verrückt sein. Aber er hatte recht. Es war kein besserer da. Zumindest die Nerven hatte sie, Nerven zu haben, sich zu bewahren, das hatte sie in dem Salzberg gelernt. Ja. Es war kein besserer da. Aber auch keine schlechtere, wie sie sich eingestand.
Was tat sie hier überhaupt? Als ob sie irgend jemanden aufhalten konnte. Sie wußte nicht einmal ob sie es wollte. Sie wußte gar nichts mehr. Und doch, die Stille der Schmiede war ein Segen. Sie mußte nachdenken.
Keiner der Anwesenden hier wußte wirklich viel von ihr. Ob der Emir sich noch an sie erinnerte?
Zwei mal diese Nacht war sie bereits in sein Zimmer geschlichen. Das Schleichen lag ihr noch immer. Sie war eine Diebin gewesen. Sie und ihre Zwillingsschwester. Sie waren gut gewesen als Diebinnen. Zu gut. Verdamt, nicht einmal gewesen, sie war es noch immer. Vor nicht einmal einem Vierteljahr war sie in den Palast eingebrochen, hatte die Wachen umgangen, bis in den Keller wo die Palastwachen schliefen war sie eingedrungen zu den Lagern wo die Verletzten lagen. Gut, ohne die Hilfe hätte sie es nicht geschafft, den Wächter vor dem Harem konnte man nicht umgehen, aber man konnte ihn ablenken. Tollkühn. Lebensmüde. Wofür, außer um der Einsamkeit einer Nacht zu entfliehen?
Die Nacht hatte ihr Sorgen gemacht. Da war wieder der Reiz des Verbotenen. Seit Jahren hatte sie sich nicht so lebendig gefühlt wie in dieser einen Nacht. Kann man verleugnen was man ist? Und doch sollte sie nicht darüber stehen? Darüber stehen...
Zwei mal schon hatte sie heute Nacht über dem Bett in dem der Emir schlief gestanden, die Klinge über den Kopf erhoben. Zwei mal hatte sie das Zimmer wieder auf leisen Sohlen verlassen. Nein, sie konnte ihn nicht töten. Weshalb nicht?
Ein Teil von ihr sagte ihr, daß sie es tun sollte. Er war es, der sie in die Mine geschickt hatte, die Mine, die ihre Zwillingsschwester verschlungen hatte. Wer waren sie schon hier? Schneiderinnen. Schürferinnen. Zwei Magier. Dreck, ein einziger Krieger könnte sie alle töten. Und er würde sie alle töten. Es konnte keinen neuen Emir geben solange der Emir noch lebte und keinen Nachfolger bestimmte. Das würde Krieg bedeuten. Bürgerkrieg. Sie alle hier waren zu wenige. Sie würden Hilfe brauchen. Varuna, Rahal, wer wußte das schon? Das Land war geschwächt. Menekaner gegen Menekaner... Festländer die den Kampf entscheiden. Sie würden es nicht wieder hergeben. Sie würden es behalten und was würden sie dann schon sein?
Der andere Teil von ihr aber sagte, daß sie und Naeema Diebinnen waren. Sie hatten nur bekommen, was sie verdient hatten. Und gleich wer sie wenige hier waren, wer war der Rest? In der Eitelkeit gekränkte Männer. Sie hatten sich den Weisungen des Emirs widersetzt und nahmen sein Urteil nicht an. Hatten sie wirklich gedacht es würde so einfach sein? Daß sie bestimmen könnten wer Emir sein kann und wer nicht? Sie hatten sie verlacht. Händler. Schneiderinnen. Schürferinnen. Wer hatte ihrer Heimat den Wohlstand gebracht? Wer hatte ihnen das Leben ermöglicht, das so viele Aufständische hervor gebracht hatte? Was erwarteten sie? Konnte der Emir seine Heimat so sehr hassen, daß er eine Marionette an seiner statt Emir werden ließ? Eine Marionette die sie alle gewähren ließ?
Entscheidungen. Sie brauchte eine Entscheidung. Wo stand sie? Wofür sie stand wußte sie. Ein Krieg auf Menek'Ur schwächte nur ihr Volk als ganzes. Doch auf welcher Seite stand ihr Volk? Welches war der Weg des geringsten Leides? Wo stand sie? Wo mußte sie stehen? Sie brauchte eine Entscheidung.
Die Augen geschlossen, die Hände um den Griff der gewellten Klinge gelegt tat sie etwas, das sie in ihrem Leben noch nie getan hatte. Sie betete, wandte sich mit ihren Fragen an die Göttin selbst, fokussierte die Gefühle, die in ihr wallten auf das Abbild der Tränengöttin in ihren Gedanken.
Ein nur zu bekannter Geschmack lag auf ihren Lippen. Der Geschmack von Salz. Ein gläubiger Mensch würde dies wohl für einen Fingerzeig halten. Ein Zeichen. Doch für sie war es nur ein Zeichen dafür, daß die Träne, die sie schon den ganzen Abend unterdrückt hätte sich nunmehr den Weg zu ihren Lippen gebahnt hatte. Ein Fingerzeig, daß sie ganz tief drinnen einfach nur eine Frau war.
Sie öffnete die Augen. Ob es das Gebet war oder nicht konnte sie nicht sagen. Aber sie hatte eine Entscheidung getroffen.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Lange blieben sie nicht bei Thancred und Alliestra. Vielleicht war das auch besser so, denn das letzte was Aalina wollte war, dass die Beiden in die Streitigkeiten unter den Menekanern mit hineingezogen wurden. Sie wollten eh nur diese eine Nacht bleiben, bis der Emir den Grafen sprechen konnte.

Als Aalina am Abend aus dem Haus trat traute sie ihren Augen nicht. Die Gardisten Varunas hatten sich am Weg vor Thancreds Haus aufgebaut, Aasim stand davor, bat darum, den Emir zu wecken, was Raakin übernahm. Fast schon hätte sie schmunzeln müssen über den Anblick, es rührte sie sehr, dass sie auf dem Weg nach Varuna so großen und starken Geleitschutz hatten - aber schließlich sollte der Emir auf Gerimor geschützt werden, man wusste schließlich nie, was geschehen würde. Raakin kam gemeinsam mit dem Emir durch die Tür, er, umringt von Gardisten, und seine Getreuen folgten ihm nach Varuna. Dort sollte er diesen Abend einem Treffen mit dem Grafen folgen. Sorgsam auf den Weg, die Umgebung und auf den Emir achtend machten sich Gardisten, das getreue, vertriebene 'Volk' Menek'Urs und natürlich deren Herrscher und Führer auf den Weg durch die Wälder. "Stooooop!" Die Gardisten blieben stehen. Aalina stellte sich zu den Gardisten, schließlich ging es darum den Emir zu schützen. Vor ihr sah sie Gardisten mit ein paar Aufsässigen des Waldes im Waffenkampf. Doch sollten diese schon bald davon ablassen. Den Weg gesichert und geebnet schritten sie voran zur Hofburg des Grafen von Varuna. So standen sie alle dort, der Emir, Großwesir Aasim und der Graf selbst zogen sich zurück um die Sachlagen zu besprechen, während Zaina, Nadeeda, Raakin und sie selbst sich ein wenig ausruhten. Doch schien die Ruhe nicht lange gewährt ehe sie aufbrachen. Sie sollten in zwei Gruppen laufen, als erstes Aasim mit Gardisten gefolgt von Zaina, Nadeeda und Aalina. Danach die Gardisten und der Emir, gemeinsam und geschützt mit und durch Raakin. Wo es hingehen sollte? Aalina wusste es nicht. Doch ging sie brav neben ihren Landsleuten und den Gardisten die Wege durch die Wälder Richtung Berchgard. Wieder nach Berchgard zurück? Dort waren sie doch schon einmal. War es dort nicht zu gefährlich? Konnten sie dort nicht zu schnell gefunden werden? Doch die Gardisten liefen weiter Richtung Nordost ehe sie am Paladinkloster ankamen. Dort sollten sie also leben? Von außen sah das Kloster so eisig kalt aus. Marmormauern klafften in den Himmel. Aalina sah sie sich an, wusste sie nicht wie sie reagieren sollte, als sie eintraten. Rasch wurden ihnen die Zimmer gezeigt, ihnen gesagt, wo sie was zu finden hatten. Waren sie hier endlich in Sicherheit? Sie hoffte. Wenigstens solange wie sie sich gerüstet und die Frauen mehr über die Kampfkunst gelernt hatten. In diesem Moment war Aalina das erste Mal in ihrem Leben richtig stolz auf sich. Es war fast so als hätte sie eine Vorahnung gehabt und wäre deshalb mit Raakin des öfteren zum Jagen gegangen. Dort hatte sie vieles, sehr vieles gelernt. Um sich selbst zu verteidigen reichte es. Doch war sie lange nicht soweit, auch das Leben anderer zu verteidigen. Ohne etwas zu sagen ging sie mit den anderen zusammen die Treppen im Kloster nach oben. Sehnsüchtig und wartend sah sie sich um. Es war nicht Raakin auf den sie wartete, er lief dicht hinter ihr. Nein.. es war Raja. Längst sollte sie hier sein. Doch sie ließ sich nichts anmerken wie beunruhigt sie war, das sie sich Sorgen um sie machte. War sie vielleicht doch bei den Verrätern geblieben? Sie wusste es nicht. Sie hoffte und flehte Eluive in ihren Gedanken an, dass Raja nachkam. Nicht ihre beste Freundin. Hätte sie doch für jene ihre Hand sofort ins Feuer gelegt. ‚Enttäusch mich nicht, Raja!’ Die Worte der anderen hallten an ihr vorbei, sie war in Gedanken. Gedanken darüber, was sie tun würden, wie sie weiterleben würden. Sollten sie für immer hier bleiben? Das war nicht Sinn der Sache. Sie sollten zurück nach Menek'Ur - ihr Land – das Land des Emirs, nicht das der Verräter.

Sie trat in die Bank in Berchgard. Schnell wollte sie ihre Rüstung aus dem Bankfach holen, ehe sie sich umdrehte und in die Augen von Raja sah. Sie war da... sie war da. Eluive sei Dank. Hastig schloss sie diese in die Arme, sprach, fragte, weinte. Sie war so froh sie in ihren Armen halten zu können. Sie hatte sich für die richtige Seite entschieden. Schnell packten sie alle ihre Sachen zusammen, waren sie doch dabei die wichtigsten Dinge die sie noch rasch zur Bank gebracht hatten ehe sie von Menek'Ur gingen in das Kloster zu bringen und in eine Kiste zu sperren. Der Abend sollte sich langsam zu Ende neigen, der Emir war wohl auf in seinem Zimmer, Zaina - ihre Schwester, sollte sich persönlich um sein Wohl kümmern. Aalina wusste, Zaina würde sich wirklich darum kümmern und es würde ihm gut gehen. Sie kannte ihre Schwester. Aalina hätte es nicht anders gemacht. Alle hatten sich irgendwie zurückgezogen, der Großwesir war in dem Bad, gemeinsam mit Nadeeda, ließ sich verwöhnen und massieren. Zaina kümmerte sich vorerst darum, dass alles nach den Wünschen des Emirs geschah. Raja und Hasib saßen im Hof und redeten miteinander, wollte sie diese nun auch nicht stören wo sie sich gerade wiedergesehen haben. Raakin war in seinem Zimmer, das erste Zimmer des Flures, wenn man das obere Stockwerk betrat. Die Tür stand offen, er saß an dem Tisch. Sie ging näher, ließ sich vor ihm auf dem Teppich nieder ehe sie ihn beobachtete. Er saß über eine seiner Tränke, wollte sie ihn nicht stören, fragte, ob sie bleiben solle oder besser gehen solle. Doch schüttelte er den Kopf, bat sie zu bleiben, sah sie dann an und fragte, ob sie sich denn nicht etwa zum Emir oder zu Aasim schleichen wollte. 'Zu Aasim? Zum Emir? Es wäre eine Ehre, doch schlägt mein Herz doch für ihn!' schoss es ihr durch die Gedanken, was sie wohl ein wenig verunsichern lies. 'Fühlt er nicht auch so..? Würde er mich hergeben wollen? Will er mich nun wegschicken?' Tausend Gedanken schossen durch ihren Kopf, doch sprach er besinnlich zu ihr. "Raakin.. ich könnte nicht.. mein Herz, es gehört dir!" ... hatte sie, Aalina Masari, dies wirklich über ihre Lippen gebracht? Sie sah zu ihm, versuchte seine Reaktion zu deuten, zu verstehen. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen. Das war gut, es war gut. Es tat gut ihn lächeln zu sehen. Er stand auf, gab ihr einen Beutel, sie solle ihn Hasib bringen. 'Jetzt? Nagut.. vielleicht will er ein paar Minuten für sich..' Sie nahm den Beutel, während er auf eines der Betten im Zimmer zutrat. "Möchtest du ruhen?" sprach sie, ehe sie aus der Tür ging und über die Schulter zu ihm zurückblickte. "Nur ein wenig ausruhen!"

Sie stieg die Treppen hastig hinab, gab Hasib den Beutel, sprach nicht lange und trat wieder nach oben. Zaghaft klopfte sie an die Tür ehe sie ein "Jajaaa" von innen vernahm und eintrat. Raakin war noch nicht einmal entrüstet. Sie musste schmunzeln, trat dann weiter in den Raum. "Warum hast du geklopft? Du weisst doch das nur ich hier bin, Hasib ist doch gerade unten im Hof! Da brauchst du doch nicht anzuklopfen…" Aalina nickte, doch erklärte sie ihm, dass sie ihn einfach nicht unerwartet stören wollte und es nur höflich gemeint hatte. Er nickte, fragte sie bei was sie ihn denn hätte stören sollen, schmunzelte, sah sie an, sprach. Er wolle noch ein wenig ins Bad, sich entspannen, sah sie fragend an, ob sie ihm die versprochene Massage geben würde. Aalina nickte. Natürlich würde sie das, nichts lieber, als das es Raakin gut ging. So traten sie zur Tür des Bades, Raakin trat hindurch, hatte sie doch Aasim zuvor noch ein Tuch gebracht das er um seine Hüften wickeln konnte. Aasim und Nadeeda waren noch dort. Raakin fragte, ob auch er und Aalina dort verweilen durften, Aasim nickte, meinte auch er solle sich nach dem Kampfe entspannen. Aalina löste nach bitten Raakins die Schnallen seiner Rüstung auf dem Rücken, welche er dann ablegte. So stiegen sie ins Wasser, Raakins Verspannungen lösend ehe der Großwesir und auch Nadeeda das Bad verließen. Es dauerte jedoch nicht lange als Aasim erneut voll gerüstet in der Tür stand. "Raakin, rüste dich, wir ziehen los!" Was war nur los? Aalina stieg nach Raakin aus dem Wasser, zog sich ihre Toga über und eilte zusammen mit ihm hinaus. Mussten sie in den Krieg ziehen? War es jetzt schon soweit? Khalida und Safiya hatten anscheinend herausgefunden, dass sie bei Thancred waren. Zumindestens waren sie dort aufgetaucht und hatten aufgebracht nach Aasim gefragt. Was sollte nun weiter geschehen? Was würde passieren? Ungern ließ sie Raakin gehen, doch versprach er gesund und unverletzt zurückzukommen. Mühseelig ließ sie seine Hand los, ließ ihn mit Aasim ziehen. Immerhin musste er Aasim schützen. Sie vermutete das dies nun wohl eine lange und einsame Nacht werden würde... Lange lief sie die Eingangshalle auf und ab, immer wieder nach oben gehend am Zimmer des Emirs vorbei um zu sehen, ob alles in Ordnung wäre. Dann ging sie wieder hinab, immer wieder zur Tür schauend. Nichts. Eine ganze Weile saß sie da, nervös wirkend ehe die Tür aufging. Sie waren zurück. Unversehrt.

Der nächste Tag brachte nicht viel anderes mit sich. Sie sortierte die Kiste, war sie doch etwas müde von der abendlichen Jagd gewesen. War sie doch nachts noch mit Raakin und Hasib losgezogen um ein paar Dämonenknochen zu erjagen. Sie fragte sich bis zur jetzigen Minute immer noch, woher dieser Tiefländer, der ihnen über den Weg lief wusste, dass sie im Paladinkloster waren. Entweder hatte ein Getreuer etwas gesagt, was sie nicht glaubte.. oder einer der Gardisten Varunas. Aber das liese sich bei Zeiten herausfinden. Sie verschwendete ihre Gedanken nicht weiter daran, war sie doch froh in Sicherheit zu sein. Doch wie lange noch? Würde es noch lange brauchen bis sich herumsprach wo sie waren? Wo würden sie dann hingehen, wenn sie nicht einmal mehr im Kloster ihre weiteren Pläne entwerfen konnten?

Sie stand auf, wollte sie die untergehende Abendsonne genießen. Sie wusste, dass es ihr Tod sein konnte, wenn sie das tat, was in ihren Gedanken vorging.. doch wollte sie heute, ja heute nach Menek’Ur zurückreisen um ihre geliebte Saarah zu holen und die Sonne dort für eine Weile das letzte Mal zu sehen wie sie sich hinter der Wüste verbergen wollte, eins mit ihr werden würde. Sie hatte die Zügel von Saarah in der Hand als sie vor dem Turm von Raakin stand, die Schlüssel dazu in der anderen. Menek’Ur war verlassen, es sah so aus, es war auch so. Niemand zeigte sich, hätte sie doch damit gerechnet, dass dort wilde Feste gefeiert werden über den vorübergehenden Fall des Emirs. Zögerlich trat sie ein, war ihr in dem Turm doch alles noch so vertraut. Schnell riss sie sich aus ihren Gedanken, rannte in den Keller. Dort lag alles noch so, wie sie es verlassen hatten. Der Ring von Khalida lag auf dem Boden, sogar die Kerze flackerte noch leicht vor sich hin ehe sie erlosch. Hastig packte sie ihre Stoffe, Garn, Reagenzien für Raakin, ging wieder nach oben und verschloss sorgfältig die Türe, ehe sie mit ihren beiden Tieren zum Hafen ging. Schnell führte sie die Beiden auf das Schiff. „Leb wohl, Menek’Ur. Wir kommen zurück, nicht jetzt, aber irgendwann!“ So kannte sie diese Insel nicht. Sie hatte Angst sie zu betreten, sie hatte Angst sich auf dieser Insel zu bewegen. Eine Insel, auf denen Verräter und Verblendete von diesen lebten. Wie viele waren es, die wirklich auf voller Überzeugung gegen den Emir standen? Schweigend schüttelte sie den Kopf, sehnsüchtig schlich ihr Blick über den Sand, über die Palmen, über das Kontor. Alles sah so ruhig aus, doch kochte Menek’Ur innerlich.
Es war das erste Mal in ihrem Leben, dass sie Tränen in den Augen hatte und sich auf den Steg warf und ihre Tränen das Land berührten. „Möge Eluive über den Emir wachen…!“ sprach sie ehe sie an Bord ging und mit ihren Pferden ablegte.

Langeweile. Angst. Beunruhigung. Wie sie diese Gefühle hasste. Sie erhob sich, hatte sie es satt hier herumzusitzen. Hastig suchte sie ihre Knochensäge, ohne diese könnte sie die Rüstung für Hasib nicht endgültig zusammenfügen. Doch sie war verschwunden. Wo war sie hin? In ihrer Schusseligkeit hatte sie diese sicher irgendwo verlegt. Seufzend erhob sie sich, machte sich auf den Weg zu Thancred. Er hat sicher eine für sie. So war es auch. Mit der Säge in der Hand eilte sie zurück, sie musste Raakin finden, er musste sie beruhigen. Das hatte bisher meist bestens geklappt, wenn sie sich konzentrieren musste und er die Hand auf ihre Schulter legte. Es war fast so als würde seine Konzentration auf die ihre übergreifen. Gestern hatte sie kein Glück, viele Dämonenknochen zerbrachen, vielleicht war sie auch nicht ganz bei der Sache. Sie wusste es nicht. Doch heute? Heute hatte sie Glück. Heute sollte ihr alles gelingen... und das tat es auch. Sie überreichte Raakin das Knochenschild, lächelte und war fast schon zu stolz auf sich selbst. Alle drei waren wiedermal gerüstet. Aasim, Hasib und auch Raakin. Sie sah einige der Rüstteile aus seiner Robe hervorstehen. "Wohin geht ihr?" fragte sie aus Neugier, wenn auch aus Besorgnis ob nicht etwas geschehen war. "Nur eine Patroullie!" Sie nickte. Wenigstens hatten sie dieses eine Mal nicht wieder den Plan Safiya und Khalida zu verfolgen, wie sie es die letzte Nacht taten. Beruhigt ging sie zurück zum Kloster, ließ die drei ziehen.

Lange unterhielt sie sich mit Zaina und Raja. Raja erzählte, dass Aasim mit Raakin und Hasib die zwei Verräterinnen suchen wollte. Aalina war enttäuscht. Eine Patroullie also.. warum konnte Raakin ihr nicht sagen, dass sie die Beiden suchen wollten? Hatte er kein Vertrauen zu ihr? Oder wollte er - wie Raja es sagte - sie nur schützen und beruhigen? Sie wusste nicht, ob sie es nun sehen sollte, dass er sie belog. Wenn ja, warum tat er das? Wahrscheinlich hatte Raja recht, er wollte sie nur nicht unnötig beunruhigen.
Umso länger sie sprachen, Zaina, Raja, Saheeb und Aalina, umso schöner war das Gespräch, fast erinnerte es an die alten Zeiten auf Menek'Ur als alles noch in Ordnung war. Doch umso länger sich die Zeit hinzog, desto unruhiger wurde Aalina. Nervös tippelte sie mit ihrem Fuss auf den Boden, danach mit ihren Fingern auf der Bank. Immer wieder fiel ihr Blick auf die Tür. "Wo bleiben sie nur?"
Es vergingen Stunden. Aalina hatte sich schon überlegt ob sie selbst rausgehen sollte um nachzusehen wo sie blieben. Doch sollte sie mit Raja und Zaina hier bleiben, der Emir galt geschützt zu werden so gut es ging. Immer wieder sah sie auf die Tür, ehe sie endlich aufging und die drei unversehrt durch die Tür gingen. "Wir haben Safiya!" .. Sie haben Safiya..? ... "Doch ist sie entkommen!" ... Sie hatten Safiya, sie war entkommen, sie schien schwer verletzt und allen Anschein nach schien sie mit Khalidas Plänen nicht vertraut gewesen zu sein. Aalinas Gedanken drehten sich im Kreis. Doch sprach sie die Skepsis, die sich in ihr barg nicht aus. Zu sehr schwächte sie alles, zu sehr hatte sie Angst. Angst, nicht nach Menek’Ur zurückzukommen, Angst, dem Emir könnte etwas zustoßen. Angst, dass irgendwann die Türe nach einer Patroullie nicht mehr aufgehen würde, auch wenn sie noch so lange davor wartete. Angst, ja, wahnsinnige Angst und diese galt zu bekämpfen. Sie musste stärker werden, sie musste im Falle des Falles fähig dazu sein einen ihrer ehemals so geschätzten und geliebten Landesmänner zu töten. Landesmänner und Frauen, die sich der Habgier und allem Anschein nach dem Dunklen hingaben. Stunden verbrachte sie damit, gedankenverloren gerade aus zu sehen, Raakins Hand in ihrer Hand haltend. Sprachen sie heute nicht viel miteinander, doch las sie ihm seine Sorgen von den Augen ab. Sie saßen in der dunklen Nacht hinter den sicheren Toren des Klosters, nachdenklich wirkend, doch war Aalina froh ihn neben sich zu haben. Sehr froh. Und das, obwohl sie doch vor ein paar Wochen noch dachte, sie könne niemals lieben oder sich einem Mann so öffnen, wie sie es nun bei ihm tat. Innerlich hoffte sie darauf, dass alles gut werden würde. Das es so wäre, als würde sie aus einem bösen Traum erwachen. Anfangs würde man sich an alles noch haargenau erinnern, aber nach einiger Zeit würden die Erinnerungen verblassen und alles wäre wieder so, wie es einmal war. Bevor alles begonnen hat, bevor das Chaos um sich griff, bevor sie mit ihren Freunden – ihren wirklichen Freunden – das Land verlassen hatte.
Und als sie so in die Nacht starrte, fragte sie sich immer und immer wieder ob Eluive sie damals geleitet hatte, als sie jagen war und ihr der Pfeil entwich und Mujaahid traf. Hatte Eluive die Verräter schon enttarnt gehabt ehe sie es taten? Es tat ihr Leid um Mujaahid, hatte sie ihn doch als Freund in ihr Herz geschlossen. Was war mit ihm geschehen? Tränen rollten ihre Wange hinab, doch hörte man sie nicht weinen. Ihre Hand lag immer noch fest umschlossen in der Hand von Raakin, mochte er so in Gedanken gewesen sein, dass er ihren fest umklammerten Griff nicht wahrnahm.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Die Sonne kitzelte auf ihrer Nasenspitze. Verschlafen zog sie sich an, ging ins Bad, wusch sich schnell, eilte die Treppen hinab. Endlich mal kein Schnee. Sie riss die Türen auf und ging im gleichen Moment auf die Knie. "Aalina ich brauche dich!" ... "M...ich?" Sie traute ihren Ohren kaum. Der Emir brauchte sie? Ihre Hilfe? Nungut, sie sollte ihn begleiten, mit ihm zum Grafen, für den Emir übersetzen. Die Gardisten Varunas standen schon bereit, der Emir schritt voran, Aalina wieder einmal an seiner Seite. Auch Nadeeda lief mit nach Varuna. Der Emir fragte Aalina, ob sie wüsste, warum ihm diese Vorladung wohl zukam. Aalina konnte es sich nicht vorstellen warum, doch sprach Nadeeda, dass es vielleicht wegen dem Vorfall mit Safiya war. Dem war auch so. Eine Weile saßen sie beim Grafen im Besprechungszimmer, Aalina versuchte ihr bestes um dem Grafen jedes Wort das der Emir sprach eins zu eins zu übersetzen. Als die Unterredung zuende war, bat der Emir darum ohne die Begleitung der Gardisten nach Berchgard zurückzureisen. Ohne Begleitung der Gardisten? Aalina hatte fast schon panische Angst. Wenn ihm jetzt etwas passieren würde..? Das könnte sie nicht verantworten, doch war es sein Wunsch und sie musste da durch. Und zu ihrer Verwunderung und Erleichterung waren sie schneller wieder beim Kloster als sie dachte. Gemeinsam stiegen Aalina und Nadeeda die Treppen hinter dem Emir empor, wollte er sich doch zurückziehen. Doch vorher reichte er Aalina etwas. Sie solle dies zeigen, damit man ihrem Wort glauben schenken solle. Aalina nahm es ihn die Hand, nicht darauf achtend was es war, ging abermals vor ihm auf die Knie und verneigte sich tief. Erst als er in seinem Zimmer war starrte sie auf den Ring in ihrer Hand. Sie war fassungslos, dass sie diesen jetzt wohl bei sich trug.

Der darauffolgende Tag war ruhig. Keine neuen Nachrichten von den Verrätern, nichts. Es schien sie fast ein wenig auf dem Festland zu langweilen, so sortierte sie abermals die Kiste ehe sie nach unten in die Eingangshalle des Klosters trat und sich an eine der Säulen stellte und Nadeeda und Zaina zuhörte, wie sie miteinander sprachen. Nadeeda war ihr erst immer ein wenig suspekt gewesen, damals auf der Insel. Doch mittlerweile war sie ihr richtig ans Herz gewachsen. Die beiden unterhielten sich über die Schönheit und über den Schnee, über so vieles. Lina stand als erstes eine Weile daneben, ehe sie sich zu den beiden setzte und sich mit ihnen in ein Gespräch verstrickte. Es lenkte sie ab von ihren Gedanken, es tat ihr gut, wenn ihre Schwester da war. Sie war froh sie in dieser Zeit bei sich zu haben. Sehr froh. Sie bemerkte nicht einmal, wie die Tür zum Kloster aufging und Raakin durch die Tür trat. Erst als er sprach sah sie zu ihm auf, die Freude in ihren Augen erkennbar. Doch er? Er fragte nach Hasib. Es reichte ihr. Wutentbrannt stand sie auf, ging sauer an ihm vorbei nach draußen, ließ sich dort auf einer der Bänke nieder. Sie liebte ihn, doch manchmal kam sie sich so verloren vor als würde er in ihr einfach nur eine Freundin sehen. Es dauerte nicht lang als er ihr folgte, sie fragend ansah und wissen wollte, was los war. Warum tat er das? Warum sah er sie so an? Sie konnte ihm doch dann nicht böse sein. Sie sprachen lange miteinander, lachten, ehe Aalina seine Hand nahm und ihn mit sich zog. Sie wollte ihm etwas gutes tun, sie wollte ihn an diesem Abend ablenken. Und so ging sie mit ihm nach Berchgard, stieg in die Kutsche, ließ den Kutscher zum Wegekreuz fahren. Dort schlängelten sie sich durch den Wald nach Norden ehe sie auf dem kleinen Stück Sandstrand standen. Ihre Hand immer noch haltend sank er auf den Boden, wie ein kleines Kind nahm er den Sand in die Hand und ließ ihn durch seine Finger rieseln. Aalina stand noch eine Weile neben ihm ehe sie sich neben ihm niederließ. Sie sprachen über so vieles, lagen nebeneinander, genossen den Sand unter sich, ehe sie sich unter dem beginnenden Regen küssten. "Vielleicht sollten wir zurückgehen..?" sprach Lina, auch wenn sie noch gerne dort verweilt hätte. Immerhin fühlte es sich ein wenig an wie die Heimat. Doch es war kalt, ihre Kleidung war durchnässt und sie wollte nur noch in das warme Kloster in ein warmes Bad steigen und sich entspannen. So fuhren sie zurück nach Berchgard. "Dein Schleier..!" sprach Raakin während er schnellen Schrittes voranging. Sie legte ihn sich schnell um, traute sie ihren Augen nicht wer neben Thancreds Haus stand. Warum musste jetzt ausgerechnet auch noch er hier rumstehen - Baygon. Sie hatte ja absolut gar keine Lust auf eine Unterhaltung mit ihm, doch ließ sie Raakin sprechen, wartete still im Hintergrund bis er fertig war um dann mit ihm weiter Richtung Kloster zu gehen. Ihr war kalt, sehr kalt. Sie wollte nur noch in das Bad, zog Raakin mit sich. Ihm war immerhin genauso kalt. Schnell wärmten sie sich im Bad auf, sprachen sehr viel, legten ihre Ängste und Gedanken vor sich offenbart hin. Aalina kannte ihn so nicht, so liebevoll und fürsorglich, doch lernte sie immer mehr von dieser Seite kennen. Was war sie froh ihn an seiner Seite zu haben, das machte so vieles so viel einfacher. Und so stand sie da, ihn ansehend, als sein Blick ernst wurde. Was hatte sie verbrochen? Hatten sie doch gerade eben noch so eng umschlungen herumgealbert? Doch ehe sie sich versah ging er vor ihr in die Knie. Lina zitterte, sah ihn an, sah abwartend zu ihm. Die Sekunden bis er zu sprechen begann kamen ihr vor wie Stunden. Machte er ihr nun wirklich einen Heiratsantrag?
"Aalina..." von weitem vernahm sie ihren Namen. "J..aa?" Sein Blick war so ernst als er so vor ihr kniete. "Wenn das alles vorbei ist möchte ich das du meine Frau wirst!" Aalinas Herz raste. Sie? Seine Frau? Sie konnte sich nicht mehr halten, stürmte auf ihn zu, riss ihn um und sie fielen mit einem Platschen gemeinsam in das Wasser. Und als sie gemeinsam wieder auftachten fragte er sie grinsend: "Heisst das ja?" Natürlich hieß es das. Was auch sonst? "Ja, das heisst es!" Sie lächelte ihn an, sie küssten sich. Für sie war dieser Moment unbeschreiblich, fast, als hätte sie nie größeres Glück gespürt. Und für diesen Moment vergaß sie alles um sich herum, die ganze Situation. Sie konnte einfach nur glücklich sein.
Aalina Yazir

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Lange hatte sie diesen Morgen im Bett gelegen, fühlte sie sich doch diesen Morgen so anders, als sie ihre Augen öffnete. Sie starrte an die Decke, ihre Hoffnung war zerflogen, dass sie endlich wieder zuhause war. Immer noch starrte sie an die kalte, weisse Marmordecke des Klosters. Fing sie langsam an sich 'zuhause' zu fühlen? Zuhause ist dort, wo das Herz ruht. Ihr Herz ruht auf Menek'Ur, bei den Schwestern und Brüder der Sonne. Und vor allem bei ihm, Raakin. Leise flüsterte sie seinen Namen und lächelte. Sie schob das Laken zurück, raffte sich auf, griff nach ihrer Toga, zog sich diese über. Ihre Haut war geschmeidiger als sonst, ihre Augen strahlten mehr als sonst. Auch kam es ihr so vor als würden ihre Bewegungen graziler wirken. Sie fühlte sich so anders an diesem Morgen. Sie stand vor dem Spiegel ihrer Kommode, starrte hinein. War das wirklich sie, die sie da sah? Sie sah irgendwie anders aus. Sie stellte sich seitlich vor den Spiegel, zog dein Bauch ein, schob die Brust raus, legte ihre Hand auf den Bauch um die Toga an sich zu drücken. Sie musste sich das alles einbilden, dass sie sich von gestern auf heute so verändert hatte. Oder nicht? Sie setzte sich auf einen der Stühle im Zimmer. Wie lange hatte sie darauf gewartet einem Menschen ihre Liebe zu schenken? Wie lange hatte sie sich danach gesehnt, dass auch sie heiraten würde? Und doch hatte sie es nie für möglich gehalten. Und nun war sie verlobt. Sie war versprochen, sie hatte Raakins Heiratsantrag gestern im Bad angenommen. Sie legte ihre Hände auf ihre Wange um zu testen ob sie nicht träumen würde. Und sie träumte nicht. Nein, sie war hellwach. Ob sie bei klarem Verstand war konnte sie nicht sagen, war sie doch noch ein wenig benebelt. Und obwohl sie so glücklich war hatte sie auch Angst. Sie wusste, Gefühle würden sie verletzlich machen und alles was Raakin angeifen würde, würde auch sie angreifen und belasten. Und jetzt, wo es quasi offiziell war, dass sie zusammen gehören und sie sich sicher sein konnte, dass er sie liebte würde sie sich jedes Mal noch mehr Sorgen machen, wenn er durch die Tür ging und lange weg war. Aalina atmete tief durch, versuchte ihre Gedanken auf die Seite zu räumen, konzentrierte sich auf ihr Gespräch zu Eluive, um ihr Bitten das alles gut werden würde. Würde es das?
Sie wollte heute noch mit Raakin sprechen, es gab viele Dinge die ihr noch auf dem Herzen lagen und wenn er sie wirklich lieben würde, würde es kein Problem darstellen, wenn sie darüber mit ihm sprach. Schließlich weiss er nun ja, wo sein Platz ist, wo er hingehört. Sie zögerte ehe sie die Tür aufmachte, stand sie doch immer noch barfuss mit ihrer Toga bekleidet im Raum. Hastig blickte sie nach rechts und links und huschte auf leisen Sohlen den Gang entlang zu Raakins Zimmer. Leise klopfte sie an. Nichts. War er etwa schon unterwegs? Nein, er konnte noch nicht wach sein, dazu waren sie gestern beide viel zu lange wach und er wahrscheinlich genauso aufgewühlt wie sie. Wie lange hatte sie gestern gebraucht um einzuschlafen? Eine Stunde? Zwei? Sie wusste es nicht mehr, hatte sie doch jegliches Zeitgefühl verloren. Zaghaft öffnete sie die Tür, Hasib schien schon unterwegs zu sein, so sah sie nur ihn in seinen Laken liegen. Ruhig schlief er, ehe sie zu ihm ging. Sie wollte ihn nicht wecken, nein. Lächelnd stand sie neben seinem Bett, streichelte ihm über die Wange, gab ihm einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und flüsterte ihm leise etwas zu, ehe sie sich wieder aus dem Zimmer schlich zurück in ihr Zimmer, um sich vollends anzuziehen.

Sie wollte nach Bajard. Eigentlich wollte sie bei Leanne ein paar Sachen abholen, doch war diese nicht da. Also schlenderte sie verhüllt durch Bajard, sah sich immer wieder prüfend um ehe sie Hasib vor sich erblickte. Er schien sich mit einer jungen Frau zu unterhalten, so wollte sie ihn eigentlich nicht stören, begrüßte ihn dennoch. Die junge Frau wollte dennoch weiter, zu den Hinrah um dort einen Brief abzugeben. Als diese sich abwandte und Aalina sich wieder Hasib zuwenden wollte traute sie ihren Augen kaum. Stand ihr nun Kari gegenüber. Lange hatte sie diese nicht mehr gesehen, das letzte Mal als sie die Schlüssel von Khalida überreicht bekamen. Sie hatten sich bereit erklärt die Taverne zu übernehmen. Damals, ja.. da dachte noch niemand daran, was geschehen würde. Die Gedanken an Khalida machten sie traurig. Immerhin war sie mit Khalida sehr gut befreundet gewesen. Immerhin war Khalida die Cousine des Mannes, den sie liebte. Schnell ließ sie von ihren Gedanken ab, stand da doch Kari wohl bereitwillig mit ihr zu sprechen. Sie unterhielten sich, Kari wollte versuchen zu verstehen. Sie erklärte Lina, dass sie auf keine der beiden Seiten stehen würde. Kari war Diplomatin, sie sollte so handeln, dessen war sich Aalina bewusst. Safiya schien es allen Anschein nach besser zu gehen, zumindest verlautete Kari dies, als Aalina nach ihr fragte. Lina hoffte noch immer, dass wenigstens eine der Ifrey nicht so war, wie die anderen. Nur eine. Kari erklärte, sprach, erläuterte. Sie hoffte, sie wollte Aalina erklären, dass sie versuchte ein Licht in das Dunkel zu bringen, eine Lösung zu suchen ohne das Blut fließen müsse. Nicht noch mehr Blut, als eh schon geflossen war. Aalina stand da, hin und her gerissen, wusste sie nicht, wie sie sich Kari gegenüber verhalten sollte. Konnte sie ihr vertrauen?
Aalina Yazir

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"Zainaaaa!"

Bettelnd sah sie zu ihrer Schwester. "Tu es einfach, ja? Tu deiner kleinen Schwester einfach einen Gefallen!" Zaina tat mal wieder so, als wüsste sie nicht, wovon Aalina sprach. Das tat sie immer, wenn sie wollte, dass ihre kleine Schwester das aussprach, was sie hören wollte. "Du willst deine kleine Schwester sicher loshaben und glücklich sehen!" Zaina grinste, stellte sich immer noch auf unwissend, wovon Aalina sprach, doch war ihr längst klar, um was es ging. Aalina rollte mit den Augen. Das durfte doch nicht wahr sein, warum war Zaina immer so gemein?
Also erklärte Aalina Zaina alles. "Ich hab es selber kaum geglaubt..!" Zaina grinste zu ihren Worten, ehe sie ihre kleine Schwester in die Arme schloss. "Es freut mich für dich, wirklich!" Aalina sah dennoch, das Zaina etwas bedrückte. Sie wusste auch genau, was es war. So sehr sie wusste, wie Zaina Saalih geliebt hatte, so sehr wusste sie auch, dass zu viel Zeit vergangen war. Zu lange war er weg, ließ sich nicht mehr bei ihr blicken. Und dann brachte sein Nachname ihm auch noch Schande ein. Zaina hatte die Hoffnung aufgegeben. "Also wenn sogar deine kleine Schwester es schafft einen Mann für sich zu gewinnen, dann sollte das für dich doch absolut kein Problem sein!" Aalina schloss ihre Schwester in ihre Arme. Zaina war so wunderschön, es sollte doch theoretisch kein Problem darstellen, dass sie einen der schönsten Männer für sich erobern konnte. So standen sie da, Arm in Arm ehe Aalina aufsah und lächelte. Da war Raakin, er kehrte gerade aus Tirell zurück. Und wenn hatte sie da bei sich? Es war Fareed. Er stand also auch hinter dem Emir, so freute Aalina sich ihn zu sehen - unversehrt zu sehen. Doch richtete sie ihren Blick immer wieder auf Raakin, lächelte, sah ihn lächeln. Und obwohl ihr so kalt war spürte sie innerlich, wie sie aufblühte.

Fareed und Raakin machten sich auf um in das Kloster zu gehen, Aalina und Zaina standen noch eine Weile draußen, ehe auch die beiden in den Klosterhof traten. Dort standen die Beiden, gemeinsam mit Aasim. Aasim schien Fareed kurz zuvor begrüßt zu haben, ehe er Fareed anbot, sich doch im Bad auszuruhen und sich dort zu entspannen. 'Das Bad? Oh nein..' Aalina sah umher, versuchte ihren Blick auf irgend etwas zu richten, blickte zu Raakin. Er schien im gleichen Augenblick zu ihr zu sehen, allem Anschein nach schien er das gleiche zu denken wie sie. Er räusperte sich, sah zu Fareed. "Komm, ich zeige dir die oberen Räume!" Raakin hatte sich schnell wieder gefasst. Doch wünschte Aalina sich so sehr das sich ein großes Loch auftun würde um sie sofort zu verschlingen. 'Tief durchatmen, Lina!' Es schien zu funktionieren sich in sekundenschnelle wieder in den Griff zu kriegen und die peinliche Situation zu überspielen, ehe ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg. Fareed und Raakin gingen nach oben, Aalina und Zaina standen mit Aasim immer noch im Klosterhof. Aalina erzählte auch Aasim was sie an der Seite des Erhabenen bei dem Grafen zu hören bekam. Aasim hörte ihr zu, nickte, verstand, erklärte, sprach, ehe er sich zur Nachtruhe begeben wollte mit der Bitte, dass Aalina ihm doch neue Kleidung schneidern solle. Nichts leichter als das.. Sie begab sich nach oben, ging leise in das Zimmer, sie wusste nicht ob Raakin schlafen würde oder ob er gar nicht im Zimmer war, ging zur Truhe, als sie sah, dass der Raum leer war und trug ein paar Stoffe hinaus. Schnell machte sie sich an die Arbeit, versank sie doch wieder in Gedanken.

"Mujaa, Mujaaaaa... ich brauch deine Hilfe, kannst du tanzen?" Aalina stand mit Mujaahid auf dem Fest in Varuna. "Ja, warum denn, Wüstenfloh?" Sie erklärte ihm, dass sie ein paar Schritte lernen wollte, außer das, was sie so für sich beherrschte. Sie konnte tanzen, ja. Aber eher für sich alleine, nicht mit anderen. Und sie wollte mehr lernen, lernen mit anderen zu tanzen. Und so geschah es. Am nächsten Tag sollte es losgehen. Und wie ungeschickt sie sich doch am Anfang angestellt hatte. "Für was willst du eigentlich tanzen lernen?" Aalina grinste, sollte Mujaahid das doch klar sein warum. Schließlich war er derjenige, den sie über die Gefühle zu Raakin eingeweiht hatte. "Für Raakin...!" flüsterte Aalina leise, während sie sich darauf konzentrierte Mujaahid nicht nochmals auf die Füsse zu treten. Und so tanzten sie, er brachte ihr alles bei, was sie über das tanzen wissen musste. Aalina war stolz auf sich, als sie auch die letzte Drehung hingekriegt hatte. Es mussten Stunden vergangen sein, als sie dann miteinander getanzt hatten, als sie es beherrschte. Für einen kurzen Moment vergaß sie alles um sich herum, tanzte und tanzte und tanzte, bewegte sich grazil und elegant, ehe sie sich aus ihren Gedanken riss.

Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie wischte sich diese schnell weg. "Warum? Warum, Muja? Warum du?" Sie knallte ihre Stoffe ins Eck und begann vor sich hinzuschluchzen. Was sollte aus all ihren "Freunden" werden, wenn sie jemals zurückkamen? Mujaahid? Sharie? Wie gerne hatte sie Sharie damals geholfen, ihr Haus zu säubern nachdem ihr Wasserbecken gebrochen und ausgelaufen war. Innerlich krampfte alles. Warum hatte das alles nur passieren müssen? Es tat so weh, es tat so unglaublich weh. Schnell kroch sie an die Wand, lehnte sich daran. Auf einmal wurde alles so taub, so verdammt taub. Sie nahm kaum etwas mehr wahr, bekam kaum noch Luft. Kraftlos sank sie auf den Boden. Sie vermisste sie, Sharie und auch Mujaahid. Hatte sie doch beide in ihr Herz geschlossen, hätte sie für beide so viel getan, wenn sie es von ihr verlangt hätten. Und nun? Wie sollte alles weitergehen?
Mujaahid Asif

Beitrag von Mujaahid Asif »

Wieso musste sich dieser Narr von einem alternden Krieger immer wieder auf Glatteis bewegen. Erst hatte er sich bei Aasim seinen Posten nehmen lassen - nein, er gab ihn her - freiwillig. Er konnte es nicht mehr mit ansehen, wie die jüngere Generation der Wüstenjäger nicht ihre Chance bekam, den Hauptmannsposten zu erlangen. Stattdessen klammerte er sich mehrere Jahre lang daran, nur um vor dem Emir in einem guten Licht darzustehen. Er wurde langsam irre, als er sich ständig einredete, dass er alles hätte besser machen können. Jeden Tagen plagten ihn diese Kopfschmerzen, wenn er Sharie nicht an seiner Seite liegen sah. Sie war in dem kurzen Zeitraum, wo Monate wie Wochen verflogen, sein Ein und Alles geworden. Nur für sie wollte er noch leben, denn nun war sie seine Familie geworden.

Diese Nacht saß er lange im Wüstensand und lehnte an einer krummgebogenen Palme. Sein treuer Wüstensäbel, welcher schon mehr Person als Gegenstand für ihn war, streichte durch den sandigen Boden und formte irgendwelche wirren Symbole, die keinerlei Sinn ergaben. Es ging ihm schon einige ganze Weile so, seit dem Tag, an dem sich die Parteien Menek'Urs zerstritten hatten. Dem Tag, an dem die bösen Schatten über seine eigenen Brüder und Schwestern herfielen und den Emir stürzen wollten. Sie hatten ihn zumindest verjagd. Damals hatte der Wüstenjäger dem Emir noch gut zureden wollen - er solle sein Volk nicht aufs Festland bringen. Doch trotz der besänftigenden, dankbaren Worte, die aus des Emirs Mund kamen, hatte er doch das Mitleid und das Bedauern in Saids Augen gesehen, die ihn als Verräter brandmarkten.
Er handelte unüberlegt und wollte nur seinen Freund Sayid damals beschützen. Seine liebste Sharie hatte Sayid seine wertvolle Robe zerrissen, mit dem Wüstenskorpion aufgeschnitten. Als würde das eine Heiligtum, das andere Heiligtum der Menekaner schänden. Hier mangelte es nicht an Perversion und das war es, was Mujaahid zu seinen Taten verleitete.

Mujaahid hatte lange Zeit gehabt, um sich etwas zu überlegen, was vielleicht allen Parteien helfen konnte. So eilte er wieder zu seinem Haus in der Stadt zurück und machte sich daran einen Brief zu verfassen, welcher im zwar schwer fiel, in seinen Augen aber die einzige Lösung bot.
Als er mit dem Schreiben fertig war, ging er direkt zu Sharies Haus, welche im tiefen Schlummer lag und zufrieden aussah. Heute Nacht wollte er allein sein und das machte er ihr auch klar. Es tat ihm zwar leid, doch war ihm auch bewusst, dass es daran war, sein Volk wieder zu vereinen.
Am nächsten Morgen sollte sie den Ring vorfinden, von denen er zwei fertigen liess, sollten sie einmal in naher Zukunft heiraten. Doch kam es leider nicht dazu, selbst als er es ihr anbot - dennoch war es zu früh für sie.

Er fand sich auch im ehemaligen Büro des Stadthalters Aasim wieder und legte ihm die Waffe zurück, welche ihm der Omar zum Niederlegen des Amtes als Hauptmann in die Hände drückte.

Mujaahid nahm dann das nächste Schiff nach Bajard, auf dem Weg dahin überlegte er sich immernoch, was er da eigentlich tat. Die Gesichter seiner liebsten Mitmenekaner schossen ihm ständig durch den Geist. Er musste es verdrängen, um bei klarem Gedanken zu bleiben und seinen Plan durchzuziehen. Als er schliesslich ankam, griff er sich den nächsten Botenreiter, der für die Varunesen durch die Lande ritt. Eine Kopie dieses Briefes wurde ebenso für Khalida Yazir hinterlegt. Nach Möglichkeit sollte der Brief allein in die Hände von Aasim, oder des Emirs persönlich wandern.

In diesem Brief steht geschrieben:

"Werte Brüder und Schwestern, die dieser Brief erreicht,
ich euer ehemaliger Hauptmann habe Kunde zu tun, die mir
selbst schwer fällt, zu erklären. Mit absoluter Sicherheit, will ich hiermit zeigen, weswegen es zu dem Vorfall, am Tage des Beginns der Rebellion, kam. Ich alleine habe den Gedanken des Sturzes des Emirs gehabt und habe Sayid, Khalida und sämtliche Mitmenekanern durch verwirrende und falsche Angaben auf meine Seite gezogen. Sie hatten keinerlei andere Wahl, als sich mir anzuschliessen, da ich falsche Beweise lieferte und so manchem auch mit dem Tod gedroht habe. Die Rebellen waren lediglich Handlanger von meiner Seite. Nur Dank der Treue und völliger Hingabe mancher treuer Menekaner, hat der Emir sein Leben noch. Richtet nicht über ein Volk, dass Angst hatte. Wenn Ihr ein Opfer haben wollt, so sucht mich und bekämpft mich, so wird man sehen, wer tatsächlich zum Regieren fähig ist. Ich mag keine weiteren Diskussionen oder Warterei. Mit diesem Schritt will ich eine endgültige Entscheidung treffen.

Den Grund für mein Tun dürfte man ebenfalls schon kennen. Ich lasse keinen Narren meinen Herrn nennen.

In ewiger Verachtung,
Mujaahid Asif, Sohn Menek'Urs."

Darunter ist jeweils das Familienwappen als Siegelwerk zu erkennen.

Mujaahid war sich nun sicher - es gab kein zurück mehr. Eine Nacht sollte er noch schlafen, ehe er sich dann auf die Suche nach seinen Landsleuten und dem Emir machen will. Es musste eine Entscheidung getroffen werden.
Sharie Ifrey

Beitrag von Sharie Ifrey »

Voller Verwundehrung sah Sharie am nächsten morgen den Ring ihn ihrem Briefkasten liegen. Sie nahm das goldene Stück auf die Hand und betrachtete die Inschrift: „Das Feuer unsrer Liebe wird nie erlöschen“, murmelte sie leise als sie die Worte las. War das der Ring den sie von Mujaahid erhalten sollte, als er ihr den Antrag auf den Stufen des Palastes, vor einigen Wochen gemacht hat? Den sie so unverhofft nur mit einem ’jain’ abspeiste, mit der Erklärung das sie noch nicht bereit für diesen Schritt sei? Weshalb schenke er ihr nun den Ring so einfach? Nicht mal ein Pergament mit irgend einer Nachricht war dabei? Verunsichert legte sich ihre Stirn in Falten und umschloss den Ring mit ihrer Faust.

Der halbe Tag verstrich und auf ganz Menek’Ur war Mujaahid nicht zu finden. Was hatte er nur vor? Stetig drehten sich ihre Gedanken im Kopf, und grübelten was sein Plan seie. Als er am Abend immer noch nicht zufinden war, fasst sie den Entschluss aufs Festland zu reisen, denn eine leise Ahnung kristalliersierte sich in ihren Gedanken aus....
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Schnell stemmte sie sich an der Wand nach oben, sie zitterte, ihr war kalt und sie bekam keine Luft mehr. 'Raus, raus hier!' Betäubt von den inneren Schmerzen flüchtete sie nach draußen, stürmte die Treppen hinab, versuchte irgendwie nach Luft zu schnappen. Sie riss an den Eingangstüren, bekam sie diese zuerst nicht auf, hämmerte dagegen, versuchte die Klinke abermals in ihre Hände zu bekommen. Es waren alle außer Haus, Zaina und der Emir waren noch nicht aus dem Zimmer getreten, vermutlich schliefen sie noch. Immerhin war es gerade erst hell geworden. Klack. Die Tür ging auf, sie hatte es geschafft. Schnell rannte sie nach draußen, war sie nur mit ihrer Toga bekleidet und die stechende Kälte brannte auf ihrer Haut. Schnell lehnte sie sich an eine der Säulen, zog die kalte Luft in ihre Lungen. Auch wenn ihr das erst weh tat fühlte es sich gut an. Ihre Atmung wurde langsamer, beruhigender. 'Reiss dich zusammen!' hämmerte es immer wieder in ihrem Kopf. 'Reiss dich doch bitte zusammen!' Ihre Atmung wurde immer ruhiger, flacher. Nach einiger Zeit konnte sie wieder klarer denken, spürte die Kälte um sich herum. Es schienen Stunden vergangen zu sein in denen sie draußen saß. Sie zog sich, als sie endlich wieder im Kloster war endlich etwas wärmeres über. Sie hatte es satt hier alleine umherzulaufen, zu warten bis alle wiederkamen. So beschloss sie nach Berchgard zu gehen. Vielleicht fand sie dort ja Nadeeda oder Thancred oder Alliestra. Sie brauchte jedenfalls jemanden zum reden, zum ablenken.

Sie lief durch Berchgard. War das Dorf denn wie ausgestorben? Immer wieder ging sie auf und ab und auf und ab. Doch niemand da. Wie spät war es? Nein, es war nicht zu früh als das noch alle schlafen würden. Immer und immer wieder ging sie gedankenverloren die Wege durch Berchgard. Was heisst die Wege, es gab nur einen. Von der Mine zum Stadttor und zurück. Braune Haut, zierlich, klein, verschüchtert, zitternd. Sie ging näher. "Amira...?" Die junge Frau schaute auf, wirkte sie doch sichtlich verstört. Ihr war kalt. Das war auch kein Wunder mit dem dünnen Hemdchen und dem Röckchen und den Sandalen, welche sie trug. Sie schloss ihre Schwester in ihre Arme. Aalina war so froh Amira zu sehen, so verdammt froh. Amira wusste kaum etwas, was vorgefallen war. Doch stand sie da, einsam wirkend, fast schon etwas weinerlich. Aalina zog sie hinter sich her, sie musste schnell ins Warme. Ihr musste alles erzählt werden. "Wo gehen wir hin?" - "Ins Paladinkloster!" - "Wohin?" Doch Aalina sprach nicht weiter, schließlich betraten sie schon das Grundstück des Klosters, gingen hinein, setzten sich in den großen Raum an einen der Tische.
Stück für Stück erzählte Aalina ihrer Schwester was vorgefallen war. Wie sich alles zugetragen hatte. Amira schien es hart zu treffen. Sie wollte nach Hause. Nach Hause? Aalina verstand. Sie überließ Amira die Entscheidung, nur legte sie ihr nahe, dass sie auf Menek'Ur dem Tode ist, wenn sie sich zum Emir und zu ihrer Treue zum Emir bekennen würde. Amira verstand. Und Aalina war sich sicher, sie würde bleiben. Hier bei ihnen. Zu wichtig war Amira der Erhabene, zu wichtig war Amira ihre Familie. Amira hatte Angst, Angst das sie zurückkommen würden und alles nicht mehr so wäre wie es einmal war. Es würde vermutlich nie wieder so werden. Nie wieder. Zitternd legte Aalina ihre Hände auf den Tisch. Sie erzählte ihr auch die erfreulichen Dinge, die Aalina hier miterlebt hatte. Sie hoffte, dass sie Amira damit ein wenig aufmuntern konnte. Nur ein wenig. Und scheinbar gelang es ihr. Immerhin interessierte sie sich brennend für das, was zwischen Raakin und Aalina alles passiert war. Aalina sprach nach und nach, erzählte, erklärte, lächelte, zwang auch Amira notgedrungenermaßen zu einem Lächeln durch ihre Worte. Doch war Aalina erschöpft. Seit Tagen war sie fast nur noch erschöpft, egal was sie tat. Wenn sie wieder zuhause sind, sollte sie Madeeha aufsuchen. Sie war selten da im Moment, eigentlich gar nicht. Aber irgendwas schien sie immer wieder müde werden zu lassen. Vielleicht war es auch die Angst die jeden Tag wieder fast jede Sekunde in ihr wuchs. Aber das ließe sich alles herausfinden.
Kari Falah

Beitrag von Kari Falah »

Zufall,nicht mehr als ein blanker Zufall war es gewesen. Vielleicht auch Schicksal, wer mochte das schon so genau sagen? Der Bote, er war ihr über den Weg gelaufen, unaufällig, und doch hatte er sich verraten in seiner Art und mit seinem Benehmen. Das Papier, die Schrift, die Worte, alles so klar. Mit einem male wurde ihr alles so deutlich vor Augen geführt es war an einer einzigen Person gelegen. In ihrem Kopf kreisten die Gedanken, sie dachte nach Mujaahid. Sie hatte es nicht verstanden ,nicht erwartet und doch war nun der Weg deutlich. Es waren alles Figuren, wie in einem Spiel und nun galt es den Frieden endlich einzuholen. Sie wusste ganz genau, zu was Mujaahids Treiben führen würde ... Agressionen, Provokationen ... Hass. Mujaahids Absichten waren sicher gut, doch sein Weg war falsch. Er würde mit dem Emir reden wollen, doch es würde nie zu einem Gespräch kommen, Menekaner würden sich offen töten, es würde niemals ein Ende finden, oder doch?

Sie sah das Papier mehrmals an, dachte nach. Es gab einen Weg dies alles zu beenden aber er war hart, er würde ihr viel abverlangen und er würde ihre prinzipien brechen. Sie war ausgebildet dazu; sie wusste wie man tötet, wie man meuchelte, wie man jemanden unaufällig und ohne Spuren zum verschwinden brachte. Sie führte es sich vor Augen, dachte wieder nach. Ein Leben, doch im Vergleich zu den vielen, die dieser kommende Konflikt bkosten konnte wenn er eskalieren würde, waren dies akzeptable Opfer. Es war Verrat, im Endeffekt wurde ihr dies nun auch wieder bewusst. Es würden sich Dinge ändern, dem war sie sich sicher, doch es musste ein Opfer dargebracht werden, ein Grundstein gelegt werden. Und sie würde den Anstoß geben.

Sie hatte den Boten aufgehalten, hatte ihm klar gemacht dass sie eine Staatsfrau des Emirs wäre und sie übergab ihm eine mündliche Botschaft. Jene würde an Mujahid überbracht werden, der Treffpunkt war eindeutig, er war abgelegen und ideal für ihr Vorhaben. Sie hatte nun fast einen ganzen Tag Zeit, einen Plan auszuhecken ... es würde gelingen oder sie würde schon alsbald wissen, wie gut Muja wirklich kämpfen konnte.
Aalina Yazir

Beitrag von Aalina Yazir »

Die Luftfeuchtigkeit machte ihr zu schaffen. Klar, sie war vieles gewohnt, Sandstürme, trockene Luft, salzige Luft, aber nicht andauernd diese Kälte. "Hast du heute Abend noch irgendetwas vor?" Sie blickte zu Raakin. 'Etwas vorhaben? Warum?' ... "Warum fragst du, mein Herz?" Er deutete auf ihre Kleidung. "Du hast dich umgezogen!" Sie blickte an sich herab. "Ja.. und ich möchte endlich wieder nach Hause, ich möchte nicht mehr diese dicke Kleidung tragen, ich will meine schönen Kleider anziehen ohne Frieren zu müssen!" Er schmunzelte und nickte.
So beschlossen die Beiden, dass sie noch ein wenig spazieren gehen wollten. Aalina zog sich an, Lage über Lage. Zuerst schnallte sie ihre Rüstung fest, danach zog sie sich ihre Hemden an, danach die Hosen, darüber eine Toga, ein Kopftuch, zog den Schleier vor das Gesicht. Sie hatte es so satt, dass sie sich mit einem dieser Tücher immer wieder verhüllen musste, damit sie niemand sah. Und doch tat sie es immer und immer wieder. Um sich selbst zu schützen, um Raakin zu schützen, um die anderen zu schützen. Sie standen in Bajard. Was machten sie hier? Was wollten sie hier? Raakin war stur gerade aus gegangen, bis sie in Bajard ankamen, wo sie auch auf Zaina trafen. Was sie in Bajard genau wollten? Das wussten sie selbst nicht so genau. Bajard.. hatten die Einwohner dort mitbekommen, was auf Menek'Ur passiert war? Immerhin war es Gerimors kleine Hafenstadt. Tausende Bürger Gerimors und auch die Fruachteros und Menek'Urs fuhren hier ein und aus. Sie wusste es nicht. Es war ihr im Grunde auch egal, sie selbst verbrachte ihre Zeit damit, Fragen über Menek'Ur auszuweichen. Sie wollte nicht lügen, gerade wenn es Menschen waren, die sie kannte. Doch eine klare Aussage konnte sie nie geben. Nie. Wenn zuviele davon wüssten, würden wahrscheinlich ein paar auch noch versuchen Menek'Ur an sich zu reissen, war es eh gefärdet genug.
Sie standen da, zu dritt, als Raakin urplötzlich auf einen Vermummten zutrat, ihn musterte. Ein Blick unter seine Kaputze verriet, dass er ein Sohn der Wüste war. Aalina blieb ruhig hinter Raakin, wusste sie doch nicht, ob er Getreuer oder Feind war. Auch, wenn er ihr sehr bekannt vor kam, als er seine Kaputze zurückschob. Aber wer um alles in der Welt war er? Diese Ähnlichkeit...

Sie kamen im Kloster an. Sie hatte sich nicht in die Gespräche zwischen Raakin und Mukhtaar einmischen wollen, so blieb ihr auch keine Zeit sich ihm vorzustellen. Mukthaar Omar, Cousin des Erhabenen Said Omar und Bruder des ehrenswerten Stadthalters Aasim Omar. Raakin erklärte ihm schon auf dem Weg, das vieles passiert war auf der Insel der Sonne und des Salzes. Viel passiert, ja.. so konnte man den Hochverrat am Herrscher nennen, wenn man wollte. Zu viel passiert, viel zu viel. Raakin schickte Zaina los, um ihm ein wenig zu essen und zu trinken zu holen. Sie nickte und ging, kam umgehend wieder mit einem Tablett vollgepackt mit Essen und Trinken. "Darf ich deinen Namen erfahren?" sprach Mukthaar zu Zaina. Zaina nickte, stellte sich vor. Eines musste man Mukthaar lassen. Wenn man ihm auch nicht so schnell ansehen konnte, dass er aus dem Hause der Omar war - er wirkte viel .. greifbarer .. als Aasim und der Emir - konnte man es allein von seinem Charme nicht leugnen. Überschüttete er Zaina doch nach ihrem Vorstellen gleich mit Komplimenten, ebenso wie Aalina, als sie sich im vorstellte, ehe sie zu sprechen begann, was alles passiert war. Sie erzählte Mukthaar also alles, was sie wusste, was sie vom Tag der Versammlung mitbekommen hatte.

Nachdem Aalina alles erklärt hatte, bat er darum sich ausruhen zu können. Raakin ging mit ihm nach oben, zeigte ihm das Bad und auch die Schlafzimmer. Aalina verharrte noch einen Moment in den unteren Räumen, ehe auch sie nach oben trat und den Beiden folgte. Mukthaar stand in der Tür, längst bereit schlafen zu gehen, als Aalina dazustoß. "Angenehme Nachtruhe, Ma'asalema!" sprach sie leise, auch er wünschte den Beiden eine solche ehe er die Tür schloss. Sie stand nun vor Raakin, sah zu ihm nach oben, war sie doch mindestens einen Kopf kleiner als er. "Ich sehe, der Prinz hat ein Auge auf dich geworfen!" hörte sie ihn sprechen. Mukthaar, ein Auge, auf sie? Raakin fragte sie, ob ihr das auch aufgefallen wäre, doch Aalina schüttelte nur den Kopf. "Nein!". Es war ihr nicht aufgefallen, hatte sie vielleicht auch gar nicht darauf geachtet. Ihre Worte schienen Raakin ein wenig zu besänftigen. Doch schien er sehr darüber nachzudenken. So versuchte Aalina sich in seine Arme zu kuscheln, doch umarmte Raakin sie nur halbherzig, sprach irgendwas vor sich hin, fast schon aphatisch. "Wenn er dich haben möchte, soll er dich bekommen!"
Was hatte er da gesagt? Er wollte sie einfach an den jungen Omar abschieben? Wollte sie einfach gehen lassen, wenn dieser das wünschte? "Ich bin nur Palastwache.. er ein Prinz!" Wusste er denn nicht wie gleichgültig es ihr war, dass Mukthaar ein kleiner Prinz war? "Ich bin kein Tier mit dem man handeln kann, das man abschiebt und sich dann holen kann, wenn einem gerade danach beliebt!" Raakin seufzte. Nadeeda schlich den Gang entlang, begrüßte, verschwand dann aber umgehend im Zimmer. "Ach vergiss es...! Ich mache mir einfach nur Gedanken!" - "Worüber, Raakin?" - "Darüber, dich zu verlieren... an einen dahergelaufenen... Prinzen!" ... Sie zu verlieren? Dachte er wirklich, dass sie so wechselhaft wäre? Das sie ihn einfach so verlassen würde? Sie waren noch nicht verheiratet, da musste sie ihm Recht geben. Und doch war Aalina einfach nicht gewillt den Mann allein zu lassen, den sie liebt. Aalina sprach mit Raakin, lange, sie redete nicht auf ihn ein, erklärte ihm nur, was sie fühlte, was in ihr vorging. Sagte ihm, dass sie ihn lieben würde und nicht irgendjemand anderes. "Ich gehe ihm aus dem Weg, wenn du das wünschst!" Sie sah Raakin an. Sie meinte das ernst. Sie würde sich nicht mehr als nötig mit ihm abgeben, wenn er dies wünschte. Raakin bat sie darum, zumindest solange, bis der junge Omar laut seiner Ansicht ein Auge auf eine andere wenden würde und schloss Aalina dann in seine Arme. "Verzeih mir bitte...!" Aalina hatte sich längst von ihm abgewandt um ihre Tränen zu verstecken. Wusste er nicht wie sehr sie ihn liebte? Er küsste ihren Hals. Tat er das mit Absicht? Fast hätte sie schmunzeln müssen, sie wusste genau das sie ihm nicht lange böse sein konnte, wenn er das tat. Und so standen sie noch eine Weile da, ehe Raakin sich in die Nacht verabschiedete. Er wollte sich hinlegen, befürchtete er doch, krank zu werden. Seufzend sah Aalina ihm nach, hatte sie die Befürchtung, dass er schlafen gehen würde, weil er einfach nur Angst hatte sie zu verlieren. Doch das würde nicht geschehen.

Sie nahm ihre Krüge mit der Milch von der Theke und setzte sich an einen Tisch. Sie hatte raus gehen müssen nach diesem Abend. Hatten sie sich heute wirklich das erste Mal ein wenig gestritten? Nunja, Streit konnte man es nicht nennen. Dennoch, sie war ein wenig traurig. Die Tür öffnete sich und Syrellia trat ein. Sie hatte sie lange nicht mehr gesehen, doch war Aalina heute auch nicht sehr erfreut oder erbaut darüber sie zu sehen. Sie war alleine unterwegs, ohne Sharay. Syrellia fragte Aalina, ob sie sich zu ihr setzen dürfte. Aalina nickte. Vielleicht tat es ganz gut ihre Gedanken für einen Moment von dem Geschehenen abzulenken. Sie verstand Raakin ja, teilte sie doch die gleiche Angst. Die Angst, die sie jeden Morgen wieder hatte. Doch hatte sie bisher noch keine Gelegenheit gefunden, mit ihm darüber zu sprechen. Sie hatte Angst davor, dass auszusprechen, was sie ihm sagen wollte. Und doch, irgendwann musste sie es tun. Syrellia saß da, sie hatte sich sehr verändert seit dem letzten Treffen. Aalina saß da, spielte mit ihren Haaren. Ihre Haare.. endlich waren sie nicht mehr so straßenköterblond. Sie hatte sie endlich wieder beim Barbier umfärben lassen. Sie konnte das blond wirklich nicht mehr ertragen. Syrellia sprach mit ihr, doch schien Aalina alles nur halb aufzunehmen, war sie doch so sehr in Gedanken. Später kam auch noch Sharay dazu. Die beiden schienen über irgend etwas zu sprechen, scheinbar war erst in Bajard irgendetwas vorgefallen. Aalina hörte nur halbherzig zu, richteten sich ihre Gedanken doch auf Raakin. Die Vorfälle an dem Abend schienen sie ein wenig fertig zu machen, wenn sie allerdings auch glücklich wurde, wenn sie an ihn dachte. Sie wollte nach Hause, wollte nicht länger hier bleiben. Aber 'zuhause' würde es sehr, sehr merkwürdig werden. Sie hatte Angst davor. Wahnsinnige Angst.
Mujaahid Asif

Beitrag von Mujaahid Asif »

Gerade streifte er durch die Lande, hatte sich beim Lager der Sturmkrähen niedergesetzt, um sich dann auszuruhen, als er einen ziemlich bekannten Reiter vorbeieilen sah. Mujaahid sprang auf und rief ihm zu:"Haltet ein! Habe ich Euch nicht gestern einen Brief mitgegeben, der an den Emir oder einen seiner Getreuen sollte?". "Ja, Herr. Ich habe den Brief abgegeben und ihr habt auch eine Antwort erhalten. Ihr sollt euch an diesen Ort begeben, für ein Treffen." Mit den Worten reichte ihm der Bote das Antwortschreiben. In diesem Schreiben befand sich eine Karte mit Markierung und der ungefähre Sonnenstand, an dem man sich treffen sollte.

Mujaahid schmunzelte dann und setzt sich wieder hin. Mit beiden Händen stützte er sich auf seinen Säbel, lehnt den Kopf gegen den Baum zurück und schien dann zu warten. Zu warten, auf das, was den Abend passieren wird.
Kari Falah

Beitrag von Kari Falah »

Es dämmerte bereits, der Moment rückte näher. Sie hatte sich bereitgemacht, hatte alle Vorkehrungen getroffen. Sie schaut auf die Falle die halb in der Erde vergraben war und nur die kleinen, feinen Metallspitzen hinaussahen. Es war schwer gewesen an dieses Ding zu kommen ohne lästige Fragen zu beantworten, aber am Ende hatte sie Erfolg verzeichnet. Der Plan war simpel, und doch war er gefährlich. Ein einzelner Fehler konnte alles zerstören und ihr Leben aushauchen, sie konnte Muja in einem Zweikampf auf keinen Fall das Wasser reichen, das war ihr klar.

Sie band die Maske fest, jeglich ihre Augen waren noch erkennbar. Ihr restlicher Körper war in einfaches, dunkelgefärbtes Leder gehüllt welches sich eng an ihren Körper schmiegte. Es bot ihr den nötigen Schutz in der Dunkelheit und auch wenn Muja zum Schlag kommen würde, würde das Leder den Schaden abfangen und sie nicht zu sehr verletzen. Ihre Hand glitt dann ruhig an ihre Hüfte, an welcher ein gezackter Dolch hing. Eine Waffe um schnell viel Schmerzen und Schaden zuzufügen, denn Muja sollte nicht direkt sterben, er sollte noch eine Weile leben.

Sie zog sich zurück in den nahen kleinen Wald, welcher direkt an den Treffpunkt angrenzte. Im Kopf ging sie noch einmal den Plan durch; Muja würde zu dem Punkt gelangen und er würde misstrauisch sein, andernfalls wäre Kari allzuentäuscht gewesen. Muja würde mit versteckten Soldaten aus dem Wald her rechnen, ja aber niemals mit einer Falle. Sie würde ihm ein Pergament vor die Falle legen, ein fast schon simpler und auffälliger Trick aber er würde seinen Zweck erfüllen. Dann würde der Moment kommen, die Falle würde zuschnappen und die stachelbewehrten Spitzen sich in sein Bein schlagen, er würde sich nicht rühren können, er würde grausame Schmerzen haben aber er würde nicht fliehen können.
Und dann ... dann lag es an Kari den Stoß richtig zu setzen, so dass er nicht sofort starb, dass sie noch Zeit hatte "Hilfe" zu holen und dann mit schockierter Miene zuzusehen wie Muja sterben würde. Ein Schauspiel, ja, aber es war eines was den Frieden endlich näher bringen würde.

Und dann, dann war da noch der letzte Teil. Die Meldung bei Aasim und dem Emir. Sie hatte das Pergament von Muja längst wieder an ihren eigenen Empfänger gesendet und wenn die Meldung über seinen Tod kommen würde, würde endlich Ruhe einkehren, langsam und voller Schmerzen doch sie wäre da.
Leise seufzend schloß sie ihre Augen und betete zu Eluive, bat um Verzeihung und um Gnade. Dann öffneten sich ihre Augen und sie sah auf den Platz, verharrte im Zwielicht und wartete, wartete auf das nahende Ende dieses Konfliktes.
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