Im Wandel der Zeit - ein neues Erwachen der Elfen
- Lamentinu Celebren
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Im Wandel der Zeit - ein neues Erwachen der Elfen
In Ered Luin schien de Zeit still zu stehen. Hier herrschte Frieden und Harmonie, während im ganzen Lande der Krieg die Menschen aufrieb. Arglos hatte sie einmal mehr den Tag verlebt, viel zu spät drang die Kunde der großen Schlacht in den Norden. Varuna war gefallen, viele Edain verletzt - warum hatten sie nichts von dem Angriff erfahren? Keiner hatte einen Rat einberufen, und ein Rat hätte getagt, bis der Angriff vorüber gewesen wäre, ehe sie eine Entscheidung über ihr Eingreifen gefällt hätten. Unzufrieden runzelte sie die Stirn. Seline hatte gesagt sie würden wissen, wann ihre Zeit des Eingreifens gekommen sei. Etwas stimmte hier nicht... die Welt lief an den Elfen vorbei. Es musste da eine Lösung geben... und hatte sie da nicht etwas gehört, vor vielen, vielen Jahren? Gab es da nicht... ganz in Gedanken wandte sie sich zur alten Bibliothek und begann zu lesen, zu suchen - die ganze Nacht hindurch. Als sie schließlich mit den Kopf auf dem Pergament einschlief in den Mittagsstunden, ahnte sie nicht, dass sie nur noch wenige Seiten von dem trennten, was sie suchte.
Als der erste Strahl der Morgensonne sie schließlich weckte, verzog sie leicht das zarte Antlitz, als ihr Nacken ihr sagte, dass dies keine besonders gesunde Schlafposition gewesen war. Ein kurzer Spaziergang durch das noch schlafende, dämmrige Ered Luin folgte. Begleitet vom Lied der ersten Vögel wurde ihr Geist mit jedem Schritt wieder klarer. Sie wusch sich im kalten Wasser des unberührten Sees und genoss die belebende Wirkung. Anschließend ging sie wieder zurück in die Bibliothek und setzte ihre Lektüre fort.
Ein feines Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie die gesuchte Legende fand. Und von Zeile zu Zeile wurde ihr Gesichtsausdruck nachdenklicher. Genau ging sie die Worte durch, wieder und wieder, bis sie sich in ihrem Geist eingeprägt hatten. Mehr und mehr wurde sie sich der Bedeutung bewusst. Sie würde die ihren zusammenrufen müssen. Sie würden beraten - einmal mehr. Doch ihr Anliegen würde von außergewöhnlicher Natur sein. Unruhig begann sie in der Bibliothek umherzuwandern, verlegte jenes schließlich auf das Tal und dann auf den Nebelwald. Wie würde sie am weisesten ihre Worte wählen? Erst das nagende, beißende Gefühl eines nun schon eine ganze Weile ohne Nahrung verbliebenden Magens holte sie wieder zurück in den Alltag.
Als der erste Strahl der Morgensonne sie schließlich weckte, verzog sie leicht das zarte Antlitz, als ihr Nacken ihr sagte, dass dies keine besonders gesunde Schlafposition gewesen war. Ein kurzer Spaziergang durch das noch schlafende, dämmrige Ered Luin folgte. Begleitet vom Lied der ersten Vögel wurde ihr Geist mit jedem Schritt wieder klarer. Sie wusch sich im kalten Wasser des unberührten Sees und genoss die belebende Wirkung. Anschließend ging sie wieder zurück in die Bibliothek und setzte ihre Lektüre fort.
Ein feines Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie die gesuchte Legende fand. Und von Zeile zu Zeile wurde ihr Gesichtsausdruck nachdenklicher. Genau ging sie die Worte durch, wieder und wieder, bis sie sich in ihrem Geist eingeprägt hatten. Mehr und mehr wurde sie sich der Bedeutung bewusst. Sie würde die ihren zusammenrufen müssen. Sie würden beraten - einmal mehr. Doch ihr Anliegen würde von außergewöhnlicher Natur sein. Unruhig begann sie in der Bibliothek umherzuwandern, verlegte jenes schließlich auf das Tal und dann auf den Nebelwald. Wie würde sie am weisesten ihre Worte wählen? Erst das nagende, beißende Gefühl eines nun schon eine ganze Weile ohne Nahrung verbliebenden Magens holte sie wieder zurück in den Alltag.
- Lamentinu Celebren
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Sie hatte ihre Brüder und Schwestern zusammengerufen - eine Handvoll war erschienen. Doch es war ein Anfang. Auch wenn die Versammlung von der Planung um Kryndlagor und dessen Zurückdrängen geprägt war, kam schließlich doch die Stunde, an dem sie den Eledhrim die Legende vorstellte. Eine Legende, die sie alle zum Nachdenken brachte - und noch einmal würden sie sich sammeln, um die Worte nicht wieder in Vergessenheit geraten zu lassen - sondern etwas zu verändern.
Sie schrieb Briefe, machte Aushänge - und für all ihre Geschwister lesbar war auch das Stück elfischer Dichtkunst darunter, was sie derart zum Grübeln brachte.
Traumwandler
„Träume nur, mein Kind, sorgsam träume,
denn nur, was du im Geist schaffst, wird auch wahr.
Schaffe in Gedanken neue Räume,
wie ich euch im Traume einst gebar.“
„Wenn wir träumen, wenn wir neue Wege sehen
Und Visionen in dem Geiste uns entstehen,
muss es stets auch solche unter uns dann geben,
die die neuen Wege mit dem Träumer gehen.“
„Kind, nur du kennst jene Pfade,
die du hast im Traum betreten.“
„Wenn ich sie zum Rate lade,
kann ich um Geleit sie beten.“
„Doch du musst voran dann schreiten,
da nur du den Weg schon kennst.
Deine Träume werden leiten
Euch, wenn Schein und Sein du trennst.“
„Aber sind nicht alle Brüder, alle Schwestern mir ganz gleich?
Ich will mich nicht über alle einfach stellen.
Ist nicht jeder ganz besonders, ist an guten Gaben reich,
sollten jene sich nicht in den Traum gesellen?“
„Elentári, du sprichst wahr und Bescheidenheit dich ehrt.
Doch hat jeder eigne Stärken, eigne Schwächen.
Dir hab ich das Träumen wohl gelehrt,
andren, Unrecht mit dem Schwert zu rächen.
Jede Aufgabe wiegt gleich viel,
und die deine ist das Träumen.
Würdest du das Garn vom Schneider nehmen,
um dein Kleid mit ihm zu säumen?“
„Jenes Kleid schmückt dann nur mich,
doch mein Traum umfasst die Welt!“
„Soll ein Stern nun blasser leuchten,
weil er größ‘ren Raum erhellt?“
„Doch wenn ich die Meinen führe und den falschen Weg mal wähle?“
„Wird ein andrer Elf mit seinem Traum euch leiten.“
„Wenn von Irrwegen und Trug ich dann erzähle?“
„Kind, du sollst nicht herrschen, du sollst leiten.
Camvaethol, die Hand, die euch durch düstre Zeiten führt.
Du bist das Herz, das Handlungsbedarf spürt
Das Auge, was des Feindes List erspäht
Und der Geist, der die Saat im Frühjahr sät.“
„So soll mein Traum uns leiten
Und die Weisheit aller weben,
wenn wir unsre Seelen weiten
und gemeinsam voran streben
nach der Elfenvölker Blüte.“
„Jetzt ist deine Traumeszeit.
Auf dass euren Traum behüte
Stets ein Elf in Ewigkeit.“
Sie schrieb Briefe, machte Aushänge - und für all ihre Geschwister lesbar war auch das Stück elfischer Dichtkunst darunter, was sie derart zum Grübeln brachte.
Traumwandler
„Träume nur, mein Kind, sorgsam träume,
denn nur, was du im Geist schaffst, wird auch wahr.
Schaffe in Gedanken neue Räume,
wie ich euch im Traume einst gebar.“
„Wenn wir träumen, wenn wir neue Wege sehen
Und Visionen in dem Geiste uns entstehen,
muss es stets auch solche unter uns dann geben,
die die neuen Wege mit dem Träumer gehen.“
„Kind, nur du kennst jene Pfade,
die du hast im Traum betreten.“
„Wenn ich sie zum Rate lade,
kann ich um Geleit sie beten.“
„Doch du musst voran dann schreiten,
da nur du den Weg schon kennst.
Deine Träume werden leiten
Euch, wenn Schein und Sein du trennst.“
„Aber sind nicht alle Brüder, alle Schwestern mir ganz gleich?
Ich will mich nicht über alle einfach stellen.
Ist nicht jeder ganz besonders, ist an guten Gaben reich,
sollten jene sich nicht in den Traum gesellen?“
„Elentári, du sprichst wahr und Bescheidenheit dich ehrt.
Doch hat jeder eigne Stärken, eigne Schwächen.
Dir hab ich das Träumen wohl gelehrt,
andren, Unrecht mit dem Schwert zu rächen.
Jede Aufgabe wiegt gleich viel,
und die deine ist das Träumen.
Würdest du das Garn vom Schneider nehmen,
um dein Kleid mit ihm zu säumen?“
„Jenes Kleid schmückt dann nur mich,
doch mein Traum umfasst die Welt!“
„Soll ein Stern nun blasser leuchten,
weil er größ‘ren Raum erhellt?“
„Doch wenn ich die Meinen führe und den falschen Weg mal wähle?“
„Wird ein andrer Elf mit seinem Traum euch leiten.“
„Wenn von Irrwegen und Trug ich dann erzähle?“
„Kind, du sollst nicht herrschen, du sollst leiten.
Camvaethol, die Hand, die euch durch düstre Zeiten führt.
Du bist das Herz, das Handlungsbedarf spürt
Das Auge, was des Feindes List erspäht
Und der Geist, der die Saat im Frühjahr sät.“
„So soll mein Traum uns leiten
Und die Weisheit aller weben,
wenn wir unsre Seelen weiten
und gemeinsam voran streben
nach der Elfenvölker Blüte.“
„Jetzt ist deine Traumeszeit.
Auf dass euren Traum behüte
Stets ein Elf in Ewigkeit.“
- Lamentinu Celebren
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Es war getan. Sie hatten sich beraten und die Entscheidung war gefallen. Sie selber sollte jene sein, die die Elfen mit ihren Träumen leitete - die Camvaethol der Eledhrim. Sie spürte, wie Stolz ihr Herz erfüllte. Doch im gleichen Maße Tatendrang und Eifer. Ebenso spürte sie die Verantwortung, die sich wie die Hand eines größeren und stärkeren Elfen auf ihre Schulter legte. Doch sie würde, alles, alles ihr mögliche tun, um das Volk der Elfen zu einer neuen Blüte zu führen. In schwachen Stunden würde Lu'araiel sie stützen und sie, würde sie ungeplant ausfallen - die Gründe dafür malte sie sich lieber nicht zu schillernd aus - vertreten. Ein Mann der Lindil und eine Frau der Edhil - gerechter hätte ihre Wahl wohl kaum ausfallen können.
Noch auf jener Versammlung begann sie damit, ihre erste Vision vorzutragen - die gemeinsamen Tage des Wissens, des Kampfes, der Muse, des Handwerkes und der Gemeinschaft. Wöchentliche Zusammenkünfte, in denen jeweils eine Kunst ihrer Völker im Vordergrund stand und besonders geehrt wurde.
Doch ihre erste Tat galt einem anderen Geschick - ein Schritt auf dem Weg zum Frieden. Sie zeichnete Pläne für eine Kopie von Gelirs Schwert - und Shalaryl und Lu'araiel korrigierten die Pläne mit Hilfe des Liedes, wo ihre Erinnerungen schärfer waren oder abwichen. Ein symbolischer Akt für die Zukunft: Sie würde ihren Traum, ihre Vision vorstellen und das Volk der Eledhrim würde ihm seine endgültige Form verleihen. Es gab noch viel zu tun. In ihrem Falle viel zu lesen, viel zu schreiben - und den ersten Elfendonnerstag vorzubereiten. Doch die Nacht war schon weit fortgeschritten - mit dem neuen Morgen würde sie beginnen, erste Schritte zu gehen, dass ihre Träume Gestalt annahmen.
Noch auf jener Versammlung begann sie damit, ihre erste Vision vorzutragen - die gemeinsamen Tage des Wissens, des Kampfes, der Muse, des Handwerkes und der Gemeinschaft. Wöchentliche Zusammenkünfte, in denen jeweils eine Kunst ihrer Völker im Vordergrund stand und besonders geehrt wurde.
Doch ihre erste Tat galt einem anderen Geschick - ein Schritt auf dem Weg zum Frieden. Sie zeichnete Pläne für eine Kopie von Gelirs Schwert - und Shalaryl und Lu'araiel korrigierten die Pläne mit Hilfe des Liedes, wo ihre Erinnerungen schärfer waren oder abwichen. Ein symbolischer Akt für die Zukunft: Sie würde ihren Traum, ihre Vision vorstellen und das Volk der Eledhrim würde ihm seine endgültige Form verleihen. Es gab noch viel zu tun. In ihrem Falle viel zu lesen, viel zu schreiben - und den ersten Elfendonnerstag vorzubereiten. Doch die Nacht war schon weit fortgeschritten - mit dem neuen Morgen würde sie beginnen, erste Schritte zu gehen, dass ihre Träume Gestalt annahmen.
- Lamentinu Celebren
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Träume - gleichsam wunderschön und doch zerbrechlich wie Seifenblasen. Sie waren ihr steter Begleiter - doch sie wollte nunmehr beginnen, sie festzuhalten. Nicht nur in ihrer Musik, sondern auch in den Taten. Aber sie war auf die Hilfe ihres Volkes angewiesen. Ohne ihre Brüder und Schwestern war sie wie eine Biene ohne Volk und ohne Stock - einsam und verloren.
Am letzten Donnerstag der Muse hatte sie neben weiteren Werken einen weiteren Traum vorgetragen. Ein Kleid in der Farbe des Eises, von silbrigem Schimmer abertausender Eisblumen durchzogen. Jenes sollte die Tracht der Camvaethol sein - ihre offizielle Kleidung, wenn sie nicht als Bardin, sondern als Stimme ihres Volkes auftrat.
Die Dichtung hatte sie bewahrt - wer wusste schon, ob nicht eines Tages jenes Lied erneut gehört werden würde.
Des Eises Wandlung
Kalter Wind weht weißen Reif
von den Zweigen, kahl und steif
und der Rabenruf hallt weit,
es scheint still zu steh'n die Zeit.
Dort im Schnee führt eine Spur
zarter, nackter Füße fort,
führt den Blick wohl weiter fort
in die unberührte Flur.
Dort, inmitten jenes Schweigens
sich ein zarter Glanz erstreckt,
denn das Eis den See bedeckt
als die Tanzfläche des Reigens
kleiner Lichter, spiegelnd, klar,
wie des Eises Feenschar.
Durch die Kälte Nachtgesang
sich entfaltet, klar und zart.
Unwirklich gar scheint der Klang,
unbekannt in seiner Art.
Doch das suchend‘ Auge findet,
wer die Sängerin bei Nacht.
Ist's der Frühling, der sich windet
aus der Tiefe jener Nacht?
Jenes Kleid so weiß wie Schnee,
erst für jene wirklich strahlt,
die erkennen, dass der See
in dem Lichte Träume malt.
Denn im Eise ganz gefangen
tausend kleine Bäche scheinen,
die, ganz silbern, lichtbehangen,
sich zu einem Kleide einen.
In der Nacht erbebt der See,
er erhebt sich, türmt sich auf.
Es scheint gar, als stünd‘ im Schnee
eine Säule, in Verlauf
von dem Sternenlicht begossen,
was sich silbern darin bricht.
Als sei es hinab geflossen
wie ein Wasserfall aus Licht.
Jeder Schritt trägt fort das Kleid,
hinterlassend eine Spur
in der still verharrend' Zeit,
in der winterlichen Flur.
Weiße Lilien künden an,
dass der Frühling folgt dem Schnee.
Welcher Wandel hier begann,
singt das Wasser in dem See.
Doch es war nicht bei ihrem Lied allein geblieben. In der Zwischenzeit war sie zu Thar getreten und hatte ihn als ihren Leibschneider die rechten Stoffe wählen und die Kleidung schneidern lassen. Sorgsam hatten sie auch die Stücke eingefärbt in einem weiß, welches hier und dort in einen eisigen Blauton überging - bei der Winterkleidung stärker noch als bei ihrem Sommerkleid. Nach fast einem Mond nun waren diese Arbeiten vollendet. Nun galt es, die nötige Zier anzubringen - ebenso eine Arbeit, die gleichermaßen Zeit wie Kunstfertigkeit verlangte. Doch die Mühe würde sich am Ende lohnen, da war sie sich gewiss.
Doch jene Zeit, in der Thar ganz von Lamentinus exquisiten Wünschen ausgefüllt am Werkeln war, blieb auch sie nicht untätig. Es gab da einen weiteren Traum, der ihr keine Ruhe ließ. Ein Traum, der noch viel mehr Zeit zum Wachsen brauchen würde. Sie würde am nächsten Tag der Muse den anderen Elfen davon berichten. Und so galt es einmal mehr für sie, die alten Legenden zu durchstöbern - und neue Werke gleichsam zu schaffen. War schon ein Abend hübscher Vorträge eine Menge Arbeit, so war es die Ausgestaltung von solcherlei Träumen erst recht. Doch eines Tages, so hoffte Lamentinu, würde die Saat, die sie damit nun sähte, prachtvoll erblühen. Ein neuer Glanz für das Volk der Eledhrim.
Am letzten Donnerstag der Muse hatte sie neben weiteren Werken einen weiteren Traum vorgetragen. Ein Kleid in der Farbe des Eises, von silbrigem Schimmer abertausender Eisblumen durchzogen. Jenes sollte die Tracht der Camvaethol sein - ihre offizielle Kleidung, wenn sie nicht als Bardin, sondern als Stimme ihres Volkes auftrat.
Die Dichtung hatte sie bewahrt - wer wusste schon, ob nicht eines Tages jenes Lied erneut gehört werden würde.
Des Eises Wandlung
Kalter Wind weht weißen Reif
von den Zweigen, kahl und steif
und der Rabenruf hallt weit,
es scheint still zu steh'n die Zeit.
Dort im Schnee führt eine Spur
zarter, nackter Füße fort,
führt den Blick wohl weiter fort
in die unberührte Flur.
Dort, inmitten jenes Schweigens
sich ein zarter Glanz erstreckt,
denn das Eis den See bedeckt
als die Tanzfläche des Reigens
kleiner Lichter, spiegelnd, klar,
wie des Eises Feenschar.
Durch die Kälte Nachtgesang
sich entfaltet, klar und zart.
Unwirklich gar scheint der Klang,
unbekannt in seiner Art.
Doch das suchend‘ Auge findet,
wer die Sängerin bei Nacht.
Ist's der Frühling, der sich windet
aus der Tiefe jener Nacht?
Jenes Kleid so weiß wie Schnee,
erst für jene wirklich strahlt,
die erkennen, dass der See
in dem Lichte Träume malt.
Denn im Eise ganz gefangen
tausend kleine Bäche scheinen,
die, ganz silbern, lichtbehangen,
sich zu einem Kleide einen.
In der Nacht erbebt der See,
er erhebt sich, türmt sich auf.
Es scheint gar, als stünd‘ im Schnee
eine Säule, in Verlauf
von dem Sternenlicht begossen,
was sich silbern darin bricht.
Als sei es hinab geflossen
wie ein Wasserfall aus Licht.
Jeder Schritt trägt fort das Kleid,
hinterlassend eine Spur
in der still verharrend' Zeit,
in der winterlichen Flur.
Weiße Lilien künden an,
dass der Frühling folgt dem Schnee.
Welcher Wandel hier begann,
singt das Wasser in dem See.
Doch es war nicht bei ihrem Lied allein geblieben. In der Zwischenzeit war sie zu Thar getreten und hatte ihn als ihren Leibschneider die rechten Stoffe wählen und die Kleidung schneidern lassen. Sorgsam hatten sie auch die Stücke eingefärbt in einem weiß, welches hier und dort in einen eisigen Blauton überging - bei der Winterkleidung stärker noch als bei ihrem Sommerkleid. Nach fast einem Mond nun waren diese Arbeiten vollendet. Nun galt es, die nötige Zier anzubringen - ebenso eine Arbeit, die gleichermaßen Zeit wie Kunstfertigkeit verlangte. Doch die Mühe würde sich am Ende lohnen, da war sie sich gewiss.
Doch jene Zeit, in der Thar ganz von Lamentinus exquisiten Wünschen ausgefüllt am Werkeln war, blieb auch sie nicht untätig. Es gab da einen weiteren Traum, der ihr keine Ruhe ließ. Ein Traum, der noch viel mehr Zeit zum Wachsen brauchen würde. Sie würde am nächsten Tag der Muse den anderen Elfen davon berichten. Und so galt es einmal mehr für sie, die alten Legenden zu durchstöbern - und neue Werke gleichsam zu schaffen. War schon ein Abend hübscher Vorträge eine Menge Arbeit, so war es die Ausgestaltung von solcherlei Träumen erst recht. Doch eines Tages, so hoffte Lamentinu, würde die Saat, die sie damit nun sähte, prachtvoll erblühen. Ein neuer Glanz für das Volk der Eledhrim.
- Lamentinu Celebren
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Weiter war sie den Visionen und Träumen gefolgt. Stolz betrachtete sie die prachtvolle Kleidung, welche sie nunmehr als Camvaethol begleiten sollte. Jenes Werk war vollendet - ein kleiner Traum erfüllt.
Am letzten Tag der Muse hatte sie erneut die Pfade der Klingentänzer in das Gedächtnis ihres Volkes gerufen. Ifirnion hatten sie ausgewählt als jenen, der sie als erster neu beschreiten sollte. Sie hatte daraufhin viel in den Legenden und Geschichten ihres Volkes gelesen, denn er würde Führung auf seinem Weg dorthin benötigen.
Nunmehr beschäftigte sie allerdings etwas Anderes. Waren es bislang alles schöne und friedvolle Visionen gewesen, so legte sich nunmehr ein Schleier aus Ängsten und düsteren Prophezeihungen in ihren Sinn. Auch die dunklen Träume würde sie mit ihrem Volke teilen. Emsig schrieb sie an dem kurzen Theaterstück. Dann, so war ihr Plan, würde sie langsam beginnen, eine Strategie zu entwickeln, die den Nebelwald und seine Bewohner vor jenen Geschehnissen bewahrte...
Am letzten Tag der Muse hatte sie erneut die Pfade der Klingentänzer in das Gedächtnis ihres Volkes gerufen. Ifirnion hatten sie ausgewählt als jenen, der sie als erster neu beschreiten sollte. Sie hatte daraufhin viel in den Legenden und Geschichten ihres Volkes gelesen, denn er würde Führung auf seinem Weg dorthin benötigen.
Nunmehr beschäftigte sie allerdings etwas Anderes. Waren es bislang alles schöne und friedvolle Visionen gewesen, so legte sich nunmehr ein Schleier aus Ängsten und düsteren Prophezeihungen in ihren Sinn. Auch die dunklen Träume würde sie mit ihrem Volke teilen. Emsig schrieb sie an dem kurzen Theaterstück. Dann, so war ihr Plan, würde sie langsam beginnen, eine Strategie zu entwickeln, die den Nebelwald und seine Bewohner vor jenen Geschehnissen bewahrte...
- Lamentinu Celebren
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Nachtgeflüster.
So hatte sie ihr Werk genannt, indem sie ihre Ängste beschrieb. Ein inszenierter Alptraum, um ihrem Volk die Augen zu öffnen. Ihnen würde es nicht so ergehen wie der Protagonistin in dem Stück. Sie würden nicht warten, bis der Schatten sie überraschte und überrannte. Einiges würde sich bald schon ändern in dem so friedlichen Ered Luin.
Ihre Brüder und Schwestern hatten dem Werk Leben eingehaucht und die Zuschauer erschauern lassen. Hätte sie nicht gewusst, dass Nhariel, Lu'araiel, Fae und Shaera unter den dunklen Roben steckten - sie hätte die Angst nicht spielen müssen. Ihre Darstellungen waren überzeugend. Sie war zufrieden. Noch eine ganze Weile saß sie auf dem Bett auf der Bühne, das Libretto in den Händen und erinnerte sich an die vergangenen Stunden zurück.
Nachtgeflüster
-zum Bardendonnerstag ein politisches Theaterstück-
Ausgangspositionen: 1 und 2 auf dem Dach, 3 und 4 am vorderen Rand des Publikums, L in der Mitte der Bühne auf Bett
Lamentinu:
Schlaf mein Kindlein, träum in Frieden.
Mache deine Äuglein zu.
Find den Schlaf, der dir beschieden,
gönne Geist und Körper Ruh.
1:
Spür die Nacht.
Fühl den eisgen Hauch des Windes.
Werde starr an deinem Leib.
Doch die Seele, eingekerkert, ängstlich, schreit:
Erbebe!
2:
Spür den Schlaf.
Fühl des Nebels klammen Griff, der die Augen dir bedeckt.
Kann dein Blick fast nichts erfassen,
dringt ein Schrei aus deinem Geist:
Fürchte dich!
3:
Spür den Schatten.
Fühl, wie er das Licht verdrängt und dein Herz mit Trauer füllt.
Kann dein Feuer nicht mehr lodern,
schlägt dein Herz gar matt und klagt:
Welke!
4:
Spür den Tod.
Fühl die Einsamkeit der Seele, wenn sie fortgerissen wird.
Kannst dein Lied du nicht mehr singen,
raunt dein Innerstes von Ferne:
Gib auf!
Lamentinu:
Dunkle Träume in der Nacht
Quälen meinen müden Sinn.
Kalte Fratze, wie sie lacht,
meine Hoffnung scheint dahin.
Doch der Morgen wird bald kommen,
und der Sonne Morgenrot
hat den Schrecken dann genommen,
der des Nachts mich hat bedroht.
2:
Glaube nur du schläfst.
Bald schon wirst du sehen, dass des Morgens süßes Rot
Auch dein Blut kann sein.
4:
Gräm dich nicht.
Meine Sense schneidet schneller als das Lied aus deiner Kehle
Mir die andern Opfer warnt.
Lamentinu:
Unser Wald wird schützen uns und unsrer Kinder Ruh.
Schlafe nur, mein Mädchen, mach die Äuglein ruhig zu.
All die Stimmen doch nur spotten, keine echte Gefahr droht.
Fürchte nicht die düst‘ren Schatten, keine Sorge, keine Not.
1:
Wieg dich nur in Sicherheit.
Schatten kriechen lautlos in das arglos ruhige Tal.
Bald schon wirfst du keinen mehr.
3:
Sorge dich nicht.
Bäume werden dursten und dann brennen.
Asche wird bald deine Decke sein.
Lamentinu:
Böse Geister, schweiget stille,
kann nicht ruhen, kann nicht fliehen.
Das ist nicht der Götter Wille,
lasse sie vorüberziehen!
1,2,3,4: (singend, bei den Worten von allen Seiten auf das Bett zutretend)
Wir ziehen aus und hüll’n dich ein.
Bringen dir erneut den Frieden.
Fahl bist bald, wie Marmorstein,
wenn du bist dahingeschieden.
Lamentinu: (sich aufs Bett stellend)
Weichet! Haltet ein!
Keinen Schad ich euch je fügte!
Verlasst mich! Phanodain!
Schenk mir Rat, lass mich fliehen dem Gefüge!
3: (erlischt die Kerzen auf der Bühne am Bett)
Bist nun mein. Ich nehm dein Licht.
Lamentinu:
Weiche, finstrer Bösewicht!
4: (nach ihr greifend)
Tanz mein Kind nochmal für mich!
Lamentinu: (spielerisch ausweichend)
Mein Herz, es friert so bitterlich!
1: (ihren Knöchel zu fassen bekommend)
Ich zieh dich hinab ins Grab.
Lamentinu:
Niemals ich dir Untertan.
(wird danach von den Füßen gezogen und fällt ins Bett)
2: (auf das Bett kriechend und sie mit seinem Leib bedeckend)
An dem Blute ich mich lab.
Lamentinu:
Wehe! Alles mir zerrann.
(1,3,4 verstellen dem Publikum den Blick)
Lamentinu: Aaaaaah! (hoher, langer, gellender Ton)
Stille.
(2 verlässt das Bett, die vier schultern L, (2 Beine, 2 Schultern) tragen sie schließlich einen Bogen über die Bühne, bis L kopfüber mit geschlossenen Augen ins Publikum schaut, halten inne)
1,2,3,4: (dunkel singend)
Schatten ziehen übers Land,
keiner kann sie halten.
Haben dich in uns’rer Hand,
werden weiter walten.
Zehren auf auch deinen Schein,
bringen dir den Frieden.
Fahl bist bald, wie Marmorstein,
wenn du bist dahingeschieden.
Lamentinu: (leise, mit geschlossenen Augen)
Süßer Tod, oh dunkle Nacht
Nun bin ich ganz dein.
Bin erfüllt von deiner Macht,
schon verblasst der Schein.
(die 4 setzen sich in Bewegung und tragen sie von der Bühne aus dem Tor, bis sie für das Publikum nicht mehr zu sehen sind)
Lamentinu:
Schatten ziehen übers Land,
Lebewohl mein Kind.
Fahl vom Todeskuss die Hand,
verweht mein Lied im Wind.
Komplettaufführung in Screens:
http://galerie.alathair.de/thumbnails.php?album=244&page=2
So hatte sie ihr Werk genannt, indem sie ihre Ängste beschrieb. Ein inszenierter Alptraum, um ihrem Volk die Augen zu öffnen. Ihnen würde es nicht so ergehen wie der Protagonistin in dem Stück. Sie würden nicht warten, bis der Schatten sie überraschte und überrannte. Einiges würde sich bald schon ändern in dem so friedlichen Ered Luin.
Ihre Brüder und Schwestern hatten dem Werk Leben eingehaucht und die Zuschauer erschauern lassen. Hätte sie nicht gewusst, dass Nhariel, Lu'araiel, Fae und Shaera unter den dunklen Roben steckten - sie hätte die Angst nicht spielen müssen. Ihre Darstellungen waren überzeugend. Sie war zufrieden. Noch eine ganze Weile saß sie auf dem Bett auf der Bühne, das Libretto in den Händen und erinnerte sich an die vergangenen Stunden zurück.
Nachtgeflüster
-zum Bardendonnerstag ein politisches Theaterstück-
Ausgangspositionen: 1 und 2 auf dem Dach, 3 und 4 am vorderen Rand des Publikums, L in der Mitte der Bühne auf Bett
Lamentinu:
Schlaf mein Kindlein, träum in Frieden.
Mache deine Äuglein zu.
Find den Schlaf, der dir beschieden,
gönne Geist und Körper Ruh.
1:
Spür die Nacht.
Fühl den eisgen Hauch des Windes.
Werde starr an deinem Leib.
Doch die Seele, eingekerkert, ängstlich, schreit:
Erbebe!
2:
Spür den Schlaf.
Fühl des Nebels klammen Griff, der die Augen dir bedeckt.
Kann dein Blick fast nichts erfassen,
dringt ein Schrei aus deinem Geist:
Fürchte dich!
3:
Spür den Schatten.
Fühl, wie er das Licht verdrängt und dein Herz mit Trauer füllt.
Kann dein Feuer nicht mehr lodern,
schlägt dein Herz gar matt und klagt:
Welke!
4:
Spür den Tod.
Fühl die Einsamkeit der Seele, wenn sie fortgerissen wird.
Kannst dein Lied du nicht mehr singen,
raunt dein Innerstes von Ferne:
Gib auf!
Lamentinu:
Dunkle Träume in der Nacht
Quälen meinen müden Sinn.
Kalte Fratze, wie sie lacht,
meine Hoffnung scheint dahin.
Doch der Morgen wird bald kommen,
und der Sonne Morgenrot
hat den Schrecken dann genommen,
der des Nachts mich hat bedroht.
2:
Glaube nur du schläfst.
Bald schon wirst du sehen, dass des Morgens süßes Rot
Auch dein Blut kann sein.
4:
Gräm dich nicht.
Meine Sense schneidet schneller als das Lied aus deiner Kehle
Mir die andern Opfer warnt.
Lamentinu:
Unser Wald wird schützen uns und unsrer Kinder Ruh.
Schlafe nur, mein Mädchen, mach die Äuglein ruhig zu.
All die Stimmen doch nur spotten, keine echte Gefahr droht.
Fürchte nicht die düst‘ren Schatten, keine Sorge, keine Not.
1:
Wieg dich nur in Sicherheit.
Schatten kriechen lautlos in das arglos ruhige Tal.
Bald schon wirfst du keinen mehr.
3:
Sorge dich nicht.
Bäume werden dursten und dann brennen.
Asche wird bald deine Decke sein.
Lamentinu:
Böse Geister, schweiget stille,
kann nicht ruhen, kann nicht fliehen.
Das ist nicht der Götter Wille,
lasse sie vorüberziehen!
1,2,3,4: (singend, bei den Worten von allen Seiten auf das Bett zutretend)
Wir ziehen aus und hüll’n dich ein.
Bringen dir erneut den Frieden.
Fahl bist bald, wie Marmorstein,
wenn du bist dahingeschieden.
Lamentinu: (sich aufs Bett stellend)
Weichet! Haltet ein!
Keinen Schad ich euch je fügte!
Verlasst mich! Phanodain!
Schenk mir Rat, lass mich fliehen dem Gefüge!
3: (erlischt die Kerzen auf der Bühne am Bett)
Bist nun mein. Ich nehm dein Licht.
Lamentinu:
Weiche, finstrer Bösewicht!
4: (nach ihr greifend)
Tanz mein Kind nochmal für mich!
Lamentinu: (spielerisch ausweichend)
Mein Herz, es friert so bitterlich!
1: (ihren Knöchel zu fassen bekommend)
Ich zieh dich hinab ins Grab.
Lamentinu:
Niemals ich dir Untertan.
(wird danach von den Füßen gezogen und fällt ins Bett)
2: (auf das Bett kriechend und sie mit seinem Leib bedeckend)
An dem Blute ich mich lab.
Lamentinu:
Wehe! Alles mir zerrann.
(1,3,4 verstellen dem Publikum den Blick)
Lamentinu: Aaaaaah! (hoher, langer, gellender Ton)
Stille.
(2 verlässt das Bett, die vier schultern L, (2 Beine, 2 Schultern) tragen sie schließlich einen Bogen über die Bühne, bis L kopfüber mit geschlossenen Augen ins Publikum schaut, halten inne)
1,2,3,4: (dunkel singend)
Schatten ziehen übers Land,
keiner kann sie halten.
Haben dich in uns’rer Hand,
werden weiter walten.
Zehren auf auch deinen Schein,
bringen dir den Frieden.
Fahl bist bald, wie Marmorstein,
wenn du bist dahingeschieden.
Lamentinu: (leise, mit geschlossenen Augen)
Süßer Tod, oh dunkle Nacht
Nun bin ich ganz dein.
Bin erfüllt von deiner Macht,
schon verblasst der Schein.
(die 4 setzen sich in Bewegung und tragen sie von der Bühne aus dem Tor, bis sie für das Publikum nicht mehr zu sehen sind)
Lamentinu:
Schatten ziehen übers Land,
Lebewohl mein Kind.
Fahl vom Todeskuss die Hand,
verweht mein Lied im Wind.
Komplettaufführung in Screens:
http://galerie.alathair.de/thumbnails.php?album=244&page=2
- Lamentinu Celebren
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Der Wandel deutete sich langsam an. Leise nur erzählte der Wind in den alten Bäumen davon. Bald schon würden sie mit den Zwergen Rat halten - und bald schon würde die Panthersbrut zu spüren bekommen, dass der Wind auch eisig kalt und unbarmherzig wehen konnte.
Doch am gestrigen Tage fand ein anderes denkwürdiges Ereignis statt, welches einem ganz anderen politischen Ziel diente. Sie hatte mit der ersten öffentlichen Theateraufführung in Ered Luin gleich zwei Dinge getan: Ihr Volk vor dem Vergessen werden bewahrt, da sich viele Gesichter nach Ered Luin wandten. Außerdem einen Eindruck von Kunst und Harmonie in die Welt getragen und - so hoffte sie zumindest - den Menschen damit einen Blick aus einer anderen Perspektive auf das Sein gewährt. In jenen Momenten fanden ihre Seelen Ruhe und ihr eiliger Alltag war weit von ihnen gerückt.
Mia und Sharina - sie würden von ihren Erlebnissen berichten in Ered Luin. Und sie würden so, ohne sich dem wahrhaft bewusst zu sein, ebenso dafür sorgen, dass die Elfen in den Gedanken der Menschen verblieben und die Mysterien ihres Volkes für Staunen und Faszination sorgten.
Sie setzte sich auf das Dach des Theaters und betrachtete die leeren Ränge und die Bühne. Dann schloss sie die Augen und ließ das Stück noch einmal vor ihrem inneren Auge Revue passieren.
Ôlocúrun - Mondentraum
Besetzung:
Erzählerin/ Mondin/ Sonne/ Quellnixe - Lamentinu Celebren
Zigeunerin - Sharina Faris
Menekaner - Lu'araiel
Mondenkind - Mia Mailinn Faris
Sonnenkind - Rilya
2 Waldnymphen - Shaera Raw'Bronadui, Falculon
Akt I
(Erzählerin verborgen, Zigeunerin auf Bühne)
Erzählerin
Eine alte Legende, vergessen fast schon,
erzählte von einer Zigeunerin.
Sie war voller Liebe zu einem Wüstensohn,
betört, nur er war ihr im Sinn.
Doch wie sollt sie erreichen,
dass er sie wohl begehrt?
Sein nobles Herz ihm erweichen,
war er doch wohl gelehrt.
Ratlos zog sie durch die Nacht
Und so bat sie den Mond,
der beschien sie so sacht,
und dem ein Zauber innewohnt.
Zigeunerin:
„Oh Mondin, Mutter der Nacht.
Trage weiter mein Herzensfleh’n.
Wenn du hälst die stille Wacht,
lass ihn meine Liebe seh’n.
Lass ihn spüren, wie ich singe,
wenn an seinen Blick ich denk‘.
Oh mein Herz, es mir zerspringe,
wenn ich meine Lieb‘ ihm schenk!“
Mondin:
Einen Traum will ich ihm schicken,
der ihn bald schon zu dir führt.
Wird er dich sodann erblicken,
er auch selbst die Liebe spürt.
Doch, als Pfand das Kind soll dienen,
was als erstes du ihm schenkst.
Zigeunerin:
Wohl bin ich von Glück beschienen,
doch hart der Handel, den du bedenkst.
Dennoch stimm ich zu.
Mondin:
Begib dich nun zur Ruh.
(gen Publikum) Zigeunerin: (sich abwendend, zu sich)
Wer sein Kind hinfort nur gibt, Bald schon er mich wahrhaft liebt!
um nicht mehr allein zu sein. Bald bin ich nicht mehr allein.
Der hätt‘ es niemals wohl geliebt, Mondin, gut, dass es dich gibt,
die Sinne kalt wie Marmorstein. Ich bade mich in deinem Schein.
Zigeunerin: (zur Mondin sich wendend)
Doch Mondin, sag, was willst du tun
Mit einem Kind aus Fleisch und Blut?
Es kann dir keine Dienste tun
Und dir nicht schenken seine Glut.
Kein Mann dich je zur Frau erhebt,
voll Lieb‘ dich anblickend erbebt.
(Mondin legt lächelnd einen Finger auf die Lippen und bedeutet ihr zu schweigen, Zigeunerin ab)
(Licht auf rechtem Teil der Bühne – Menekaner ruht dort schlafend mit einem Brief neben dem Lager)
Mondin: (Harfenspiel, beugt sich schließlich vor und streicht durch die Luft, als wenn sie seine Wange liebkosen würde, ihn lächelnd betrachtend, als er schließlich davon erwacht und sich eben dort an die Wange fasst)
Menekaner:
Wie wundersam hab ich geträumt?
Welche zarte Zauberhand
Mich berührt, Wüstenblume, dich bestäubt
Niemand, mir knüpfst du dein Band!
Ungepflückt werd ich dich retten
Vor der rüden Männerwelt.
Spreng‘, mein Lieb, nur alle Ketten,
geb dir Früchte, Schmuck und Geld!
(Menekaner ab, taucht während der nächsten Strophe Hand in Hand mit der Zigeunerin auf, in der Bühnenmitte wendet sie sich ab, nimmt eine in Leinen gewickelte Puppe unter ihrer Kleidung hervor und dreht sich mit der Puppe im Arm zurück zu ihm)
Erzähler:
Es geschah wie beschieden
Und so knüpften sie ihr Band.
Aus dem Blute heißem Sieden
Bald gebar der Mondin Pfand.
Menekaner (tobend)
Elende! Was ist das?
Ein Kind mit blasser Haut?
Ich fass es nicht, ein Bastard!
Hast in die Augen ihm geschaut?
Blau! Das ist kein Wüstenkind!
Hast mich hintergangen!
Ich – eines Bauern Kuckuckskind
Mir habe eingefangen!
(Fasst sie)
Sag bei meiner Ehre! Wer der Vater ist?
Die Schande werd ich rächen! Welche heimtückische List!
(sie schweigt)
Du schweigst. Ich versteh.
Du willst ihn schützen.
Verschwinde! Fort nur geh.
Bei Eluive, das wird nichts nützen.
(zieht seinen Dolch)
Zigeunerin (in Todesangst)
Nicht! Halt ein!
Menekaner:
Bald werd ich reingewaschen sein.
(ersticht sie)
Das falsche Blut vergossen nun,
niemals mögst in Frieden ruh’n!
(er packt das Baby)
Im Mondschein hab ich sie erblickt,
im Mondschein seist du fortgeschickt!
(legt es am hinteren Bühnenrand ab, tritt dann zum Teich, wäscht sich ausführlich die Hände und verharrt dort eine Weile trauernd, ehe er abgeht)
Mondin:
Meine Tochter! Sie kannt‘ die Liebe nicht,
denn nur, wer sät, kann ernten.
Nur was gepflegt wird, wächst.
Ich gebe auf dich Acht.
Bescheine dich ganz sacht
Mit meinem ganzen Licht.
Nur eine Sichel will ich sein
Und dich zärtlich wiegen.
Wenn du fühlst dich leer, allein,
bis die Tränen versiegen.
Akt II
2 Waldnymphen:
Kind des Mondes tanz mit uns,
mach dir keine Sorgen.
Kind des Mondes, sing ein Lied,
denke nicht an Morgen.
Quellnixe:
Kind des Mondes, trinke nur,
fühl das Wasser frisch.
Wenn du hungerst reich ich dir
Frisch gefangnen Fisch.
Mondenkind:
Ja, ich bin ein Mondenkind,
alle wachen über mich.
Kann schon laufen wie der Wind,
tagsüber, da schlafe ich.
Nachts, da teil ich Träume aus,
an die, die sich verirren.
Nette führe ich nach Haus,
böse tu ich weiter verwirren.
Kobold, Fee und Waldesgeist,
tanzen mit mir im Reigen.
Bin auch das Flüstern, dass du’s weißt,
im Winde zwischen den Zweigen.
1. Waldnymphe:
Komm mein Kind und spiel mit mir,
ich zeig dir die Blüten.
Schau, wie hier ein Krabbeltier
Lässt sich von ihr behüten.
2. Waldnymphe:
Lass den Käfer, schau nur her!
Hier ein Eichhorn flitzt.
Der Schlange weg, sie hinterher,
doch’s Eichhorn ist zu gewitzt.
Wassernixe:
Schau lieber ins Wasser hinein,
hier gibt’s viel zu entdecken.
Schau, die Muscheln, groß und klein,
und hier! Die Wasserschnecken.
Menekaner (von der anderen Seite den Wald betretend)
Ein Brief an eine Eledhrim,
gar lieblich soll sie sein.
So finde ich mich ein
In diesen unwegsamen Wald,
wo jeder Schritt gar seltsam hallt
und wirr der Lichter Schein.
Schon spät die Nacht,
ich werde ruh’n und morgen weiter schauen.
Der Mond nur hält noch seine Wacht,
matt schimmern Seen und Auen.
(legt sich nieder)
Waldnymphe 2:
Psst! Ein Schläfer! Weckt ihn nicht!
Waldnymphe 1:
Wirkt friedlich, scheint kein Bösewicht.
Mondenkind:
Ein Träumer? Ihn will ich beschenken.
An der Mondin holder Pracht soll er nun denken.
(Mondin summt zu Harfenklang)
(Menekaner schreckt schließlich auf)
Diese Augen!
(die Nymphen kiechern)
Mondenkind:
Sie gefällt ihm, dacht‘ ich’s mir.
Menekaner (ernst, nachdenklich):
Der Blick – schon einmal sah ich ihn.
Und zwar – in einer Zigeunerin.
Mondenkind:
Nanu? Wie das? Der Mann spricht wirr.
Mondin: (leise)
Komm meine Tochter, und gräm dich nicht,
lass ihn phantasieren.
Wohl kann ein hübsches Weibsgesicht
So manchen Mann verwirren.
(Mondenkind schüttelt mit dem Kopf, tritt neugierig zwischen den Bäumen hervor)
Menekaner: (erschrickt)
Wehe! Geister sehe ich.
Welche Schrecken hausen hier?
Mondenkind:
Ach, die kaum bedrohen dich.
Die gehören wohl zu mir.
Menekaner (mustert das Mädchen verwirrt)
(erneut kiechern die Waldnymphen)
Verschwinde mit deinem Spuk!
(läuft in dessen Richtung, will ihn verscheuchen, dabei nahe ans Ufer kommend)
(Wassernixe taucht auf und spritzt ihn nass)
Lass das Mädchen in Ruh!
Menekaner (sich nach der Quelle der unfreiwilligen Dusche umsehend)
Alles Lüg hier und Trug!
(will einen Stein aufheben und ihn nach der Nixe werfen)
Waldnymphen
Unheil lassen wir nicht zu.
(Ranken winden sich um die Füße des jungen Menekaners, ziehen sie ihm weg, so dass er rücklings ins Gras fällt – der Stein fliegt daher eher unkoordiniert irgendwo ins Wasser)
Menekaner
Weh! Der Wald ist gegen mich!
Raubt mir den Verstand.
Versetzt dem Herze mir den Stich,
nimm fort die Geisterhand.
(unterdessen ist das Mondenkind herangetreten und will ihm beruhigend die Hand auf die Schulter legen- ob der harrschen Zurückweisung verschwindet es jedoch zwischen den Bäumen, die Nymphen nehmen sich seiner an)
Akt III
(der Wald ist verschwunden, der Menekaner ruht in selbiger Pose direkt auf der Bühne; Beleuchtungsfokus auf der Mondin und ihm, nur ein einzelner Baum steht als Bühnenattrappe dort)
Mondin: (sanft)
Schweige und lausche dem meinigen Lied.
Lass dir die Sinne entführen.
Greife nicht nach dem, was hier nachts geschieht,
lass nur dein Herz es erspüren.
(Menekaner wird ruhiger und blickt sich nach der Stimme um, Mondin singt sanfte Einwürfe)
Menekaner:
Welche Sirene so lieblich zart singt?
Ich will ergründen den Klang.
(Mondin lässt sich vom Dach fallen, verwandelt sich in einen Adler, fliegt nah an seinem Kopf vorbei und landet für ihn verborgen hinter dem Baum)
Menekaner:
Ob jener Adler mich zu jener bringt?
Mondin:
Folge nur meinem Gesang.
(sie tritt hinter dem Baum hervor, der Menekaner bestaunt sie ganz baff)
Menekaner:
Bei den Göttern! Was für ein Geschöpf bist du?
(er will sie anfassen, ihr über das Gesicht streichen, sie weicht ihm aus)
Mondin:
Ich will es nunmehr dir berichten.
Bette dein Haupt mir im Schoße zur Ruh,
dann wird der Nebel sich lichten.
(sie lässt sich nieder, er tut wie ihm geheißen)
(während ihres Gesanges zieht Nebel auf um die beiden und es bleibt nur eine schwache Kerze)
Zu der Zeit, als die Götter teilten
Die Stunden in Tag und in Nacht.
Zwei Schwestern in Himmelsweiten
Sich teilten die ewige Wacht.
(sie erhebt sich, ihr Kleid wechselt die Farbe)
Des Tages die Sonne die Erde bestrahlte
Und mit ihrem güldenen Schein
Ein Lächeln auf vielerlei Antlitze malte,
als Hilfe um glücklich zu sein.
(Kleid nimmt wieder die Ursprungsfarbe an)
Des Nachts trat die Mondin ins himmlische Zelt,
um Sehnenden Hoffnung zu spenden.
Bestrahlte nur matt die verschlafene Welt,
um Traute den Einsamen zu senden.
(Sonnenfarbe, Sonnenkind tritt auf, um fröhlich über die Bühne zu hüpfen, piekst auf dem Weg zum Abgang den einen oder anderen (elfischen) Zuschauer in die Seite)
Doch schließlich die Sonne ein Töchterchen fand
Vom Morgenstern ihr überbracht.
Es ward in die Welt bald hinab wohl gesandt
Um die Wesen zu kitzeln gar sacht
Mit neckischem Liste, auf dass Heiterkeit
In ihrem Gemüte sich stärker macht‘ breit.
(Sonnenkind ab, Mondenfarbe)
Die Mondin hingegen schaut‘ weiter allein
Hinab auf die hoffenden Seelen.
Vielleicht könnt‘ auch ihr wohl ein zart‘ Kindelein
Nachts helfen die Sorgen zu stehlen?
(Mondenkind kommt zu Mondin)
Durch dich ging des Lebens zerbrechlicher Hauch
Wohl ein in den meinen Hoffnungsbringer.
Sie schenkte dir einen ihrer süßen Träume auch,
fürchte nicht ihre bleichen, schmalen Finger.
(Mondenkind deckt den Vater während der letzten Strophe mit einer schimmernden, mit Sternen bestickten Decke zu, Mondin tritt zum Vater)
(Sonnenkind während der nächsten Zeilen auf zu Mondenkind, beide in vorderer Bühnenmitte)
Doch, wenn der Mond auch bei Tage erscheint,
dann ist der Himmelskinder Zeit.
Wenn sich das Licht mit den Träumen vereint,
strahlt gleichsam Glücksseeligkeit.
(Die Kinder klatschen einmal in die Hände und schlagen ihre rechten und ihre linken Hände überkreuz aneinander, ehe sie beide Hände geradlinig aufeinanderschlagen, dies einmal durchführend, ehe sie es als Untermalung für die folgende Strophe nutzen)
Sonnenkind und Mondenkind:
Sonne, Mond und Sterne,
wir zieh’n mit euch um die Welt.
Wir blicken in die Ferne,
und tun was uns gefällt.
(sie unterlassen ihr Spiel, verharren kurz und fassen sich gegen Ende der Strophe der Mondin an den Händen, um danach tanzend im Kreis zu hüpfen)
Mondin:
Wenn in der Nacht Sternenschweife hell funkeln,
auch sich die Kinder wohl einen.
Nichts kann die Wünsche, die reinen,
besser erfüllen, so hört man munkeln.
Sonnenkind und Mondenkind:
Die Haare, sie fliegen im Sternschnuppentanz
Hui, hui! Schau, wer ist da erwacht?
Da hat wohl der funkelnde Sternschnuppenglanz
Ein fröhliches Feuer entfacht!
(sie lassen eine Hand los und hüpfen lachend und Händchen haltend von der Bühne, Menekaner schlägt die Augen auf und blinzelt verschlafen, ihnen ganz benommen hinterherblickend)
Menekaner:
Schein und Wirklichkeit, was soll ich glauben?
Doch hat das Lachen mich berührt.
Mondin:
Lass dir noch einmal die deinen Sinne rauben,
dann werden sie neu dir geführt.
(sie kniet sich zu ihm und legt ihm beruhigend die Hand auf die Schulter, er schließt sogleich ergeben die Augen)
Mondin: (sprechend)
Sanft sei dein Schlummer und wenn Morgenlicht dein Antlitz dir streichelt, dann ein Traum alles dir erscheine, seit du von der Zigeunerin hast geträumt.
Von jenem Moment bis zur Mondin sanften Kuss eine Nacht nur hast versäumt.
(sie beugt sich über ihn und es scheint, als würde sie ihm auf die Stirn küssen – doch stattdessen wird der Kuss darüber in die Luft gehaucht und auf seiner Stirn erscheint die Zeichnung eines kleinen Halbmondes)
(Die Mondin erhebt sich mit einem feinen Lächeln und wendet sich um, erneut zum Adler werdend und ins Dunkel fortfliegend. Eine kurze Pause, dann ist eine fröhliche Melodie zu hören und es wird schlagartig hell)
(Menekaner erwacht schließlich)
Seltsam! Was träumt ich? Es taget ja schon.
Nixe und Nymphen von Ferne:
Eile! Der Brief! S’ist nimmer weit!
(er rappelt sich auf und eilt von der Bühne)
Sonne:
Noch lang wird er spüren vom Träumen den Lohn.
Die Wahrheit überdauert seine Zeit.
(Kinderlachen aus dem Off, ein kurzes Nachspiel, ehe das Licht erlischt)
ENDE
Einmal mehr waren die Vorbereitungen gleichermaßen arbeitsreich wie teilweise unstrukturierter, als es der organisatorisch so korrekten Elfe manchmal gewesen war, verlaufen. Dass sie freilich selber noch den Part der Nixe übernehmen würde, war eigentlich nicht geplant. So musste die Harfenbegleitung ein wenig knapper ausfallen, schließlich konnte sie schlecht mit dem Instrument tauchen gehen und musste sich dadurch mehrfach umkostümieren. Doch, da war sich die Künstlerin sicher, der Applaus des Publikum machte jene Mühen vergessen und schon kreisten ihre Ideen um die Umsetzung des nächsten Tages der Muse. Es würde dieses Mal etwas einfacheres werden. Das würde ihr Zeit für den Krieg und eine größere Vorführung in weiterer Ferne ermöglichen. Mit einem feinen Lächeln auf den Zügen tauchte sie die Feder in die Tinte, um die ersten Zeilen zu schreiben.
Doch am gestrigen Tage fand ein anderes denkwürdiges Ereignis statt, welches einem ganz anderen politischen Ziel diente. Sie hatte mit der ersten öffentlichen Theateraufführung in Ered Luin gleich zwei Dinge getan: Ihr Volk vor dem Vergessen werden bewahrt, da sich viele Gesichter nach Ered Luin wandten. Außerdem einen Eindruck von Kunst und Harmonie in die Welt getragen und - so hoffte sie zumindest - den Menschen damit einen Blick aus einer anderen Perspektive auf das Sein gewährt. In jenen Momenten fanden ihre Seelen Ruhe und ihr eiliger Alltag war weit von ihnen gerückt.
Mia und Sharina - sie würden von ihren Erlebnissen berichten in Ered Luin. Und sie würden so, ohne sich dem wahrhaft bewusst zu sein, ebenso dafür sorgen, dass die Elfen in den Gedanken der Menschen verblieben und die Mysterien ihres Volkes für Staunen und Faszination sorgten.
Sie setzte sich auf das Dach des Theaters und betrachtete die leeren Ränge und die Bühne. Dann schloss sie die Augen und ließ das Stück noch einmal vor ihrem inneren Auge Revue passieren.
Ôlocúrun - Mondentraum
Besetzung:
Erzählerin/ Mondin/ Sonne/ Quellnixe - Lamentinu Celebren
Zigeunerin - Sharina Faris
Menekaner - Lu'araiel
Mondenkind - Mia Mailinn Faris
Sonnenkind - Rilya
2 Waldnymphen - Shaera Raw'Bronadui, Falculon
Akt I
(Erzählerin verborgen, Zigeunerin auf Bühne)
Erzählerin
Eine alte Legende, vergessen fast schon,
erzählte von einer Zigeunerin.
Sie war voller Liebe zu einem Wüstensohn,
betört, nur er war ihr im Sinn.
Doch wie sollt sie erreichen,
dass er sie wohl begehrt?
Sein nobles Herz ihm erweichen,
war er doch wohl gelehrt.
Ratlos zog sie durch die Nacht
Und so bat sie den Mond,
der beschien sie so sacht,
und dem ein Zauber innewohnt.
Zigeunerin:
„Oh Mondin, Mutter der Nacht.
Trage weiter mein Herzensfleh’n.
Wenn du hälst die stille Wacht,
lass ihn meine Liebe seh’n.
Lass ihn spüren, wie ich singe,
wenn an seinen Blick ich denk‘.
Oh mein Herz, es mir zerspringe,
wenn ich meine Lieb‘ ihm schenk!“
Mondin:
Einen Traum will ich ihm schicken,
der ihn bald schon zu dir führt.
Wird er dich sodann erblicken,
er auch selbst die Liebe spürt.
Doch, als Pfand das Kind soll dienen,
was als erstes du ihm schenkst.
Zigeunerin:
Wohl bin ich von Glück beschienen,
doch hart der Handel, den du bedenkst.
Dennoch stimm ich zu.
Mondin:
Begib dich nun zur Ruh.
(gen Publikum) Zigeunerin: (sich abwendend, zu sich)
Wer sein Kind hinfort nur gibt, Bald schon er mich wahrhaft liebt!
um nicht mehr allein zu sein. Bald bin ich nicht mehr allein.
Der hätt‘ es niemals wohl geliebt, Mondin, gut, dass es dich gibt,
die Sinne kalt wie Marmorstein. Ich bade mich in deinem Schein.
Zigeunerin: (zur Mondin sich wendend)
Doch Mondin, sag, was willst du tun
Mit einem Kind aus Fleisch und Blut?
Es kann dir keine Dienste tun
Und dir nicht schenken seine Glut.
Kein Mann dich je zur Frau erhebt,
voll Lieb‘ dich anblickend erbebt.
(Mondin legt lächelnd einen Finger auf die Lippen und bedeutet ihr zu schweigen, Zigeunerin ab)
(Licht auf rechtem Teil der Bühne – Menekaner ruht dort schlafend mit einem Brief neben dem Lager)
Mondin: (Harfenspiel, beugt sich schließlich vor und streicht durch die Luft, als wenn sie seine Wange liebkosen würde, ihn lächelnd betrachtend, als er schließlich davon erwacht und sich eben dort an die Wange fasst)
Menekaner:
Wie wundersam hab ich geträumt?
Welche zarte Zauberhand
Mich berührt, Wüstenblume, dich bestäubt
Niemand, mir knüpfst du dein Band!
Ungepflückt werd ich dich retten
Vor der rüden Männerwelt.
Spreng‘, mein Lieb, nur alle Ketten,
geb dir Früchte, Schmuck und Geld!
(Menekaner ab, taucht während der nächsten Strophe Hand in Hand mit der Zigeunerin auf, in der Bühnenmitte wendet sie sich ab, nimmt eine in Leinen gewickelte Puppe unter ihrer Kleidung hervor und dreht sich mit der Puppe im Arm zurück zu ihm)
Erzähler:
Es geschah wie beschieden
Und so knüpften sie ihr Band.
Aus dem Blute heißem Sieden
Bald gebar der Mondin Pfand.
Menekaner (tobend)
Elende! Was ist das?
Ein Kind mit blasser Haut?
Ich fass es nicht, ein Bastard!
Hast in die Augen ihm geschaut?
Blau! Das ist kein Wüstenkind!
Hast mich hintergangen!
Ich – eines Bauern Kuckuckskind
Mir habe eingefangen!
(Fasst sie)
Sag bei meiner Ehre! Wer der Vater ist?
Die Schande werd ich rächen! Welche heimtückische List!
(sie schweigt)
Du schweigst. Ich versteh.
Du willst ihn schützen.
Verschwinde! Fort nur geh.
Bei Eluive, das wird nichts nützen.
(zieht seinen Dolch)
Zigeunerin (in Todesangst)
Nicht! Halt ein!
Menekaner:
Bald werd ich reingewaschen sein.
(ersticht sie)
Das falsche Blut vergossen nun,
niemals mögst in Frieden ruh’n!
(er packt das Baby)
Im Mondschein hab ich sie erblickt,
im Mondschein seist du fortgeschickt!
(legt es am hinteren Bühnenrand ab, tritt dann zum Teich, wäscht sich ausführlich die Hände und verharrt dort eine Weile trauernd, ehe er abgeht)
Mondin:
Meine Tochter! Sie kannt‘ die Liebe nicht,
denn nur, wer sät, kann ernten.
Nur was gepflegt wird, wächst.
Ich gebe auf dich Acht.
Bescheine dich ganz sacht
Mit meinem ganzen Licht.
Nur eine Sichel will ich sein
Und dich zärtlich wiegen.
Wenn du fühlst dich leer, allein,
bis die Tränen versiegen.
Akt II
2 Waldnymphen:
Kind des Mondes tanz mit uns,
mach dir keine Sorgen.
Kind des Mondes, sing ein Lied,
denke nicht an Morgen.
Quellnixe:
Kind des Mondes, trinke nur,
fühl das Wasser frisch.
Wenn du hungerst reich ich dir
Frisch gefangnen Fisch.
Mondenkind:
Ja, ich bin ein Mondenkind,
alle wachen über mich.
Kann schon laufen wie der Wind,
tagsüber, da schlafe ich.
Nachts, da teil ich Träume aus,
an die, die sich verirren.
Nette führe ich nach Haus,
böse tu ich weiter verwirren.
Kobold, Fee und Waldesgeist,
tanzen mit mir im Reigen.
Bin auch das Flüstern, dass du’s weißt,
im Winde zwischen den Zweigen.
1. Waldnymphe:
Komm mein Kind und spiel mit mir,
ich zeig dir die Blüten.
Schau, wie hier ein Krabbeltier
Lässt sich von ihr behüten.
2. Waldnymphe:
Lass den Käfer, schau nur her!
Hier ein Eichhorn flitzt.
Der Schlange weg, sie hinterher,
doch’s Eichhorn ist zu gewitzt.
Wassernixe:
Schau lieber ins Wasser hinein,
hier gibt’s viel zu entdecken.
Schau, die Muscheln, groß und klein,
und hier! Die Wasserschnecken.
Menekaner (von der anderen Seite den Wald betretend)
Ein Brief an eine Eledhrim,
gar lieblich soll sie sein.
So finde ich mich ein
In diesen unwegsamen Wald,
wo jeder Schritt gar seltsam hallt
und wirr der Lichter Schein.
Schon spät die Nacht,
ich werde ruh’n und morgen weiter schauen.
Der Mond nur hält noch seine Wacht,
matt schimmern Seen und Auen.
(legt sich nieder)
Waldnymphe 2:
Psst! Ein Schläfer! Weckt ihn nicht!
Waldnymphe 1:
Wirkt friedlich, scheint kein Bösewicht.
Mondenkind:
Ein Träumer? Ihn will ich beschenken.
An der Mondin holder Pracht soll er nun denken.
(Mondin summt zu Harfenklang)
(Menekaner schreckt schließlich auf)
Diese Augen!
(die Nymphen kiechern)
Mondenkind:
Sie gefällt ihm, dacht‘ ich’s mir.
Menekaner (ernst, nachdenklich):
Der Blick – schon einmal sah ich ihn.
Und zwar – in einer Zigeunerin.
Mondenkind:
Nanu? Wie das? Der Mann spricht wirr.
Mondin: (leise)
Komm meine Tochter, und gräm dich nicht,
lass ihn phantasieren.
Wohl kann ein hübsches Weibsgesicht
So manchen Mann verwirren.
(Mondenkind schüttelt mit dem Kopf, tritt neugierig zwischen den Bäumen hervor)
Menekaner: (erschrickt)
Wehe! Geister sehe ich.
Welche Schrecken hausen hier?
Mondenkind:
Ach, die kaum bedrohen dich.
Die gehören wohl zu mir.
Menekaner (mustert das Mädchen verwirrt)
(erneut kiechern die Waldnymphen)
Verschwinde mit deinem Spuk!
(läuft in dessen Richtung, will ihn verscheuchen, dabei nahe ans Ufer kommend)
(Wassernixe taucht auf und spritzt ihn nass)
Lass das Mädchen in Ruh!
Menekaner (sich nach der Quelle der unfreiwilligen Dusche umsehend)
Alles Lüg hier und Trug!
(will einen Stein aufheben und ihn nach der Nixe werfen)
Waldnymphen
Unheil lassen wir nicht zu.
(Ranken winden sich um die Füße des jungen Menekaners, ziehen sie ihm weg, so dass er rücklings ins Gras fällt – der Stein fliegt daher eher unkoordiniert irgendwo ins Wasser)
Menekaner
Weh! Der Wald ist gegen mich!
Raubt mir den Verstand.
Versetzt dem Herze mir den Stich,
nimm fort die Geisterhand.
(unterdessen ist das Mondenkind herangetreten und will ihm beruhigend die Hand auf die Schulter legen- ob der harrschen Zurückweisung verschwindet es jedoch zwischen den Bäumen, die Nymphen nehmen sich seiner an)
Akt III
(der Wald ist verschwunden, der Menekaner ruht in selbiger Pose direkt auf der Bühne; Beleuchtungsfokus auf der Mondin und ihm, nur ein einzelner Baum steht als Bühnenattrappe dort)
Mondin: (sanft)
Schweige und lausche dem meinigen Lied.
Lass dir die Sinne entführen.
Greife nicht nach dem, was hier nachts geschieht,
lass nur dein Herz es erspüren.
(Menekaner wird ruhiger und blickt sich nach der Stimme um, Mondin singt sanfte Einwürfe)
Menekaner:
Welche Sirene so lieblich zart singt?
Ich will ergründen den Klang.
(Mondin lässt sich vom Dach fallen, verwandelt sich in einen Adler, fliegt nah an seinem Kopf vorbei und landet für ihn verborgen hinter dem Baum)
Menekaner:
Ob jener Adler mich zu jener bringt?
Mondin:
Folge nur meinem Gesang.
(sie tritt hinter dem Baum hervor, der Menekaner bestaunt sie ganz baff)
Menekaner:
Bei den Göttern! Was für ein Geschöpf bist du?
(er will sie anfassen, ihr über das Gesicht streichen, sie weicht ihm aus)
Mondin:
Ich will es nunmehr dir berichten.
Bette dein Haupt mir im Schoße zur Ruh,
dann wird der Nebel sich lichten.
(sie lässt sich nieder, er tut wie ihm geheißen)
(während ihres Gesanges zieht Nebel auf um die beiden und es bleibt nur eine schwache Kerze)
Zu der Zeit, als die Götter teilten
Die Stunden in Tag und in Nacht.
Zwei Schwestern in Himmelsweiten
Sich teilten die ewige Wacht.
(sie erhebt sich, ihr Kleid wechselt die Farbe)
Des Tages die Sonne die Erde bestrahlte
Und mit ihrem güldenen Schein
Ein Lächeln auf vielerlei Antlitze malte,
als Hilfe um glücklich zu sein.
(Kleid nimmt wieder die Ursprungsfarbe an)
Des Nachts trat die Mondin ins himmlische Zelt,
um Sehnenden Hoffnung zu spenden.
Bestrahlte nur matt die verschlafene Welt,
um Traute den Einsamen zu senden.
(Sonnenfarbe, Sonnenkind tritt auf, um fröhlich über die Bühne zu hüpfen, piekst auf dem Weg zum Abgang den einen oder anderen (elfischen) Zuschauer in die Seite)
Doch schließlich die Sonne ein Töchterchen fand
Vom Morgenstern ihr überbracht.
Es ward in die Welt bald hinab wohl gesandt
Um die Wesen zu kitzeln gar sacht
Mit neckischem Liste, auf dass Heiterkeit
In ihrem Gemüte sich stärker macht‘ breit.
(Sonnenkind ab, Mondenfarbe)
Die Mondin hingegen schaut‘ weiter allein
Hinab auf die hoffenden Seelen.
Vielleicht könnt‘ auch ihr wohl ein zart‘ Kindelein
Nachts helfen die Sorgen zu stehlen?
(Mondenkind kommt zu Mondin)
Durch dich ging des Lebens zerbrechlicher Hauch
Wohl ein in den meinen Hoffnungsbringer.
Sie schenkte dir einen ihrer süßen Träume auch,
fürchte nicht ihre bleichen, schmalen Finger.
(Mondenkind deckt den Vater während der letzten Strophe mit einer schimmernden, mit Sternen bestickten Decke zu, Mondin tritt zum Vater)
(Sonnenkind während der nächsten Zeilen auf zu Mondenkind, beide in vorderer Bühnenmitte)
Doch, wenn der Mond auch bei Tage erscheint,
dann ist der Himmelskinder Zeit.
Wenn sich das Licht mit den Träumen vereint,
strahlt gleichsam Glücksseeligkeit.
(Die Kinder klatschen einmal in die Hände und schlagen ihre rechten und ihre linken Hände überkreuz aneinander, ehe sie beide Hände geradlinig aufeinanderschlagen, dies einmal durchführend, ehe sie es als Untermalung für die folgende Strophe nutzen)
Sonnenkind und Mondenkind:
Sonne, Mond und Sterne,
wir zieh’n mit euch um die Welt.
Wir blicken in die Ferne,
und tun was uns gefällt.
(sie unterlassen ihr Spiel, verharren kurz und fassen sich gegen Ende der Strophe der Mondin an den Händen, um danach tanzend im Kreis zu hüpfen)
Mondin:
Wenn in der Nacht Sternenschweife hell funkeln,
auch sich die Kinder wohl einen.
Nichts kann die Wünsche, die reinen,
besser erfüllen, so hört man munkeln.
Sonnenkind und Mondenkind:
Die Haare, sie fliegen im Sternschnuppentanz
Hui, hui! Schau, wer ist da erwacht?
Da hat wohl der funkelnde Sternschnuppenglanz
Ein fröhliches Feuer entfacht!
(sie lassen eine Hand los und hüpfen lachend und Händchen haltend von der Bühne, Menekaner schlägt die Augen auf und blinzelt verschlafen, ihnen ganz benommen hinterherblickend)
Menekaner:
Schein und Wirklichkeit, was soll ich glauben?
Doch hat das Lachen mich berührt.
Mondin:
Lass dir noch einmal die deinen Sinne rauben,
dann werden sie neu dir geführt.
(sie kniet sich zu ihm und legt ihm beruhigend die Hand auf die Schulter, er schließt sogleich ergeben die Augen)
Mondin: (sprechend)
Sanft sei dein Schlummer und wenn Morgenlicht dein Antlitz dir streichelt, dann ein Traum alles dir erscheine, seit du von der Zigeunerin hast geträumt.
Von jenem Moment bis zur Mondin sanften Kuss eine Nacht nur hast versäumt.
(sie beugt sich über ihn und es scheint, als würde sie ihm auf die Stirn küssen – doch stattdessen wird der Kuss darüber in die Luft gehaucht und auf seiner Stirn erscheint die Zeichnung eines kleinen Halbmondes)
(Die Mondin erhebt sich mit einem feinen Lächeln und wendet sich um, erneut zum Adler werdend und ins Dunkel fortfliegend. Eine kurze Pause, dann ist eine fröhliche Melodie zu hören und es wird schlagartig hell)
(Menekaner erwacht schließlich)
Seltsam! Was träumt ich? Es taget ja schon.
Nixe und Nymphen von Ferne:
Eile! Der Brief! S’ist nimmer weit!
(er rappelt sich auf und eilt von der Bühne)
Sonne:
Noch lang wird er spüren vom Träumen den Lohn.
Die Wahrheit überdauert seine Zeit.
(Kinderlachen aus dem Off, ein kurzes Nachspiel, ehe das Licht erlischt)
ENDE
Einmal mehr waren die Vorbereitungen gleichermaßen arbeitsreich wie teilweise unstrukturierter, als es der organisatorisch so korrekten Elfe manchmal gewesen war, verlaufen. Dass sie freilich selber noch den Part der Nixe übernehmen würde, war eigentlich nicht geplant. So musste die Harfenbegleitung ein wenig knapper ausfallen, schließlich konnte sie schlecht mit dem Instrument tauchen gehen und musste sich dadurch mehrfach umkostümieren. Doch, da war sich die Künstlerin sicher, der Applaus des Publikum machte jene Mühen vergessen und schon kreisten ihre Ideen um die Umsetzung des nächsten Tages der Muse. Es würde dieses Mal etwas einfacheres werden. Das würde ihr Zeit für den Krieg und eine größere Vorführung in weiterer Ferne ermöglichen. Mit einem feinen Lächeln auf den Zügen tauchte sie die Feder in die Tinte, um die ersten Zeilen zu schreiben.
- Lamentinu Celebren
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- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Offensichtlich hatte die Inszenierung in Ered Luin ihre Wirkung hinterlassen. Die Menschen baten sie um eine Inszenierung auf ihrem Herbstfest. Sie war nicht abgeneigt, deren Wunsch zu erfüllen und ihnen einmal mehr ein wenig Kunst näher zu bringen. Natürlich hatten einmal mehr ein eher vages Kunstverständnis bewiesen und gerade die Unruhe im Publikum zu Beginn störte sie immens in ihrem Kunstempfinden. Und natürlich dachte man auch nicht daran, den Künstlern zu danken oder Wasser hinter der Bühne bereit zu stellen. Doch sie musste sich eingestehen, dass sie trotz all jener wideren Umstände gerne inszeniert hatte. Es war schlicht die reine Freude an der Kunst. Und so war sie schließlich genauso ungesehen gegangen, wie sie gekommen war.
Ode des Windes
-zum Herbstfest der Allianz-
Luftgeist:
Ssscccchhhht!
Ensemble:
Sssccchhhhht!
Luftgeist:
Lauscht der Winde Säuseln leise,
hört der Blätter Rascheln, schweigt!
Hört von einer alten Weise,
wenn das Jahr sich langsam neigt
und der Bäume Früchte Duft
füllt des Herbstes klare Luft.
Kind:
Ui, wie rot die Äpfel sind!
Gleich will ich mir welche pflücken.
Dann lauf ich nach Haus geschwind!
Die Mama werden sie verzücken.
*düst mit einem Korb voller Äpfel von der Bühne ins Publikum hinein*
Mama!
Mutter (im Plenum):
Ja?
Kind:
Schau, was ich gepflückt hab dir!
Mutter:
Oh, die wohl gefallen mir.
Teil sie doch den Leuten aus,
das wird wohl ein wahrer Schmaus!
(Kind nickt eifrig und verteilt die Äpfel im Publikum)
Dryade 1:
(kichernd) Sie ahnt es nicht.
Dryade 2:
(ebenso kichernd): Sie werden sehen.
Zentaure:
Wenn der Wind spricht,
werden sie verstehen.
Im Garten der Klänge
Ein Apfelbaum wächst.
Der Geister Gesänge
Ihn haben verhext.
Luftgeist:
(summt zunächst geheimnisvoll, ehe die eigentliche Strophe beginnt)
Zu der Zeit, als die Erde noch tagte
Waren Luft, Wasser, Feuer und Erde
Die Essenz, nichts vergleichbar im Sein.
Eine Macht, die all das überragte,
was beeindruckt heut‘ als Wiederschein.
Wo geboren mein Geist einst da werde
Jeder spüren, der zu kosten wohl wagte,
wie der Wind seinen Körper durchfährt
und er alsdann seinen Tanz wild begehrt.
(tritt vor in dem Wipfel, breitet die Arme aus, das Kleid und die Haare wehen im Wind, die anderen Waldwesen singen Einwürfe aus dem Verborgenen, wie Echos)
Spüre die Leichtigkeit!
Dryade 1: die Leichtigkeit,
Dryade 2: die Leichtigkeit!
Fühl dich befreit!
Dryade 2: Sei bereit!
Dryade 1: Alle Zeit!
Strömet herbei!
Zentaure: Es bebt die Brust!
Alle zusammen: Fühlt euch frei!
(Luftgeist reißt die Arme hoch und breitet seine bis dahin verborgenen Adlerschwingen aus, während er schnelle Koloraturläufe zu singen beginnt, in die die anderen Naturgeister sequenziert als vielstimmige Echos mit einstimmen, die Apfelträger und wer sonst noch Lust hat sollte, durch tatkräftiges Zerren und Gestikulieren von Kind und Mutter unterstützt, vorkommen)
Luftgeist:
Im Frühjahr erster Wind sich zärtlich erhebt,
Dryade 1: säuselnd leis,
Dryade 2: gleich des Atem sanften Hauchs!
Jeder Schritt scheinbar leicht über Berg und Tal weg schwebt.
Dryade 1: wie weiße Federn
Dryade 2: noch aus weichem, zarten Flaum.
(Luftgeist balanciert bei den 2 Versen aus dem Baum auf die Bühne)
Im Sommer er edel, warm und fröhlich sich wiegt (Ballett tanzend)
Dryade 2: wie ein Kuss,
Zentaure: der das Herz euch erwärmt.
Gleichsam kühlend frisch er sich an die Glieder schmiegt
Dryade 1: als ein Freund,
Zentaure: der bedingungslos liebt.
(aufbrausend, durch die Menge tanzend, Waldgeister werfen Laub gen Luftgeist, welcher jenes durch das Gewirbel in alle Winde verteilt)
Im Herbst zeigt er sich stürmisch, ungezügelt und wild!
Dryade 1: Springend,
Dryade 2: drehend,
Zentaure: ungebändigt,
alle drei: ein stolzes Ross!
Immer neu, gleich dem Phönix, noch in Flammen gehüllt.
Dryade 1 und 2: Niemals ruhend,
Zentaure: stetig lodernd,
Alle 3: heiß entbrannt
Hört auf das Sehnen, spürt das Pulsieren, das die Adern durchfährt,
Dryade 1: hitzig,
Dryade 2: lockend,
Zentaure: unermüdlich,
alle 3: ein tosender Fluss!
Mal stöhnend, ächzend, die Bäume maternd, eh er polternd wiederkehrt:
Dryade 1: Blitz
Zentaure: und Donner,
Dryade 2: Sturm
Zentaure: und Hagel,
Zentaure: Natur-
Dryade 2: Natur-
Dryade 1: Natur-
Luftgeist: Natur-
Alle 4: gewalt!
(ein wenig währt der Tanz noch, dann verharrt der Luftgeist mittig und reglos, die Dryaden untermalen mit leisen, säuselndem Aaaaa die Winterstrophe)
Im Winter er zerschneidet voller Kälte das Herz,
Zentaure: unerbittlich, ohne Gnade, erstarrt wie Eis.
Bringt Frost und hohles Seufzen, trägt tiefen Seelenschmerz.
Zentaure: bedeckt das Leben mit einem Hauchen, quälend leis‘.
(sie ziehen sich zurück)
Luftgeist:
Doch grämt euch nicht,
Frühling wird wieder erwachen,
Hört stets die Seele, wenn sie spricht.
Tobt durch den Herbst nun
Mit Tanz und mit Lachen,
fern ist die Zeit noch zu ruh’n.
Fern, in den Wipfeln, der Wind weitersingt.
Erinnert euch, wenn er all hier nun verklingt.
(Nachspiel)
Ende
[img]http://img140.imageshack.us/img140/44/uo0004h.jpg[/img]
Ode des Windes
-zum Herbstfest der Allianz-
Luftgeist:
Ssscccchhhht!
Ensemble:
Sssccchhhhht!
Luftgeist:
Lauscht der Winde Säuseln leise,
hört der Blätter Rascheln, schweigt!
Hört von einer alten Weise,
wenn das Jahr sich langsam neigt
und der Bäume Früchte Duft
füllt des Herbstes klare Luft.
Kind:
Ui, wie rot die Äpfel sind!
Gleich will ich mir welche pflücken.
Dann lauf ich nach Haus geschwind!
Die Mama werden sie verzücken.
*düst mit einem Korb voller Äpfel von der Bühne ins Publikum hinein*
Mama!
Mutter (im Plenum):
Ja?
Kind:
Schau, was ich gepflückt hab dir!
Mutter:
Oh, die wohl gefallen mir.
Teil sie doch den Leuten aus,
das wird wohl ein wahrer Schmaus!
(Kind nickt eifrig und verteilt die Äpfel im Publikum)
Dryade 1:
(kichernd) Sie ahnt es nicht.
Dryade 2:
(ebenso kichernd): Sie werden sehen.
Zentaure:
Wenn der Wind spricht,
werden sie verstehen.
Im Garten der Klänge
Ein Apfelbaum wächst.
Der Geister Gesänge
Ihn haben verhext.
Luftgeist:
(summt zunächst geheimnisvoll, ehe die eigentliche Strophe beginnt)
Zu der Zeit, als die Erde noch tagte
Waren Luft, Wasser, Feuer und Erde
Die Essenz, nichts vergleichbar im Sein.
Eine Macht, die all das überragte,
was beeindruckt heut‘ als Wiederschein.
Wo geboren mein Geist einst da werde
Jeder spüren, der zu kosten wohl wagte,
wie der Wind seinen Körper durchfährt
und er alsdann seinen Tanz wild begehrt.
(tritt vor in dem Wipfel, breitet die Arme aus, das Kleid und die Haare wehen im Wind, die anderen Waldwesen singen Einwürfe aus dem Verborgenen, wie Echos)
Spüre die Leichtigkeit!
Dryade 1: die Leichtigkeit,
Dryade 2: die Leichtigkeit!
Fühl dich befreit!
Dryade 2: Sei bereit!
Dryade 1: Alle Zeit!
Strömet herbei!
Zentaure: Es bebt die Brust!
Alle zusammen: Fühlt euch frei!
(Luftgeist reißt die Arme hoch und breitet seine bis dahin verborgenen Adlerschwingen aus, während er schnelle Koloraturläufe zu singen beginnt, in die die anderen Naturgeister sequenziert als vielstimmige Echos mit einstimmen, die Apfelträger und wer sonst noch Lust hat sollte, durch tatkräftiges Zerren und Gestikulieren von Kind und Mutter unterstützt, vorkommen)
Luftgeist:
Im Frühjahr erster Wind sich zärtlich erhebt,
Dryade 1: säuselnd leis,
Dryade 2: gleich des Atem sanften Hauchs!
Jeder Schritt scheinbar leicht über Berg und Tal weg schwebt.
Dryade 1: wie weiße Federn
Dryade 2: noch aus weichem, zarten Flaum.
(Luftgeist balanciert bei den 2 Versen aus dem Baum auf die Bühne)
Im Sommer er edel, warm und fröhlich sich wiegt (Ballett tanzend)
Dryade 2: wie ein Kuss,
Zentaure: der das Herz euch erwärmt.
Gleichsam kühlend frisch er sich an die Glieder schmiegt
Dryade 1: als ein Freund,
Zentaure: der bedingungslos liebt.
(aufbrausend, durch die Menge tanzend, Waldgeister werfen Laub gen Luftgeist, welcher jenes durch das Gewirbel in alle Winde verteilt)
Im Herbst zeigt er sich stürmisch, ungezügelt und wild!
Dryade 1: Springend,
Dryade 2: drehend,
Zentaure: ungebändigt,
alle drei: ein stolzes Ross!
Immer neu, gleich dem Phönix, noch in Flammen gehüllt.
Dryade 1 und 2: Niemals ruhend,
Zentaure: stetig lodernd,
Alle 3: heiß entbrannt
Hört auf das Sehnen, spürt das Pulsieren, das die Adern durchfährt,
Dryade 1: hitzig,
Dryade 2: lockend,
Zentaure: unermüdlich,
alle 3: ein tosender Fluss!
Mal stöhnend, ächzend, die Bäume maternd, eh er polternd wiederkehrt:
Dryade 1: Blitz
Zentaure: und Donner,
Dryade 2: Sturm
Zentaure: und Hagel,
Zentaure: Natur-
Dryade 2: Natur-
Dryade 1: Natur-
Luftgeist: Natur-
Alle 4: gewalt!
(ein wenig währt der Tanz noch, dann verharrt der Luftgeist mittig und reglos, die Dryaden untermalen mit leisen, säuselndem Aaaaa die Winterstrophe)
Im Winter er zerschneidet voller Kälte das Herz,
Zentaure: unerbittlich, ohne Gnade, erstarrt wie Eis.
Bringt Frost und hohles Seufzen, trägt tiefen Seelenschmerz.
Zentaure: bedeckt das Leben mit einem Hauchen, quälend leis‘.
(sie ziehen sich zurück)
Luftgeist:
Doch grämt euch nicht,
Frühling wird wieder erwachen,
Hört stets die Seele, wenn sie spricht.
Tobt durch den Herbst nun
Mit Tanz und mit Lachen,
fern ist die Zeit noch zu ruh’n.
Fern, in den Wipfeln, der Wind weitersingt.
Erinnert euch, wenn er all hier nun verklingt.
(Nachspiel)
Ende
[img]http://img140.imageshack.us/img140/44/uo0004h.jpg[/img]
Zuletzt geändert von Lamentinu Celebren am Sonntag 8. November 2009, 22:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Nuria Mondin
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- Lamentinu Celebren
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Ihre Gedanken gingen schnell in diesen Tagen. Mit der Rückkehr der Klingentänzerin hatte eine Camderithol einzug in ihre Reihen erhalten - eine militärische, ausführende Hand. Auf eine gewisse Art und Weise hatte sie das Gefühl, dass sich eine Last von ihrer Schulter befreite, auch wenn sie sich sorgte um die Zukunft ihres Volkes. Sie war die Camvaethol - und nunmehr brauchte es neue Visionen, neue Träume, die ihr Volk weiterführte. Immer wieder schweiften ihre Gedanken ab. Eine feine Melodie war es, die sie verfolgte, sie konnte sie nicht so recht einordnen. Und doch kam sie ihr unendlich bekannt vor. Was war es, was sie da vernahm?
Die Sonne war schon längst untergegangen. Versonnen saß sie auf ihrer Terasse und blickte hinauf in den Sternenhimmel. Doch auch er konnte ihr keine Antwort geben.
Sie schloss die Augen und die Melodie schien lauter zu werden. Wunderschön war sie - und doch klang sie fern, dumpf. Wo konnte die Melodie wurzeln? Schließlich verstand sie. Es war die Melodie, die in allem steckte. Die gemeinsame Grundmelodie, das, was alles einte, die schöpfende Stimme Eluives. Und sie verstand, dass sie nur einen Bruchteil dessen erahnte, was da wirklich klang. Was würde geschehen, wenn sie jene Melodie verstehen, mitspielen könnte? Keinen reineren Klang als diesen konnte es auf dieser Welt geben. Wie nahe konnte sie diesem Klang kommen? Jedes Wesen, dass diesen Ursprung erneut vernehmen würde, müsste sich seiner Bestimmung entsinnen und jede Blendung müsste von ihm fallen.
Viele Jahre schon dauerte der Konflikt zu den gefallenen Brüdern an. Doch hatten sie jemals ein Mittel gefunden, den Fluch von ihnen zu nehmen? War es nicht besser, sie von ihrem Fluch zu befreien als sie immer und immer wieder zu bekämpfen und damit selber Hass in die eigene Seele dringen zu lassen? Der Gedanke lies sie nicht mehr los. Eine endgültige Lösung, war sie auch schwer zu erreichen - doch es war DIE Lösung, aller Vergiftungen Alatars Herr zu werden. Sie musste sie einfach erforschen. Finden. Für ihr Volk.
Sie ging zu Shalaryls Baumhaus - oder besser flog sie hinein, einmal mehr war es ihr Seelentier, dass ihr die wackelige Leiter ersparte. Nicht lang war das Schreiben, was sie der langjährigen Freundin hinterlies.
"Geb Acht auf die Unseren. Ich werde wiederkehren, wenn ich gefunden habe, was ich suchte. Du wirst mich nicht lange missen müssen, nur einen Wimpernschlag im Verhältnis zur Ewigkeit. Doch ich werde eine Melodie mit mir tragen, die reinigen kann, was einst verdorben. Habe vertrauen."
Eine silberne Haarsträhne verschloss die kleine Pergamentrolle, welche ausnahmesweise vollkommen schlicht und ohne jegliche Schnörkel war - auch wenn die einzelnen Schriftzeichen durchaus sorgfältig und elegant geschwungen gesetzt worden waren.
Erneut breitete sie ihre Schwingen aus und flog durch die Nacht - auf der Suche nach dem Ort, an dem der erste Ton des Weltenliedes erklang.
Die Sonne war schon längst untergegangen. Versonnen saß sie auf ihrer Terasse und blickte hinauf in den Sternenhimmel. Doch auch er konnte ihr keine Antwort geben.
Sie schloss die Augen und die Melodie schien lauter zu werden. Wunderschön war sie - und doch klang sie fern, dumpf. Wo konnte die Melodie wurzeln? Schließlich verstand sie. Es war die Melodie, die in allem steckte. Die gemeinsame Grundmelodie, das, was alles einte, die schöpfende Stimme Eluives. Und sie verstand, dass sie nur einen Bruchteil dessen erahnte, was da wirklich klang. Was würde geschehen, wenn sie jene Melodie verstehen, mitspielen könnte? Keinen reineren Klang als diesen konnte es auf dieser Welt geben. Wie nahe konnte sie diesem Klang kommen? Jedes Wesen, dass diesen Ursprung erneut vernehmen würde, müsste sich seiner Bestimmung entsinnen und jede Blendung müsste von ihm fallen.
Viele Jahre schon dauerte der Konflikt zu den gefallenen Brüdern an. Doch hatten sie jemals ein Mittel gefunden, den Fluch von ihnen zu nehmen? War es nicht besser, sie von ihrem Fluch zu befreien als sie immer und immer wieder zu bekämpfen und damit selber Hass in die eigene Seele dringen zu lassen? Der Gedanke lies sie nicht mehr los. Eine endgültige Lösung, war sie auch schwer zu erreichen - doch es war DIE Lösung, aller Vergiftungen Alatars Herr zu werden. Sie musste sie einfach erforschen. Finden. Für ihr Volk.
Sie ging zu Shalaryls Baumhaus - oder besser flog sie hinein, einmal mehr war es ihr Seelentier, dass ihr die wackelige Leiter ersparte. Nicht lang war das Schreiben, was sie der langjährigen Freundin hinterlies.
"Geb Acht auf die Unseren. Ich werde wiederkehren, wenn ich gefunden habe, was ich suchte. Du wirst mich nicht lange missen müssen, nur einen Wimpernschlag im Verhältnis zur Ewigkeit. Doch ich werde eine Melodie mit mir tragen, die reinigen kann, was einst verdorben. Habe vertrauen."
Eine silberne Haarsträhne verschloss die kleine Pergamentrolle, welche ausnahmesweise vollkommen schlicht und ohne jegliche Schnörkel war - auch wenn die einzelnen Schriftzeichen durchaus sorgfältig und elegant geschwungen gesetzt worden waren.
Erneut breitete sie ihre Schwingen aus und flog durch die Nacht - auf der Suche nach dem Ort, an dem der erste Ton des Weltenliedes erklang.
Zuletzt geändert von Lamentinu Celebren am Dienstag 1. Juni 2010, 01:09, insgesamt 1-mal geändert.
- Lamentinu Celebren
- Beiträge: 1105
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Ein Ton. Ein Schrei. Ein Klang, zerbrechlich und ungeheuer stark zugleich. Der physische Ort war nicht von Belang.
Sie war angekommen. Doch ganz anders als erwartet.
Der Ursprung liegt nicht auf einem Stein. Oder im Wasser. Er liegt in den Tiefen der Seele. Die Essenz des Seins ist es, die die Harmonie trägt. Und jedes Ding, jedes Wesen, trägt einen Nachklang. Den Ursprungsklang zu finden, bedeutete, die Klänge aller Dinge zu sammeln.
Und hier lag die erschreckende Erkenntnis: nicht nur der schönen Dinge. Das, was pervertiert ward, trug trotzdem den ersten Grundklang in sich und dieser war genauso von Nöten, um das Ursprüngliche zu rekonstruieren. Als würde man aus einem Orchester voller verstimmter und falsch spielender Instrumente das richtige Werk heraus erkennen müssen. Und dazu als zweite Erkenntnis verstehen, wer alles falsch oder unsauber spielte und diese korrigieren.
Die Theorie klang einfach. Die Praxis ward umso komplizierter. Sie musste also die Dissonanz studieren, aller Ohrenschmerzen zum Trotz. Nur wie? Die praktikabelste Lösung wäre es, eine verdorbene Schwester oder einen verdorbenen Bruder in einen Ort voller ihr vertraute Harmonie zu schaffen und die Klänge dort monatelang zu studieren. Doch welcher Lethar würde sich schon mit ihr in den Nebelwald setzen und sie lauschen lassen?
Nach Rahal fliegen und dort zuzuhören funktionierte allerdings nicht. Dort war schließlich eine reinste Kakophonie der Klänge am Werk.. was davon ihrem Studiensubjekt zuzuordnen war - schwer zu sagen. Und falsche Klänge mitten zwischen einem Haufen anderer falscher Klänge zu ordnen - keine Chance.
Vielleicht sollte sie mit etwas Einfachem beginnen. Erde.
Das heilige alatarische Reich war ausreichend groß, als dass dort ein Adler im Wald nicht auffiel. Noch weniger, dort kurz zu landen, ein wenig Erde im Schnabel zu tragen und diese in den Nebelwald zu bringen. Sie zog sich in eine entlegene Ecke zurück und füllte die Erde in eine kleine Kiste - schließlich wollte sie diese nicht beim nächsten Windhauch in alle Winde zerstreuen.
Sie meditierte. Lauschte ganz und gar dem Klang des Waldes - und vor allem der Erde. Zwei Monate lauschte sie nur der Melodie der Erde, sich so intensiv wie nur möglich in diesen versinkend. Dann - öffnete sie das Kistchen. Ihr war bewusst, dass der Grundklang der Erde in der Kiste nicht identisch sein würde - sie war schließlich von anderer Beschaffenheit. Doch es musste Ähnlichkeiten geben. Eine Spur zu haben, nach der man im Klangchaos suchen könnte, würde nicht schaden.
Mit offenem Geist konzentrierte sie sich auf den Klang der Erde. Auf das, was sie da erwartete, war sie allerdings in ihren kühnsten Träumen nicht vorbereitet gewesen. Kreischen, dumpfes Drücken - ihr Herzschlag kam aus dem Takt, ihre Muskeln verkrampften und nach Luft ringend schloss sie das Kästchen.
Sie hielt sich die Ohren zu, ihr Kopf drohte zu zerspringen. Ihre Gedanken schienen wirr, von diesem durchdringenden Chaos übermannt. Bei Eluive - das war... mehr als ein bisschen durcheinander, das war ein Attentat auf die Sinne. Wie sollte sie da irgend etwas erkennen? Und vor allem, ohne dass sie danach vollkommen verwirrt war und selber nicht mehr im Stande, Harmonien zu bilden?
Eine Woche brauchte sie, um sich von der Erfahrung halbwegs zu erholen. Es brauchte einen anderen Ansatz. Der Gesamtklang war zu viel. Sie musste Stück für Stück vorgehen. Nur einzelne Stimmen betrachten und alles andere ausblenden. Diese modifizieren. Aber das überstieg ihre Kräfte im Liedumgang.
Sie brauchte Hilfe. Von ihrem Volk. Es musste einen Weg geben, jeden Strang des Gesamtklangs isoliert nach und nach umzuformen. Es würde lange dauern. Jahrzehnte. Und es war nicht abzusehen, was das Ergebnis sein würde, wenn man einzelne Stränge richtete, andere aber falsch blieben. Oder man den Klang zwar bereinigte - aber nicht ganz den Zielklang traf. Wäre der komplette Prozess verstanden, könnte man alles zur selben Zeit ändern - damit wäre eine Rückwandlung vom Pantherwerk möglich.
Sie nahm sich noch ein paar Tage, um ihre Gedanken zu ordnen. Öffnete immer mal wieder kurz die Schatulle, um sich an einem Element des Klangs festzusetzen. Oder besser: eines eindeutig in dem Wirrwarr zu identifizieren. Nur sehr kurz jeweils, im Anschluss lange den Eindruck im Geiste analysierend. Sie hatte Angst, sich selbst zu sehr zu verderben. Und durch die Gewöhnung verlor der Missklang langsam an Schrecken. Doch auch sie und ihre Musik würden sich ein wenig verändern... sie blickte der Gefahr ins Auge. Doch das war der Preis. Sobald sie die erste Linie rekonstruiert hatte, würde sie heimkehren - die Hoffnung ließ sie immer wieder an Shalaryl, ihre grüne Schwester, denken. Und das Lied des Windes würde ihr das Bild der meditierenden Lamentinu zutragen - mit der wohl unharmonischsten Tonkreation, die sie bislang von ihrer goldenen Freundin je gehört hatte.
Sie war angekommen. Doch ganz anders als erwartet.
Der Ursprung liegt nicht auf einem Stein. Oder im Wasser. Er liegt in den Tiefen der Seele. Die Essenz des Seins ist es, die die Harmonie trägt. Und jedes Ding, jedes Wesen, trägt einen Nachklang. Den Ursprungsklang zu finden, bedeutete, die Klänge aller Dinge zu sammeln.
Und hier lag die erschreckende Erkenntnis: nicht nur der schönen Dinge. Das, was pervertiert ward, trug trotzdem den ersten Grundklang in sich und dieser war genauso von Nöten, um das Ursprüngliche zu rekonstruieren. Als würde man aus einem Orchester voller verstimmter und falsch spielender Instrumente das richtige Werk heraus erkennen müssen. Und dazu als zweite Erkenntnis verstehen, wer alles falsch oder unsauber spielte und diese korrigieren.
Die Theorie klang einfach. Die Praxis ward umso komplizierter. Sie musste also die Dissonanz studieren, aller Ohrenschmerzen zum Trotz. Nur wie? Die praktikabelste Lösung wäre es, eine verdorbene Schwester oder einen verdorbenen Bruder in einen Ort voller ihr vertraute Harmonie zu schaffen und die Klänge dort monatelang zu studieren. Doch welcher Lethar würde sich schon mit ihr in den Nebelwald setzen und sie lauschen lassen?
Nach Rahal fliegen und dort zuzuhören funktionierte allerdings nicht. Dort war schließlich eine reinste Kakophonie der Klänge am Werk.. was davon ihrem Studiensubjekt zuzuordnen war - schwer zu sagen. Und falsche Klänge mitten zwischen einem Haufen anderer falscher Klänge zu ordnen - keine Chance.
Vielleicht sollte sie mit etwas Einfachem beginnen. Erde.
Das heilige alatarische Reich war ausreichend groß, als dass dort ein Adler im Wald nicht auffiel. Noch weniger, dort kurz zu landen, ein wenig Erde im Schnabel zu tragen und diese in den Nebelwald zu bringen. Sie zog sich in eine entlegene Ecke zurück und füllte die Erde in eine kleine Kiste - schließlich wollte sie diese nicht beim nächsten Windhauch in alle Winde zerstreuen.
Sie meditierte. Lauschte ganz und gar dem Klang des Waldes - und vor allem der Erde. Zwei Monate lauschte sie nur der Melodie der Erde, sich so intensiv wie nur möglich in diesen versinkend. Dann - öffnete sie das Kistchen. Ihr war bewusst, dass der Grundklang der Erde in der Kiste nicht identisch sein würde - sie war schließlich von anderer Beschaffenheit. Doch es musste Ähnlichkeiten geben. Eine Spur zu haben, nach der man im Klangchaos suchen könnte, würde nicht schaden.
Mit offenem Geist konzentrierte sie sich auf den Klang der Erde. Auf das, was sie da erwartete, war sie allerdings in ihren kühnsten Träumen nicht vorbereitet gewesen. Kreischen, dumpfes Drücken - ihr Herzschlag kam aus dem Takt, ihre Muskeln verkrampften und nach Luft ringend schloss sie das Kästchen.
Sie hielt sich die Ohren zu, ihr Kopf drohte zu zerspringen. Ihre Gedanken schienen wirr, von diesem durchdringenden Chaos übermannt. Bei Eluive - das war... mehr als ein bisschen durcheinander, das war ein Attentat auf die Sinne. Wie sollte sie da irgend etwas erkennen? Und vor allem, ohne dass sie danach vollkommen verwirrt war und selber nicht mehr im Stande, Harmonien zu bilden?
Eine Woche brauchte sie, um sich von der Erfahrung halbwegs zu erholen. Es brauchte einen anderen Ansatz. Der Gesamtklang war zu viel. Sie musste Stück für Stück vorgehen. Nur einzelne Stimmen betrachten und alles andere ausblenden. Diese modifizieren. Aber das überstieg ihre Kräfte im Liedumgang.
Sie brauchte Hilfe. Von ihrem Volk. Es musste einen Weg geben, jeden Strang des Gesamtklangs isoliert nach und nach umzuformen. Es würde lange dauern. Jahrzehnte. Und es war nicht abzusehen, was das Ergebnis sein würde, wenn man einzelne Stränge richtete, andere aber falsch blieben. Oder man den Klang zwar bereinigte - aber nicht ganz den Zielklang traf. Wäre der komplette Prozess verstanden, könnte man alles zur selben Zeit ändern - damit wäre eine Rückwandlung vom Pantherwerk möglich.
Sie nahm sich noch ein paar Tage, um ihre Gedanken zu ordnen. Öffnete immer mal wieder kurz die Schatulle, um sich an einem Element des Klangs festzusetzen. Oder besser: eines eindeutig in dem Wirrwarr zu identifizieren. Nur sehr kurz jeweils, im Anschluss lange den Eindruck im Geiste analysierend. Sie hatte Angst, sich selbst zu sehr zu verderben. Und durch die Gewöhnung verlor der Missklang langsam an Schrecken. Doch auch sie und ihre Musik würden sich ein wenig verändern... sie blickte der Gefahr ins Auge. Doch das war der Preis. Sobald sie die erste Linie rekonstruiert hatte, würde sie heimkehren - die Hoffnung ließ sie immer wieder an Shalaryl, ihre grüne Schwester, denken. Und das Lied des Windes würde ihr das Bild der meditierenden Lamentinu zutragen - mit der wohl unharmonischsten Tonkreation, die sie bislang von ihrer goldenen Freundin je gehört hatte.
Zuletzt geändert von Lamentinu Celebren am Dienstag 5. Juni 2012, 10:38, insgesamt 1-mal geändert.
- Shalaryl Di'naru
- Beiträge: 4008
- Registriert: Sonntag 5. Februar 2006, 03:25
- Wohnort: Lao'bha
"Lami...was zum Borkenfraß hast du angestellt?!"
Sie musste ohnehin zur Meditation greifen, um ihren Geist wenigstens ein
wenig zu ordnen, in einen vernünftigen Einklang zu bringen. Kelos hatte
ihre Klänge als Kind erneut in den Vordergrund gerückt, und nun weigerten
sie sich, wieder ihren angestammten Platz einzunehmen. Da es letztlich
aber eben wirklich ihre eigenen Klänge waren, gestaltete sich das ganze
noch ein wenig schwieriger. Die Klangspähre des eigenen Selbst in solch
einem Fall zu korrigieren, ohne Schäden hervorzurufen...das war höchst
kompliziert. Vor allem, wenn man permanent lieber Streiche aushecken
und den Wald erkunden wollte.
Aber gut...jede ruhige und normale Minute nutzte sie, um vor dem
titanischen Yew-Baum tief im Tal zu meditieren. Dort umspielte sie dann
auch der zarte Windhauch, der die silberne Haarsträhne in Resonanz ver-
setzte und eine Schwingung durch den mentalen Kosmos der Waldelfe
jagte. Das war Lami. Keine Überraschung. Moment...dieser Klang...ist das
wirklich Lami? Bei Eluive...he, Blödsinn machen war ihre Aufgabe!
Lami sollte gefälligst Harfe und Theater spielen! Gna...diese Gedanken
halfen ihr nicht weiter...schnell zur Seite schieben...aber tatsächlich, das
war Lami - und sie klang völlig falsch! Und...huh? Moment...nah. Relativ
gesehen, angesichts der langen, weiten Reise der Hochelfe. War das...
war sie im Wald?
"Also schön, Lami...was auch immer du da treibst...du wartest mit dem
weitermachen gefälligst, bis ich da bin. Dann schimpfe ich mit dir, dass
du hier den Blödsinn machst. Dann meckere ich, wo du dich die ganze
Zeit herumgetrieben hast. Und dann falle ich dir heulend um den Hals,
weil du endlich wieder da bist. Und wehe, du heulst nicht mit, sonst gibt
es keine Bipfel mehr für dich!"
Sie musste ohnehin zur Meditation greifen, um ihren Geist wenigstens ein
wenig zu ordnen, in einen vernünftigen Einklang zu bringen. Kelos hatte
ihre Klänge als Kind erneut in den Vordergrund gerückt, und nun weigerten
sie sich, wieder ihren angestammten Platz einzunehmen. Da es letztlich
aber eben wirklich ihre eigenen Klänge waren, gestaltete sich das ganze
noch ein wenig schwieriger. Die Klangspähre des eigenen Selbst in solch
einem Fall zu korrigieren, ohne Schäden hervorzurufen...das war höchst
kompliziert. Vor allem, wenn man permanent lieber Streiche aushecken
und den Wald erkunden wollte.
Aber gut...jede ruhige und normale Minute nutzte sie, um vor dem
titanischen Yew-Baum tief im Tal zu meditieren. Dort umspielte sie dann
auch der zarte Windhauch, der die silberne Haarsträhne in Resonanz ver-
setzte und eine Schwingung durch den mentalen Kosmos der Waldelfe
jagte. Das war Lami. Keine Überraschung. Moment...dieser Klang...ist das
wirklich Lami? Bei Eluive...he, Blödsinn machen war ihre Aufgabe!
Lami sollte gefälligst Harfe und Theater spielen! Gna...diese Gedanken
halfen ihr nicht weiter...schnell zur Seite schieben...aber tatsächlich, das
war Lami - und sie klang völlig falsch! Und...huh? Moment...nah. Relativ
gesehen, angesichts der langen, weiten Reise der Hochelfe. War das...
war sie im Wald?
"Also schön, Lami...was auch immer du da treibst...du wartest mit dem
weitermachen gefälligst, bis ich da bin. Dann schimpfe ich mit dir, dass
du hier den Blödsinn machst. Dann meckere ich, wo du dich die ganze
Zeit herumgetrieben hast. Und dann falle ich dir heulend um den Hals,
weil du endlich wieder da bist. Und wehe, du heulst nicht mit, sonst gibt
es keine Bipfel mehr für dich!"
Zuletzt geändert von Shalaryl Di'naru am Mittwoch 6. Juni 2012, 05:13, insgesamt 4-mal geändert.
Tschiep?
- Lamentinu Celebren
- Beiträge: 1105
- Registriert: Donnerstag 1. Mai 2014, 11:42
Sie saß auf einem Baumstamm und spielte Harfe, die Melodie hübsch, doch leicht durchflossen von gelegentlichen Dissonanzen- es klang nicht falsch, nur spannungsvoll. Sie spürte, wie sich etwas auf ihre Schulter legte. Eine blaue Hand. Sie blickt auf und sah das Gesicht Aroks. Mit einem lieblichen Lächeln sagte er: Du spielst schön. Dann schnellte er vor, zerkratzte ihre Wange und biss ihr das Ohr ab und aus ihrer Harfe drang ein höhnisch, kreischendes, dissonantes Lachen...
Sie schreckte auf. Stand geradezu im Bett - das Herz raste schnell. Sie griff sich an die Ohren. Und beruhigte sich langsam wieder. Nur ein Traum.
Der Abend war durchaus - turbulent gewesen. Sie hatten mit ihren Experimenten am lebenden Objekt begonnen. Einen Letharen aufgelauert - und waren noch geradeso entwischt, als Verstärkung aus Rahal eintraf.
Aus rein elfischer Sicht hatte er es wirklich gut bei ihnen - abgesehen von den Fesseln. Es gab Musik, Speis und Trank, ein eigenes, kleines Heim, sogar recht wohnlich hergerichtet - Frische Rosen, eine Kerze für romantische Beleuchtung- sie hatten sich wirklich Mühe gegeben, in so kurzer Zeit etwas halbwegs ansehnliches zusammenzustellen. Sie hatten, nach einer gewissen Überwindung, ihn sogar mit gegrillten Maden im Spieß gefüttert.
Das Testsubjekt war bislang ein voller Erfolg. Er hatte auf die Klangveränderung angeschlagen - sogar besser als erwartet. Sein Ausdruck war zu großen Teilen überaus höflich und die Ausbrüche eher selten. Es gab eben durchaus noch eine Menge Disharmonie in dem Körper, die man nicht wegdiskutieren konnte.
Doch das Ganze hatte auch durchaus Spuren bei ihr hinterlassen: Die Beschäftigung mit der Dissonanz ließ sie nicht vollständig los, und das blaue Wesen faszinierte sie auf absonderliche Art und Weise. Sie hatten es in der Hand, aus ihrem schlimmsten Feind ihren engsten Vertrauten zu machen - sie würden sehen, wohin das führen würde. Ein beklommenes Gefühl machte sich in ihr breit. Sie war sich wohl bewusst, dass der Grad schmal war, dass sie dadurch nicht auch dem Ruf des Panthers erlag...
Sie schreckte auf. Stand geradezu im Bett - das Herz raste schnell. Sie griff sich an die Ohren. Und beruhigte sich langsam wieder. Nur ein Traum.
Der Abend war durchaus - turbulent gewesen. Sie hatten mit ihren Experimenten am lebenden Objekt begonnen. Einen Letharen aufgelauert - und waren noch geradeso entwischt, als Verstärkung aus Rahal eintraf.
Aus rein elfischer Sicht hatte er es wirklich gut bei ihnen - abgesehen von den Fesseln. Es gab Musik, Speis und Trank, ein eigenes, kleines Heim, sogar recht wohnlich hergerichtet - Frische Rosen, eine Kerze für romantische Beleuchtung- sie hatten sich wirklich Mühe gegeben, in so kurzer Zeit etwas halbwegs ansehnliches zusammenzustellen. Sie hatten, nach einer gewissen Überwindung, ihn sogar mit gegrillten Maden im Spieß gefüttert.
Das Testsubjekt war bislang ein voller Erfolg. Er hatte auf die Klangveränderung angeschlagen - sogar besser als erwartet. Sein Ausdruck war zu großen Teilen überaus höflich und die Ausbrüche eher selten. Es gab eben durchaus noch eine Menge Disharmonie in dem Körper, die man nicht wegdiskutieren konnte.
Doch das Ganze hatte auch durchaus Spuren bei ihr hinterlassen: Die Beschäftigung mit der Dissonanz ließ sie nicht vollständig los, und das blaue Wesen faszinierte sie auf absonderliche Art und Weise. Sie hatten es in der Hand, aus ihrem schlimmsten Feind ihren engsten Vertrauten zu machen - sie würden sehen, wohin das führen würde. Ein beklommenes Gefühl machte sich in ihr breit. Sie war sich wohl bewusst, dass der Grad schmal war, dass sie dadurch nicht auch dem Ruf des Panthers erlag...
- Shalaryl Di'naru
- Beiträge: 4008
- Registriert: Sonntag 5. Februar 2006, 03:25
- Wohnort: Lao'bha
Sie hatte den Verstand verloren. Ja, das musste es sein, das stellte die beste
Erklärung dar. Als wenn der unfreiwillige Besuch in Rahal mit einer zwischen-
zeitlich von ihren Ohren befreiten Lami nicht schon genug auf den Geist der
Waldelfe eingehämmert, nach Zorn gewühlt hatte und alles was daran auffindbar
war hervorzerren wollte - nein, nun hatten sie auch noch einen Letharen
nach Ered Luin geholt, im Grunde neben die Wohnbäume...oh, und um die
Schote zum Aufplatzen zu bringen, handelte es sich auch noch um den
Ohrenabschneider. Hatte sie sich je in ihrem Leben so beherrschen müssen?
In Relation zu den ihr verfügbaren Möglichkeiten, wirklich schlimme Dinge
anzurichten...? Nein, wahrscheinlich nicht.
Und nun musste sie ernsthaft zum Schlafen dennoch in der Nähe bleiben,
weil nunmal jemand aufpassen musste. Schmale, grüne Finger klauben eine
der Murmeln aus dem Glas der Traumfee. Nur Nähe würde nicht reichen, es
musste Kontakt bestehen. Zumindest redete sie sich vor dem Einschlafen
ein, dass das etwas helfen würde...
Wasser. Dies war Wasser, ganz sicher. Moment, warum war es überall...?
Ihr ganzer Körper nahm die Feuchtigkeit der Umgebung war, dazu ein
leises Blubbern ab und an, Rauschen...war sie ein Elementar des Wassers?
Tauchte sie? Träumende Augen des Geistes suchen nach einem Sinn in der
Illusion während des Schlafes. Träumende...Augen? Blinzeln. Wieso war ihr
das jetzt bewusst? Sie hatte sich in keine Trance versetzt...lag das an der
Murmel? Nein, dafür war es der falsche Traum, das Wasser fühlte sich eher
klamm, kühl und lähmend an, und nun gab es ein Spiegelbild vor ihr, das
sich bewegte ohne dass die zu spiegelnde Elfe es auch tat, was wohl bedeu-
tete...
Ein stummer Schrei, verhallend im Nichts zwischen Traum und Wachen.
"Das hat aber erstaunlich lange gedauert...in mehrfacher Hinsicht. Aber es
scheint, jetzt hast du es plötzlich sehr eilig. Nicht, dass mich das in irgend-
einer Weise stört..."
Die Worte, gesprochen mit der gleichen Stimme und doch völlig anderem
Klang, von den falschen Lippen mit dem Lächeln darauf, dass das Gegen-
über nie zu zeigen wagen würde.
"Ich werde nicht zuhören. Ich weiss eh, was du sagen willst, also kannst
du dir die Mühe sparen!"
Warum konnte sie nicht unterstützend zu den Worten mit dem Fuß aufstam-
pfen? Warum konnte sie ausser Mund und Augen gerade überhaupt nichts
mehr bewegen?!
"Wer sagt, dass ich zum Reden da bin? Nur weil ich mit dir spreche...was
hat das schon zu bedeuten. Du sollst nur fühlen. Und das tust du doch schon
wunderbar. Und ein wenig sehen natürlich. Was siehst du, hm? Mich? Ja.
Eine Grenze? Nein. Dich? Ich denke nein, oder magst du mir da wider-
sprechen, Fragment des Zerbrochenen?"
Verzweifeltes Augenrollen. Da in der Mitte muss die Nase sein...nicht da.
Da unten Füße, Körper, irgendwas. Nicht da. Wo war sie? Wie war sie?
Wer war sie?
"Gute Frage. Sollen wir gemeinsam nach einer Antwort suchen? Komm...
ich helfe dir..."
Schlanke grüne Finger strecken sich vor, erreichen einen Punkt, der eine
Stirn am Gegenüber sein müsste, gleiten hindu...
Ein überaus realer Aufschrei und ein stechender Schmerz in der Handfläche.
Was war...Blick nach unten. Hand. Vorhanden! Und darin die zerbrochene
Murmel. Sie hatte zugegeben nicht viele behalten, nachdem sie bis zuletzt
Kelos mit ihrem Vorrat beworfen hatte, aber...das war noch nie passiert.
Zerplatzen oder einfach nicht mehr da sein, verflogen wie ein beendeter
Traum, ja. Aber aufgespalten in schmerzhafte Trümmerstücke? Wie zer-
brochene Fragmen...
Sie musste diesen Lethar loswerden. Lami sollte sich beeilen, das Neustimmen
schaffen und dann bitte keine Verwendung mehr für den Verführten haben.
Noch mehr Hass und Zorn, der hervorgezerrt wurde und sie konnte froh
sein, wenn sie nur den Verstand verlor.
Erklärung dar. Als wenn der unfreiwillige Besuch in Rahal mit einer zwischen-
zeitlich von ihren Ohren befreiten Lami nicht schon genug auf den Geist der
Waldelfe eingehämmert, nach Zorn gewühlt hatte und alles was daran auffindbar
war hervorzerren wollte - nein, nun hatten sie auch noch einen Letharen
nach Ered Luin geholt, im Grunde neben die Wohnbäume...oh, und um die
Schote zum Aufplatzen zu bringen, handelte es sich auch noch um den
Ohrenabschneider. Hatte sie sich je in ihrem Leben so beherrschen müssen?
In Relation zu den ihr verfügbaren Möglichkeiten, wirklich schlimme Dinge
anzurichten...? Nein, wahrscheinlich nicht.
Und nun musste sie ernsthaft zum Schlafen dennoch in der Nähe bleiben,
weil nunmal jemand aufpassen musste. Schmale, grüne Finger klauben eine
der Murmeln aus dem Glas der Traumfee. Nur Nähe würde nicht reichen, es
musste Kontakt bestehen. Zumindest redete sie sich vor dem Einschlafen
ein, dass das etwas helfen würde...
Wasser. Dies war Wasser, ganz sicher. Moment, warum war es überall...?
Ihr ganzer Körper nahm die Feuchtigkeit der Umgebung war, dazu ein
leises Blubbern ab und an, Rauschen...war sie ein Elementar des Wassers?
Tauchte sie? Träumende Augen des Geistes suchen nach einem Sinn in der
Illusion während des Schlafes. Träumende...Augen? Blinzeln. Wieso war ihr
das jetzt bewusst? Sie hatte sich in keine Trance versetzt...lag das an der
Murmel? Nein, dafür war es der falsche Traum, das Wasser fühlte sich eher
klamm, kühl und lähmend an, und nun gab es ein Spiegelbild vor ihr, das
sich bewegte ohne dass die zu spiegelnde Elfe es auch tat, was wohl bedeu-
tete...
Ein stummer Schrei, verhallend im Nichts zwischen Traum und Wachen.
"Das hat aber erstaunlich lange gedauert...in mehrfacher Hinsicht. Aber es
scheint, jetzt hast du es plötzlich sehr eilig. Nicht, dass mich das in irgend-
einer Weise stört..."
Die Worte, gesprochen mit der gleichen Stimme und doch völlig anderem
Klang, von den falschen Lippen mit dem Lächeln darauf, dass das Gegen-
über nie zu zeigen wagen würde.
"Ich werde nicht zuhören. Ich weiss eh, was du sagen willst, also kannst
du dir die Mühe sparen!"
Warum konnte sie nicht unterstützend zu den Worten mit dem Fuß aufstam-
pfen? Warum konnte sie ausser Mund und Augen gerade überhaupt nichts
mehr bewegen?!
"Wer sagt, dass ich zum Reden da bin? Nur weil ich mit dir spreche...was
hat das schon zu bedeuten. Du sollst nur fühlen. Und das tust du doch schon
wunderbar. Und ein wenig sehen natürlich. Was siehst du, hm? Mich? Ja.
Eine Grenze? Nein. Dich? Ich denke nein, oder magst du mir da wider-
sprechen, Fragment des Zerbrochenen?"
Verzweifeltes Augenrollen. Da in der Mitte muss die Nase sein...nicht da.
Da unten Füße, Körper, irgendwas. Nicht da. Wo war sie? Wie war sie?
Wer war sie?
"Gute Frage. Sollen wir gemeinsam nach einer Antwort suchen? Komm...
ich helfe dir..."
Schlanke grüne Finger strecken sich vor, erreichen einen Punkt, der eine
Stirn am Gegenüber sein müsste, gleiten hindu...
Ein überaus realer Aufschrei und ein stechender Schmerz in der Handfläche.
Was war...Blick nach unten. Hand. Vorhanden! Und darin die zerbrochene
Murmel. Sie hatte zugegeben nicht viele behalten, nachdem sie bis zuletzt
Kelos mit ihrem Vorrat beworfen hatte, aber...das war noch nie passiert.
Zerplatzen oder einfach nicht mehr da sein, verflogen wie ein beendeter
Traum, ja. Aber aufgespalten in schmerzhafte Trümmerstücke? Wie zer-
brochene Fragmen...
Sie musste diesen Lethar loswerden. Lami sollte sich beeilen, das Neustimmen
schaffen und dann bitte keine Verwendung mehr für den Verführten haben.
Noch mehr Hass und Zorn, der hervorgezerrt wurde und sie konnte froh
sein, wenn sie nur den Verstand verlor.
Tschiep?
-
Arok´xaryl
Alles schien wie verdreht zu sein, seit er in den engen Räumen
der Elfen hauste. Hass war nicht mehr Hass, Böse war nicht mehr
Böse. Hass war nun zu Liebe geworden, und das Böse wich dem
Guten. Harmonie verdränge die Dissonanz, schottete sie ab,
kesselte sie ein und hielt sie gefangen tief in ihm drin.
Was war bloß geschehen, etwas stimmte nicht mit ihm, das
konnte er spüren, doch er hatte vergessen was es war. War es
der Hass Vaters, oder die Liebe zu den schönen Dingen dieser
Welt die er verdrängt und vergessen hatte?
War er einer von Ihnen, ein stolzer und schön anzusehender
Elf, der nur verwirrt gewesen war, den falschen Pfad beschritten
hatte? NEIN! Der Hass kochte wieder in ihm auf. Niemals verrate
ich meinenSchöpfer, meinen Vater! Das hier ist alles nur Lug und
Trug und ich bin darin gefangen! Sein Körper schüttelte sich heftig
und die Gedanken wurde ausgelöscht und durch etwas schönes
ersetzt.
Er sah nun den Wald, mit seinen unendlich vielen Bäumen und
Sträuchern, das Sonnenlicht gerade erwacht, legte sich sanft
über den Boden und schien in zu wärmen und zu umarmen.
Das Morgentau im Graß und auf den Blättern und Zweigen
der Bäume glitzerte wie Diamanten im Sonnenlicht. Er erhob
sich und tanzte durch das noch feuchte Graß. Ja er tanzte und
erfreute sich an den schönen Dingen dieser Welt. Dann plötzlich
sah er nur noch schwarzes Fell, hell gelblich blitzende Augen
und ein großes Maul, mit spitzen Zähnen, welche ihm die Kehle
durch bissen. Blut spritze umher und er röchelte ein letzes
mal auf, dann sank er auf dem Boden zusammen und färbte
dieses harmonische Bild in tiefes Rot.
Der Panther der die Harmonie in dem Letharfen gerade abgetötet
hatte, schleifte den leblosen Körper mit sich in eine dunkle
Höhle. Überall an den Wänden und Decken waren grüne
schimmernde Edelsteine zu erkennen, die bedrohlich aufblitzten.
Dann hielt der Panther inne und ließ ihn an Ort und Stelle liegen
und verschwand in der Dunkelheit.
Die Edelsteine pulsierten und leuchteten heller denn je auf und
legten den leblosen Letharfen in einen grünlich giftig
aussehenden Schimmer. Das Licht bündelte sich und manifestierte
sich zu einem Samen reinen Hasses, der sich in das Herz des
Letharfen einnistete, um dort neuen Hass zu sähen.
Die Wunde an seiner Kehle schien langsam zu verheilen und mit
einem Aufbäumen des Körpers und einem markerschütternden
Schrei erwachte er aus seinem Traum.
Laut atmend kam er zu sich , dann sank er zurück auf die
Marmorbank. Er war gefesselt von Ranken die ihn kaum Platz
ließen sich zu bewegen, doch gerade so viel um sich umzuschauen.
Überall Rosen und Kerzenschein. Er hasste es hier und wollte
weg, doch die Elfen würden ihn nicht so einfach gehen lassen.
Dann musst du sie täuschen und ihnen den Samen des Hasses
pflanzen, dann werden sie dich nicht nur gehen lassen, nein sie
werden zu deinem Werkzeug! Ein diabolisches Grinsen legte sich
auf seine Züge, sein Körper schüttelte sich wieder heftig wie bei
einem Anfall, Harmonie legte sich über die Dissonanz seiner
Gedanken. Das diabolische Lächeln verzog sich zu einem liebevoll
nettem Lächeln, seine Mimik gerade noch von Hass durchzogen,
lockerte sich auf und er betrachte verträumt die Schönheit seiner
Zelle.
der Elfen hauste. Hass war nicht mehr Hass, Böse war nicht mehr
Böse. Hass war nun zu Liebe geworden, und das Böse wich dem
Guten. Harmonie verdränge die Dissonanz, schottete sie ab,
kesselte sie ein und hielt sie gefangen tief in ihm drin.
Was war bloß geschehen, etwas stimmte nicht mit ihm, das
konnte er spüren, doch er hatte vergessen was es war. War es
der Hass Vaters, oder die Liebe zu den schönen Dingen dieser
Welt die er verdrängt und vergessen hatte?
War er einer von Ihnen, ein stolzer und schön anzusehender
Elf, der nur verwirrt gewesen war, den falschen Pfad beschritten
hatte? NEIN! Der Hass kochte wieder in ihm auf. Niemals verrate
ich meinenSchöpfer, meinen Vater! Das hier ist alles nur Lug und
Trug und ich bin darin gefangen! Sein Körper schüttelte sich heftig
und die Gedanken wurde ausgelöscht und durch etwas schönes
ersetzt.
Er sah nun den Wald, mit seinen unendlich vielen Bäumen und
Sträuchern, das Sonnenlicht gerade erwacht, legte sich sanft
über den Boden und schien in zu wärmen und zu umarmen.
Das Morgentau im Graß und auf den Blättern und Zweigen
der Bäume glitzerte wie Diamanten im Sonnenlicht. Er erhob
sich und tanzte durch das noch feuchte Graß. Ja er tanzte und
erfreute sich an den schönen Dingen dieser Welt. Dann plötzlich
sah er nur noch schwarzes Fell, hell gelblich blitzende Augen
und ein großes Maul, mit spitzen Zähnen, welche ihm die Kehle
durch bissen. Blut spritze umher und er röchelte ein letzes
mal auf, dann sank er auf dem Boden zusammen und färbte
dieses harmonische Bild in tiefes Rot.
Der Panther der die Harmonie in dem Letharfen gerade abgetötet
hatte, schleifte den leblosen Körper mit sich in eine dunkle
Höhle. Überall an den Wänden und Decken waren grüne
schimmernde Edelsteine zu erkennen, die bedrohlich aufblitzten.
Dann hielt der Panther inne und ließ ihn an Ort und Stelle liegen
und verschwand in der Dunkelheit.
Die Edelsteine pulsierten und leuchteten heller denn je auf und
legten den leblosen Letharfen in einen grünlich giftig
aussehenden Schimmer. Das Licht bündelte sich und manifestierte
sich zu einem Samen reinen Hasses, der sich in das Herz des
Letharfen einnistete, um dort neuen Hass zu sähen.
Die Wunde an seiner Kehle schien langsam zu verheilen und mit
einem Aufbäumen des Körpers und einem markerschütternden
Schrei erwachte er aus seinem Traum.
Laut atmend kam er zu sich , dann sank er zurück auf die
Marmorbank. Er war gefesselt von Ranken die ihn kaum Platz
ließen sich zu bewegen, doch gerade so viel um sich umzuschauen.
Überall Rosen und Kerzenschein. Er hasste es hier und wollte
weg, doch die Elfen würden ihn nicht so einfach gehen lassen.
Dann musst du sie täuschen und ihnen den Samen des Hasses
pflanzen, dann werden sie dich nicht nur gehen lassen, nein sie
werden zu deinem Werkzeug! Ein diabolisches Grinsen legte sich
auf seine Züge, sein Körper schüttelte sich wieder heftig wie bei
einem Anfall, Harmonie legte sich über die Dissonanz seiner
Gedanken. Das diabolische Lächeln verzog sich zu einem liebevoll
nettem Lächeln, seine Mimik gerade noch von Hass durchzogen,
lockerte sich auf und er betrachte verträumt die Schönheit seiner
Zelle.
Zuletzt geändert von Arok´xaryl am Samstag 11. August 2012, 11:26, insgesamt 1-mal geändert.