Glaubensfindung

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Ortez Armada

Glaubensfindung

Beitrag von Ortez Armada »

Es waren nun schon einige Wochen vergangen, seitdem er seine Heimat verließ, um in ferne Länder aufzubrechen. Er stieg in das nächste Schiff das aus dem Hafen auslief, ohne zu wissen wohin ihn seine Reise bringen würde. Nach einigen, ihm endlos erscheinenden Tagen auf See, erreichte das Schiff ein Fischerdorf namens Bajard. In den folgenden Tagen schloß er einige Bekanntschaften, schaute sich ein wenig um und erkundete die weitere Umgebung. So kam er nach Rahal. Er fühlte sich hier wohl. Die Stadt erschien ihm ruhig und geordnet und nach wenigen Tagen kannte er sich recht gut aus und fand sich zurecht.

Langsam aber sicher gingen ihm seine Mittel aus und so hörte er sich ein wenig um in der Stadt. Für einen Streiter und sein Schwert würde es doch Möglichkeiten geben sich einige Goldstücke zu verdienen. So trat er der hiesigen Garde bei, in welcher er willkommen geheißen wurde. Seine Vorgesetzten waren streng aber doch von freundlicher Natur, so dass er zufrieden seinen Pflichten nachging. Die Menschen hier waren eher sehr gläubig, etwas was er in seiner Heimat in dieser Form nie erlebt hatte. Gewiss auch dort glaubten die Menschen, doch eher jeder was er wolle oder sie zeigten es einfach nicht in der Form.

Er tollerierte den vorherrschenden Glauben, ohne sich seiner tieferen Bedeutung bewusst zu werden. Das musste er auch nicht. Er hatte Ziele und das Erreichen der eigenen Ziele war für ihn eine Art Glauben. So bewunderte er die Menschen, die ihre Ziele erreicht hatten oder ihnen nahe waren und sie hatten seine Loyalität.

Doch der Alltag holte ihn ein. In seinen Wirrungen kamen in ihm Fragen hoch. Für wen streite ich? Gegen wen streite ich? Fragen, denen er sich bisher so nicht stellte. Die Fragen fingen an ihn stärker zu beschäftigen, schwirrten auch während seines Dienstes durch seinen Kopf und ließen seine Ziele und den Weg den er beschreiten wollte sie zu erreichen verblassen.

Er brauchte dringend Rat. So beschloss er jemanden zu bitten, der ausserhalb Rahals stand, es mit anderen Augen sah. So suchte er eine Bekannte aus seiner Zeit in Bajard auf, die er kürzlich auf dem Markt getroffen hatte und ihm so ihr Aufenthalt wieder bekannt wurde. Er schätze Ihre unkomplizierte und direkte Art Dinge anzusprechen und beim Namen zu nennen und da er von ihr schon damals angetan war, würde der Besuch in jedem Falle lohnen.

Obwohl er selbst nicht wusste woran er zu leiden hatte, blieb es ihrem wachen Geiste nicht lange verborgen. Bei einigen Bechern Wein sprach er über Dieses und Jenes bis sie es auf den Punkt traf. Er müsse seinen Glauben erkunden. Ein Jeder der streitet muss an etwas Glauben und seine Zweifel waren aus seinem oberflächlichen Verhältnis zum Glauben entsprungen. Die Konversation hielt noch etwas an bevor sie wieder auseinandergingen.

Auf dem Rückweg überlegte er lange über das was er hörte. Er würde sich tiefer mit dem Glauben beschäftigen, bis er auch einen tiefen Glauben gefunden hatte oder feststellen müsse, dass er nicht den Glauben teilen könne. So besuchte er die Messe am übernächsten Tage.
Die Worte des Predigenden waren eindringlich und durchströmten ihn in ihrer Kraft. Er fühlte einen Hauch von Wärme und Klarheit, die Einzug in das Chaos seiner Gedanken hielten. Als ihm gegen Ende der Messe der Segen erteilt wurde, durchfuhr es ihn regelrecht als könne er den einkehrenden Glauben und seine Kraft fühlen. Er fühlte sich zufriedener und beruhigter und war bestärkt in seiner neuen Aufgabe, seines Ziels, Glauben zu finden.

Sehr spät am Abend traf er in der Taverne jemanden, von dem er meinte, dass er derjenige sei, der ihm einen vertieften Einblick in den Glauben geben könnte. Er würde ihm helfen den Glauben zu finden und ihm die nötige innere Ruhe und Klarheit zu geben, die er brauchen würde, um ein wirklich guter Streiter der Sache des Einen zu werden. Zu seiner Überraschung wurde ihm tatsächlich seine Bitte gewährt und ihm würde, zu gegebener Zeit, geholfen werden. Fast euphorisch setzte er seinen Rundgang fort und konnte es kaum erwarten, den Mann wieder zu treffen. Es würde sich zeigen, ob er seinen Frieden finden könne, doch er war sich, bestärkt durch die kleinen Erfolge, fast ganz sicher, dass es gelingen möge.
Ortez Armada

Beitrag von Ortez Armada »

Schlecht hatte er in jener Nacht geschlafen, so dass er sich am nächsten Morgen wie gerädert fühlte. Bei der Vorbereitung auf den Dienst, erinnerte er sich an die Ereignisse des gestrigen Tages. Die Worte des Predigenden waren in seinem Kopf noch bruchstückhaft vorhanden, jedoch ohne die Wirkung, die sie am Tage zuvor noch in ihm auslösten. In den folgenden Tagen wägte er ab, was zu tun sei. Der Gedanke, die Stadt und die Menschen die er kennengelernt hatte zu verlassen löste doch unbehagen in ihm aus. Aber hier zu verweilen, dass war nach reiflicher Überlegung ausgeschlossen. Er lud also einige Sachen, die er sein eigen nennen konnte auf sein Pferd und zog aus Rahal aus, in der Hoffnung seine Zeit hier hinter sich lassen zu können.

Eingetroffen in Varuna, machte er sich daran ein Bankfach einzurichten, um dort ein paar Sachen einzulagern. Als er die Bank wieder verließ, stand plötzlich seine Bekannte wieder vor ihm. Er war sehr erfreut sie so schnell nach seiner Ankunft wiederzusehen. In dem folgenden Gespräch eröffnete sich ihm auch eine Möglichkeit, wieder in Lohn und Brot zu kommen.
Akyrlaer

Beitrag von Akyrlaer »

Verspielt drehte die junge Frau die Goldmünze zwischen den Fingern hin und her, den Lauf der Münze betrachtend. Am Gold selbst lag ihr wenig, aber dafür am Spiel um so mehr und der ehemalige Gardist wollte definitiv mit ihr spielen.
Sie lächelte dünn. Der Vollmond war zwar bereits wieder verzogen, doch der Jäger jagte immer, wurde immer gejagt. Wie lang schon hatte sie keinen Menschen mehr gejagt? Zwei Jahre, drei? Sie wußte es nicht mehr. Dies war auch ohne Belang. Der Praefector hatte zur Menschenjagd aufgerufen und so war sie seinem Ruf gefolgt. Entfernt hallte der kalte Hauch seiner Worte in ihrem Verstand.
Wer mir tot mehr nützt als lebend, den töte ich.
Sie hielt es ebenso und der Gardist konnte für den Praefector und damit Alatar noch von Nutzen sein. Alles was sie dabei tun mußte war, ein paar Karten gut aus zu spielen. Der Plan war kühn und zerbrechlich, die Umsetzung heikel. So lang sie sich auch mit der feinsinnigen Kunst, den menschlichen Geist zu studieren und in gewünschte Bahnen zu lenken beschäftigt hatte, vieles blieb ihr noch immer ein Mysterium. Zu viele Fragezeichen in der Gleichung. Doch wir alle wuchsen an unseren Herausforderungen und sie mußte sich eingestehen, daß diese Herausforderung sie mehr reizte als sie vielleicht sollte.
Alles Mitgefühl ist Schwäche. Dies waren seine Worte. Schwächen sind Waffen, Lücken in einem Panzer, Wunden in die man seine Finger legen sollte. Sie war sich unsicher, ob sie sich in diesem Moment davon frei sprechen konnte oder ob das, was sie plante, wirklich allein auf Alatars Wille ausgelegt war. Es ward an der Zeit, ihren Mentor erneut auf zu suchen.
So wie sie ihn kannte würde er dem Vorhaben zustimmen. Sie schnippte die Münze in die Luft und fing sie mit der rechten. Mysterien in den Schatten.
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