Wirklich geworden, was Traum geglaubt war

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Aedan Tarune

Wirklich geworden, was Traum geglaubt war

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Eine regennasse Ankunft - und doch.. Ankunft

Mit den ersten Schritten war er also auf dem matschigen Boden, der die gesamte moderige Holzplanke bedenkte, beinahe ausgerutscht und in den klaffenden Spalt zwischen Schiffsbug und Pier gefallen - was für eine Ankunft. Es hatte einges Armgeruder benötigt und schließlich den errettenden Grief zur Reeling, als der Körper schon vollends aus der Balance geraten war, um die Gestalt des Jünglings vor dem brackigen Hafenwasser zu bewahren.
Mit einigen kurzen stossweisen Atemzügen hatte er sich wieder gefestigt, richtete die grobgewebte, braune Mönchskutte, als sei sie irgendein Stück feiner Stoff, das zu richten sich lohnte, weil jede noch so kleine Falte das Stück Stoff um einen gehörigen Teil seines Wertes betrügen könnte, und hatte mit einigen, nun sicheren, Schritten den Pier verlassen.

Das Dorf war von dem geschäftigen Treiben jener Sorte erfüllt, wie es oft bei kleinen vermeindlich verschlafenen Hafendörfern der Fall war, die aber ob ihrer Lage und ihres Geringen Einflusses auf Zölle und Handelseinfuhrbeschränkungen ein beliebtes Ziel für Händler aller Welt waren, die dort hofften, ihre - zum Teil zweifelhaften - Angebote in Bare Münze verwandeln zu können. Die Taverne gut besucht, direkt am Hafen einige Buden und Krämerlädchen, ein Gasthaus - was braucht ein kleines Dörfchen nebst seiner geschäftigen Bevölkerung noch?

Obgleich er schon einige Schritte vom Schiff entfernt war, den Pier bereits verlassen hatte, hörte er hinter sich, zwischen den tosenden Wellen in dem stürmischen Nachmittag, noch die Stimme des Kapitäns durchgellen.
"Heda! Ob Ihr mir wohl einen Gefallen tut?
Die Händler drängen darauf, dass ich sofort wieder auslaufe, durch den Sturm haben wir einiges an Zeit verloren. Ihr seid sicher so gut und bringt einen Brief für mich an die Bajarder Bürgerwehr?
Sie werden euch sicher gut entlohnen!"


Unschlüssig ergreift der Bursche also die versiegelte Pergamentrolle, nickt dann aber eifrig:
"Es ist mir eine Freude Euch zu helfen, guter Bootsmann. Möge die Lichtherrin Eure Reise segnen!

Und schon hatte sich der Bootsmann auch wieder seine Aufgaben zugewandt, die offenbar einiges Geschick mit Armesdicken Täuen und schweren Planken erforderten.
Mit einigen weiteren Schritten hat er also den noch etwas matschigeren Trampelpfad unter den Füßen, der sich durch das geschäftige Dörfchen windet. Nach der Auskunft eines eher trunkenen Mannes, auf dessen Wort Aedan nicht allzuviel Wert geben wollte, tragen die Schritte ihn auch schon aus dem Dorfeingang heraus. Der Brief in seiner Hand würde seine Bestimmung erreichen, aber es war spät und dunkel und Aedan hatte noch immer keine Herberge für die Nacht gefunden. Da das Kloster aber ohnehin nicht weit von dem Dörfchen weg seien sollte, machte er sich auf den schon beinahe stockfinsteren Pfad.
Nicht wenig Erleichterung drohnte ihn zu übermannen, als er die erleuchteten Klostermauern erblicken konnte.

An der massiven Eisenpforte klopfend, trat wenig später ein Novize herbei. Leicht rundlich, aber mit einem freundlichen Gesichtsausdruck öffnet er ihm die Tore, nachdem er vernommen hatte, das Aedan aus einem befreundeten Mönchsorden stamme.
Mit dem ersten Schritt durch die Klosterpforte hatte nunmehr der nächste große Schritt begonnen.
Aedan Tarune

Beitrag von Aedan Tarune »

Manifestierter Nebel

Bajard, Berchgard, Adoran, die Ruinen von Varuna - viel hatte er in den letzten Tagen gesehen und erlebt. Zuerst war er nur im Kloster geblieben. Er wollte den Priestern für ihre Gastfreundschaft danken, denn anfangs war er nicht mehr gewesen als das: ein Gast. Und als solcher, wollte er die Aufgaben, die ihm sicher als Akoluth ohnehin übertragen werden würden, jetzt schon einmal aus Dankbarkeit für die Bleibe erfüllen. Und so stand er jeden Morgen kurz vor Sonnenaufgang auf den kleinen Feldern und Kräuterbeeten, die Pflanzen noch von Raureif bedeckt und gab sein bestes, die gereiften Kräuter und Gemüsepflanzen zu ernten.

Brucher Prochska war bereits bei seiner Aufnahme so gut gewesen, dem braungerobten Burschen die Zimmer des Klosters zu zeigen, die Kirche .. und den heiligen Baum. Ein vermeidlich schlichter Baum, der jedoch von einer Präsenz erfüllt war, als würde eine Gottheit selbst ihn erfüllen. Es war ein erhabenes Gefühl, diesen Baum nahe einem zu wissen. Alles an diesem Kloster war soviel reicher, prunkvoller und .. erhabener, als er es gewohnt war.

Und was war es - dieses Adoran. Eine riesige Stadt, so groß, dass man sich keine Mühe geben musste, um sich zu verlaufen. Straßen mit Steinen gepflastert, die Häuser fast allesamt aus Stein. Eine reiche Stadt zweifelsohne. Und er, der kleine Mönchsnovize, inzwischen Akoluth des Klosters, hatte schon die Herrin Regentin der Stadt kennengelernt. Eine Frau, die wirklich vor Inbrunst strotzte. Er meinte eine nicht unwesentliche Menge an Stolz in ihrem Blick zu erkenne, als sie ihren ellenlangen Titel herunterbetete - gerade wie Menschen, die etwas selbst erreicht hatten und darauf dann zurecht stolz sind.

Und in dieser von ihre regierten Stadt, stand eine Kirche, die wahrlich ihres Gleichen suchte. Groß genug, um einer Armee ein Dach zu bieten, oder eine Andacht mit hundert Zuhörern durchzuführen. Reich dekoriert, hier wurde gewahr, wie die Kirche ihren Reichtum nach außen trug. Alles hier war um sovieles pompöser und größer - er würde sich umgewöhnen müssen, um nicht immer wie ein dumpfer Straßenbengel mit weit offenen Augen Dinge anzustarren, die ihm unglaublich erschienen und die andere doch für alltäglich hielten.. Wohl oder übel
Zuletzt geändert von Aedan Tarune am Mittwoch 22. September 2010, 16:56, insgesamt 1-mal geändert.
Aedan Tarune

Beitrag von Aedan Tarune »

Ein sicheres Stück Glauben

Sie war für wahr eine ehrfurchtgebietende Gestalt - diese Svea Elisabetha von Greifenhain. Und auch so fühlte er sich nach dem Aufeinandertreffen mit ihr zum Ersten Male mit einer Person konfrontiert, die in den Grundfesten ihres Glaubens unerschütterlich und beständig war, und der der Dienst an der Lichtherrin das wichtigste war.

Zuerst hatte sie nur eine Weile abschätzend in den Arkaden des Klosterweges gestanden und hinter dessen Rücken dem Burschen bei seiner Arbeit auf dem Felde zugesehen. Wie er dort mit der kleinen Pflanzschaufel die Ginsengwurzeln freilegte und sie danach im bastgeflochtenen Kräuterkorb ablegte, um sich dem nächsten Pflänzlein anzunehmen. Als er dann seine Bahn durch die Beete beendet hatte, an der massiven Steinmauer kehrte, um sich der nächsten anzunehmen, fiel sein Blick unweigerlich auf die blauberobte Gestalt von ungewohnt athletischer Statur. Eilig war der Bursche also aufgerichtet, hatte die Hände durch einiges Aneinanderschlagen vom Gröbsten Dreck befreit und hatte sich vor ihr verbeugt.

Die Ansage, er solle erst seine Arbeit vollenden, dann in ihr Amtszimmer kommen, entlockte ihm ein leichtes Stutzen. Doch aus Neugieride heraus, fanden die letzten Pflanzen zwar ungemein schneller ihren Weg in den Korb, aber das Gefühl, dass eine jede von ihnen Stunden brauchte, um freigelegt zu werden, blieb beharrlich.
Eigenartig, wie man immer das Gefühl hat, alle Zeit der Welt zu haben, wenn man sie nicht sinnvoll gebrauchen kann - und wie sie einem widerrum durch die Finger wie Wasser zu rinnen scheint, wenn man sie doch am liebsten halten und bewahren würde.
Schließlich also war der Korb gefüllt, unter die Arkaden gehievt, notdürftig an die seitliche Wand geschoben, damit er niemandem im Weg stehen würde ... und dann hatte er die Tür zu besagtem Zimmer geöffnet.

Keine halbe Stunde später.. hatte er ein Gespräch geführt, in dem er sich unwillkürlich wie zwischen den Zwei Fronten aufrichtiger Offenheit und eindringlichster Musterung fühlte. Letzten Endes jedoch hiess ihn ihre Eminenz offiziell als Akoluthen im Kloster willkommen und überreichte ihm seinen Stab.

"Dieser Schrank wäre leer gewesen, wenn du nicht bereit wärest. Er enthält nur Gegebenes"

Und kaum hatte er den Stab umgriffen, ergriffen ihn eigenartige Gefühle. Eine kaum erklärlich angenehme Wärme. Eine Zugehörigkeit und Verbundenheit, wie man sie von einem ... geformten Stück Holz wohl eher nicht erwartet hätte.

Als die beiden wenig darauf im Kirchenschiff des Klosters standen, wurde er in die weiteren Besonderheiten eben dieses eigenartigen Stabes eingewiesen. "Ein sicherer Ort, wo nur ich den Stab finden kann", rief er sich unter Sveas aufmerksamen, fast durchdringenden Blick in Erinnerung und gab seinen Stab fort. Die Augen geöffnet, war der Stab wirklich weg. Ein eigenartig bestätigtes Gefühl durchdrang ihn augenblicklich. Von heute an also sollte er seiner Lichtherrin auf einer andere Weise dienen, als er es bisher tat.

Und er würde ihr Vertrauen nicht enttäuschen - ihr dienen mit Herz, Recht und Glauben.
Aedan Tarune

Beitrag von Aedan Tarune »

Vertrauen und Zuversicht

"Konzentrier dich auf das Licht, das dich umgibt, und vertrau auf den Glauben und das Vertrauen, das dir entgegengebracht wird", ertönte die zuversichtliche Stimme Ihrer Heiligkeit vor ihm. Ihre Hand war unterstützend auf seine Schulter gelegt und die seinigen waren krampfhaft um den warm pulsierenden Stab geklammert.
Was genau erwartete sie hier von ihm? Einem Akoluthen, der zwar schon allzulange der Lichtherrin diente aber doch nie darüber gewahr war, dass Herrin Temora für ihn mehr bereit gehalten hatte, als das Mönchsein. Was nun also? Ihre Eminenz wartet darauf, dass ein Akoluth hier Rabenfluchwerk zerschlägt?
Die versammelten Personen sprachen ihre Gebete zur Lichteinen, Paladina Lady von Hohenfels stand wie ein Felsen im Raum, unerschütterlich in Glaube und Haltung donnerte sie ihre Gebete gen Himmel. Sie in seiner Nähe zu wissen.. und das aufbauende, zuversichtliche Lächeln auf den Zügen Sveas wahrnehmend, durchflutete den Burschen alsdann eine ungekannte Entschlossenheit. Der Griff um den blass schimmenden Stab wurde mit beiden Händen fester - so fest, dass die Knöchel heraustraten und die Finger sich weißten. Der Blick gerade heraus in Sveas Augen gerichtet, die Augen jedoch geschlossen, fest konzentriert auf die Aufgabe, die sie ihm übertragen hatte.
Entschlossene Gebete hallten aus den Ecken durch den Raum, gesprochen und nachgesprochen, jedes Mal aufs neue eine Spur zuversichtlicher, ehe Aedan ein leichtes Gefühl von Euphorie ergriff und er den Stab mit beiden Hände umklammert eine Faustbreit vom Boden hob. Schon beim Heben erhöhte sich die Intensität des Scheins, doch als er den Stab aus dieser kurzen Höhe auf den Boden stampfte, übertönte ein unverhältnismäßig Lautes Grollen den Raum und der Stab war jäh zu einem gleißend hellen Lichtkörper geworden.
Aus der Ecke des Raumes, in der Svea stand, ihre Hand auf des Burschens Schulter gelegt, zwischen den beiden der gleißend pulsierende Stab, erstreckte sich der Schein in die ansonsten von Dunkelheit verschluckten Bereiche des Raumes.

Und dann war es also an Svea anzusetzen. Das Licht wurde von ihr fast augenblicklich eingesogen - verschluckt geradezu. Und als sie es kanalisiert mit aller Kraft wieder freiließ, erfüllten gellendhelle Schreie den Raum und drei der Geisterhaften Gestalten zerfielen geradeso zu Asche. Der Raum - noch immer weder von Geistern noch von Dunkelheit oder schummriger Beklommenheit befreit - hatte jäh einiges an Wirklichkeit zurückgewonnen und war zumindest aus der Ecke, die nun befreit schien, von Zuversicht durchflutet.

Darna, Svea und vor allem aber der junge Aedan waren von dem Erreichten erschöpft - doch seine Faszination über das, was gerade geschehen war, umnebelte ihn immernoch. Wie Darna und Svea, zwei so starke und aufrichtige Dienerinnen der Lichteinen, hier einen Funken zu Fackel angetrieben hatten und Dunkelheit vertrieben hatten - das war für ihn der solang vermisste und so schmerzlich ersehnte wirklich gewordener Glaube
Zuletzt geändert von Aedan Tarune am Samstag 25. September 2010, 14:07, insgesamt 2-mal geändert.
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