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Wer ist wer – und wer bin ich?
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Askan Fiete Sturmlicht





 Beitrag Verfasst am: 13 Feb 2018 13:22    Titel:
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Dilemma

Ich schlug die Augen auf, kaum dass sie das Schlafzimmer verlassen hatte, blieb aber liegen und lauschte auf die sich entfernenden Schritte, die die Treppe hinauf nahmen. Meine Hand hatte sich ganz von selbst auf die noch warme Stelle im Bett geschoben, als sie sich noch anzog. Mit dem Verlassen des Bettes hatte sie mich bereits geweckt, ich mich nur weiterhin schlafend gestellt, um zu sehen, ob sie mich weckte. Sie tat es nicht. Sie ging.

Etwa eine halbe Stunde nach ihr verließ ich selbst das Haus. Meine Knie schmerzten furchtbar bei jeder Treppenstufe, egal ob hinauf oder hinunter. Der Alkohol war noch immer spürbar, so dass ich irgendwo aus den Tiefen meiner Tasche ein Pülverchen herausholte und es in mich rein kippte, noch auf der Schwelle der Haustüre. Es schmeckte scheußlich bitter und im ersten Moment hatte ich den Drang einfach auf den Pflasterstein vor mir zu kotzen. Für einen flüchtigen Augenblick machte der Würgereiz den ganzen Scheiß vergessen, aber das hielt nicht allzu lange an.
Ich lehnte mich an die Haustüre hinter mir und sah zum Tor hinüber. Bestimmt war sie dort hinaus. Das war halt ihr Weg. Nachgehen oder nicht? Nein. Nein, lieber nicht.

Ich stieß mich von der Türe ab und schlurfte das kurze Stück nach Hause. Mir war kalt, elend vom Restalkohol und dem Pülverchen, und noch viel elender von dem Gespräch vorm Schlafen gehen. So fühlte sich also ein hundsmiserables schlechtes Gewissen an. Auf die Erfahrung hätte ich gerne verzichtet. „Selbst eingebrockt, Fiete, ganz selbst eingebrockt,“ schimpfte ich leise mit mir selbst, als ich mir zuhause angekommen in der Küche einen Tee aufsetzte. Kamille mit Fenchel. Mir war so ungemein übel, und ich war mir nicht mal sicher, ob das wirklich von Alkohol und Pülverchen herrührte. Aber immerhin merkte ich inzwischen, dass das böse A nachließ und das Pülverchen seine Wirkung tat.
Als das Wasser aufgekocht war, kippte ich einen Löffel voller Kräuter hinein und sah ihnen gedankenverloren beim Treiben zu.

    Das Gewissen

    Ich war deine leise warnende Stimme, tief im Innern. Du hast mich einfach überhört, hast gemeint, sie wird das nehmen, wie bei all den anderen Gesprächen zuvor und lediglich nicken, lächeln, es danach beiseiteschieben. Hast du es gesehen, wie sie reagiert hat? Und ich habe es dir vorher zugeflüstert, aber du wollest nicht hören. Und jetzt? Was willst du machen? Dass es ungeschehen gemacht werden kann, geht nicht, das weißt du. Also was willst du tun? War das gestern nicht genug Ärger im Allgemeinen? Schau dir mal deine Knie an. Schau dir an, was es in dir ausgelöst hat! Quälst dich gern in einem Rutsch selbst, ne? Dann ist’s rum, ne? Das hier wird nicht so schnell rumgehen. Das kannst‘ vergessen, Fiete. Weil du nicht auf mich gehört hast! Weil du mich immer gerne überhörst!
    Sie ist auch nicht dein einziges zu lösendes Problem, wenn auch das Wichtigere! Aber du wirst’s auch der erzählen müssen, oder nicht?

    ‘Pitsch.‘

Hoffnungsloser Kampf

“Schnauze!“ Ich drückte die Hände an meine Schläfen und kniff die Augen zu, spürte den Boden unter meinem Körper. Ich musste gestürzt sein, hatte es selbst aber gar nicht mitbekommen. So viel zur Theorie, ich verlöre die Kontrolle nicht über mich, wenn sie hochsprudelten wie die buchstäbliche junge, kraftvolle Quelle eines Bachs. Bestimmt hatte ich die Magistra mit meinem Ausruf geweckt, so eine Scheiße. Für einen Moment fühlte ich mich wie ein kleiner grüner Junge, wie ein Kind, mir war nach flennen zumute, ertrinken im Selbstmitleid. Im nächsten Augenblick hätte ich am liebsten meinen Dolch geschliffen und wollte losgehen, jemanden umbringen. Die Demütigung am vergangenen Abend hatte Askan nicht vergessen und gärte in ihm, in mir, und warf schweflige Blasen.

Nur mühsam kam ich wieder auf die Beine, verdammte Knie, verdammtes Weibsbild. Ich griff nach dem fertigen Tee, seihte nur noch rasch die Kräuter darin ab, und sah zu, dass ich vor den warmen Kamin kam. Tatsächlich fürchtete ich, dass ich mich sonst wieder lang legte. Ich spürte schon, wie die Kontrolle sich erneut zu verpissen drohte.

    Mordgelüste

    Setz der Schlange ein Ende. Ach, was sag ich! Beiden! Verdammte Kuttenträger! Ich hab dir gesagt, die taugen für nichts außer dem Sarg! Egal, wo du ihnen begegnest! Die werden dich immer gängeln und fertig machen. Du bist so ein verdammter, jämmerlicher, kleiner Wurm. Nichts bekommst du mal anständig hin.
    Hättest dich mal an die Regeln gehalten! Dann müsstest du dir jetzt nicht Rabans Gejanke anhören! Bring sie einfach alle um die Ecke, dann ist Ruhe! Alle vier!

    ‘Plitsch.‘

Sanfte Umarmung

Leise. Still. Komm her. Gib nicht auf. Ja, halt dich ruhig fest. Weine. So ist gut. Ich weiß, du schaffst das. Hast ein gutes Herz. Kleine schwarze Flecken hat jeder auf der Seele. Mach‘ dir nicht zu viel daraus. Alles wird wieder gut. Ich bin ja bei dir. Immer. Du wirst niemals allein sein. Auch nicht, wenn sie geht.

    Vewirrung

    “Ma? Sie darf nicht geh’n, hörst du?“ Ein Flüstern nur, dann schlief ich vor dem Kamin ein, erschöpft, ohne noch wirklich zu wissen, wo ich mich befand, unruhig, aufgelöst, durcheinander und von den vielen Stimmen ganz wirr.


Zuletzt bearbeitet von Askan Fiete Sturmlicht am 13 Feb 2018 13:28, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Askan Fiete Sturmlicht





 Beitrag Verfasst am: 14 Feb 2018 17:16    Titel:
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Hoffnung

Hoffnung. Hoffnung. Hoffnung!
Hoffnung war Gift für die Seele und fürs Herz, Gift für alles, was einem wichtig war. Zu keiner Zeit war mir danach gewesen Hoffnung zu schüren. Wollt nur ein wenig Frieden und nette Zeit schenken. Was beim Dunkel, Hölle und Verdammnis war daran falsch? Was daran falsch zu verstehen?! Beim Rost am Dolch des Verräters! Was dachte die sich? Was hatte ich mir dabei gedacht?

Ach am Ende war ich’s eh gewesen. Wie immer. Wer auch sonst?


    Unbändiger Zorn, tief schwelender Hass

    Erstaunlicherweise blieb ich ganz bei mir. Keiner der anderen tauchte auf, holte mich da heraus, drängte sich vor und übernahm das Ruder. Es gab nicht einmal einen Moment, wo ich auch nur annähernd spürte, wie sich Askan einzumengen versuchte, oder Rabban, oder Ma, oder, oder, oder.
    Alles, was ich spürte war Zorn und Hass, und ich wusste nicht einmal zu sagen, gegen wen sich das gerade richtete. Gegen mich selbst? Naheliegend, gegen Rot, oder anderes Rot, oder gegen Schwarz?

    Anstatt den eigenen Mordgedanken zu folgen, würde bestimmt wieder Hoffnung wecken, wenn, war ich heimgegangen und hatte mich ins Zimmer eingesperrt. Ich saß vor meinem Tisch, den Dolch in der Hand und spielte mehrere Szenarien durch. Allesamt endeten ziemlich blutig, oder auch ziemlich tot, manche auch ziemlich elendig verreckend.
    Irgendwann verging das brennende Gefühl in der Brust und hinterließ eine Leere, die ich lange nicht mehr gespürt hatte.

    „Das hast du verkackt. Aus und vorbei, Fiete.“ Still und heimlich stellte sich die Erkenntnis ein, dass irgendwas in mir zerbrochen war.
    Kehre zu den Regeln zurück. mahnte eine leise Stimme, die ich just nicht zuzuordnen vermochte. Die Regeln. Hoffnung, getötet. Leere. Ja, vielleicht sollte ich das tun. Zu den Regeln zurückkehren. Hätte ich ihnen nicht den Rücken gekehrt, wäre alles so viel einfacher. Dann gäbe es all den Ärger nicht. Ich ließ den Dolch auf den Tisch fallen, und nahm das kleine Fläschchen Gift in die Hand, das vor mir stand. Ich schüttelte die Flasche und sah dem kleinen Strudel im Inneren zu, bis dieser verging. Alle die ablenkenden Gedanken schob ich beiseite und begann mit meiner selbst auferlegten Arbeit. Es war rum, nicht mehr zu retten, und mir fehlte der Elan noch irgendwas retten zu wollen, mich noch annähernd damit zu befassen. Drauf geschissen. Schön war’s. Vorbei war’s. Schützende Leere. Dann tat es wenigstens nicht so weh.
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Askan Fiete Sturmlicht





 Beitrag Verfasst am: 17 Feb 2018 11:12    Titel:
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Mitleid

Allein sein war der Dämon. Immer, wenn ich gerade einige Stunden für mich alleine hatte, fing ich an im Kreis zu laufen, oder irgendwohin zu laufen, Hauptsache laufen. Dabei war ich schwer bemüht nebenbei auch einen Bogen zu laufen, um ein gewisses Haus. Manchmal geriet der Bogen etwas kleiner, die Finger zuckten, und ich begann schneller zu laufen. Was eine Hühnerkacke!
Da kam’s dann wieder hoch. Sie tat mir leid, ich fühlte mich schuldig dran, und bei Licht besehen, war ich’s ja auch.
„Halte Abstand“, hallte es mir dann in den Ohren, mahnenden Tons, nebst der Klarheit darüber, was geschähe, wenn nicht. Klarheit über vielerlei Dinge, die dann geschähen. Es machte mich verrückt, ja, verrückt! Wahnsinnig! Und es gefiel mir alles überhaupt nicht. Wieso musste alles so schwierig sein?

    Ungläubigkeit

    Da sagte sie zu mir, sie könne das nicht. Beängstigend. Ich konnte das auch nicht so ganz glauben. Vielleicht wollte ich es auch nicht. Im ersten Moment dachte ich, es schlösse sich eine Türe. Im Zweiten machte irgendwas in mir einen Satz. Im dritten Moment wusste ich mal gar nicht, was ich sagen sollte, also glotzte ich sie, glaube ich, nur reichlich dümmlich an. Sollte auch nicht das einzige Mal an dem Tag bleiben. Irgendwie war das so einer dieser Tage, wo es mir mal mehrfach die Sprache verschlug. Bekam gar nicht mehr zusammen, wieso nochmal gleich. Wusste nur noch, dass es sich gut anfühlte.

    Gleichzeitig stellte ich fest, dass das weniger gute Thema mich noch eine Weile begleiten würde. Ein Grund war die Anglerin. Ein anderer das Thema an sich. Und dann fragte ich mich, ob sowas erzählt werden sollte, wenn dann Besuch kam von der Begleitung. Irgendwie sträubte es sich mir innerlich dagegen. Ging doch keine Sau was an!
    Tja, aber dafür, dass es keine Sau was anging, mischte sich ein rosa Schweinchen ganz schön ein und benahm sich, als wäre es kurz vor der Schlachtung und eigentlich das Opfer. Naja, Opfer. Also im übertragenen Sinn. Beim Schweinchen war ich mir aber nicht so sicher!

Lange Nächte

Bei allen Göttern, Seraphen, Fabelwesen und Höllenkreaturen, hatte ich einen Muskelkater! Mir tat alles weh! Ich konnt‘ noch immer nicht still sitzen, aber laufen war auch ’ne Qual. Bei jedem verdammten Schritt hör ich mich ächzen. Als wär ich ‘nen alter Sack!
Egal, das war’s wert gewesen. Aber sowas von! Und solang das klappte, dem tollen Thema zum Trotz, war’s noch nicht hoffnungslos. Da war es das Wort. Hoffnung. Und zack! Schon kommt’s Grummeln wieder hoch. Irgendwie war’s so’n Ding mit der Hoffnung. Kannst nicht ohne sie, aber mit ihr geht’s auch nicht. Kommt bekannt vor? Ja, komisch…

Versteh übrigens überhaupt nicht, wieso die da alle nicht drüber reden wollen, über das andere Thema. Peinlich, wurde da gesagt, wäre es. Pff. Natürlichste der Welt. Stellen sich wieder alle was an. Ist fast wie am Anfang, als ich ankam. Wo sie alle so taten, als wären sie alle ganz brave Mädchen, die von Sauereien keine Ahnung hätten und ganz pikiert taten, wenn man’s offen ansprach.
Völlig unnötige Aufregung ums Ganze. So sieht’s aus.
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